WAZ ist aus der WAZ geworden? - Stilblüten und Schlimmeres

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Josel
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Beitrag von Josel »

Ich bin manchmal über die Sprachlosigkeit der Autoren tief entsetzt. So heißt es z.B. gerade heute wieder in folgendem Online-Artikel, eine Konstruktion sei "eingekracht" (sic!).

http://www.derwesten.de/staedte/gelsenk ... 51243.html

Selbst ein Kind, das diese Beschreibung in seinem Grundschulaufsatz verwendet, würde ich darauf hinweisen, dass dieses Wort schon in der gesprochenen Sprache nicht wirklich schön ist, aber ganz bestimmt nichts in der Schriftsprache zu suchen hat.

J.
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Emscherbruch
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Re: Wenn man es eilig hat

Beitrag von Emscherbruch »

AlterMann hat geschrieben:Es mag jemand geben, der bei seinen Beiträgen noch kein Fehler gemacht; ich warne aber davor, sich einzubilden, daß ihm das nicht doch passieren könnte!
Das ist wohl wahr. Das Problem ist nicht kleinzureden, schon gar nicht durch die Behauptung, es grundsätzlich besser zu können.

Es gibt einige Branchen, die immer noch auf Lektoren oder besser "Korrekturleser" nicht verzichten, da langlebige Schriftstücke verfasst werden, die auch rechtliche Konsequenzen mit sich bringen. Dort ist die automatische Rechtschreibprüfung der Textverarbeitungsprogramme weiterhin nicht das einzige Prüfmittel. Es gibt Menschen, die den unbestechlichen Blick dafür haben, aus 1000 Seiten die einzigen beiden sprachlichen Fehler herauszupicken.

Zu Zeiten, da die Tageszeitung schon am übernächsten Tag nur noch zum Einwickeln von Fischen verwendet wurde und nur wenige Exemplare in den Archiven verschwanden, da hätte ich sogar ein gewisses Verständnis dafür aufgebracht, gerade beim Korrekturlesen zu sparen. Seit mehreren Jahren landet aber fast alles aus der Tagespresse im Internet und wird dort jahrelang konserviert und präsentiert. Das ist also ein Grund mehr dafür wieder Lektoren und Korrekturleser in den Redaktionen zu beschäftigen.

von waldbröl
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Beitrag von von waldbröl »

Manchmal sind diese Stilblüten ja witzig und ich muß herzlich drüber lachen.
Hab schon oft bei der WAZ angerufen und mit der Sekretärin vom O.S. gesprochen. Auf meine Frage nach Korrekturlesern bekam ich die Antwort, dass es die sehr wohl gäbe bzw. dass ein (e) Kollege (in) noch einmal liest.
Auf die Frage nach einem Rechtschreibprogramm mußte sie passen, gibt es nicht.

Ich rufe seit einiger Zeit nicht mehr an und schüttel jeden Morgen beim Lesen mit dem Kopf und schmunzel mir eins.

Wolle

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Sandra
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Beitrag von Sandra »

Oftmals zeigt die Wortwahl in den Texten keinen seriösen Journalismus. So las ich letztens, dass ein Arbeitnehmer in Bochum am Arbeitsplatz verstorben sei. Der Arbeitgeber wurde umgangssprachlich zum "Brötchengeber". So kann man sich unter Kumpel unterhalten aber nicht in einem Pressebericht.

Die Berichterstattung über Magaths Rausschmiss wurde zunächst mit Vermutungen und Behauptungen geführt. Die Schalker Fans waren so sauer, dass sie dem WAZ-Chef einen Brief schrieben und zu einem klärenden Gespräch eingeladen wurden. Vermutungsjournalismus ist für mich kein investigativer Journalismus.

Mir wurde gerade an einem Stand die WAZ angeboten. Meine Antwort war:"Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen aber die WAZ hat für mich leider nur noch Bildzeitungsniveau."

Es gibt noch gute Journalisten bei der WAZ aber ich glaube, in diesem Verlag läuft es nicht anders als in anderen Konzernen auch: Billiglöhner, Aushilfen und Praktikanten. So lesen sich manche Berichte.

