Plattdeutsch in Gelsenkirchen

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Yibe
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Beitrag von Yibe »

Also, wenn ich bei Planetwissen heute richtig aufgepaßt habe, heißt Platt in diesem Zusammenhang nichts anderes wie Dialekt, so der Sprachwissenschaftler...ist also völlig wertfrei.

Zu unsrem GE-Platt, ich komme ja aus Ückendorf und hatte das Glück meine Urgroßmütter väterlicher und mütterlicherseits kennengelernt zu haben und niemand von denen sprach so, auch die älteren Leute in der Nachbarschaft sprachen nie so, ist es denkbar, dass es wirklich ein Platt jenseits des Kanals war?
Für Menschen, die mir etwas bedeuten, gehe ich durchs Feuer...für andere gehe ich nicht einmal ans Telefon !!!

Josel
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Re: Platt - Für watt ???

Beitrag von Josel »

Buerelter hat geschrieben:Josel, das Du mir hier beispringst....:D wo Dir doch bisher der münsterländischer Teil von Gelsenkirchen nicht so geheuer war^^
Mensch Buerelter - ich glaube, meist liegen wir in unseren Ansichten nicht furchtbar weit auseinander - außer vielleicht hinsichtlich Deiner These, dass Du im Münsterland wohnst.

Aber zum Thema: Entgegen Yibes Wahrnehmung, die sich letztlich doch allzusehr auf ihr Umfeld zu gründen scheint, spielt Plattdeutsch natürlich auch im alten Ückendorf eine nicht unerhebliche Rolle, weil die echten alten Ückendorfer nunmal westfälische Bauern waren. Sie konnten sich sprachlich allerdings kaum gegen die einwandernden Berg- und Stahlarbeiter durchsetzen, zu denen vermutlich auch Yibes Vorfahren gehörten. Man könnte deshalb an dieser Stelle z.B. sprechen über den alten "Dördelmann" und warum der genau so und nicht anders hieß. Man könnte hier aber auch nochmal eine alte Geschichte wiederholen, die sich die Ückendorfer Bauern gern erzählten. Sie erklärt, warum auf dem Ückendorfer Dorfplatz ein Findling lag und was der Mechtenberg damit zu tun hat.

„En stüksken van de twei risengripers op den Tieppelsbiarg un op den Mechtenbiarg.

Git wietet doch alle, dat frööer op den Mechtenbiarg en rise wuonde un enen op de Tieppelsbiarg. De Tieppelsbiarg liet en stünken van Baukem un de Mechtenbiar liet enige smiet wiages van Watsche na Allenessen hen.

De beiden risen bokken ümmer tehoupe broud. Einmal moch de eine backen, dann brach de andere sin broud un so gonk et ümmer üm. Nu moch es de kedel op den Mechtenbiarg broud backen, un de vam Tieppelsbiarge moch sine Knisten brengen. Wann nu de rise op den Mechtenbiarg in den truag schrappen, dann war et tid, dat de vam Tieppelsbiarge sin broud brach. Dat schrappen i de truag ludden uwwer so hat, as wann et gedonnert hedde. – As nu de stunne da was, wa de rise achter Baukem denner kommen moch, schrappen sik de op de Leithe faquanz an den rüggenstrank un depper darunner. Dat konn awwer de op den Tieppelsbiarg häören, un he kam ok richtich un brach de broude. Awwer da ha de in de Leithe nach nich de uawen angebot, un de van Baukem kam te fröü. Da wor he so böüse, dat he enen stein nam un den einen risen smeit. Dä leip awwer wech un kam in en paar sprüngen in Ueckentüarp an. Da fol ok de stein terdale, un he liet nach di dat spreitenhüsken. Den grouten stein kent alle lüe, de in de giegend wont, un he het nich andes as de groute kieseling van de kedel op den Tieppelsbiarg.“

J.
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IngoS
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Usse Vader

Beitrag von IngoS »

