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NHT/MEG.

Verfasst: 30.06.2007, 12:24
von Dietmar
Ich glaube kaum, dass es um einen "Unterhaltungswert" geht. Eher um einen Grundriss, der unübersichtlich gewordene Bewegungen zusammenfasst, der ein Feld absteckt, und der historisch-deskriptiv aufzuarbeiten beginnt.

Wer was gesagt, und wer was veröffentlicht hat, ist dabei gar nicht so maßgeblich, sondern, dass man versucht, die Stränge zusammenzuführen und sie in einen eigenständigen Problemaufriß integriert.

Unsere Methode besteht nun darin, das Material mit "Leben zu erfüllen". Und mit ihm die frühen Entwicklungsphasen nachzeichnet, was durchaus Durchgänge öffnet.

Wenn man genau schaut, dann stellen man z. B. fest, dass es zwischen Teilen der NHT/MEG und der ersten Generationen der Grünen durchaus Zusammenhänge gibt, die sich in der späteren Fraktionierung niederschlug.

Ich wüsste nicht, was dagegen sprechen sollte, alte, sich auflösende Bewegungen resp. deren Selbstauflösung, zu analysieren, ihre Erfolge zu beschreiben, falls es welche gab, vor allem aber die Mißerfolge herauszuarbeiten oder nachlassendes Interesse, und die Nachfolgebewegungen zu charakterisieren.

Das uns vorliegende Material spiegelt diesen Prozess wider. Natürlich nicht ausreichend. Es zu vervollständigen, wäre der Versuch eines Entwurfs.

Der "Erkenntniswert" könnte in ein Lernergebnis einmünden, neue Problemzusammenhänge eröffnen, um sie insgesamt in politische Entwicklungen einzuordnen.

Wenn daran gedacht wird, dass sogar APO-Bewegung, K-Gruppen Fraktion und NHT/MEG ins Konzept von "Arbeiterbewegung und Marxismus" hineinpassen, dann sind das politisch zusammenhängende Merkmale, die durchaus eine Umbruchsituation charakterisieren.

Dietmar Kesten

Verfasst: 30.06.2007, 12:28
von stapel
naja, meinetwegen, wenn man den furz zum donnerschlag erklärt ...

NHT/MEG

Verfasst: 30.06.2007, 12:40
von Dietmar
Ich weiß nicht, was das soll!

Alle politischen Akteure haben irgendwann einmal Spuren hinterlassen. Sozialbewegungen und ihre Träger waren immer Ausdruck und Motor sozialen Wandels.

Historische Vergleiche zu ziehen und sie auch zu belegen, ist als kritische Rezeption anerkannt. Wenn der "Furz zum Donnerschlag" werden kann, dann hat das ja etwas "belebendes".

Dietmar Kesten

NHT/MEG

Verfasst: 30.06.2007, 13:49
von Dietmar
An alle Interessierten:

Bitte werft Eure Erinnerungen nicht weg. Jede Mitgliedschaft in einer Bewegungsorganisation in Gelsenkirchen hat vielfältige Spuren hinterlassen. Mündliche Berichte sind ebenso wichtig, willkommen und interessant wie schriftliche Positionierungen.

Helft bitte mit, Lücken in der "Politischen Bewegung in Gelsenkirchen" zu schließen. Jürgen Kramer hat es beispielhaft getan. So ist es möglich, ein Stück Geschichte auf die Höhe der Zeit zu heben.

Dietmar Kesten

Verfasst: 30.06.2007, 18:09
von rabe489
Helft bitte mit, Lücken in der "Politischen Bewegung in Gelsenkirchen" zu schließen. Jürgen Kramer hat es beispielhaft getan. So ist es möglich, ein Stück Geschichte auf die Höhe der Zeit zu heben.
(Es tut mir leid, einigen jetzt weh tun zu müssen!)

Wie kann man nach Aufdeckung der stalinistischen Greueltaten usw. noch den naiven Lokalhistoriker mit Interesse am Marxismus-Leninismus spielen dürfen? - Jetzt ist aber Ende mit der linken Nostalgie, die verbrecherische Weltbilder mir nichts dir nichts durchforstet. Das sage ich bei vollem Bewußtsein der Konsequenzen! Und auch wenn die APO es ursprünglich anders meinte, sie endete in der Konstruktion des Archipel GULAG! Bekennt die Sünden und bereut.

