Evangelische Kirchengemeinde Horst

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Evangelische Kirchengemeinde Horst

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GELSENZENTRUM
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Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Horst

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Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Horst 1882 – 1982

Einleitung
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts kam es zur Bildung der Evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Horst. Aber schon zur Zeit der Gegenreformation
zeigten sich hier Spuren evangelischen Lebens. Diese ersten Anfänge hingen eng mit dem Schicksal von Schloß Horst zusammen. Marschall Rüttger von der Horst, der berühmte Erbauer des Schlosses, hat als einflußreicher Politiker unter den Großen seiner Zeit eine bedeutende Rolle gespielt und auch zwischen katholischen und evangelischen Fürsten vermittelt. Nach seinem Tode 1581 übernahm der eingeheiratete Freiherr Bertram von der Loe zu Geist und Palsterkamp die Herrschaft. Palsterkamp liegt im Ravensbergischen
und war damals schon evangelisch. Die Erbtochter der beiden wiederum, Sybilla, heiratete den evangelischen Freiherrn Dietrich von der Recke. Sybilla soll eine äußerst energische Dame gewesen sein, die auch in die kirchlichen Angelegenheiten "eingegriffen" hatte, dem "säligen Pastor Buerichter (gest. 1623) allzeit entgegen gewesen" war und "etzliche Male ein paar schwierige Händel in geistlichen Fragen angerichtet" hatte (Klappheck, Seite 53 f).

Sie war die Gründerin der ersten Schule in Horst, was damals etwas Besonderes war. In
der Stiftungsurkunde vom 13. 9. 1627 heißt es: "daß sie allhier zur Horst eine Schule erbauen lasse zur Ehre Gottes des Allmächtigen und zur sonderlicher der Jugend ersprießlicher und nutzbarer anstehender Unterweisung, damit dieselbe in Gottesfurcht und Tugend erwachse, erzogen und zu dem Ende mit Lesen und Schreiben fleißig instruiert
und geübt werden möge". (Alldieck, Horst im Broiche S. 140).

Der erste Lehrer in Horst, Henrikus Bokelkamp, ist mit seiner Familie aufs engste mit dem evgl. Hause seiner Herrin verbunden. Als sein Sohn Joan Bertram Nachfolger im Schulamt wurde, übernahm er selbst das Rentamt auf Schloß Horst. Seine Tochter Angela gar wird durch Heirat mit Joh. B. von der Recke Freifrau auf Schloß Horst (1660). Im katholischen
Taufregister heißt es, daß ihr Sohn am 19. 6. 1661 in Essen von einem Calvinisten getauft worden sei.

Wir haben es im 17. Jahrhundert also mit einer evangelischen Herrschaft im katholischen
Horst zu tun. Im ersten Tauf- und Sterberegister der katholischen Kirche sind nur spärliche Bemerkungen über die Konfessionszugehörigkeit gemacht. Bisweilen geschieht es aber im Trauregister, wo Übertritte von der einen zur anderen Konfession vermerkt sind oder wo die Art des Trauritus ausdrücklich bezeichnet wird. Daraus kann man ersehen, daß evangelische Christen bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts hinein in Horst ansässig waren. Mit dem Verkauf des Schlosses und der Herrlichkeit Horst an das streng katholische
Geschlecht Fürstenberg verloren sie aber die letzte Stütze.

I. Kapitel
Der äußere Anlaß zur Gründung der evangelischen Kirchengemeinde war die Abtäufung der Zeche Nordstern im Jahre 1865. Unter den zuwandernden Arbeitern aus allen Teilen Deutschlands waren es vor allem die Evangelischen aus den Ostgebieten, und unter diesen wiederum die Ostpreußen, die der werdenden Gemeinde das Gepräge gaben. Sie hatten es nicht leicht, in dem damals rein katholischen Gemeinwesen heimisch zu werden. Sogar ihre ersten Toten mußten sie "abseits auf ungeweihtem Boden2 beerdigen. Erst als sie erfuhren, daß der Friedhof Kommunaleigentum war, gestattete man ihnen notgedrungen die Beerdigung in der Reihe. In der Chronik heißt es: "Glücklicherweise waren unter den ersten Evangelischen Beamte der Zeche, die dem evangelischen Glauben treu waren. So hatten denn die anfangs sehr vereinzelten Evangelischen von vornherein einen gewissen Halt aneinander."

1866 kam der Pfarrverweser Bovermann von Dorsten, um sich nach der Lage der Evangelischen zu erkundigen und eine Bibelstunde einzurichten. Der Zechenbeamte Buschmann stellte damals ein Zimmer in seiner Wohnung zur Verfügung. Anfangs sammelten sich dort 14tägig etwa 10 Teilnehmer. Der Wille der kleinen, aber stetig wachsenden Gemeinde, ihres Glaubens zu leben, zeigte sich in dem Streben nach einer evangelischen Privatschule, die am 4. 11. 1867 genehmigt wurde. Für die Privatschule stellte die Zechenverwaltung in einem ihrer Häuser einen Raum zur Verfügung, wo die kleine Gemeinde auch ihre ersten Gottesdienste abhalten konnte.

Der damalige Lehrer Meyer verstand es, die Evangelischen zu sammeln und ihnen Interesse für die Angelegenheiten der Gemeinde einzuflößen. Er war stets bereit, in Vertretung des Geistlichen auch Lesegottesdienste zu halten und Beerdigungen namentlich der Kinder zu vollziehen. Schon 1870 hatte man erreicht, daß die Privatschule zu einer öffentlichen erhoben wurde.

In den Jahren nach 1870 betreuten nacheinander die Pfarrer Hesselmann und Nordmeyer und vor allem Stapenhorst die kleine Gemeinde. Damals nahm die Zeche, die zeitweilig stillgelegt war, einen neuen Aufschwung. Neue Arbeiter wurden gewonnen, vor allem wieder Evangelische aus Ostpreußen. Um 1880 zählte die Gemeinde bereits über 300 Seelen. Der kleine, unfreundliche und enge Schulraum genügte den Anforderungen nicht
mehr. Pfarrer Stapenhorst bemühte sich sehr um die Verselbständigung der Gemeinde und die Erbauung eines Kirchenhauses. Am 1. 6. 1882 erlangte die "Evangelische Kirchengemeinde Horst" durch das königliche "Erektionsdekret" vom 17. 4. 1882 ihre Selbständigkeit, blieb aber zunächst auch weiterhin mit Dorsten verbunden. Gleichzeitig kam auch die Genehmigung zum Bau der Kirche. Mit Hilfe der kirchlichen Behörden, des Gustav-Adolfs-Vereins und derOpfer dieser kleinen Gemeinde konnte die Kirche bereits am 2. Februar 1883 eingeweiht werden.

