Das Alter

Was heißt das eigentlich? Existenz. Was bedeutet das? ... Wer seid das ihr?

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rabe489
† 22.11.2011
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Das Alter

Beitrag von rabe489 »

Alter und Jugend

In diesem Jahr bin ich alt geworden. Nur innerlich strahlt noch die Jugend. Stimmt es, was Herr Goethe reimt:
... das Alter ist ein kaltes Fieber
Im Frost von grillenhafter Not.
Hat einer dreißig Jahr vorüber,
So ist er schon so gut wie tot.
Ich bin da anderer Meinung.

Euer Alter, Eure Jugend, wie geht Ihr damit um? Was sind die charakteristischen Merkmale dieser Lebensabschnitte und ist Euch im (Gelsenkirchener) Alltag Euer Alter manchmal bewußt?

Rabe

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lilalu
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Beitrag von lilalu »

Jeder ist so alt wie er sich fühlt.Und jedes Alter hat seine schönen Seiten.Das ist tatsächlich so.Ich fühle mich noch wie ein junger Dachs,obwohl ich meine Knochen manchmal spüre.Wenn man im Kopf jung bleibt(Musik,Kleidung,Lebenseinstellung),dann strahlt man das aus,und ein paar Fältchen sind dann nebensächlich.Ich freue mich über jeden neuen Geburtstag,denn ich kenne viele in meinem Alter,die sich schon vom Leben verabschiedet haben. Sie sind einfach ALT! :schlafen:

Klaus S.
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Beitrag von Klaus S. »

Als vor zwei Jahren meine Mutter starb, war es da, dieses Gefühl alt zu sein, ein Gefühl des freien Falls, der Unfähigkeit noch neue Richtungen einschlagen zu können. Man sieht zurück und bedauert vieles, auch vieles, was man nicht getan hat.

DThamm
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Beitrag von DThamm »

Jugend:
Noch Krieg, Hunger, Elend, scheiß Schule.
Ständige Veränderungen, von Jahr zu Jahr steigen die Angebote, der Konsum läuft, Hunger ein Fremdwort, Fresslust, Urlaub, Reisen, keine Jobsorgen, der Verdienst ist gut. Rundum eine sorglose und zufriedene Jugend an die ich mehr oder weniger jeden Tag denke.
Alter:
Sobald ich morgens die Augen öffne, ist mir klar, mir ist noch ein Tag gegeben und ich bedanke mich dafür. Dann folgen Aktivitäten verschiedenster Art, ohne Druck, bis zum Abend, dann schlafen und hoffen dass es einen neuen Tag gibt.

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Aufgrund meines Nicknamen weiß jeder wie alt ich bin!

Ich habe (noch) keine Probleme damit. Und schließe mich lilalu an. Ich bin (noch) 42 und fühle mich so. :lol:

Mal besser, mal schlechter!

Ich muss damit leben, dass ich Falten bekomme und verwehre mich - auch wenn ich das Geld dafür hätte - gegen Botox und jegliche OPs, die mich scheinbar jünger erscheinen lassen.
Ich finde den Wahn optisch for ever young zu bleiben schlicht und ergreifend bescheuert. Aber, wenn es einer oder eine braucht. Why not!

Für mich ist das die Angst davor zu sterben, obwohl jeder weiß, dass die Uhr unaufhaltsam tickt und man irgendwann stirbt. Gut ist nur, dass man nicht weiß wann die Uhr abgelaufen ist.

Man sollte mal auf ein Klassentreffen gehen. Dann sieht man das Spektrum des Altwerdens, denn alle sind in einem Jahrgang. Da mutiert der hübsche Popper von einst zu einem bierbäuchigen Glatzentyp und aus dem hässlichen Entlein von damals wurde ein stolzer Schwan. :wink:

Das sind optische Merkmale. Die inhaltlichen Merkmale des Altwerdens sind viel interessanter. Ich habe hohen Respekt vor alten Menschen mit viel Lebenserfahrung. Man kann viel von Ihnen lernen. Da ist es doch egal, ob sie Falten im Gesicht haben. Jede Falte hat was erlebt. Oder?

Doro

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Saubermann
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Beitrag von Saubermann »

Rabe schrieb:
  • Zitat vpn Goethe:
    ...
    Hat einer dreißig Jahr vorüber,
    So ist er schon so gut wie tot.
Ich glaub, in der damaligen Zeit war dreißig schon ein stattliches Alter.
Obwohl unser lieber Goethe ist auch so 84 Jahre alt geworden.
Denken, wenig körperliche Arbeit und Interesse an der Zeit und am Leben um ihn herum hat ihn wohl fit gehalten.

