Stadtchronik 1964

Auszüge aus den von 1936 bis 1978 maschinenschriftlich geführten Chroniken der Stadt Gelsenkirchen

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heen
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Stadtchronik 1964

Beitrag von heen »

Das 1. Quartal im Jahr 1964 fing an mit Glatteis und Nachasyl für Holländer. Zum Glück konnten sie ihre Lieben daheim direkt per Telefon erreichen.
Koreanische Bergarbeiter gründeten einen Verein für koreanische Bergarbeiter und ein Schiedsrichter pfiff sein 1000. Spiel.
Häuser wurden abgerissen, Krawatten Bauer war nicht mehr Krawatten Bauer, Nebel wabberte durch die Stadt aber man brauchte sich nicht mehr zu sehen, es gab Funkanlagen.
Dann der Presseball, bis 5 Uhr(!) musste die Kapelle spielen.
Da wundert es einen nicht, dass die Presse so wirres Zeug wie, unterirdische Straßenbahn, Abriss von Post und Bahnhof, usw., für wahr nahm.
Nach den Selbstbedienungsläden kamen ein Selbstbedienungs-Waschsalon und Minitaxis in Rennen.
Kapellmeister Nagel spielte vor wenig Publikum, der Rest war beim Ostermarsch.
Alles von hier:https://www.gelsenkirchen.de/de/bildung ... 1964_1.pdf (PDF, 50 MB)
Stadtchronik 1964 hat geschrieben: Sonntag, den 5. Januar 1964
Plötzlich auftretenes Glatteis hatte starke Störungen im Straßenverkehr zur Folge. Die meisten Buslinien im Stadtverkehr lagen vorübergehend still. Auf der Autobahn gab es mehrere Kettenreaktionen. Eine Gesellschaft aus Holland suchte wegen der Fahrbahnglätte in Buer Nachquartier. Der Städt. Fuhrpark hatte "Großalarm" für seine Streukolonnen.

Freitag, den 10. Januar 1964
Das Fernmeldeamt Recklinghausen bezog Gelsenkirchen in den Selbstwählferndienst mit Österreich ein. Damit bestand von Gelsenkirchen aus jetzt Selbstwählverkehr mit folgenden Ländern: Österreich, Schweiz, Niederlande und Belgien sowie nach einer Wählzone um Paris.

Samstag, den 11. Januar 1964
Das Städt. Fuhr- und Reinigungsamt, das am 6. Januar mit dem Abtransport von "Weihnachtsbäumen" begonnen hatte, schaffte mit zwei Lastkraftwagen, die sonst zur Entrümpelung dienten, bis zu diesem Tage rund 30.000 Bäume fort.

Sonntag, den 12. Januar 1964
Die in Gelsenkirchen arbeitenden koreanischen Bergarbeiter, die im Wohnheim in der Braubauerschaft in Bismarck wohnten, gründeten einen "Verein koreanischer Bergarbeiter in Deutschland" mit Vorstand und allem, was dazugehörte.

Sonntag, den 12. Januar 1964
Der Berger See war über seine ganze Breite zugefroren und bot den vielen Schlittschuhläufern eine ideale Lauffläche. - Die Teiche im Stadtgarten, im Nienhausbusch und im von-Wedelstaedt-Park waren schon vorher zum Laufen Freigegeben worden.

Sonntag, den 12. Januar 1964
Fußballschiedsrichter Josef Stockhausen (Buer 07) leitete mit der Bezirksklassen-Begegnung zwischen Preußen Erle und der SG Maassen sein 1000 Spiel. Er war jetzt 48 Jahre alt.

Montag, den 13. Januar 1964
Das fast hundert Jahre alte Fachwerkhaus an der Ecke Schmalhorst- und Fürstenbergstraße in Horst, das nach der Verbreiterung der Industriestraße weit in die neue Fahrbahn hineinragte, wurde abgebrochen.

Dienstag, den 14. Januar 1964
Die Firma "Krawatten Bauer" änderte ihren Namen wegen des von der Krawatten- auf die Blusen- und Hemdenproduktion verschobenen Schwergewichts in "Albin-Bauer-Wäschefabrik" um.

Mittwoch, den 15. Januar 1964
Die Stadtwerke nahmen an verschiedenen Stellen aller drei Stadtteile Druckmessungen vor, um die Kapazität des Gasnetzes in der Gesamtstadt festzustellen. Die dabei ermittelten Werte wurden der Ruhrgas AG mitgeteilt, die nun von sich aus durch ein Elektronengehirn das Fassungsvermögen des Rohrnetzes feststellen ließ. Dadurch wurde eine sonst über Wochen gehende Ausrechnung auf wenige Stunden zusammengedrängt.

Freitag, den 17. Januar 1964
Für die 830 Türken und 9 Türkinnen, die in Gelsenkirchen als Gastarbeiter tätig waren - zum überwiegenden Teil im Bergbau - begann die vierwöchige Fastenzeit (Ramadan).

Sonntag, den 19. Januar 1964
In den beiden letzten Nächten herrschte im Raum Horst - Schalke - Heßler ein Nebel, wie man ihn in dieser Dichte seit Jahren nicht mehr erlebt hat.

Montag, den 20. Januar 1964
Die Bundesbahn rüstete ihren Rangierbahnhof auf den östlichen Gleisanlagen des Hauptbahnhofs mit einer Funkanlage aus. Dadurch wurde die Rangierarbeit wesentlich erleichtert und gesichert.

Mittwoch, den 22. Januar 1964
Im Alter von 82 Jahren starb im Marien-Hospital Buer Kaufmann Josef Weiser ... In Würdigung seiner Verdienste um die Stadt hatte ihm der Rat der Stadt am 17. September 1956 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Der Bundespräsident hatte ihn 1953 mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet, der Papst mit dem Orden "Pro ecclesia et pontifice".