Am 15. 5. 1887 kam der Pfarrverweser Franke aus Driburg. Jetzt wurde die Verbindung mit Dorsten gelöst und der Zusammenschluß mit Buer vollzogen. Als die Gemeinde Buer im Jahre 1895 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, verlegte Pfarrer Franke seinen Wohnsitz dorthin. Zu seiner Unterstützung wurde der Hilfsprediger Verron nach Horst entsandt. Diesem folgte im Februar 1896 der Hilfsprediger Schmidt. Noch im Sommer desselben Jahres wurde Horst als selbständige Gemeinde von Buer abgezweigt und der
bisherige Hilfsprediger zum Pfarrer der Gemeinde ernannt. Nunmehr konnte sich auch das Gemeindeleben freier entfalten. Die äußere Entwicklung ging aber so schnell vonstatten, daß die innere kaum Schritt halten konnte. Das Kirchenhaus mit seinen 170 Plätzen reichte bei weitem nicht mehr. So wurde eine größere Kirche unter Benutzung eines Teiles der alten (Chor und Apsis) geplant. Die erweiterte Kirche konnte am 11. 12. 1898 von Generalsuperintendent Nebe eingeweiht werden. Gleichzeitig wurde auch das erste Pfarrhaus gebaut. Im Jahre 1900 waren 2884 Evangelische in Horst, im Jahre 1909 schon 6448.

Um eine ausreichende Seelsorge zu ermöglichen, wurde im Jahre 1904 eine Hilfspredigerstelle eingerichtet, die im Januar 1910 in eine zweite Pfarrstelle umgewandelt wurde. Nach dem Bau des zweiten Pfarrhauses wurde am 7. 9. 1910 Pfarrer Max Wolfslast als erster Pfarrer in die 2. Pfarrstelle eingeführt. Es war eine Fülle von Einflüssen, die sich in der gerade entstandenen Industriegemeinde bemerkbar machten. Unmäßigkeit, Leichtsinn, auch Gleichgültigkeit, ja offene Feindschaft gegen die Kirche und ihre Vertreter werdenin den Annalen vermerkt.

Sozialdemokratische Anschauungen der Sachsen stehen gegen Königstreue und Glauben der Ostpreußen und Masuren. Bei den letzteren zeigte sich allerdings eine "bedenkliche Schwäche gegenüber sektiererischen Anschauungen aller Art oder gar Hinneigung zu denselben." Damals entstanden z. B. "die Polnische Friedensgemeinde, die Gemeinde der
Heiligen, die Neuapostoliker2. Alle diese Schwierigkeiten führten aber dazu, die Gemeinde in ihrem innersten Bestand zu festigen und lebendig zu erhalten. Damals waren es neben Pastor Schmidt vor allem die Presbyter und Vereine, die in ihrer Treue und hingebenden Arbeit das Leben der jungen Gemeinde gestaltet haben.

Von den Presbytern wird ein H. Niestradt genannt, der seit Gründung der Gemeinde über 25 Jahre treu seines Amtes gewaltet hat. 1893 wurde der Evangelische Frauenverein, die spätere Frauenhilfe, gegründet, 1895 der Evangelische Arbeiterverein, 1903 der Blaukreuzverein, 1907 der Zweigverein des Evangelischen Bundes, 1909 der Jungfrauenverein. Immer ging es dabei um die Pflege des Gemeindelebens, um Notstände, denen man begegnen mußte, oder um den diakonischen Dienst der Liebe, wie es damals
besonders im Blaukreuzverein zum Ausdruck kam.

Um den notwendigen Raum für die verschiedenen Vereinsstunden und Zusammenkünfte
zu gewinnen, wurde 1905 / 1906 neben der Kirche ein Vereinshaus gebaut, das zwar bescheiden und einfach war, aber zunächst einmal eine große Hilfe bedeutete. 1913 wurde der Saal des Presbyters Volkmann an der Strundenstraße dazugemietet, weil das Gemeindehaus nicht mehr reichte. Neben der Vereinstätigkeit ist die Sozialarbeit der Gemeinde zu erwähnen, die in einem eben entstehenden Industrieort eine nicht zu
unterschätzende Bedeutung hat. Im Jahre 1906 wurde eine "Kleinkinderschule" eingerichtet, die bis zu ihrer Zerstörung im Jahre 1944 von Fräulein Lisbeth Lenzing geleitet wurde. Über 40 Jahre hat "Tante Lisbeth" mit großen Opfern und oft unter schwierigsten Verhältnissen ihre Arbeit getan. Kurz nach der Zerstörung des Kindergartens wurde sie selbst ebenfalls ein Opfer der Bomben. Viele Gemeindeglieder, die durch ihre Hände
gegangen sind, haben sie in gutem Andenken.

Seit 1904 besteht zur Pflege der Armen und Kranken die Ev. Gemeindeschwesternstation,
die zunächst mit einer Diakonisse aus Bethel, dann, nach einer Zeit der Vakanz, von 1909 bis 1925 vom Wittener Diakonissenhaus, von 1925 bis 1936 vom Mutterhaus in Münster besetzt war. Im Jahre 1929 kam auch noch eine Handarbeitsschule dazu. Die Dienste der Inneren Mission geschehen meist in der Stille, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit. Nur der, der sie unmittelbar zu spüren bekommt, weiß, was sie bedeuten, und ahnt vielleicht manchmal, welche Opfer sie erfordern.

Um so deutlicher muß darum herausgestellt werden, welch ein Segen von diesen Diensten ausgeht, und welche stillen Wirkkräfte von daher in die Gemeinde fließen. Für das Zusammenwachsen der Gemeinde waren sie geradezu unentbehrlich.

II. Kapitel
Bis zum Jahre 1914 etwa hat sich das evangelische Leben in Horst entfaltet. Es hat auch eine gewisse innere Festigkeit gewonnen. Pfarrer Schmidt hatte 1907 die Gemeinde verlassen. An seine Stelle traten Pfarrer Max Zemke und von 1911 bis 1930 Pfarrer Hans Weise. In diesen Jahren wirkten sich die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse, die Erschütterungen und Umwälzungen in Volk und Staat bedrängend aus. Der 1. Weltkrieg, der Zusammenbruch des Deutschen Kaisertums, die Not der Nachkriegszeit, die Inflation, die französische Besetzung des Ruhrgebiets, die jahrelange Arbeitslosigkeit, das alles lag
schwer auf Volk und Kirche.

