Stadtchronik 1828

Auszüge aus den von 1936 bis 1978 maschinenschriftlich geführten Chroniken der Stadt Gelsenkirchen

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heen
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Stadtchronik 1828

Beitrag von heen »

Quellen:
Dortmunder Wochenblatt
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/ ... fo/4518639

Rheinisch-Westphälischer Anzeiger
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/ ... 6:1-186410

Münsterisches Intelligenzblatt
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/ ... re/1488242

Amtsblatt der Regierung Münster
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/ ... fo/1055728

Amtsblatt der Regierung in Arnsberg
https://www.digitale-sammlungen.de/de/s ... 2659602%22

Amtsblatt der Regierung in Düsseldorf
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ih ... re/5482765

Hesperus 1828
https://www.digitale-sammlungen.de/de/v ... 08?page=,1


Preise und Wirtschaft in der Region
Das Wirtschaftsjahr in der Region
Januar
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Januar 1828

[...]
Gesundheitszustand
a. Bei den Menschen. Katarrhalische und gastrich-rheumatische Krankheiten, auch Hals- und Brust-Entzündungen kamen häufig, in seltenen Fällen auch Gehirn-Entzündungen vor. In einigen Gemeinden zeigten sich auch Nerven- und Scharlachfieber, jedoch war im Allgemeinen die Sterblichkeit nicht groß.
[...]

Landwirthschaft
Die Winterfrucht bietet in den meisten Kreisen ein erfreuliches Ansehen dar; [...]. Die günstigen Preise für fettes Vieh dauern fort; besonders werden Mastschweine noch theurer als früher bezahlt.
[...]
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 8, 23. Februar 1828, Seite 61


Nachweisung der Fruchtpreise im Monat Januar 1828 (Preise per Scheffel (55 l))
Kreis Recklinghausen

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		Januar 1828		Durchschnitt Januar 1828
Weizen		2 Rtl 4 sgr 6 pf	2 Rtl 2 sgr
Roggen		1 Rtl 22 sgr 6 pf	1 Rtl 28 sgr 3 pf
Gerste		1 Rtl 18 sgr 9 pf	1 Rtl 9 sgr 2 pf
Buchweizen	1 Rtl 13 sgr 9 pf	1 Rtl 8 sgr 1 pf
Kartoffeln	0 Rtl 11 sgr 9 pf	0 Rtl 12 sgr 10 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 8, 23. Februar 1828, Seite 64


Nachweis der im Monat Januar 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Januar 1828		Durchschnitt Januar 1828
Weizen		2 Rtl 8 Sg 1 pf     	2 Rth 0 Sg 4 pf
Roggen		1 Rtl 28 Sg 1 pf  	1 Rth 22 Sg 6 pf
Gerste		1 Rtl 10 Sg 11 pf	1 Rth 7 Sg 1 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 Sg	   	0 Rtl 10 Sg 5 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 7, 16. Februar 1828, Seite 50


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Januar 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		Januar 1828		Durchschnitt Januar 1828
Weizen		2 Rtl 3 sgr	     	2 Rtl 4 sgr 3 pf
Roggen		2 Rtl 2 sgr	       	1 Rtl 27 sgr 8 pf
Gerste		1 Rtl 12 sgr        	1 Rtl 10 sgr 11 pf
Buchweizen	1 Rtl 12 sgr    	1 Rtl 8 sgr
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 13 sgr 6 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 11, 27. Februar 1828, Seite 77


* * *


Februar
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Februar 1828.

[...]
Landwithschaft
In den meisten Kreisen gewährt der Stand der Winterfrüchte die besten Aussichten. Nur in wasserreichen Gegenden hatte der Frost etwas geschadet, was den Weizen hie und da, durchgehends aber den Raps, Brockelsamen und Klee betroffen hat. Die Frostbahn wurde vom Landmann zum Holzfahren und die nachherige mildere Witterung schon zum Düngen für die Sommersaat benutzt.
Wegen Vertilgung der durch die gelinde Witterung des Januars in ungewöhnlicher Menge ausgekommenen Raupen sind die nöthigen Maßregeln augeordnet.
[...]
Münster, den 14. März 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 12, 22. März 1828, Seite 93


Nachweisung der Fruchtpreise im Monat Februar 1828 (Preise per Scheffel (55 l))
Kreis Recklinghausen