Samstag, den 25. Januar 1964
Ehrenbürger Josef Weiser wurde auf dem Hauptfriedhof in Buer zur letzten Ruhe gebettet. Nach einem Seelenamt in der Propsteikirche St. Urbanus leitete ein unübersehbarer Trauerzug, wie ihn Buer seit Jahren nicht erlebt hatte, den Sarg über die Hochstraße zum Friedhof. ...

Sonntag, den 26. Januar 1964
Im Alter von 87 Jahren starb "Mutter Thiemeyer" vom Schalker Markt. ...

Dienstag, den 28. Januar 1964
Der Vorstand des Bürgervereins Horst befaßte sich mit Fragen des Straßenverkehrs. Um die schweren Tankfahrzeuge aus dem Straßenverkehr verschwinden zu lassen, schlug man vor, die Gelsenberg Benzin AG möge eine Pipeline von ihrem Werk bis zum Verkehrshof in Sutum legen, dort könnten dann die Tanker gefüllt werden.

Mittwoch, den 29. Januar 1964
Bei Straßenarbeiten an der Kaiserstraße (Einmündung Florastraße) zerriß ein Bagger ein 400 mm dickes Wasserroh. Große Mengen Wasser überschwemmten im Nu die Straße. Ein Arbeitstrupp des Wasserwerks war schnell zur Stelle und sperte mit Schiebern das Wasser ab.

Freitag, den 31. Januar 1964
Erstmals fand im Großen Haus der Städt. Bühnen der Gelsenkirchener Presse- und Bühnenball statt, ... Die Herren hatten sich mit Smoking und Frack der festlichen Kleidung der Damen angepaßt. ... Das große Foyer war mit Hilfe von Netzen und Kunststoff-Fischen in ein "Aquarium" verwandelt worden, während die Bühne dem Ballsaal aus einer Wiener Operette glich. Da die meisten Gäste auch am frühen Morgen noch nicht ans Nachhausegehen dachten, mußten die Kapellen noch eine Stunde länger als vorgesehen war, spielen: bis 5 Uhr! Der Ball war ein Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Stadt.

Dienstag, den 4. Februar 1964
In einer Pressekonferenz erläuterten Stadtrat Flöttmann und Städt. Baudirektor Scheel die geplante Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes. Die endgültige Konzeption sah die Verlagerung des Verkehrs in zwei Ebenen vor. Der neue Hauptbahnhof sollte östlich vom jetzigen Standort errichtet werden: weiter südlich sollte das neue Postgebäude erstehen, ein achtgeschossiger Bau mit dahinter liegenden einstöckigen Trakten für Paketdienst und Fernmeldeamt. Die Husemannstraße sollte am Kolpinghaus vorbei bogenförmig zum Bahnhofsvorplatz einkurven. Die über die Husemannstraße zum Bahnhof führende Straßenbahn sollte in Höhe der neuen Post unter die Erde gehen und eine Haltestelle unter einem dem Bahnhofsgebäude vorgelagerten Busbahnhof erhalten. Der Straßenbahnkörper sollte dann die Gleiskörper mit drei Bahnsteigen unterqueren und auf der Bochumer Straße wieder an die Oberfläche kommen. Zum Abbruch bestimmt waren außer dem jetzigen Hauptbahnhof und der Hauptpost das Hallenbad, der Gebäudekomplex mit dem Bahnhofshotel, das Hotel "Zur Post", die Häuser an der Vohwinkelstraße zwischen Bahnhofs- und Ringstraße sowie Teile der Neustadt im Bereich von der Mindener bis zur Peterstraße. Die Kosten wurden einsweilen auf rund 95 Mill. DM geschätzt. Auf dem Machensplatz sollte der jetzige Kreisverkehr durch eine großroßzügig gestaltete Kreuzung ersetzt werden. Das alte Rathaus, jetzt Polizeiamt, sollte einem Hochhaus weichen, in dem Gewerbeunternehmungen Platz finden sollten.

Dienstag, den 11. Februar 1964
Im Umspannwerk Bergmannsglück ereigneten sich nachts durch Schmutz-Ablagerungen auf Isolatoren Stromüberschläge mit Kurzschlüssen, so daß Teile des großen RWE-Verbundnetzes ausfielen. Nach Abschaltung der Anlage begann ein Störtrupp mit der Reinigung der Isolatoren. Dieselbe Störung war bereits einmal am 26. Januar aufgetreten und der Schmutz damals von der Feuerwehr beseitigt worden.

Freitag, den 14. Februar 1964
Der 1. Vorsitzende des FC Schalke 04, Dr. König, verhängte über die Lizenzspieler Koslowski und Berz eine Sperre bis zum 17. Februar. Er berief den Disziplinarausschuß ein, der sich mit dem Vorfall (die beiden Spieler hatten eine Privatfehde mit Fäusten ausgetragen) befassen sollte.

Montag, den 24. Februar 1964
Ein Constructa-Selbstbedienungs-Waschsalon mit Heißmangelbetrieb öffnete im Hause Görzhof 48 in Erle (Ecke Gartmannshof) seine Pforten.

Montag, den 24. Februar 1964
Einige Staatsanwälte, Richter und Amtsanwälte machten bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn vom Rathaus Buer aus Fahrten mit, um gewissermaßen einen "Führerschein"zu machen und sich im modernen Straßenbahnverkehr besser auszukennen.

Mittwoch, den 4. März 1964
Im Hause Hauptstraße 6 eröffneten Rolf und Gisela Zitz eine Gaststätte mit Imbißstube mit Spezialitäten in neuartigem Grillverfahren.