Bei der Umwandlung der Deutschen Monarchie in eine Demokratie mußte auch die Verfassung der Kirche geändert werden, weil jetzt "das Landesherrliche Kirchenregiment" wegfiel. Von der Gemeinde wurde dieses Geschehen kaum bemerkt. Um so mehr drückte sie aber die wirtschaftliche Lage. Manche Familien sind damals durch ihre Notlage zum Kirchenaustritt getrieben worden.

Dazu wurden sie auch durch die Angriffe des Marxismus auf Kirche und Glauben ermutigt. Die Sekten, die Ernsten Bibelforscher und Neuapostolen traten ebenfalls mit verstärkter Werbetätigkeit und kirchenfeindlichen Parolen auf. Der Erfolg dieser antikirchlichen Bestrebungen blieb aber doch sehr gering. Nur ein einziges Mal erreichte die Zahl der Ausgetretenen wenig über 100. Bei den Auseinandersetzungen um die Einführung
einer "weltlichen Schule" entschied sich die Elternschaft fast ausnahmslos für die konfessionelle Schulform.

Trotz aller Schwierigkeiten mußte nach dem Kriege schnellstens für die kirchlichen Gebäude gesorgt werden. Das schwere Kirchendach mußte durch Stützpfeiler abgefangen und die Kirche renoviert werden. 1921 konnte das Haus Franzstraße 3 mit dem dahinter liegenden Saal erworben und schließlich 1927 ein bescheidenes Jugendheim an der Kirchstraße eingeweiht werden. Damals erwarb das Presbyterium auch das Vorkaufsrecht an dem Gelände zwischen der Devens- und Industriestraße, auf dem jetzt das Paul-Gerhardt-Haus und das Gemeindezentrum Horst-Mitte ihren Platz haben.

Die verantwortlichen Männer hatten deutlich erkannt, daß mit der Weiterentwicklung von Horst sich auch das Gemeindeleben immer mehr nach Norden verlagern würde. Wie weitsichtig sie gehandelt hatten, merkten wir, als wir im Jahre 1946 das Vorkaufsrecht auch in Anspruch nehmen mußten.

Im Jahre 1911 war der Ev. Männer- und Jünglingsverein entstanden. Nach dem Kriege erlebte er unter der Führung von Rudolf Ziffus eine zweite Blütezeit. Im Wirrwarr der Verhältnisse damals standen diese Jungen und jungen Männer unter einer zuchtvollen und festen Leitung treu zusammen. Sie besaßen mehrere lebendige Sport- und Musikabteilungen, unter denen sich der Mandolinenchor besonders hervortat. – 1922 gründete der Gärtner Julius Pegel den Jugendbund für entschiedenes Christentum. Die Evangelisationen, die der Verein damals veranstaltete, führten zu einer Erweckung besonders unter der Jugend. – 1913 bildete sich die Landeskirchliche Gemeinschaft, die
jetzt ebenfalls einen neuen Aufschwung bekam. 1928 kam noch der Ev.-Luth. Gebetsverein zu den bestehenden Gruppen. Immer noch kamen auch die polnisch sprechenden Masuren zusammen, die von Pfarrer Mückeley aus Gelsenkirchen und dem Gemeindehelfer Kurella im Auftrage der Kirche gesammelt waren und jetzt als kleine Gruppe in der Gemeinde von einem ehrenamtlichen Helfer betreut wurden.

III. Kapitel

Am 12. 12. 1930 kam Pfarrer Edgar Hartmann aus Büren als Nachfolger von Pfarrer Weise nach Horst. Zu seiner Zeit entwickelte sich die Frauenhilfe schnell zur stärksten und lebendigsten Gruppe und wurde geradezu das Rückgrat des Gemeindelebens, was für die kommenden Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme von großer Bedeutung sein sollte.

Zunächst schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Am 5. Juni 1932 feierte die Gemeinde unter zahlreicher Beteiligung ihr 50jähriges Bestehen. Mit dem 1. Juli 1933 wurde die Gemeinde Horst der neu umgrenzten Synode Gelsenkirchen zugewiesen. Am 10. November 1933 feierte sie in großer Form den 450. Geburtstag Martin Luthers. Die Kirche bekam den Namen Luther-Kirche und der Kirchenchor wurde zum Lutherchor. Aber, so schön die Feier auch gewesen sein mag, sie stand schon unter Zeichen nationalsozialistischer Prägung, die schließlich zu der schmerzlichen Auseinandersetzung zwischen den "Deutschen Christen2 und der "Bekennenden Kirche" führten.

Die nationalsozialistische Weltanschauung beanspruchte den ganzen Menschen. Darum wurden am 19. Februar 1934 zunächst die Jugendgruppen zerschlagen und der Hitlerjugend
eingegliedert. Nach und nach mußten alle anderen Vereine umorganisiert und gleichgeschaltet werden. Dabei sind sie zum Teil ganz verschwunden, oder aber sie fanden sich als kleine Reste in eng kirchlichem Rahmen zusammen, wie der Mädchenkreis bei Pastor Hartmann und der Jugendbund für entschiedenes Christentum. Nur die Frauenhilfe konnte sich durch ihre Geschlossenheit dem Drängen nach Eingliederung erfolgreich widersetzen. Trotz aller Beschränkungen – vielleicht aber auch gerade deswegen – blieben sie "unter dem Wort Gottes“2 beieinander. Nur sehr wenige sind aus weltanschaulichen
Gründen ausgetreten. Die Bezirksfrauen wurden das lebendige Band zwischen der Kirche und ihren einzelnen Gliedern.

Auch in Horst gab es damals eine Reihe von Leuten, die den "Deutschen Christen" zuneigten und den Anschluß an das Deutsch-Christliche Kirchenregime durchsetzen wollten. Nach einigen scharfen Auseinandersetzungen rief Pfarrer Hartmann die Gemeinde am 9. Dezember 1934 zu einer "Bekenntnisversammlung" im Kolpinghaus zusammen. Pfarrer Wilhelm Busch aus Essen forderte sie zum treuen Festhalten am unverfälschten Evangelium auf. Die Bekenntnisgemeinde Horst wurde gegründet. Als nunmehr die deutsch-christlich gesinnten Presbyter ihr Amt niederlegten, konnte das Presbyterium zu einem
geschlossenen Bekenntnispresbyterium ergänzt werden. – Ähnlich erging es dem Lutherchor, dessen Vorstand im Frühjahr 1935 beschloß, ihn in "Kampfchor Deutscher Christen2 umzubenennen. Daraufhin löste sich der Chor auf, sammelte sich aber bald wieder um den neuen Dirigenten Wilhelm Schweichel zu neuem Dienst in der Gemeinde. Eine "Ortsgruppe Deutscher Christen" ist hier nie zustande gekommen. – Außer der Frauenhilfe und dem neu zusammengetretenen Kirchenchor waren es vor allem die Presbyter Vorländer, Hinsen, Dans, die Repräsentanten Küssner, Lipka, Meißner, Melinat und der in der Gemeinde sehr geschätzte Vikar Heinemann, die mit Pfarrer Hartmann
zusammen den Kampf durchstanden.

