Kaufhaus Theodor Althoff in Buer

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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

@Lorbass43:

Klasse Bericht ! Dankeschön für die gelungene Schilderung Deiner Erlebnisse, speziell die Details zum Kaufhaus Althoff haben es mir angetan. :2thumbs:
Zuletzt geändert von Benzin-Depot am 02.08.2009, 19:54, insgesamt 1-mal geändert.
„Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

Kassiopeia
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Althoff in Buer

Beitrag von Kassiopeia »

Lorbass43 hat geschrieben: Neben den zwei Kundenfahrstühlen befand sich die Möbelabteilung. In der zweiten Etage wie vom Fahrstuhlführer in brauner Livree angekündigt gab es - Lebensmittel. Haushaltwaren, Spielwaren und Sport. Zu meiner Zeit waren zwei Herren mit Armamputationen tätig. Willi Zägel, er spielt am Wochenende u.a. in der Schauburg am Schlagzeug zum Tanz auf. Der Drumm-Stick wurde zwischen Elle und Speichel des Unterarm geklemmt und los ging's. Ein weiterer Mitarbeiter kam aus Bayern als Bergknappe nach Scholven und verlor seinen Arm fast bis zur Schulter auf den Bahngeleisen an der Bülsestr. Höhe Bäcker Jäger.
An die Aufzugsführer mit " nur einem Arm" kann ich mich auch noch gut erinnern.

Als Kinder machten wir mit unserer Mutter von Oberscholven eine "Weltreise" mit dem 47er nach Scholven und dann mit der Straßenbahn nach Buer um bei Althoff einzukaufen.
In der Strassenbahn ging es zunächst an dem Schaffner vorbei, der hinten auf seinem "Thron" saß und die Fahrkarten verkaufte.
Wenn man bis dahin nur den Tante Emma Laden von Hanke in Oberscholven kannte, so erlebte man in Buer eine ganz andere Welt.
Ich sach dich datt!

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Lorbass43
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Th. Althoff - und dann war da noch

Beitrag von Lorbass43 »

Für die Lehrlinge war einmal die Woche Berufsschule in der Eduard Spranger Schule.
Zu Beginn hatte der Paternoster im Rathaus für die Stifte des ersten Lehrjahr eine gewisse Anzugskraft. Natürlich wurde durch den "Boden " und den "Keller" gefahren. Hier wurden sogar Versuche gemacht aus dem Keller im Handstand hochzukommen.
Hausinterne Schulungen für den Verkauf fanden Nachmittags lehrjahrbezogen in der Kantine statt. Morgens um 8.00h wurden in den Abteilungen Schulungen in Warenkunde von den jeweiligen Substituten durchgeführt.
Bis zum 18. Lebensjahr gab es einen Tag in der Woche (6 Tage) Jugendfrei.
Kontrollen der Berufsschul- und Berichtshefte waren gängige Praxis.

tiborplanet_de
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Kaufhausrausch

Beitrag von tiborplanet_de »

Obige Berichte weckten in mir den Wunsch dieses Kaufhaus abseits des Ausverkaufs noch einmal zu betreten. Viele Jahre Kaufhausgeschichte sollten sich dort noch ablesen lassen und sollten dokumentiert werden bevor es eine neue Nutzung (die vllt. einen Totalumbau bringt) findet.

Also meine Frage: gibt es hier jemanden derKontakte hat die uns einen Besuch ermöglichen könnten?
Kennt jemand Hausmeister, Kassiererin, Reinigungsfachkraft, Marketingpersonal etc???

Babapapa
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Re: Kaufhausrausch

Beitrag von Babapapa »

tiborplanet_de hat geschrieben: Also meine Frage: gibt es hier jemanden derKontakte hat die uns einen Besuch ermöglichen könnten?
Kennt jemand Hausmeister, Kassiererin, Reinigungsfachkraft, Marketingpersonal etc???
hingehen, fragen!

aber ich mache das mal morgen - nach meinem besuch beim vorzüglichen wochenmarkt in buer!

