Blind in GE

Was so passiert, was mal passiert ist ...

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staudermann
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kuckuck

Beitrag von staudermann »

pusch
thomas linke fussballgott
komm wir essen opa

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Das geht ja gar nicht :roll:

Bild

Blidschreibung:
Auf einem taktlien Bodenstreifen steht ein Kleiderständer eines Marktstandes.


Gestern gesehen am Markt in Buer.

Doro

Teekesselchen
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Beitrag von Teekesselchen »

Falls jemand sehbehinderte oder blinde Verwandte, Freunde oder Nachbarn hat :

- www.gelsenkirchen.de -

Mittwoch, 2. September 2009

Kostenlose Hilfen zur Bundestagswahl

Für Blinde und Sehbehinderte

GE. Das Recht auf Teilnahme an freien, gleichen und geheimen Wahlen gehört zu den Grundpfeilern unserer Demokratie. Da blinde und sehbehinderte Menschen dieses Recht oft nur mit Hilfe einer Wahlschablone selbständig wahrnehmen können, stehen ihnen bei den Wahlen zum 17. Deutschen Bundestag wieder kostenlose Wahlhilfen zur Verfügung.

.... weiter hier ... :

http://stadt.gelsenkirchen.de/Virtuelle ... seinfo.asp

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Bild

Bildbeschreibung:
Vorschaubild. Silhouetten, die nur schemenhaft zu erkennen sind, fahren eine Rolltreppe hoch.


Teil 3:

Am Dienstag haben Fuchs, Detlef Aghte und meine Wenigkeit, uns mit zwei Mitgliedern und einer Sozialhelferin des „Blinden- und Sehbehindertenvereins Gelsenkirchen e.V.“ getroffen.
Angelika Albrecht-Masuhr mit Hündin Donna, Renate Pingert und Helga Löbler erklärten sich freundlicher Weise dazu bereit, uns - mittels eines Selbstversuchs - den Alltag eines sehbehinderten oder blinden Menschen näher zu bringen.

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Bildbeschreibung:
Chronistin mit Frau Löbler bei der Auswahl der Brille.


Die drei Damen brachten zum Treffpunkt (Hauptbahnbahnhof GE) Langstöcke und eine Menge Simulationsbrillen, die unterschiedliche Sehbehinderungen simulierten, mit.

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Bildbeschreibung:
Hand mit Tüte der Simulationsbrille Nummer 5.


Mit insgesamt sechs unterschiedlichen Sehbehinderungen erkundeten wir….

Bild

Bildbeschreibung:
Blick durch ein Glas der Simulationsbrille. Im Hintergrund Detlef Aghte mit einer anderen Simulationsbrille auf der Nase.


Bild

Bildbeschreibung:
Chronistin mit dem Langstock vor dem Eingang des Hauptbahnhofes.


….mit Langstock den vorbildlich ausgebauten Hauptbahnhof.

Auf geht’s!


Ich muss ehrlich gestehen, dass dieser Nachmittag sehr an meine Grenzen ging!

Die erste Brille, die ich aufhatte simulierte einen „grauen Star“. Stellt Euch vor, Ihr kommt von der Kälte in die Wärme und die Brillengläser beschlagen. Das passiert mit jemandem, der einen „grauen Star“ hat. Die Augenlinse trübt sich ein. Nur man kann sie nicht rausnehmen und blank putzen, sondern sie muss rausoperiert werden und durch eine künstliche ersetzt werden.
Du guckst, wie durch eine Milchglasscheibe. Du siehst nichts. Nur hell und dunkel, und somit kannst Du die weißen Streifen auf dem Boden erkennen. Mit dieser Brille machte ich mich mutig in das Innere unseres Hauptbahnhofs.

Bild

Bildbeschreibung:
Detlef Aghte und Chronistin bei den ersten Schritten mit Langstöcken und Brillen ins Innere des Bahnhofes. Daneben Frau Löbler, die Sozialhelferin.


Ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein Gefühl war. Der Bahnhof war gegen 17 Uhr im vollen Betrieb und ich musste mich darauf konzentrieren, dass ich mit diesem Langstock, der eine Kugel am Ende hat, meinen Weg zum Gleis zu finden.

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Bildbeschreibung:
Langstock auf taktilem Bodenstreifen.


Die „sehende“ Sozialhelferin des Verein - Helga Löbler -, ging immer hinter uns und schritt nur ein, wenn Gefahr drohte.
Angelika Albrecht-Masuhr und Renate Pingert, die sich aus verständlichen Gründen wie alte Hasen im Hauptbahnhof bewegten, gingen mit.

