Integration- Was bedeutet das?

Menschen vieler Nationen leben in Gelsenkirchen friedlich zusammen. Erzählt aus eurem multikulturellen Alltag.

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Mechtenbergkraxler
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Immer wieder tauchen Trolle hier auf, tragen selten mal etwas zu GE-spezifischen oder heimatkundlichen Freds bei, aber versuchen nach Kräften ihrem Auftrag nachzukommen, ein wirklich soziales Medium wie die GG immer wieder mal mit Meinungsmache zu unterwandern. Und wenn dann Meinungen nicht passen, kommt der Nonkonforme auf die "Ignore-List". Wie lächerlich ist denn so eine "Ignore-List"? Aber ich kann das verstehen, wenn so ein Troll sich schon geoutet hat, dass er grundsätzlich keine Tagesschau (und wahrscheinlich auch keine normale Qualitätspresse (zu der die WAZ wirklich nicht unbedingt zählt)) anguckt, sondern wahrscheinlich lieber BILD-TV (Mist, gibt es glaube ich nicht mehr), RTL und BamS und ähnliche Mainstream-Gazetten als Quelle seines Wissens nutzt.

Ich habe keine "Ignore-List", sondern ich lese in den für mich interessanten Freds, wenn ich Zeit habe, ziemlich jeden neuen Beitrag, auch wenn ich mich über manchen Unsinn ärgere oder zumindest den Kopf schütteln muss.

Integration: Sind Leute mit "Ignore-List" überhaupt in demokratietypische Streitkultur integriert? Natürlich nicht. Integriert: Sind unsere Neubürger in der Ostzone "integriert"? Jetzt sind sie in unseren westdeutschen Sozialsystemen angekommen und meckern immer noch. Und wünschen sich, wie sie früher mit Begeisterung bei den Jungen Pionieren gesungen haben: "Die Partei, die Partei, die hat immer recht." Sind die integriert?

Integriert ist, wer vernünftig Deutsch spricht, sein Geld selber verdient - es sei denn er/sie/es ist krank - und die Hausordnung (des Staates und des Wohngebäudes) einhält. Dann ist mir völlig egal, wie hoch der Pigmentgehalt der Haut ist. Migrationshintergrund haben zwei Drittel der Ruhrgebietsbewohner. Migrationshintergrund ist seit den Zeiten der Völkerwanderung so was von normal.

MK
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matz
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von matz »

Ich glaube, dein größter Schicksalsschlag im Leben war, dass die Mauer gefallen ist. Die Ostzonen-Fixierung in jedem deiner Beiträge ist wirklich phänomenal.

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Minchen
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von Minchen »

Finde ich auch reichlich skurril.

Sind unsere Neubürger in der Ostzone integriert?

Integriert in was? Es sind deutschsprachige Deutsche, die in Deutschland leben. Inwiefern sollen sie sich integrieren?
Abgesehen davon, dass die Wiedervereinigung 33 Jahre her ist.

@spider: ich hatte einen sehr sonnigen Tag. Zweieinhalbstündige Wanderung in Kupferdreh heute morgen, danach habe ich mich auf den Garten gestürzt. Es bleibt aber indirekte Rede. So zitiert man nunmal. :ka:
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.
(Shakespeare, König Lear)

Troy
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von Troy »

Vielleicht muss man, wenn das Zitat ansonsten korrekt ist, noch bei Frau Welge einkalkulieren, dass sie nicht von hier ist.

Sonst hätte sie vielleicht gesagt, dass genau die drei von ihr benannten Gruppen per Anwerbung der Wirtschaftsbetriebe gekommen sind. Und dass zu den Anwerbezeiten z.B. der "Polen" die Stadt GE nicht so existierte, wie sie sie heute als OB vertritt. Und dass mindestens 2 Gruppen, nämlich die Masuren und die Polen, den Alltag in den Stadtteilen (die es so auch noch nicht gab, wie wir ja Dank der GG und des ISG wissen) langjährig prägten.
Fremde Sprache, fremde Gewohnheiten, fremder Glaube - und Katholische und Evangelische hatten sich damals schon vorher orntlich gegenseitig misstraut, nix mit Integration.

Dazu liest sich gut die Anekdoten-Sammlung aus GE und Buer von H.-R.Thiel.

Wir wissen doch von den elendlangen Prozessen der Stadtwerdung, die nicht kommunal gesteuert waren.

Aber vielleicht hat sie das auch gesagt, es wurde nur nicht zitiert.

Warum schreibe ich das?
Für sich selber weiter zu belesen!
Es gibt ausreichend Literatur dazu.

