Plattdeutsch in Gelsenkirchen

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Josel
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Re: Platt - Für watt ???

Beitrag von Josel »

IngoS hat geschrieben:Also ich find's hochgradig albern sich in einer Sprache zu unterhalten, die nur eine Handvoll Leute verstehen. Wofür soll das gut sein irgendwelche verunstalteten Wörter zu benutzen, die mein Gegenüber nicht versteht ?
Das gibt zu denken. :roll:

Da die meisten Menschen auf dieser Erde besser Englisch als Deutsch sprechen, macht es - konsequent zu Ende gedacht - erst recht keinen Sinn, überhaupt einen deutschen Dialekt in diesem Forum zu verwenden.

Thus, let's talk english from now on.

J.
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pito
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Beitrag von pito »

@ Ingo: Sprache ist Reichtum, egal ob Platt, Slang oder das was wir aufgrund bestimmter historischer (im Grunde zufälliger) Gegebenheiten als "Hoch" bezeichnen. ;-)
Josel hat geschrieben:Da die meisten Menschen auf dieser Erde besser Englisch als Deutsch sprechen
Stimmt nicht. Die (zahlenmäßig) meisten sprechen Chinesisch. :lol:

Josel
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Beitrag von Josel »

pito hat geschrieben:Stimmt nicht. Die (zahlenmäßig) meisten sprechen Chinesisch. :lol:
Wäre ich mir nicht so sicher, da viele von denen auch Englisch sprechen. 8) Aber ich hab Dein Anliegen schon verstanden...

J.
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IngoS
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Talk op platt !!!

Beitrag von IngoS »

Ich will ehrlich sein - Ich kann's auch !!
Also passt auf:

Svet öbre Snöck di Wack
wiär us Modder vuil gesprack.
Doch wann dr Ullr mi g-pack,
moch diö genuck mi sack.
Wannst nu b-komms ni um,
van Chinaböller - Bumm !!!

Da seid ihr aber platt was ???

Gruß

Ingo

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Buerelter
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Re: Platt - Für watt ???

Beitrag von Buerelter »

Josel, das Du mir hier beispringst....:D wo Dir doch bisher der münsterländischer Teil von Gelsenkirchen nicht so geheuer war^^

IngoS, danke für Deinen Beitrag. In einem Posting sind alle Vorurteile und falsche Tatsachen vereinigt.
IngoS hat geschrieben:Also ich find's hochgradig albern sich in einer Sprache zu unterhalten, die nur eine Handvoll Leute verstehen.

Richtig, Niederdeutsch oder Plattdeutsch ist eine Sprache. Leider eine, die im Aussterben begriffen ist, weil es immer weniger Sprecher gibt. Albern ist diese Sprache ganz und garnicht, sie war sogar im MA offizielle Sprache der Hanse, konnte man sich damit im ganzen nordeuropäischem Gebiet (ja, auch in England!) verständlich machen.
Wofür soll das gut sein irgendwelche verunstalteten Wörter zu benutzen, die mein Gegenüber nicht versteht ? Es heisst nicht umsonst "platt". Man empfand es früher als "flach", "platt" - eben ungebildet.

Falsch!
Platt bedeutet eben nicht flach, platt, ungebildet, sondern im Gegenteil "klar, verständlich". vgl. das niederlandische Wort "plat" und die Übersetzung ins Deutsche. Und: Es sind nicht "irgendwelche verunstalteten Wörter, es ist eine Sprache, in Norddeutschland auch bei Behörden anerkannt!
Historisch enstanden der Unterschied zum Hochdeutschen, weil im norddeutschen Raum die Zweite Lautverschiebung nicht stattgefunden hat. Im Prinzip ist Plattdeutsch also noch ein Relikt aus dem Mittelniederdeutschen. Übrigens, die Engländer haben beim Lautverschieben auch nicht mitgemacht, daher gibt es viele Begriffe und Wörter, die sich im Plattdeutsch wie im Englischen finden. Vom Niederländischen gar nicht zu reden....
Un wat mien Kiärl is: De verstaoht mi, ook wann ik platt kuer. Süs hätt ik en ook nich nommen.
Ich denke, vielen wäre eher damit geholfen sich mit korrektem Deutsch zu befassen als mit "Platt" oder gar "klingonisch" - was übrigens tatsächlich eine anerkannte Sprache ist - siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Klingonisch.