Z.B. Mao Tse-tung

Verfasst: 30.06.2007, 18:25
von rabe489
Aus der Zeitschrift "Jedermensch":
Unfassbare Kehrseite des Mao-Kultes

Zwölf Jahre lang recherchierte die in England lebende chinesische Autorin Jung Chang zusammen mit ihrem Mann, dem Historiker Jon Halliday, über das Leben Mao Zedongs (frühere Schreibweise Mao Tse-tung). Das Buch darüber erschien im Juli 2005 zunächst in England und fand schnell weltweites Interesse.

Anhand einer Menge von zusammengebrachten Dokumenten und unzähligen Gesprächen mit Personen des näheren und ferneren Bekanntenkreises brach jene herausgestellte Fassade des freundlichen, poetischen und weisen "Führers" zusammen. Es erschien dahinterliegend eine unfassbare Tragödie Chinas mit annähernd 70 Millionen Opfern, die unter der unbarmherzigen Diktatur Mao Zedongs umkamen.

Gleich nach Beginn seiner Herrschaft im Jahre 1949 mussten bereits fünf Millionen Menschen sterben, als eine erste "Landreform" mit äußerster Brutalität durchgeführt wurde. Die teilweise nur etwas mehr Besitzenden wurde dabei zu Angeklagten und schnell zu Opfern.

Jung Chang und Jon Halliday belegen, dass Mao Zedong in vielem Josef Stalin nacheiferte, von dem er auch gefördert wurde. Die menschenverachtenden Methoden des Stalinismus wurden angewandt und schufen in China noch mehr Opfer als in der sowjetischen Schreckensherrschaft.

So wiederholte sich dann mehr als zwanzig Jahre nach der zwangsweisen Kollektivierung der im Sowjetbereich lebenden Bauern mit Millionen von Verhungerten in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts das unfassbare Elend in China.

1958 gab Mao Zedong die Losung und den Befehl zum "Großen Sprung" aus, um Kollektivierung und Industrialisierung nun gewaltsam voranzubringen. Damit einher ging der militärische Ausbau. So wurden gewaltige Getreidemengen in die Sowjetunion verfrachtet, um im Gegenzug militärisches Material zu bekommen. Daran war auch die Deutsche Demokratische Republik beteiligt, wo dieser Austausch ebenfalls stattfand. In China herrschten dabei Hungersnöte. In der Landbevölkerung verhungerten in diesen Jahren an die 40 Millionen Menschen.

Das hatte aber doch zur Folge, dass der Hauptverantwortliche seine uneingeschränkte Herrschaft einbüßen musste. Einige Parteiführer wagten sich hervor, um Verbesserungen der Lage einzuleiten.

Erst 1966 gelang es Mao Zedong, die alte Machtfülle zurückzuerhalten. In diesem Jahr begann rund um den Globus eine Jugendbewegung, welche eigentlich alte erstarrte Verhältnisse aufbrechen und erneuern wollte. Unter Mao Zedong sah das so aus, dass er Millionen von Jugendlichen nach Peking rief, um sie zu "Roten Garden" zu ernennen. Sie erhielten Weisung und Vollmacht, überall Altes und Verderbtes aufzuspüren und zu zerstören. Die so "Entdeckten" mussten Demütigungen erleiden, wurden zur "Umerziehung" in Lager gesteckt oder oftmals auch gleich umgebracht. Es reichte als "gebildet" zu erscheinen und Kunstwerke zu besitzen, um Argwohn zu erregen. Die Anzahl der Ermordeten belief sich auf etwa drei Millionen.

Während der gesamten Regierungszeit Mao Zedongs von 1949 bis 1976 (wo er starb) kamen in Gefängnissen und Arbeitslagern ungefähr 27 Millionen Menschen um. Dabei zeigte sich der Herrscher weiterhin als "weiser Führer", dessen Vorbild vor allem Entwicklungsländer folgen sollten. Einer, der ihm tatsächlich nachfolgte, war Pol-Pot, während dessen kambodschanischer Herrschaftszeit ein Viertel der Bevölkerung ums Leben kam. Auch er strebte eine "Kulturrevolution" an.

Weiterhin gibt es Belege, dass Mao Zedong zur Durchsetzung der kommunistischen Idee erhoffte, dass sich die Sowjetunion mit dem Westen einen Atomkrieg liefern würde. Er meinte wohl, dass, wenn beide Mächte geschwächt sind, China als alleinige Herrschaftsmacht auferstände.