Solche Vergleiche holpern m.E. durch die Stimmungslager und bewässern dadurch die latente Angst vor allem Fremden.

Was vor 100 Jahren strukturell nicht funktionierte, und die Arbeitsmigration begann schon vor 150 Jahren, hatte vergleichsweise ähnliche Rahmenbedingungen und Mechnismen wie heute: Viele Kinder, wenig Steuerzahler. Ich schrob schonmal darüber.

Heute haben wir EU. Mit Rumänien und Bulgarien.

Die Wirtschaft bestimmt(e) den Rhythmus und die Abläufe, die Kommune reagiert(e). Die Wirtschaft explodiert(e) und braucht(e) arbeitende Menschen, transformiert(e) sich und braucht(e) sie nicht mehr. Oder andere.

Zur "Integration" angeworbener Menschen vor Ort:

Was die integrativ-aktive Gesellschaft der 1960er Jahre hinter hiesigen Mädchen und Frauen, die sich mit (jungen) Italienern angefreundet hatten, hergeschwatzt oder gerufen hat auf Gelsenkirchener Straßen, das ist mit "Italienerliebchen" noch sehr höflich beschrieben.

Am RHG erzählte eine Lehrerin über den Unterricht in der Unterstufe, wo die ersten Jungs und auch die ersten türkischen Kinder aufgenommen wurden, sie unterrichte "Söhne Allahs". Das war Ende der 1970er Jahre. Und da wurden Söhne und Töchter aus türkischen Familien aufgenommen, die für diesen Bildungsweg teils selber gekämpft hatten. Eine Schülerin kam sogar aus einem Bundesland im Süden der BRD nach GE in die Oberstufe am RHG, weil sie nur hier ihr Abitur machen konnte. In anderen Bundesländern ging das damals für sie als türkisches Mädchen gar nicht. Sie hat 1989 ihr Abi gemacht und danach studiert. Sie ist eine sehr gute Erziehungswissenschaftlerin geworden.

Als die Aussiedlerbeschulung in GE notwendig wurde, gab es reichlich Beispiele für "Anpassungsleistungen" an das hiesige Leben. Mit den dazugehörigen Schwierigkeiten.

Als die Kinder/Jugendlichen aus den 5 neuen Ländern kamen, war in der Schule sehr gut zu beobachten, wie wenig da oft Gleiches zu Gleichem kam. Trotz Deutsch sein und Deutsch sprechen.

Haben wir das alles
a) "gar nicht mitgekriegt
b) "nicht gewusst"
c) nicht behalten
d) gut verdrängt
e) schöngeredet?

Gnade der späten Geburt oder so?

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heen
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von heen »

Zum Thema die Schrift "Untersuchung migrationsbezogener Konflikte in Gelsenkirchen".
Es ist eine Fallstudie zum Forschungsprojekt „Migrationsbezogene Konflikte als Herausforderung und Chance für institutionellen Wandel in groß- und kleinstädtischen Kontexten“.
Die Fallstudie gibt es hier: https://www.migrachance.de/wp-content/u ... irchen.pdf
Mehr zum gesamten Forschungsprojekt hier: https://migrachance.fh-erfurt.de/

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Mechtenbergkraxler
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

matz hat geschrieben:
20.03.2024, 19:24
Ich glaube, dein größter Schicksalsschlag im Leben war, dass die Mauer gefallen ist. Die Ostzonen-Fixierung in jedem deiner Beiträge ist wirklich phänomenal.
Ganz im Gegenteil, ich habe es sehr begrüßt, als die Mauer gefallen war, und ich werde auch nie die Fahrt mit Kollegen am Abend des 9. November 1989 vergessen, als wir gerade von einer Industriemesse zurückkamen und die Meldung im Autoradio mitbekamen. Wir haben uns riesig gefreut und vermissten nur den Schampus, um darauf anzustoßen.

Es geht um die Frage der Integration. Und zur Integration gehört die Anerkennung demokratischer Werte. Wenn ich mit steigender Tendenz aus Mitteldeutschland (damit das ehemalige echte Ostdeutschland nicht in Vergessenheit gerät :wink: ) höre, dass Politiker und politisch Engagierte tätlich angegangen werden bis hin zu Brandanschlägen auf Wohnhäuser, wenn ich sehe, wie dort allmontaglich mehrfach vorbestraften Hallodris zugejubelt wurde und wahrscheinlich auch wird, und wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung die Leute dort sich wieder nach einer Einheitspartei zurücksehnen, dann darf ich doch wohl die Frage stellen, ob da wirklich von Integration gesprochen werden kann. War vielleicht doch einfach nur "Kommt die D-Mark nicht zu uns, kommen wir zu ihr." die Hauptmotivation? Die Soziologen wissen seit langem, dass Diktaturen von einem Gros der Bevölkerung überhaupt nicht als negativ empfunden werden, sogenannte Zustimmungsdiktaturen, wie sie offenbar in Russland zur Zeit auf dem Durchmarsch ist und hier auch von gar nicht wenigen herbeigesehnt wird.

