Ruhrkampf 1923 - Das besetzte Gelsenkirchen

Was so passiert, was mal passiert ist ...

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Verwaltung
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Ruhrkampf 1923 - Das besetzte Gelsenkirchen

Beitrag von Verwaltung »

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Quelle:

Berliner Illustrierte Zeitung,
4. März 1923, Nr.9, 32. Jahrgang,
Verlag Ullstein, Berlin SW 68
Preis des Heftes: 300 M.

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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

1923
Französiche Truppen besetzen im Jan.Gelsenkirchen, Buer und Horst.Der Oberbürgermeister v.Wedelstedt und der Amtmann von Horst,Dr. Schuhmacher,werden verhaftet und zu mehreren Monaten Gefängis verurteilt
Dr Oberbürgermeister von Buer,Zimmermqnn wird viermal verhaftet und ausgewiesen
Die Inflation befindet sich auf den m Höhepunkt.Die meisten Zechen und die großen Industriebetriebe liegen teilweise still In den letzten beiden Monaten sind in Gelsenkirchen 75% und in Buer 85% erwerbslos
Erstmal starke Diskrepanz zwischen Zuzug12057 und Wegzug 19436
Die polnische Bevölkerung verringert sich zusehends

Die Angaben stammen aus dem Buch :"Ein Rückblick" herausgegeben von der Stadtsparkasse im Jahr 1970
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

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Doktor Profit
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Beitrag von Doktor Profit »

Detlef Aghte hat geschrieben:1923
Französiche Truppen besetzen im Jan.Gelsenkirchen, Buer und Horst.Der Oberbürgermeister v.Wedelstedt und der Amtmann von Horst,Dr. Schuhmacher,werden verhaftet und zu mehreren Monaten Gefängis verurteilt
Dr Oberbürgermeister von Buer,Zimmermqnn wird viermal verhaftet und ausgewiesen
Die Inflation befindet sich auf den m Höhepunkt.Die meisten Zechen und die großen Industriebetriebe liegen teilweise still In den letzten beiden Monaten sind in Gelsenkirchen 75% und in Buer 85% erwerbslos
Erstmal starke Diskrepanz zwischen Zuzug12057 und Wegzug 19436
Die polnische Bevölkerung verringert sich zusehends

Die Angaben stammen aus dem Buch :"Ein Rückblick" herausgegeben von der Stadtsparkasse im Jahr 1970
Und alles nur aufgrund der Übergeschnapptheit des Herren Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen.

Schade drum, hätte nie geschehen dürfen.

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

Der Ruhrkampf machte "Helden" im ganzen Revier:
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gleiche Quelle

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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

Quelle:
Ein Rundgang durch das alte Gelsenkirchen
Hrsg.H.J.Priamos
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Wer durch des Argwohns Brille schaut,
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W. Busch

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Beitrag von Verwaltung »

Irgendwie läßt sich aus jeder Situation Profit schlagen:
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gleiche Quelle

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Benzin-Depot
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Ruhrkampf

Beitrag von Benzin-Depot »

BildFranzösisches Militär in Gelsenkirchen am Kaiserplatz 1924. Lt. Autor: Abzug der Besatzungstruppen.
(Foto: Das Ruhrgebiet so wie es war/W.+H.Koch/Droste Verlag 1964)
„Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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Heinz H.
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Ruhrkampf

Beitrag von Heinz H. »

Bild Französischer Panzerwagen vor dem Gelsenkirchener Bahnhof
Foto: Alfons Kampert

Quelle: Stadtansichten: Jahn, Loskill, Stegemann 1978

Schacht 9
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Ruhrkampf

Beitrag von Schacht 9 »

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1924 brachte die Berliner Zeitschrift "Kladderadatsch" ein Kampfalbum heraus und ging mit den französischen Besatzern an Rhein und Ruhr nicht gerade zimperlich um.