Dieser ungeheuerliche Gedanke scheint seine Gründe schon in der Anfangszeit der kommunistischen Regierung in China zu haben. Die vordem herrschenden nationalchinesischen Truppen waren in der Zeit des Zweiten Weltkrieges so von Japan geschwächt worden, dass die Verbände Mao Zedongs sie hernach überrollen konnten. Sie flohen auf die Insel Formosa, dem jetzigen Taiwan.

Das Buch von Jung Chang und Jon Halliday schließt eine weitere Lücke in der Aufarbeitung des 20. Jahrhunderts. Dessen Abgründe aufzuzeigen und möglichst alles zu verdeutlichen, was in die verschiedenen Formen von Barbarei hineinführte, ist vielleicht die wichtigste Aufgabe jetziger Zeit.

Es mögen am Anfang hehrste Ideale einer brüderlichen Gesellschaft gestanden haben. Es folgte aber jener Furor mit Millionen Opfern, die diesem Glück scheinbar im Wege standen. Da wurde bereits die Idee gewaltsam und versuchte, das niederzuringen, woran sie sich hätte korrigieren müssen. Das bloße Umsetzen von Vorgefasstem ist ein soziales Gift. Es muss eine Umwandlung von allen Beteiligten geschehen, so dass in die Wirklichkeit nur gelangt, was von freiem Einverständnis getragen wird,

Jürgen Kaminsk

OT Wilde Schwäne

Verfasst: 30.06.2007, 19:18
von Detlef
Dazu empfehle ich das Buch Wilde Schwäne ,von eben dieser Jung Chang

Das bewegende,ungemein farbige und trotz aller grausamen historischen Details
spannend und unterhaltsam zulesende Porträt einer Familie im China unseres Jahrhunderts,von der kaiserzeit,bis zu den ereignissen am Platz des himmlischen friedens.Zeitgeschichte aus erster Hand

Doemersche Verlagsanstalt Knaur
erschienen 1993
isbn 3-426-77078-4
gruß Detlef

NHT/MEG

Verfasst: 01.07.2007, 10:19
von Dietmar
„Naiver Lokalhistoriker“! Offensichtlich verstehst Du nicht, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Deine hingeworfenen Fetzen von APO bis zum „Archipel Gulag“, die konstruierte Linie also, die eine linke Bewegung und den Marxismus dafür verantwortlich machte, dass „Gräueltaten“ begangen wurden, kann ich nur als lächerlich bezeichnen. Das ist gegen jede historische Forschung.

Deine vorliegende „Bilanz“ ist leider im wahrsten Sinne des Wortes eine krude Abrechnung, mit der Rechnungen beglichen werden. Woraus rührt deine Aggressivität? Ziel deiner „Befreiung“ ist die bloße Delegitimierung von 68 und damit jeglichen emanzipatorischen Versuchs. Dies wirkt umso stärker, je mehr sie von Ehemaligen vorgetragen wird.

Bist du in der Zwischenzeit in der Berliner Republik angekommen? Du warst es doch, der mithalf, eine Lücke zu schließen. Und du warst es doch, der mit Material half, die Debatte fortzuführen. Dein Credo des endgültig Geläuterten, der jetzt noch, um seine Thesen zu untermauern, ein paar Floskeln zum „Mao-Kult“ einstreut, entfremdet mich sehr.

Läuft jetzt wirklich eine überdimensionale Brechstange durch die Gegend und zieht jedem eins über, der Interesse an sozialer Bewegungsforschung hat? Du tust mir nicht weh. Und kannst es auch gar nicht. Das Nichtentfremdete und das Authentische mögen schon ihre Tücken haben, aber sie rechtfertigen doch nicht das Gegenteil.

Wer heute Lokalforschung betreibt, wird von dir - mir nichts dir nichts – aufgerufen, seine „Sünden zu bereuen“. Welche? Interesse an lokaler Geschichte wird somit zum persönlichen Manko des Einzelnen. Das ist marktliberale Plattheit ins Akademische gewendet.

Dass die APO Fehler gemacht hat, spricht nicht gegen sie, gegen sie spricht, dass sie falsche Konsequenzen gezogen hat. Dein ideologisches Räumkommando ist ein schlimmer Ausgrenzungswahn, der jeden trifft. Die Geschichte der Linken kann man nicht verstehen, ohne die Defekte der Ehemaligen zu untersuchen. Du entsorgst nicht nur ein Verständnis, du entsorgst jedes Verstehen gleich mit.

