Katholisches Leben in GE nach dem großen Aufräumen

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Mechtenbergkraxler
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Katholisches Leben in GE nach dem großen Aufräumen

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Felix Genn ist nun Bischof in Münster, doch seine Spuren im Leben der Gelsenkirchener Gemeinden sind geblieben. „Großpfarrei“, „moderne Form der Seelsorge“, „Gemeinde im Zeitalter der Mobilität“ und viele andere Worthülsen sind wie Hauswände nach einem Erdbeben stehen geblieben: Fassade, doch dahinter klafft oft Leere. Oder sehe ich das alles nur zu negativ? Gab es auch Positives nach dem großen Aufräumen und dem Schließen liebgewordener Kirchen? Oder ist der viel beschworene Gläubigenmangel doch zuerst einmal eine Folge der Kirchenpolitik, die Anfang der 80er Jahre begann und die lebendigen Gemeinden an allerlei Zügel zu legen versuchte? Fragen über Fragen. Ich hoffe, es gibt genügend Katholiken (die Andersgläubigen dürfen natürlich gerne mitdiskutieren), die sich einmal in den GGs über das Thema austauschen wollen. (falls es schon mal einen Thread zu dem Thema gab, so habe ich den leider nicht gefunden, sorry….) MK
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

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Ego-Uecke
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Beitrag von Ego-Uecke »

Wobei ich irgendwie glaube, dass Genn als Durchgangsbischof ausführte, was Luthe vorbereitet hat, aber nicht ausführen wollte.

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Neustädter
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Re: Katholisches Leben in GE nach dem großen Aufräumen

Beitrag von Neustädter »

Mechtenbergkraxler hat geschrieben: Oder ist der viel beschworene Gläubigenmangel doch zuerst einmal eine Folge der Kirchenpolitik, die Anfang der 80er Jahre begann und die lebendigen Gemeinden an allerlei Zügel zu legen versuchte? MK
Du brauchst Dir doch nur die Zahlen z.B. der Augustinuspfarrei anzusehen:

Taufen lt. der letzten drei Gemeindebriefe (also ca. Jahresanfang bis jetzt) = 14
Beerdigungen für den gleichen Zeitraum = 67

Wahrscheinlich lassen sich ähnliche Zahlen für andere Gemeinden bzw. Pfarreien ermitteln.

Es ist doch abzusehen, daß in einigen Jahren weitere Kirchen geschlossen werden (müssen), vor allem wenn die Abwanderung junger Familien in die Randzonen des Ruhrgebietes weiter anhält.
Auf mittlere Sicht wirst Du südlich des Kanals vielleicht noch fünf, sechs Kirchen mit Gottesdienst haben (ich befürchte noch weniger); auch der Priestermangel tut ein übriges dazu.

Neustädter

cue
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schlp und schwupp, wech ist der st jupp

Beitrag von cue »

Bild
Hier in den "Randzonen des Ruhrgebiets" sieht es nicht anders aus.

Geraldo el Tigre
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Katholisches Leben in GE

Beitrag von Geraldo el Tigre »

EgoÜcke hat zum Teil wohl recht.
Genn hat das durchgeführt, was sein Vorgänger schon viel früher hätte einleiten müssen.
Schlechte Finanzen bei drastisch sinkender Gläubigenzahl und Priestermangel; was bleiben da für Optionen - den Karren vor die Wand fahren zu lassen ?
Und wenn uns die Tagespresse erzählen will, dass die Essener Kirche auf dem Geld sitzt, hat von kaufmännischen Dingen so viel Ahnung wie der Papst von Fussball.
Merken wir dennn gar nicht, dass mit dem Niedermachen der Kirche ein gutes Stück unserer Ruhrgebietskultur untergeht ?
:(

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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

dass mit dem Niedermachen der Kirche ein gutes Stück unserer Ruhrgebietskultur untergeht
:up:

Kirche war einmal der einzige Ort, wo noch die grundlegenden Fragen gestellt wurden und zur Sprache kamen. Mittlerweile aber - subjektiver Eindruck - verstrickt sich die Institution immer mehr in bloße Sozialarbeit.