Troy
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spanischer journalist erlebt frz. militär in GE

Beitrag von Troy »

vor kurzem entdeckte ich in der zeitschrift "Deustchperfekt - DAS AKTUELLE MAGAZIN FÜR DEUTSCH-LERNER" -ausgabe 3/08- einen augenzeugenbericht aus der zeit der frz. besatzung in GE.

der spanische journalist eugeni xammar hat ihn 1923 tagesaktuell verfasst, mit anderem texten veröffentlicht in seinem buch "Das Schlangenei".

der berenberg verlag berlin hat das buch in 2007 neu veröffentlicht. http://www.berenberg-verlag.de/programm ... hlangenei/

der verleger, herr von berenberg, hat uns freundlicherweise eine abdruckgenehmigung für diesen text gegeben. er wies uns auch darauf hin, dass GE zu den wenigen städten gehört, über die so ein augenzeugenbericht existiert. und er freut sich, darüber, dass ein text aus einem seiner bücher den weg auf eine solche internet-seite wie die GG gefunden hat. er wünscht uns viel erfolg weiterhin.

herzlichen dank nochmal, herr von berenberg! :D :D :D

(übrigens: als dankeschön hat er einen kulturhauptstadtbeutel bekommen, und jetzt warten wir auf das foto...)

Bild

und hier der text:

"In diesem Land an der Ruhr, dem neuen Kriegsschauplatz, fehlt es nicht an Merkwürdigkeiten. Eine davon ist die Stadt Gelsenkirchen. Man kann sie von Essen aus in 20 Minuten mit dem Zug erreichen oder mit der Straßenbahn in knapp einer Stunde. Die Strecke ist mit der von Barcelona nach Badalona vergleichbar, nur dass man hier kein Blau und kein Grün zu Gesicht bekommt. Der Himmel ist niedrig und schmutzig, und die wenigen Felder, die es noch gibt, und die wenigen Bäume, die noch wachsen, sind von Kohlenstaub bedeckt.

Steigt man aus dem Zug oder der Straßen bahn, findet man sich in einer modernen deutschen Stadt nach patentiertem Muster wieder. Breite, ordentlich gepflasterte Straßen, sorgfältig angelegte Plätze, eine Stadtplanung wie aus dem Bilderbuch. Ein Rathaus, ein Postamt, ein Krankenhaus, eine Schule, ein Stadttheater, alles vor 20 Jahren im reinsten deutschen Gotikstil des 15.Jahrhunderts erbaut. Und die Gärten und Parks von Gelsenkirchen? Die Gärten und Parks von Gelsenkirchen gleichen auf den ersten Blick den Gärten und Parks jeder anderen Stadt, die Gelsenkirchen gleicht. Aber lässt man es sich einmal erklären, sind die Gärten und Parks von Gelsenkirchen wesentliche komplizierter, als es scheint. Sie sind der Ort der Erholung und ein Werk der Wissenschaft. Anfangs hatte Gelsenkirchen alles, nur keine Gärten, denn de Kohlenstaub ließ das Gras verdorren, hinderte Bäume am Wachsen und erstickte die Blumen. Und Gelsenkirchen hätte niemals Parks besessen, hätten nicht die deutschen Gelehrten geduldig – wie es die Wissenschaft erfordert – geforscht, bis sie Gräser und Blumen fanden, die der Kohlenstaub geradezu zum Wachsen inspirierte.

Heute hat Gelsenkirchen zauberhafte Parks.

Vor 100 Jahren war Gelsenkirchen ein Dorf, vergleichbar mit El Papiol. Vor 50 Jahren war es so groß wie Centelles, gegen Ende des letzten Jahrhunderts nicht ganz so groß wie Sabadell. Die Großstadt Gelsenkirchen, die aus der Eingemeindung einiger umliegender Dörfer entstand, ist noch keine zehn Jahre alt und zählt heute mehr als 200 000 Einwohner. Es ist Europas jüngste Großstadt, und die Einwohner von Gelsenkirchenerzählen, dass die Stadt auf den Militärkarten der französischen Besatzer noch als Dorf unter vielen verzeichnet ist, neben Schalke, Heßler, Bismarck, Bulmke und Ückendorf.

wir wollen das vorsichtshalber einmal nicht glauben. Aber es stimmt, dass die Franzosen auch einen Monat nach Besetzung des Ruhgebiets in Gelsenkirchen noch keine militärische Präsenz gezeigt hatten. „in der wichtigsten Kohlenstadt Europas“, sagen die Leute, „haben sich die Truppen, die ins Ruhrgebiet entsendet wurden, um Kohle einzutreiben, noch nicht blicken lassen.“ Worüber sich in Gelsenkirchen selbstverständlich niemand beklagt.