68 braucht niemand nachzuweinen. Was jedoch verlangt werden kann und muss, ist Realisierung des Kontextes und Respekt vor den Motiven all derjenigen, die einen kleinen Beitrag zur Aufarbeitung sozialer Ortsgeschichte leisten wollen. Die Fragen, die damals aufgeworfen wurden, sind ja mitnichten erledigt. Wenn heute Kronzeugen unterwegs sind und die eigene Läuterung nicht an sich selbst, sondern an Ehemaligen exekutiert wird, sollte Vorsicht geboten sein. Du willst das Forschungsgelände mit einer Gleichsetzung APO-Marxismus-Stalinismus-Gräueltaten verminen. Es ist leider der kalte, alte Wind, der da weht!

Dietmar Kesten

Verfasst: 01.07.2007, 11:03
von Heinz
Rabe489 hat geschrieben: Jetzt ist aber Ende mit der linken Nostalgie, die verbrecherische Weltbilder mir nichts dir nichts durchforstet. Das sage ich bei vollem Bewußtsein der Konsequenzen!
Gut dass wir hier dem Institut für Stadtgeschichte bisher überlassen haben, das verbrecherische Weltbild der Nazis und deren Wirkungen auf die Gelsenkirchener Geschichte zu durchforsten. :shock:

Rabe489 hat geschrieben:Und auch wenn die APO es ursprünglich anders meinte, sie endete in der Konstruktion des Archipel GULAG! Bekennt die Sünden und bereut.
Ich weiß zwar von einigen "Hausbesuchen" der führenden Leute bei "Verdächtigen", aber von Gulags ist mir nichts bekannt. :shock:

Ich nehme deinen Beitrag mal als Provokation, um auch eine andere Sicht zu bekommen.
Auch wenn ich vor allem stilistisch einige Mängel in Dietmars Texten sehe, spricht nichts gegen seine Art der Aufarbeitung.
Wie schon mehrmals gesagt, wem es zu lang ist, muss es nicht lesen.

Linke Nostalgie.

Verfasst: 01.07.2007, 11:52
von Dietmar
Bitte schön!

In diese Tradition stelle ich mich gerne. Falls es Dir, Jürgen Kramer, entgangen sein sollte: Z. Zt. wird eine breite Debatte über die "Entsorgung der RAF" geführt. Darin beteiligen sich eine Reihe von mehr oder weniger bekannten Historikern. U. a. Heinrich-August Winkler, Wolfgang Kraushaar u.a.

Letzterer hat sich mit über 1000-Seiten RAF-Geschichte zu Wort gemeldet ("Die RAF und der linke Terrorismus"). Kraushaar, bekennender "Lokapatriot", hat im großen Stil nichts anderes gemacht, als das, was im kleinen Stil Dietmar Kesten gemacht hat, oder vorhat zu machen: Wertfrei und ohne ideologische Bevormundung, Fakten zusammenzutragen und diese zu veröffentlichen.

Man kann, wie Heinz, den Stil der Arbeiten zu Gelsenkirchen kritisieren, doch die offene Aversion gegen diese Art der Geschichtsschreibung, oder sie auf solide Füße zu stellen, verunmöglicht von vornherein den ereignisgeschichtlichen Gelsenkirchener Hintergrund zu erhellen.

Das "Interesse am Marxismus-Leninismus" (da stellst du einfach eine These in den Raum, die im Kontext verschwindet) ist primär das Interesse an der Frage: Wie der Marxismus nach Gelsenkirchen kam? Ein CDU-Politiker kann an der Klärung dieser Fragen ebenso Interesse zeigen wie ein Grüner Politiker.

Historische (lokale) Forschung fragt nicht danach, ob jemand Marxist war, oder ist, sondern danach, welche Erkenntnisse erwachsen und ob mit ihnen Thesen aufgestellt werden können.

