Integration- Was bedeutet das?

Menschen vieler Nationen leben in Gelsenkirchen friedlich zusammen. Erzählt aus eurem multikulturellen Alltag.

Moderatoren: Verwaltung, Redaktion-GG

Benutzeravatar
kleinegemeine01
Beiträge: 8543
Registriert: 27.01.2008, 22:09
Wohnort: Gelsenkichern

Beitrag von kleinegemeine01 »

Kindergeburtstag bei uns:
Mädchen hat Geburtstag und schickt Einladungen los, Mutter verspricht den ängstlich fragenden Eltern einen schweinefleischfreien Esstisch, die Kinder sind dennoch misstrauisch und verweigern die Pizza
der Teilzeithund Luna ist gerade bei uns
die Mädels denken, der Platz auf seiner Decke ist auch der Ort wo der Hund pinkelt und sie ekeln sich
Mutter sieht alles locker und gelassen und erklärt und erklärt und erklärt
alle Kinder begreifen es nicht wirklich, aber was solls
alle app in die Küche und ne Notmahlzeit kochen vor aller Augen
anschließend gemeinschaftlich mit Hund Gassi gehen


und ich gebetsmühlenartig ansonsten immer wieder:

"Redet nach Möglichkeit deutsch untereinander wenn ich mich zwischen euch aufhalte."
Ich habe auch schon Zusammenkünfte deutsch/türkischer Eltern verlassen wenn auf mich keine Rücksicht genommen wurde und ich mich in Gesprächen einfach nicht einbringen konnte aufgrund intensives Palaver unter m/w Türken.

Ich gebe zu, ich bin häufig angepisst, also sauer und alles Reden ist fast immer für die Katz.

Keine Ahnung was richtig ist und was ist falsch?

Aber dauerhaft abweisend sein mag ich auch nicht.
Aber ernst genommen werde ich auch nicht.

Daher kann ich eine gewisse Hilflosigkeit oder Wut schon nachvollziehen.
Auf beiden Seiten womöglich?

Ist Integration ainklich noch möglich?

Ich sage mal ganz kess: nein
aber ein Gewöhnungseffekt wird eintreten

... wenn der Erde noch genügend Zeit bleibt

Amen!

Mark
Beiträge: 498
Registriert: 21.11.2008, 23:10
Wohnort: ehemals GE-Resse, den jetzigen sag ich lieber nicht

Beitrag von Mark »

@ Jazzam

Wir haben das Gespräch mit den Eltern gesucht. Wir treffen sie ja auch jeden Morgen auf dem Schulhof. Ich hätte nie gedacht, dass sie so denken, da ich sie bislang als sehr aufgeschlossen eingeschätzt habe.

In beiden aktuellen Fällen war es der Vater, der das Verbot ausgesprochen hat.

Zumindest kommt ein griechisches Kind, darüber freuen wir uns. Es scheint wirklich ein religiös/ kulturelles Problem zu sein.

Schlimm ist, dass man den Leuten noch hinterherrennen muss. Noch schlimmer ist, dass die beiden Mädchen gerne gekommen wären, da sie sich mit meinem Sohn toll verstehen. Er ist sehr enttäuscht und wie in jedem Jahr wird nun " nicht-islamischer" Ersatz gesucht.
So wird das nix mit Intgration.
Intellektuelle können über alles reden, aber nur wenige Intellektuelle können wirklich etwas machen.
-Helmut Schmidt- (und recht hat er!)

Jazzam
Abgemeldet

Beitrag von Jazzam »

@kg01:
Dein praktisches Integrationsmantra kommt bestimmt irgendwann an. Finde ich, gut, wie Du das managst! :up:

@Mark: tja, die Männer haben da noch eine andere Stellung.
Mal das dazu:

http://home.vrweb.de/~si.pe/Frauenrechte.pdf

nix Mittelalter....... :roll:

Benutzeravatar
kleinegemeine01
Beiträge: 8543
Registriert: 27.01.2008, 22:09
Wohnort: Gelsenkichern

Beitrag von kleinegemeine01 »

ich hoffe auf die Neugier aller Heranwachsenden

Jazzam
Abgemeldet

Beitrag von Jazzam »

..und der älteren Generation.....