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		Februar 1828		Durchschnitt Februar 1828
Weizen		2 Rtl 8 sgr 2 pf	2 Rtl 1 sgr 10 pf
Roggen		1 Rtl 25 sgr 6 pf	1 Rtl 27 sgr
Gerste		1 Rtl 13 sgr		1 Rtl 8 sgr 6 pf
Buchweizen	1 Rtl 12 sgr 3 pf	1 Rtl 7 sgr 10 pf
Kartoffeln	0 Rtl 11 sgr 11 pf	0 Rtl 13 sgr
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 12, 22. März 1828, Seite 96


Nachweis der im Monat Februar 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Februar 1828		Durchschnitt Februar 1828
Weizen		2 Rtl 6 Sg	     	2 Rth 0 Sg 5 pf
Roggen		1 Rtl 28 Sg 2 pf  	1 Rth 22 Sg 5 pf
Gerste		1 Rtl 10 Sg 10 pf	1 Rth 6 Sg 11 pf
Kartoffeln	0 Rtl 11 Sg 8 pf   	0 Rtl 10 Sg 4 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 10, 8. März 1828, Seite 74


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Februar 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		Februar 1828		Durchschnitt Februar 1828
Weizen		2 Rtl 6 sgr	     	2 Rtl 4 sgr 5 pf
Roggen		2 Rtl 3 sgr	       	1 Rtl 26 sgr 6 pf
Gerste		1 Rtl 12 sgr        	1 Rtl 10 sgr 1 pf
Buchweizen	1 Rtl 10 sgr    	1 Rtl 9 sgr 3 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 13 sgr 11 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 14, 18. März 1828, Seite 102


* * *


März
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat März 1828.

[...]
Gesundheits-Zustand
Eine unvermeidliche Folge der rauhen Witterung dieses Monats waren rheumatische, katreeische, Wechsel-, Entzündungs-, Brust- und kalte Fieber. Hie und da zeigten sich auch Nervenfieber, jedoch ohne kontagidsen [ansteckend] Charakter. - In der Bürgermeisterei Bottropp, Kreis Recklinghausen, wurden 2 Kinder von der häutigen Bräune [Diphtherie] befallen, wovon das eine starb.
[...]
Münster, den 16. April 1828
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 16, 19. April 1828, Seite 135


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat März 1828.
Kreis Recklinghausen

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		März 1828		Durchschnitt März 1828
Weizen		2 Rtl 6 sgr 7 pf	2 Rtl 0 sgr 7 pf
Roggen		1 Rtl 19 sgr 10 pf	1 Rtl 24 sgr 10 pf
Gerste		1 Rtl 9 sgr 2 pf	1 Rtl 9 sgr 4 pf
Buchweizen	1 Rtl 9 sgr		1 Rtl 7 sgr 6 pf
Kartoffeln	0 Rtl 13 sgr 3 pf	0 Rtl 13 sgr 7 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 16, 19. April 1828, Seite 144


Nachweis der im Monat März 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		März 1828		Durchschnitt März 1828
Weizen		2 Rtl 5 Sg 6 pf		2 Rth 1 Sg 11 pf
Roggen		1 Rtl 26 Sg 8 pf	1 Rth 21 Sg 11 pf
Gerste		1 Rtl 10 Sg 4 pf	1 Rth 8 Sg 2 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 Sg		0 Rtl 10 Sg 4 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 15, 12. April 1828, Seite 138


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro März 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		März 1828		Durchschnitt März 1828
Weizen		2 Rtl 8 sgr	     	2 Rtl 4 sgr
Roggen		1 Rtl 27 sgr	       	1 Rtl 23 sgr 11 pf
Gerste		1 Rtl 10 sgr        	1 Rtl 9 sgr 7 pf
Buchweizen	1 Rtl 10 sgr    	1 Rtl 8 sgr 11 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 13 sgr 8 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 22, 21. April 1828, Seite 171


* * *


April
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat April 1828.

[...]
Landwirthschaft
Die anhaltend nasse Witterung ist dem Winterkorn auf niedrigem, vorzüglich auf dem Kleiboden nachtheilig gewesen, und verhinderte auch bis zum Eintritt besserer Tage die Bestellung der Aecker zur Sommerfrucht. Im Kreise Beckum, der den schwersten Boden hat, mußte vieles Wintergetreide umgepflügt werden; eben so die in andern Gegenden zu früh gesäete Sommerbestellung, welche durch die Nässe verfault war. Auf hohem und Sandboden steht dagegen die junge Saat vorzüglich gut.
Der Bröckel-Samen und Winter-Raps hatte sich hie und da erholt und verspricht noch leidliche Ausbeute. Den Obstbäumen ist die kalte und nasse Witterung günstig gewesen, da das Ungeziefer dabei nicht gedeihen konnte.

