Stadtchronik 1965

Auszüge aus den von 1936 bis 1978 maschinenschriftlich geführten Chroniken der Stadt Gelsenkirchen

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heen
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Stadtchronik 1965

Beitrag von heen »

In Horst vermehren sich die Wasserratten - und man freut sich. Und im Ruhrgebiet hat die Industrie in allen Städten und Landkreisen Anschluß an die konjunkturelle Entwicklung gefunden - außer in Gelsenkirchen.
Die vor kurzen erst restaurierte Buersche Femelinde wird zerhackt und eine olle Buze, "Vestischer Hof", wird zerbröselt. Straßen brauchen Platz.
In Horst findet die letzte Kirmes statt, auch da wird Platz gebraucht. Aber das kitschige alte Rathaus am Machensplatz, das wollen die Bürger erhalten.
Die Glückauf-Brauerei ist seiner Zeit weit voraus, und der Rat wird mutig.
So war es im ersten Quartal 1965.
von hier: Stadtchronik 1965 (PDF, 40MB)
Stadchronik 1965 hat geschrieben: Samstag, den 23. Januar 1965
Bereits 200 Mitglieder zählt der im Mai 1964 gegründete Schwimmverein Wasserratten Gelsenkirchen-Horst 1964.

Mittwoch, den 27. Januar 1965
Aus einem Bericht des Statistischen Landesamtes geht hervor, daß die Ruhrindustrie (ohne Bergbau und Baugewerbe) in allen Stadt- und Landkreisen den Anschluß an die konjunkturelle Entwicklung in Nordrhein-Westfalen gefunden hat. Einzige Ausnahme bildet Gelsenkirchen, das einen erheblichen Rückgang des Umsatzes zu verzeichnen hat.

Freitag, den 29. Januar 1965
Die Buersche Zeitung schreibt, der Landtag habe den Bau des "Ruhrstadions" im Berger Feld abgelehnt. Die für 18.000 DM gefertigte Denkschrift der Stadt Gelsenkirchen in diesem Zusammenhang habe den Sportausschuß des Landtages nicht von der Notwendigkeit des Bauvorhabens überzeugt.

Donnerstag, den 18. Februar 1965
Im Zuge des Bebauungsplanes für die Goldbergstraße in Buer wurde die alte Linde in der Nähe des Goldberghauses gefällt. Die erst vor einigen Jahren vom Landeskonservator "restaurierte" Linde wurde im Volksmund Femelinde genannt.

Donnerstag, den 18. Februar 1965
Die an der Ecke De-la-Chevallerie-Straße und Marienstraße stehende alte Gaststätte "Vestischer Hof" mit ihrem wirkungsvollen Fachwerk in den Obergeschossen wird im Zuge des Ausbaues der De-la-Chevallerie-Straße abgerissen.

Freitag, den 19. Februar 1965
Vom 6. bis 13. März findet auf dem (noch) freien Gelände an der Essener Straße in Horst eine Frühjahreskirmes statt. Da auf dem Gelände ein großer Wohnbaukomplex entsteht und in Horst zur Zeit kein Gelände für Jahrmarktzwecke zur Verfügung steht, dürfte diese Kirmes (vorläufig) die letzte in Horst sein.

Samstag, den 20. Februar 1965
Als ein Hobby besonderer Art präsentiert der Verwaltungsangestellte Helmut Piontek seine Autogrammsammlung von prominenten Politikern aus vielen Nationen.

Dienstag, den 2. März 1965
Bei dichtem Schneefall war auf den Gelsenkirchener Straßen von Rosenmontagfeiern nicht viel zu sehen. Gefeiert wurde von den Karnevalsgesellschaften in Sälen.

Donnerstag, den 4. März 1965
Eine Bronzeplastik von Prof. Marks, den Heiligen Sebastian als Schutzpatron der Krieger darstellend, und für den Ehrenhof des'Neubaus des Max-Planck-Gymnasiums in Erwägung gezogen, fand keine Anerkennung bei der Stadt, da sie "in einer zu grazilen Ausführung in keinem Verhältnis zur Ausdehnung des Ehrenhofes stehe und vor den nüchternen weißen Kacheln der Wände nicht zur Wirkung komme."

