Die alte Synagoge in Gelsenkirchen 1885 - 1938

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Fuchs
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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen 1885 - 1938

Beitrag von Fuchs »

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Alte Synagoge Gelsenkirchen Innenansicht

Beitrag von Verwaltung »

Alte Synagoge Gelsenkirchen Innenansicht


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GELSENZENTRUM
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Grundriss und Schnittzeichnung alte Synagoge

Beitrag von GELSENZENTRUM »

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Benzin-Depot
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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen 1885 - 1938

Beitrag von Benzin-Depot »

[center]Die alte Synagoge in Gelsenkirchen an der Gildenstraße
1885 - 1938



Der große, den christlichen Kirchen ebenbürtige Bau, mit den beiden Türmen welche den Eingang flankierten und dem Davidstern über dem Portal, wurde in den Tagen vom 21. bis 23. August 1885 feierlich eingeweiht.


BildStraßenansicht von der Gildenstraße


BildGedenkmünze mit Ansicht der Synagoge in der Gildenstraße 4 / 6


Um einen Teil der Baukosten zu decken, prägte man 1885 diese Gedenkmünzen mit Ansicht der Synagoge.
Der rückseitige Text lautet:
Zur Erinnerung an die Einweihung der Synagoge zu Gelsenkirchen 21.- 22.- 23. - August 1885
[/center]

Quelle: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen / Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit / Stratmann / Die Synagoge in Gelsenkirchen 1885-1938
Zuletzt geändert von Benzin-Depot am 18.11.2008, 00:59, insgesamt 1-mal geändert.
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(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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Benzin-Depot
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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen

Beitrag von Benzin-Depot »

[center]Die alte Synagoge in Gelsenkirchen an der Gildenstraße
1885 - 1938

Der Innenraum[/center]




  • BildInnenansicht der alten Synagoge an der Gildenstaße 4 - 6


    In der Mitte der Ostwand stand der Thoraschrank aus massivem Holz, etwa 5 Meter hoch
    Wenn man die beiden Türen in seiner Mitte öffnete und den Thoravorhang aus schwerem Stoff zu Seite zog, viel der Blick auf die Thorarollen der Synagogengemeinde.
    Diese Schriftenrollen aus Pergament wurden nach besonderen Vorschriften mit der Hand und völig fehlerlos beschrieben, andernfalls taugten sie nicht mehr zum religiösen Gebrauch.

    Vor dem Thorapult stand das Lesepult, von dem aus die Abschnitte der Thorarolle von den Gemeindemitgliedern am Sabbat und an den Festtagen vorgelesen wurde.

    Über dem Thoraschrank war das Fenster als Buntverglasung mit dem Davidstern (1) Magen David )
    geschmückt, seit alters her das Zeichen der jüdischen Gemeinden.

    BildSynagoge Schnittzeichnung


    Auf dem Dachboden über den Synagogenräumen legten die Gemeinden bei Bedarf Schriften und kultische Gegenstände ab, die nicht mehr für den regelmäßigen religiösen Gebrauch taugten. Auch beschädigte Thorarollen konnten hier gelagert werden bevor sie später auf dem jüdischen Friedhof beerdigt wurden.
1) Der Begriff Magen David oder Magen Salomo (oder Siegel Salomo) entstand im Zusammenhang mit der jüdischen Kabbalah etwa ab dem 14. Jahrhundert.

Quelle: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen / Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit / Stratmann / Die Synagoge in Gelsenkirchen 1885-1938
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Benzin-Depot
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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen

Beitrag von Benzin-Depot »

[center]Die alte Synagoge in Gelsenkirchen an der Gildenstraße
1885 - 1938

Das Erdgeschoss[/center]

  • BildZeichnung Erdgeschoss



    Die Gemeinde saß in Bankreihen, aufgeteilt in einzelne Plätze, die für ein geringes Entgeld an jüdische Familien vermietet wurden.
    Vor jedem Platz war an der Rückenlehne der Vorderbank ein Kasten angebracht, in dem die Gebetsbücher und Gebetsriemen lagen.

    Die Plätze im vorderen Bereich, seitlich des Lesepultes, waren dem Vorstand der Synagogengemeinde und dem Rabbiner vorbehalten.


Quelle: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen / Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit / Stratmann / Die Synagoge in Gelsenkirchen 1885-1938
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Benzin-Depot
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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen

Beitrag von Benzin-Depot »

[center]Die alte Synagoge in Gelsenkirchen an der Gildenstraße
1885 - 1938

Die Empore[/center]
  • BildZeichnung Empore



    Auf beiden Seiten der Empore saßen die Frauen, während die Männer im Erdgeschoß den Gottesdienst feierten.
    Für eine jüdische Gemeinde im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert galt diese Aufteilung als liberal, denn die beiden Seiten der Emporen waren über der etwa 1 Meter hohen Ballustrade offen.
    In orthodoxen Gemeinden sind die Frauen hinter Gittern oder Wandschirmen verborgen, so das sie von den Männern nicht gesehen werden können.