Handel und Gewerbe
Zum allgemeinen Leidwesen der arbeitenden Klasse erhalten sich die Preise der Leinwand und des Garns auf dem frühern niedrigen Stande, und es ist überhaupt wenig Absatz in diesen Fabrikaten. Im Viehandel war auf den Märkten, die wegen der schlechten Wege mehr von Käufern als von Verkäufern besucht werden konnten, schneller Absatz; besonders wurden magere Schweine und Kühe gesucht und gut bezahlt, und im Kreise Lüdinghausen viele Pferde nach dem Bergischen aufgekauft. Der Holzhandel erhielt sich fortwährend lebhaft. Nach Eichenrinde war weniger Nachfrage als sonst.

Wegebesserung
An der Besserung der durch den vielen Regen sehr verdorbenden Wege konnte auch in den bessern Tagen nur wenig geschehen, da der Landmann zu sehr mit Feldarbeiten beschäftigt war.
[...]
Münster, den 14. Mai 1828
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 20, 17. Mai 1828, Seite 188


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat April 1828.
Kreis Recklinghausen

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		April 1828		Durchschnitt April 1828
Weizen		2 Rtl 5 sgr 11 pf	2 Rtl 0 sgr 1 pf
Roggen		1 Rtl 22 sgr 8 pf	1 Rtl 23 sgr 3 pf
Gerste		1 Rtl 8 sgr 5 pf	1 Rtl 7 sgr 5 pf
Buchweizen	1 Rtl 10 sgr 6 pf	1 Rtl 7 sgr 1 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr 4 pf	0 Rtl 13 sgr 3 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 20, 17. Mai 1828, Seite 192


Nachweis der im Monat April 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		April 1828		Durchschnitt April 1828
Weizen		2 Rtl 5 Sg 6 pf		2 Rth 1 Sg 8 pf
Roggen		1 Rtl 26 Sg 11 pf	1 Rth 21 Sg 4 pf
Gerste		1 Rtl 10 Sg		1 Rth 7 Sg 8 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 Sg 4 pf	0 Rtl 10 Sg 6 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 19, 10. Mai 1828, Seite 174


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro April 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		April 1828		Durchschnitt April 1828
Weizen		2 Rtl 8 sgr	     	2 Rtl 4 sgr 4 pf
Roggen		2 Rtl		       	1 Rtl 22 sgr 10 pf
Gerste		1 Rtl 10 sgr        	1 Rtl 10 sgr 2 pf
Buchweizen	1 Rtl 10 sgr    	1 Rtl 8 sgr 11 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 12 sgr
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 30, 27. Mai 1828, Seite 239


* * *


Mai
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Mai 1828.

[...]
Gesundheitszustand
a. Bei den Menschen. Neben den bei der meistens rauhen Witterung gewöhnlichen leichten katarrhalischen und rheumatischen Uebel gehörten die vielen Anfälle von Wechsel-, Brust- und Nervenfiebern zu den bemerkenswerthen Erscheinungen des verflossenen Monats.
Das Wechselfieber herrschte fast durch den ganzen Bezirk, jedoch ohne bösartigen Charakter; das Nervenfieber dagegen hatte zu Nottuln und zu Rhede, besonders im ersten Orte Besorgniß erregt, daß es kontagids sey, da mehrere Personen daran gestorben waren.
Bei den Kindern herrschte in vielen Gegenden der Keuchhusten, jedoch ohne Gefahr für deren Leben.
Im Ganzen war die Sterblichkeit gering; so waren z. B. im Kirchspiel Bottrop - es zählt 2600 Seelen - in den beiden letzten Monaten nur 4 Menschen gestorben.
[...]

