Stadtchronik 1971

Auszüge aus den von 1936 bis 1978 maschinenschriftlich geführten Chroniken der Stadt Gelsenkirchen

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heen
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Stadtchronik 1971

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Narren und Pampelacke bekommen Preise. Terroristen im Unterschlupf, dunkle Gestalten und leichte Mädchen. Kostenlose Nachhilfe in Sachen Verkehr tut Not und in Scholven regnet es Salz, stinken tuts auch.
Das wars im 1. Quartal 1971
Von hier. (PDF, 17 MB)
Stadtchronik 1971 hat geschrieben: Freitag, 1. Januar 1971
Die 70 Hochleistungsöfen umfassende neue Batterie der Kokerei Scholven stößt die ersten 1400 Tonnen Koks aus. Durch die Erweiterung mit einem Investitionsvolumen von 20 Mio DM wird die Kokerei eine Tagesleistung von 4100 Tonnen Koks erreichen.

Dienstag, 2. Januar 1971
Ihren zweiten Olympia-Paß (nach dem Einsatz 1968 in Mexiko, wo sie in ihrer Disziplin den zehnten Rang belegte) erhält die Kugelstoßerin Gertrud Schäfer vom FC Schalke 04.

Mittwoch, 6. Januar 1971
Der vom Bauausschuß bereits genehmigte Bau eines Hotels Garni am Russellplatz in Buer ist nach Einspruch des Architekten Kurt Neukirchen vorerst gestoppt warden. Neukirchen fordert, das Grundstück für Umlegungszwecke im Rahmen der Neuordnung der buerschen Innenstadt freizuhalten.

Donnerstag, 7. Januar 1971
Nach dem seit Weihnachten anhaltenden frostigen und scheereichen Winterwetter steigt das Thermometer erstmals wieder über die Null-Grad-Grenze.

Freitag, 8. Januar 1971
Für die erfolgreiche Gelsenkirchener Sopranistin Ursula Schröder-Feinen schuf der Bielefelder Komponist Rudolf Mors eine Zwölfton-Komposition, die all stimmlichen Möglichkeiten für Frau Schröder-Feinen enthält. Die Uraufführung wird in diesem Jahr in Bielefeld stattfinden.

Samstag, 9. Januar 1971
Gelsenkirchener Fleischer machen ihre Kundschaft, wie die WAZ berichtet, neuerdings in fünf Sprachen auf ihre Angebote aufmerksam.

Montag, 11. Januar 1971
Die Stadt gibt eine zweite Schallplattenkassette aus dem Repertoire des Musiktheaters und des städtischen Orchesters heraus. Die Aufnahmen dazu fanden vom 7. bis 11. September 1970 in der Bonifatiuskirche in Marl statt.

Montag, 11. Januar 1971
Bahntierarzt Dr. Heinrich Lübke (Trabrennbahn) stellt fest, daß beim Trabrennen am Tag zuvor zwei Pferden vor dem Start leistungshemmende Drogen verabreicht worden sind. Zur Namhaftmachung der Täter ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.

Mittwoch, 13. Januar 1971
In der überregionalen Dachorganisation "Ruhrkarneval" erreicht die Karnevalsgesellschaft "Bimarcker Funken" beim jährlichen Wettbewerb je einen Dritten Platz bei Darbietungen der Funkengarde und ihres Sängers Anton Student mit dem Lied von Hermann Thamm vom sturen Westfalen.

Samstag, 16. Januar 1971
Die im Zuge der Neustadtsanierung freigezogenen Häuser sind zur Zeit Trffpunkt "dunkler Gestalten" und "leichter Mädchen". Die Bürgerschaft fordert deshalb den sofortigen Abbruch dieser Neustadt-Ruinen.

Samstag, 16. Januar 1971
Was als "Eisbahnrennen" der Rheinischen Altwagen-Renngemeinschaft geplant war, gestaltete sich auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Alma für die 85 Teilnehmer des ersten Wertungslaufes der deutschen Auto-Cross-Meisterschaft zu einer Fahrt durch Schlammpisten. Tagessieger wird Rolf Seitz, Gelsenkirchen.

