Wegekreuze - Kreuze am Wegesrand

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erloeser
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Wegekreuze - Kreuze am Wegesrand

Beitrag von erloeser »

Kreuze am Wegesrand

Bild
Hofeskreuz Bauer Hollmann, Scholven

Wegekreuze, Hofkreuze, Gedenkkreuze

Kreuze an Straßen und Wegen gehören zu den sichtbaren Zeichen bäuerlich-christlichen Lebens und die meisten von ihnen sind Zeugnisse der vorindustriellen Zeit. Man kann sie nach ihrem Standort in Hof-, Wege- oder Flurkreuze unterscheiden und nach ihrer Bedeutung in Gedenkkreuze oder Segens, Bitt- oder Hagelkreuze. Während Gedenkreuze in der Regel an vergangene historische Ereignisse erinnern, haben Segens- oder Hagelkreuze einen ausgeprägten religiösen Charakter. Sie dienen der Fürbitte z.B. um gute Ernte oder um gutes Wetter und sind meist Wegstationen für Prozessionen (z.B. Fronleichnamsprozession) oder waren es für Umritte (z.B. Urbanusumritt). Besonders häufig anzutreffen sind sie in traditionell katholischen Landstrichen, wie in der Umgebung von Buer.

Wegekreuze können aus Stein, Holz oder Metall gefertigt sein. Dementsprechend ist ihr heutiges Erscheinungsbild nicht nur durch das Alter, sondern auch durch die Witterung gezeichnet, was im Extremfall zur Folge hat, dass sie teiweise zerfallen oder vermodert sind und im Laufe der Zeit nachgebessert oder gar ausgetauscht werden mussten.

Der Heimatforscher Hugo Vöge hat im Gelsenkirchener Lesebuch eine Liste der Wegekreuze in Buer aufgestellt, die ich Euch gerne vorstellen möchte um das Augenmerk der Spurensucher und die Linsen der Fotografen unter Euch ein weiters mal auf die Zeit der Vorindustrie zu richten.


Hochkreuz Mühlenstraße von ?
Gendenkkreuz
altes Friedhofskreuz

Backems Krüz von 1478
Gedenkkreuz
Adenauerallee

Wegekreuz von 1569
ältestes noch existierendes Wegekreuz
Wandelsweg/Lindenstraße

Terbovenkreuz von 1574
Holzkreuz, seit 1939 Segenskreuz
Haunerfeldstraße/ Cranger Straße

Kreuz Claesdelle von 1574
Kultstätte aus vorchristlicher Zeit
Kuhlmann-Reckmann-Stegemanns-Claes, Heege

Driesenkreuz von 1575
Hof- und Wegekreuz
Lindgen, Osterkamsweg

Segenskreuz Resserlinde von 1594
1936 zerstört und verlegt
Brinkgartenstraße/ Akazienstraße (vormals Goldbergstraße)

Bülser Segenskreuz von 1628
Station im Urbaunsumritt
Bülsestraße 64

Spieckermanns-Kreuz von 1650
Wegekreuz
Theodor Otte Straße 57

Grenzkreuz von 1660
Bauer Buer, Resse Hertener Grenze
Simbecker Str. 69

Hegemannskreuz von 1731
Wegekreuz
Gecksheide 37a

Nollenlindekreuz von 1780
Segenskreuz
Röhrstraße/ Am Spritzenhaus

Wiemann- Rensingskreuz von 1898
Wegekreuz
Böningstraße

Horstenkampskreuz von 1909
Segenskreuz
Erlestraße 7

Steinernes Hochkreuz von 1920
Wegekreuz
Eichenstraße

Middelicher Kreuz von 1943
Hofkreuz
Hausfeld 16

Segenskreuz von 1975
Kirchplatz St. Hedwig
Uteweg 261

Hofkreuz Bauer Hollmann von 1979
Corpus vormals St. Josef Scholven
Buerelter Straße

Quelle: Hugo Vöge, Wegekreuze in Buer, Gelsenkirchener Lesebuch ... und das ist unsere Geschichte, hrsg. von Michael Klaus, Hartmut Hering, 1984

Für den Raum südlich der Emscher habe ich leider keine Liste gefunden, aber vielleicht kennt jemand von euch auch dort Kreuze, die am Straßenrand oder auf Höfen stehen, mit denen man die Liste Hugo Voeges ergänzen kann.

