Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

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Lechte
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von Lechte »

Kann mir mal jemand erklären, warum immer prozentuale Erhöhungen gefordert werden und nicht Festbeträge für jeden. So wird die Schere zwischen arm und reich immer breiter.

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heen
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von heen »

Schau mal auf das Transparent im Bild. Da steht "10,5%, mind. 500 € mehr." Das bedeutet, dass dadurch besonders die Einkommensgruppen gefördert werden, die mit einer prozentualen Lohnerhöhung von 10,5% nicht auf 500,- EUR mehr kommen. Die Einkommensschere eben nicht weiter geöffnet, sondern etwas geschlossen.
Bei der Post ist es (im Moment) etwas anders, dort ist das Lohngefüge enger gestaffelt und es kann eine reine prozentuale Tarifrunde verhandelt werden.

romeospider
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von romeospider »

... es ist ja nur eine e i n f a c h e Prozentrechnung, aber der Sockelbetrag verwirrt doch viele Geister. Der Sockelbetrag lässt die bisherigen Abstände bis zum Sockelbetrag bestehen. Darüber hinaus geht die Schere weiter auseinander. Einfach einmal ein paar Rechenbeispiele aufschreiben.
Eine Verteuerung der Lebenshaltungskosten von z.B. 10% trifft einen Menschen
mit einem Bruttoeinkommen von 2500,00 erheblich stärker, ja existenzieller, als einen Menschen mit einem Bruttoeinkommen von 3500,00. Guten Abend!
Wer lobt ist mächtig. Wer gelobt wird ist schwach. Wer gelobt werden möchte ist ein Sklave.

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heen
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von heen »

Es meint auch nicht 500 Eur plus 10,5% wie schon einige Helden meinten.

@ romeospider
Das die höheren Lohngruppen auch mehr Lohn wollen / brauchen ist aber auch richtig. Der Abstand bleibt bestehen aber die Schere schließt sich bei solchen Forderungen. Dazu kommt noch die Verteilung von Mitarbeitern im niedrigen und im hohen Lohnniveau. Die 10,5 % in den hohen Lohngruppen schmerzen den Arbeitgeber wenig, dass Problem ist die Masse in den eher niedrigen Lohngruppen. Zudem ist es aus Sicht der Gewerkschaften wichtig, auch die hohen Gruppen zu fördern, damit, wegen der Lohnschere, die Forderungen für die niedrigen Gruppen auch in Zukunft besser gesteuert werden können.

architectus
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von architectus »

Gleicher Lohn für alle ?
Wird natürlich nicht funktionieren, mehr Lohn wird in der Regel durch Mehrarbeit generiert, höheres Einkommen durch Ausbildung.
Wenn man sich allerdings die Behördenstruktur ansieht und das, was an Leistung generiert wird, kommen natürlich Zweifel.
Technische Bereiche sind durchweg mit Mitarbeitern bestückt, die sich Ing. oder Dipl.-Ing. nennen oder eben Neuzeitlich Bach. oder Mast. Wie auch immer, wenn es um Leistung geht, ist man doch immer wieder erstaunt, dass sog. externer Sachverstand eingeholt wird, wenn es denn um Planungsarbeit schon im geringsten Bereich geht.

Selbst diese kleine Fläche, die ja nun das Tor zur Bochumer bilden soll, selbst die wurde damit betraut,mit ext. Planern, gleichwohl war das Grünflächenamt beteiligt und die haben nunmal Leute, die das können und sich trotzdem die Arbeit durch Fremdvergabe erleichtern, bezahlt wird es von uns, das sind auch wir, wenn es um Landesförderung geht, glauben manche nicht.. :?

Wenn Leistung nicht mehr abgerufen werden kann, wenn man sich ständig auch bei Entwürfen zum Neubau Externer bedient, dann muss man sich fragen, ob sich eine Stadt nicht überwiegend freimachen kann von hochbezahlten Stellen , die besetzt sind, die das von der Ausbildung her leisten müssten es aber nicht tun, um weniger Hochbezahlte zu stützen, denn die arbeiten noch für das Geld.

