"Gelsenkirchen in Bewegung" (GiB - Manifest 1979)

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rabe489
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"Gelsenkirchen in Bewegung" (GiB - Manifest 1979)

Beitrag von rabe489 »

<b>Das GiB-Manifest
Gelsenkirchen in Bewegung-groß an-
gelegte Umsiedlungsaktion, geplant
von unserer wirrköpfigen Stadtver-
waltung, Blick auf das Stadtzentrum
zur Rush-Hour, unsere materiellen
Verhältnisse auflösende Molekular-
verschiebung intergalaktischer
Unholde?
Nichts davon! "Gelsenkirchen in
Bewegung" ist der Versuch, wenn mög-
lich, eine Zusammenarbeit, wenig-
stens aber eine Kommunikation zwi-
schen den Kräften zu schaffen, die
sich in diese Gesellschaft, wie sie
sich heute präsentiert, nicht ohne
weiteres einbringen können, und die
in irgendwelchen Gruppen, Aktionen
oder Initiativen verändernd an die-
ser Gesellschaftsform arbeiten.
Notwendig wurde dieser Versuch,
weil oben erwähnte Gruppierungen
in den letzten Jahren einen Marsch
in die Isolation und das dogma-
tische Sektierertum vollzogen ha-
ben, sich nach allen Seiten hin ab-
kapseln und sich in Ideologien
flüchten, die ihnen zwar ein fe-
stes Gebäude bieten, gleichzeitig
aber ei nen undurchdringi ichen Schutz-
wall um sie aufbauen, der andere
Ideen nicht an sie heranläßt und
deshalb mit letzteren auch nicht
zu verwechseln sind.
Vollzieht man hier noch den
Selbstbetrug mit Hilfe der Krücke
Ideologie, so wird man sich anders-
wo der Ideenlosigkeit bewußt,flüch-
tet sich in Theoriefeindlichkeit +
Apathie und steigert sich in einen
masochistisehen und von Selbstmit-
leid überfrachteten Katzenjammer
hinein.
Und hier wird die zweite, wei-
tergehende Aufgabe, die eine Bewe-
gung haben muß, deutlich. Sie muß
Bewegung in das statische Gebäude
der weitanschauungen und Ideolo-
gien bringen, eine neue Diskussion
zwischen ihnen entfachen, und darf
sich letzt endlich nicht scheuen,
als Resultat dieser geistigen Be-
wegung in einer ideenlosen Zeit
selbst Ideen zu produzieren.Grund-
lage hierfür ist ein Bestreben,das
selbstverständlich erscheint, aber
schon lange nicht mehr selbstver-
ständlich ist, daß das nahelie-
gendste und vordergründigste, zu-
gleich aber auch eines der weitge-
hendsten und radikalsten ist: der
freie, nicht kontrollierte Aus-
tausch von Meinungen, Ansichten
und Standpunkten.
Denn neben der offiziellen
staatlichen Zensur, die sich in
ausdrücklichen Verboten bestimmter
Ansichten, aber auch in völliger
Unterdrückung und Totschweigen
durch die staatlich gelenkten, al-
les beherrschenden Medien dokumen-
tiert, ist auch der Austausch und
die vorurteilsfreie Beschäftigung
mit jedmöglicher Ansicht, die nur
nach dem Wert, der Klarheit und
der Lösungsmöglichkeit einer Idee
urteilt, bei großen Teilen der po-
litisch arbeitenden Personen und
Gruppen zugunsten von völlig ein-
seitiger Informationsaufnahme und
ungeprüfter Ablehnung jeder ande-
ren Idee verschwunden. Jede Forde-
rung nach vollkommener Meinungs-
freiheit und -Vielfalt wird als
bürgerlich p1uralistiseh, libera-
1a1a und Unrevolutionär hinge-
stellt.
Hier taucht die Frage auf, was
revolutionär ist, als eine Frei-
heit, die nicht mit tausend
"Wenns" und "Abers" behaftet ist,
die nicht von vornherein nur eine
Freiheit für die einen, erwachsen
aus der Unterdrückung anderer,ist.
Ist es nicht eine An^st vor der
Kraftlosigkeit der eigenen Theo-
rie, die davon abhält, sich in ei-
nen offenen Wettstreit der Ideen
einzulassen, mit dem Wissen, daß
sich bei freiem Meinungsaustausch
die klarere, wahrere Idee durch-
setzen wird? Oder ist es die Über-
legung, daß man an den Adressaten
seiner Ideologien, den Menschen
nur die eigenen subjektiven Wahr-
heiten herankommen lassen darf, da
er sich sonst vielleicht für die
falschen entscheiden könnte? Wel-
ches Bild des Menschen, des Medi-
ums, um das sich ja schließlich
jede Veränderungs- oder Befrei-
ungsidee dreht, liegt dem zugrun-
de? Muß man ihm nicht die Achtung
erweisen, den Weg seiner Befreiung
selbst zu wählen? Und ihm von da-
her wenigstens die Möglichkeit zur
Entscheidung geben?
Dies alles, nicht mehr und nicht
weniger, so11 diese Aktion leisten,
in der einige Gruppen, die unter-
schied! i ehe Ansichten,Perspektiven
und Ideenansätze haben, trotz al-
ler Differenzen die Notwendigkeit
zur Zusammenarbeit erkannt haben
und sich auf diesen Minima1konsens,
der vielleicht gar nicht so mini-
mal ist, geeinigt haben.
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Josel
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Beitrag von Josel »

Wer wurde denn wobei unterdrückt?
Welche Meinungen wurden zensiert?
Haben die Unterzeichner diesen Text wirklich kapiert?
Gabs irgendwelche Erfolge oder Eregebnisse der Aktion?

