Jugendfahrten

Schulzeit und Schulen in verschiedenen Epochen

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Detlef Aghte
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Jugendfahrten

Beitrag von Detlef Aghte »

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War jemand dabei von euch?
detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

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fussel
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Beitrag von fussel »

Ja ich war mal mit am Gardasee. Ich meine es war 1988....

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timo
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Beitrag von timo »

Eine lange Tradition hatten auch die Bornholm-Fahrten des CVJM in Erle. Da war ich auch mal mit, 1989.

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Mein erstes Pfadfinderlager in Dänemark 1976

Morning has broken
Wenn sie an ihr erstes Sommerlager als Grundschülerin 1976 denkt, dann muss sie unweigerlich an den Cat Stevens Hit: „Morning has broken“ denken. Denn es gibt Musikstücke, die verbindet man unweigerlich mit einer schönen Kindheitserinnerung und dieser Hit war so einer.

Drei Wochen lang schlug sie bei dem Klavierintro dieses Liedes die Augen auf und lauschte den ersten Worten von Cat Stevens, der ihr langsam mit tiefer Stimme ins Ohr sang:
„Mor-ning has bro-ken, like the first mo-ho-hor-ning.” Sie lag in ihrem roten buntgemusterten 70iger Jahre Schlafsack, für den wahrscheinlich sehr viele „Acryls“ ihr Leben lassen mussten, und fragte sich, was Cat Stevens da wohl sang. „Blackbird has spoken, like the first bird!“

Erst später lernte sie die Wörter inklusive ihrer Bedeutung kennen. Lieben lernte sie diese Wörter kombiniert mit der Musik schon 1976. Noch heute fährt ihr ein Schauer über den Rücken, wenn sie das Lied hört. Dann sieht sich immer noch als kleines Mädchen von neun Jahren in ihrem roten bunt gemusterten Schlafsack liegen.
Im Prinzip freute sie sich schon, wenn sie schlafen ging, dass Mister Stevens sie so melodisch weckte. Zu Hause weckte sie niemand so.
Da hieß es nur: „Doro Aufstehn!“
Ein wenig später: „Doro! Steh jetzt auf!“
Noch ein wenig später: „DOROTHEA. WIRD’S BALD!“

Cat Stevens machte es dann doch melodischer, als ihre Mama. Spätestens, wenn Herr Stevens in der dritten Strophe gesanglich das Sonnenlicht und den Morgen für sich selber beanspruchte „Mine is the sunlight, mine ist he mo-ho-horning…“, stand sie auf und ging froh gelaunt mit ihrer Kulturtasche in den Waschraum. Ein neuer Tag in Dänemark war angebrochen.

Auch bei diesem Sommerlager hatte ihre Mutter einige Bedenken das Töchterchen mitzuschicken, weil die kleine Doro nach den großen Sommerferien erst in die vierte Klasse kam und noch nie so lange von zu Hause weg war. In diesem Falle empfand es Doro Ausnahmsweise als Bereicherung ihrer Person einen großen Bruder zu haben. Ihm wurde nämlich aufgetragen ein Auge auf die kleine Schwester zu werfen. Das wurde ihm zwar aufgetragen, aber so genau nahm er es nicht mit der Aufsicht seiner kleinen Schwester. Auch für ihn gab es viel zu viel in diesem Lager zu entdecken.

Außerdem kam die kleine Schwester ganz gut alleine klar. Paah. Wer braucht schon einen großen Bruder, wenn man die Jüngste in einem Sommerlager mitten in Dänemark war. Alle wollten sie betüddeln. Schließlich lautet das Motto der Pfadfinder. „Der Große beschützt den Kleinen!“ Sie war die Kleinste, also hatten alle ein Auge auf sie.
Sie war mittlerweile auch nicht mehr das einzige Mädchen, aber immer noch die Jüngste. Alle Mädchen schliefen zusammen auf einen Dachboden in dem angemieteten Haus in der Nähe eines Waldstückes. Andrea, Iris und Geli und andere Mädels, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnerte, waren ein fester Bestandteil der „Josefpfadfinder“ geworden. Sie waren schon älter und interessierten sich für anderen Kram. Sie ließen nicht nur modisch ihre Kluft aus der Hose hängen, sondern interessierten sich auch für die Jungs! Aber irgendwie anders, als Doro es tat.

