Evangelische Gesamtschule

Schulzeit und Schulen in verschiedenen Epochen

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Durch gute Freunde, deren Kind auf die Ev. Gesamtschule geht, habe ich einen kleinen Einblick in den dortigen Schulalltag.

Ich denke, der Hauptgrund dafür, dass die Schulgebäude so gut in Schuss sind, ist, dass die Schüler und Eltern mit in die Verantwortung genommen werden. Die Schule wird dort nicht als "öffentliche Anstalt" gesehen, in der "der Staat" schon alles regelt. Den Satz: "Das müssen DIE doch mal endlich machen" wird man dort selten hören.

Ein paar Beispiele: Jede Klasse hat ein eigenes Klassenhaus. Darin gibt es jeweils eine eigene Mädchen- und Jungentoilette. Es gibt einen Vorraum mit Schuhregalen, wo die Schüler ihre Straßenschuhe ausziehen und ihre Hausschuhe für die Innenräume anziehen.(!) Der Klassenraum besteht aus 2 Ebenen und wird von den Kindern eigenverantwortlich besenrein gehalten. Die obere Ebene - so eine Art Gallerie - wird von der Klasse individuell gestaltet und während der Pausen brauchen die Schüler das Klassenhaus nicht zu verlassen. Die Pflege der Außenanlagen (Beete, Teiche) wird von den Schülern in ihrem Gebäudebereich übernommen. Es gibt einen wechselnden Ordnungsdienst, der defektes und zerstörtes Inventar meldet. "Müllrumschmeißen" wird von den Schülern geächtet, sie müssen den Schulhof nämlich selber sauber halten. Was die Schüler selbst pflegen, das zerstören sie nicht. Die Schüler lernen Eigenverantwortung und nehmen - im positiven Sinne - besitzt von der Schule. Dazu die reformpädagogischen Ansätze (2 Klassenlehrer als Ansprechperson pro Klasse, Schulstunden 60-Minuten lang, Wochenplan in den Hauptfächern, Einbeziehung der Eltern in Klassenprojekte, etc): ich finde, damit zeigt diese Schule, wohin sich das deutsche Schulsystem entwickeln könnte. Das Achten aufeinander, der Respekt voreinander, die gegenseitige Unterstützung und die Schaffung einer funktionierenden Klassen- und Schulgemeinschaft sind Ziele der Schule.

Als dreifacher Vater bin ich mit unserem Bildungssystem - genauso wie Kalle Mottek - nicht zufrieden. Mir wäre eine viel spätere Differenzierung auch lieber.
In den 70ern trainierte sich die Bevölkerung an (oder wurde es ihr antrainiert?), immer nach dem Staat zu rufen. Das war so praktisch, weil niemand persönlich angesprochen werden konnte. Und dann erhoben die großen Parteien, die Gewerkschaften und Interessensverbände das Wort und wollten alle die ihrer Meinung nach einzig richtige Lösung für das Bildungssystem durchdrücken. Es wurde und wird immer noch gekämpft, wie Kalle Mottek es formulierte.

Funktioniert so Demokratie? Schafft man durch Kampf eine solidarische Gesellschaft? Schafft gewerkschaftlicher Kampf Frieden und Völkerverständigung? Warum ist es so schwer, verschiedene Lösungen gleichwertig nebeneinander zu stellen? Wo ist das Problem, Kompromisse einzugehen und Zwischenschritte zu akzeptieren? Das Grundgesetz sieht Schulen in nicht-staatlicher Trägerschaft ausdrücklich vor. Wenn es der Staat aus welchen Gründen auch immer nicht schafft, eine bessere Schule am Ort zu organisieren, dann müssen es nicht-staatliche Einzelinitiativen tun. Was ist schlecht daran, wenn in einer pluralistischen Gesellschaft die Schulen unterschiedliche Ausprägungen haben? Es erstaunt mich sehr, dass die GEW in Gelsenkirchen eine Gesamtschule in nicht-staatlicher Trägerschaft anscheinend grundsätzlich ablehnt. (@ Kalle Mottek: Tut sie das wirklich?) Fachlich müsste doch jeder Lehrer jubeln über die vorhandenen Möglichkeiten.