Ansonsten kann ich die Zeilen von lilalu nur bestätigen.
Ab und zu drehe ich mich abrupt um, nur um zu kontrollieren, was mir alles am A...rsch vorbeigeht!
:2thumbs:

DThamm
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Beitrag von DThamm »

Chronistin66
Ich habe hohen Respekt vor alten Menschen mit viel Lebenserfahrung. Man kann viel von Ihnen lernen.
Das sind passende Worte.
Manchmal denke ich, du lernst immer dazu, bis zum letzten Tag, der Speicher wird nicht voll, was passiert mit den Daten.
@Chronistin
Weitergeben an jüngere Menschen. :2thumbs:

Babapapa
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Beitrag von Babapapa »

habe mal irgendwo aufgeschnappt, dass man "alt" ist, wenn man mehr freude an der vergangenheit hat als an der zukunft.

könnte ein zitat sein, doch kann ich nicht mehr nachvollziehen, von wem dieser ausspruch stammt.

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lilalu
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Beitrag von lilalu »

Babapapa hat geschrieben:habe mal irgendwo aufgeschnappt, dass man "alt" ist, wenn man mehr freude an der vergangenheit hat als an der zukunft.

könnte ein zitat sein, doch kann ich nicht mehr nachvollziehen, von wem dieser ausspruch stammt.
Vergangenheit,das war.Nur das Heute und das was kommt zählt.Ich erinnere mich gerne an Sachen aus der Vergangenheit,es ist schließlich mein Leben.Aber ich lebe jetzt.Und ich lebe gern,trotz eines schweren Schicksalsschlags.Denn wenn ich jetzt mit meinem Leben ins Hadern komme,hilft es mir nicht weiter,sondern zieht mich runter.Also Leute... Das Leben ist schön!Nur nicht hängen lassen. :wink:

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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

Seitdem ich in diesem Jahr gealtert bin mit der Konsequenz, daß ich mir neuerdings sage:"du bist alt", sehe ich mit Gelassenheit auf die Eitelkeiten der Welt.

In manchen Dingen bin ich viel wissender und weiser, als in jungen Jahren. Ich kann Freude empfinden über jeden frischen Morgen, über den Zug der Wolken und die Feinheiten einer Stubenfliege, der Kreatur.

Mein seit dem sechzehnten Lebensjahr vorhandenes katastrophische Lebensgefühl wirft mich jetzt in meinem Alter nicht mehr so leicht zu Boden. Gelassen schaue ich auf die Bilder von Untergang und Unglück, von Tod und Verderben, die ich auch im Repertoir hatte und habe.

Ich hatte trotz allem noch nie so ein Glücksempfinden für banale Dinge und alltäglichen Verstrickungen, wie jetzt mit meinen sechzig Jahren.

Jedes Alter hat seine Juwelen. Freut Euch auf den kommenden Reichtum.

Rabe

akinom07
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Alter

Beitrag von akinom07 »

Also ich muss zugeben, dass ich doch ein bisschen Angst vorm altern habe,
bzw. vor dem, was auf mich zukommen könnte.
Mein Papa ist im April im stolzen Alter von 94 Jahren gestorben. Da er immer
dementer wurde, habe ich ihn 7 Jahre versorgt und gepflegt.
Nach seinem Schlaganfall musste ich ihn leider in ein Pflegeheim geben, wo
er wirklich total liebevoll betreut wurde, dort hat er noch 3 Jahre durchgehalten.

Ich habe ihn so oft wie möglich besucht...........jedes Mal ging ein Strahlen über
sein Gesicht, wenn er mich sah, aber er konnte mir nicht mehr sagen, wie sehr
es ihn freute mich zu sehen, aber seine Augen sagten alles und das war ein sehr
schönes Gefühl!

Ich bin nun auch schon 53 Jahre alt und mir kam bei den Besuchen immer mehr zum
Bewußtsein, dass es noch so viele Dinge gibt, die ich ihn gern gefragt hätte, über meine
Kindheit, über sein ganzes Leben..........aber er strahlte mich nur noch an und meine Fragen werden nie beantwortet werden! Da habe ich ehrlich gesagt sehr starke Probleme mit und schäme mich, dass ich früher als junger Mensch, wenn Papa aus seinem Leben erzählten wollte, oft gar nicht richtig zuhörte und innerlich die Augen verdrehte!

In dem Pflegeheim habe ich durch meine vielen Besuche auch die Schicksale und Leiden von
den anderen Heimbewohnern live miterlebt und bin die ersten Monate jedes Mal weinend nach Hause gefahren, mit der wahnsinnigen Angst im Bauch..........mein Gott, was ist wenn du mal
alt bist, welche Krankheit/Schicksal wird dich ereilen, wie kommst du von der Welt, wird deine Tochter sich so liebevoll um dich kümmern, wie du es für deinen Vater getan hast, in was für ein Heim stecken sie dich mit deiner popeligen Rente?? Das sind Fragen über Fragen, die mir durch den Kopf gehen und doch schon Angst bereiten!!