Montag, 18. Januar 1971
Der Haupt- und FinanzausschuB hat den "Fall Remedios" zu den Akten gelegt. Damit wird über die Angelegenheit der "Tree-Art-Ausstellung" des Schriftstellers Philipp Wiebe und des kommissarischen Museumsdirektors Dr. Rainer Kabel im September 1970 der Mantel des Schweigens gehüllt. Außerdem beschließt der Hauptund Finanzausschuß angesichts der angespannten Finanzlage, keinen Zuschuß für den diesjahrigen Karnevalszug zu gewähren. Die Karnevalisten erklären, daß der Zug nun auch ohne die städtischen 5000 DM stattfindet, und zwar getreu dem diesjahrigen Zug-Motto "Dat haut uns nicht um."

Montag, 18. Januar 1971
Am Leibniz-Gymnasium werden ab 1. August Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet. In ihrem wirtschaftswissenschaftlichen Zweig hat die Schule seit 1966 bereits Erfahrungen mit der Koedukation gesammelt. Zu dem Zweig haben seit mehreren Jahren auch Realschülerinnen Zugang.

Mittwoch, 20. Januar 1971
Auf ihrer Fahrt van Dortmund nach Rotterdam wird die holländische Überdeckschute "Aafje Jacoba" auf Gelsenkirchener Gebiet durch Eisschollen des Kanals leck geschlagen. Die Feuerwehr rettet das Schiff vor dem Absinken.

Donnerstag, 21. Januar 1971
Ulrike Meinhof, langgesuchte Terroristin, wird in Gelsenkirchen bei einer Polizeikontrolle gestellt. Es gelang ihr jedoch, mit dem Wagen zu entkommen, wahrend die Polizei den Führerschein kontrollierte.

Dienstag, 26. Januar 1971
Die Elternschaft der buerschen Hauptschule an der Röckstraße äußert ihre Bestürzung darüber, daß infolge des Lehrermangels an der Schule wöchentlich 128 Unterrichtsstunden ausfallen.

Donnerstag, 28. Januar 1971
Durch die am 22. Januar von einer Polizeistreife gestellte, aber wieder entkommene Terroristin Ulrike Meinhof ist die Polizei einem Unterschlupf der Baader-Mahler-Gruppe in Scholven auf die Spur gekommen. Darüber berichtet die heutige Ortspresse.

Samstag, 30. Januar 1971
Die buersche Jazz-Rock-Gruppe "Pampelacke" erringt nur einen Monat nach ihrem ersten Auftreten in der Öffentlichkeit den ersten Preis beim Beatfestival gegen 25 konkurrienende Bands in der Recklinghäuser Vestlandhalle.

Sonntag, 1. Februar 1971
"Burnbas" Schmidt (78), der in Deutschland fast fünfzig Jahre FuBballgeschichte machte und als Trainer des FC Schalke 04 in den Jahren 1934, 1935 und 1937 mit diesem Verein die Deutsche Meisterschaft holte, wird in seiner Nürnberger Wohnung das Opfer einer Gasvergiftung. Er gilt als der Erfinder des "Schalker Kreisels".

Montag, 2. Februar 1971
Kostenlosen Verkehrsunterricht mit Hinweisen auf die ab 1. März 1971 geltende neue Straßenverkehrsordnung und neue Hinweisschilder erteilt die Polizei.

Montag, 8. Februar 1971
Auf dem heutigen Kreisparteitag der CDU rückt Gelsenkirchens "Union" erstmals vom konfessionellen Proporzdenken ab. Für den scheidenden Vizevorsitzenden Manfred Dressler (evg.) rückt nach der Wiederwahl von Günter Volmer und der Vizevorsitzenden Anna Ladener mit dem neugewählten Vize Wolfgang Jaeger ein dritter Katholik in den Parteivorstand auf. Der evangelische Partei-Arbeitskreis, der den buerschen Ortsvorsitzenden Hans Wagner zum Vize vorgeschlagen hatte, beanstandet das Abrücken von dem in Gelsenkirchen bisher üblich gewesenen Proporz. Wagner unterliegt bei der Abstimmung dem Kandidaten Jaeger.

Donnerstag, 11. Februar 1971
In einem Gespräch zwischen der Kölner Firma Bauhand GmbH, dem Einzelhandelsverband Buer und dem Bauamt wird aufgrund von Wirtschaftlichkeitsberechnungen festgestellt, daß im Bereich Hochstraße und De-la-Chevallerie-StraBe sowie Urbanus-Kirchplatz auf einer 20.000 qm großen Fläche und mit einem Kostenaufwand van 80 bis 100 Mio DM ein Einkaufszentrum errichtet werden könnte. Die "Bauhand" ist an dem Projekt stark interessiert.