Es geht in unserem Land bei Veränderungen leider nur in kleinen Schritten vorwärts. Die EGG ist für mich ein Beispiel dafür, wie man ein Gesellschaftsproblem angehen kann. Es ist ein Modell, dass hoffentlich Ausstrahlung auf weitere Schulen hat. Und es zeigt, dass mit viel Engagement von Seiten der Lehrer, Eltern und Schüler und dem sprichwörtlichen "Ziehen an einem Strang" viel bewegt werden kann.
Wie sich die verschiedenen Parteien zur Gründung dieser Schule gestellt haben und wie sich die selben Parteien Jahre vorher anders verhalten hatten, das ist doch sowas von egal. Es geht jetzt um die Kinder von heute, denn ihre Kindheit ist kurz!

So, jetzt wieder Du, Kalle :wink:

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Kalle Mottek
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Beitrag von Kalle Mottek »

Gerne.
Wir sind uns sicher einig dass das Schulsystem in unserem Laand verbesserungswürdig ist.Für nicht wenige Eltern ist dies Anlass zu versuchen für ihre Kinder in einer privatschule bessere Bildungschancen zu suchen.Sie lassen die öffentlichen Schulen einfach hinter sich. Mein Ansatz ist da ein anderer, ich "kämpfe" für Verbesserungen im öffentlichen Schulsystem,weil ich mir hier bei uns nicht Englische oder Amerikanische Schulverhältnisse wünsche.

Emscherbruch zitiert aus dem Schulprogramm der EGG in dem auf den Anteil von türkischen Kindern hingewiesen wird.Der Anteil liegt bei 20%.Das entspricht weder dem städttischen Durchschnitt noch dem in Bismarck.Dieser Prozentsatz wird dann als Hinweis auf die interkulturelle Ausrichtung dieser Schule dargestellt.
Man kann das Ganze jedoch auch ganz anders verstehen,nämlich als werbenden Hinweis auf den geringen Ausländeranteil.
Es fehlt eigentlich nur noch der Hinweis,dass der Ausländeranteil an einer benachbarten Gesamtschule über 90% liegt.Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt,dass Die Integration von ausländischen Schülern bei einer Prozentmarke von über 30 % sich äußerst schwierig gestaltet.
Ich bin sicher dass eine öffentliche Gesamtschule in Bismarck einen signifikant höheren Ausländeranteil hätte und so einige öffntliche Schulen entlasten würde.
Im Übrigen wäre ein integriertes Schulsystem die einzige Möglichkeit Chancengerechtigkeit auch für ausländische Kinder zu schaffen.

Schönen Gruß!

Kalle Mottek
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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

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Emscherbruch
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Tausend Fragen

Beitrag von Emscherbruch »

@Kalle Mottek: Wenn ich, wie Du, an einer öffentlichen Schule beschäftigt wäre, dann würde ich das selbe Ziel wie Du verfolgen. Deinen Einsatz für eine flächendeckend bessere Schule finde ich gut.

Trotzdem kann ich einigen Argumenten nicht folgen.
Kalle Mottek hat geschrieben:Ich bin sicher dass eine öffentliche Gesamtschule in Bismarck einen signifikant höheren Ausländeranteil hätte und so einige öffntliche Schulen entlasten würde.
Was meinst Du mit signifikant? 10% ausländische Kinder mehr (damit die kritische Marke von 30% nicht überschritten wird) an der Gesamtschule in Bismarck sind wieviele Schüler pro Klasse? Würde das wirklich zu einer signifikanten Entlastung an einer anderen Schule führen?
Kalle Mottek hat geschrieben:Emscherbruch zitiert aus dem Schulprogramm der EGG in dem auf den Anteil von türkischen Kindern hingewiesen wird.Der Anteil liegt bei 20%.Das entspricht weder dem städttischen Durchschnitt noch dem in Bismarck.Dieser Prozentsatz wird dann als Hinweis auf die interkulturelle Ausrichtung dieser Schule dargestellt.
Man kann das Ganze jedoch auch ganz anders verstehen,nämlich als werbenden Hinweis auf den geringen Ausländeranteil.
Es fehlt eigentlich nur noch der Hinweis,dass der Ausländeranteil an einer benachbarten Gesamtschule über 90% liegt.Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt,dass Die Integration von ausländischen Schülern bei einer Prozentmarke von über 30 % sich äußerst schwierig gestaltet.
Die andere Blickrichtung auf den Text wäre diese: Wer eine Schule in kirchlicher Trägerschaft nicht von innen kennt, der wundert sich eher, dass die Religionszugehörigkeit der Schüler kein Hindernis darstellt, dass besonderer Wert darauf gelegt wird, die Weltanschauungen gegenseitig zu respektieren, dass es muslimischen Religionsunterricht gibt, dass türkische Lehrer angestellt sind usw.