Landwirthschaft
Die Wintersaat steht im Ganzen gut und verspricht eine ergiebige Erndte. Der Roggen prangt fast überall mit voll entwickelten Aehren; nur aus dem Kreise Lüdinghausen wird geklagt, daß er dünne stehe. In den Niederungen ist die Sommerbestellung etwas verspätet; doch steht die Sommersaat im Allgemeinen gut.
Durch die Ueberschwemmungen haben die Weiden, so wie die Wiesen sehr gelitten, und es mußte hie und da das bereits weidende Vieh wieder aufgestallt werden.
Die Obstbäume litten in vielen Kreisen sehr vom Raupenfraß. In der Nähe von Ahaus zeigten sich zu Anfang des Monats Mai unzählige Schwärme von großen schwarzen Fliegen, welche bloß ihren Durchzug zu haben schienen. Sie bedeckten ganze Kornfelder und richteten Schaden an Kernobst-Bäumen an, indem sie die Blüthen benagten und mit einer Art von giftigem Stoff überzogen, wonach die Knospen verdorrten und abfielen.
Die Gartenfrüchte blieben bei der ungünstigen Witterung zum Theil sehr zurück.
Von den Oelgewächsen, welche sich in den meisten Gegenden erholt hatten, erwartet man noch ziemliche Ausbeute.

Handel und Gewerbe
[...]
Junge Schweine und milchgebende Kühe wurden theuer bezahlt. In Sassenberg erhält sich die Segeltuchfabrikation fortwährend lebhaft; eben so im Kreise Recklinghausen der Handel mit Eichenrinde, obgleich wenig Aussicht zur Exportation dieses Artikels vorhanden ist.
Die Preise des Garns und der Leinwand wollen sich dagegen immer noch nicht heben und es ist auch wenig Absatz darin.
Nach Getreide und Branntwein war wenig Nachfrage.

Gemeindewesen
Die Bürgerschaft zu Dorsten hat durch die nun beinahe beendigten Thorbauten, den Lippbrückenbau und die Vergrößerung des Viehmarktplatzes daselbst mit nicht unbedeutenden Aufopferungen viel zur Verschönerung ihrer Stadt beigetragen. Die lobenswerthe Zweckmäßigkeit jener Anlagen, und die rühmlichen Anstrengungen der Bürgerschaft dabei, verdienen zur Nachahmung erwähnt und empfohlen zu werden.

Sittlicher Zustand
Die Gemeinden unseres Bezirks haben im Laufe des Jahrs 1827 aus ihren Mitteln aufgebracht:

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1. an Beiträgen für den Kultus, zur Unterhaltung der kirchlichen Gebäude 
   und an Zulagen für die Pfarrer und Kapläne
                                             11392 Thlr. 26 Sgr. 2 Pf.
2. an Beiträgen für das Unterrichtswesen, 
   Unterhaltung der Schulgebäude und Zu-
   lagen zu den Besoldungen der Schul-
   lehrer
                                             25380 Thlr.  1 Sgr. 2 Pf.
3. an Beiträgen für die Medizinal- Ange-
   legenheiten, als: Gehälter der Hebam-
   men, Zulagen für Aerzte und Thierärzte,
   so wie Impfkosten
                                              2556 Thlr.  9 Sgr. 5 Pf.
                                          ----------------------------
Zusammen                                     39329 Thlr.  6 Sgr. 9 Pf.
Münster, den 11. Juni 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 24, 14. Juni 1828, Seite 234


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat Mai 1828.
Kreis Recklinghausen

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		Mai 1828		Durchschnitt Mai 1828
Weizen		2 Rtl 5 sgr 3 pf	2 Rtl 0 sgr 5 pf
Roggen		1 Rtl 21 sgr 5 pf	1 Rtl 22 sgr 3 pf
Gerste		1 Rtl 9 sgr 2 pf	1 Rtl 7 sgr 10 pf
Buchweizen	1 Rtl 9 sgr 2 pf	1 Rtl 7 sgr 8 pf
Kartoffeln	0 Rtl 13 sgr 1 pf	0 Rtl 13 sgr 3 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 24, 14. Juni 1828, Seite 237


Nachweis der im Monat Mai 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Mai 1828		Durchschnitt Mai 1828
Weizen		2 Rtl 6 Sg 4 pf		2 Rth 2 Sg 9 pf
Roggen		1 Rtl 28 Sg 1 pf	1 Rth 22 Sg 6 pf
Gerste		1 Rtl 9 Sg 6 pf		1 Rth 7 Sg 9 pf
Kartoffeln	0 Rtl 13 Sg 2 pf	0 Rtl 10 Sg 6 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 26, 28. Juni 1828, Seite 260


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Mai 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		Mai 1828		Durchschnitt Mai 1828
Weizen		2 Rtl 14 sgr	     	2 Rtl 8 sgr 5 pf
Roggen		1 Rtl 27 sgr	       	1 Rtl 24 sgr 1 pf
Gerste		1 Rtl 10 sgr        	1 Rtl 13 sgr 1 pf
Buchweizen	1 Rtl 14 sgr    	1 Rtl 10 sgr 6 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 13 sgr
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 36, 27. Juni 1828, Seite 292


* * *


Juni
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Juni 1828.