Am 1. Oktober 1936 trat Pfarrer Wolflast in den Ruhestand. Zur selben Zeit etwa wurde die deutschchristlich eingestellte Gemeindeschwester abgelöst. Am 1. Januar 1937 kamen die beiden Schwestern Hedwig Stutznäcker (geb. 1898) und Elisabeth Holzhäuser (geb. 1902) von der Frauenhilfe Soest nach Horst. Die Arbeit dieser beiden unermüdlichen und treuen Gemeindeschwestern in den langen Jahren ihres Dienstes ist für die Gemeinde zu großem Segen geworden.

Am 18. April 1937 wurde Pfarrer Becker aus Brackwede hier in sein Amt eingeführt. Da er, wie die beiden Gemeindeschwestern, zur Bekennenden Kirche gehörte, war die Einmütigkeit der Gemeindedienste wieder gewonnen. Die Frauenhilfe, die in diesen Jahren von 300 auf 800 Mitglieder angewachsen war, wurde jetzt nach Gemeindebezirken aufgeteilt. Eine kleine Jungengruppe wurde neu gebildet, die Arbeit des Männerdienstes mit gutem Erfolg wieder aufgenommen.

Als Ersatz für den fehlenden Religionsunterricht in der Schule wurde Ostern 1941 das Vorkatechumenenjahr eingeführt, an dem sich auch die Gemeindeschwestern fleißig beteiligten. Der Nationalsozialismus hatte 1933 eine kleine Eintrittswelle in die Kirche
hervorgerufen. Im ersten Jahre waren es 80, im nächsten noch 67, die die Wiederaufnahme in die Kirche begehrten.

Sehr bald aber setzte schon die Gegenbewegung ein, die in den Jahren 1937 – 1939 ihren Höhepunkt erreichte. Aber selbst zu dieser Zeit gelang hier kein echter Einbruch in den Bestand der Kirchengemeinde. Es ist interessant, daß in den Jahren 1933 – 1945 512 Personen aus der Kirche austraten, während in der gleichen Zeit 510 Personen ihren Eintritt
erklärten. Während der nationalsozialistischen Herrschaft lag über dem ganzen kirchlichen Leben, auch in Horst, ein ständiger Druck von Bespitzelung und Denunziation. Selbst in den Gottesdiensten wurde mitgeschrieben und Bericht erstattet.

Es kam sogar zu Verhören und Druckmaßnahmen durch die Geheime Staatspolizei. Der 2. Weltkrieg 1939–1945 und seine Folgen haben auch unsere Gemeinde schwer getroffen. 281 Gemeindeglieder starben als Soldaten. Ganz zu Anfang des Krieges wurde Pfarrer Hartmann eingezogen, aber bald wieder entlassen. Pfarrer Becker war von Februar 1943 bis Kriegsende als Sanitätssoldat im Felde. Bei zwei schweren Bombenangriffen im Juni
und November 1944 hatte die Kirchengemeinde 65 Tote zu beklagen. Die Kirche selbst wurde in dieser Zeit zweimal beschädigt. Bei dem letzten Angriff am 28. Februar 1945 wurden sämtliche kirchlichen Gebäude zerstört. Für eine Weile stand nur noch die Turmruine, bis auch sie beseitigt werden mußte.

Die Gottesdienste wurden in diesen Monaten in Essen-Karnap und seit Mitte 1945 im Saal der Freien Ev. Gemeinde an der Fürstenbergstraße gehalten. Pfarrer Hartmann war schwer herzleidend und verabschiedete sich am 8. September 1946 von der ihm lieb gewordenen Gemeinde, um eine kleinere Gemeinde in Friedewalde bei Minden zu übernehmen. Er war unserer Gemeinde in den 16 inhaltsschweren Jahren seiner Amtszeit ein klarer Führer auf dem Wege des Gehorsams gegen das Wort Gottes und ein treuer Seelsorger. Es muß ihm und der kleinen Restgemeinde zur Ehre angerechnet werden, daß trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren fast kein Gottesdienst, keine Bibel- oder Frauenhilfsstunde ausgefallen ist. Gerade in dieser Zeit blieben sie beständig beieinander. Nachfolger von Pfarrer Hartmann wurde am 16. November 1946 Pastor Friedrich Oetting, zunächst als Hilfsprediger und seit dem 14. Dezember 1947 als Pfarrer der Gemeinde.

IV. Kapitel

Am Ende des Krieges 1945 mußte das Gemeindeleben ganz neu aufgebaut werden. In der Not der ersten Nachkriegsjahre versuchte jeder, irgendwie zu überleben. Hamsterfahrten und Tauschgeschäfte waren an der Tagesordnung. Damals war uns das Wirken der christlichen Liebe über alle Grenzen hinweg leibhaftig begegnet. Das Evangelische Hilfswerk mit seinen Gaben aus Amerika, Schweden und der Schweiz war eine kleine aber lebenswichtige Hilfe. Darum war auch die Verteilung der Lebensmittel keine einfache Aufgabe. Es gab viel Ärger und Unzufriedenheit. Umso mehr haben wir den gemeindeschwestern und Bezirksfrauen zu danken, die damals diese Last auf sich genommen und nach bestem Wissen und Gewissen ihre Pflicht getan hatten. Für die Gottesdienste wurde die Turnhalle an der Industriestraße gemietet und instandgesetzt.

Weihnachten 1945 konnte die Gemeinde in dieser Notkirche zum ersten Mal Gottesdienst halten. Balken aus den Trümmern der alten Kirche bildeten das Altarkreuz und die Stufen zum Altar. Anfang 1946 brannte der Saal der Freien Ev. Gemeinde ab, so daß jetzt sie bei der Kirchengemeinde Gastrecht genießen durfte, wie es vorher umgekehrt war. Es wurde von allen als eine freundliche Fügung Gottes empfunden, daß die Turnhalle gerade zur
rechten Zeit frei und fertig wurde.