Es ist sicherlich nicht falsch, korrektes Hochdeutsch zu beherrschen, es kann aber bestimmt kein Fehler sein, wenn man zusätzlich auch die Sprache der Eltern oder Großeltern beherrscht. Die ersten plattdeutschen Worte habe ich wohl an meiner Wiege vernommen...

Wer mehr wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Plattdeutsch (gibt´s ja nicht nur für Klingonisch)

Gafft süs nog een, de platt kürt or wat wieten wull? Schriewt doch ok mal n betken!

Guot goahn!

IngoS
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Getz ma ährlich !!

Beitrag von IngoS »

Ich habe Anfang der 1960'er Jahre meine Kindheit in Horst (Schacht III) verbracht und meine Vorfahren kamen aus Hamburg (wo ja noch häufiger platt gesprochen wird). Ich kann mich an keinen Fall erinnern, dass in Horst irgendjemand mit jemandem platt gesprochen hat. Sehr wohl sind mir jiddische und polnische Ausdrücke bekannt, die Teil der Ruhrgebietssprache der frühen 1960'er Jahre waren. Unser Vadder kam z.B. aus Hamburg und hat viele Jahre in MacPomm gewohnt. Ich weiss, dass er "Platt" konnte, aber es nie zum Einsatz kam. Sehr wahrscheinlich hätte ihn keiner verstanden oder man hätte angenommen er hätte schon 5 Pullen Stauder und 'ne halbe Pulle Mariacron intus. :lol:

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Scholvener Jung
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Beitrag von Scholvener Jung »

Leider wurde mir die Sprache nicht so nahe gebracht um sie gut zu sprechen, aber lesen, oder wenn mich einer langsam auf Platt anspricht verstehe ich es wohl.

Der eine kann's, der andere nicht. Und das in unmittelbarer Nähe.
Kleines Beispiel, was nur ca. 3 - 4 km auseinander liegt:

Ein Kotten (kleiner Bauernhof) in Oberscholven, Anfang der 70ger Jahre. Die kleine Gabi* konnte nicht rechtzeitig zum Kindergarten gebracht werden, weil in den Morgenstunden im Schweinestall tierischer Nachwuchs das Licht der Stallbeleuchtung erblickte. Klar das die Kleinen erstmal versorgt werden mußten. Danach wurde also die kleine Gabi* zum Kindergarten nach Scholven gebracht. Als dann die Ordens-Schwestern fragten, warum sie denn so spät in den Kindergarten gekommen sei, kam prommt die Antwort: "Unsre Su hät Ferken kricht!" (R) Ich glaube, daß in diesem Moment mehrere große Fragezeichen über den Köpfen der Nonnen schwebten. Sie hatten wirklich nichts verstanden, da Gabi* auch etwas aufgeregt erzählte.

* Name geändert
(R) Falsche Rechtschreibung möge man mir bitte verzeihen. Ins Hochdeutsch übersetzt soll es heißen: "Unsere Sau hat Ferkel bekommen."
Hömma!

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Buerelter
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Beitrag von Buerelter »

Meine Kindheit fand in den 60ern in Oberscholven statt.

Dort war plattdeutsch eigentlich normal und gebräuchlich. Mein Großvater und meine Großtanten unerhielten sich immer auf platt, hochdeutsch wurde nur mit mir und meinen Brüdern geredet, weil "die Jungs sollen ja ordentlich sprechen". Mein Vater wäre nie auf die Idee gekommen mit seiner Mutter hochdeutsch zu sprechen. Wenn meine Großmutter Hochdeutsch sprach, klang das irgendwie "verschraubt". Die Nachbarskinder sprachen platt, was sonst. So ist man mit einer zweiten Sprache ganz selbstverständlich groß geworden.
In unserer Familie wurde aus o.g. Gründen nur Hochdeutsch gesprochen. Auf der Straße: Platt!
In der Grundschule wurde natürlich hochdeutsch gelehrt. Der Lehrer wäre aber sicher in der Lage gewesen, den Unterricht auf platt zu geben.
Später auf der Realschule hatten wir einen Lehrer, der aus Weseke kam. In der Mathe-AG hat er einmal eine Schulstunde zum Thema "Folgen und Reihen" auf Platt gehalten. War schön....
Das alles hat meinem Sprachverständnis nicht geschadet. Spreche auch Englisch und leidlich Französisch.