Samstag, 13. Februar 1971
In den Räumen des Musiktheaters fand der Bühnen- und Presseball 1971 mit 1200 Gästen statt. Mitwirkende waren das Gesangs-Duo Andrea und Wyn Hoop, die Sangerin Teeny, die Hege-Hofer-Band und ein Kölner Tanzorchester. Oberbürgermeister Löbbert nahm am Ball nicht teil, weil der Rat der Stadt den Betrag fUr die Nutzung des Theaters von 3000 auf 10.000 erhöht hatte.

Montag, 22. Februar 1971
Rosenmontag: 130.000 Menschen umsäumen einen fast zweistündigen Karnevalszug auf der Cranger Straße. Vorher stürmt das Prinzenpaar mit Gefolge das Hans-Sachs-Haus. Am Abend erlebt der Horster Karneval seinen Höhepunkt durch das Auftreten der Kölner Schauspielerin und Karnevalistin Lotti Krekel.

Donnerstag, 25. Februar 1971
Der Technische Überwachungsverein (TÜV) legt der Ortspresse einen Bericht über die auf Scholven niedergehenden Düngesalz-Immissionen der Veba AG vor. Der TÜV habe festgestellt, daß es "in Scholven stinkt und Salz regnet". Das Werk sei aufgefordert worden, selbst eine kritische Untersuchung anzustellen.und Maßnahmen zur Beseitigung des Mißstandes einzuleiten. Trotzdem, so schließt der Bericht, seien auch künftig Belästigungen in Scholven unvermeidbar.

Freitag, 26. Februar 1971
Der erste Transport mit Umsiedlern aus Polen nach Abschluß des deutsch-polnischen Vertrages trifft in Gelsenkirchen ein. Es handelt sich um 36 Personen, die in den Übergangsheimen Cranger Straße und Heistraße untergebracht werden.

Freitag, 26. Februar 1971
Das seit Mai 1970 geschlossene katholische Jugendheim an der Vereinsstraße in Horst-Nord, bis zur Schließung als Heim der offenen Tür Treffpunkt der Horster Jugend, rückt durch einen Leserbrief in der Westfälischen Rundschau "Zuschuß für geschlossenes Jugendheim" in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Bereits zu Weihnachten hatte die Horster Jugend für die Wiedereröffnung des Heims plädiert, zumal es mit städt. Zuschüssen bedacht wird.

Montag, 1. März 1971
Der Feuerwerker Richard Koch (55) steht seit 25 Jahren im Dienst der Beseitigung von Kampfmitteln aus dem letzten Krieg. In Gelsenkirchen und den Nachbarorten suchte und entschärfte er Blindgänger, so auch eine 36-Zentner-Luftmine.

Dienstag, 2. März 1971
Prof. Dr. Wüstenberg, Direktor des Hygiene-Instituts, referiert vor den Hörern der städtischen Forumsgesprächsreihe im Rathaus Buer über Fragen der Umweltverschmutzung. Seine These lautet: Umweltschutz hat Vorrang vor dem Wachstum der Stadt.

Mittwoch, 10. März 1971
75 Jahre besteht die am 1. März 1896 gegründete Heilsarmee Gelsenkirchen. Erste "Korpsleiter" waren Kapitän Schuster und seine Frau.

Freitag, 12. März 1971
Bei Ausschachtungsarbeiten im Tossehof werden Knochenreste gefunden, die vermutlich von einem Mammut stammen.

Donnerstag, 18. März 1971
In einem Vortrag vor Mitgliedern der Vestischen Gruppe der IHK Münster über den Arbeitsmarkt von übermorgen (1985) erklärt ein Sprecher vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialforschung, daß die ausländischen Gastarbeiter "unsere faule Haut stärken" werden.

Dienstag, 23. März 1971
Beim Bundeswettbewerb "Mathematik 1970/71" des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft errangen die buerschen Max-Planck-Gymnasiasten Gerd Faltings und Heinz Potthoff den ersten und zweiten Platz.