Mit viel Mühe gelang es dem Presbyterium auch, das Jugendheim an der Fürstenbergstraße zu gewinnen und für die Arbeit der Gemeindegruppen instand zu setzen. Im Dachgeschoß wurde eine Behelfspfarrwohnung eingerichtet. Außerdem wurde der ev. Kindergarten mit fast 100 Kindern in dem Gebäude wieder eröffnet. Aus den Kisten der Care-Pakete wurde in freiwilliger Arbeit die erste Garnitur an Tischen und Stühlen für den Kindergarten
gezimmert. Jahrelang haben sie ihren Dienst getan, ehe endlich richtige Kindergartenmöbel
gekauft werden konnten.

Im Frühjahr 1946 gab es infolge eines Deichbruches der Emscher im Süden des Stadtteils eine große Überschwemmungskatastrophe. Damals wurde das kirchliche Gelände an der Strickerstraße für den Wiederaufbau gesperrt. So benutzte das Presbyterium die gelegenheit und tauschte den alten Grundbesitz gegen das Gelände zwischen der Devens- und Industriestraße südlich der Turnhalle ein. Die Pläne gingen dahin, auf diesem Gelände außer der Kirche ein Gemeindehaus, einen Gemeindesaal, einen Kindergarten und zwei Pfarrhäuser zu errichten, u. U. sollte noch ein Altenheim dazukommen.

Zunächst konnte nur der Gemeindesaal als Notkirche gebaut werden (Architekt Lümkemann, Buer). Damals ist ein überdurchschnittlich großer Anteil an Bauarbeiten unter Führung des Kirchmeisters Halwas in Selbsthilfe von vielen Gemeindegliedern geleistet worden. Nach der Einweihung am 29. Oktober 1950 unter dem Namen Paul-Gerhardt-Haus, fand eine bemerkenswerte Evangelisation des Landesjugendpfarrers Johannes Busch, Witten, statt, bei der das Haus allabendlich überfüllt war. Die baulichen Aufgaben gingen weiter. Im Juli 1952 wurde das Pfarrhaus Industriestraße 40 bezogen, im August 1956 das Pfarrhaus Devensstraße 33.

V. Kapitel
Nach der Überwindung der ersten Notzeit erlebte die Wirtschaft einen erstaunlichen Aufschwung. Die Evakuierten kehrten heim, Flüchtlinge mußten untergebracht werden, neue Arbeitskräfte strömten herzu. Sehr schnell wuchs die Kirchengemeinde weit über das Vorkriegsmaß hinaus. 1946 waren noch 7. 916 Gemeindeglieder gemeldet, 1950 waren es wieder 9. 552, 1955 waren es 12. 432, 1958 schon 14. 252. So kam es dann zur Gründung der 3. Pfarrstelle im Jahre 1953. Erster Inhaber dieser Stelle wurde Pfarrer Günter Lehmann, ihm folgte 1955 Pfarrer Hermann Bastert und 1961 Pastor Karl Fischer.

Im Jahre 1958 feierte die Kirchengemeinde ihr 75jähriges Bestehen. Vom 19. - 26. Januar fand eine "Evangelische Woche2 statt. Höhepunkt dieser Woche war der Jubiläumsgottesdienst mit dem damaligen Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, D. Wilm. In der Zeit danach entwickelte sich, nicht zuletzt aufgrund der gesunden wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik, ein reges Gemeindeleben, in dem die verschiedenen Anliegen evangelischen Lebens und Glaubens ihren Ausdruck fanden.

Im Jähre 1962 wurde eine vierte Pfarrstelle errichtet, die jedoch erst endgültig am 10. Januar 1965 mit Pfarrer Gerhard ten Dam besetzt werden konnte. Nach längeren Überlegungen und Vorbereitungen entschloß sich das Presbyterium, im Gemeindebezirk Horst-Süd ein Gemeindezentrum zu errichten. Am 2. April 1962 konnte mit dem Bau des Gemeindebezirkszentrums begonnen werden, am 11. Juli 1962 wurde der Grundstein gelegt. Am 2. Sonntag im Advent, dem 8. Dezember 1963, wurde das Gemeindezentrum Horst-Süd durch Oberkirchenrat Schmitz eingeweiht. Auf engem Raum umfaßt das Zentrum
ein Gemeindehaus, eine Pfarr- und eine Küsterwohnung sowie eine Kirche, die den Namen "Jakobuskirche" bekam: Mit der Errichtung dieses Bezirkszentrums begann eine rege Gemeindearbeit und ein starkes gottesdienstliches Leben im Horster Süden.

Im August 1967 konnte dann auch das zweite Bezirkszentrum in Horst-Nord in den Dienst genommen werden. Das Matthias-Claudius-Haus beherbergt einen größeren Versammlungsraum mit Nebenräumen und ein Pfarrhaus schließt sich an. In diesem Haus finden die Veranstaltungen für die Gemeindeglieder im Nordbezirk statt. Neben diesen baulichen Tätigkeiten entwickelte sich ein erfreulich reges Gemeindeleben. Im Jahresbericht 1962 / 63 kann man lesen, daß "gegenüber dem Vorjahr der Gottesdienstbesuch gleichmäßig über das ganze Jahr um etwa 30 % zugenommen hat."

Diese positive Berichterstattung über das gemeindliche Leben ist gewiß auch darauf zurückzuführen, daß viele Mitarbeiter in unendlicher Liebe und Treue sich in der Gemeindearbeit einsetzten. Stellvertretend für alle seien nur die beiden Gemeindeschwestern Hedwig Stutznäcker und Elisabeth Holzhäuser genannt, die 1962 ihr 25jähriges Ortsjubiläum feiern konnten. 1969 verließen die beiden Schwestern nach 32jähriger Tätigkeit die Gemeinde. Sie wurden in verschiedenen Frauenhilfs- und Gemeindefeiern auf das herzlichste verabschiedet. Noch heute leben sie im Feierabendhaus in Soest, von wo das Mutterhaus Schwester Auguste Blumenstein zum Dienst in die Gemeinde sandte.

