Europawahl 2024

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Kaluschke
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Kaluschke »

matz hat geschrieben:
10.06.2024, 09:07
Grundschule Im Brömm mit 45 Prozent wohl der unrühmliche Spitzenreiter, wenn ich das richtig sehe.


In dem Wahlbezirk sind nur 206 von 843 Berechtigten zur Wahl gegangen. Das entspricht einer Beteiligung von 24,44%.
Der Wahlbezirk ist flächenmäßig gar nicht so groß. Warum gehen da über 600 Menschen die maximal 4-500 Meter laufen müssen
nicht zur Wahl?
Danke, dass Sie mir die Zeit genommen haben.

Troy
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Troy »

Erika Mann beschreibt im Exil 1938 in ihrem Buch "ZEHN MILLIONEN KINDER - DIE ERZIEHUNG DER JUGEND IM DRITTEN REICH" die Lebensverhältnisse und zitiert aus damals zugänglichen Quellen, hier zwei Auszüge:
...
<<Wenn zwischen unserer Generation noch vereinzelte Menschen leben, die da glauben, sie können sich nicht mehr umstellen, so werden wir ihnen die Kinder nehmen und sie zu dem erziehen, was für das deutsche Volk notwendig ist.>> (Hitler in seiner Erfurter Rede. <<Frankfurter Zeitung>>, 18. Juni 1933)
...
Was hat das mit Gelsenkirchen zu tun? Im "Stürmer" wurden regelmäßig auch Zuschriften von Kindern und Jugendlichen abgedruckt, und auch hier zitiert Erika Mann im selben Buch:
...Erna Listing aus Gelsenkirchen, wohnhaft dort in der Oswaldstraße 8, schreibt (Stürmer Nr.2, 1935):
<<Lieber Stürmer! Gauleiter Streicher hat uns so viel von den Juden erzählt, daß wir sie ganz gehörig hassen. Wir haben in der Schule einen Aufsatz geschrieben unter dem Titel: <Die Juden sind unser Unglück.> Ich möchte bitten, meinen Aufsatz in Abdruck zu bringen.
...
Dann folgt der Abdruck, den ich uns hier erspare.

Das Buch ist in D als Nachdruck erschienen, einmal 1965, dann 1997.
Ich habe das Taschenbuch der 6. Auflage vorliegen aus Dezember 2011.

architectus
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von architectus »

Troy hat geschrieben:
10.06.2024, 11:29
Erika Mann beschreibt im Exil 1938 in ihrem Buch "ZEHN MILLIONEN KINDER - DIE ERZIEHUNG DER JUGEND IM DRITTEN REICH" die Lebensverhältnisse und zitiert aus damals zugänglichen Quellen, hier zwei Auszüge:
...
<<Wenn zwischen unserer Generation noch vereinzelte Menschen leben, die da glauben, sie können sich nicht mehr umstellen, so werden wir ihnen die Kinder nehmen und sie zu dem erziehen, was für das deutsche Volk notwendig ist.>> (Hitler in seiner Erfurter Rede. <<Frankfurter Zeitung>>, 18. Juni 1933)
...
Was hat das mit Gelsenkirchen zu tun? Im "Stürmer" wurden regelmäßig auch Zuschriften von Kindern und Jugendlichen abgedruckt, und auch hier zitiert Erika Mann im selben Buch:
...Erna Listing aus Gelsenkirchen, wohnhaft dort in der Oswaldstraße 8, schreibt (Stürmer Nr.2, 1935):
<<Lieber Stürmer! Gauleiter Streicher hat uns so viel von den Juden erzählt, daß wir sie ganz gehörig hassen. Wir haben in der Schule einen Aufsatz geschrieben unter dem Titel: <Die Juden sind unser Unglück.> Ich möchte bitten, meinen Aufsatz in Abdruck zu bringen.
...
Dann folgt der Abdruck, den ich uns hier erspare.