Donnerstag, den 12. März 1964
Bei einem Großbrand im Walde nördlich des neuen Weges in der Resser Mark bewahrte sich ein vor zwei Wochen angeschafftes Funksprechgerät der Städt.Berugsfeuerwehr. Unter Einsatz von fünf C-Rohren konnte die Wehr das Feuer auf einem 140 x 400 m großen, mit dürrem Gras und Strauchwerk bestandenen Land löschen, ehe die Flammen die durch das Gelände führenden Hochspannungskabel erreichten.

Donnerstag, den 26. März 1964
Das Taxigeschäft Ernst Landewee in Horst, Fischerstraße 52, setzte zum ersten Male sogenannte "Minicars" anstelle von herkömmlichen Taxis ein. Der Fahrpreis betrug etwa die Hälfte der üblichen Taxipreise.

Ostersonntag, den 29. März 1964
Bei naßkaltem Wetter weihte die Kapelle der Zeche Consolidation unter der Stabführung von Kapellmeister August Nagel im Stadtgarten vor nur wenigen Besuchern den neuen Konzert-Pavillon ein.

Ostersonntag, den 29. März 1964
Atomwaffengegner berührten auf ihrem "Ostermarsch", von Essen kommend, die Stadtviertel Rotthausen, Neustadt und Ückendorf. Die Demonstration, die nach Wattenseheid weiterzog, verlief ohne Zwischenfall.

heen
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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von heen »

Puh, warm wurde es im 2.Quartal 1964, da verbogen sich die Straßenbahnschienen und Asphalt musste gekühlt werden.
100 Junglehrer kamen ungern nach Gelsenkirchen, auch Trostworte nutzen nichts. Mut machte die Erkenntnis, dass Gelsenkirchen, nach Bottrop und Gladbeck, nur die drittschlechste Stadt für Junglehrer ist, dabei gab es in Gelsenkirchen schon eine Münztanke mit Selbstbedienung, aber der Kirmesplatz in Buer wurde von der "Königswiese" nach "irgendwo an der Bahnlinie" verschoben.
Ein Mammutzahn wird ausgebuddelt und ein Grubenlüfter sorgt für Randale, dann auch noch eine Versammlung der Drogenlieferanten im Hans-Sachs-Haus.
Und es war weiter heiß. Da spielte der Oberbürgermeister lieber mit Kindern am Berger See anstatt Präsident von einem Fußballclub zu spielen.

Alles aus der Stadtchronik 1964. (PDF; 50MB)
Stadtchronik 1964 hat geschrieben: Mittwoch, den 1. April 1964
Die ersten der rund hundert Junglehrer, die mit Schulbeginn an Gelsenkirchener Volksschulen eingesetzt werden sollten, trafen in Gelsenkirchen ein. Sie kamen nicht gern, denn sie wären lieber in schönere Städte gezogen. Daher der große Mangel an Volksschullehrern in Gelsenkirchen.

Mittwoch, den 1. April 1964
Außer seinem zweiten Sprechzimmer im Rathaus Buer stellte Oberbürgermeister Scharley für die Bürger der Randsiedlungen des Stadtgebietes ein "fahrbares Sprechzimmer" in Dienst, das durch seinen Dienstwagen transportiert wurde. Es sollte auch noch Funktelefon erhalten.

Freitag, den 3. April 1964
Der Gelsenkirchener Schmalfilmclub bot im Hotel "Zum Schlachthof" zwei Filmuraufführungen: Lothar Preuß hatte den Film "Eine Fahne für Europa" gedreht, Manfred Pampa "Das fünfte Rad". Der Club hatte jetzt 27 Mitglieder.

Samstag, den 18. April 1964
... Im Stadtteil Horst gab es mehrere Straßen, die die Namen von Schlachtorten trugen, so daß die Bevölkerung dieses Stadtviertel "Schlachtfeld" genannt hatte.

Samstag, den 25. April 1964
Auf dem alten Festplatz an der "Königswiese" in Buer fand - zum letzten Male - eine Frühjahrskirmes statt. Sie dauerte bis zum 3.Mai. Die Herbstkirmes sollte auf dem neuen Festplatz nördlich der Bundesbahnlinie Buer-Nord - Westerholt abgehalten werden.

Montag, den 27. April 1964
Mehr als hundert Junglehrer unternahmen eine Stadtrundfahrt, um die Stadt ihres zukünftigen Wirkungskreises kennen zu lernen. Bei einem Empfang durch die Stadt in den Zoo-Terrassen versuchte Schulrat Klaus, Vorurteile über Gelsenkirchen abzubauen. Er bezeichnete es als eine erzieherische Aufgabe, den schlechten Nimbus, der die Stadt umgebe, abzubauen. Auch Oberbürgermeister Scharley stieß in dasselbe Horn. Trotz dieser Aufmunterungen und den Dankesworten des Sprechers der Junglehrer blieb vorerst die Feststellung, daß Gelsenkirchen nach Bottrop und Gladbeck die für Junglehrer am wenigsten attraktive Stadt sei.

Dienstag, den 12. Mai 1964
Eine Wärme von 28 Grad im Schatten ließ die Straßenbahnschienen auf der Kanalbrücke im Verlaufe der Gelsenkirchener/Sutumer Straße sich aus ihrer Lage heben. Die Brücke konnte eine Zeit lang nur einspurig befahren werden. Die Straßenbahnen fuhren langsam. Die gleiche Dehnung unter den Sonnenstrahlen war auch schon im Vorjahr aufgetreten.

Mittwoch, den 13. Mai 1964
In der Johanniterstraße in der Neustadt wurde die erste Tankstelle mit einem Münztank zur Selbstbedienung eröffnet.

Freitag, den 15. Mai
Vor der Kasse der Städt.Bühnen stellten sich um 6 Uhr morgens die ersten Ballett-Freunde an, um Karten für ein Gastspiel des Bolschoi-Balletts zu erstehen. Bei der Kassenöffnung um 9 Uhr stauten sich die Massen. Die 24 Notsitze für Schüler und Studenten zum Preise von 4,- DM waren im Nu vergriffen, wenig später auch die "billigen" Plätze zu 10,- DM. Gegen Mittag gab es nur noch Plätze zu 30,- DM.