    Im hinteren Teil der Synagoge war Platz für den Synagogenchor und die Orgel, deren Benutzung jedoch bei orthodoxen jüdischen Familien auf heftige Ablehnung stieß, so daß sogar einige von ihnen aus diesem Grunde die Gemeinde verließen und einen seperaten Gottesdienst einrichteten.
Quelle: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen / Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit / Stratmann / Die Synagoge in Gelsenkirchen 1885-1938
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Schacht 9
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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen

Beitrag von Schacht 9 »

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Die alte Synagoge in Gelsenkirchen an der Neustraße wurde am 09. November 1938 niedergebrannt.

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Benzin-Depot
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Die Zerstörung der Synagoge in Gelsenkirchen

Beitrag von Benzin-Depot »

  • Die Zerstörung der Synagoge in Gelsenkirchen


    Zeitungsartikel über die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938

    Bild1) Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung v. 11.11.1938
    Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung hat geschrieben:...die Synagoge an der Ecke Stürmer- und Georgstraße brannte vollständig aus...Schutzpolizeibeamte hielten überall die Ordnung aufrecht.
    ____________________________
    Übertrag aus :
    http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... php?t=3023
    Heinz O. hat geschrieben:Bild
    Zerstörung der Gelsenkirchener Synagoge 9.-10. Nov. 1938

    _____________________________

    Bild2) Abrissverfügung vom 10. November 1938

    Die Gelsenkirchener Stadtverwaltung reagierte damals sehr schnell auf die angebliche "Gefährdung" Gelsenkirchener Bürger durch die plötzlich"baufällig" gewordene Synagoge.
    Am gleichen Tage - kaum dass die Rauchschwaden sich verzogen hatten -
    stellte die Ortspolizeibehörde unter Androhung der zwangsweisen Ausführung, der jüdischen
    Gemeinde eine Abrissverfügung zu.
1) 2) Abbildungen aus: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen / Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit / Stratmann / Die Synagoge in Gelsenkirchen 1885-1938
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kwitsche
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Beitrag von kwitsche »

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Vor 70 Jahren und achteinhalb Tagen

Edit: Zahl korrigiert

GELSENZENTRUM
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Beitrag von GELSENZENTRUM »

kwitsche hat geschrieben:
Vor 60 Jahren und achteinhalb Tagen
Was war denn da? :wink:

kwitsche
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Beitrag von kwitsche »

Als hätte ich nur 9 Finger zum Zählen gehabt.

:oops:

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All-GEmeinheit
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Beitrag von All-GEmeinheit »

Vielleicht kann hier jemand weiterhelfen - wo lag der Friedhof der jüdischen Gemeinde im Altstadtbereich? Die Frage tauchte gerade an anderer Stelle auf:
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 793#166793
und wir scheinen uns da jetzt festgefahren zu haben.
»Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.«
Dieter Hildebrandt

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brucki
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Beitrag von brucki »

Informationen und Dokumente zum Synagogenbrand:

http://gelsenblog.de/archives/3590

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Heinz O.
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Re: Die alte Synagoge in Gelsenkirchen 1885 - 1938

Beitrag von Heinz O. »

Stadtchronik vom 9. November 1938 in der damaligen hetzerischen Wortwahl
Die feige Mordtat hat in Deutschland ein ungeheure Erregung hervorgerufen. Nach Eintreffen der Todesnachricht ging eine Welle der Entrüstung durch das deutsche Volk, die sich in Kundgebungen
und Aktionen gegen das Judentum Luft machte. Wie überall im ganzen Reich so wurden auch in unserer Stadt die Fensterscheiben und das Inventar der jüdischen Geschäfte von der erregten Menge zerstört, ebenfalls die Wohnungen der Juden.

Die Synagoge und das danebenliegende jüdische "Restaurant" wurden angezündet und
brannten aus.

W1r schlieBen uns den Worten an, mit denen die Nationalzeitung 1hren Bericht über die Gelsenkirchener Aktionen beschließt.
"W1r wollen hoffen, daB diese spontanen Willensäußerungen des
deutschen Volkes auf das internat1onale Judentum die gewünschte
Wirkung hat und nicht wieder das deutsche Volk durch feige Mordüberfälle auf deutsche Volksgenossen im Ausland herausgefordert wird."
Was danach bis 1945 passierte sollte man nie vergessen und darf nie wieder passieren !
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

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