[...]
Landwirthschaft
Sowohl Winter- als auch Sommerfrüchte stehen gut und versprechen zum Theil gute, zum Theil mittelmäßige Erndte. Die frühe Hoffnung auf eine reichliche Obst-Erndte ist in vielen Gegenden durch die Raupen und die kalten Nächte vernichtet.
Der Rübsamen-Ertrag wird den Erwartungen keineswegs entsprechen; dagegen ist die Heu-Erndte in vielen Gegenden reichlich ausgefallen. - Der Flachs wird nur mittelmäßige Ausbeute liefern, da die Erdflöhe ihm hie und da nachtheilig waren.
Durch die in den Kreisen Münster, Warendorf, Beckum, Lüdinghausen und Steinfurt in entsetzlicher Menge in die Eichenholzungen gedrungene Prozessions-Raupe, welche in dicken unvertilgbaren Massen von Millionen dieses Ungezifers die Bäume entblättern und, wie schon erwähnt, Menschen und Vieh sogar durch die Exkremente und wenn das Vieh sich an den infizirten Bäumen reibt, innerlich und äußerlich schädlich ist, wurde die ganze Eichelmast zu Grunde gerichtet. Nicht allein die Eichbäume, sondern auch die ihnen nahe stehenden Häuser, werden von diesem Ungeziefer heimgesucht, und die Bewohner können sich gegen diese Plage nur durch tägliches Verfolgen mit heißem Wasser einigermaßen schützen. Auch in den Gärten hat dieselbe ungeachtet der angestrengten Aufmerksamkeit vielen Schaden angerichtet. Ein Oekonom des Kreises Steinfurt, dessen Aussage sich auch nach den Berichten mehrerer Landräthe bestätigt, sagt darüber:
"Ich bemerkte in diesem Frühjahr diese Raupen-Nester an den jungen Eichen meiner Grundstücke und bemühte mich, sie zu zerstören, und mit den Dornschnitte abzunehmen. Dies ist mir aber sehr übel bekommen. Gesicht und Arme fingen an zu schwellen, worauf dann, eine Entzündung, wie vom Bienenstiche, eintrat und ein unerträgliches, 8 Tage anhaltendes Jucken erfolgte, so daß ich viel daran leiden mußte."
Mehrere Leute, in deren Häuser die Raupen drangen, sollen daran erkrankt seyn. Selbst die Berührung der Raupen mit Handschuhen soll gegen die Infizirung nicht schützen und sogar die zurückgebliebenden Hülsen der verpuppten Raupen, woraus das Insekt bereits gekrochen ist, verursacht dieselbe Erscheinung.

Handel und Gewerbe
Schweine und Rindvieh fanden auf den Märkten vielen Absatz; auch junge Pferde wurden gesucht und ziemlich theuer bezahlt. Eben so ward die Wolle zu guten Preisen in Masse aufgekauft.
Der Garn- und Leinwandhandel scheint sich, den Nachfragen bei den Leggen zufolge, etwas heben zu wollen. Jetzt sind die Preise des Garns noch niedrig und fortwährend ein Gegenstand der Klage der arbeitenden Klasse.
Holz und Eichenrinde fanden fortwährend Abgang.
Münster, den 15. Juli 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 29, 19. Juli 1828, Seite 268


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat Juni 1828.
Kreis Recklinghausen

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		Juni 1828		Durchschnitt Juni 1828
Weizen		2 Rtl 7 sgr 6 pf	2 Rtl 5 sgr
Roggen		1 Rtl 20 sgr 2 pf	1 Rtl 23 sgr 7 pf
Gerste		1 Rtl 11 sgr 9 pf	1 Rtl 9 sgr 1 pf
Buchweizen	1 Rtl 7 sgr 5 pf	1 Rtl 9 sgr
Kartoffeln	0 Rtl 13 sgr 11 pf	0 Rtl 13 sgr 4 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 29, 19. Juli 1828, Seite 272