Pfingsmontag, den 18. Mai 1964
Das Freibad Grimberg wurde an beiden Festtagen bei 26 bis 28 Grad Lufttemperatur von 10.000 Menschen besucht; ins Freibad im Jahnstadion kamen rund 1000. Die Wassertemperaturen betrugen in Heßler 16, in Grimberg 19 Grad.

Mittwoch, den 20. Mai 1964
Postassistent i.R. Wilhelm Kortmann in Buer wurde 90 Jahre alt. Er war in den 90er Jahren Postbote in Dorsten geworden und 1902 als 8.Briefträger nach Buer gekommen. Wenn der Küster einmal verschlafen hatte, hatte er die Tür zur Urbanus-Kirche aufgeschlossen, in der er jeden Morgen die erste Messe besucht hatte.

Dienstag, den 26. Mai 1964
Ein großer Kreis von Artisten geleitete den in Horst gestorbenen Zauberkünstler Erich Möckel, der unter dem Künstlernamen "Solwaro" weltberühmt geworden war, auf dem Friedhof in Horst-Süd zur letzten Ruhe.

Dienstag, den 26. Mai 1964
In Gelsenkirchen und den Nachbarstädten wurde ein Probealarm der Luftschutzsirenen ausgelöst. Im Stadtgebiet waren jetzt 334 Sirenen installiert.

Montag, den 1. Juni 1964
Von diesem Tage an wurden auch in Gelsenkirchen einer bundesgesetzlichen Regelung zufolge alle Zebrastreifen zu offiziellen Gebotsstreifen für Kraftfahrer.

Freitag, den 5. Juni 1964
Ein Bagger, der auf der Kranefeldstraße in Horst den Graben für eine Entwässerungsleitung aushob, brachte aus sieben Meter Tiefe einen Mammutzahn ans Tageslicht. Er war in zwei Teile zerbrochen, die 75 und 50 cm lang waren. Der Bauführer brachte den Fund zur Hippolytus-Schule, wo ihn Rektor Mörs zunächst in seine Obhut nahm, um ihn später dem Heimatmuseum zuzuleiten.

Sonntag, den 7. Juni 1964
Die Zechengruppe Hugo hatte am Luftschacht Hugo-Nord am 5.Juni einen neuen Grubenlüfter in Betrieb genommen. Sein Lärm war so stark, daß die gesamte Einwohnerschaft des Stadtbezirks Buer-Bülse dagegen rebellierte. Das veranlaßte die Werksleitung, den Probebetrieb am Sonntagabend vorzeitig zu stoppen. Am 17.Juni ("Tag der deutschen Einheit") sollte ein neuer Probelauf stattfinden, um die Ursache des Lärms zu ergründen und abstellen zu können.

Sonntag, den 7. Juni 1964
Das Freibad Grimberg verzeichnete an diesem Tage den 100.000 Besucher dieser Saison.

Dienstag, den 9. Juni 1964
Die Vereinigung der Lieferanten des Drogenfachs hielt eine Tagung im Hans-Sachs-Haus ab.

Samstag, den 13. Juni 1964
An diesem Tage, dem heißesten des Jahres, wurden durchschnittlich 32 Grad Celsius im Schatten gemessen; in der Sonne stieg die Temperatur auf 38 Grad. In den Schulen gab es hitzefrei; die Freibäder waren außerordentlich gut besucht. Auf der Heistraße in Erle wurde die Asphaltdecke auf 200 m Lange von der Sonne so aufgeweicht, daß die Feuerwehr mit einem Löschwagen anrücken mußte, um die Fahrbahn mit einem dicken Wasserstrahl abzukühlen.

Sonntag, den 14. Juni 1964
Tropische Hitzegrade von 33 Grad im Schatten brachten rund 14.000 Besucher in das Freibad Grimberg.

Montag, den 15. Juni 1964
In einem neu erbauten Haus am Eingang zu den Schleusen am Rhein-Herne-Kanal wurde eine moderne Kommandozentrale in Benutzung genommen. Von hier aus wurden alle Pumpwerke auf der gesamten Kanallänge gesteuert. Automatische Schreiber hielten die Pegelstände von Duisburg bis Herne fest. Diese Gelsenkirchener Zentrale regelte automatisch durch eine Pumpwerkkette den Ausgleich des Wasserstandes auf den einzelnen Kanalabschnitten. Dabei brauchten dann die Pumpstationen an den einzelnen Schleusenabschnitten nicht mehr besetzt zu sein.

Sonntag, den 21. Juni 1964
Zum "Tag des Kindes" bot die Sozialistische Jugend "Die Falken" Kindern auf der großen Spielwiese am Berger See ein buntes Programm, dessen Höhepunkt ein Start von Tausenden von Luftballons war. Weiter gab es ein Wettfahren auf Rollern, Tanzen und Singen und Vergnügungen an über 50 Spielständen. Auch Oberbürgermeister Scharley ließ sich unter den Kleinen sehen. Der Aufruf zu diesem Tage ging vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Internationalen Vereinigung für Jugendhilfe
aus.