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kleinegemeine01
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Beitrag von kleinegemeine01 »

Also, das Treppenhaus, wo sich die Kunden WCs befinden kann man relativ frei betreten. Ganz oben bietet sich aus den Fenstern ein wunderbarer Blick auf den Dom und Scholven.
Die Kellerkatakomben sind natürlich interessant. Hatte mal vor Jahrzehnten ein Praktikum im Hause Karstadt gemacht.
Vllt. einfach mal dort anrufen, sich mit dem Hausmeister verbinden lassen und Deinen Wunsch vortragen.

DieRosi
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Beitrag von DieRosi »

Tolle Schilderung aus den 50er Jahren. Ich spüre förmlich die Athmosphäre.
Damals gab es noch Kaufkultur - heute nur noch Konsum.

Eine ältere Dame erzählte, sie sei Verkäuferin bei Balz in BO gewesen - in der Damen-Handschuhabteilung. 5 Mitarbeiteren wären dort tätig gewesen. Heute trifft man keine 5 mehr auf einer ganzen Etage.
Die Ex-Gelsenkirchenerin

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Ab der 2. Etage ist bereits alles für den Kundenverkehr gesperrt.

Letzter Verkaufstag ist übrigens der 15. August 2009 :cry:
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

buerio
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Karstadt

Beitrag von buerio »

Die Kellerkatakomben sind natürlich interessant. Hatte mal vor Jahrzehnten ein Praktikum im Hause Karstadt gemacht.
Vllt. einfach mal dort anrufen, sich mit dem Hausmeister verbinden lassen und Deinen Wunsch vortragen

Das wird sich ab ca Sept 09 erübrigen.
Dann wird das alte Althoff-Haus zu einer Seniorenfabrik umgebaut.
Die könnten in der alten Plakatmalerei im Dachgeschoss Plakate für den Parteienwahlkampf herstellen.
Kurze Wege zu neuen Einkaufsmarkt am Dom.
Brillen-Apollo bleibt ja.
Ein neuer Senioren-Figaro zieht ein.
Ein Fingernagelstudio für alte Damen fehlt noch.
Die Keller-Katakomben werden zur Hinsiechstation umgebaut.
Im Stock 3 wird ein Seniorencafe zu günstigen Preisen eröffnet.
Der 1 €-Laden ist ja gegenüber.
Brötchen gibt es schon. SB im Paterre.
Stock 2 und 3 werden Wände hochgezogen und zu Einzelzimmern bzw Doppelzimmern umgebaut.
Die Toilette im 1 Stock reicht natürlich nicht aus.Die 1€ Job-Afrikanerin muß die alten Herrschaften zur Eile antreiben.
Ganz oben ist dann die Spielzeug-Senioren-Abteilung.

Nur so kann die Innenstadt von Buer vor dem Verfall gerettet werden.
Buerio

buerio
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Athoff

Beitrag von buerio »

Teil 2.
Das ganze Haus ist doch für eine Senioren-Gemeinschaft geeignet.
Treppensteigen erübrigt sich, da Rolltreppe vorhanden.
Für Rollstuhlfahrer stehen Aufzüge bereit. Auch von besuchenden Urenkeln im Kinderwagen nutzbar.
Natürlich darf ein BINGO-Saal nicht fehlen.
Zur Betreuung könnten die letzten Hertie-Mitarbeiter umgeschult werden.
Unter der Leitung der zuletzt leitenden Geschäftsführerin als Managerin.
Bei einem Umbau zum Senioren-Event Zentrum könnten dann auch die horrenden Mietforderungen der Britischen Eigner bezahlt werden.
PS Es dürfen nur Rentner mit einer Midestrente von 3000,00€ , oder ehemalige Bergleute,
einziehen.
Buerio

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Lorbass43
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Zukunft der Inmobilie Th. Althoff

Beitrag von Lorbass43 »

Die Vorschläge von Buerio sind Spitze, nur...