Nachweis der im Monat Juni 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Juni 1828		Durchschnitt Juni 1828
Weizen		2 Rtl 14 Sg		2 Rth 9 Sg 10 pf
Roggen		1 Rtl 25 Sg		1 Rth 24 Sg 2 pf
Gerste		1 Rtl 10 Sg 8 pf	1 Rth 9 Sg 3 pf
Kartoffeln	0 Rtl 13 Sg 8 pf	0 Rtl 10 Sg 7 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 28, 12. Juli 1828, Seite 285


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Juni 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		Juni 1828		Durchschnitt Juni 1828
Weizen		2 Rtl 18 sgr	     	2 Rtl 18 sgr 5 pf
Roggen		2 Rtl		       	1 Rtl 25 sgr 8 pf
Gerste		1 Rtl 14 sgr        	1 Rtl 13 sgr 6 pf
Buchweizen	1 Rtl 14 sgr    	1 Rtl 12 sgr 10 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 14 sgr 1 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 45, 22. Juli 1828, Seite 349


* * *

Juli
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Juli 1828.

[...]
Landwirthschaft
Die Roggen-Erndte ist im vollen Gange, fällt aber wegen früherer Dürre, besonders auf dem Sande, nicht so gut aus, als man erwartete. Der früh gemähete hat bei dem steten Regen durch Auswachsen hie und da gelitten. Das Stroh ist dagegen reichlich und lang. Der Weizen verspricht einen guten Ertrag.
Der viele Regen ist den Wiesen und Weiden, so wie den Sommer und Gartenfrüchten außerordentlich gedeihlich gewesen. Hanf, Flachs und Oelgewächse fallen dürftig aus.
Die Heu-Erndte ist beendigt und größtentheils sehr reichlich eingebracht.
Mit lobenswerther Anstrengung und nahe 10000 Thlr. Kosten haben die Interessenten der Horster Mark in der Bürgermeisterei Buer die ihnen zugefallenen Antheile von circa 500 Magdeburger Morgen [127 Hektar] in Kultur gesetzt, wobei die Kosten der Beackerung und Besamung noch nicht gerechnet sind. Die diesjährige Witterung ist diesem neuen Ackerlande sehr günstig gewesen, und die Bebauer haben die gegründetste Hoffnung, schon in diesem Jahre einen großen Theil ihrer bedeutenden Vorschüsse durch den Erndte-Ertrag gedeckt zu sehen.
Diese Anstrengungen um die Kultivirung dieses schlechten Heidegrundes, auf dem sich noch im vorigen Sommer nur Dornen, schlechtes Holz und Disteln kümmerlich nährten, verdienen belobend anerkannt und zur Nacheiferung empfohlen zu werden.

Handel und Gewerbe
Der Garn- und Leinwandhandel ist noch immer sehr schlecht, doch war etwas mehr Nachfrage darnach. Der Preis des Löwenlinnens ist leider wieder etwas gesunken. Auf den meistens gut besuchten Märkten wurde Rindvieh, milchgebende Kühe, besonders auch junge Schweine zu guten Preisen verkauft, auch Pferde gut bezahlt; der übrige Handel war unbedeutend. Die Segeltuch-Fabrikation zu Sassenberg hatte noch guten Fortgang. Im Bauholz blieb der Handel fortwährend lebhaft, und nach Eichenrinde stellte sich die frühere Nachfrage wieder her. Nach Holland wurde aus den angrenzenden Gegenden des Einlandes viel Torf zu guten Preisen abgesetzt.
In Ochtrup hat sich die Steingut-Fabrikation durch Engagirung eines Töpfers, der lange Jahre in großen Fabrikorten gearbeitet, sehr gehoben, und es wird dort Steingut jetzt verfertigt, was dem Koblenzer in der Güte nichts nachgeben soll.
[...]
Münster, den 14. August 1828
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 34, 23. August 1828, Seite 311


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat Juli 1828.
Kreis Recklinghausen

Code: Alles auswählen

		Juli 1828		Durchschnitt Juli 1828
Weizen		2 Rtl 11 sgr 2 pf	2 Rtl 7 sgr 9 pf
Roggen		1 Rtl 18 sgr 5 pf	1 Rtl 21 sgr 7 pf
Gerste		1 Rtl 13 sgr 3 pf	1 Rtl 8 sgr 7 pf
Buchweizen	1 Rtl 7 sgr 5 pf	1 Rtl 9 sgr
Kartoffeln	- Rtl - sgr - pf	0 Rtl 13 sgr 2 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 34, 23. August 1828, Seite 311