IngoS
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Beitrag von IngoS »

Mein Großvater und meine Großtanten unerhielten sich immer auf platt, hochdeutsch wurde nur mit mir und meinen Brüdern geredet, weil "die Jungs sollen ja ordentlich sprechen".
Siehst du ??? Die hatten die Problematik schon damals erkannt !!! :lol:

Teekesselchen
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Beitrag von Teekesselchen »

Wahrscheinlich werden jetzt gleich für diese Frage zehnfache :shock: :shock: :shock:
Augen verdreht, aber wir wollen ja den friedlichen Umgang hier miteinander üben. :)
Und da ich noch nie so nah dran war an Platt-Experten, frag ich jetzt einfach:

Wenn die Leute, die immer platt sprechen- denken -, denken die dann auch in platt oder in hochdeutsch? So nach dem Motto gemütlich auf der Couch und dann : Ich werde mir jetzt mal einen Kaffee kochen . Oder ähnlich. Sind die Worte im Kopf auch Platt oder beim Lesen, liest man da die hochdeutschen Worte und verändern die sich dann bis zum Gehirn in Platt ?
Ich mein das ernst ! :oops: Gibts Antwort ? :roll:

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Buerelter
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Beitrag von Buerelter »

Na klar, gibt es Antwort!

Hochdeutsch ist nun mal die hier und jetzt gebräuchlich Alltagssprache. Man lebt und erlebt in diesem Sprachraum so alles mögliche im Tagesverlauf.
Wenn ich mich aber in Plattdeutsch vertiefe, so wie jetzt wieder in den letzten Tagen, denke ich auch auf platt. so irgendwie.....ist leichter.

Spreche dann auch mehr platt. Unabhängig davon ob mich mein Gegenüber versteht. Da übersetze ich lieber später noch einmal. Aber der auf platt gedachte Gedanke muß auch so raus. Ist dann einfach genauer, passender, treffender. Das ist doch im Ruhrdeutsch genauso: Wenn man wirklich was aussagen möchte, dann gehen einem die Synapsen durch und redet, wie einem der Schnabel gewachsen ist.
Beim Lesen ist´s einfach: liest man Hochdeutsch, denkt man hochdeutsch, liest man platt, denkt man platt. Man "switcht" einfach um.
Ich denke, andere Bilinguale kennen das auch. (Zuzu??)
Nach vier Wochen Frankreich habe ich auch in Französisch geträumt, ja. Und noch weitere zwei Wochen Spaß an der Sprache gehabt. War ne geile Zeit, lang ist´s her...

pito
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Beitrag von pito »

Buerelter hat geschrieben:Spreche dann auch mehr platt. Unabhängig davon ob mich mein Gegenüber versteht. ...
Wieviele Platt-Sprecher trifft man denn noch so in GE?

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TanteJu
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Beitrag von TanteJu »

Ich setz dazu mal einen Beitrag zum Schmunzeln ein:

http://www.youtube.com/watch?v=2Ma5nFPw7Cc

Teekesselchen
Abgemeldet

Beitrag von Teekesselchen »

Buerelter hat geschrieben:Na klar, gibt es Antwort!
:bulb: Danke ! Das find ich ja echt interessant. Oberscholven und plattdeutsch. Nicht zu fassen, was man hier erfährt. :wink:

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Buerelter
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Beitrag von Buerelter »

Es gibt noch viele Platt-Sprecher.
Oder Versteher: TêTe ist einer. (Ik schriew et ja schonn!)

Es gibt in Buer die Plattdeutsche Runde, die sich einmal monatlich im Kolpinghaus trifft. Demnächst müßte auch wieder ein großes Treffen im Michaelshaus in Buer zusammenkommen. Der Heimatverein Buer ist der Ausrichter.
Dann und wann gibt es auch einen plattdeutschen Gottesdienst im Urbanusdom. Der ist dann gut besucht, nicht nur 20 oder 30 Leute. Dann ist die Kirche voll.
Aber leider: Tendenz abnehmend! :(

Un wann ink glöwt, dat man of platt nich biärn könnt:
(Man kann auch auf plattdeutsch beten:)

[center]Usse Vader

Usse Vader,
Du büs in dän Hiëmel,
Dien Naome si hillig,
et sal kuëmen dien Riek,
un wat Du wis,
dat sal passeern
in´n Hiëmel un up de Äer.
Dat däglik Braud, Häer,
giëw us vandage
un laot us nao usse Schuld,
so äs wi wilt vögiëwen,
de, we us wät schüllig sint.
Bräng us nich in Vösökung
un maak us fri van aal dat Üëwel.
Et is Dien Riek, Dine Macht
un Häerlikkait för ümmterto.
Amen.

[/center]

Guod goahn!

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