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

rabe489 hat geschrieben:Kirche war einmal der einzige Ort, wo noch die grundlegenden Fragen gestellt wurden und zur Sprache kamen. ...
Universitäten?

arnold
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Beitrag von arnold »

Die Frage ist doch, ob es sinnvoll ist in Zeiten rückläufiger bekennender Christen (gilt für beide christlichen Religionen) die Bemühungen zurückzufahren oder ob nicht verstärktes Engagement hilfreicher wäre. Wenn mir die Kunden wegbleiben und ich weniger Einnahmen habe, spare ich dann besser an den Werbungskosten, damit demnächst noch weniger kommen und ich also weiter sparen muss (bis zur Geschäftsaufgabe). Gehe ich auf meine Schäfchen zu oder lasse ich sie besser von noch weiter weg kommen (sofern sie kommen können und wollen)? Kirchen sind non-profit-Unternehmen. Sie könnten sich also ab sofort auf ihre Kernthemen oder wie die FDP zur Zeit sagt, auf ihre Brot und Butter-Themen besinnen. Wobei ich hier immer die Amtskirche meine. Denn Kirche sind ja eigentlich alle Bekennenden, also Du und Ich.
Aber wir haben ja immer noch unsere eigentlichen Religionen (blau-weiß; schwarz-gelb; rot-weiss usw.). Gesang in der Kirche? Nein, danke! Gesang im Stadion? Ja, bitte! Fahnenschmuck zu Fronleichnam? Hää? Wat soll dat denn? Fahnenschmuck im Stadion oder an den Fenstern? Ja klar! Bekenntnis zum Glauben abgeben? Wieso das denn und welchen Glauben? Bekenntnis zum Verein? Aber sicher!
Und komme mir keiner mit aufgeklörter Gesellschaft! Worüber aufgeklärt? Und woher wissen die augeklärten das? Und woher wissen wir was Realität ist?
Und trotzdem: Gefordert zur Änderung und zum Bekenntnis bin ganz alleine ich.
Wollt ich nur mal so gesagt haben. Geht ja sonst keinen was an.

Danke an den Threaderöffner!

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

arnold hat geschrieben:Und trotzdem: Gefordert zur Änderung und zum Bekenntnis bin ganz alleine ich.
wie immer und überall.

Kirche - immer schon mein Ding. In jüngeren Jahren aktiv, jetzt eher spirituell.

Dass Frauen in der kath. Kirche nicht zum Priester geweiht werden dürfen, ist sicher der entscheidende Punkt, der mich vom offiziellen Kirchenbetrieb immer weiter entfernt hat. Auch das unsägliche Zölibat und die anderen lebensfremden Weisungen.
Wenn man als Meßdienerin jahrelang an der Durchführung der Messe beteiligt gewesen ist, ist es nicht verständlich, warum man den Weg nicht weiter gehen darf.
Zwischenzeitlich zog ich daher noch als Teenager das Konvertieren zum evangelischen Glauben in Erwägung. Letztendlich blieb ich dann aber bei den Katholiken, da dies ja meine Kirche war. Ich bin oft bei evangelischen Gottestdiensten dabei gewesen, war aber im katholischen Glaubensritus schon zu lange und zu stark verankert, als dass ich mich hätte heimisch fühlen können.

Die für Frauen gegebene Möglichkeit, der Eintritt in ein Kloster, ist da keine wirkliche Option. Als Klosterschülerin habe ich einen guten Einblick gehabt, wieviel Stress es unter den Nonnen aufgrund des engen
Zusammenlebens gegeben hat. Idyllische Vorstellungen von Bibliotheks- oder Gartenpflege konnten da nicht aufkommen. In einem sehr guten Gespräch mit einer jungen Nonne, das eine gute Freundin und ich kurz vor dem Abi hatten, hat sie uns verdeutlicht, welche Anforderungen das Leben im Kloster an die eigene Persönlichkeit stellt. Das kam für uns nicht in Frage, obwohl wir beide es zumindest gerne mal probiert hätten.
Nonne auf Zeit, gibts jetzt bestimmt. ;-)

Zurück zum Aufräumen
Wenn ich Lust auf Kaffeekochen und Schnittchenschmieren habe, kann ich mir auch einen anderen Verein aussuchen.