Der Weg führte über die taktilen Streifen vom Haupteingang auf das Gleis 5:

Bild

Bildbeschreibung:
Überblick vom Inneren des Hauptbahnhofs mit taktilen Bodenstreifen und Menschen und Geschäften.


Es galt auch Treppen zu überwinden.

Bild

Bildbeschreibung:
Frau Abrecht-Masuhr mit Hündin Donna auf der Treppe. Daneben Detlef Aghte auf der Roltreppe.


Ich war schweißgebadet, als ich auf Gleis 5 oben ankam. Ich war ziemlich stolz, weil ich aus meiner Erinnerung wusste, dass es Gleis 5 war, da ich die Geographie des Bahnhofes im Kopf hatte und ungefähr wusste, wo sich dieses Gleis 5 befindet.
Am Geländer einer Treppe stellte ich fest, dass in Blindenschrift und normaler Schrift erhaben das Gleis noch mal stand. Man konnte das ertasten, wenn man die Brailleschrift lesen könnte und viel Phantasie, man die erhabenen Buchstaben tastend, erlesen.

Bild

Bildbeschreibung:
Hand am Handlauf an der Stelle, wo man in Breischrift und normaler Schrift lesen kann, zu welchem Gleis die Treppe führt.


Durch die Milchglasbrille orientierte mich nur an den weißen taktilen Streifen und hoffte darauf, dass jeder sah, dass ich mit dem Langstock unterwegs war. Im Anfang hatte ich sogar Angst, dass ich damit jemanden ein Beinchen stellen könnte. Das Umschalten vom sehenden auf einen nicht-sehenden Menschen - der ich in dem Moment nun mal nicht war - fiel mir schwer.

Bild

Bildbeschreibung:
Detlef Aghte und Chronistin auf dem Bahnsteig. Im Hintergrund Frau Albrecht-Masuhr und Frau Löbler.


Oben auf dem Gleis ging ich wieder den Streifen entlang. Sie sind viel zu nah am Gleis. Da ließ mich Helga Löbler nicht mehr los. Der Streifen war viel zu nah am Bahnsteig.

Bild

Wir warteten bis ein Zug kam. Der kommt da öfter, weil das Gleis nach Essen führt.
„Versuchen sie doch mal in den Zug einzusteigen!“, schlugen Frau Albrecht-Masuhr und Frau Pingert vor.
„Okay!“, sagte ich unsicher.
Der Zug fuhr ein, er war rot und ich spürte einen Luftzug. Aber er hielt nicht vor meiner Nase, weil er kurz war.
Ich versuchte mich umdrehen. Ich konnte nicht rennen und ich ging vorsichtig zurück. Ich kam noch nicht mal in die Nähe des Zuges. Da war er schon wieder weg. Ich setzte zum ersten Mal die Brille ab und sah mich um und bekam sofort Kopfschmerzen.

Das war Teil 3...gleich folgt Teil 4. :wink:

Doro
Zuletzt geändert von Chronistin66 am 09.10.2009, 17:38, insgesamt 3-mal geändert.

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Teil 4:


Ich wechselte die Brille und ging wieder runter. Diesmal hatte ich eine Brille auf, die an beiden Augen seitlich abgeklebt war. Wenn ich nach links sah, dann konnte ich was erkennen. Aber nur bedingt, aber besser als der Nebel, der mich vorher umgab. Wieder suchte ich mit dem Stock meinen Weg und versuchte damit die Treppen runter zu gehen. Auf zum Behindertenaufzug.
Dieser Aufzug „babbelte“ in einer Tour, wenn man das Innere finden würde. Ich fand den Knopf überhaupt nicht, wo man ihn überhaupt herholt. Frau Löbler half mir dabei. Es war eine Säule vor dem Aufzug. Während ich noch die Seitenteile der Tür in Hüfthöhe abtastete, holte meine nette Begleitung den Aufzug zu uns. Im Inneren dachte ich bei all den Bedienungselementen mit (nur) fünf Knöppen:
„Na toll!“, dachte ich. „Am besten du drückst alle Knöppe und wenn der Aufzug irgendwann „Erdgeschoss“ sagt, dann steigst du aus!“

Bild

Bildbeschreibung:
Bedienungselemente im Inneren eines Behindertenaufzuges.


Schließlich hatte ich es mit einem „babbelnden“ Aufzug zu tun, der mir sagte, dass die Tür auf- und zugeht und im welchen Geschoss man sich befindet. Den Notknopf konnte ich aufgrund der gelben Signalfarbe und meiner derzeitigen Sehbehinderung erkennen. In einem „nicht-babbelnden“ Aufzug wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen.


