Gelsenkirchener und ihre Wurzeln im (ehem.) deutschen Osten

Gelsenkirchener blicken auf ihr Leben zurück und erzählen

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Troy
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Beitrag von Troy »

Minchen hat geschrieben:Aus der Tafel oben geht hervor, dass von 1880 bis 1904 insgesamt 20.000 Ostpreußen nach Gelsenkirchen zogen, davon etwa 17.000 aus dem Reg.Bez. Allenstein - darunter auch meine Uroma und mein Uropa. Sicherlich waren das hauptsächlich junge Leute aus den Landgemeinden.

Die müssen dann doch in der Landwirtschaft gefehlt haben. Der Traktor war ja noch nicht erfunden - da kam es doch auf jeden einzelnen an, oder nicht?

Weiß jemand etwas darüber?
Ein Kennzeichen der Arbeitsmigration damals war ja in vielen Fällen die "Saisonarbeit" - sommers auf dem heimatlichen Acker, winters in Westfalen - als Kostgänger.

Man könnte also auch andersherum fragen:
Wie kam die aufstrebende Industrie im oben genannten Zeitraum und später damit zurecht, wenn etliche Wanderarbeiter pünktlich wie "im Märzen der Bauer" wieder zurück fuhren, um den z.B. elterlichen oder auch eigenen Hof wie üblich zu bewirtschaften?

Oder man könnte fragen:
Ab wann wurde das weniger, bzw. hörte das mal ganz auf?

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Minchen
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Beitrag von Minchen »

Sicherlich waren die jungen Leute, die in andere Gegenden Deutschlands gingen, aus anderem Holz geschnitzt als die, die gleich nach Amerika oder Australien auswanderten. Sie konnten mehrere Vorteile verbinden: endlich raus aus der Armut der Landgemeinden, aus der sozialen Kontrolle der Dorfgemeinschaften, aber ohne die Heimat, auch die Verwandten und Freunde, für immer aufgeben zu müssen.

Aus einem anderen Forum habe ich erfahren, dass es ein reges Hin und Her zwischen den Ostgebieten und den neuen wirtschaftlichen Zentren Deutschlands gab.

Im zweiten Weltkrieg ging auch meine Uroma mit ihren vier Kindern aus Gelsenkirchen zurück nach Bogdainen zu ihren Eltern. Fand sie wohl sicherer.
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.
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Minchen
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Beitrag von Minchen »

Pedder vonne Emscher hat geschrieben:..
Du kannst die Taufeinträge zurück bis 1630 nachverfolgen.

http://www.meerwaldt-genealogie.nl/
Auf "Kerkboeken" gehen und dann die entsprechenden Seiten aufrufen.

Viel Erfolg! :wink:
Und das habe ich nun getan. Es hat ein paar Tage gedauert, hat aber ergeben, dass der älteste meiner Vorfahren, den ich darin ausmachen konnte, bereits 1637 in Petersdorf, Krs. Heilsberg geboren wurde. Er hieß Petrus Berent, getauft am 17.02.1637. Seine Eltern hießen Mechel und Euphemia.
Dieser Zweig meiner Vorfahren hat also mindestens 260 Jahre in demselben winzigen Dorf gewohnt - es hatte etwa 200 Einwohner. Wovon sie da gelebt haben, weiß ich nicht, vermutlich waren sie in der Landwirtschaft tätig. Die Taufeinträge geben da nichts her, da kann man froh sein, wenn der Mädchenname der Mutter genannt ist.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Nachfahren dieser Leute dann nach Gelsenkirchen. Und da sind wir nun! :D
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brucki
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Beitrag von brucki »

Minchen hat geschrieben:Dieser Zweig meiner Vorfahren hat also mindestens 260 Jahre in demselben winzigen Dorf gewohnt - es hatte etwa 200 Einwohner.
Wie erstaunlich!

Meine Ahnen aus Pommern wechselten ihren Wohnort zumindest in ein Nachbardorf, einmal sogar ca. 150 km ostwärts. Bei diesen kleinen Dörfern wirklich eine Kunst ortstreu zu bleiben.

Ansonsten sieht es von oben aus wie wahrscheinlich in der Heimat der allermeisten Ahnen: Seen, Wald und viel Gegend:

https://www.google.de/maps/place/Piotro ... a=!3m1!1e3 !4m5!3m4!1s0x46e291e3df54fc53:0xa5188c9720466f9b!8m2!3d54.023469!4d20.2381067
Zuletzt geändert von brucki am 14.02.2017, 16:06, insgesamt 1-mal geändert.