Donnerstag, den 4. März 1965
In einer Bürgeraktion wurden Argumente für und gegen den Abbruch des 1894 eingeweihten alten Rathauses am Machensplatz vorgebracht. Die Stadtplaner sehen in dem nach Auszug der Polizei nicht mehr verwertbaren Gebäude ein Hindernis
für die Straßenplanung am Machensplatz; die Bürger wollen in dem Rathaus ein für Gelsenkirchen historisches Gebäude erhalten.

Freitag, den 5. März 1965
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung stellt in einem ausführlichen Porträt den Feuerwerker Richard Koch als immer noch vielbeschäftigten Bombenräumer vor.

Sonntag, den 7. März 1965
Das Land Nordrhein-Westfalen plant, in den Städten den Dienst uniformierter Politessen als Helfer bei der Ordnung des ruhenden Verkehrs einzuführen.

Montag, den 8. März 1965
Vor 400 Funktionären der Industrie-Gewerkschaft Bergbau und Energie sprach IGBE-Vorsitzender Walter Arendt in Erle das Problem der 10,5 Millionen Tonnen Koks und Kohle an, die bereits aufgehaldet werden mußten. Das Absatzproblem sei durch Feierschichten allein nicht zu lösen. Zumindest aber müßten die Feierschichten gleichmäßig auf alle Zechen verteilt werden. Arendt forderte von der Regierugng Maßnahmen zum Schutz der Kohle vor der Konkurrenz des billigeren Öls.

Dienstag, den 9. März 1965
Nach einer Besichtigungsfahrt nach Sodingen erwägt Oberbürgermeister Hubert Scharley, in den Schulen anstelle von Turnhallen Mehrzweckhallen zu errichten, in denen auch versenkbare Bühnen für kulturelle Veranstaltungen eingebaut werden können.

Dienstag, den 9. März 1965
Die Diskussionen über den geplanten Abbruch des alten Rathauses am Machensplatz halten unvermindert an. Die Stadt rechnet mit Bürgeraktionen, obwohl sich in Leserbriefen auch alteingesessene Gelsenkirchener für den Abbruch des im Zuckerbäckerstil gehaltenen Bauwerks aussprechen.

Samstag, den 13. März 1965
Die Glückauf-Brauerei hat Versuche zur Herstellung eines alkoholarmen Bieres begonnen und hofft - laut Bericht der Ruhr-Nachrichten - die Produktion des Getränkes in einem halben Jahr aufnehmen zu können.

Dienstag, den 16. März 1965
Die buerschen Kaufleute wenden sich dagegen, daß durch die Schaffung eines eigenen Bahnkörpers für die Vestische Straßenbahn die De-la-Chevallerie-Straße in zwei nicht mehr leicht überbrückbare Teile auseinandergerissen wird.

Dienstag, den 16. März 1965
Nach einer städtischen Statistik waren 1964 insgesamt 2918 Motorräder zugelassen. Die Tendenz wird als rückläufig bezeichnet, da zahlreiche Motorradfahrer auf Kleinwagen umsteigen.

Dienstag, den 16. März 1965
Durch Zurücksetzen eines Lkw an der Großbaustelle Husemannstraße wurde der Hydrant einer 500 mm starken Wasserleitung aus der Verankerung gerissen. Die Folge war eine 15 bis 20 Meter hohe Wasserfontäne, die den Verkehr zeitweise zum Erliegen brachte und in die benachbarten Wohnungen und Keller eindrang.

Mittwoch, den 17. März 1965
Die Überbrückung der Gegensätze zwischen den christlichen Konfessionen war Gegenstand eines Referats von Frau Dr. theol Ute Ranke-Heinemann, der Tochter des früheren Innenministers Gustav Heinemann. Als Konvertitin zum katholischen Glauben hat Frau Ranke-Heinemann Untersuchungen über die Gemeinsamkeiten im sakralen Raum angestellt; über die sie beim KKV-Buer sprach.

Mittwoch, den 17. März 1965
Auf der Zeche Nordstern wird erwogen, die bislang von den Bergleuten daheim selbst gewaschene Arbeitskleidung künftig wöchentlich im Betrieb waschen zu lassen. Unentgeltlich werden die Bergleute an jedem Wochenanfang ihre Kleidung in sauberem Zustand zurückbekommen.