Aufgrund unserer beider besonderen örtlichen Kenntnisse um dieses Haus werden wir Leiter der Fahrstuhlführerabteilung in diesem Seniorenparadies.
Auf der vierten Etage, Höhe ehemalige Kantine mit Blickrichtung Dom stehen uns Penthousewohnungen auf Lebenszeit zur Verfügung. Der Nutzerkreis sollte auf reiche Russen erweitert werde. So könnte die eine oder andere Brennerei in Gelsenkirchen am Leben bleiben bei entsprechender Erweiterung der Produktpalette.

buerio
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Beitrag von buerio »

Die Idee mit den Russen ist gut.
Die könnten dann auch zur Fusspflege (im Hause) gehen.
Ein Seitenteil der nahen Urbanus-Kirche könnte einen orthodoxen Anstrich ( mit Ikonen) bekommen.
Das Schlesierrestaurant ,par Meter weiter, könnte russische Spezialitäten anbieten.
Im neuen Spielwarenladen, am Dom, sind "Mensch ärgere dich nicht" und "Mühle" zu bekommen.
Höhrgeräte "Geers" ist nicht weit!!!
Ein Paradies für Rentner in BUER.

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Lorbass43
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Th. Althoff - von mir die "Letzte"

Beitrag von Lorbass43 »

Die Dekoration der Schaufenster erfolgte aus dem Keller. Durch Lucken, die je nach Bedarf variabel vergrößert oder verkleinert werden konnten. Die Wände und der Boden wurde mit Molton bespannt. Mit einer Bürste wurden Muster aufgebracht. Aus den Abteilungen kamen je nach Bedarf Lehrlinge die bei der Platzierung der Waren zur Hand gingen. So wurden z. B. die Büsten - Damen- Herren- und Kinderbekleidung - angezogen.
Mit einem Riesenaufwand wurden die großen Spielwarenfenster zur Weihnachtszeit gestaltet. Es sollte ja nicht nur schön aussehen, es musste auch vielgezeigt werden. Mit Säulen aus in verschiedensten Größen und Materialien auf denen Glasplatten lagen, wurden stufenförmige Anordnungen erstellt. Wie oft sind kurz vor dem Fertigwerden diese Gebilde wieder umgefallen. Bei der Erstellung von Haushaltwarenfenster ging da auch einiges Glas oder Porzellan zu Bruch.
Die Spielwarenabteilung hatte auch Kinderwagen und Zubehör wie Matratzen, Garnituren und Fußsäcke im Angebot. Nach dem die unförmigen Kriegs- und Nachkriegsmodelle aus Peddigrohr oder Presspappe nicht mehr gefragt waren kamen zusammenklappbare Faltwagen z.b. mit Schottendekor in Mode. Nur halbmontiert war es hier die Aufgabe der Lehrlinge der Abteilung die Kinderwagen im Lager fertigzustellen und in den Verkauf zu transportieren. Mir ist ein großes Angebot , das auf der Fläche und der Rampe Blickrichtung Lichthof angeboten wurde, noch in Erinnerung. So wurde es auch mit den Puppenwagen und Kinderfahrräder und Roller gemacht. Der Wettbewerb, Gustav Wahl und die Kinderwagenzentrale Nebel hatte ebenso große Angebote zur Verfügung. Es war halt Nachfrage da.
In der Weihnachtzeit war in der Modellbauabteilung die “Hölle” los. Hier gab es beratungsintensives Spielzeug wie Modelleisenbahnen von Märklin, Trix und Fleischmann
Esgab die ersten Experimentierkästen von Kosmos, Metallbaukästen von Märklin in blau und rot oder Trix Express schlicht in Metallfarben. Eine Firma LEGO bot in kleine Schachteln Plastikbausteine an u.a. ein Haus mit Garage wenn man mit einem Modellauto vor die Garage rollte, öffnete sich durch Druck die Garagentür. Es gab noch keine Selbstbedienung a la Spielwelt USA, also warteten die Kunden geduldig, miteinander fachsimpelnd vor der Theke bis sie “dran” waren. Die getätigten Käufe, es gab noch keine Plastiktüten, wurden generell im Haus, an der jeweiligen Registrierkasse oder an den auf jeder Etage befindlichen Hauptkassen mit Packtisch, verpackt. Es gab hellblaues Packpapier das in verschiedenen Größen und von der Rolle zur Verfügung stand. Noch ohne Tesafilm, mit gummierten Papierrollen die durch einen Feuchtigkeitsspender gezogen, dem Paket Festigkeit gaben. Bei Bedarf mit einer Kordel ( da gab es sogar eine Schulung für) fachgerecht verschnürt. Ein Draht mit zwei Ösen und in der Mitte einen Holzgriff erleichterte das Tragen. Das alles war selbstverständlicher Dienst am Kunden. Die aufblühende Campingabteilung hielt die ersten Zelte mit stabfreien Eingang und weißen Überdächern bereit. Campingbeutel mit und ohne Schuhfach fanden reißenden Absatz.
Luftmatratzen sogar zum Sitzen, Schlafsäcke, Kochgeschirr und Benzinkocher von Mehler waren im Angebot, und fanden ihren Endverbraucher. Auf den Flächen in der Passage gab es in den Sommermonaten Sonderaktionen wie, Postkarten die als Schallplatte zunutzen waren, Sonnenbrillen und auf Wühltischen Textilien.
Wie ein Lauffeuer ging es durch das Haus , wenn die Herren der Geschäftsleitung ihre Räumlichkeiten in der vierten Etage verließen und sich in die Niederungen des Verkaufs begaben. Ähnliches erlebte ich ab 1963 bei der Bundeswehr ,wenn es hieß “Chef kommt”
Gerne erinnere ich mich an den großen Butterklotz in der Lebensmittelabteilung von dem die Verkäuferin die Butter mit einem Holzspatel in Wunschportionen kratzte. In den Haushaltwaren waren die Lampen unter der Decke befestigt und mussten mittels es Stange den Kunden zur näheren Ansicht bereitwillig abgehangen werden. Die nicht ganz ernst gemeinten Sprüche der Herrenoberbekleidung wie : das ist ein reiner “Fassmaanda” oder echte “Bissamware” = bis am Ersten bezahlt sein . Es war gängige Praxis angezahlte Ware ,Zentralkasse erste Etage, für eine gewisse Zeit zurück zulegen. Was wurden Hula Hup Reifen aus dem Haus getragen als diese Welle los ging? Wie lange ist das alles her?
Schluss und Endgültig vorbei!
Das Wort Nostalgie, das die Sehnsucht nach dem Verlorenengegangenen meint, scheint selber verloren gegangen zu sein. Der Zeitgeist spricht von ”Retrowellen” und bejubelt die vorübergehende Wiederbelebung von klappernden Latschen und Brausegetränken.
Über die wahren Verluste kann das nicht hinwegtäuschen.