Sozialarbeit ist sicher ein Bereich, der sehr wichtig und schon lange unersetzbar ist, aber Kirche sollte doch tatsächlich mehr sein.

Heimat.

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Mechtenbergkraxler
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Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Es gibt sensible Gemüter und es gibt Leute – zu denen ich mich auch zähle, die ziemlich schmerzfrei und eher achselzuckend Änderungen zur Kenntnis nehmen. Auch wenn ich mich über viele Dinge im kirchlichen Umfeld aufregen kann, wie z.B. die unsägliche, von Misstrauen geprägte Personalpolitik des dafür sogar selig gesprochenen Johannes Paul II: Die Einsetzung von Bischöfen, denen jegliche Kommunikationskultur und jedes Gespür für die Relativität theologischer Aussagen abgeht / abging, war nur zu erklären über die panische Angst Wojtylas, Deutschland könnte noch verspätet der Reformation anheimfallen. Die jetzige, angeblich völlig alternativlose, Fusionspolitik, so wie sie besonders drastisch in GE und im übrigen Bistum Essen durchgepeitscht wurde, regt mich auch nur noch auf.
Trotzdem: Auf die Idee, deswegen nicht mehr in die Kirche zu gehen, bin ich noch nie gekommen. Was hat die Kirche im innersten Kern, die Eucharistiefeier und das Evangelium mit diesen Personen zu tun, die mir eher wie Hausbesetzer – im negativen Sinne – vorkommen? Da die Zahl der Sensiblen und durch die Kirchenpolitik wirklich innerlich Frustrierten doch nicht so riesig sein kann, frage ich mich immer, wo denn die übrigen „schmerzfreien Achselzucker“ geblieben sind? Beim Besuch der Messe in St. Barbara, Rotthausen, sehe ich stets nur noch 5 – 6 Gesichter, von denen ich weiß, dass sie – wie ich - allen Umbrüchen zum Trotz seit Jahren und Jahrzehnten einfach stur weiter in die Kirche gegangen sind. Warum machen das nicht mehr Leute? Oder ist die Leere der Kirchen doch nur ein Ausdruck der allgemeinen Bequemlichkeit? Auch Parteien und Gewerkschaften füllen keine Säle mehr. MK
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Bionda
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Beitrag von Bionda »

Auch die evangelischen Gottesdienste sind nicht sehr gut besucht. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Mitglieder von der Kirche abgewandt hätten. Die sonstigen Angebote der Kirche werden ja gern angenommen. Manchmal kann man nur staunen, wie viele Personen sich bei Veranstaltungen im Gemeindesaal einfinden. Das sind dann allerdings überwiegend alte Leute.

Vermutlich halten die Leute den Gottesdienst für uninteressant. Dabei ist er das ganz und gar nicht. Ich finde die Predigten meistens sehr interessant und die Liturgien, die Gebete und die ausgewählten Lieder sehr berührend.

Wenn mich auch zwischendurch mal eine Predigt nicht so sehr anspricht, nehme ich doch immer etwas aus dem Gottesdienst mit. Ich tanke Sonntagmorgens in der Kirche für die kommende Woche auf.

von waldbröl
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Beitrag von von waldbröl »