@ Minchen: Die deutsche Sprache als alleiniges Integrationskriterium? Das ist wirklich etwas wenig, auch wenn ich es für das Minimum halte. Ich habe oben eine gängige Definition geschrieben.

MK
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romeospider
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von romeospider »

Vermögensverteilung in Deutschland:

Den obersten fünf Prozent gehört fast die Hälfte

"Die Vermögen sind in Deutschland so ungleich verteilt wie fast nirgendwo sonst in Europa,
zeigen neue Zahlen. Vor allem ein Faktor entscheidet über Haben oder Nichthaben.
Von Christian Endt • Visualisierung: Mia Janzen"

aus der ZEIT vom 15. April 2024, 14:02 Uhr

https://www.zeit.de/geld/2024-04/vermoe ... eit-europa

Da schau' her: Die Reichen sind wohl assimiliert, wollen sich aber nicht integrieren.
Bei Flüchtlingen sieht's ganz anders aus.
Nun ja... Prozentrechnung ist bei so manchem schon höhere Mathematik.
Das heißt ja nicht, dass man sich um Frau Klatten keine Sorgen machen darf, denn die Gigolos warten überall, wenngleich nicht in Gelsenkirchen.
Wer lobt ist mächtig. Wer gelobt wird ist schwach. Wer gelobt werden möchte ist ein Sklave.

kefir
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von kefir »

Interessant ! Aber warum werden hier Artikel vorgeschlagen, die man ohne Zuzahlung nicht lesen kann ? :roll:

romeospider
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von romeospider »

@kefir
Zitat: "Interessant ! Aber warum werden hier Artikel vorgeschlagen, die man ohne Zuzahlung nicht lesen kann ? "

Ich denke, vorschlagen ist grundsätzlich legitim, auch wenn es Artikel sind, die bezahlt werden müssen.
Im übrigen ist der Titel aussagekräftig genug, eine weitere Kommentierung des Sachverhalts nicht unbedingt erforderlich und schon gar nicht im Zusammenhang zu meinem Kontext.

Wirklich interessant wäre allerdings zu fragen, wieso bis zu einer bestimmten Einnahmenhöhe die prozentuale Belastung steigt, danach aber sinkt. Aber wer weiß das schon oder will es gar wissen.
Auch interessant wäre es zu wissen, warum die Einkommen in manchen Ländern viel gleichmäßiger verteilt sind.
Hier steht die Schweiz einsam an der Spitze und die USA und Deutschland bilden das Schlusslicht. Das allgemeine Bürgerverständnis ist wohl trotz Demokratie sehr unterschiedlich ausgeprägt. Oder?

Was also bedeutet Integration auch? - Richtig... (die USA sind wahrlich kein Vorbild): echte Chancen-Gleichheit auf allen Gebieten und nicht nur im Grundgesetz. (Mit anderen Worten: 'der Teufel darf nicht nur auf den größten Haufen scheißen').
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romeospider
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von romeospider »

Bundesbank:
Vermögensungleichheit in Deutschland wächst


Hohe Preis- und Zinssteigerungen treffen besonders ärmere Haushalte. Daher werden laut Bundesbank seit Ende 2022 die Unterschiede zwischen Arm und Reich wieder größer.

Zitat aus "DIE ZEIT" vom 15.04.2024 (Artikel ist frei zugänglich)

https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-04/ ... -inflation

Der Auftrag an die Bürger lautet: Die Einkommen sollten sich assimilieren, damit alle integriert werden und sein können.
Wer lobt ist mächtig. Wer gelobt wird ist schwach. Wer gelobt werden möchte ist ein Sklave.

kg01 oder so
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Re: Integration- Was bedeutet das?

Beitrag von kg01 oder so »

aus irgendeinen Dorf kommend, bestes deutsch könnend nach 7 Jahren und dann traf ich sie beide - beim Umtauschgeschäft eines Fußsprudlers
"Der taucht ja nix, kommt nichts an"

ich liebe es

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