Freitag, 26. März 1971
Die "Aktion Roter Punkt" führt zu Demonstrationen in der Gelsenkirchener Innenstadt, an denen etwa 600 Demonstranten mit Spruchbändern und Transparenten teilnehmen. Im Bereich des Musiktheaters kommt es teilweise zu Verkehrsbehinderungen. Die Bogestra beantwortet die Herausforderung, die ihr die Initiatoren der Aktion bereitet haben, mit einer "Aktion grüner Punkt", bei der in Flugblättern auf die wirtschaftliche Situation bei der Nahverkehrsgesellschaft hingewiesen wird.

heen
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Re: Stadtchronik 1971

Beitrag von heen »

Ein Bunker den niemand gehört und den es nicht gibt. Ein holländischer Indianer auf dem Kartoffelacker und ein "Waldmensch" in der Resser Mark, dazu Tiger.
So wars.
Von hier. (PDF, 17 MB)
Stadtchronik 1971 hat geschrieben: Samstag, 10. April 1971
Ein verfallener Luftschutzbunker unweit der Georgskirche ist zum Ärgernis in der Bürgerschaft geworden. Er steht auf dem Privatgrundstück, aber die Frage der Zuständigkeit bereitet den Behörden Kopfzerbrechen. Die für die Betreuung alter Schutzbunker zuständige Bundesvermögensstelle in Dortmund (Rechtsnachfolgerin des ehemaligen 3. Reiches) hat angeblich das Eigentumsrecht an diesem Relikt aus dem letzten Krieg aufgegeben. In den Plänen des Katasteramtes der Stadt ist er nicht ausgewiesen. Folglich
existiert er de jure überhaupt nicht. Leider aber de facto.

Dienstag, 13. April 1971
In Gelsenkirchen wird, zum erstenmal in der Bundesrepublik, eine Frau zur stellvertretenden Leiterin der Kriminalpolizei bei einer Kreispolizeibehörde ernannt. Es ist die Kriminaldirektorin Dr. Ilse Matthes.

Mittwoch, 14. April 1971
Ein mit vier Personen besetztes holländisches Flugzeug vom Typ "Piper Commanche" mußte wegen eines technischen Defektes auf einem Kartoffelacker nahe der Buer-Gladbecker Grenze notlanden.

Samstag, 17. April 1971
Das heutige Spiel des FC Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld endet mit O:1 Toren für die abstiegsbedrohte Bielefelder Bundesligamannschaft. Es gilt für Eingeweihte als Ausgangspunkt eines Bestechungsskandals. Trotz Schalker Dementis wird von einem "verkauften Spiel" zu Gunsten der Bielefelder gesprochen.

Montag, 19. April 1971
Der Liegenschaftsausschuß lehnt den Antrag der Organisation "Selbsthilfe", das alte Amtsgerichtsgefängnis für Wohnkollektive zur Verfügung zu stellen, ab. In der "Selbsthilfe", die von Kaplan Heinrich Philippek betreut wird, sollen gescheiterte junge Menschen resozialisiert werden. Von der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten wird die Entscheidung des Liegenschaftsausschusses kritisiert.

Montag, 19. April 1971
Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten drängt in einer gemeinsamen Sitzung mit den zuständigen Ausschußvorsitzenden, den Stadtplanern und der buerschen Kaufmannschaft auf beschleunigte Errichtung des buerschen Einkaufszentrums, da angeblich 40 v.H. der Einwohner ihren Bedarf außerhalb der Stadt decken.

Montag, 26. April 1971
Die Buersche Zeitung berichtet von einem in der Resser Mark von Einbrüchen und Diebstahl lebenden "Waldmenschen", dessen grüne Schlafstelle von der Polizei ausgehoben wurde.

Mittwoch, 28. April 1971
An der Kurt-Schumacher-Straße/Grenzstraße sowie an der Hohenzollernstraße/Wanner Straße sind je eine Ampelkameraanlage installiert worden, die eine Sekunde nach Beginn der Rotphase Verkehrssünder fotografieren.

Freitag, 7. Mai 1971
Auslandskorrespondenten aus Holland, Schweden, Syrien und der Sowjet-Union besuchen die Gesamtschule, um den in der Bundesrepublik bisher einmaligen Versuch der Erprobung einer Studienstufe im Gesamtschulbereich kennenzulernen.

Dienstag, 11. Mai 1971
Ein Gehege mit (vorläufig) zehn Tigern wird als neue Attraktion im Löwenpark des Grafen Westerholt eröffnet. Zur Eröffnung sind die Schauspieler Heidi Kabel und Willy Millowitsch eingeladen worden.

Mittwoch, 19. Mai 1971
Zum letztenmal ist heute das seit 1904 bestehende Hallenbad an der HusemannstraBe geöffnet. Nach der Inbetriebnahme des neuen Zentralbades an der Overwegstraße ab 25. Mai 1971 wird das alte Bad abgerissen.