Montag, den 29. Juni 1964
Das Städt. Presseamt dementierte die in einigen Zeitungen verbreitete Nachricht, Oberbürgermeister Scharley sei als künftiger Präsident eines neu gebildeten Vorstandes des FC Schalke 04 im Gespräch. Die Nachricht sei frei erfunden: Oberbürgermeister Scharley werde sich aus begreiflichen Gründen nicht für ein solches Amt nominieren lassen.

matz
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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von matz »

wo war denn der alte Festplatz in Buer?

heen
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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von heen »

Oh je, zu der Zeit war ich ein wenig zu jung um mir sowas zu merken.
Ich meine es war ein paar Meter zurück Richtung Buer, auf der anderen Seite der Bahnlinie.

heen
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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von heen »

Zebrastreifen führen in die Wildnis und ein Rindvieh löst eine Jagd aus. Großstadtdschungel.
Tassen scheppern im Schrank und die Prominenz haut ab, dafür richten sich die Scheinwerfer auf Bäume und Fontänen.
Darauf erst mal eine Beach-Pary.
Essen auf Rädern wird entdeckt und die Polizei erklärt den Zebrastreifen, das unbekannte Wesen.
Nach langer Zeit endlich Regen, und der war dann auch Mist.
Ein Maurer schnappt sich Tochter und Faltboot und paddelt über den Kanal, Ulla bekam einen Sohn und Rentner sollen abhauen.
Fußball klapt auch nicht mehr.
Das dritte Quartal 1964 verabschiedet sich mit Sturm und himmlischen Sturzfluten. Venedig an der Emscher.
Alles von hier und hier. (PDF; 49 MB und 52 MB)
Stadtchronik 1964 hat geschrieben: Mittwoch, den 1. Juli 1964
Die Städt. Berufsfeuerwehr rettete den mit 13.000 t Erz beladenen Frachter "Vulkan 40" aus Rotterdam an der Schleuse 4 des Rhein-Herne-Kanals vor dem Untergang. Zwei Taucher suchten und fanden das handtellergroße Leck, das sie mit einem Patentverschluß abdichteten. Mit drei Pumpen pumpte die Wehr dann 500.000 l Wasser aus dem Schiff.

Freitag, den 3. Juli 1964
Das Städt. Straßenbauamt sorgte dafür, daß auf der Verkehrsinsel an der Zusammenführung des Ost- und des Nordringes in der Löchterheide das Strauchwerk entfernt und ein Weg für Fußgänger angelegt wurde, so daß diese die zu der Verkehrsinsel führenden Zebrastreifen nun ungehindert passieren konnten.

Dienstag, den 7. Juli 1964
Aus dem Städt.Schlachthof brach ein Rind aus. Vier Funkstreifenwagen der Polizei kreisten es ein, um es von der Innenstadt abzuhalten. Auf der Grünfläche vor dem Theater setzte das Tier indessen über einen Polizeiwagen hinweg und beschädigte ihn. Einen 12 Jahre alten Jungen nahm das Rind dann samt seinem Fahrrad auf die Hörner und schleuderte ihn durch die Luft. Auf der Kreuzung Ebert- und Feldmarkstraße tötete ein Polizeibeamter schließlich das wild gewordene Rind mit einem wohl gezielten Pistolenschuß. Ein Schlachter verlud das Tier auf einen Lastkraftwagen, der es zum Schlachthof zurückbrachte. Die Feuerwehr beseitigte Blutspuren auf der Fahrbahn.

Montag, den 13. Juli 1964
Der Haupt- und Finanzausschuß ... Oberbürgermeister Scharley gab Kenntnis ... von einer Beschwerde der Anwohner der Görrestraße gegen die Befahrung dieser Straße durch die Buslinie 83 (beim Passieren des Busses wackelten sämtliche Möbel).

Dienstag, den 14. Juli 1964
Der Schauspieler Jürgen von Manger ("Herr Tegtmeier") teilte mit, daß er zu Weihnachten von Gelsenkirchen nach Herne ziehen wolle, wo er in der Nähe der Stadtgrenze nach Bochum hin einen Bungalow erworben hatte. Seine Frau Ruth besaß in Bochum einen Modesalon.

Freitag, den 17. Juli 1964
Treffpunkt der Jugend war am Abend das Jahn-Stadion, wo neben dem Schwimmbecken die Gelsenkirchener Studenten-Band "Blue Flames" zum Tanz aufspielte. Wurde es den Paaren zu heiß, ging es ins Wasser.

Sonntag, den 19. Juli 1964
Das Freibad Grimberg konnte am Abend den 200.000 Besucher in diesem Jahr melden.

Montag, den 27. Juli 1964
Das Sozialamt der Stadtverwaltung teilte mit, daß es Anfang September mit der Ausgabe eines Mittagessens für Alte, Kranke und Gebrechliche beginnen wolle: "Mittagstisch auf Rädern". Das Essen sollte in der Stadtküche hergestellt und durch Helfer der Freien Wohlfahrtsverbände ausgeteilt werden. Alleinstehende sollten je Mahlzeit bei einem Monatsnettoeinkommen (abzüglich Miete) bis 150 DM eine DM, bis 250 DM 1,70 DM, bis 400 DM 2,30 DM und über 400 DM 3.- DM bezahlen. An Samstagen und Sonntagen mußte die Essensausgabe ausfallen, weil dann die Stadtküche nicht arbeitete. Zunächst war eine Probezeit von drei Monaten vorgesehen.

Mittwoch, den 29. Juli 1964
Der Ruhr-Zoo ließ seine acht Riesenschildkröten auf dem Großmarkt wiegen. Das schwerste Tier wog 120 kg, das leichteste 76 kg.

Mittwoch, den 29. Juli 1964
Die Glückauf-Brauerei nahm ein großes "G", mit einem Pilsglas verziert, als vaterstädtisches Symbol in ihre Werbung auf.

Mittwoch, den 29. Juli 1964
Die Polizei veranstaltete von 10 bis 11 Uhr eine Erziehungs- und Aufklärungsaktion an allen Zebrastreifen. Dabei setzte sie 120 Beamte ein, die Handzettel der Bundesverkehrswacht mit vier Faustregeln für das zweckmäßige Verhalten im Straßenverkehr an Kraftfahrer und Fußgänger verteilten.

