Erinnerungen an Aufenthalte in Kinder-(Kur-)Heimen

Kindheit und Kinder in verschiedenen Epochen

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Bionda
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Beitrag von Bionda »

schneeflocke hat geschrieben:
Sie befürwortet den "Umgang" der damaligen Zeit, incl. dieser Kurheime, der Stadtranderholung in den Ferien usw. Auch bedauert sie den Verlust der Gemeindeschwestern und der Schulschwestern insbesondere.
Zur Stadtranderholung war ich im Sommer 1971 auch, und zwar in der Resser Mark im Erich-Ollenhauer-Haus.

Der Treffpunkt, von dem der Bus uns Kinder morgens um 8.00 Uhr abgeholt hat, war in Buer auf der Horster Straße / Höhe Vinckestraße vor dem Bestattungsunternehmen.

Meine Erinnerungen daran sind neutral. Ich war davon nicht begeistert, aber es hat mir auch nichts ausgemacht, jeden Tag dahin zu fahren. Gegen 16.00 Uhr ging es wieder nach Hause. Da hatte ich noch genügend Gelegenheit, in meinem Viertel auf der Straße zu spielen.

Zugenommen habe ich da tatsächlich auch. Es gab ja auch jeden Nachmittag Kakao und Kuchen.

Die Mittagsruhezeit mußte man nicht unbedingt schlafend verbringen. In dem Ruheraum standen Strandliegestühle nebeneinander aufgereiht, auf die wir uns dann gelegt haben. Und wenn man wollte, konnte man in Comics blättern, die dort auslagen. Da habe ich den Comic die Fantastischen Vier kennengelernt.

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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

Männlein hat geschrieben: "Vergleich" ist sicherlich ein wenig ungklücklich ausgedrückt, das gebe ich zu. Unterscheidung o.ä. wäre besser gewesen.
@Männlein: ...die Unterschiede werden jedem Leser klar sein...davon bin ich ausgegangen...

eben...nur die individuelle Wahrnehmung eines Kindes...


Männlein hat geschrieben: Also, kein Grund zur Panik...
....... :kaffee2:


PEDY1965 hat geschrieben:die Kinder sind meines Wissens nach damals alle in die Schlosserstr/Wilhelminenstr. untergekommen.
heutige Ansicht:
Benzin-Depot hat geschrieben:
  • BildKinderheim Wilhelminen- / Ecke Schlosserstraße
Übertrag aus:

http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 5140#75140
„Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

Bionda hat geschrieben:Zur Stadtranderholung war ich im Sommer 1971 auch, und zwar in der Resser Mark im Erich-Ollenhauer-Haus.
...in den 60er Jahren war ich auch zur Stadtranderholung in der Resser Mark. Der Bus holte uns an der Königsberger Str. / Ecke Magdeburger Str. ab.
Nach der "Station" Erich-Ollenhauer-Haus fuhr unser Bus noch ein wenig weiter zu einem Sportplatz am Waldesrand...

Ich war zwar auch nicht begeistert, aber den Umgangston der Betreuer habe ich als sehr freundlich in Erinnerung.. (...waren bestimmt keine ausgebildeten Kinderpfleger...) an Liegestühle und den Kakao am Nachmittag erinnere ich mich auch noch...und auch an irgendwelche leckeren Kuchenstücke

Zum Abschluss der Freizeit gab es einen bunten Nachmittag mit vielen Spielen und kleinen Theateraufführungen und selbst gebastelten Kostümen...alle hatten sich sehr viel Mühe gegeben, das hat mich damals positiv beeindruckt... :wink:
„Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
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rapor
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Beitrag von rapor »