Und dann fuhr eines Abends ein Wagen mit ausgeschalteten Rücklichtern durch Gelsenkirchen. Ein deutscher Polizist hielt ihn an, ohne zu wissen, dass zwei französische Gendarmen darin saßen. Zwischen dem Polizisten und den Gendarmen kam es zu einem Handgemenge, bei dem der deutsche Polizist getötet und die beiden französischen Gendarmen verletzt wurden, einer am Bein, der andere an der Leber.

Von diesem Moment an hat Gelsenkirchen den Krieg erlebt, heftiger und direkter als jede andere Stadt im Ruhrgebiet. In den 24 Stunden, die ich nun in der Kohlenstadt bin, habe ich Folgendes gesehen. Gestern Nachmittag marschierte ein französisches Regiment in Gelsenkirchen ein, um die Befehle General Degouttes auszuführen: ein Strafe von 100 Millionen Mark einzutreiben und vor der Polizei und der Bevölkerung Stärke zu demonstrieren. Der Bürgermeister wurde verhaftet. Der Polizeichef wurde verhaftet und mit erhobenen Händen durch die Straßen der Stadt geführt. Französische Soldaten drangen in die verschiedenen Polizeiwachen der Stadt ein und schlugen alles kurz und klein: Tische, Stühle, Betten, Telefone, Fahrräder, Schränke, Türen und Fenster. In den Archiven der Sozialversicherung, die im ersten Stock eines Polizeireviers untergebracht ist, blieb nicht ein Papier heil, und es werden einige Monate vergehen, bis die Alten und Kranken von Gelsenkirchen auch nur einen Pfennig sehen. Ich glaube nicht, dass dies von General Degoutte so beabsichtigt war, aber im Krieg, der offizielle keiner ist, kann auf solche feinen Unterschiede nicht immer Rücksicht genommen werden.

Von dieser ersten Expedition kehrten die Franzosen zurück, ohne die 100 Millionen Mark eingetrieben zu haben. die Stadtväter weigerten sich rundheraus, auch nur einen Pfennig zu zahlen, du heute Morgen ist die französische Armee wiedergekommen, um zu kassieren. Um sieben Uhr morgens, bei Tagesanbruch, sind in Gelsenkirchen ein Regiment Infanterie, eine Schwadron Kavallerie, ein Trupp Maschinengewehrschützen, eine Motorradstaffel und 24 Panzer eingerückt. Sie haben alle strategischen Punkte der Stadt besetzt, und angesichts der erneuten Zahlungsverweigerung seitens der Stadtväter hat der Führer der französischen Truppen befohlen, die Geldschränke des Rathausen und des Postamtes aufzubrechen. Diese Operation hat nur etwa 80 Millionen Mark erbracht. Daraufhin haben die Franzosen erklärt, die würden erst abziehen, wenn sie 100 Millionen Mark zusammenhätten...

In diesem Augenblick, in dem ich diesen Artikel beende und in den Zug steige, sind die Franzosen – Infanterie, Kavallerie, Motorräder Maschinengewehre und Panzer – noch in Gelsenkirchen. Das bedeutet, dass sie die 100 Millionen Mark noch nicht beisammenhaben. Aber ich verlasse de Stadt in der festen Überzeugung, dass dies nur eine Frage von Stunden ist.