Nein, ich glaube dass die katholische Kirche in den letzten Jahren an Glaubwürdigkeit verloren hat. Außerdem sterben die alten Kirchengänger weg und die jüngere Generation hat eben aus vg. Gründen kein Interesse mehr in die Kirche zu gehen.
In meinem persönlichen Umfeld gibt es kaum jemanden der nicht aus der Kirche ausgetreten ist.
Ich gebe ehrlich zu, dass ich nur noch aus ethischen Gründen in der Glaubensgemeinschaft meine Kirchensteuer entrichte. Wobei mich hier nicht die Vernunft leitet, da würde ich anders entscheiden, sondern die Tradition. ( Meine Kinder Kath. erzogen, sind beide aus der Kirche ausgetreten. ( Enkelkinder nicht getauft. Früher sagte man Heidenkinder, heute ist es Gang und Gäbe in vielen Familien )
Die Kirche ist auch für mich ( über 60 Jahre alt ) eine Institution, welche sich mit erhobenem Zeigefinger in die Politik einmischt, sich in Familienangelgenheiten einmischt und darüber predigt, obwohl sie keine Ahnung hat, Sprich Familienplanumg, Kondome, Pille usw. will heißen Geschlechtsverkehr nicht der Lust und Liebe wegen sondern nur der Zeugung von Kindern. Zölibat? Wo steht in der Bibel, dass Priester nicht heiraten dürfen? War nicht Jesus sogar verheiratet,( ist nicht ganz klar, die katholische Kirche schweigt sich jedenfalls darüber aus) gab es nicht sogar verheiratetete Päpste?
Was ist mit den zigtausenden von Katholischen Priestern gezeugten Kindern, wo der Vatikan jährlich weltweit millionen von € Unterhalt zahlt?
Und die tausende von schwulen Priester, obwohl die Kirche die Homosexualität aufs Schärfste verurteilt.

Dann natürlich ganz krass das Bekanntwerden der Mißbrauchsfälle in den letzten Jahren.
Danach gab und gibt es ja heute noch eine Welle von Kirchenaustritten auf katholischer Seite.

Dann die merkwürdigen Klauseln in Arbeitverträgen, ein Lehrer an einer Kath. Schule lässt sich scheiden und hat dann eine neue Partnerin. Folge Kündigung, dass gleiche an Kath. Krankenhäusern oder Kindergärten. Ganz frisch jetzt und Keine Einzelfälle.

Zeitgemäß? Nach den Vorfällen in der letzten Zeit noch vertretbar? Meiner Meinung nach nicht.

Die evangelische Kirche verhält sich da doch etwas anders, obwohl auch dort die Schäfchen weg bleiben und Kirchen geschlossen werden.

Wolle

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Mechtenbergkraxler
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Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Frage mal an die gelegentlichen und regelmäßigen Kirchgänger, die es (vielleicht / hoffentlich noch) in diesem Forum gibt: Wie sieht es eigentlich in Euren ehemaligen Kerngemeinden aus mit ehrenamtlichen Diensten, Sichtbarkeit von Seelsorgern, Jugendarbeit und Gottesdiensten? Ist das überall gleichmäßig runtergefahren oder gibt es auch Positives zu melden? Fallen Dinge wegen der neuen weiten Wege jetzt untern Tisch?
Den bisherigen Beiträgen habe ich jedenfalls entnommen, dass für viele der äußere Zustand der Organisation Kirche Grund genug ist, um sich in Sachen Kirche nicht mehr zu engagieren. Wie gesagt, bin ich da relativ schmerzlos und denke mir das Bodenpersonal einfach weg.
Allen weiterhin schöne sonnige Oktobertage wünscht der Mechtenbergkraxler
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

von waldbröl
Abgemeldet

Beitrag von von waldbröl »

Mechtenbergkraxler hat geschrieben: Wie gesagt, bin ich da relativ schmerzlos und denke mir das Bodenpersonal einfach weg.
Allen weiterhin schöne sonnige Oktobertage wünscht der Mechtenbergkraxler
Ich bin auch ziemlich schmerzlos, aber.... wer bitte ist das Bodenpersonal?


Wolle

gelsenjung
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Wohnort: Bulmke

Beitrag von gelsenjung »

von waldbröl hat geschrieben:
Mechtenbergkraxler hat geschrieben: Wie gesagt, bin ich da relativ schmerzlos und denke mir das Bodenpersonal einfach weg.
Allen weiterhin schöne sonnige Oktobertage wünscht der Mechtenbergkraxler
Ich bin auch ziemlich schmerzlos, aber.... wer bitte ist das Bodenpersonal?


Wolle
Ich denke mal die Flakabteilungen des unfehlbaren Stellvertretters Gottes, die die ungläubigen abschiessen sollen........... :)

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