Was macht denn der kirchliche Träger anders als die Stadt?
Wären die Einigung auf gemeinsame Grundwerte, die reformpädagogischen Ansätze, das Konzept der Klassenhäuser, die stark betonte Gemeinschaft, die eingeforderte Identifikation von Eltern und Schülern mit der Schulgemeinschaft auch genauso von einer städtischen öffentlichen Schule formuliert worden?

Was mir nicht gefällt ist, wenn positive Beispiele neuer Schulkonzepte politisch zerredet und schlecht gemacht werden, weil sie nicht unter den eigenen, bevorzugten, formalen Rahmenbedingungen entstanden sind. Gerade auf kommunaler Ebene ist doch für jeden ersichtlich, das pragmatische Lösungen zum Ziel führen und nicht idiologisch gesteuertes Taktieren. Warum nicht von den Erfahrungen in Bismarck profitieren? Warum nicht als GEW die Politik mit diesen Erfahrungen konfrontieren und sagen, genau so wollen wir es flächendeckend haben? Nächstes Jahr fangen wir an, die nächste Gesamtschule umzustricken, bis wir in 10 Jahren alle Gesamtschulen zu umgestaltet haben, dass keiner mehr übermäßig belastet ist. Warum nicht?

@Kalle und zuzu: Wie ihr seht, habe ich tausend ehrliche Fragen zu dem Thema. Ich möchte Eure Ansätze zur Lösung des Problems verstehen und ich möchte auch verstehen, was die Alternative ist, wenn man auf das Mitwirken nicht-staatlicher Institutionen unbedingt verzichten will. Wie sähe Euer erster Schritt in diesem Prozess aus?
Machen wir hier mit dem Gedankenaustausch weiter, oder sprengt das den Rahmen des Forums? :wink:

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Kalle Mottek
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Beitrag von Kalle Mottek »

Kein muttersprachlicher Unterricht in Türkisch an der Evangelischen Gesamtschule.

Als die EG gegründet wurde gehörte wie selbstverständlich zu ihrem Profil das Angebot von türkischem Muttersprachunterricht.
In diesem Fach lernen die Schüler von der ersten Klasse an Lesen und Schreiben
a u c h (!) in Ihrer Muttersprache.Die Geschichte des Heimatlandes.die politische Situation, die Kultur und die Literatur sind die Unterrichtsthemen.Um so überraschender ist es dann,wenn man hört, dass dieser Unterricht an dieser EG nicht mehr angeboten wird.Und so hat Herr Cengiz ,als Mitglied des Integrationsrates,
sich beim Schuldezernenten danach erkundigt,"warum der muttersprachliche türkische Unterricht an der Evangelischen Gesamtschule Bismarck abgesetzt worden ist."
Am 7.8.07 antwortet die Verwaltung der Stadt dem Integrationsrat:

"Die Evangelische Gesamtschule teilte auf Anfrage mit,dass das Sprachförderkonzept der Schule einen deutlichen Schwerpunkt darin setzt,dass die Schüler/innen türkischer Herkunft intensiv im Gebrauch der deutschen Sprache vorangebracht werden.Grund hierfür sei nicht nur,dass die personellen Resssourcen begrenzt seien,sondern auch,weil dieser Weg besonders erfolgversprechend scheine.Die bisherigen Erfahrungen bestätigten dies."

Ach Emscherbruch,wie war das noch mit der "interkulturellen Erziehung", mit den "modernen Konzepten","den türkischen Lehrern"usw.?

Was ist das für ein Bildungsverständnis wenn man den Kindern die Möglichkeit nimmt, sich a u c h in ihrer Muttersprache zu bilden.
Jedenfalls ist das nicht modern,das ist miefig und piefig.
So treibt man die Kinder in die Arme von obskuren,privaten Bildungsanbietern,die dann ganz andere Inhalte transportieren wollen und können.

Meraba!

Kalle Mottek
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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Kalle Mottek hat geschrieben: Ach Emscherbruch,wie war das noch mit der "interkulturellen Erziehung", mit den "modernen Konzepten","den türkischen Lehrern"usw.?