Noch einmal mußte sich das Presbyterium intensiv mit Bauangelegenheiten beschäftigen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe machte der Kirchengemeinde zur Auflage, einen neuen Kindergarten zu bauen, da die Räumlichkeiten im Jugendheim in der Fürstenbergstraße den Richtlinien nicht mehr entsprachen. Mit diesem Ersatzneubau war von Anfang an die Frage des gesamten Gemeindezentrums Horst-Mitte verbunden. So nahm das Presbyterium die Gesamtplanung für dieses Gemeindezentrum in Angriff. Es verpflichtete nach langer, sorgfältiger Auswahl die Architektengemeinschaft Krug / van
der Minde aus Hagen mit der Planung dieses Vorhabens. Zu besonderem Schmerz, den alle empfanden, führte der Beschluß des Presbyteriums, vom Bau einer "Zentralkirche" in Horst-Mitte endgültig Abstand zu nehmen.

Schon damals beschloß das Presbyterium, das bisher als Mehrzweckraum genutzte
Paul-Gerhardt-Haus zu einer würdigen Kirche umzugestalten. Im Oktober 1972 konnte mit dem Bau des Kindergartens begonnen werden, den die Kindergartenleiterin, Frau Leni Senf, zusammen mit den Mitarbeiterinnen im April 1974 beziehen konnte. Anfang August 1974 begannen die Bauarbeiten für das neue Gemeindezentrum an der Industriestraße neben dem Paul-Gerhardt-Haus. Es konnte am 14. September 1975 durch Landeskirchenrat
Dr. Hedtke eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Seit diesem Zeitpunkt haben alle Gemeindegruppen ein schönes neues Zuhause. Das Jugendheim, das bisher den Gemeindeveranstaltungen Raum geboten hatte, wurde gründlich renoviert und steht seit dieser Zeit der Jugendarbeit zur Verfügung. Von 1976 bis 1981 trafen sich hier auch die Senioren der Gemeinde in der Altenstube. Seit Anfang 1982 hat die Gemeinde eine schöne große Altentagesstätte in den unteren Räumen des Paul-Gerhardt-Hauses.

In der Mitte der siebziger Jahre kam es auch zu einem mehrfachen Wechsel in der Mitarbeiterschar der Gemeinde. Pfarrer Becker trat am 31. März 1975 nach 38jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Er wurde mit einem festlichen Gottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus verabschiedet. Ihm folgte, zunächst als Hilfsprediger, Pastor Ernst Klein, der am 15. Februar 1976 ordiniert und zugleich in die 2. Pfarrstelle eingeführt wurde.
Am 30. Juni 1975 trat Schwester Auguste Blumenstein wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Eine neue Schwester konnte vom Mutterhaus in Soest nicht gestellt werden. So übernahm am 1. Juli 1975 Frau Hannelore Linkiewicz den Dienst einer Gemeindeschwester. 1978 konnte in den unteren Räumen des Paul-Gerhardt-Hauses eine Gemeindepflegestation eingerichtet werden. Am 31. Juli 1977 wurde Pfarrer Gerhard ten Dam pensioniert und am 22. Januar 1978 ging Pfarrer Friedrich Oetting nach 32jähriger Tätigkeit in den Ruhestand.

Die Pfarrstelle Horst-Nord konnte bis heute nicht mit einem Pfarrstelleninhaber besetzt werden. Die Pfarrstelle Horst-Mitte II übernahm zunächst als Hilfsprediger Pastor Ludwig Weber, der am 11. Februar 1979 ordiniert und eingeführt wurde. Pfarrer Edgar Hartmann, der jüngste Sohn des früheren Horster Pfarrers, verließ nach 12jähriger Tätigkeit am 15. Oktober 1979 die Gemeinde, um eine Pfarrstelle in Neuenrade zu übernehmen.

Auch im Kindergarten kam es zu einem Generationswechsel. Am 1. April 1980 schied Frau Leni Senf nach über 25jähriger Tätigkeit aus der Leitung des Kindergartens aus. Frau Gottwald, seit einigen Jahren bereits Erzieherin im Kindergarten, übernahm die Nachfolge.
Ein baulicher Wunsch ist der Gemeinde bis heute versagt geblieben, nämlich die Errichtung einer Einrichtung für Senioren, ein Altenpflegeheim. Dafür wurde viel geplant, auch schon bezahlt, aber leider fanden alle Planungen bisher keine Erfüllung. Doch bleibt dies weiterhin ein dringlicher Wunsch der Gemeinde.

Nach all den Jahren des äußeren Aufbaus nach dem 2. Weltkrieg und den damit verbundenen Schwierigkeiten dürfen wir als Gemeinde für alles Erlebte und Erfahrene dankbar sein. In gerade diesen schwierigen Jahren haben wir immer wieder feststellen dürfen, daß wichtiger als der äußere Aufbau, den eine Gemeinde ja auch nicht allein und aus eigenen Kräften schaffen kann, das Wachsen der Gemeinde im beständigen "Bleiben in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet" (Apg. 2,42) ist. Denn nur dadurch, daß die Kraft des Wortes Gottes sich unter uns auswirkt und unsere
menschlichen Spannungen und Schwierigkeiten immer wieder überwindet, daß die Gnade des Herrn uns durch die Vergebung zu immer neuem gemeinsamen Dienst fähig macht, daß wir durch das Mahl des Herrn geeint im Gebet und in der Arbeit der Liebe zusammenbleiben, nur dadurch können wir Zeugen unseres Herrn Jesus Christus in der Welt sein. Nur wenn wir von der Botschaft des Evangeliums und in ihr leben, können wir die Botschaft auch weitergeben. Dazu helfe uns Gott.

Quelle: www.kirchegelsenkirchen.de

Wolli
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Evangelische Kirche in Horst

Beitrag von Wolli »

Hallo,

wirklich ein toller Bericht über die evangelische Kirche in Horst. Ich selbst bin in dieser Kirche konfimiert worden, seinerzeit von Pastor Fischer. Bei Frau Senf bin ich in den Kindergarten, damals noch in der Fürstenbergstraße gegangen.

Von der Konfirmation habe ich noch ein Gruppenbild.

Bild


Vielleicht erkennt sich ja jemand wieder. Würde mich freuen von demjenigen dann Nachricht zu bekommen.


Herzliche Grüße aus Hiddenhausen

ein Ex-Horster
Wolfgang
:) :D
Du hast keine Chance, also nutze sie!!!