Weiter ging es wieder über die Streifen zum Busbahnhof. Mittlerweile hatte ich hatte ich Vertrauen in meinen Stock gewonnen und das Gefühl, dass ich mit diesem nicht mehr Leute umniete.
Wir gingen zum Busbahnhof. Auch dieser ist mit diesen taktilen Streifen ausgestattet. Und vor Treppen und Aufgängen sind sie hell zu sehen. Oben auf dem Busbahnhof riss ich mir die Brille vom Kopf, weil eine Reinigungsmaschine einen Höllenlärm machte. Ich hörte nichts mehr und konnte nichts sehen. Das war zu viel. Ich konnte die Maschine nicht einschätzen. Kam sie auf mich zu? Fuhr sie mich um?

Fuchs machte den Vorschlag und wollte, dass wir einmal in den Bus einsteigen sollten.

Bild

Bildbeschreibung:
Detlef Aghte beim Einsteigen in einen Linienbus.


Bild

Bildbeschreibung:
Chronistin beim Einsteigen in einen Linienbus.


Wir fragten freundlich beim Busfahrer nach und stiegen ein. Das ging relativ gut.

Ich fand den Behindertenplatz im Bus und setzte mich hin.

Bild

Bildbeschreibung:
Chronistin sitzt im Linienbus auf dem Behindertensitzplatz.


Oh Gott! Ich sah aus, wie Puk die Stubenfliege! :shock:
Gut, dass ich mich nicht sah! :wink:

Ich stieg erleichtert aus und unsere Begleiterinnen fragten mich: „Welcher Bus war das jetzt?“
„Öhmmm! Keine Ahnung!“, sagte ich.
Es war der 383 nach Ückendorf. Woher weiß ich, in welchen Bus ich steige und wo der Bussteig ist? Da helfen Dir die taktilen Streifen und der Langstock auch nicht weiter. Und ich möchte mir überhaupt nicht vorstellen, wie das ist, wenn man die Fahrbahn zu einem anderen Bussteig überqueren muss.

Dann wollte ich es wissen. Ich nahm mir die schlimmste Brille. Auf dem linken Auge war ich damit komplett blind und das rechte Auge hatte einen Stecknadel großes Guckloch.
Mutig bahnte ich mir meinen Weg vom Busbahnhof zum Brauhaus Hibernia. Ich benutzte diesmal sogar die Rolltreppe. Mit diesem Minitunnelblick konnte ich nichts sehen und suchte, nachdem ich die Rolltreppe gemeistert hatte, nach diesen verdammten weißen Streifen.

Das ist so, als wenn ein einäugiger Pirat mit seinem Fernglas einen Leuchtturm sucht. Nur der Leuchtturm ist zwei Meter weg. Als ich dann erleichtert den Leuchtturm - in Form des taktilen Streifens - gefunden hatte, fühlte ich mich wieder sicherer und fand mit Hilfe von Detlef die Treppe zum Brauhaus.

Bild

Bildbeschreibung:
Taktlier Streifen mit Langstock und Füßen. Links direkt daneben steht ein Baugerüst!


Auf dem Weg dort hin stellte sich ein Fahrrad in den Weg, was an einem Gerüst fest gekettet war.


Bild

Bildbeschreibung:
Frau Pingert vor dem Hindernis!


Das Gerüst reichte bis zu meiner Orientierungshilfe. Ohne Langstock wäre ich gnadenlos gegen das Fahrrad samt Gerüst gedengelt.

Ohne Detlefs Hilfe hätte ich einen Umweg um die komplette lang gezogene Treppe machen müssen. Detlef führte mich. "Jetzt kommt noch eine Stufe!" und "Hier ist der Eingang.", sagte er fürsorglich.
Ich fragte ihn, - „blind“ wie ich war - : "Sag mal! Hast du auch noch eine Brille auf?"
Er sagte trocken: „Ja!“
:shock:

Mmmh. Da hatte ich mich auf den Falschen verlassen oder er hatte gemogelt. :wink:

Bild

Bildbeschreibung:
Detlef Aghte mit Langstock und Simulationsbrille auf der Treppe zum Brauhaus Hibernia. Mit einer Hand hält er sich am Handlauf fest.