Donnerstag, den 18. März 1965
Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Iserlohn stellte Gelsenkirchens Stadtverordneter Bernhard Schrodetzki an Landesminister Kienbaum die Frage, woher Städte wie Gelsenkirchen Gelände für zusätzliche Betriebsansiedlungen nehmen sollen und wie die Frage der Bergschädenregulierung im Falle eines Landerwerbs in unserer von Schächten durchzogenen Stadt gelöst werden soll. Die Frage blieb unbeantwortet.

Freitag, den 19. März 1965
Die Ruhr-Nachrichten teilen in einer kurzen Meldung mit, daß der letzte Fuchs im Stadtgebiet Gelsenkirchen vor zwei Jahren im Berger Feld erlegt worden sei. Seitdem sei Gelsenkirchen ohne Füchse.

Samstag, den 20. März 1965
Eine von der Alt-Gelsenkirchener Bürgerschaft gebildete Aktion "Altes Rathaus" wendet sich um der Erhaltung des historischen Gebäudes willen gegen den geplanten vierspurigen Ausbau der Ahstraße.

Montag, den 22. März 1965
Aus Gründen des Lehrermangels kann kein neues Semester der Berufsaufbauschule begonnen werden.

Dienstag, den 23. März 1965
Als Friedhofsschänder, der in 13 Fällen etwa 500 Grabsteine auf dem Zentralfriedhof in Buer umgeworfen und beschädigt hat, wurde ein 17jähriger kaufmännischer Lehrling aus Buer ermittelt. Der Vater des vermutlich psychisch fehlentwickelten jungen Täters will den entstandenen Schaden ersetzen.

Samstag, den 27. März 1965
Die Aktion "Altes Rathaus" plant eine Unterschriftensammlung zur Erhaltung des historischen Gebäudes.

Mittwoch, den 31. März 1965
Der Rat der Stadt beabsichtigt, in den Ratssitzungen künftig Fragestunden abzuhalten, auch für Fragen, die aus der Bevölkerung aufgeworfen und durch Vertreter des Rates oder der Verwaltung beantwortet werden.

matz
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von matz »

Meine Geburt wurde nicht erwähnt??

Gibt es vom Vestischen Hof hier irgendwo Bilder?

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Heinz O.
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von Heinz O. »

matz hat geschrieben:
18.10.2021, 10:04
Gibt es vom Vestischen Hof hier irgendwo Bilder?
Bitte schönBild
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

matz
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von matz »

danke schön

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Minchen
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von Minchen »

matz hat geschrieben:
18.10.2021, 10:04
Meine Geburt wurde nicht erwähnt??
...
Das konnten die doch nicht ahnen, dass Du mal so groß rauskommen würdest... :roll:

Aber was sollte das mit den Füchsen? Wurden die absichtlich in Gelsenkirchen ausgerottet, vielleicht wegen Tollwut? Jetzt gibt es jede Menge, die tummeln sich sogar in unserem Garten, und wir haben einen reichlich hohen Zaun.
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.
(Shakespeare, König Lear)

matz
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von matz »

Deutschland gilt, glaube ich, seit den 00er Jahren als tollwutfrei. In den 60/70ern wurden Füchse aber wegen der Tollwut gnadenlos gejagt. Kann mich auch noch an die vielen Tollwut-Warnschilder in den Wäldern in meiner Jugend erinnern. Heute sind das ja fast schon Stadttiere. Letztes Jahr gab es in der Stadt, wo ich wohne, einen Artikel über verstörte Anwohner, denen Jungfüchse am Hosenbein gezerrt und um Futter gebettelt haben. Mal sehen, wann dich der erste Wolf im Garten grüßt.

heen
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von heen »

Buchdrucker feiern ihr Herbstfest im Frühling, Mitglieder der Leipziger Oper sprechen nicht über Schalke. In Scholven wurde eine seit 500 Jahren währende Klopperei mit Altenessen beendet. Altenessen hat aufgegeben.
Büssemeier gewinnt eine Vase und bei der Glückauf-Brauerei die Erkenntnis, dass seiner Zeit weit voraus zu sein nicht immer Akzeptanz findet.
Der Frühling im Jahre 1965.
von hier: Stadtchronik 1965 (PDF, 40MB)
Stadtchronik 1965 hat geschrieben: Freitag, der 30. April 1965
Der städtische Kameramann Hans Rotterdam, der seit 1951 die kommunalen Jahresfilme gedreht hat, tritt in den Ruhestand.