Ich wüsste nicht, dass Historiker andere Wege gehen. Ich wundere mich sehr darüber, dass dein Geschichtsverständnis linker Gelsenkirchener Geschichte "unter Verdacht" firmiert. Was mich anbelangt, so gebe ich freimütig zu, dass ich bin, der ich bin. Und dass mich Ideologien nicht mehr sonderlich berühren. Allerdings auch, dass ich nicht abgeneigt bin, mich mit materialistischen (meinetwegen marxistischen) Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Dietmar Kesten

NHT/MEG

Verfasst: 01.07.2007, 13:22
von Dietmar
Johannes Agnoli, der sich selbst nie wichtig nahm, schrieb in „1968 und die Folgen“: „Wer die Revolte von ‚1968‘ mitgemacht, mitgetragen, mitgenossen hat und nicht nur in der Form der Sympathie dabei war, sieht keinen Grund, sich von ihr zu distanzieren. Nicht nur alle Abwertung, alle Anschwärzung, alle Verleumdung, die inzwischen... üblich geworden sind, lassen ihn vollkommen kalt... Die Revolte stellte einen gesellschaftlich-geschichtlich notwendigen Bruch in einer verfault gewordenen Lage dar.“ (Johannes Agnoli: 1968 und die Folgen, Freiburg 1998)

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Deine These „jetzt ist aber Ende mit der linken Nostalgie“ das Agnolische Diktum zu bestätigen scheint. Agnoli hat nie einen Grenzstrich zwischen dem bösen Denken einer politischen Rechten und dem vermeintlich guten Denken der politischen Linken gezogen. Der Wissenschaftler Agnoli hat sich auch nie bei den Linken eingeordnet, sondern hat zu denen gehört, die sie politikwissenschaftlich angeordnet und untersucht haben wie der Magnet die Metallspäne.

Doch für die Ankläger ist heute die APO aufgezehrt. Und sie soll sogar noch in einer „Konstruktion des Archipel Gulag“ geendet haben. Alles scheint also der APO in die Schuhe geschoben zu werden. Die APO wird sozusagen zum Delinquenten, die eine Krise (welche, die der inneren Sicherheit?) erst herbeiführte.

Heute wird die Linke (als Oberbegriff verstanden) mit beliebigen Analogien und Denunziationen belegt. Und hier sekundiert mit einem blöden Mao-Kult Zitat. Jürgen Kramer erteilt eine lehrreiche Abhandlung über den Maoismus. Und Detlef fühlt sich befleißigt, Jung Chang als Beleg für den Untergang des Maoismus anzuführen. Wie arm!

Die vermeintlichen Kenner des Marxismus warten gleich mit Quellenrecycling auf. Ein Zitat, eine Buchangabe. Fertig ist die Entsorgung. Damit kann man schön rückwirkend auf einen Prozess der Säuberung insistieren und reflektieren. So begreift man noch nicht mal die schwarze Katze, die nach Schrödinger den Weg der Weiterentwicklung (Experimente am Ort) geht.

Ich werde hier keinen Aufruf mehr starten, irgendetwas zu unterstützen. Ich werde auch keinen „Kampf zweier Linien“ in die Gelsenkirchener-Geschichte hineintragen. Ich lese und staune. Aber ich lasse mir von niemandem verbieten, spätere Arbeiten zur „Politischen Geschichte in Gelsenkirchen“ Heinz Niski anzubieten.

Berühmt werden will ich nicht, zum Spitzenfeld aufrücken auch nicht. Wenn wir jedoch nur noch zu Selbstläufern werden und den Nagel im Brett als „Kunst“ verkaufen wollen, sollte Heinz Niski, dem ich trotz allem freundschaftlich verbunden bleibe, diese Seite schließen.

Man erspart sich dadurch elende Debatten, die Möchtergerne und angeblich Belesene anzetteln, um etwas zu verfrachten, was nicht zu verfrachten ist.

Dietmar Kesten

Verfasst: 01.07.2007, 13:50
von Verwaltung
Diese Seite wird nicht geschlossen.
Wenn sie geschlossen werden sollte, dann nur in begründeter Abstimmung und mit Mehrheitsentscheidung des Teams der Gelsenkirchener Geschichten.

@Dietmar
Wir möchten dir etwas mehr "dickes Fell" wünschen, damit du nicht bei jeder Spitze oder Kritik ultimative Konsequenzen ankündigst.
Es reicht, wenn du auf die aus deiner Sicht methodischen und inhaltlichen Schwächen einiger Argumente hinweist.

Außerdem solltest du manchen "Angriff" einfach als Chance zur Verdeutlichung und Vertiefung in die Problematik sehen.

Dickes Fell.

Verfasst: 01.07.2007, 14:13
von Dietmar
Was heißt "dickes Fell"?