Usse Vader,
Du büs in dän Hiëmel,
Dien Naome si hillig,
et sal kuëmen dien Riek,
un wat Du wis,
dat sal passeern
in´n Hiëmel un up de Äer.
Dat däglik Braud, Häer,
giëw us vandage
un laot us nao usse Schuld,
so äs wi wilt vögiëwen,
de, we us wät schüllig sint.
Bräng us nich in Vösökung
un maak us fri van aal dat Üëwel.
Et is Dien Riek, Dine Macht
un Häerlikkait för ümmterto.
Amen.
Ich bin sicher, dass unser lieber Gott sich vor Lachen in die Hose macht, wenn du ihn mit diesem Kauderwelsch anbetest. Andererseits läufst du Gefahr, dass er nix versteht !!!
Oder ist Usse Vader der Cousin von Darth Vader aus Krieg der Sterne ???

Gruß

Ingo

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moni53
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Re: Usse Vader

Beitrag von moni53 »

Ich bin sicher, dass unser lieber Gott sich vor Lachen in die Hose macht,
wenn du ihn mit diesem Kauderwelsch anbetest.
Andererseits läufst du Gefahr, dass er nix versteht !!!

Ingo

wenn du dich da mal nicht täuschst, Ingo...


http://www.plattduetsch-in-de-kark.de/

Moni
Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten jede Blume ein Unkraut. (Finnisches Sprichwort)

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Lindenstraßenkind
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Beitrag von Lindenstraßenkind »

Hallo alle zusammen,

in meiner Familie mütterlicherseits wurde nicht nur ab und wann platt gesprochen sondern auch holländisch, wenn die drei Cousinen meiner Mutter zu Besuch waren.

Wir Kinder fanden das immer ganz spannend. Meine Tochter hat später auf der Realschule Holländisch als Wahlpflichtfach gehabt.

Ich finde Platt auch heute noch gut! :)

IngoS
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Nederlands

Beitrag von IngoS »

Auf welcher Schule war das ?? Ich hatte nämlich auch holländisch als Wahlfach. Das war 1975 auf der Geschwister-Scholl-Realschule in Horst bei Herrn Dir. Holstegge.

Gruß

Ingo

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Lindenstraßenkind
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Beitrag von Lindenstraßenkind »

Hey, Ingo

Das war 1995 auf der Realschule Mühlenstraße in Buer. Den Namen der Lehrerin weiß ich leider nicht mehr. :?

koelleken69
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Beitrag von koelleken69 »

Tach, Lindenstraßenkind. Du solltest wissen, daß auch an einem Marler Gymnasium in der Oberstufe Niederländisch angeboten wird. Mal sehen, was die Jahre so bringen.

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Lindenstraßenkind
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Beitrag von Lindenstraßenkind »

koelleken69 hat geschrieben:Tach, Lindenstraßenkind. Du solltest wissen, daß auch an einem Marler Gymnasium in der Oberstufe Niederländisch angeboten wird. Mal sehen, was die Jahre so bringen.
Hallo koelleken, ja .. dann wird ein Teil der Familiensprache ja vielleicht fortgesetzt! :D

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brucki
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Beitrag von brucki »

Jetzt muß ich aber auch nochmal loswerden, daß es in Buer den Niederländischen Praatavond gibt!

Guckst Du: www.praatavond.de.ms

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Lindenstraßenkind
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Beitrag von Lindenstraßenkind »

Ach, die Creperie, die kenne ich. Die ist doch schon seit ewigen Zeiten da. Ich war jetzt aber auch schon jahrelang nicht mehr dort.

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Gartenfreund
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Beitrag von Gartenfreund »

hab mal wieder was Interessantes ausgegraben

Auf Platt in alter deutscher Schrift

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Den fehlenden Text in den Löchern müsst ihr euch dazudenken.
Viel Spaß
Das Böse ist immer und überall

homosapiens1957
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Plattdeutsch in Buer, Horst und Gelsenkirchen

Beitrag von homosapiens1957 »

Hallo, kann mir jemand bei den alten plattdeutschen Namen der Stadtteile von Gelsenkiärken un Buer helfen.