Samstag, der 1. Mai 1965
In den Aufrufen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 1. Mai lautet das Notto "Wichtiger ist der Mensch". Maikundgebungen fanden auf dem Hauptmarkt in Alt-Gelsenkirchen mit 4.000 Beteiligten, auf der Galopprennbahn mit 1.000 Teilnehmern und mit einigen tausend Menschen auf dem Marktplatz in Buer statt.

Samstag, der 1. Mai 1965
Bei schönem Wetter zählte der Ruhr-Zoo an dem ersten Mai-Wochenende 35.000 Besucher.

Samstag, der 8. Mai 1965
Die buerschen Buchdrucker begehen an diesem Wochenende das Fest ihres 60jährigen Bestehens als gewerkschaftlicher Ortsverein. Sie gründeten ihn zwar erst am 19. November 1905, aber der Frühling scheint ihnen zum Feiern besser geeignet zu sein.

Mittwoch, der 19. Mai 1965
Die Mitglieder des Leipziger Opernensembles hatten sich geschworen, in Gelsenkirchen nicht über das hier zur Zeit leidige Thema "Schalke 04" zu sprechen. ...

Mittwoch, der 19. Mai 1965
Bei dem Scholvener Schützen- und Volksfest aus Anlaß des 800jährigen Bestehens der Bauernschaft Scholven (seit 750 Jahren zu Buer gehörig) wurde eine 500 Jahre alte Fehde zwischen Scholven und Altenessen begraben. Aus diesem Grunde
wurde den Scholvener Schützen von einer Altenessener Delegation der alte Fehdehandschuh zurückgegeben und als Symbol an der Schützenfahne angebracht.

Donnerstag, der 20. Mai 1965
Die Freibäder öffnen heute bei naßkaltem Wetter, das nur wenige Wagemutige anlockt.

Mittwoch, der 26. Mai 1965
Der Leiter des Schalker Gymnasiums, Oberstudiendirektor Dr. Neef, fragt - vorbehaltlich der Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde - an, ob sportlich qualifizierte und interessierte Mütter bereit sind, in Zusammenarbeit mit den Sportlehrern Sportunterricht für Mädchen zu erteilen. Hierdurch könnte ein Beitrag zur teilweisen Beseitigung des Lehrermangels geleistet werden.

Freitag, den 4. Juni 1965
Den größten der zu vergebenden Preise bei der 17. internationalen Autobuswoche in Nizza holte sich unter 91 Mitbewerbern das Gelsenkirchener Reisebüro Büssemeier "für den luxuriösesten Reisebus mit der bequemsten und besten Ausstattung für interkontinentale Reisen". Den Preis, eine Vase aus Sevre, stiftete Staatspräsident de Gaulle.

Mittwoch, der 16. Juni 1965
Auf der Aktionärsversarnmlung der Glückauf-Brauerei, auf der die Zahlung einer 14prozentigen Dividende bekanntgegeben wurde, hieß es u.a., daß ein in der Brauerei entwickeltes alkoholarmes "Kraftfahrerbier" bislang auf wenig Nachfrage gestoßen sei.

heen
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von heen »

Blücher wird in Gelsenkirchen verschrottet, durch DFB-Magie steigt Schalke nicht ab. Eine Ampel wartet seit vier Jahren auf Ersatz und bei der Post findet man eine Sendung aus dem Jahr 1862. Sirenen haben keine Lust und der Sommer ist durchwachsen und dann haben 2.000 Familien kein Dach. Sechs Lehrer wollen ein eigenes Dach und müssen dafür raus aus Gelsenkirchen.
Das dritte Quartal 1965.
von hier: Stadtchronik 1965 (PDF, 40MB)
Stadtchronik 1965 hat geschrieben: Samstag, der 31. Juli 1965
Die Eisen- und Metall AG hat den Auftrag, den 1915 auf der Doggerbank gesunkenen Panzerkreuzer "Blücher" zu bergen und zu verschrotten.