Freitag, den 31. Juli 1964
Am Abend kam es bei einem kaltblütigen Raubüberfall auf das Juweliergeschäft A.Brexel, Bahnhofstraße 53, zu einer wilden Schießerei zwischen den Tatern und der sie verfolgenden Polizei. Die Täter konnten jedoch mit ihrer Beute entkommen. Ihr Wert betrug über 80 000 DM. Der von den Räubern benutzte Wagen wurde mit elf Einschüssen am Elisabethplatz gefunden. Nach Zeugenbeobachtungen war mindestens einer der Räuber verletzt worden er war beim Einsteigen in den Kraftwagen von einem Komplizen gestützt worden.

Samstag, den 1. August 1964
Die dienstälteste Schaffnerin der Bochum-Gelsenkirchener-Straßenbahn, Martha Stach, blickte als erste Schaffnerin des Betriebs auf eine fünfundzwanzigjährige Dienstzeit zurück. 1939 hatten ihre Fahrten auf der Linie 3 (Alt-Gelsenkirchen - Horst) begonnen.

Samstag, den 1. August 1964
Das Städt.Garten- und Friedhofsamt stellte ein Austrocknen weiter Teile des Berger Schloßteiches und ein rapides Sinken des Wasserstandes der übrigen Teiche und des Berger Sees fest. Das Gleiche galt für die Teiche im Nienhausenbusch und im Stadtgarten. Viele Quellen im Berger Gelände waren versiegt.

Montag, den 3. August 1964
Das Städt.Garten- und Friedhofsamt begann mit Vorbereitungen zur Anstrahlung von schönen Bäumen und Baumgruppen um Schloß Berge. Darunter befanden sich auch die beiden dekorativen Akazien im Schloßvorhof. Der Schloßteich sollte eine acht bis zehn Meter hohe angestrahlte Fontäne erhalten; auch die Schloßfassade sollte angestrahlt werden.

Donnerstag, den 6. August 1964
Die Nordschleuse des Rhein-Herne-Kanals in Gelsenkirchen, die während einer Überholungszeit vier Wochen lang trocken gelegt worden war, wurde wieder in Betrieb genommen.

Montag, den 10. August 1964
Im Rhein-Herne-Kanal stellten Mitglieder des Fischereivereins Gelsenkirchen und Städt.Fischmeister Lingelmann ein großes Hechtesterben fest. Die Wassertemperatur von fast 30 Grad hatte den Sauerstoffgehalt des Wassers so stark sinken lassen, daß die Fische erstickt waren.

Mittwoch, den 12. August 1964
Georg Böhm, Königsberger Straße 115, der älteste Fotograf Westdeutschlands, wurde 95 Jahre alt. Seine Spezialitäten waren Industrie-Aufnahmen und Kinderproträts gewesen. Bis zu seinem 87. Geburtstag hatte er seinen Beruf ausgeübt. Ehe er 1900 in Gelsenkirchen seßhaft geworden war, hatte der geborene Schlesier bereits in Berlin, Wien und Genf als Lichtbildner gearbeitet.

Mittwoch, den 12. August 1964
Nach langer Trockenperiode fiel an diesem Tage der Regen fast ohne Pause Tag und Nacht.
Das Rennen auf der Horster Galopprennbahn verregnete völlig. ...
Ein Freundschaftsspiel, das der FC Schalke 04 gegen den Bezirksligisten SSV Buer austragen wollte, mußte wegen Regens ausfallen.

Donnerstag, den 13. August 1964
Die Stahlkonstruktion der Hochstraße, bei der man bei Temperaturunterschieden von minus 25 bis plus 45 Grad mit einer möglichen Maximal-Verschiebung von 44 cm rechnen mußte, wurde jetzt hinsichtlich der Konstruktion zur Brückenregulierung überprüft. Zwölf Spezial-Ölpressen, die je 50 t Druck ausübten, verschoben die gesamte Brückenkonstruktion mit zusammen 14 000 t Gewicht um 20 cm. Das war möglich, weil die einzelnen Portale, die das Brückengewicht trugen, auf einer Gleisunterlage ruhten,die nur einen geringen Reibungswiderstand besaß.

Sonntag, den 16. August 1964
Der Ruhr-Zoo meldete für diesen Tag einen Rekordbesuch von 20 000 Besuchern. Die Schimpansin "Ulla" brachte einen Sohn zur Welt.

Sonntag, den 16. August 1964
Der 54 Jahre alte Maurer Rudi Kleinecke und seine 20 Jahre alte Tochter Christa, Auslandskorrespondentin, aus Rotthausen, Schonnebecker Straße 75, überquerten von Calais aus in acht Stunden den Armelkanal in einem Faltboot. Das Boot, mit dem Namen "Aerius", war 5,20 m lang und verfügte in Bug und Heck über zwei tragende Luftkissen. Es hatte auch einen Plastikeimer zum Wasserschöpfen.

Mittwoch, den 19. August 1964
Die Zeche Graf Bismarck unterstützte in Lüdinghausen den Bau von 48 Wohnungen in sechs Wohnhäusern, in die Invaliden und Witwen aus Zechenwohnungen in Gelsenkirchen umziehen sollten, um Wohnungen für aktive Belegschaftsmitglieder frei zu machen. Von 3 000 zecheneigenen Wohnungen waren zur Zeit 42 Prozent von Invaliden, Witwen und einigen Werksfremden bewohnt. Mit dem Bau der Wohnungen in Lüdinghausen sollte am 15.September begonnen werden.

Dienstag, den 25. August 1964
Oberbürgermeister Scharley stattete einigen Zielen der Stadtranderholung Stipvisiten ab und brachte den Kindern Obst mit.

Freitag, den 28. August 1964
Bis zu diesem Tage zählte das Freibad Grimberg 258 783 Besucher, das Jahn-Bad 65 098 Besucher. In der gesamte Vorjahres-Saison waren es nur 215 739 beziehungsweise 45 616 gewesen.