Das Buch ist in D als Nachdruck erschienen, einmal 1965, dann 1997.
Ich habe das Taschenbuch der 6. Auflage vorliegen aus Dezember 2011.
Zerreißt einem das Herz, Troy, aber vergleichbar, übertragbar, ableitbar wenn auch nur im Ansatz als Erklärung...?
Es muss andere Gründe geben und ich danke für den Hinweis mit der geringen Wahlbeteiligung, denn dann bekommt so ein Ergebnis eben auch eine andere Relation...

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Pedder vonne Emscher
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Pedder vonne Emscher »

Kaluschke hat geschrieben:
10.06.2024, 11:26
In dem Wahlbezirk sind nur 206 von 843 Berechtigten zur Wahl gegangen. Das entspricht einer Beteiligung von 24,44%.
Der Wahlbezirk ist flächenmäßig gar nicht so groß. Warum gehen da über 600 Menschen die maximal 4-500 Meter laufen müssen
nicht zur Wahl?
Ob da über 600 Menschen nicht wählen gegangen sind, kann man so nicht sagen. Die Zahl der Briefwähler ist bei den 206 Stimmen nicht berücksichtigt. Ich wohne selbst in einem der 3 Stimmbezirke im Brömm und habe Briefwahl gemacht.
Künstliche Intelligenz ist überall da gefragt wo es an natürlicher Intelligenz mangelt

Kaluschke
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Kaluschke »

Pedder vonne Emscher hat geschrieben:
10.06.2024, 12:39
Kaluschke hat geschrieben:
10.06.2024, 11:26
In dem Wahlbezirk sind nur 206 von 843 Berechtigten zur Wahl gegangen. Das entspricht einer Beteiligung von 24,44%.
Der Wahlbezirk ist flächenmäßig gar nicht so groß. Warum gehen da über 600 Menschen die maximal 4-500 Meter laufen müssen
nicht zur Wahl?
Ob da über 600 Menschen nicht wählen gegangen sind, kann man so nicht sagen. Die Zahl der Briefwähler ist bei den 206 Stimmen nicht berücksichtigt. Ich wohne selbst in einem der 3 Stimmbezirke im Brömm und habe Briefwahl gemacht.
Hallo Pedder,
ich gebe dir da vollkommen Recht. Habe nach deinem Hinweis mal in verschiedene der 53 Briefwahlbezirke hineingeklickt.
Da sind in jedem Bezirk noch einige hundert Stimmen abgegeben worden. Hätte ich in dieser Größenordnung jetzt nicht erwartet.
Danke, dass Sie mir die Zeit genommen haben.

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Pedder vonne Emscher
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Pedder vonne Emscher »

Die Briefwähler machen bei der Wahlbeteilgung schon einiges aus. Wir hatten in der Kita Mehringstraße 351 Stimmabgaben im Wahllokal. Macht bei 840 Wahlberechtigten etwa 41 5 Wahlbeteiligung. Dazu kamen ca. 120 Briefwähler, was die Wahlbeteiligung auf ca. 56 % erhöht hat.

Allerdings halte auch ich die Wahlbeteiligung mit 206 Stimmabgaben in diesem Wahllokal im Brömm für sehr niedrig. Selbst wenn noch vielleicht 150 Briefwähler hinzukommen.
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architectus
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von architectus »

Pedder vonne Emscher hat geschrieben:
10.06.2024, 12:39
Kaluschke hat geschrieben:
10.06.2024, 11:26
In dem Wahlbezirk sind nur 206 von 843 Berechtigten zur Wahl gegangen. Das entspricht einer Beteiligung von 24,44%.
Der Wahlbezirk ist flächenmäßig gar nicht so groß. Warum gehen da über 600 Menschen die maximal 4-500 Meter laufen müssen
nicht zur Wahl?
Ob da über 600 Menschen nicht wählen gegangen sind, kann man so nicht sagen. Die Zahl der Briefwähler ist bei den 206 Stimmen nicht berücksichtigt. Ich wohne selbst in einem der 3 Stimmbezirke im Brömm und habe Briefwahl gemacht.
Danke für deinen Hinweis, hab`mir das mal angesehen, hätte ich so auch nicht erwartet...