Es wäre schön, wenn sich zu diesem Thema im Laufe der Zeit Bilder, Fotos und Texte finden, die ein weiteres Mal zeigen, dass es in Gelsenkirchen mehr gibt, als Industriekultur und dass auch schon vor Hibernia, Nordstern und Bismarck im Emscherraum und auf dem vestischen Höhensattel ein ausgeprägtes Kulturelles Leben stattfand.

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Nollenlindekreuz von 1780
Segenskreuz
Röckstraße/ Am Spritzenhaus


Am Spritzenhaus/ Röckstraße/ Urbanusstraße - "Kreuz-Kapelle"

Bauzeit: 1931
Denkmal seit: 10.05.1989
Bild

Middelicher Kreuz von 1943
Hofkreuz
Hausfeld 16
Bild
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erloeser
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Bülser Kreuz

Beitrag von erloeser »

Bülser Kreuz
Segenskreuz von 1628
Bülsestraße 64
Scholven-Bülse

wie man sieht, ist die Figur noch relativ neu.
Bild

Wenn man die Szene aus etwas mehr Distanz betrachtet, wirken selbst die Schilder links und rechts des Wegekreuzes, als würden sie wie in einem Ensamble dazu gehören.
Bild

Wer weiß etwas über das Bülser Kreuz zu berichten? Gibt es vielleicht Bilder oder Aufnahmen von dem Kreuz, welches vorher an der Stelle gestanden hat? Was mag die Menschen veranlaßt haben gerade an dieser Stelle ein Kreuz aufzustellen?

Diese, oder ähnliche Fragen kann man natürlich auch zu den anderen Kreuzen stellen. Für Informationen bin ich wie immer dankbar.

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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

Siehst du die Kreuze am Wegesrand, das sind die Raucher der Rothe Hand
detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Backems KrüzBild
Bild
• Das Backemsche Kreuz stand ursprünglich an der Cranger Straße 31. Dort gibt es bis heute kein Haus.
• Als 1970 umfangreiche Bebauungspläne gefasst wurden, fürchtete der Verein für Orts- und Heimatkunde Buer um den Erhalt des Symbols
• Man beschloss, den Stumpf des Kreuzes, der schon viel zu tief im Erdreich versunken war, zu versetzen.
• Der Anfang des Berger Weges an der Adenauerallee schien ein guter Platz zu sein, ereignete sich auf ihm doch die tragische Geschichte. Dort befindet sich auch eine Hinweistafel vom Verein für Orts- und Heimatkunde, die an Dietrich von Backem erinnert.
sehr ausführlich ist das alles hier beschrieben:
http://www.suehnekreuz.de/nrw/buer.htm
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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Mühlenstraße in Buer
Bild
Bild
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Scholvener Jung
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Re: Bülser Kreuz

Beitrag von Scholvener Jung »

erloeser hat geschrieben:Bülser Kreuz
Segenskreuz von 1628
Bülsestraße 64
Scholven-Bülse

wie man sieht, ist die Figur noch relativ neu.
Bild
Der Korpus sieht nur so "neu" aus, weil dieser vor nicht all zu langer Zeit Restauriert werden mußte. Die Jesusfigur wurde mutwillig stark beschädigt.
Wenn die St. Josef Gemeinde an Fronleichnam durch Bülse zieht, steht an diesem Kreuz ein Altar.
Hömma!