100 Million Mark! Das sind etwas 50 000 Francs. In Essen sagte mir ein Leiter der französischen Militärverwaltung, dass jeder ins Ruhrgebiet entsandte Soldat täglich mehr als 50 Francs kostet... Während sie in Gelsenkirchen 50 000 Francs eintreiben, kosten die 3000 französischen Soldaten, die damit beschäftigt sind, also 150 000 Francs täglich.

Ein gutes Geschäft."

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1923 - belgische und französische Truppen in Horst

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Ruhrbesetzung - belgische und französische Truppen in Horst

1923 besetzte unter dem Vorwand der Nichterfüllung der Reparationsverpflichtungen durch Deutschland eine französisch-belgische Armee das Ruhrgebiet. Man will "produktive Pfänder" bis zur Erfüllung in der Hand haben. Die deutsche Regierung ruft den passiven Widerstand aus. Gruben, Fabriken, Bahnen werden teilweise stillgelegt. Die Regierung zahlt die Unterstützung und schickt die Lebensmittel.

Am 11. Januar 1923 rückten die Truppen mit schweren Tanks und in kriegsmäßiger Ausrüstung in Horst ein. Sie sollen angeblich die Kohlenlieferungen sicherstellen. Sofort werden Privatquartiere und Schulräume als Unterkünfte für Offiziere und Mannschaften beschlagnahmt.
Bisweilen waren es 45 Klassenräume, die dem Unterricht verloren gingen. Dem Aufruf der Regierung zum passiven Widerstand leisteten die Horster in vorbildlicher Weise Folge. Zechen und Fabriken, selbst alle Bahnen standen still. Wegen Befehlsverweigerung wurde der Amtmann Dr. Schumacher, die Beigeordneten Röken und Rothemann, die Telegrapheninspektoren Schütte und Kanning verhaftet, zu mehrmonatiger Gefängnisstrafe verurteilt und ausgewiesen. Ausgewiesen wurden auch den Telegraphendirektor Meyer, die Inspektorin Kayser, sowie mehrere Polizeibeamte. Die beiden Horster Bürger Ricken und Prinz wurden von belgischen Posten erschossen.

Während der Inhaftierung und Ausweisung von Dr. Schumacher und seiner Beigeordneten Röken und Rothemann leiteten der Beigeordnete Ernst Arians und der Gemeindevorsteher Theodor Buter die Geschicke der Gemeinde. Ihnen oblag es, da das Ruhrgebiet hermetisch abgeschlossen war, die notwendigen Lebensmittel herbeizuschaffen und die Gelder für die Bezahlung der Löhne und Gehälter sowie der Unterstützungen zu besorgen. Als schließlich auch Geldtransporte beschlagnahmt wurden und die Notenpreise in Berlin nicht mehr in der Lage war, den Bedarf zu befriedigen, blieb auch der Gemeinde Horst es nicht erspart, eigene Geldscheine drucken zu lassen.

Als die Ruhrbesatzung begann, entsprachen noch 2.888 Papiermark einer Goldmark. Im November 1923 mußte man für eine Goldmark eine Billion Papiermark zahlen.
Unter solchen Lebensumständen brach auch der passive Widerstand zusammen. Die Regierung verständigte sich mit den Besatzern. Am 12. Juni 1924 rückten die letzten belgischen Truppen ab. Einige Gendarme ließ man zurück, sie sollten weiterhin symbolisch die Besetzung verdeutlichen, denn bis zum 21. Juli 1925 galt Horst als besetztes Gebiet.

Siehe auch: Ruhrkampf 1923 - Das besetzte Gelsenkirchen http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... chuhmacher

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

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Gehb, Fritz
Mit Peitsche und Bajonett.
Aus der französisch-belgischen Besatzungszeit
13. Januar 1923 bis 19. Juli 1925.