Ich brauche die zweimal, einmal im Dialekt nördlich der Emscher (Dialekt des ehem. Vest Recklinghausen) und einmal südlich der Emscher (Dialekt von Bochum-Mark, tut mir Leid, Ge-Patrioten, der wird wirklich so bezeichnet obwohl Gelsenkirchen nördlich von Bochum liegt).

Noch eines gleich mal vorweg für alle, die sich damit noch nicht wirklich beschäftigt haben: Das ehemalige Vest hatte einen eigenen Dialekt, ist also kein Münsterländisch, wie ich hier in einem Foren-Beitrag die Behauptung gefunden habe, das Vest gehört schon zum Südwestfälisch, ist der nördlichste Teil des südwestfälischen Dialektgebietes. Das Münsterland fängt entgegen einem wohl verbreiteten Irrtum erst an der Lippe und nicht schon in Polsum an, südlich davon zwischen Lippe und Emscher lag das kurkölsche Vest, gehörte nicht zu Münster und gehört damit auch nicht zum Münsterland.

Und nun zurück zur eigentlichen Frage:

Buer ist klar, dass ist Platt und heißt eigentlich nur hdt. Bauer.

Für Ückendorf haben ich Ueckentüarp (https://nds.wikipedia.org/wiki/Wikipedi ... %C3%A4rken) mit Verweis auf eine Seite hier im Forum gefunden, könnte richtig sein, allerdings kann ich diesen Dialekt nicht, nach Gehle, Wörterbuch westfälischer Mundarten müsste es aber eher -duarp heißen, muss aber nicht, da es auch innerhalb eines Dialektes durchaus Varianten gibt. In Kirchhellen heißt Dorf Dorpe, so dass es im Burelter Dialekt wohl anders heißen wird, beide sind ja Vestisch, so nenne ich das jetzt einmal, aber muss auch nicht unbedingt so sein, weil auch in diesem Gebiet gibt es von Ost nach West einige Unterschiede, in Recklinghusen bsp. heißt es aff, in Kirchhellen aw (hdt. ab). Also wer buerschen Dialekt kann, kann mir vielleicht zumindest sagen, wie Dorf in Buer auf Platt heißt.

Noch eine Frage an plattsprechende Ückendorfer: Dass Ueckentüarp mit ue statt Ü geschrieben wird, kann auch bedeuten, dass das "e" ein Dehnungs-e ist, also wie bei Buer nicht als bür sondern als buur, also mit langem "u" zu lesen ist, daher bräuchte ich auch insoweit eine Angabe, ob das nun eine Schreibweise mit ue statt ü ist oder ein Dehnung des u.

Hassel vermute ich mal, ist auch Plattdeutsch, es gibt mehr Orte mit dem Namen Hassel im Sprachgebiet des Platt.

Bismarck ist heute nach dem ehem. Reichskanzler benannt, hieß früher Braubauerschaft, das nur mal zur Info für Leute, die das nicht wissen. Zudem, auf Platt wird es daher kaum Bismarck heißen, soweit ihr eventuell alte Quellen habt, kann da noch als hochdeutsch Braubauerschaft stehen.

Und da ich schon bei Quellen bin: Wenn ihr Quellen kennt, wo die plattdeutschen Namen stehen (Bücher, Aufsätze, Internetquellen usw.) wäre ich dankbar, wenn ihr diese angeben würdet.

Ich hoffe, es gibt hier ein paar Forenmitglieder, die noch Platt können bzw. irgendwelche Quellen kennen, wo ich die plattdeutschen Namen der Stadtteile finden kann. Brauchen tue ich die Angaben für das plattdüütsche Wöörbook https://nds.wiktionary.org, es ist daher wichtig, dass ihr genau wisst, wie ein Stadtteil heißt, "vielleicht", "eventuell", "könnte sein" helfen mir nur insofern weiter, als ich versuchen kann, herauszufinden ob es stimmt, aber aufnehmen kann ich nur Ortsnamen, wo 100 % sicher ist, dass sie auch stimmen.