Hier mal ein Kulturtipp für Samstag aus der Nachbarstadt:

http://www.bahnhof-langendreer.de/index ... =0&ID=2221

Benutzeravatar
kleinegemeine01
Beiträge: 8543
Registriert: 27.01.2008, 22:09
Wohnort: Gelsenkichern

Beitrag von kleinegemeine01 »

mal eben aus meinem Leben plauder:

1€ Job an der Metallberufsschule Overwegstraße (ich weiß, sie heißt nun anders, aber datt juckt mich nicht)
Türken wohin ich blicke, dann und wann nen Blondschopf
ich fühle mich dort schon sonderbar
egal
Pause ... sie strömen in den Hof
ein junger Türke kommt heraus, gekleidet nur in grünen Adidasklamotten
ein Frosch, mein erster Eindruck und ich muß lächeln
er und seine Freunde bemerken mein Grinsen und labern auf türkisch
ich verstehe nix
antworte aber dennoch:
"Wer sich so kleidet muß mit Reaktionen rechnen."

später grüßten sie mich freundlich
und nun habe ich es auf den Türken mit der schwarz-goldenen- schillernden- Baseball-Kappe abgesehen
die finde ich so scheiße, daß sie schon wieder geil aussieht

wohin ich auch Blicke, ich treffe auf Ablehnung, manchmal auch von meiner Seite aus

umso schöner die Momente wenn man sich trifft
kurze Momente der Harmonie

Männlein
Beiträge: 1230
Registriert: 27.02.2007, 13:08

Beitrag von Männlein »

Mark hat geschrieben:@ Jazzam

Wir haben das Gespräch mit den Eltern gesucht. Wir treffen sie ja auch jeden Morgen auf dem Schulhof. Ich hätte nie gedacht, dass sie so denken, da ich sie bislang als sehr aufgeschlossen eingeschätzt habe.

In beiden aktuellen Fällen war es der Vater, der das Verbot ausgesprochen hat.

Zumindest kommt ein griechisches Kind, darüber freuen wir uns. Es scheint wirklich ein religiös/ kulturelles Problem zu sein.

Schlimm ist, dass man den Leuten noch hinterherrennen muss. Noch schlimmer ist, dass die beiden Mädchen gerne gekommen wären, da sie sich mit meinem Sohn toll verstehen. Er ist sehr enttäuscht und wie in jedem Jahr wird nun " nicht-islamischer" Ersatz gesucht.
So wird das nix mit Intgration.
Es scheint wirklich ein religiös/ kulturelles Problem zu sein.
Es ist ein solches.

Vielleicht sollte man sich einfach mal informieren, wie der Geburtstag bzw. Geburtstagsfeiern in (doch noch) vielen islamischen Kreisen gesehen wird...dann würden persönliche Enttäuschungen zukünftig auch ausbleiben.

Es wird dann auch klar, in welche Zwickmühle viele islamische Mitbürger durch eine Geburtstagseinladung gebracht werden.

Männlein

Troy
Mitglied der Verwaltung
Beiträge: 12940
Registriert: 25.06.2007, 21:41

Beitrag von Troy »

Dieses Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen:

"Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand"

Natasha Solomons erzählt in Romanform die wahre Lebensgeschichte ihres Großvaters, der 1937 mit Frau und Kind von Berlin nach London auswandern konnte, bevor es für die kleine Familie zu spät war.
Andere Familienteile hatten diese Chance nicht.

Beschrieben wird in unglaublich heiterem Ton das lebenslange Bemühen des Vaters, alles zu tun, um englisch zu werden und möglichst unauffällig und unbehelligt zu leben.
Mit einer guten Idee steigt er in London vom Kleingewerbetreibenden zum Fabrikbesitzer auf, beliefert die Royals mit seinem Produkt und stattet später als Zulieferer die britische Armee mit Material aus, trägt englische Maßanzüge und Bowlerhats, wird ein Gentleman durch und durch, lässt seiner Tochter eine englische Eliterziehung angedeihen und sucht zur Krönung seines Integrationsbemühens um die Aufnahme in einem passablen Golfclub nach. Diese Mitgliedschaft scheint ihm das Nunplusultra einer gelungenen Ankunft in der englischen Gesellschaft zu sein.
Die Auswirkungen der steten Verweigerung der Mitgliedschaft in einem solchen Club sind die Initialzündug für Mr. Rosenblums Problemlösungsstrategie.

Wenn man das Buch ganz gelesen hat, weiß man sehr viel über Migration, Ausgrenzung, Bemühungsmanagement etc.
Was man aber besonders daran lernen kann: Es ist völlig egal, wer sich in welcher Umgebung einleben will - die Mechanismen von geschlossenen Gesellschaften sind systematisch und im Prinzip überall gleich.