Schade, dass es die Buersche Zeitung nicht mehr gibt......

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Josel hat geschrieben:Ich bin manchmal über die Sprachlosigkeit der Autoren tief entsetzt. So heißt es z.B. gerade heute wieder in folgendem Online-Artikel, eine Konstruktion sei "eingekracht" (sic!).

http://www.derwesten.de/staedte/gelsenk ... 51243.html

Selbst ein Kind, das diese Beschreibung in seinem Grundschulaufsatz verwendet, würde ich darauf hinweisen, dass dieses Wort schon in der gesprochenen Sprache nicht wirklich schön ist, aber ganz bestimmt nichts in der Schriftsprache zu suchen hat.

J.
@Josel: Immerhin bemüht sich der Autor um sprachliche Finesse. "Floriansjünger" liest man auch nicht jeden Tag. Dass Roland Adams vom Direktionsdienst der Gelsenkirchener "Wehr" sei, das halte ich aber für ein Gerücht. Ein "Wehr" ist etwas ganz anderes als eine Abkürzung für "nicht-ohne-Feuer-aber-mit-Wehr". Ich glaube, Gelsenkirchen hat überhaupt kein nennenswertes Wehr zu bieten.

Wie gehabt versagte aber die Rechtschreibprüfung.
Bei den Löschmaßnahmen in der ersten Stunden des Einsatzes erhielten die Feuerwehrleute aus Gelsenkirchen Unterstützung von ihren Kameraden aus Essen.
Was für eine Katastrophe für den Tennis-Club!

(Erst das Feuer und dann ...)
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Sandra hat geschrieben:Die Berichterstattung über Magaths Rausschmiss wurde zunächst mit Vermutungen und Behauptungen geführt. Die Schalker Fans waren so sauer, dass sie dem WAZ-Chef einen Brief schrieben und zu einem klärenden Gespräch eingeladen wurden. Vermutungsjournalismus ist für mich kein investigativer Journalismus.
Ich erinnere mich. Meine Umgebung litt einen ganzen Tag lang unter meiner schlechten Laune, nachdem ich jenen Kommentar des Chefredakteurs gelesen hatte.
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 885#287885
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

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brucki
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Beitrag von brucki »

Josel hat geschrieben:Ich bin manchmal über die Sprachlosigkeit der Autoren tief entsetzt. So heißt es z.B. gerade heute wieder in folgendem Online-Artikel, eine Konstruktion sei "eingekracht" (sic!).

http://www.derwesten.de/staedte/gelsenk ... 51243.html

Selbst ein Kind, das diese Beschreibung in seinem Grundschulaufsatz verwendet, würde ich darauf hinweisen, dass dieses Wort schon in der gesprochenen Sprache nicht wirklich schön ist, aber ganz bestimmt nichts in der Schriftsprache zu suchen hat.

J.
Aber er schrob ja immerhin

In der Nacht seien dann auch große Teile der Konstruktion eingekracht.

Vielleicht so in der Art Nacherzähklung der Worte des Roland Adamas (davor und dahinter stehen Zitate des Herrn) :roll:

So in der Art
Dr. Schmitz: "Frau Müller ist mit dem Kopf gegen den Tisch geknallt."
--> Der Journalist über sein Gespräch mit Dr. Schmitz: Frau Müller sei mit dem Kopf gegen den Tisch geknallt.

Josel
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Beitrag von Josel »

@Brucki

Selbst dann würde man das doch Herrn Adams zuliebe "übersetzen", vor allem, wenn man es ohnehin in indirekter Rede wiedergibt.

Aber vermutlich sehe ich das zu streng.