Montag, der 2. August 1965
In Gelsenkirchen herrscht Hochstimmung über den am 31. Juli beim DFB-Bundestag in Barsinghausen gefaßten Beschluß, die Bundesliga auf 18 Vereine aufzustocken und den FC Gelsenkirchen-Schalke 04 somit vor dem Abstieg in die Regionalliga
West zu bewahren. ...

Samstag, der 7. August 1965
Das englische Pädagogen-Ehepaar Bertram und Clare Coad aus der Partnerstadt Newcastle upon Tyne besuchte auf einer Reise quer durch Deutschland Gelsenkirchen und wurde von der Stadt offiziell empfangen. Auf den Unterschied zwischen den beiden Städten angesprochen, meinten die Coads, Gelsenkirchen habe
einen Zoo und Newcastle eine Universität.

Donnerstag, 19. August 1965
Seit 1961 wird laut Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom heutigen Tag auf die Gefährlichkeit der Heuerampel an der Kreuzung Ringstraße und Wildenbruchstraße hingewiesen. Trotz Mitteilung des Straßenverkehrsamtes im Jahre 1961, die Ampel schnellstens durch eine andere zu ersetzen, ist sie noch im Betrieb und bleibt eines der hiesigen Verkehrsprobleme.

Freitag, 20. August 1965
Bei Aufräumungsarbeiten im Postamt Gelsenkirchen wurde eine Werttruhe aus dem Jahre 1828 entdeckt.

Dienstag, 24. August 1965
Im Rahmen einer sechsteiligen Fernsehserie "Mit dem Liederbus unterwegs" drehte ein Fernseh-Team in diesen Tagen musische Betätigungen der Schreberjugend von Scholven und Horst. Auch ein Roll-Hockey-Spiel wurde gefilmt.

Mittwoch, 25. August 1965
Am 25. August wurde ein Probealarm durchgeführt. Von den 223 Sirenen im Stadtgebiet sind 214 dem Luftschutzwarnamt Meinerzhagen angeschlossen, das die Übung zentral steuerte. 96 Sirenen liefen fehlerlos, 92 mit gestörtem Rhythmus, und 26 fielen aus.

Mittwoch, den 1. September 1965
Angesichts der naßkalten Witterung hat das Freibad Grimberg am 31. August den Badebetrieb eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden in der Sommersaison in Grimberg 88.300 Besucher gezählt. Das noch geöffnete Jahnbad hatte bisher 26.437 Badegäste.

Mittwoch, den 1. September 1965
Der älteste Bürger Gelsenkirchens, Jakob Schlowinski, Augustastraße 23, starb am 26. August, sechs Tage vor Vollendung des 101. Lebensjahres.

Freitag, den 3. September 1965
Die Zahl der obdachlosen Familien in Gelsenkirchen wird gegenwärtig mit 2.000 angegeben.

Donnerstag, den 23. September 1965
Bestürzung hat bei Oberbürgermeister Scharley die Nachricht hervorgerufen, daß sechs Lehrer eines hiesigen Gymnasiums die Stadt verlassen wollen, weil ihnen keine Baumöglichkeiten eingeräumt werden. Die Stadt will sich wegen Zahlung von Bauzuschüssen an die Landesregierung wenden.

heen
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von heen »

In Horst gibt es Rituale mit alten Knochen, und ein anderer alter Knochen wird gefunden. Der OB wird an die Kette gelegt, und Koch macht seit 25 Jahren scharfe Sachen mild.
Die Post erklärt die Nachfrage.
von hier: Stadtchronik 1965 (PDF, 40MB)
Stadtchronik 1965 hat geschrieben: Samstag, der 13. November 1965
Der heutige Abend bringt den ersten Schneefall der anhebenden Winterzeit.

Samstag, der 20. November 1965
Die St. Hippolytus-Gemeinde Horst beginnt heute ihre Festwoche zum 375jährigen Bestehen. Die Wahl des Schutzpatrons durch die Ritter von der Horst für die noch wesentlich ältere Schloßkapelle St. Hippolytus soll im Hinblick auf die Wildpferde im Emscherbruch getroffen worden sein. Der Schrein mit den Gebeinen des Patrons, eines römischen Soldaten, der sich als Bewacher gefangener Christen hatte taufen lassen und deshalb von wilden Pferden zu Tode geschleift wurde, ist von der Pfarrgemeinde Sainte Hippolyte im Elsaß für die Dauer der Festwoche zur Verfügung gestellt worden.