Noch eines zur Schreibung und Aussprache: Wenn ihr nicht wisst, wie man es in Platt richtig schreibt, kein Problem, nur müsst ihr mir das schreiben, damit ich weiß, dass die Schreibweise zu überprüfen ist, eventuell könnt ihr eine Tonaufnahme machen, ich sage euch gerne, wo und wie ihr sie hochladen könnt, dann kann ich mir diese anhören und es dann in die Schreibweise des jeweiligen Dialektes umsetzen. Es gibt je nach Dialekt mehr oder weniger viele Abweichungen von der hochdeutschen Rechtschreibung, bspw. im Münsterland schreibt man "uë", wenn einem u ein gequetschtes e folgt, Duisburg bspw. kennt jeder, ui bedeudet dort ü, Raesfeld, Buer haben Dehnungs-e, bei Beck, Becke (Bach) haben wir kein ck sondern ein Dehnungs-c, deshalb heißt es auch (gesprochen) Schermbeek und nicht Schermbek, de Becke auch nicht Bekke sondern Beeke.

War jetzt viel Text, aber leider nötig, weil ich an Leute schreibe, die ich nicht persönlich kenne und von denen ich daher auch nicht weiß, was sie wissen und was nicht.

Ich kann natürlich auch viele weitere Hilfen gebrauchen, bspw. wenn euch Wörterbücher, Wortlisten und ähnliches bekannt sind, dann wäre es nett, wenn ihr mir das schreibt. Häufig werden die von Heimatvereinen herausgegeben und sind nur schwer auffindbar, wenn man keinen Zugang zu deren Archiven hat, noch schwerer, wenn es nicht Wörterbuch heißt sondern schlicht ein Artikel ist, der in der Vereinszeitung ein paar Worte erörtert. Soweit es den Heimatverein Kirchhellen und seine Schriftenreihe betrifft, kenne ich die Quellen, aber ansonsten ist das ehemalige Vest auf meiner Wörterbuchlandkarte ein weißer Fleck. Zur Grammatik kann ich überhaupt nichts finden. Wer Platt kann, kann mir also auch damit helfen, die grammatikalischen Regeln herauszufinden.

Und wer noch mehr Lust auf Platt hat, darf natürlich auch gerne am Wörterbuch mitarbeiten. Ich würde mich freuen, derzeit bin ich schon länger der Einzige, der da noch regelmäßig etwas macht, die anderen, die da zuletzt mitgearbeitet haben, mussten aus beruflichen und/oder privaten Gründen aufhören. Und ich gehe einmal davon aus, dass es hier auch ein paar Rentner gibt, die inzwischen wieder genug Zeit haben, mal was zu machen, Interesse vorausgesetzt, klar, aber das ist auch eine gutes Training für den Gehirnkasten, denn man muss neben dem Verfassen von Artikeln auch jede Menge Forschungsarbeit leisten, ganz so, wie ich es hier jetzt mache, hoffentlich erfolgreich. Es ist also nicht mit dem stupiden Abtippen von Wörterbüchern getan, obwohl, bis zu einem gewissen Grade ist es aber auch genau das.

So un nu noh een good niejohr.

Übrigens: Ek sin van Buer. Häw gitt dat vöstohn?

Schaffrather38
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Plattdeutsch in Gelsenkirchen

Beitrag von Schaffrather38 »

Ein Plattdeutsches Gedicht
über den Buerschen Bauern.
Kopiert aus den Ruhrnachrichten
vom 24.12.1992
BildBildBild
Gruß
Schaffrather38

Karlheinz Rabas
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Zeitschrift: De Pohlbörger

Beitrag von Karlheinz Rabas »

Ab 1954 hat es eine Zeitschrift für die Plattdeutsche Sprache im Ruhrgebiet gegeben.
Im Stadtteilarchiv Rotthausen befindet sich ein ganzer Stapel dieser Hefte, der aber noch nicht bearbeitet ist. Nachstehend der Titel von Heft 1 und der Einleitungstext.
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Karlheinz Rabas
Jeden Dienstag von 17.00 bis 19.00 Uhr sind
Besucher bei uns im Stadtteilarchiv Rotthausen, Mozartstraße 9, herzlich willkommen 10.000 Fotos zu Rotthausen und mehr

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