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Minchen
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Beitrag von Minchen »

Ja, viel los ist da nicht - aber im Gegensatz zu uns haben sie Streetview! :wink:
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Pedder vonne Emscher
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Beitrag von Pedder vonne Emscher »

Die gemeinen Bewohner in Ostpreußen waren Instleute, Eigenkätner, Handwerker. Abhängig von den Gutsbesitzern und Adeligen.

http://www.ostpreussen.de/uploads/media ... eussen.pdf

Hier gibt es eine pdf-Datei über das Landleben in Ostpreußen. Es gibt sicher noch viele andere Links. Einfach mal googlen.
Minchen hat geschrieben:Ja, viel los ist da nicht - aber im Gegensatz zu uns haben sie Streetview!
Als Deine Vorfahren dort gelebt haben, hätten sie mit Streetview nix anfangen können. Um auf eine Anekdote einer Schülerin zurückzukommen, "wie haben die damals ohne Handy überlebt?"

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Dieter
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Essen

Beitrag von Dieter »

Hallo Minchen,

für Essen versuch mal http://www.fazit-essen.de/ die haben fast alles

Gruß Dieter
Wer fragt, ist ein Narr für fünf Minuten, wer nicht fragt, bleibt ein Narr sein Leben lang.

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Minchen
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Beitrag von Minchen »

Pedder vonne Emscher hat geschrieben:Die gemeinen Bewohner in Ostpreußen waren Instleute, Eigenkätner, Handwerker. Abhängig von den Gutsbesitzern und Adeligen.

http://www.ostpreussen.de/uploads/media ... eussen.pdf

Hier gibt es eine pdf-Datei über das Landleben in Ostpreußen. Es gibt sicher noch viele andere Links. Einfach mal googlen.
Minchen hat geschrieben:Ja, viel los ist da nicht - aber im Gegensatz zu uns haben sie Streetview!
Als Deine Vorfahren dort gelebt haben, hätten sie mit Streetview nix anfangen können. Um auf eine Anekdote einer Schülerin zurückzukommen, "wie haben die damals ohne Handy überlebt?"
Danke, die pdf-Datei habe ich mir ausgedruckt. :)
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Minchen
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Re: Essen

Beitrag von Minchen »

Dieter hat geschrieben:Hallo Minchen,

für Essen versuch mal http://www.fazit-essen.de/ die haben fast alles

Gruß Dieter
Danke, durchstöbere ich heute Abend! :)
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Minchen
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Beitrag von Minchen »

Bild
Ein Ausschnitt aus der Heiratsurkunde meiner Ururgroßeltern. Kann bitte jemand für mich den letzten Satz entziffern?

Ich lese daraus
"Tochter der Eheleute Berginvalide ? ? Schmitz und Catharina geborene Hilger, beide wohnhaft zu Günnigfeld."
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Mechtenbergkraxler
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Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Minchen hat geschrieben: Ein Ausschnitt aus der Heiratsurkunde meiner Ururgroßeltern. Kann bitte jemand für mich den letzten Satz entziffern?

Ich lese daraus
"Tochter der Eheleute Berginvalide ? ? Schmitz und Catharina geborene Hilger, beide wohnhaft zu Günnigfeld."
ganz einfach Servatius Nikolaus

MK
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

Oliver Raitmayr
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Beitrag von Oliver Raitmayr »

Hat der Kraxler eine andere Vorlage?
Aber er hat wohl Recht, auch wenn die Hälfte des Servatius abgeschnitten ist.

Offen muss der "Berginvalide" bleiben, dafür reicht die Bildqualität nicht aus.

Gibt es dasselbe in scharf, Minchen?

Oliver Raitmayr
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Beitrag von Oliver Raitmayr »

Vielleicht steht da "Herzinvalide".

Und Nikolaus ist mit "C" geschrieben. "Nicolaus"

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Minchen
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Beitrag von Minchen »

Danke, Ihr beiden!
Schärfer habe ich es nicht hingekriegt, die Fotokopie ist total unscharf. :o

Ich einige mich also nun auf Berginvalide Servatius Nicolaus. Ob man damit das Geburtsdatum einkreisen kann? Eisheiliger Servatius?
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Karlheinz Rabas
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Beitrag von Karlheinz Rabas »

Berginvalide ist richtig und Servatius Nicolaus auch.
Karlheinz Rabas
Jeden Dienstag von 17.00 bis 19.00 Uhr sind
Besucher bei uns im Stadtteilarchiv Rotthausen, Mozartstraße 9, herzlich willkommen 10.000 Fotos zu Rotthausen und mehr

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