J.
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Josel
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Beitrag von Josel »

Emscherbruch hat geschrieben:@Josel: Immerhin bemüht sich der Autor um sprachliche Finesse. "Floriansjünger" liest man auch nicht jeden Tag.
;-)

Wobei dieser komische Synonym-Hype auch in Blättern wie der F.A.Z. betrieben wird. Wer hat wohl das Gerücht in die Welt gesetzt, dass die Leser in Scharen davonlaufen, wenn sie dreimal hintereinander "Feuerwehrmann" lesen? :roll:

Meine These: Das kommt von dem Fußballreportern, die auf Kommando gefühlte tausend Synonyme für das Wort "Ball" herunterbeten können. Diese "Sportreporter-Synonymitis" hat uns im Übrigen auch so schöne Wendungen wie "der 16jährige Leimener" eingebracht...

@Alter Mann: Du hast mit Deinem Einwand völlig recht! Ganz am Anfang dieses Forums gab es mal Überlegungen, alle Rechtschreibfehler zu korrigieren. Das war natürlich eine völlig absurde Idee. Im gesamten Forum gibt es nicht einen einzigen Autoren, dem ich zutrauen würde, alle Zweifelsfälle der deutschen Sprache in annehmbarer Zeit annähernd zu lösen (Wie schreibt man eigentlich z.B. korrekt "16jährig"?). Deshalb würde ich mich auch nie beschweren, wenn solche Dinge in der Zeitung durchgehen.

Aber das ist es eben nicht allein. Da ist z.B. ganz selbstverständlich die Rede von "Infos", die gegeben werden (wie früher am AStA-Tapeziertisch); da werden Menschen statt Orte evakuiert usw. Darin äußern sich für mein Empfinden handwerkliche Gleichgültigkeiten, die man sich in anderen Berufen nicht erlauben könnte.

Und wer will dann wirklich lamentieren, wenn es bei auch bei unsern Kindern sprachlich hakt? Es steht ja auch so in der Zeitung...


J.
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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Achtung Satire!
Wo Josel was von "übersetzen" schrieb. Vielleicht war der O-Ton vor Ort folgender und wir lasen bereits die Übersetzung?

"Ey, weg da! Da kommt grad dat zwannigste Rohr angelaufen. Ja Duuu. Du stehs im Weg! Geh anne Saite! Machma n Saitensprung! - Geht doch.

Wat willse eigentlich hier? Ach so, soll wat inne Zeitung. Wat willsse denn wissen? - Wie, weiße aunich?

Watte ma. Schreib: Datt brennt hier wie Hulle. Nix mehr zu machen. Zusammengekracht. Zack. Fettig.

Wie meinsse dat mit den Florian? Ach so. Ja, wir werden alle nicht jünger.

Kumma, Rauchnester gibbet immer noch. Kann man am Qualm sehen. Müssen wa noch Wasser draufkippen. Watte ma...
Wer von euch macht dat? Du, Werner? Weeehrner! - Der hört nich. Is auch egal.

Wie teuer dat wird? Schreib: wird sehr teuer. Wir verstehn uns? Nich billig - richtig teuer!

Wieviel Leute von uns anne Rohre stehen? Alle. Auch die Unfreiwilligen sind da. Jau. Alle. Schreib: Alle. Sogar ich. Schon die ganze Nacht auffe Beine. Is wie damals, als unser Kleinster auffe Welt kam. Da musstich auch jede Nacht mit ihm rumrennen und ...

Wat genau kaputt is? Ja watt weiß ich? Tennisspielen is im Moment bissken schwierig. Zumindest für zum nachher zusammensitzen is im Moment zu heiß. Siehsse doch!

Jau, ich muss jetzt wieder. Machs gut bis die Tage.

Und schreib den Namen von mich nich wieder falsch wie beim letzten mal. Ich heiß nich Evas ..."



OK, ist unwahrscheinlich. :wink:
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

Troy
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Beitrag von Troy »

"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..." :klugscheisser:

Klugscheissmodus an:
11.500 Begriffe sind im Dudenverlag erschienen unter:
"Das Grundschulwörterbuch" - plus Wortschatzliste: "Sag es besser!".
Allein für das Wort "denken" sind dort 8 Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.
Das lässt hoffen - solche Bücher lassen sich auch steuerlich als Fachliteratur unter Werbungskosten absetzen. :wink:
Klugscheissmodus aus

PS: bin übrigens bekennend teilzeit-rechtschreibschwach-und-tippfehlerreich...