Buer, Buersche Druckerei, 1925

Kann man kaufen: http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... 0052473758
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Ludwig Knickmann

Beitrag von erloeser »

Der Fall Ludwig Knickmann

Am 21. 6.1923, gegen 8.15 Uhr, traf eine belgische Patrouille in Sickingmühle auf der Chaussee Hamm-Bossendorf an der Wegkreuzung der Straße, die von Hüls nach der Lippe führt, an dem Kilometerstein 22,3, etwa 120 Meter von der Wirtschaft Johann Baumeister entfernt, mit zwei Zivilpersonen zusammen, die nach Waffen untersucht wurden. Die eine Zivilperson, die eine Waffe bei sich führte, zog diese Waffe, schoß zwei der Soldaten nieder und verwundete einen dritten schwer. Der vierte Soldat flüchtete in den Wald. Hierauf ergriffen die beiden Zivilpersonen die Flucht in Richtung Lippe.

Der noch übriggebliebene Soldat schoß mit dem Gewehr hinter ihnen her. Die Zivilpersonen durchschwommen die Lippe, ließen aber ihre Kleidungsstücke sowie eine Pistole und Ausweise diesseits am Ufer liegen. Belgische Soldaten, die die Kleidungsstücke nach etwa einer Stunde fanden, nahmen diese mit.

Noch am selben Nachmittag wurden von deutschen Kriminalpolizei die Täter von einem belgischen Gerichtsoffizier benannt. Im Auftrage der Polizeibehörde nahmen Kriminalassistent Elfering, Kriminalassistent Zimmermann und Kriminalbetriebsassistent Frey von Buer die Verfolgung der Täter auf.

Am 22. 6.1923 begaben sich die Kriminalbeamten gemeinschaftlich nach Lippramsdorf. Dort stellten sie fest, daß nur einer der Täter durch die Lippe gekommen war. Ein gewisser Ludwig Knickmann, der angeschossen war, ist in der Lippe ertrunken. Weiter stellten sie fest, daß der andere Täter, Karl Jackstien, nach Dülmen geflüchtet sei.
Jackstien wird am folgenden Tag festgenommen und berichtet den beiden Polizisten von dem Aufeinandetreffen mit den Belgiern:
Nachdem diese die Pässe kontrolliert hatten, wollte der Korporal eine Durchsuchung der Taschen vornehmen und faßte sofort auf die Tasche, worin Knickmann die Pistole trug. Dieser habe in der Angst, er würde mißhandelt und bestraft, die Pistole gezogen und drei der Soldaten niedergeschossen. Der vierte flüchtete in den nahen Wald, wo er das Feuer erwiderte. Knickmann wurde auf der Flucht in die Schulter getroffen, so daß er von Jackstien gestützt werden mußte.

An der Lippe, ganz in der Nähe des Hauses Ostendorf in Lippramsdorf, entkleideten sich beide und ließen sämtliche Sachen, Kleidungsstücke, Pässe und eine Pistole zurück. Dann versuchte Jackstien den Knickmann, der nicht mehr schwimmen konnte, mittels eine Hosenträgers, den er ihm um die Schulter gebunden hatte, durch die Lippe zu ziehen. Nachdem er etwa drei Viertel des Flusses durchschwommen hatte, löste sich das Band, und Knickmann, der sehr geschwächt war, ertrank. Jackstien war nicht in der Lage, ihm zu helfen, da er selbst durch die übermäßige Anstrengung erschöpft war.
(Quelle: A. Winter, Der Ruhrkampf im Amtsbezirk Marl, in: Vestischer Kalender 1987)

Weiss jemand wo genau Ludwig Knickmann herkam, dass Polizisten aus Buer seine Verfolgung aufnehmen und was hat der Mann sonst noch gemacht?

Von den Nationalsozialisten ist Ludwig Knickmann zu einem Märtyrer des Ruhrkampfes gemacht worden. Viele Straßen im Ruhrgebiet wurden damals nach ihm benannt? Weiß jemand diesen Mann politisch einzuordnen?

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Beitrag von Verwaltung »

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erloeser
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Beitrag von erloeser »

gracias Verwaltung...

um das Ruhrgebiet zu betreten, bzw. ausreisen zu dürfen, brauchte die Bevölkerung während der Besatzungszeit spezielle Ausweise.
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"Personalausweis, gültig nur für die Einreise in das beetzte rheinische westfälische Gebiet. ausgegeben vom Amt Marl"

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