DetlefAghte hat geschrieben: Ich bin am Dienstag im Glauben an die Sache herangegangen, man würde mich ganz blind machen.
Da aber immer ein klein wenig oder auch mehr, zu sehen war, konzentrierte ich mich auf das was sie Simulationsbrille mir noch hergab.
Bei der 1, die den grauen Star simulierte, war es am schlechtesten, in dem "Nebel" waren nur Schemen zu erkennen.
Bei einer hatte ich die Mitte der Brille ungefähr ein Euro groß zugeklebt - da gelang es mir aber relativ gut, mich zurecht zu finden
Bei der, in der man nur einen Nadelgroßen Durchblick hatte, ging natürlich fast gar nichts - aber ich hatte dieses bisschen genau auf Doro’s Füße fokussiert und konnte sie deshalb leiten.
Da war nichts gemauschelt oder gar Fahrlässigkeit.
Dieses Ganze ist natürlich anders zu bewerten, weil jederzeit jemand da war, der half.
Die "Kleinigkeiten", die der Sehende nicht mitbekommt, sind immens wichtig. Ist es der richtige Bus den ich nehme, oder hat meiner Verspätung und ein anderer steht dort?!?
In der Fahrbahnmitte einer vierspurigen Straße, welche Ampel signalisiert mir, dass ich gehen kann?
Meine Frau erzählte mir gestern in dem Zusammenhang, dass sie aus dem Auto einem Blinden zurief, dass er grün hat -
Das passierte genau in der Zeit, als wir durch den Hauptbahnhof liefen!
Woher weiß der Blinde, ob er auf dem Bahnsteig, in Höhe der Türen, steht? Zack fährt der Zug zu weit, Laufen ist nicht, schon wartet man auf den nächsten...
Das war für uns alle ein unbeschreibliches Erlebnis und wir hoffen, dass wir Euch das ein wenig näher bringen konnten.
Deswegen gilt unser besonderer Dank Angelika Albrecht-Masuhr nebst Hündin Donna, Renate Pingert und Helga Löbler, die uns so freundlich zu diesem Test eingeladen und begleitet haben.
Wir ließen den Nachmittag bei einem netten Gespräch im Brauhaus Hibernia ausklingen und haben noch eine Menge mehr über den Alltag von blinden und sehbehinderten Menschen in GE erfahren.

Das schreiben wir Euch aber in den nächsten Tagen.

Detlef Aghte, Fuchs und Doro
Zuletzt geändert von Chronistin66 am 08.10.2009, 20:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Lo
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Beitrag von Lo »

Ein wunderbarer Bericht - ich bin begeistert und würde auch gern einmal solch eine Erfahrung machen wollen,
um künftig nicht blind für die Blinden zu bleiben.
Dankeschön.

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Kery
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Empathie

Beitrag von Kery »

Toller Erfahrungsbericht! Solche "Touren" sollten Pflichtveranstaltungen für Stadtplaner, Architekten und Event-Gestalter werden. Vielen Dank, Doro und Detlef. Ich habe den gesamten Beitrag gebannt verfolgt.

Eine ähnliche Idee hatte ich auch schon mal im Visier, nämlich die Demonstration des "Geronto-Koffers". Das war ein Gewinnprojektes von "Jugend forscht" und dieser ominöse Koffer enthält subtile Simulationsgerätschaften, um Alterssymptome oder -erkrankungen erfahrbar zu machen. Wüsste gern, wo man einen solchen Koffer mal ausleihen kann. Ich werde Reckert mal fragen.

Bin gespannt auf weitere Berichte.

Beste Grüße
Kery
Der wichtigste Mensch in deinem Leben ist der, der gerade vor dir steht. (Konfuze)

buerio
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Beitrag von buerio »

Tolle Aktion!

Hinweis für Freitag 9.10.09
Heute habe ich im Stadtspiegel den Hinweis auf eine Aktion "Wenn die Augen schwächer werden" gelesen. Findet statt : Am Freitag , den 9.10.09, in der AWO, Grenzstrasse47, von 10 bis 16 Uhr.
Beteiligt ist der Blinden- und Sehbehindertenverein Gelsenkirchen.
Hilfsmittelfirmen präsentieren Hilfsmittel.

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pixxel
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Beitrag von pixxel »

Ihr seid super. Ein mutiger Selbstversuch und sicher eine einzigartige Erfahrung.

Meine Freundin ist krankheitsbedingt stark sehbehindert und absolviert in diesen Tagen ein Mobilitätstraining mit dem Langstock. Sie fühlt über die Kugel am Ende des Langstocks, auf welcher Bodenoberfläche ihre Füße sich gerade befinden.

Zurzeit lernt sie wie man sich auf Treppen bewegt, und die verschiedenen Straßenbeläge unterscheidet. Der Inhalt dieses Trainings ist enorm vielfältig und wird sich über mehrere Monate ziehen. Aber sie ist zuversichtlich, dass ihr damit trotz der verschwindenden Sehkraft die Lebensqualität erhalten bleibt.