Ich wurde in meiner Kindheit auch weil ich zu dünn war, mehrfach zur Erholung/Kur deportiert. Urlaub konnten wir uns nicht leisten.
Mit 6 Jahren nach Oberstdorf = bayrisch Kongo, dazu noch Nonnen mit tiefschwarzer Pädagogik.
Später Wangeroge, ganz ok, keine Nonnen, dann noch Bad Wörishofen mit Horrornonnen (der Mensch ist von Natur aus schlecht und muss zum Guten erzogen werden) mit aus meiner Sicht leicht sadistischen Nonnen. Seitdem sind Batmans Freunde nicht meine Freunde. 60er Jahre Horror, wäre ich etwas älter, wäre ich bestimmt Terrorist geworden.
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rapor
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Beitrag von rapor »

1964/65 war ich in der 4. Klasse der Marienschule (Altstadt). Dort fand ich es besser als vorher in der Georgschule.
Es wurde weniger geschlagen nur die Kinder aus dem Kinderheim, da an der Propsteikirche, die haben reichlich Prügel bezogen. Ich habe miterlebt, wie Zeigestöcke auf Kindern zerschlagen wurden, bei den Heimkindern war wohl kein Ärger mit Eltern zu befürchten.
Viel später habe ich mit Kindern aus einem Heim gearbeitet, die hatten auch Wohngruppen und es dort besser als bei den Eltern. Gut, dass sich da einiges geändert hat.
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koelleken69
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Beitrag von koelleken69 »

, dann noch Bad Wörishofen mit Horrornonnen (der Mensch ist von Natur aus schlecht und muss zum Guten erzogen werden) mit aus meiner Sicht leicht sadistischen Nonnen. Seitdem sind Batmans Freunde nicht meine Freunde. 60er Jahre Horror, wäre ich etwas älter, wäre ich bestimmt Terrorist geworden.
[/quote]

Ich sollte 1999 zur Mutter/Kind Kur nach Bad Wörrishofen. Mein Arzt meinte es eigendlich gut mit mir. Nonnen gab es da nicht mehr. Dafür waren die anderen Mütter und deren Kinder so "heilungsbedürftig", dass ich am Anreisetag direkt wieder abgereist bin. Wäre ich nur einen Tag da geblieben, hätten meine Tochter und ich sicherlich bleibende Schäden behalten. Seitdem kure ich lieber zu Hause.
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ninotschka
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Kinderkur

Beitrag von ninotschka »

:? Hallo alle miteinander
Ja wir waren als Kinder auch zur Erholung .Ich war gerade mal sieben oder acht Jahre und kam kurz vor Weihnachten zur Kur nach Bad Salz Ufflen 1965 oder 66 .Wir wurden verschickt weil meine Eltern zu der Zeit schon fünf Kinder hatten . Wir fuhren mit einem grossen Reisebus welcher das war weiss ich leider nicht mehr. Ich weiss aber das meine Mama mich für die Kur bei der Mütterberatungsstelle , bei einer gewissen Frau Zimmermann angemeldet hat (Vattmannstr. in Ge) und das ich zum Gesundheitsamt musste.Im Kurhaus angekommen wurden unsere Koffer eingesammelt und in Kleiderschrankzimmern untergebracht ,wo wir nie selber drankamen .Ich hatte ganz schön Heimweh. Einer der Betreuerinnen hiess Fräulein Sie ich stelle zu einem späteren Zeitpunkt ein Gruppenfoto ein . Was mir dort gut gefallen hat , war das grosse Spielzimmer es hatte ein wunderschönes Puppenhaus. Was aber für mich in schlechter Erinnerung bleibt, das wir jeden Tag Lebertrahn einnehmen mussten. :twisted: In der Zeit meines Kuraufenthaltes sind meine Eltern umgezogen. Ich war jedenfalls froh , wieder nach Hause zu kommen . :lol:

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rapor
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Beitrag von rapor »

Flash back - Lebertran, ich hab den Geschmack plötzlich wieder auf der Zunge. Uähhh...
Was mir noch einfällt/hochkommt/aufstößt: Die Post wurde erst von den Nonnen gelsen, Päckchen wurden nach gutdünken an andere verteilt. Von einen Päckchen zum Geburtstag habe ich nichts! bekommen. Wahrscheinlich war ich vorher "böse".
Mehr als 3 mal bewegegen in der Mittagsruhe wurde bestraft, buah, schüttel, wieso bin ich eigentlich halbwegs geitig gesund geblieben/geworden?
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Dieter
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Beitrag von Dieter »