Samstag, den 5. September 1964
50 Gelsenkirchener Taxi-Fahrer starteten auf dem Wildenbruchplatz mit schwarzen Schleifen und Spruchbändern zu einer Protestfahrt gegen die Ermordung eines Hamburger Kollegen. An der Taxi-Rufsäule am Hauptbahnhof legten sie einen Kranz nieder. Auf einem Transparent forderten sie die Todesstrafe für solche Mordtaten.

Montag, den 14. September 1964
Vor Eintritt in die Tagesordnung lehnte der Haupt- und Finanzausschuß in seiner letzten Sitzung in der gegenwartigen Wahlperiode einen Antrag der CDU-Fraktion, die von der Verwaltung vorbereitete Denkschrift zum Thema "Ruhr-Stadion" zum Zwecke einer Aussprache darüber auf die Tagesordnung zu setzen, mit 9:8
Stimmen ab.
...
Zu der eingangs erwähnten Denkschrift über das "Ruhr-Stadion", die inzwischen an alle Ausschußmitglieder verteilt worden war, wies Oberbürgermeister Scharley unter Punkt "Verschiedenes" darauf hin, daß es unumgänglich notwendig sei, der Öffentlichkeit, vor allem der Landesregierung, mit Nachdruck die Vorteile des Berger Feldes für die Errichtung eines solchen Stadions vor Augen zu führen. Stadtverordneter Volmer (CDU) bezweifelte, ob sich ein solches Projekt mit einem angegebenen Kostenaufwand von 70 Mill. DM jemals verwirklichen lassen werde. Presseleiter Lichte gab einen chronologischen Uberblick von der ersten Initiative des derzeitigen Innenministers Weyer bis zu einem halbstündigen Interview des Westdeutschen Rundfunks über diese Denkschrift. Der Innenminister habe dabei gesagt, daß jede Stadt mit der Finanzierung und den Unterhaltskosten für ein solches Groß-Stadion überfordert sei. Die Frage sei lediglich, ob ein schon vorhandenes Stadion ausgebaut oder ein völlig neues errichtet werden solle.

Dienstag, den 15. September 1964
An diesem Tage ging die Freibad-Saison in Gelsenkirchen zu Ende. Im Freibad Grimberg waren 272.315 (im Vorjahr: 215.739) Besucher gezählt worden. Damit waren die Rekordzahlen des Jahres 1959 (348.737 Besucher) nicht erreicht worden. Im Jahn-Bad in Heßler wurden 69.283 (im Vorjahr: 45.616) Besucher gezählt.

Dienstag, den 15. September 1964
Orkanartige Sturmböen und gewaltige Regensturzbäche brachten den Straßenverkehr fast zum Erliegen. In den Rinnsteinen bildeten sich breite Wasserströme. Die Feuerwehr mußte sich in 40 Einsätzen vor allem mit den Sturmschäden befassen. Unter der Eisenbahnbrücke über die Ückendorfer Straße stand das Wasser so hoch, daß der Verkehr unterbrochen werden mußte. In Horst standen in vielen Häusern die Keller unter Wasser. Von der Güterzugsstrecke Schalke-Süd-Rotthausen mußten drei entwurzelte Bäume fortgeräumt werden. Drei Züge, die von Recklinghausen über Gelsenkirchen Hbf. nach Essen verkehrten, hatten über eine Stunde Verspätung, weil zwischen Recklinghausen Hbf. und Recklinghausen-Süd die Oberleitungen gerissen waren. In Alt-Gelsenkirchen und Buer wurden je zwei Hauptfernsprechkabel durch den Regen unbrauchbar; dadurch wurden über 1000 Fernsprechanschlüsse stillgelegt. Auch die Verbindung zwischen den Rathäusern in Alt-Gelsenkirchen und Buer war unterbrochen.

Mittwoch, den 16. September 1964
Die Stadtverwaltung machte die Denkschrift über das "Ruhr-Stadion", über die der Haupt- und Finanzausschuß am 14.September debattiert hatte der Öffentlichkeit zugänglich. Das Stadion sollte im Berger Feld errichtet werden, und zwar zwischen den Zubringern Gelsenkirchener Straße und Berger Allee. Auf diesem Gelände ( 1 171 Mill. qm) sollten mit einem Kostenaufwand von 70 Mill.DM ein Groß-Stadion, eine Sporthalle, ein Freibad, weitere Sportarenen (Radrenn-
und Rollschuhbahn), ein Schwimmbad, Tennisplätze und Parkplätze gebaut werden. Stadtrat Flöttmann unterbreitete diese Denkschrift auch der Landesregierung; sie sollte ihr zeigen, wie weit die Möglichkeit in Gelsenkirchen reichte.

Mittwoch, den 16. September 1964
Der Tellus-Verlag brachte ein neues Schulliederbuch heraus, in das auch viele Kinderlieder des Buerschen Komponisten, Lehrer Franz Bludau, aufgenommen waren. Etwa ein Dutzend Solo- und Chorlieder von ihm hatte der Erler Kinderchor in den letzten zehn Jahren in seinen Konzerten in Buer aufgeführt.

Sonntag, den 20. September 1964
Als einziger Deutscher erhielt der Gelsenkirchener Maler Hans-Wolfgang Lingemann, Erlenkamp 1, auf einem Festbankett im Kursaal von Ostende die silberne Medaille des Europa-Preises für Malerei der Stadt Ostende. Er war unter 283 Einsendern ausgewählt worden.

Mittwoch, den 23. September 1964
Die Städt.Berufsfeuerwehr begann mit der Demontage von 60 alten Feuermeldern (Eisenkästen mit Glasscheiben), die sich als unrentabel erwiesen hatten. Bei den neuen Feuermeldern fiel beim Drücken auf den Knopf eine Sprechklappe herunter und der diensthabende Beamte konnte nach der Ursache des Alarms fragen. An die Stelle von Freiluftleitungen traten normale Fernsprechkabel der Bundespost. Bis Ende 1965 sollten alle alten Melder ersetzt sein.