Wir hatten in diesem Land einmal eine Inflation in den Zwanziger Jahren, da kostete ein Dollar etwa eine Billion, da wurde das Geld gewogen, davon sind wir weit entfernt, aber Behörde muss nunmal ein Balancing zwischen Bezahlung, Ausbildung und Leistung schaffen, das gehört auch zu den Aufgaben, nämlich einen Strukturwandel zur Haushaltsbelastung durch kontolliertere Personalausgaben, denn wir werden mit dieser schleichenden Inflation noch Jahre leben müssen und Arbeitnehmer brauchen das Geld, brauchen abweichend vom Prozentzahlen die Sockelbetragserhöhung.

Jetzt muss ich aufhören, sehe gerade wieder das seit 5 Jahren stehende Gerüst mit den flatternden Lappen am Rathaus, irgendwie Sinnbild für das Geschriebene, ja, ja ich weiß, Sicherung :D ...kostet Monat für Monat und nichts bewegt sich...

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awg
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von awg »

architectus hat geschrieben:
17.03.2023, 10:44
freimachen kann von hochbezahlten Stellen
Die Gehälter für Dipl.Ing. im öffentlichen Dienst sind, im Vergleich zur freien Wirtschaft, gering (zwischen 45 T€ und 67 T€ p.a.). Daher dürften da auch nicht die "Spitzenkräfte" des jeweiligen Gewerkes tätig sein. Zudem sind die Ämter personell weit ausgedünnt und somit kaum in der Lage umfangreiche Planungen durchzuführen.
Carpe Diem - nutze (lebe) den Tag .... und liebe das Leben
ich würde mich ja gerne geistig mit Ihnen duellieren, aber ich sehe Sie sind unbewaffnet

architectus
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Re: Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2023

Beitrag von architectus »

awg hat geschrieben:
17.03.2023, 12:41
architectus hat geschrieben:
17.03.2023, 10:44
freimachen kann von hochbezahlten Stellen
Die Gehälter für Dipl.Ing. im öffentlichen Dienst sind, im Vergleich zur freien Wirtschaft, gering (zwischen 45 T€ und 67 T€ p.a.). Daher dürften da auch nicht die "Spitzenkräfte" des jeweiligen Gewerkes tätig sein. Zudem sind die Ämter personell weit ausgedünnt und somit kaum in der Lage umfangreiche Planungen durchzuführen.
Ich lass das mal so stehen, ist sicher was dran, allerdings sind meine Erfahrungen mit Gehältern außerhalb des Öffentlichen etwas anders und Büros im mittleren Segment unterschreiten die zum Teil .
Aber die Kernfrage zu der Besetzung der Stellen lautet doch immer, was wird in einer Stadt noch bewegt, wenn keine Neubauten mehr erstellt werden, wozu hält man dann die Leute vor, die für so etwas eingestellt worden sind ?
Stellenpläne sind so zäh wie Honig und seitdem die Verwaltungsspitze von Politik mit übernommen wurde und die OSTD der Vergangenheit, die sich noch um so etwas gekümmert haben nicht mehr da sind, führt Verwaltung ein Eigenleben und wird Korrekturen von selbst nicht durchführen.
Insofern auch bei allem was in dieser Stadt geschieht oder auch nicht geschieht, auch das ist ein Aufgabengebiet zum Ausgleich der Forderungen der Arbeitnehmer, macht jede Wirtschaftsorganisation , Arbeitsstrukturüberprüfung am Bedarf ist ein Muss, Verwaltungsleute werden das natürlich ganz anders sehen, aber die Kosten zu bewältigen ist jetzt Aufgabe der Politik und da wird man letztlich nicht dran vorbei kommen.

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