Ansonsten bin auch ich der Meinung, dass es im Alter wirklich wesentlich wichtigere Dinge
gibt als ein paar Hautlappen, ein paar Falten, einen Hängebusen oder einen Schwabbelbauch............denn eins sollte man sich vor Augen halten, auch der jüngste Mensch kommt, wenn er Glück hat, ins Alter und bleibt nicht so frisch und knackig wie er meint.

Ich persönlich bin jeden Tag froh und dankbar, wenn ich meine knackenden Knochen aus
dem Bett gebracht habe und gehe jeden Tag mit positivem Denken an und mache das Beste aus dem Tag..........alles andere macht nur depressiv und bringt nichts.

Einen schönen Tag wünscht Euch
Moni

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rabe489
† 22.11.2011
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Beitrag von rabe489 »

@Moni
Meine Mutter ist im April dieses Jahres verstorben. Sie hatte keinen leichten Tod. Zuletzt lag sie sechs Wochen auf der Intensivstation und ich war jeden Tag bei ihr. Sie konnte wegen der Schläuche nicht mehr die Stimmbänder nutzen und also nicht reden. Das war mit das Schlimmste, weil sie krampfhaft versuchte, mir etwas zu sagen. Herauskam lediglich eine tonlose Bewegung der Lippen. Ich habe nie erfahren, was sie mir noch so dringend sagen wollte.

Als ich die Situation auf einem Gemälde festhielt, geriet das Gesicht meiner Mutter zu meinem alten Gesicht. Ich war es plötzlich, der auf der Intensivstation lag und litt:

Bild
J.K.: Intensivstation Mai 2009

pito
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Re: Alter

Beitrag von pito »

akinom07 hat geschrieben:In dem Pflegeheim habe ich durch meine vielen Besuche auch die Schicksale und Leiden von den anderen Heimbewohnern live miterlebt ...
Der Blick in ein Altenpflegeheim kann wirklich schockierend sein. Nicht, dass die Menschen dort nicht gut und liebevoll versorgt würden, oder das Umfeld nicht schön wäre, das kann man wirklich nicht behaupten. Aber es ist nunmal ein Heim, eine letzte Station. Da landen Menschen nach einem langen, erfahrungsreichen Leben plötzlich in einem Zweibettzimmer neben irgendjemandem und haben nur noch einen Stuhl, einen Tisch, einen Schrank und das wars. Pflegeheim bedeutet immer auch Entmündigung und Reduzierung. Man ist nicht mehr frei, man kann nicht mehr einfach tun, was man will. Man isst und schläft zur vorgegebenen Zeit, man muss sich dem Betriebsablauf beugen. Ich denke mal, das kann genauso hart sein, wie die Krankheiten des Alters, die dann nach und nach auf einen zukommen ...
Allerdings haben die Frauen ein größeres Risiko dieses Schicksal zu erleiden. Die Männer sterben ja meistens schon vorher. In den Pflegeheimen sind sie deutlich in der Unterzahl.


Ich bin jetzt knapp unter 30 und gehe damit wohl gerade noch als "jung" durch. Aber ich fühle mich oft schon alt. Vielleicht habe auch ich dieses "katastrophische Lebensgefühl", wie der Rabe es beschreibt, aber bei mir kommt noch das Aufwachsen in einer nihilistischen, ziellosen Epoche dazu. Ziellos bin auch ich. Wie kann ich da jung sein?
Außerdem fällt mir auf, dass ich bisher kaum je einen Draht zu meinen Altersgenossen bekommen habe. Fast alle Freunde und wichtigen Personen in meinem Leben waren/sind älter als ich, teilweise deutlich älter. Ich sehe mich bereits im Alter dabei zusehen, wie sie alle vor mir sterben ...

DThamm
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Beitrag von DThamm »

pito
Da landen Menschen nach einem langen, erfahrungsreichen Leben plötzlich in einem Zweibettzimmer neben irgendjemandem und haben nur noch einen Stuhl, einen Tisch, einen Schrank und das wars.
Eine Mutter kann zehn Kinder erziehen und versorgen, aber 10 Kinder keine Mutter!
Wo sind die Kinder? Warum ist das so?
Das war mal anders! "Traurig aber war"

HelmutW
Beiträge: 7024
Registriert: 18.02.2008, 21:13

Beitrag von HelmutW »

Meine Mutter ist gestern 90 Jahre geworden. Und sehr alt hat sie nicht gewirkt.....
Ich denke, sie kann gut mit ihren Lebensjahren umgehen.....

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