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Prömmel
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Beitrag von Prömmel »

Im Frühjahr 1946 gab es infolge eines Deichbruches der Emscher im Süden des Stadtteils eine große Überschwemmungskatastrophe. Damals wurde das kirchliche Gelände an der Strickerstraße für den Wiederaufbau gesperrt. So benutzte das Presbyterium die gelegenheit und tauschte den alten Grundbesitz gegen das Gelände zwischen der Devens- und Industriestraße südlich der Turnhalle ein. Die Pläne gingen dahin, auf diesem Gelände außer der Kirche ein Gemeindehaus, einen Gemeindesaal, einen Kindergarten und zwei Pfarrhäuser zu errichten, u. U. sollte noch ein Altenheim dazukommen.
Hier ein Bild von der damaligen Überschwemmung in der Kirch- bzw. Strickerstraße.
Bild
Das Bild stammt vom 9.2.1946. Deutlich sind auch im Hintergrund die großen Schäden an der damaligen Kirche (Lutherkirche) durch die Bombadierung vom Februar 1945 zu erkennen.

Zunächst konnte nur der Gemeindesaal als Notkirche gebaut werden (Architekt Lümkemann, Buer). Damals ist ein überdurchschnittlich großer Anteil an Bauarbeiten unter Führung des Kirchmeisters Halwas in Selbsthilfe von vielen Gemeindegliedern geleistet worden.
Hier noch zwei Bilder aus dem Jahr 1949 von der Grundsteinlegung des Paul-Gerhardt-Hauses.

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holzpichler
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Re: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Horst

Beitrag von holzpichler »

GELSENZENTRUM hat geschrieben:Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Horst 1882 – 1982

...

In der Mitte der siebziger Jahre kam es auch zu einem mehrfachen Wechsel in der Mitarbeiterschar der Gemeinde. Pfarrer Becker trat am 31. März 1975 nach 38jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Er wurde mit einem festlichen Gottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus verabschiedet. Ihm folgte, zunächst als Hilfsprediger, Pastor Ernst Klein, der am 15. Februar 1976 ordiniert und zugleich in die 2. Pfarrstelle eingeführt wurde.

...
Zur Ergänzung: Pfarrer Klein unterrichtete in der benachbarten Geschwister-Scholl-Realschule (jetzt Gesamtschule Horst) evangelische Religion. Wie viele damalige "jüngere" frisch ordinierte Pastoren offen und auch kritisch zu allen Themen der Gesellschaft, der Kirche und der Politik

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Prömmel
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Paul-Gerhardt-Haus

Beitrag von Prömmel »

Hier ein Blick ins Innere der Kirche :
Bild(Foto: Dimü-Verlag, Gelsenk.-Horst)
Das Bild muss vom Ende der Fünfziger-Jahre stammen.

Auf der Rückseite der Postkarte ist folgender, hektografierter Text zu lesen :
  • Z u m G e d e n k e n
    an Deinen treuen Besuch im Kindergottesdienst !
    Wir grüßen Dich als Konfirmanden in der Gemeinde
    der Erwachsenen und wünschen Dir Gottes Segen
    für die Vorbereitung auf Deine Konfirmation.
    Ostern
    Der Helferkreis des Kindergottesdienstes
    Dein
    Pastor Becker
Die Karten wurde seinerzeit wohl in der Osterzeit an die neuen Konfirmanden verteilt. Damals dauerte der Kirchliche Unterricht noch zwei Jahre (meist zweimal in der Woche). Im ersten Jahr war man Katechumene und nahm noch am Kindergottesdienst teil. Im zweiten Jahr gehörte man dann nach Ostern zu den Konfirmanden und ging in den Gottesdienst der Erwachsenen. Die Konfirmanden saßen ganz vorne in den ersten Reihen.
Nach dem Gottesdienst ging man nach vorne zur Sakristei und ließ sich vom Küster oder den Presbytern mit einem Stempel (für jeden Pfarrer gab es einen anderen Stempel) auf seiner "Stempelkarte" den Besuch des Gottesdienstes bestätigen. Manchmal gab es die Stempel auch am Ausgang. Die Stempelkarte musste dann im nächsten Katechumenen- bzw. Konfirmanden-Unterricht vorgezeigt werden.

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Beitrag von Prömmel »

Am 1. Januar 1937 kamen die beiden Schwestern Hedwig Stutznäcker (geb. 19.11.1898) und Elisabeth Holzhäuser (geb. 8.2.1902) von der Frauenhilfe Soest nach Horst. Die Arbeit dieser beiden unermüdlichen und treuen Gemeindeschwestern in den langen Jahren ihres Dienstes ist für die Gemeinde zu großem Segen geworden.
Das jeweilige genaue Geburtsdatum wurde von mir ergänzt (dunkelrot).

Hier ist ein Foto der beiden Gemeindeschwestern :
BildEigenes Foto - 60er Jahre

Links ist Schwester Hedwig, rechts Schwester Elisabeth zu sehen.
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Jakobuskirchen

Beitrag von Prömmel »

Nach längeren Überlegungen und Vorbereitungen entschloß sich das Presbyterium, im Gemeindebezirk Horst-Süd ein Gemeindezentrum zu errichten. Am 2. April 1962 konnte mit dem Bau des Gemeindebezirkszentrums begonnen werden, am 11. Juli 1962 wurde der Grundstein gelegt. Am 2. Sonntag im Advent, dem 8. Dezember 1963, wurde das Gemeindezentrum Horst-Süd durch Oberkirchenrat Schmitz eingeweiht. Auf engem Raum umfaßt das Zentrum ein Gemeindehaus, eine Pfarr- und eine Küsterwohnung sowie eine Kirche, die den Namen "Jakobuskirche" bekam: Mit der Errichtung dieses Bezirkszentrums begann eine rege Gemeindearbeit und ein starkes gottesdienstliches Leben im Horster Süden.
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Die Jakobuskirche an der Laurentiusstraße im Horster Süden - inzwischen ist sie leider auch schon wieder Geschichte.
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Jakobuskirche

Beitrag von Prömmel »

So sah der Altarraum der Jakobuskirche aus.
BildFoto vom November 1981
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Paul-Gerhardt-Haus

Beitrag von Prömmel »

Paul-Gerhardt-Haus (jetzt: Paul-Gerhardt-Kirche) - in den 1960er Jahren :
Bild
Quelle: Eigene Sammlung
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Jakobuskirche

Beitrag von Prömmel »

Hier noch einmal ein Bild vom Altarraum der ehemaligen Jakobuskirche:
BildFoto (vermutlich) vom Dezember 1981
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Brummischubser
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Beitrag von Brummischubser »

Hier einige Dokumente, die für die Nachwelt erhalten bleiben sollten.

Das Zeugnis meiner Schwiegermutter, ausgestellt von der Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Horst, Pfarrer Hartmann.

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Und hier eine Dienstbescheinigung. Den Hitlergruß habe ich geschwärzt.