Dienstag, der 23. November 1965
Bei Ausschachtungsarbeiten für die Bundesstraße 224 wurde im Raum Buer der Schädel eines prähistorischen Auerochsen freigelegt.

Mittwoch, der 1. Dezember 1965
Die Vestische Gruppe der Industrie- und Handelskammer Münster hat der Stadt Gelsenkirchen eine goldene Amtskette gestiftet, die der Oberbürgermeister bei festlichen Anlässen tragen wird. IRK-Präsident Wilhelm Schemann überreichte in einer Feierstunde die Kette an Oberbürgermeister Scharley. Damit wird die seit
dem Jahre 1917 unterbrochene Tradition fortgesetzt, daß das Stadtoberhaupt bei festlichen Anlässen das Zeichen seiner Amtskraft trägt. Die Amtskette wurde von dem buerschen Goldschmiedemeister Fritz Kuhne angefertigt. Sie ist aus Stahl und Gold und mündet in eine Rosette, die das "Getriebe" der Stadt versinnbildlicht. Abschließend hält die Kette das aus Weißgold und Edelsteinen gearbeitete Stadtwappen.

Freitag, der 3. Dezember 1965
Die Vestische Straßenbahn stellt ihren Betrieb auf Straßenfahrzeuge (Omnibusse) um, deren Zahl verfünffacht, während die Zahl der Schienenfahrzeuge halbiert wurde.

Freitag, der 10. Dezember 1965
Im Hinblick auf die 1974 eventuell in der Bundesrepublik stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft betrachten Rat und Verwaltung der Stadt das Projekt des Stadions Berger Feld als realisierbar.

Sonntag, der 12. Dezember 1965
Feuerwerker Richard Koch ist 25 Jahre im öffentlichen Dienst tätig. Die Kampfmittelbeseitigung gehört zu seinen Aufgaben.

Samstag, der 18. Dezember 1965
Die Nachfrage nach Fernsprechanschlüssen wächst jährlich um acht von Hundert an. Das wird am heutigen Samstag von der Bundespost erklärt.

Freitag, der 27. Dezember 1963
Eine Frau schenkt drei Jungen das Leben. Die Mutter der Drillinge lebt in Scheidung von ihrem Mann, um den Vater der Drillinge heiraten zu können.

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Prömmel
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Re: Stadtchronik 1965

Beitrag von Prömmel »

Diese drei Notizen sind für mich von besonderem Interesse:
Stadtchronik1965 hat geschrieben:
23. Januar
Der Kirchenchor St. Josef, Scholven, wird am 30. Mai zu seinem 50jährigen Bestehen eine "Messe in C" des buerschen Komponisten Alfred Berghorn uraufführen.
1. Juni
Zum 50jährigen Bestehen des Kirchenchores St. Josef, Scholven, schrieb der buersche Komponist Alfred Berghorn die Festmesse.

22. Juni
Der buersche Komponist Alfred Berghorn hat eine Hymne auf den SSV Buer 07/28 geschrieben. Berghorn wurde als Schöpfer zahlreicher sakraler Musikwerke bekannt.

Es gibt auch in anderen Stadtchroniken ein paar Hinweise auf die Aktivitäten von Alfred Berghorn.
Sein Sohn G. war etliche Jahre lang mein Klassenkamerad. Und wenn ich mich nicht irre, kam er 1965, als wir in der Untertertia waren (wir hatten damals gerade Griechisch als dritte Fremdsprache bekommen), aus Buer - wohl vom Max-Planck-Gymnasium - in unsere Klasse am Schalker Gymnasium. Ich wusste zwar, dass sein Vater Komponist war, hatte aber - wie ich zu meiner Schande bekennen muss - überhaupt keine Ahnung, was er tatsächlich alles machte.
Jetzt weiß ich es etwas besser, zumal es über ihn inzwischen ja auch schon einige Zeit einen Artikel in unserem Wiki gibt und auch einen eigenen Fred hier im Forum (siehe hier: viewtopic.php?t=4135).

Bei der Notiz über die Hymne, die er für die (nicht den !) SSV Buer geschrieben hat, würde mich sehr interessieren, ob es die noch gibt und ob es dazu eventuell auch Tonaufnahmen gibt.
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