Die wollten gar nicht mit denen spielen und Blödsinn machen, sondern nur küssen. Igitt. Sie diskutierten Nächte darüber, wer wen küssen wollte, während Doro und ihre Freundin Petra schon schliefen. Doro hatte nur Petra als Freundin in diesem Sommerlager. Petra war nur ein Jahr älter als sie und wollte auch (noch) nicht solche ekligen Dinge mit Jungs machen.
Das Sommerlager stand unter dem Motto „Wikinger“. Sie war in der Gruppe mit den selbst bemalten, roten Schutzschildern, womit sie sich gegen Angreifer verteidigen konnte. Jeder hantierte mit einem Holzschwert und diesen Schildern rum und heutige Pädagogen und Eltern würden die Hände über den Kopf zusammen schlagen, wenn man ein Sommerlager unter solch ein Motto mit diesen Kampfaktionen vorschlagen würde. Aus sichererer Quelle weiß die Erzählerin, dass es der kleinen Doro in ihrem Gedanken über Pazifismus nicht geschadet hat. Auch gab es tolle Dinge zu Essen und zu trinken. Moppelkotze und Draculablut. Echt lecker!

Sie bastelten sich aus alten Hüten und Kuhhörnern vom Bauern sogar richtige Wikinger Helme und bauten sich ein Versteck im Wald und tarnten es mit Zweigen. Abends guckten sie, im wahrsten Sinne des Wortes in die Sterne, und sangen am Lagerfeuer Lieder. Sie machten Tagesausflüge nach Göteborg und an die Ostsee.
Einmal durfte sogar ihre Gruppe ohne Leiter in ihrem selbst gebauten Waldversteck schlafen. Sie hielten allerdings nicht eine komplette Nacht durch, weil die Jungs Muffe hatten.
Das war mal wieder typisch. Stefan! Vorher hatte er die lauteste Klappe und wenn es darauf ankam, machte er alles kaputt. Sie schliefen schon fast. Petra und Doro waren eng an einander geklammert, da weckte Stefan das „Rudel“ mit einem spitzen Angstschrei.
„Was ist?“, fragte Petra verschlafen.
„Hast du das gehört?“, fragte Stefan ängstlich. „D…d…d…das…d…d…das war bestimmt ein Wolf!“

Au Mann! Doofer Stefan. Das war kein Wolf. Aber er machte alle anderen so verrückt, dass sie dachten, es könnte ein Wolf gewesen sein.
Doro fragte sich in dem Moment, ob man das Motto der Pfadfinder nicht umformulieren sollte: Die Kleine beschützt die große Schissbuchse! Oder so ähnlich.
So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Jajajaja! Die Gruppe sollte auf jeden Fall zusammen bleiben. Stefan steigerte sich so in seine blöde Wolfsgeschichte rein, dass er den Rest komplett verrückt machte.

Stefan und die anderen hatten immer mehr Schiss bekommen. Aber nicht so harte Mädchen, wie Petra und Doro. Der einzige Grund zurück zu gehen, war doch nicht der Wolf, mit seinen Reißzähnen, der unschuldige kleine Wölflinge in ihrem Versteck überfällt, wenn es Vollmond ist. Das haben die Leiter doch nur erzählt, weil sie den Wölflingen Angst machen wollten. Oder? Gab es wirklich einen Wolf in diesem Wald? Vielleicht hatten die Leiter ja doch Recht? Und da…wieder. So unheimliches Geräusch. Hilfe. Besser sie gingen doch zurück. A…a….aber nicht wegen des Wolfes, sondern nur wegen Cat Stevens. Der hörte sich eindeutig besser an, als das Geheul eines „echten“ Wolfes.