Was ist das für ein Bildungsverständnis wenn man den Kindern die Möglichkeit nimmt, sich a u c h in ihrer Muttersprache zu bilden.
Jedenfalls ist das nicht modern,das ist miefig und piefig.
So treibt man die Kinder in die Arme von obskuren,privaten Bildungsanbietern,die dann ganz andere Inhalte transportieren wollen und können.

Meraba!

Kalle Mottek
Güle güle Kalle Mottek

Die Frage von Detlef am Anfang war:
Was ist das Besondere an dieser Schule? Warum ist die so sauber? Warum erscheint sie so attraktiv? Diese Fragen sind ansatzweise beantwortet worden.

Meine Fragen lauten: Kann man etwas von diesem Konzept auf staatliche Schulen übertragen? Wie versuchen andere (Gesamt-) Schulen, das Schulsystem durch andere Konzepte zu reformieren? Gibt es einen Dialog zwischen den Schulen? Gibt es wirklich "nur" unvereinbare Gegensätze in der Bildungspolitik? Warum gibt es so viele Vorurteile, sobald eine Schule keinen staatlichen Träger hat? Kennt jemand eine Organsiation, die nur deshalb besser funktioniert, weil der Staat darin alles von vorne bis hinten organisiert, und nicht nur die oberste Aufsicht führt?

Es wurde noch nichts in dieser Welt positiv verändert, wenn nur das negative der Anderen herausstellt wird. (Das "negativ-bei-den-Anderen-gesehene-sich-gegenseitig-um-die-Ohren-hauen" ist doch genau das, was z.B. den Politikern die Anerkennung der Bevölkerung gekostet hat.)

Ich würde gerne ein paar Beispiele hören, wie an anderen Gelsenkirchener Schulen positive Akzente gesetzt werden, welche Prioritäten woanders gesetzt werden und welche Erfahrungen gemacht wurden. An diese Informationen gelangt man nämlich so schwer. Sobald etwas dagegen nicht gut läuft, steht das in jeder Zeitung. Du bist doch an der Quelle, oder?

Ach Kalle Mottek, wie schwer ist es doch, lobenswertes bei anderen zu sehen und auch anzuerkennen! (Ich stehe übrigens in keinerlei persönlicher Beziehung zur Gesamtschule in Bismarck.)

Bekomme ich Antworten oder ist dieses Forum für dieses Thema "zu öffentlich" oder nicht nah genug an Gelsenkirchen dran?

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Frank
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Beitrag von Frank »

Mein Sohn hat dieses Lernatablissement besucht. Am Anfang war es DIE Ideale Schule, aber mit den Jahren wurde es auch dort immer Schlimmer. Randale, wie an anderen Schulen, war auch hier an der Tagesordnung. Zerstörungen genauso. Mehrer Schadensmeldungen unsererseits wegen des Schließfaches unseres Sohnes blieben über Jahre ungehört. Toiletten konnten über Monate nicht benutzt werden, da die Türen eingetreten waren. Ständig wurden irgendwelche Schulutensilien gestohlen. EINE BESONDERE SCHULE ??? Nein, keinesfalls. Mittlerweile eine Schule , wie jede andere auch. :cry:
Aber in der Mitte liegt Erle ! (Werbeslogan der Erler Werbegemeinschaft aus den 70´ern)

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Kalle Mottek
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Beitrag von Kalle Mottek »

Es stimmt mich als Lehrer traurig,wenn ich erfahre,dass Eltern mit ihrer Schule wegen um sich greifender Gewalt unzufrieden sind.
Das gilt auch wenn es sich um eine Privatschule handelt.
Jegliche Art von Schadenfreude wäre dumm und kurzsichtig.
Andererseits sollte man nicht verallgemeinern.
Es ist nämlich nicht so, dass es im öffentlichen Schulsystem an der Tagesordnung ist,dass Schultoiletten wegen Vandalismusschäden unbenutzbar sind.

Ach Emscherbruch,was sollen die öffentlichen Schulen denn eigentlich von den privaten lernen?

Schönen Gruß!