Offenbar hat selbst die Verwaltung nicht begriffen, dass die Positionierungen mancher Leute aus dem hohlen Bauch heraus erfolgen und ohne begründete Inhalte eher auf eine Verächtlichmachung insistieren.

Ultimativ gesetzt ist immer das, was keinen Sinn mehr macht, zu verfolgen oder es zu debattieren, da nicht nur Fronten verhärtet sind, sondern sie als Beleg genommen werden, mit ihnen zu konstruieren und Willkür zu betreiben.

Die Verwaltung selbst verfällt dabei dem Opportunismus anheim. Ziel ist es, sich es mit niemandem zu verscherzen. Wie sonst ist es möglich, dass auf einen saudämlichen Jürgen Kramer Beitrag eine "abgespeckte" (seichte!) Antwort erfolgt?

Sorry! Als irgendeine "Vertiefung" kann ich das alles nicht interpretieren. Eher als ein Entkommen.

Dietmar Kesten

Verfasst: 01.07.2007, 15:48
von Fuchs
Du bläst den selben alten und kalten Wind zurück, Dietmar!

Noch mal gucken und die Atemluft langsam ein- und wieder auuuusatmen...

Es war nicht die Verwaltung, die Jürgen K`s Beitrag weichwischte...
es war Heinz.

Was ist das für ein alter Reflex?

Ist es dieser alte Reflex eines Forschers der (bevor er forschte) "Molekül" des "Objektes" war, welches er heute beforscht?
Ist es nicht ein wenig so?

Würde mir wünschen, es wäre so wie du hier schreibst:

"...was im kleinen Stil Dietmar Kesten gemacht hat, oder vorhat zu machen: Wertfrei und ohne ideologische Bevormundung, Fakten zusammenzutragen und diese zu veröffentlichen..."

Ja, bitte (!!!) und gleich die alten Reflexe über Bord werfen, sonst ists Zeitverschwendung wenn es hier um eine wertefreie Erkenntnissammlung gehen soll!


"...Der "Erkenntniswert" könnte in ein Lernergebnis einmünden, neue Problemzusammenhänge eröffnen, um sie insgesamt in politische Entwicklungen einzuordnen..."

Jau!

"...Die Geschichte der Linken kann man nicht verstehen, ohne die Defekte der Ehemaligen zu untersuchen..."

Soso, "Defekte". Worthülse für "Fehler" - das kleine Beispiel soll dir nur zeigen, wie schnell man selber zur "Verwaltung" wird und kleine Defekte weichwäscht!


Worum geht es dir wirklich, Dietmar?

Ein dickes Fell kann nur der "Forscher" haben, der nicht reflexartig sein Objekt beschützt. Eine Axt des Henkers diente dazu, den Tod zu bringen - welcher "Forscher" sagt dazu: Schnittwerkzeug?!?

Wo war ich? Ach, ja... beim dicken Fell!

Ein dickes Fell hätte vielleicht erst einmal "w und w" reagiert:
Weitsichtig und witzig! Und zwar auf Jürgen B`s seyfriedsche Karikaturen.
Die haste übersehen und ( wie antrainiert) lieber bei Jürgen K`s Provokation zugeschnappt.

Irgendwie sehe ich vor mir diesen alten Griechen... er versucht, einen riesigen Felsbrocken den Berg hinauf zu bekommen...
Als In-Sekten-Forscher und Fuchs mit ausreichender Befellung bin ich aber auch an der, von Bernd M. angesprochenen, Aufarbeitung interessiert.
Allerdings: „…Wertfrei und ohne ideologische Bevormundung…“ !

Fuchs

Verfasst: 02.07.2007, 11:10
von rabe489
Mein Beitrag ist keine bloße Provokation, provoziert aber den überlebten Zeitgeist: sprich, es gilt immer noch, "Linkes" als fortschrittlich zu empfinden. Links sei, "wo das Herz sitze", aber links ist auch der Marxismus und der erhielt seine 20.Jahrhundert-Gestalt im Leninismus und der wiederum mündete im Stalinismus und da war das Linke zum Grauen geworden, zur Menschenverachtung und zur Ausgeburt des Schreckens. Ich bestehe auf diesen Zusammenhang! :roll: :!:

P.S.:Wer erinnert sich schon Daran gern, dass Ernst Bloch 1953 auch ein Gedicht auf Stalin schrieb.