Samstag, den 26. September 1964
Innerhalb von 25 Minuten der ersten Halbzeit erzielte Borussia Dortmund in der Glückaufkampfbahn gegen Schalke 04 sechs Tore, denen die Schalker in der 2.Halbzeit nur zwei entgegensetzen konnten. Die Schalker standen jetzt an letzter (16.) Tabellenstelle.

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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von Prömmel »

heen hat geschrieben:
26.09.2021, 08:45
,,,
Das dritte Quartal 1964 verabschiedet sich mit Sturm und himmlischen Sturzfluten. Venedig an der Emscher.
Alles von hier und hier. (PDF; 49 MB und 52 MB)
....
Stadtchronik 1964 hat geschrieben: ...
Freitag, den 17. Juli 1964
Treffpunkt der Jugend war am Abend das Jahn-Stadion, wo neben dem Schwimmbecken die Gelsenkirchener Studenten-Band "Blue Flames" zum Tanz aufspielte. Wurde es den Paaren zu heiß, ging es ins Wasser.
...
Bei der Studenten-Band "Blue Flames" handelte es sich natürlich um die "German Blue Flames".
Bei dem angegebenen Datum hat sich der Bearbeiter der Stadtchronik allerdings um einen Tag vertan. Richtig ist nämlich, dass die Veranstaltung damals am Samstag (18. Juli 1964) stattfand, siehe u.a. hier:
Bild
(übertragen aus diesem Beitrag von Duwstel:https://www.gelsenkirchener-geschichten ... 54#p458954)

Das Konzert musste kurz vor dem geplanten Ende übrigens abgebrochen werden, da einige Leute in der Nähe der Bühne ins Wasser sprangen und es durch das Spritzwasser zu einem Kurzschluss in der Verstärkeranlage kam.
Der ausgeschriebene 1. Preis - ein "Minibikini", der in Wirklichkeit ein sogenannter "Oben-Ohne-Bikini" war - konnte auch nicht vergeben werden, da er von Unbekannten geklaut worden war. Da es aber kurz vor Ende auch noch einen Regenschauer gab, musste alles schnell abgebaut werden. Dadurch fiel es dann wohl nicht groß auf. ;-)

Übrigens sind wohl die zwei oder drei Beiträge in der Chronik, die direkt vor der Notiz über die German Blue Flames stehen, wahrscheinlich ebenfalls dem falschen Tag (Freitag, 17.7.) zugeordnet worden.
Das Alterssportfest in der Löchterheide fand ganz bestimmt - wie sonst auch immer üblich - an einem/dem Samstag statt. Auch den Renntag auf der Galopprennbahn in Horst mit dem "Horster Hürdenrennen" gab's ganz sicher nicht an einem Freitag. Ich kann mich nicht erinnern, dass überhaupt einmal ein (bedeutender) Renntag an einem Freitag veranstaltet wurde. Und, soweit ich weiß, wurden Taubenwettflüge meist auch an Samstagen durchgeführt.
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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von heen »

Es betrifft folgene Einträge ab Seite 231 des 1.Teils der Stadchronik 1964.

Zwei davon sind wichtig:
Stadtchronik 1964 hat geschrieben:6000 Tauben der Reisevereinigungen des 20. Bezirks beteiligten sich an einem Wettflug ab Aars (Dänemark). Sie mußten 620 km durch brütende Hitze fliegen. Die schnellste Taube gehörte dem Züchter Barnhofer, Scholven (Reisevereinigung Buer).
Dann folgt der Eintrag "Merlan vor Marone und Flavian".
Der zweite wichtige ist:
Stadtchronik 1964 hat geschrieben:In der Bezirkssportanlage Erle fand bei 35 Grad im Schatten das 7. Alterssportfest statt. Die Teilnehmer mußten das 32. Lebensjahr Überschritten haben. Es beteiligten sich 97 Aktive aus 17 Vereinen; der älteste war 74 Jahre alt: Heinrich Kersting vom TC Gelsenkirchen 74. Albert Wolpers (Schalke 04) wurde zum 7. Male hintereinander erster Sieger seiner Altersklasse.
Dann folgt die Strandparty als letzten Beitrag zum falschen Freitag.
Für Samstag 18. Juli wird auch vermerkt, dass dieser Tag mit seinen 35° C der Höhepunkt der Hitzewelle bis dahin war.

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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von Heinz O. »

Zur Erklärung:
Die Stadtchroniken wurden erst immer ein Jahr später geschrieben. Das heißt 1964 wurde 1965 geschrieben, 1965 dann 1966 usw.
Grundlage für die Chroniken waren immer die Tageszeitungen. In den Tageszeitungen standen dann in der Regel Artikel von dem Geschehen des Vortages.

Der Chronist (meist Wilhelm Niemöller, Leiter des Presseamtes) hat also immer das Datum des Erscheinens einer Zeitung genommen.

Von daher sind das Datum in den Chroniken immer mit Vorsicht zu genießen und meistens um mind. einen Tag zurück zu verlegen.
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

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Re: Stadtchronik 1964

Beitrag von Prömmel »

Heinz O. hat geschrieben:
27.09.2021, 14:46
...
Der Chronist (meist Wilhelm Niemöller, Leiter des Presseamtes) hat also immer das Datum des Erscheinens einer Zeitung genommen.

Von daher sind das Datum in den Chroniken immer mit Vorsicht zu genießen und meistens um mind. einen Tag zurück zu verlegen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das jeweils angebene Datum meistens richtig ist und Fehler/Abweichungen eher die Ausnahme sind.
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