Kalle Mottek
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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

@Kalle Mottek:
Ganz konkret: Nenne mir weitere Schulen in GE, die etwas in dieser Art umgesetzt haben:
Emscherbruch hat geschrieben:Ich denke, der Hauptgrund dafür, dass die Schulgebäude so gut in Schuss sind, ist, dass die Schüler und Eltern mit in die Verantwortung genommen werden. Die Schule wird dort nicht als "öffentliche Anstalt" gesehen, in der "der Staat" schon alles regelt. Den Satz: "Das müssen DIE doch mal endlich machen" wird man dort selten hören.
Ein paar Beispiele: Jede Klasse hat ein eigenes Klassenhaus. Darin gibt es jeweils eine eigene Mädchen- und Jungentoilette. Es gibt einen Vorraum mit Schuhregalen, wo die Schüler ihre Straßenschuhe ausziehen und ihre Hausschuhe für die Innenräume anziehen.(!) Der Klassenraum besteht aus 2 Ebenen und wird von den Kindern eigenverantwortlich besenrein gehalten. Die obere Ebene - so eine Art Gallerie - wird von der Klasse individuell gestaltet und während der Pausen brauchen die Schüler das Klassenhaus nicht zu verlassen. Die Pflege der Außenanlagen (Beete, Teiche) wird von den Schülern in ihrem Gebäudebereich übernommen. Es gibt einen wechselnden Ordnungsdienst, der defektes und zerstörtes Inventar meldet. "Müllrumschmeißen" wird von den Schülern geächtet, sie müssen den Schulhof nämlich selber sauber halten. Was die Schüler selbst pflegen, das zerstören sie nicht. Die Schüler lernen Eigenverantwortung und nehmen - im positiven Sinne - besitzt von der Schule. Dazu die reformpädagogischen Ansätze (2 Klassenlehrer als Ansprechperson pro Klasse, Schulstunden 60-Minuten lang, Wochenplan in den Hauptfächern, Einbeziehung der Eltern in Klassenprojekte, etc): ich finde, damit zeigt diese Schule, wohin sich das deutsche Schulsystem entwickeln könnte. Das Achten aufeinander, der Respekt voreinander, die gegenseitige Unterstützung und die Schaffung einer funktionierenden Klassen- und Schulgemeinschaft sind Ziele der Schule.
Nenne mir andere bemerkenswerte Aktionen, die eine andere Schule in Gelsenkirchen von der durchschnittlichen 08/15-Schule unterscheidet. Die muss es doch geben!!!!

Nenne mir Dinge, die eine öffentliche Schule besser macht, als eine in nicht staatlicher Trägerschaft (Das ist ja Deine Behauptung gewesen, oder warum lehnst du eine "private Schule" grundlegend ab? Doch hoffentlich nicht aus ideologischen Gründen.)

Noch einmal: Ich möchte soooo gerne positive Beispiele aus Gelsenkirchener Schulen hier nachlesen können, egal aus welcher! Mir ist es primär egal, wer der Träger einer Schule ist. Schulen werden von Menschen gestaltet, also kommt es auf die Leute an, die an der Schule Veantwortung tragen (Schulleitung, Lehrer, Eltern). Wenn diese ein gemeinsames Konzept verfolgen, wenn sie gemeinsame Werte anerkennen, wenn sie an einem Strang ziehen, wenn sie sich über Ideologien hinweg setzen und die Schüler in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, dann entsteht eine Schule, die Ausstrahlung hat und die erfolgreich arbeiten kann.

Habe in der TAZ von gestern einen Artikel über die Peter-Petersen-Schule in Köln gelesen, an der alle Kinder gemeinsam ihre Grundschulzeit verbringen: Körperbehinderte, "Superschlaue", "Normale", Geistigbehinderte, alle gemeinsam im klassen- und altersübergreifendem Unterricht. Ergebnis: Alle profitieren! Gäbe es so eine Schule in GE, meine Kinder würden sofort dabei sein.

Also Kalle Mottek: Butter bei die Fische und her mit den Infos über Herausragendes an Gelsenkirchener Schulen. Ich habe noch Kinder in den nächsten Jahren auf passende Schulen zu bringen :wink:

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

@ Emscherbruch

aus mir ist was geworden , ist das nix ?, und ich war an einer öffentlichen Schule :D
#stopthewar
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Heinz O. hat geschrieben:@ Emscherbruch
aus mir ist was geworden , ist das nix ?, und ich war an einer öffentlichen Schule :D
Das ist ja schön. :D

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Kalle Mottek
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Beitrag von Kalle Mottek »

Die Evangelische Kirche als Schulträger ist in der Gründungsphase mit dem Anspruch angetreten In dem Stadtteil mit Erneuerungsbedarf Gelsenkirchen-Bismarck ein Zeichen zu setzen für eine forbildliche Schule.
Als Gründungsrektor fand sich dann Professor Winkel aus Berlin(vorher Essen).
Für erfahrene Lehrer war nicht immer nachvollziehbar was er eigentlich wollte.Das muss dr Kirche auch so gegangen sein ,denn schon nach etwa zei Jahren wurde er vom Dienst suspendiert.
Das Verhältnis ,das von ihm in Bismarck mit den Grundschulen aufgebaut wurde spottet jeder Beschreibung.Es war ein Unverhältnis.