Schade

Babapapa
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Re: Kaufhausrausch

Beitrag von Babapapa »

Babapapa hat geschrieben:
tiborplanet_de hat geschrieben: Also meine Frage: gibt es hier jemanden derKontakte hat die uns einen Besuch ermöglichen könnten?
Kennt jemand Hausmeister, Kassiererin, Reinigungsfachkraft, Marketingpersonal etc???
hingehen, fragen!

aber ich mache das mal morgen - nach meinem besuch beim vorzüglichen wochenmarkt in buer!
samstag war nix zu machen! alle angestellten im dauerstress. die einzig ansprechbare person vom personal war die klofrau! 2. und 3. etage bereits gesperrt. bin auch wieder schnell geflüchtet.

vielleicht sollte man als möglicher investor auftreten, wenn man die räume eingehend inspizieren möchte..? ;-)

buerio
Abgemeldet

Beitrag von buerio »

Hier ein Relikt aus meiner Lehrzeit 14.8.1962
Bild
im stil unserer zeit
Modern sein und modern leben heißt "Im Stil unserer
Zeit" leben, so wie es uns durch neue Eindrücke,
Erkenntnisse und neue Erfahrungen täglich vemittelt
wird. In unseren vier Wänden aber muß es sich
erweisen, ob wir modern oder konventionell
eingestellt sind, und oft fällt uns die Entscheidung für
diese oder jene Richtung sehr schwer. Unsere
Aktion "Im Stil unserer Zeit" will Ihnen an vielen
Beispielen in den Schaufenstern und in unserem Hause
zeigen, wie man Einzelzimmer undganze
Wohnungen mit moderner Behaglichkeit ausstatten
kann. Sehen Sie sich unsere Vorschläge einmal an,
manches wird Ihnen Anregung geben.

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