Troy
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Troy »

Aktuell für die Do-it-yourself-Analyse zitiert die WAZ (10.06.2024) Frau Seli-Zacharias:
„Die Resonanz während des Wahlkampfes war überwältigend und auch der anhaltend hohe Zulauf von Neumitgliedern zeigt, dass die Gelsenkirchener sich eine ideologiefreie Politik für unsere Stadt wünschen“,...
„Selbstverständlich organisieren und bereiten wir uns intern sehr akribisch auf die zwei wichtigen Wahlen im kommenden Superwahljahr 2025 vor, die in Gelsenkirchen zu entscheidenden Veränderungen führen können und auch werden!“
So wird demnächst "akribisch" vorgegangen in der Gelsenkirchener Abteilung für folgenschweres Denken.
Und in zunehmender historischer Bewusstlosigkeit skandiert das Volk:
"...wird man doch wohl sagen dürfen:
Ideologiefrei? Ganz meine Meinung.
Veränderungen in GE? Super, bin ich dabei!"
Weitere Vernebelungen des Hirns nicht ausgeschlossen.

Auch wenn der Krah jetzt bei der EU rausgeworfen wurde: Nazi-Gedankengut gehört zu den nachwachsenden (Ver)Rohstoffen.
Parteigröße ist offenbar nicht wichtig, guter Boden ist wichtig.

In 90 Jahren heißt es dann wieder: "Wir ham doch alle nix gewusst."
Im Entnazifizierungsverfahren des Dirigenten Furtwängler fragt 1946 der untersuchende US-Offizier:
"Warum mussten die Juden gerettet werden, wenn keiner was gewusste hat?"
Zitat aus dem US-Film "Taking Sides", 2001

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gollo
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von gollo »

Troy hat geschrieben:
10.06.2024, 16:24
In 90 Jahren heißt es dann wieder: "Wir ham doch alle nix gewusst."
Hat Mama auch gesagt!
"Das warn alles nur die Anderen".
Déjà-vu für Generationen...
Und wir?
Es ist keine Schande nicht zu wissen, aber es ist eine Schande nichts zu lernen.
Kurt A. Körber

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Westfale
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Westfale »

Mich wundert, dass über das einschneidenste Gelsenkirchener Wahlergebnis noch überhaupt keine Stellungnahme abgegeben wurde.
In der einstigen sozialdemokratischen Hochburg wurde die SPD sowohl von der CDU, als auch von der AfD überholt und landet nur noch auf Rang 3.
Hier die Rangfolge
1 CDU 23,5% +3,9% gegenüber 2019
2 AfD 21,7% +5,3%
3 SPD 21,5% -4,2%
4 Grüne 7,2% -7,9%
5 BSW 4,9% +4,9%
Mich persönlich wundert, dass die Grünen mit einer Halbierung davon gekommen sind.
westfale
Aus der Hochstraße darf keine Bahnhofstraße 2.0 werden.

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Minchen
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Minchen »

Gelsenkirchen ist da aber keine Ausnahme, im Gegenteil. SPD-Hochburgen gab es früher zuhauf. Die Ausnahme ist hier Herne, die einzige Stadt in NRW, wo die SPD gewinnen konnte (0,2 Prozent-punkte, 102 Stimmen mehr als die CDU!).

Dazu kommen noch Bremen/Bremerhaven und Emden.

Das ist alles.

Ansonsten ist im Westen fast alles schwarz bis auf ein paar grüne Punkte, im Osten fast alles blau.
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.
(Shakespeare, König Lear)

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Mechtenbergkraxler
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Minchen hat geschrieben:
11.06.2024, 09:10