Mir fällt auf, dass sich von den vielen Kennern dieser Schule bisher hier keiner mit einem positiven Beitrag zu Wort gemeldet hat.
Die einzige Äußerung eines Insiders ist von Frank,und die ist negativ.

Und nun ein Tip an Emscherbruch und alle Eltern die eine gute Schule für ihre Kinder suchen.Es gibt in Gelsenkirchen ein reichhaltiges Angebot von Schulen der Sekundarstufe mit unterschiedlichen Profilen.Und wen Ihr Euch entschieden habt und seid enttäuscht dann könnt ihr ja wechseln oder als Eltern aktiv am Profil Euerer Schule mitfeilen.
Die "gelsenkirchener-geschichten" geben im Forum "Unsere Schulzeit" wertvolle Entscheidungshilfen.Schaut mal nach.
Ich meinerseits werde hier gewiß kein Schulranking initialisieren.

Schönen Gruß!

Kalle Mottek
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Beitrag von Emscherbruch »

@Kalle Mottek:
Ich gebe es auf, eine konstruktive Antwort auf meine Fragen in diesem Thread zu erwarten. Entweder Du liest meine Fragen nicht komplett durch, ich drücke mich vollkommen missverständlich aus, oder Du möchtest nicht darauf eingehen.

Sicherlich ist dieses Medium nicht dazu geeignet, eine kompetente Person, die gleichzeitig Funktionär ist, zu einer neuen Betrachtungsweise eines zerredeten Themas zu bewegen. Dafür habe ich großes Verständnis. Vielleicht ergibt sich mal eine andere Gelegenheit...

Den Hinweis mit der Elternmitarbeit unterstütze ich sehr. Wenn sich Eltern konstruktiv einbringen, dann bewegt sich was in der Schule. Werde das auch weiterhin so machen, Herr Lehrer :wink:

Heinz
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Beitrag von Heinz »

@Emscherbruch

Nicht aufgeben. Die Frage nach einer kleinen Frist zum nachdenken neu formulieren. 8)
Da ist noch was drin... hoffe ich.. :?

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zuzu
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Gute Schulen

Beitrag von zuzu »

Ich könnte bestimmt einige Schulen nennen, die etwas Besonderes machen, aber ich würde denen, die ich nicht kenne Unrecht tun. Alle Schulen versuchen, sich ein besonderes Profil zu geben und alle sind bestrebt, ein für alle angenehmes und für das Lernen günstiges Klima zu schaffen. Es gelingt natürlich nicht immer. Ich kann zum Beispiel von meiner Schule erzählen: dort gibt es Mediation, Busbegleiter, eine Integrationsklasse mit behinderten Kindern, eine Kooperation mit Schalke, ein tolles Friedensprojekt, Austauschmaßnahmen mit mehreren Ländern, Förderunterricht, Förderung von Kindern mit motorischen Problemen und tausend Dinge, die mir jetzt so schnell nicht einfallen und von denen ich vielleicht nichts weiß, weil ich schon länger nicht mehr da bin. Das Gebäude sieht nach wie vor schön aus, wenn man da rein geht, obwohl es schon 33 Jahre alt ist und zeitweise bis zu 2000 Schülerinnen und Schüler da ein und ausgegangen sind.
Eine Privatschule hat natürlich ganz andere Mittel als eine öffentliche und nicht jede Schule hat einen Prof für Erziehungswissenschaften, der die Schule in der Öffentlichkeit so gut verkauft.
Außerdem ist Papier geduldig, womit ich auf keinen Fall sagen will, dass die evangelische Gesamtschule nicht hält, was sie verspricht. Ich weiß es nicht, aber man sollte genau hingucken und sich nicht nur auf die Werbebroschüre oder die Zeitungsartikel verlassen.

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