Auch mich hamse verschickt innen Kinderheim nach Kochel am See vonne AWO.
Keine böse Erinnerungen bis aufs Baden draußen im Holzfass (nackend) wo alle zuschauen konnten. Man war das peinlich. Ausgetrockneter Fluß hintern Haus. Da konnte man toffte spielen und in den kleinen Fützen konnte man hervorragend planschen. Das ganze war im Mai 1953.
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Gruß
Dieter
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Fuffziger
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Beitrag von Fuffziger »

Jaja, die Sechziger. Dreimal Bad Iburg und dazu einmal Norderney. Es muss von der AWO gewesen sein. Jeweils Rote Kreuze am Giebel der Heime, soweit ich mich dunkel erinnern kann. Bad Iburg war ganz OK, aber Norderney, na, da sass man oft stundenlang auf dem WC, und zwar so lange, bis man "Gross" gemacht hatte, die "Schwester" hat extra nachgesehen ! Morgens direkt nach dem Aufstehen gabs "Antreten" auf dem Flur. Pikanterweise konnte so jeder mitbekommen, wer sich in der Nacht sozusagen eingenässt hatte. Selbst wenn die Schwester vorher noch fix eine Ersatzschlafanzughose besorgt hatte, auch das war das untrüglichste aller Zeichen. Und das vor den Mädchen !!!! Wer nicht aufgegessen hatte, durfte den Speisesaal nicht verlassen ! Und - man kann das heute kaum noch fassen - man achtete peinlich genau darauf, dass die Kinder an Gewicht zunahmen ! Jede Woche wurde gewogen. Nach sechs Wochen brachte das ein grösserer Junge auf stattliche elf Pfund. Sagte man uns voller Stolz. Die erste Etage, dort, wo die Jungen untergebracht waren, und die Zweite der Mädchen, waren im Flur durch eine eiserne, abschliessbare Gittertür voneinander getrennt. Man fragt sich heute noch, was da denn hätte passieren können ? Wahrscheinlich haben deshalb auch viele "Insassen" in ihren Betten noch die Wandfarbe abgeknibbelt. Aus Frust wg. entgangener Wonnen..... :oops: Obwohl - erste Schwärmereien gabs auch in unserem Alter schon....... 8)

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Dieter
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Beitrag von Dieter »

Jau auf Norderney war ich auch. Wann ?

Gruß
Dieter
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Luise
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Früher und heute

Beitrag von Luise »

In meiner Ausbildung zur Erzieherin vor mehr als 30 Jahren haben einige meiner Klassenkameradinnen ein Praktikum im Kinderheim an der Husemanstraße gemacht. Damals wurde es noch von Nonnen geleitet.
So weit ich weiß hat nur eine meiner Klassenkolleginnen anschließend auch den Mut auf gebracht dort zu Arbeiten, denn das Schicksal der Kinder ist oft traurig und nach der Arbeit kann man oft nicht einfach abstand von diesen Dingen gewinnen.

Ich habe im Laufe der Zeit zwei Kinder aus Kinderheimen in meine Familie aufgenommen.
Ein Kind kam aus einem Gladbecker Kinderheim und eins aus dem Kinderheim an der Knappschaftsstraße.
Dazu möchte ich auch sagen, dass viele der Kinder, die in einem Heim wohnen noch Vater und Mutter haben, aber durch Krankheit oder soziale Aspekte nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können.

Ich kann über das Heim in der Knappschaftsstraße nur gutes berichten.
Die Anbahnung zu uns als neue Eltern wurde engmaschig durch Gespräche begleitet und unser Kind, wurde in dem bemühen uns kennen zu lernen unterstützt.

