Martin Miebach

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Martin Miebach

Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Nur noch 400 Kilometer bis Petersburg

Reisebericht Teil III: Martin Miebach legt in Tallinn die Beine hoch

Tallinn ist erreicht, die letzte grosse Station vor Sankt Petersburg im bereits sehr skandinavisch anmutenden Estland. Die Sprache mit vielen Umlauten und die Landschaft wirken sehr finnisch, auch das Preisniveau liegt hier höher als in den beiden anderen baltischen Staaten Lettland und Litauen. Nur von den skandinavischen Mücken bin ich bisher verschont geblieben, das dürfte an den eher niedrigen Temperaturen um 12 Grad liegen. Der nun vorherrschende Westwind bringt zwar ein paar Wolken mit, doch meine sonnenverbrannten Ohren freuen sich über diese Abkühlung.

Landschaftlicher Höhepunkt war bisher die Kurische Nehrung, die ich noch am Abend, nachdem ich das laute und leider nicht sehr attraktive Kaliningrad hinter mir gelassen hatte, erreichte. Fast 100 km lang und meist nur wenige hundert Meter breit ist dieser schmale Dünenstreifen zwischen Ostsee und Haff, der das Kaliningrader Gebiet mit Litauen verbindet. Riesige, fast schon wüstenhafte Dünengebiete und endlose Kiefernwälder säumen die sich dahinschlengelnde Straße.

Deutlich spürte ich den Wechsel vom russischen Boden zur litauischen Seite der Nehrung. Hier noch trostlose, verfallene Dörfer, dort zurück in der EU, eine wachsende touristische Infrastruktur mit Radwegenetz und deutschen Urlaubern.

Konnte ich in Nida, wo Thomas Mann ein Sommerhaus besaß, noch mit zwei HSV- Fans auf den Schalker Sieg gegen Nürnberg anstoßen, so sieht es jetzt, nach der Niederlage ausgerechnet gegen den BvB mit der Erfüllung des Meisterschaftstraumes eher schlecht aus.

Abwechslung brachten Michael und Denis, Amateurradsportler von Balticstar Sankt Petersburg. Sie hatten sich am 6. Mai mit ihren Rennrädern und einem Begleitfahrzeug auf den Weg gemacht, um im Gegenzug zu meiner Tour nach Gelsenkirchen zu radeln - ein herzliches Treffen in einem kleinen Cafe irgendwo zwischen Liepaja und Riga auf dem lettischen Land. Die beiden Extremsportler können ohne Gepäck täglich bis zu 300 km zurücklegen. Die Balten grüßen mich schwerbepackten Radler oft hupend und winkend, und die Suche nach Zeltplätzen ist in den Wald- und Wiesenflächen einfach.

In der Nacht im vier Sterne- Hotel in Liepaja, wo ich auf Einladung des dortigen Fußballvereins, die Gerd Rehberg eingefädelt hatte, wohnte, wurde mir aus der bewachten Hotelgarage Werkzeug gestohlen. Auf Kosten des Hotels durfte ich Ersatz kaufen.

Heute genieße ich einen Ruhetag im wunderschönen Tallinn - nach 2000 geradelten Kilometern ein gutes Gefühl, nur noch knapp 400 km von Petersburg entfernt zu sein.

WAZ 18.05.2007

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Toll - nur zu viele Mücken

Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Toll - nur zu viele Mücken

Martin Miebach ist vor den stechenden Insekten und dem schlechten Wetter geflüchtet.

30-Jähriger fuhr in zwei Monaten und sechs Tagen 6000 Kilometer mit dem Fahrrad

Martin Miebach mag sie nicht mehr sehen - die zart gebauten, schlanken Insekten mit den langen dünnen Beinen: Mücken. Was haben sie ihn genervt. Was noch schlimmer ist: Die Mücken haben ein gerüttelt Maß Schuld daran, dass der Weltenbummler vorzeitig nach Hause gekommen ist.

"Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: radeln oder in einen Raum gehen" - so beschreibt der 30-jährige Weltenbummler seine Begegnungen mit den ebenso hartnäckig stechenden wie surrenden "Viechern". Es war am Polarkreis, wo sich Martin Miebach entschloss: Ich fahre nach Hause. Erst waren es die Mücken, wie gesagt. Später vergällte Dauerregen ihm die Urlaubsfreude. Das war in der vergangenen Woche.

"Im Juli wollte ich sowieso wieder nach Hause kommen", erzählt der junge Mann, und er gibt frank und frei zu, dass er es durchaus noch einige Tage in der Fremde ausgehalten hätte. Aber wie gesagt: mieses Wetter und Mücken. Zwei Monate und sechs Tage war der angehende Lehrer am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Buer unterwegs. Mit dem Fahrrad und zumeist mutterseelenallein.

"Auf der ganzen Strecke habe ich einen einzigen Menschen getroffen, der Englisch sprach", erzählt Miebach und meint damit den ersten Teil seiner Reise aus Deutschland heraus nach Polen, nach Litauen und von dort aus weiter nach Lettland, Estland und Tallinn bis St. Petersburg. Dort war der Gelsenkirchener ViP, wurde von Verantwortlichen des Fußballvereins FK Zenit empfangen - als radelnder Botschafter mit einem Empfehlungsschreiben von Gerd Rehberg von Schalke 04.

Nach Tagen des "Herumreichens" und Übernachtung im piekfeinen Hotel sollte der Alltag den Urlauber aus Gelsenkirchener ganz schnell wieder einholen. Zweimal, sagt Miebach in der ihm eigenen Offenheit, war er sauer: als an seinem Fahrrad der Gepäckträger brach und dann auch der MP 3-Player seinen Geist aufgab. Martin Miebach war (fast) soweit, die Klamotten hinzuschmeißen. Doch dann wurde alles wieder gut.

Ende Juni reifte aber doch der Entschluss, nach Hause zu fahren. Den Polarkreis hatte er geschafft, das Nordkap vorher schon passiert - fasziniert von den hellen Nächten. "Einfach toll", wie er sagt. Dennoch: Miebach wollte nach Hause. Dummerweise am 21. Juni. Mittsommerfeiern machten ihm allerdings einen dicken Strick durch die Pläne. Mittlerweile in Finnland angekommen, wollte er mit dem Nachtzug von Ylitornio am Polarkreis mit dem Nachtzug nach Helsinki fahren, hat aber die Zeitdifferenz zwischen Norwegen und Finnland nicht beachtet. Der Zug war weg. Am nächsten Tag fuhr keiner - 22. Juni, Mittsommerfeiern.

Am 23. Juni kam Miebach dann los: Helsinki, Fähre nach Rostock, Zug bis Osnabrück, dann wieder mit den Rad über Münster nach Gelsenkirchen. Essen bei Muttern: Kartoffelpüree, Sauerkraut, Kaßler. dju

02.07.2007

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