Donnerstag, 20. Mai 1971
Die Stadt Gelsenkirchen bewirbt sich beim Land Nordrhein-Westfalen um die Errichtung einer Spielbank im Schloß Berge.

Samstag, 12. Juni 1971
Der Haus- und Grundeigentümer-Verein Gelsenkirchen hat sich an die Rats-Opposition mit der Bitte gewandt, zu beantragen, der Rat möge wegen der Grundstücksverkäufe oder Übereignung von Grundstücken an Ratsmitglieder seit dem 1. Januar 1960 einen unabhängigen Untersuchungsausschuß bestellen, der diese "Vergabewirtschaft" durchleuchtet. Der Haus- und Grundeigentümer-Verein geht davon aus, daß auch ein Großteil von Mitgliedern der SPD-Fraktion daran interessiert ist, die Vergabepraktiken
zu untersuchen und zu prüfen.

heen
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Re: Stadtchronik 1971

Beitrag von heen »

Streik sorgt für saubere Luft und elektrische Bodenheizungen ersparen das Schneeräumen. Es war heiß, die Fische bekamen keine Luft.
Das 3. Quartal, Sommerloch.
Von hier. (PDF, 17 MB)
Stadtchronik 1971 hat geschrieben: Freitag, 2. Juli 1971
Scholvener Bürger konstatieren: So sauber wie jetzt, zur Zeit des Veba-Streiks, war die Luft über Scholven schon seit langem nicht mehr.

Donnerstag, 8. Juli 1971
Infolge der anhaltenden großen Hitze (heute werden 32 Grad Celsius im Schatten gemessen) hat im Stadthafen ein Fischsterben eingesetzt. Bislang wurden über 2 Zentner Fischkadaver geborgen. Die Feuerwehr reichert das Wasser mit Sauerstoff an, um weiteren Schaden beim Fischbestand vorzubeugen.

Freitag, 9. Juli 1971
Drei Familien aus dem Wetterweg in Erle haben für ihre Kinder aus einem zur wilden Müllkippe verschandelten Garten einen Spielplatz geschaffen. In Eigenarbeit erstellten sie sogar die dort vorhandenen Spiel- und Turngerate, die zusammen mit den Ruhebänken für Erwachsene und eine freundliche Gartenanlage ein Freizeit-Idyll geworden ist.

Dienstag, 13. Juli 1971
Vierzig Wasserpumpen sind im Stadthafen durch die Feuerwehr eingesetzt, um das immer noch anhaltende Fischsterben zu beenden. Zur Zeit sind hundert Feuerwehrleute in den beiden Hafenbecken im Einsatz.

Donnerstag, 22. Juli 1971
Nach Instandsetzungsarbeiten am Turm der Horster Hippolytuskirche wurde der inzwischen ebenfalls restaurierte Turmhahn wieder aufgesetzt. Bei den Arbeiten an dem Hahn wurde der vermutlich aus den Wirren der letzten Kriegstage herruhrende Einschuß eines Neunmillimetergeschosses entdeckt.

Samstag, 14. August 1971
Um das Schneeraumen zu ersparen, läßt der ehemalige Oberstadtdirektor Hans Hülsmann vor seinem Haus an der Erlestraße eine elektrische Bodenheizung unter der Bürgersteigfläche und unter dem Zugang zum Haus verlegen.

Montag, den 20. September 1971
Nach vorliegenden Presseberichten zählt der Deutsche Stadtetag Gelsenkirchen zu den Städten, in denen ernstlich die Einführung des "Park- and Drive-Systems" erwogen werden sollte. Mit derzeit 3685 Kfz je qkm und einer 91prozentigen Belegung der Parkuhren sei die zu erwartende Verkehrsentwicklung in Gelsenkirchen besorgniserregend.

Montag, den 27. September 1971
Auf der Tagesordnung der Sitzung des Rates der Stadt steht die Wahl des Beigeordneten für das Baudezernat, für das sich der Ltd. Vermessungsdirektor Theodor Terboven beworben hat. Überraschend unterliegt Terboven jedoch bei der Wahl dem bisherigen Baudezernenten Erhard Weiß, der am Jahresbeginn wegen seiner Kantroversen mit Terboven als Ministerialdirektar ins Bundeswohnungsbauministerium überwechselte. Weiß erhält, ohne sich beworben zu haben, 28 Stimmen, Terboven lediglich 23. Weiß erklärte daraufhin, es würde ihn reizen, unter der Devise eines harten Protestes, wieder nach Gelsenkirchen zurückzukehren.
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