Ansonsten ist im Westen fast alles schwarz bis auf ein paar grüne Punkte, im Osten fast alles blau.
Womit - auch wenn Freund Matz das nicht wahrhaben will - bewiesen wäre, dass die Leute im Staatsgebiet der ehemaligen DDR einfach anders ticken. Die waren es gewohnt und wussten es zu schätzen, dass es nur 1 Meinung im Staat gab und dass jeder Wohnung und Arbeitsplatz hatte - egal ob faul oder fleißig. Und das einzige, was dort ein Störgefühl erzeugt hatte, war der deutlich höhere Wohlstand bei uns im Westen. Deswegen ja auch der Wunsch nach Anschluss an die BRD. Da sich diese Differenz aber bedauerlicherweise immer noch nicht deutlich verbessert hat, wählt man eben diejenigen, die gleichen Wohlstand versprechen, koste es, was es wolle. Und die Farben auf der Wahllandkarte geben diese unterschiedlichen Mentalitäten und Sozialisierungen diesmal sogar geradezu perfekt wieder: Sie ist wieder da, die gute alte DDR. Kurz: Es hat sich nichts geändert.

Doch zugegeben, da wo auch über den Stadt-/Ortsrand neidisch auf wohlhabendere Gegenden geblickt wird oder eine diffuse "Abstiegsangst" vorliegt, da wird es halt auch schon mal blau.

MK
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

architectus
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von architectus »

Westfale hat geschrieben:
11.06.2024, 00:37
Mich wundert, dass über das einschneidenste Gelsenkirchener Wahlergebnis noch überhaupt keine Stellungnahme abgegeben wurde.
In der einstigen sozialdemokratischen Hochburg wurde die SPD sowohl von der CDU, als auch von der AfD überholt und landet nur noch auf Rang 3.
Hier die Rangfolge
1 CDU 23,5% +3,9% gegenüber 2019
2 AfD 21,7% +5,3%
3 SPD 21,5% -4,2%
4 Grüne 7,2% -7,9%
5 BSW 4,9% +4,9%
Mich persönlich wundert, dass die Grünen mit einer Halbierung davon gekommen sind.
westfale
Was soll man denn auch dazu sagen, wenn man so abschmiert ?
Der SPD nehmen die Leute übel, dass sie keine SPD mehr ist, jedenfalls nicht die, welche sich um Belange der Arbeitnehmer gekümmert hat.

Was mich umtreibt, ist die Tatsache, dass diese Ampel neben zahlreichen diesem Land schadenden Beschlüssen und Gesetzen auch beschlossen hat, die Einbürgerung zu vereinfachen, ja, zu beschleunigen.

Jetzt schon nach drei Jahren möglich, über die Modalitäten und Betrugsvorgänge in jüngster Vergangenheit schreibe ich nicht, mich interessiert lediglich die Vereinfachung der Einbürgerung auf drei Jahre und damit der anstehenden Wahlberechtigung, sowie deren Auswirkung.
Die Grünen haben das Wahlrecht mit Unterstützung der SPD auf 16 Jahre bei der EU Wahl gedrückt, die haben sich Stimmen erhofft, das Gegenteil ist passiert, Jugend hat offensichtlich nicht Grün, sondern AFD und CDU gewählt, wer hätte das gedacht und auch die SPD ist dabei nicht überragend weggekommen.

Was glaubst du, wird sich dann entwickeln,wenn die andere Taktik der beschleunigten Einbürgerung greift ?
Als jemand, der Fantasie bei Mord am Dom gezeigt hat, wirst du doch sicher auch zu so einer Entwicklung deine Vorstellungen haben..?..

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Minchen
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Re: Europawahl 2024

Beitrag von Minchen »

Ich denke, bei der Bundestagswahl wird sich der Trend zur AfD weiter verstärken, auch im Westen.

Bei der EU-Wahl jetzt musste man auf mögliche Koalitionen keine Rücksicht nehmen.

Bei der nächsten Wahl wird das aber anders sein. Da die CDU an der selbsterrichteten Brandmauer festhalten will, werden SPD und/oder Grüne auf jeden Fall in der nächsten Regierung sein.

Wähler, die eine konservative Politik wünschen und sich grundsätzlich vorstellen könnten, die CDU zu wählen, SPD und/oder Grüne aber auf keinen Fall wollen, sind daher praktisch gezwungen, die AfD zu wählen.

Vielleicht fällt der CDU dieses Dilemma ja noch rechtzeitig auf.
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

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Re: Europawahl 2024

Beitrag von knut »


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