Dazu ist zu sagen, dass sich dort nur Kinder bis zum Grundschulalter befinden. Es gibt in dem Haus unterschiedliche Gruppen die einen familiären Charakter durch intensive Betreuung der jeweiligen Erzieher erfahren.

Natürlich gibt es dort Gruppenregeln und einen organisierten Tagesablauf, der den Kindern Sicherheit vermittelt. Es gibt allerdings dort nicht ganz so viele Freiheiten für die Kinder, wie in einer Familie.

Das Heim bietet den Kindern ein zu Hause, jedoch keine Familie.
Jedoch manches Kind hat so schlechte Erfahrungen in einer Familie gemacht, dass es besser in einem Kinderheim aufgehoben ist.

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Fuffziger
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Beitrag von Fuffziger »

Das war so Mitte der Sechziger bis ca. zweite Drittel, aufs Jahr genau weiss ich das leider nicht mehr. Zwei Namen von "Mit-Insassen" konnte ich mir noch merken, ein bis zwei Vornamen dazu, dann fängt es schon langsam an, neblig in meinem Kopf zu werden.

Kassiopeia
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Beitrag von Kassiopeia »

Fuffziger hat geschrieben:Jaja, die Sechziger. Dreimal Bad Iburg und dazu einmal Norderney. Es muss von der AWO gewesen sein. Jeweils Rote Kreuze am Giebel der Heime, soweit ich mich dunkel erinnern kann. Bad Iburg war ganz OK 8)
Jau
in Bad Iburg, damals noch ohne "Bad" war mein Bruder und ich auch für ca. 6Wochen irgendwann um 1963 zur Kinderkur.
Das Kurheim ist vom Deutsche Roten Kreuz betrieben worden und die Erzieherinnen hiessen alle Schwester .......!

Die Frauen der Mütterberatungstellen meinten es wäre gut für die Kinder( wegen der schlechten Luft in Gelsenkirchen) und die Mütter mit mehren Kindern würden entlastet.

Wir Kinder wurden natürlich nicht gefragt ob wir denn auch inne "Kur" wollten.

Ja so war der Zeitgeist in den 1960ern.

An Einzelheiten weder positiv noch negativ kann ich mich kaum erinnern.

PEDY1965
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Re: Kinderkur

Beitrag von PEDY1965 »

ninotschka hat geschrieben::? Hallo alle miteinander
Ja wir waren als Kinder auch zur Erholung .Ich war gerade mal sieben oder acht Jahre und kam kurz vor Weihnachten zur Kur nach Bad Salz Ufflen 1965 oder 66 .Wir wurden verschickt weil meine Eltern zu der Zeit schon fünf Kinder hatten . Wir fuhren mit einem grossen Reisebus welcher das war weiss ich leider nicht mehr. Ich weiss aber das meine Mama mich für die Kur bei der Mütterberatungsstelle , bei einer gewissen Frau Zimmermann angemeldet hat (Vattmannstr. in Ge) und das ich zum Gesundheitsamt musste.Im Kurhaus angekommen wurden unsere Koffer eingesammelt und in Kleiderschrankzimmern untergebracht ,wo wir nie selber drankamen .Ich hatte ganz schön Heimweh. Einer der Betreuerinnen hiess Fräulein Sie ich stelle zu einem späteren Zeitpunkt ein Gruppenfoto ein . Was mir dort gut gefallen hat , war das grosse Spielzimmer es hatte ein wunderschönes Puppenhaus. Was aber für mich in schlechter Erinnerung bleibt, das wir jeden Tag Lebertrahn einnehmen mussten. :twisted: In der Zeit meines Kuraufenthaltes sind meine Eltern umgezogen. Ich war jedenfalls froh , wieder nach Hause zu kommen . :lol:
Hier das Gruppenfoto meiner Schwester ninotschka sie hockt in der unteren Reihe ganz rechts Kuraufenthalt in Bad Salz Ufflen 1965oder1966.
LGPedy1965
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