Mark
Beiträge: 498
Registriert: 21.11.2008, 23:10
Wohnort: ehemals GE-Resse, den jetzigen sag ich lieber nicht

Beitrag von Mark »

@ Männlein

Ich vergaß natürlich, mich über das islamische Ansehen des Geburtags zu informieren, mit meinem 7 jährigen Sohn dieses zu analysieren und dann entsprechend zu bewerten. Ein 7 jähriger kann diesen ganzen religiösen Quatsch nicht erfassen und bewerten. Er wünscht sich seine Schulfreunde und ist so oder so enttäuscht, wenn diese nicht kommen dürfen. Da kann ich mich tausendmal schlau machen und einem Kind sagen, dass dies nicht geht. Manche Einstellungen oder Vorschläge sind hier schon etwas weltfremd-tut mir leid.
In Zukunft werden wir kein muslimisches Kind mehr einladen, bringt ja nix. Aber ich werde die Nase rümpfen, wenn mal wieder von Toleranz und Integration unserer türkischer Mitbürger die Rede ist. Mehr als versuchen kann man nicht. Und wenn
man immer wieder auf Ablehnung stösst, dann sollen sich in Zukunft mal unsere muslimischen Mitbürger dazu erniedrigen, etwas fürs Miteinander zu machen, nicht auf der offiziellen Ebene mit einem Tag der offenen Tür einer Moschee oder das tolle, " gemeinsame" Fastenbrechen, sondern im Alltag, fernab von offiziellen Veranstaltungen.
Intellektuelle können über alles reden, aber nur wenige Intellektuelle können wirklich etwas machen.
-Helmut Schmidt- (und recht hat er!)

Benutzeravatar
rapor
Beiträge: 5882
Registriert: 31.03.2008, 18:57
Wohnort: Ückendorf

Beitrag von rapor »

In unserer Praxis haben wir viele ausländische Kinder, mal platt so genannt.
Es gibt welche, die dürfen nicht das obligatorische Bonbon hinterher nehmen. Es könnte ja Gelantine vom Schwein drin sein.
Manche feiern keinen Geburtstag und etliche kein Weihnachtsfest, Nikolaus, Ostern, Halloween und so.
Wieder andere feiern alles was kommt, egal woher, hauptsache Feier.
Manche sagen, dass sie auch Schweinefleisch essen und Alkohol trinken, wenn sie wollen.


Das Zeitverständnis ist bei allen die aus Afrika kommen, auch Nordafrika, ein anderes. Die haben kein Problem zu spät zu kommen. Besonders bei Schwarzafrikanern kann es schwierig werden, den Begriff der Pünktlichkeit zu vermitteln.
Keine Pauschalurteile, alles persönliche Erfahrungen.

Ach ja, asiatischstämmige Kids sind sehr fleissig, respektvoll und höflich. Und lernen schnell deutsch.

Und alle Kinder sind echt toll, auch wenn sie sehr unterschiedlich auftreten. Ich bekomme so intensive emotionale Rückmeldungen, jeder Art.

Und fast alle sind kitzelig und lachen gerne!

Bei den Eltern gibbet, egal welche Herkunft, sonne und sonne.

LG
Signaturen lesen ist Zeitverschwendung!

sharknbake
Abgemeldet

Beitrag von sharknbake »

rapor hat geschrieben: Besonders bei Schwarzafrikanern kann es schwierig werden, den Begriff der Pünktlichkeit zu vermitteln.

LG
Ich habe 12 Jahre Afrika hinter mir und soweit ich weiss, gibt es in keiner afrikanischen Sprache den Begriff "Pünktlichkeit", also die Mühe würde ich mir sparen. :)
Was man vermitteln konnte war, dass Arbeitsbeginn um xx Uhr ist und zu spätes Erscheinen eine Lohnkürzung zur Folge hat. Das hat meistens funkioniert.
Meine eigene Integration dort hat nur im "weissen" Umfeld stattgefunden.
Man blieb halt unter sich (Europäer, Nordamerikaner, Australier), weil eine Integration in die
dortige Kultur und Lebensumstände unmöglich war (oder vielleicht nur unmöglich schien).
Dies, auf die in Deutschland lebenden älteren Migranten reflektiert, welche nicht "integriert" sind, bietet vielleicht einen Erklärungsansatz warum sie in einer Parallelwelt leben.
Und nein, ich bin kein Gutmensch (sh. http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch#Verwendung_des_Begriffs_als_ideologischer_Code und nein ich mag sie auch nicht die " ey alder, isch hab volle krass 3 BMW, volle krass von die scheissdeutsche Hartz bezahlt" Fraktion.

Schönen Abend
snb

arnold
Beiträge: 218
Registriert: 05.02.2008, 23:39

Beitrag von arnold »

Jetzt waren doch wieder zu Schulbeginn die Einführungsgottesdienste.
Wäre es nicht mal ´ne schöne Geste statt in den kath. oder ev. Gottesdienst
zusammen in einer Moschee zu feiern?