Nach drei Wochen stieg Doro aus dem Bus und fiel ihrer Mutter heulend in die Arme.
„Na? Mein Schatz hattest du Heimweh?“, fragte ihre Mutter besorgt. Denn in den drei Wochen hatte das Mädchen keine Zeit gefunden ein Lebenszeichen von sich zu geben.
„Nein.“, plärrte sie. „Der Urlaub war viel zu kurz. Und außerdem war das essen viel besser. Als zu Hause. Es gab Moppelkotze und Draculablut.“

Doro Rudde

Comakama
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Re: Jugendfahrten

Beitrag von Comakama »

Detlef Aghte hat geschrieben:Bild
War jemand dabei von euch?
detlef
Oh, ja, ich war auch einmal dabei. Das muss so Anfang der 80er gewesen sein.
Die Betreuer waren so sehr mit sich beschäftigt, dass sie gar nicht mitbekamen, was wir so veranstalteten.
Ich erinnere mich an eine 16 Jährige, die mit einem 32 jährigen Mann vom nahegelegenen Campingplatz angebandelt hatte. Irgendwie kamen die Eltern in Deutschland dahinter, reisten an und machten den Betreuern, der Tochter und ihrem Lover die Hölle heiß!
Das war ein Ferienprogramm! :wink:

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Niccolo
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Beitrag von Niccolo »

Detlef Aghte hat geschrieben: War jemand dabei von euch?
detlef
Ja, ich glaube, ich war zweimal dabei. Allerdings nicht am Gardasee. Damals wurden Fahrten zu unterschiedlichen Zielen angeboten.
Ich war einmal mit einer Gruppe am Ossiacher See in Österreich. Das war ganz nett, wir haben viel gespielt und viel Sport getrieben, Fußball, sind gewandert - und haben dem Wirt im Hostel den selbstgemachten Apfelsaft von seinen Streuobstwiesen regelrecht weggesoffen. Das war auch das billigste Getränk...

Dann mit 17 auch über das hiesige Jugendferienwerk nach England nach Bexhill-on-Sea. Dort waren wir jeweils zu zweit in Gastfamilien untergebracht.
Das waren echt krasse Ferien. Zu Hause beim ferienwerk war von Vollpension die Rede. Vor Ort in der Familie gab es nur Frühstück und dann spätnachmittags eine warme Mahlzeit.
Die Gastfamilie hatte zwar drei Mädchen (2, 4 und 6 Jahre alt), aber beide Elternteile waren berufstätig. Also hieß es nach dem Frühstück raus auf die Straße (from 9 to 5^^), weil man uns keinen Hausschlüssel gönnte.
Wir hingen im Gemeindezentrum ab, dort konnte man Badminton spielen, aber das wurde auch irgendwann langweilig. In dem kleinen Ort gabe es dann an der Seepromenade noch eine Spielhalle.
Dort haben wir unser Taschengeld gelassen, so dass wir dann auch mittags nichts mehr zu essen kaufen konnten.
Überhaupt haben wir gestaunt. Es war ganz selbstverständlich, dass die Rentnerinnen die Spielhalle besuchten und dort bis zum Umfallen Bingo spielten.

Irgendwann mussten wir einfach mittags mal an unsere Sachen in unserem Gästezimmer, weil wir schwimmen waren und unsere Anziehsachen nass. Da haben wir versucht, durch das auf Kipp stehende Fenster ins Haus einzusteigen. Dabei ging leider der fenstergriff zu Bruch.
Den Gasteltern gebeichtet. Fortan hatten wir einen Hausschlüssel, aber auch die kleinen Mädchen am Hals zum Aufpassen. Für zwei 17jährige Jungs kein leichtes Unterfangen, zumal die 2jährige oft heulte und irgendwas in kindlichem Englisch sagte, dass wir einfach nicht verstanden haben.

Es gab noch sowas wie eine Szene-Kneipe in dem kleinen Ort. Da haben wir einmal auf die Kacke gehauen und gesagt, wir sind schon 18, und danach konnten wir dort immer Lager trinken, weil man uns kannte. Schön gezapft, das Glas bis oben voll, und dann den Schaum mit einem Kamm vom Glas gestrichen. Die Krone war wech vom Bier...
In der Juke-Box lief ständig der Titel "Geno" von den Dexy's Midnight Runners, damals die Nr. 1 in den Britischen Single-Charts, der Titel wurde aber in Deutschland nie als Single veröffentlicht. Es war das Urlaubslied von meinem Kumpel und mir.