(Ich mein das ganz ernst... Würd mich wirklich interessieren!)

J.
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Zeitreisender
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Verblüffung

Beitrag von Zeitreisender »

Unglaublich.
Ich habe erst am Schluss bemerkt, dass du nicht von heute sprichst!!!

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Beitrag von Zeitreisender »

Unglaublich.
Ich habe erst am Schluss bemerkt, dass du nicht von heute sprichst!!!


Josel
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Beitrag von Josel »

"Antikapitalistisch" betrachtet (so ähnlich nannte man das doch damals immer, oder?) war das doch eine tolle Zeit: Die Grünen werden gegründet, das BVerfG verteidigt das Mitbestimmungsgesetz 1976 gegen die Angriffe der Arbeitgeberverbände. Da kommen wir heute ganz sicher nicht mehr mit!
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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

Hier u. a. erschien das Manifest. Sicher sind die Unterzeichner keine subventionierten Jasager. Die Vertreter der Unterzeichner haben sich auf dem Titelblatt ablichten lassen.

Bild
8)

Josel
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Beitrag von Josel »

Das Foto find ich klasse, vor allem wegen des ratlosen Establishments im 1. OG.

Einer der Unterzeichner war "BI gegen ATOMKRAFT". Das hieß doch in den damaligen Zeiten hoffentlich "Bürgerinitiative", oder?

J.
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Heinz
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Beitrag von Heinz »

@rabe

erkenne ich da Giovanni Catania?
Kannst du nicht noch den einen oder anderen Artikel reinstellen?

@josel

Hast du die Zeit miterlebt?
Ich glaube dass der Nenner "Antikapitalistisch" nicht ganz greift.
Die Frauenbewegung z.B. kannst du da nicht reinpressen.
Und die Anti AKW Bewegung z.B. war ausdrücklich auch gegen "sozialistische" kernkraftwerke.
Bis auf die verschiedenen K-Gruppen, die Technik in Arbeiterhand für ungefährlich erklärten, Technik in Kapitalistenhand für gefährlich.
Allerdings wiederum nicht der KB, der fand AKWs auch und gerade in sozialistischen Ländern gefährlich.
Was ihn in Gegnerschaft zur DKP brachte, dereen Vertreter zwar wußten, dass die Technik ...
ach lassen wir das.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Josel hat geschrieben:Das Foto find ich klasse, vor allem wegen des ratlosen Establishments im 1. OG.
Von wegen ratlos. :wink:
Auch du unterschätzt einfach das revolutionäre Potenzial von Rentnern. 8)

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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

Zum Foto: Ganz vorn mit Aktentasche: Johannes Stüttgen, rechts daneben auf dem Boden nach hinten lehnend: Achim Weber: (Küchentheater, The Salinos); in deren Mitte mit heller Jacke hockend: Giovanni Catania; Vorn rechts hockend neben Achim Weber: vielleicht Bert Gossen (Salinos, Küchentheater, heute Maler in New York); zwischen Catania und Weber im Hintergrund der Kopf: Sylvia James (Zwanzigstes Jahrhundert, Titanic); ganz rechts außen stehend: Günter Eifert (Bassist, Titanic); hinter Stüttgen, nur Haare sichtbar: Theo Grütter; ganz links außen in Schwarz: Jürgen Kramer; rechts im zur Seite: Peter Bloch (FIU);...

Ich werde hier noch weitere Artikel reinstellen.

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rabe489
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GZ Seite 2

Beitrag von rabe489 »

Bild

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rabe489
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Aus der 20seitigen Gelsenkirchener Zeit-Schriften II-1979

Beitrag von rabe489 »

Viel Spaß beim Schmökern...


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pito
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Beitrag von pito »

Eine Werbekarte für das Gelsenkirchener Küchentheater, signiert von Joseph Beuys:

http://www.zvab.com/displayBookDetails. ... d=39230950

Falls einer Geld loswerden will. :lol:

salife
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Beitrag von salife »

Meine Güte, jetzt bin ich schon so fleissig und lese auch immer brav jede Menge alte Threads, um mir einen groben Überblick über ich weiß nicht wie viel Seiten zu verschaffen und immer kommen wieder welche nach oben, die ich noch gar nicht gesehen habe. In diesem hier habt Ihr Euch, zugegeben schon vor ner ganzen Weile, angeregt über ein Foto unterhalten - nur: ich sehe das auf der ganzen Seite nicht :roll:, oder bin ich nun schon ganz blind? Kann mir jemand weiterhelfen :?:

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