Bis jetzt hatte ich mir eigentlich nie darüber Gedanken darüber gemacht, was ein Sehbehinderter Mensch mit dem Langstock für eine gewaltige Kopfleistung vollbringt. Durch meine Freundin erlebe ich gerade mit, wie die menschlichen Sinne für neue Wahrnehmungen geschult werden… wie viele Arten von Bodenoberflächen es zu unterscheiden gilt, sowie Gefälle, Steigungen, Stufen, Kanten, Hindernisse …

Da wir uns schon sehr lange kennen, kann ich inzwischen ganz gut einschätzen was sie sehen kann bzw. was nicht. Wenn wir zusammen unterwegs sind, mache ich schon „automatisch“ Ansagen... Stufe, Kante, Fahrradfahrer… oder z. B. im Schwimmbad, wenn sie in den „Gegenverkehr“ gerät.

Vor einigen Wochen wollten wir zu Hauptstelle der Sparkasse in der City. Ich habe sie durch die Drehtür und über die Rolltreppe geschleust. Alles gut. Wir gehen weiter in Richtung Schalterhalle… quatschen… gehen durch die geöffnete Glastür in die Schalterhalle, sie neben mir. Allerdings war die Glastür nicht in der ganzen Breite geöffnet und sie rasselt voll davor. Außer einem riesigen Schreck und einer Beule an der Stirn ist alles noch mal gut ausgegangen.

Mit dem Langstock wird ihr so was G.s.D. nicht mehr passieren.

pito
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Beitrag von pito »

Eine tolle Aktion. Macht aufmerksam. :up:

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

@pixxel

Dieser "Selbstversuch" war im Hauptbahnhof. Also in einer vorbildlichen ausgebauten Atmosphäre. Ohne diese Streifen, die Fuchs und ich im Vorfeld recherchiert haben, wären wir mit anderen Bodenbelägen aufgeschmissen gewesen.
Mit all den Sehbehinderungen, die uns - mittels der Brillen - simuliert wurden, waren wir zwar nicht "komplett" blind. Allerdings wären wir ohne Hilfe komplett aufgeschmissen gewesen.
Man erkannte keine großen Buchstaben, geschweige denn Fahrpläne....usw

Andere Bodenbeläge, Ampeln, Chicken Wings mit lauten Lüftungen, Luftzüge von Querstraßen, die zur Orientierung helfen und überhaupt Hilfen, wie Blindenhunde und was sie kosten...kommt noch. :wink:

Frau Albrecht-Masuhr war bis vor fünf Jahren zu 80% "sehend". Von heute auf morgen kam eine erbbedingte "Sehstörung" und sie lässt sich nicht hängen. Vielleicht ist es wichtig in dem Fall Deiner Freundin mit Gleichgesinnten zu sprechen.

Selbsttest hin oder her! Detlef und ich konnten uns die Brille abnehmen. Ein Blinder oder Sehbehinderter kann das nicht. Er muss damit leben und kann sich keine Brlle vom Kopf reißen.

Deine Freundin kann sich ruhig an mich wenden, wenn sie Infos will. Ich leite das gerne weiter. :wink:

Doro

pito
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Beitrag von pito »

Bild
Deutlich markierte Wege. Der Sehbehinderte kann ihnen folgen. Aber wohin sie ihn eigentlich führen, dass weiß er möglicherweise gar nicht. :?

buerio
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Beitrag von buerio »

Im Stadtspiegel ist für die am 9.10.09 datierte Aktion in der AWO Schalke als Ansprechpartnerin Margret Gajewski benannt.
E-Mail : margret.gajewski@t-online.de

Vielleicht ist diese Margret Gajewski eine Ansprechpartnerin für EURE Aktion hier in GG.

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Beitrag von Chronistin66 »

@pito

Genau das ist es.
Dann fängt der Instinkt und die Wahrnehmung an, wurde uns gesagt.

Bei Chicken-Wings ist die Lüftung laut. Auf der Bahnhofstraße gibt es keine taktilen Streifen.
Wenn man vom HBF aus kommend rechts in die Arminstraße einbiegen will....nur aus dem Gedächtnis.....die wievielte Straße rechts wäre das dann.

Na, wer weiß es? Ohne Stadtplan und nur aus dem Gedächtnis. :wink:

Doro

pito
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Beitrag von pito »

Chronistin66 hat geschrieben:... Wenn man vom HBF aus kommend rechts in die Arminstraße einbiegen will....nur aus dem Gedächtnis.....die wievielte Straße rechts wäre das dann.
Die dritte. Johannesstraße, Augustastraße, Arminstraße.

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