Benutzeravatar
revier04
Beiträge: 1250
Registriert: 07.06.2009, 16:52
Wohnort: Gelsenkirchen-Erle

Beitrag von revier04 »

Wer sich nicht integrieren will, wird auch nicht intergriert werden können. Da helfen auch keine gegeseitige Besuche der Gebetshäuser oder anderer kultureller Veranstaltungen.

Benutzeravatar
kleinegemeine01
Beiträge: 8543
Registriert: 27.01.2008, 22:09
Wohnort: Gelsenkichern

Beitrag von kleinegemeine01 »

Ich bilde mich kaum. Lese nichts scheinbar Wichtiges, gucke kaum fern, verfolge selten links, ich bemerke nur die Fredüberschrift und dann kommt irgendwas aus meinem Hirn zum Vorschein.
Gefährlich sowas.?

ne, ich halte an den in meinen Kopp geborenen Gewöhnungseffekt fest.
Ich würde sonst wo auch nicht die Gepflogenheiten assimilieren wollen.

Ich kriege die Krise wenn nur ausländisch um mich herum palavert wird, aber ich glaube ganz fest daran:
wenn mich nicht irgendwelche Medien oder Menschen darauf hingewiesen und sensibel gemacht hätten, dann würde ich leichter leben.

Nun muß ich mir Tag für Tag meine eigene Meinung wieder und wieder ins Hirn rufen.

ja, ich werde damit auf keiner Seite Freunde finden, aber ich habe zumindest meine eigene Meinung.

wobei dann wieder die Frage auftaucht:
Kann heutzutage eine eigene Meinung überhaupt noch existieren, vorhanden sein?

nein lautet dann die Antwort, ich bin eine Gefangene

alle

und morgen werde auch ich wieder einen Grund haben rumzumeckern

grundlos

oder sollte ich mich hier nicht einbringen?
ist hier womöglich anderer Input gefragt

studiertes Wissen ist meist lebensfern
erlebtes Wissen ist auch nicht immer besser

wir Menschen sind ... (freie Wahl für alle für das nächste Wort)

Männlein
Beiträge: 1230
Registriert: 27.02.2007, 13:08

Beitrag von Männlein »

Mark hat geschrieben:@ Männlein

Ich vergaß natürlich, mich über das islamische Ansehen des Geburtags zu informieren, mit meinem 7 jährigen Sohn dieses zu analysieren und dann entsprechend zu bewerten. Ein 7 jähriger kann diesen ganzen religiösen Quatsch nicht erfassen und bewerten. Er wünscht sich seine Schulfreunde und ist so oder so enttäuscht, wenn diese nicht kommen dürfen. Da kann ich mich tausendmal schlau machen und einem Kind sagen, dass dies nicht geht. Manche Einstellungen oder Vorschläge sind hier schon etwas weltfremd-tut mir leid.
In Zukunft werden wir kein muslimisches Kind mehr einladen, bringt ja nix. Aber ich werde die Nase rümpfen, wenn mal wieder von Toleranz und Integration unserer türkischer Mitbürger die Rede ist. Mehr als versuchen kann man nicht. Und wenn
man immer wieder auf Ablehnung stösst, dann sollen sich in Zukunft mal unsere muslimischen Mitbürger dazu erniedrigen, etwas fürs Miteinander zu machen, nicht auf der offiziellen Ebene mit einem Tag der offenen Tür einer Moschee oder das tolle, " gemeinsame" Fastenbrechen, sondern im Alltag, fernab von offiziellen Veranstaltungen.
Ich halte es absolut nicht für weltfremd, "diesen ganzen religiösen Quatsch" zu analysieren und zu bewerten.
Allerdings nicht mit meinem Kind, sondern zuerst alleine für mein Kind. ich könnte dann die andere, fremde Einstellung zu erklären versuchen...wenn ich sie nachvollziehen kann. Einen Versuch ist das allemal wert.
Ich habe selbst 3 Kinder und kann von einigen Dingen so mein Liedchen singen. Die einfache Frage: "Darf Ihr Kind auf eine Geburtstagsfeier kommen?" könnte das Problem auf einfache, aber klare Weise lösen.
Respekt vor den Geboten in anderen Religionen sollte schon da sein.

Diesen erwarte ich allerdings auch umgekehrt, woran es mir allerdings zu häufig hapert. Vielleicht eine wichtige Aufgabe von Schule und Kindergarten, die nicht so ganz klappt.

Denken wir mal an die "Christen" in unseren Landen...da gibt es auch sonne und sonne.

Männlein

Antworten