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Die letzte Dienstbescheinigung. Der Text lautet:

Frl. XXX XXX, Gelsenkirchen-Horst, Fürstenbergstraße 79, die bei uns im Kindergarten als Gehilfin tätig war, hat bei uns den Dienst infolge Auflösung des Kindergartens, die am 18. Februar 1944 aufgrund polizeilicher Anordnung erfolgte, aufgeben müssen.

Unterzeichnet ist das von Pfarrer Hartmann.

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Viele Grüße

Rainer

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Brummischubser
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Beitrag von Brummischubser »

Leider habe ich auch in meinem Bekanntenkreis nichts in Efahrung bringen können, was es mit den Bausteinen für den Bau der Evangelischen Kirchengemeinde Horst-Emscher auf sich hatte. Da zur Finanzierung noch Reichsmark benutzt wurden, dürfte das Projekt vor 1948 stattgefunden haben. Ich nehme an, die Bausteine wurden ausgegeben, nachdem 1946 die große Überschwemmung das Kirchengelände an der Strickerstraße zerstört hatte. Ist aber nur eine Vermutung.

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Den Druck der Bausteine hatte die Druckerei Carl Bertenburg, Gelsenkirchen, ausgeführt.

Viele Grüße

Rainer

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Prömmel
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Beitrag von Prömmel »

Baustein zum Bau der Evangelischen Kirchengemeinde Horst-Emscher

Ich glaube, dass ich da etwas zur Aufklärung beitragen kann.

Weiter oben, in diesem Beitrag http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 7830#97830 über die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Horst, wird im III. Kapitel folgendes berichtet:
Bei zwei schweren Bombenangriffen im Juni und November 1944 hatte die Kirchengemeinde 65 Tote zu beklagen. Die Kirche selbst wurde in dieser Zeit zweimal beschädigt. Bei dem letzten Angriff am 28. Februar 1945 wurden sämtliche kirchlichen Gebäude zerstört. Für eine Weile stand nur noch die Turmruine, bis auch sie beseitigt werden mußte.
Dazu ist anzumerken, dass es sich insgesamt um folgende Gebäude handelte:

An der Strickerstraße neben der (Luther-)Kirche auch die beiden Pfarrhäuser, das Gemeindehaus (mit den Wohnungen für den Küster und die Kindergärtnerin) und das Jugendheim (auch mit zwei Wohnungen).
Außerdem waren auch das Haus mit dem dahinter liegenden Saal an der Industriestraße (100, auch mit einigen dazu gehörigen Wohnungen - dieses Haus hatte die Kirchengemeinde im Jahr 1921 erworben) und die Wohnung der Gemeindeschwestern mit der Schwesternstation an der Markenstraße (41) zerstört.
IV. Kapitel hat geschrieben:Im Frühjahr 1946 gab es infolge eines Deichbruches der Emscher im Süden des Stadtteils eine große Überschwemmungskatastrophe. Damals wurde das kirchliche Gelände an der Strickerstraße für den Wiederaufbau gesperrt. So benutzte das Presbyterium die gelegenheit und tauschte den alten Grundbesitz gegen das Gelände zwischen der Devens- und Industriestraße südlich der Turnhalle ein. Die Pläne gingen dahin, auf diesem Gelände außer der Kirche ein Gemeindehaus, einen Gemeindesaal, einen Kindergarten und zwei Pfarrhäuser zu errichten, u. U. sollte noch ein Altenheim dazukommen.
Hierzu noch folgende Ergänzung:
In weiser Voraussicht hatte sich die Kirchengemeinde nach zähen Verhandlungen mit der Stadt für dieses Gelände bereits in den 1920er Jahren das Vorkaufsrecht gesichert.
IV. Kapitel hat geschrieben:Zunächst konnte nur der Gemeindesaal als Notkirche gebaut werden (Architekt Lümkemann, Buer). Damals ist ein überdurchschnittlich großer Anteil an Bauarbeiten unter Führung des Kirchmeisters Halwas in Selbsthilfe von vielen Gemeindegliedern geleistet worden.
In einer etwas ausführlicheren Chronik gibt es dazu noch die folgenden näheren Informationen:
  • "Viele Monate haben Hunderte von Gemeindegliedern, vor allem wieder die Frauen der Frauenhilfe und die Kinder des kirchlichen Unterrichts, aber auch Jugendgruppen und eine Reihe von Männern, an der Spitze der damalige Kirchmeister Halwas und andere Herren des Presbyteriums, aus den Trümmern der alten Kirche Steine abgeklopft und verladen. Ein überdurchschnittlich großer Anteil der Bauarbeiten ist so in Selbsthilfe geleistet worden. Dazu kamen die Opfer der Gemeindeglieder, eine Kleinanleihe, Spenden und Mitgliedsbeiträge zum Kirchenbauverein. Außer der Unterstützung durch die Gelsenberg Benzin AG und die Zeche Nordstern brauchten nur noch Darlehen in Höhe von 80.000,- DM aufgenommen zu werden."
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei den abgebildeten Bausteinen um eben diese "Kleinanleihen" handelt.
Darauf deutet auch der Satz "Nur gültig, wenn auf der Rückseite mit dem Stempel der Kirchengemeinde versehen" ganz unten hin. Wohl nur durch diesen Stempel hätte es die Möglichkeit gegeben, diese Kleinanleihe später wieder umzutauschen oder sie als Spende(nbescheinigung) anerkannt zu bekommen.

Ein paar von diesen Bausteinen habe ich auch noch - kuckse hier:
Bild
Umtauschen kann ich sie aber nicht, da die Stempel auf der Rückseite bei meinen "Bausteinen" fehlen. :lol:
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Re: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Horst

Beitrag von Prömmel »

holzpichler hat geschrieben:
11.08.2010, 17:15
Zur Ergänzung: Pfarrer Klein unterrichtete in der benachbarten Geschwister-Scholl-Realschule (jetzt Gesamtschule Horst) evangelische Religion. Wie viele damalige "jüngere" frisch ordinierte Pastoren offen und auch kritisch zu allen Themen der Gesellschaft, der Kirche und der Politik
Nach mehr als 33jährigem Wirken in Horst lebte Pfarrer Klein seit seiner Pensionierung in Düsseldorf.
Ich hatte immer wieder mal Kontakt zu ihm, zuletzt noch vor rund einem Jahr.

in der vorigen Woche ist er im Alter von 75 Jahren verstorben.
Beigesetzt wird er am kommenden Samstag auf dem Horster Friedhof.
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