Sonntags mit der Gastfamilie morgens in die Kirche, ein ungewöhnlicher katholischer, aber sehr ansprechender Gottesdienst.
Danach ging es ins Schwimmbad. Wir mit dem Gastvater in die Männerumkleide. Komische Kabinen zur Umkleide, nur etwa bis Brusthöhe hoch, so dass man alles im Raum überblicken konnte (keine "Privatsphäre", wo man hätte, wer weiß was machen können...)
In der Dusche dann die nächste Überraschung: ein Verbotsschild, es war verboten Seife oder Duschgel zu benutzen zum Duschen, wegen der angeblichen Rutschgefahr. Man schaute uns komisch an, weil wir Duschgel dabei hatten...
Ansonsten ein ganz normales Schwimmbad.

2 Tage London waren auch noch bei der Reise dabei. Mit Übernachtung im Hotel. Alkohol war zwar unter 18 verboten, aber wenn man überzeugend wirkte bei der Nachfrage, hat das niemand gestört. Uns hat halt gewundert, dass auch in London nach 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt waren. Sperrstunde.
Auf dem Hotelzimmer gabe es dann Fernsehen und Wmbledonberichte einhergehend mit Pernod-Cola, den Pernod hatten wir ausreichend im Liquor-Store gekauft.
Zu zweit Soho unsicher gemacht und beim Gang ins Porno-Kino übel abgezockt worden. Im Kino nicht länger als 10 Minuten ausgehalten. War ja interessant, aber irgendwie auch äußerst amüsant, so dass wir fast einen Lachkrampf bekamen.
In London dann auch mit der ganzen Gruppe in der Oxford Street das Musical Jesus Christ Superstar geshen. Das war das Highlight der Reise überhaupt. In erster Originalbesetzung.
Ich vergesse mal, dass ich vor dem Theater von einem stark Pigmentierten angesprochen worden bin, ob ich nicht etwas "Gras" bräuchte.

Ach ja, auch noch Cambridge besichtigt. In ein Lokal gegangen, wo es Pizza geben sollte, und Pizza bestellt. Es gab ein Stück Pastete zu essen, irgendwie süß wie Kuchen, aber mit eingebackenen Oliven. Eben das, was der gemeine Engländer damals unter Pizza verstand. Ich könnte mich heute noch schütteln.

So war das damals im Sommer 1980. Unvergesslich für einen 17jährigen Jungen.


Niccolo

Mein Kumpel damals war gleichalt, und ging noch aufs Grillo. Er war der mittlere von drei Söhnen eines Innenausstatters (Gardinen etc.), der seinen Betrieb auf der Belforter Str. in Rotthausen hatte. Ich hab ihn danach aus den Augen verloren. In diesem Jahr habe ich die Todesanzeige des vaters gesehen. Unter den aufgeführten Trauernden waren nur der ältere und der jüngere Bruder mit Familie aufgeführt. Du selbst nicht.

Was immer passiert sein mag, ich werde dich und unsere Zeit nicht vergessen!

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Niccolo
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Beitrag von Niccolo »

Vielleicht weiß ja jemand, was mit Stephan passiert ist. Das würde mir Gewissheit geben.

Niccolo

Mechthild Asbach
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Registriert: 29.07.2022, 18:55

Re: Jugendfahrten

Beitrag von Mechthild Asbach »

1971 und 1972 in Torbole am Gardasee. Leider kann ich mich nicht mehr an den Namen unserer Pension erinnern. Die Zeiten waren herrlich. Ausgang bis 24.00 Uhr, gab's Zuhause mit 15 noch
nicht. Fahrt nach Venedig über Verona, nach Madona de Campiglio.
Tolle Leute ,tolle Betreuer, einfach nur super.

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