AlterMann
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Beitrag von AlterMann »

@ Emscherbruch!
Emscherbruch hat geschrieben:Es gibt Menschen, die den unbestechlichen Blick dafür haben, aus 1000 Seiten die einzigen beiden sprachlichen Fehler herauszupicken
oder auf dem Teller das einzige Haar zu entdecken, das in den Regimentskochtopf geraten ist!

Was der Bundesanwalt über den schießwütigen Menschen auf dem Frankfurter Flugplatz berichtet hat, weiß ich bis heute nicht, aber seine Ausdrucksweise: " . . . unter dem Vorwand einer Zigarette" hat mir jedesmal Freude bereitet, so oft er sie wiederholt hat, und er hat sie oft wiederholt (nicht er, sondern das Fernsehen!).


@ Josel!
Die "evakuierten Menschen" amüsieren mich auch schon längere Zeit – sie müßten eigentlich völlig platt sein!
Im Augenblick beobachte ich die Entwicklung des Wortes "Entgelt" (Betontes ist unterstrichen).
Immer öfter hört man "Entgelt", so wie in "Endlager".
Man sollte die Nachrichtensprecher fragen, wie sie "Ent" schreiben! (mittlerweile sicher mit "d"!)
Die Jüngeren von uns werden es vielleicht noch erleben, daß auch "gelt" mit "d" geschrieben wird: "Endgeld".
Das wäre dann so etwas wie das Schlußgehalt eines Beamten! (???)

Archäologen hatten im Rheinland ein "Königsgrab" gefunden.
In einem Film, nicht in einer schnell zusammengebastelten Nachrichtensendung, wollte ein Professor klarstellen, daß wir uns in diesem Zusammenhang keinen Märchenbuchkönig mit Schloß und Hofstaat vorstellen sollten, sonder eher einen Stammesoberen.
Er begann mit den Worten: "Königsgräber sind Menschen . . ."
am

von waldbröl
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Beitrag von von waldbröl »

Den dicksten Knaller hab ich mal in einer Todesanzeige in der WAZ gelesen. Da stand : Die Trauerfeier findet in der"Turnhalle" des Südfriedhofes statt.

Wolle

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Mutti hat Spaß denkt Vati hat geschrieben:
Die hilflos anmutenden Versuche, einen Leserbeirat zu etablieren, der für Leserinteressen eintritt, war genau so eine Luftnummer wie der Stilwandel, den einige hier mit der Formulierungsfreude der BILD verwechseln, der aber auf der Prosa eines Hellmuth K. ("Der Spiegel") basiert.
Am 31. März trifft sich der "hilflos anmutende Versuch". Sprich der Leserrat! Da ich eines der "Versuchkaninchen" bin, was die WAZ versucht zu "ethablieren" und die Sache sehr ernst nehme, werde ich die Redaktion auf diesen Fred aufmerksam machen!

Allersdings gebe ich zu, dass einige Aspekte, die hier genannt werden, vom Leserrat angesprochen wurden. Und als Mitglied des Leserrates halte ich mit meiner Kritik nicht hinterm Berg. Dafür bin ich schließlich da. :wink:

Ich zahle schließlich für mein Abo, deswegen habe ich mich gemeldet, als der Aufruf zum Leserrat kam und habe mich beworben!

Ich habe allerdings auch ein wenig Verständnis für die Redakteure vor Ort.
Sie stehen unter Druck und die Personaldecke ist nicht mehr so üppig. Die Bedingungen haben sich in - sagen wir mal - 20 Jahren stetig verschlechtert. Die Redakteure haben kaum noch Zeit intensiv zu recherchieren.
Wobei ich die Fehler, die Emscherbruch aufgelistet hat, nicht entschuldigen möchte.

Doro

Distanz
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Beitrag von Distanz »

Zum Geschirr einwickeln für einen Umzug, ist die WAZ jedoch sehr gut geeignet :fies:

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