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Segenskreuz Resserlinde von 1594
1936 zerstört und verlegt
Brinkgartenstraße/ Akazienstraße (vormals Goldbergstraße) Bild
Wegekreuz von 1569
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Wandelsweg/Lindenstraße
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erloeser
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Anm. Wegekreuz 1569

Beitrag von erloeser »

Anmerkungen:

Wegekreuz von 1569
Wandelsweg/Lindenstraße

dieses Kreuz am Wandelsweg ist Gelsenkirchens ältestes überliefertes Wegekreuz. Es war Station im Urbaunsumritt und stammt in seiner heutigen Form von dem Künstler Gottfried von Kappen. Es ersetzt ein im Krieg zerstörtes Kreuz und ist aus Polyesterkunststoff gefertigt.

Der Künstler möchte durch den verbrannten Menschen am Kreuz einen Bezug zu den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki herstellen um in Gedenken an vergangenes Leid die Zukunft zu mahnen.

Das schwarze Kreuz versinnbildlicht die verbrannte Erde, der enstellte und geritzte Corpus den geschundenen Menschenkörper. Die Vernarbungen in Holz und Körper erzielte von Kappen durch Nachbrennen des Kunststoffes.

Das neue Kreuz wurde 1970 von Probst Theodor Lange eingeweiht.

Quelle: Hugo Vöge, Gelsenkirchener Lesebuch, s.o.
Zuletzt geändert von erloeser am 05.10.2008, 21:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Spieckermanns-Kreuz von 1650
Wegekreuz
Theodor Otte Straße 41Bild

Kreuz Claesdelle von 1574
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Claesdelle 127Bild
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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Leider waren die Angabe von Hugo Vöge in dem erwähnten Buch nicht immer richtig, aber den größten Teil habe ich dann doch gefunden.
Bild
Horstenkampskreuz von 1909
Segenskreuz
Erlestraße

Bild
Steinernes Hochkreuz von 1920
Wegekreuz
Eichenstraße

wird wohl z.Zt. restauriert
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Wiemann- Rensingskreuz von 1898
Wegekreuz
Böningstraße
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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

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Terbovenkreuz von 1574
Holzkreuz, seit 1939 Segenskreuz
Haunerfeldstraße/ Cranger Straße

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Ortbeckstraße
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Driesenkreuz von 1575
Hof- und Wegekreuz
Lindgen, Osterkampsweg

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Segenskreuz von 1975
Kirchplatz St. Hedwig
Uteweg
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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

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Bergackerstraße


Hegemannskreuz von 1731
Wegekreuz
Gecksheide 37a
  • und
Grenzkreuz von 1660
Bauer Buer, Resse Hertener Grenze
Sienbeck Str. 69

habe ich nichts mehr vorgefunden, wobei , wie ich schon erwähnte, die Angaben teilweise falsch sind.
Für den Raum südlich der Emscher habe ich leider keine Liste gefunden, aber vielleicht kennt jemand von euch auch dort Kreuze, die am Straßenrand oder auf Höfen stehen.
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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

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Es ist das Wegekreuz am Dahmhof, Brauckstraße in Resse. Es handelt sich um das neuere Kreuz, das Alte ( aufgestellt um 1629 ) ist verkauft worden, weil unansehnlich. Das Kreuz wurde damals von Johann Dahm, der Vorsteher der Bauernschaft war, 1629 aus religiösen Gründen aufgestellt.

Die bilder und der Text sind von Gigel43
detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

erloeser
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Re: Kreuze am Wegesrand

Beitrag von erloeser »

Kreuz Bauer Hollmann von 1979
Hofeskreuz
Buerelter Straße
Bild
an diesem Kreuz in Oberscholven ist eine Tafel der KAB St. Josef angebracht
Bild
"Im schönen Spiegel der Natur siehst Du des grossen Gottes Spur.
Doch willst Du ihn noch grösser sehn, so bleib vor seinem Kreuze stehn "

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