Nachweis der im Monat Juli 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Juli 1828		Durchschnitt Juli 1828
Weizen		2 Rtl 21 Sg 11 pf	2 Rth 17 Sg 9 pf
Roggen		1 Rtl 22 Sg 10 pf	1 Rth 25 Sg 4 pf
Gerste		1 Rtl 6 Sg		1 Rth 10 Sg 1 pf
Kartoffeln	0 Rtl 13 Sg 8 pf	0 Rtl 10 Sg 9 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 33, 16. August 1828, Seite 322


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Juli 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		Juli 1828		Durchschnitt Juli 1828
Weizen		3 Rtl		     	2 Rtl 23 sgr 7 pf
Roggen		1 Rtl 22 sgr	       	1 Rtl 19 sgr 5 pf
Gerste		1 Rtl	        	1 Rtl 7 sgr 3 pf
Buchweizen	1 Rtl 11 sgr    	1 Rtl 12 sgr 8 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 15 sgr 7 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 50, 22. August 1828, Seite 398


* * *


August
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat August 1828.

[...]
Gesundheitszustand
a. Bei den Menschen. [...]
Im Allgemeinen war die Sterblichkeit gering. So hatten sich in der Gemeinde Bösenfell von 1000 Seelen in 4 Monaten nicht ein Todesfall, zu Ostbevern seit Neujahr bei 50 Geburten erst 15 Todesfälle ereignet.
Dieschutzblattern-Impfung war fast vollendet. In Everswinkel wurde ein Mädchen ohne linke Hand geboren.
[...]
Die feuchte Witterung war dem Einbringen des Roggens und Weizens sehr ungünstig, da diese nicht völlig trocken eingescheuert werden konnten, und hie und da etwas ausgewachsen sind. Jedoch ist man mit dem Ertrage des Weizens sehr, mit dem des Roggens nur leidlich zufrieden. Auch Gerste und Hafer sind zum Theil gut eingebracht und sie versprechen in den meisten Gegenden gute Ausbeute. Mit der buchweizen-Erndte ist man noch beschäftigt und sie scheint ergiebig auszufallen. - Der Flachs ist in manchen Gegenden mißrathen, und mußte meist als unbrauchbar abgemäht werden, was der bedürftigen Volksklasse wegen sehr zu bedauern ist. Der spät gesäete wird indeß noch guten Ertrag liefern.
Im Allgemeinen verspricht die Erndte mehr Ausbeute, als im vorigen Jahre.
Aus der Puppe der Wanderraupe hat sich ein kleiner grauer Nachtvogel entfaltet, um seine verderbliche Brut wieder auszusäen, aber nur von 20 Raupen hatte sich eine Puppe ausgebildet.

Handel
Der Linnen- und Garn-Absatz blieb fortwährend schlecht und es erhielten sich kaum die Preise des vorigen Monats. - Fettes Vieh, milchgebende Kühe und magere Schweine wurden auf den Märkten gut bezahlt. Der Branntwein wollte nicht zu bessern Preisen kommen. Vorjähriger Weizen wurde sehr gesucht. Der Holzhandel blieb fortwährend lebhaft.
Münster, den 16. September 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 38, 20. September 1828, Seite 355


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat August 1828.
Kreis Recklinghausen

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		August 1828		Durchschnitt August 1828
Weizen		2 Rtl 10 sgr 6 pf	2 Rtl 6 sgr 11 pf
Roggen		1 Rtl 10 sgr 9 pf	1 Rtl 15 sgr 6 pf
Gerste		1 Rtl 12 sgr 9 pf	1 Rtl 7 sgr 1 pf
Buchweizen	1 Rtl 6 sgr 11 pf	1 Rtl 8 sgr 3 pf
Kartoffeln	- Rtl - sgr - pf	0 Rtl 12 sgr 3 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 38, 20. September 1828, Seite 358


Nachweis der im Monat August 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		August 1828		Durchschnitt August 1828
Weizen		2 Rtl 10 Sg 4 pf	2 Rth 15 Sg 6 pf
Roggen		1 Rtl 14 Sg		1 Rth 21 Sg 7 pf
Gerste		1 Rtl 4 Sg 8 pf		1 Rth 9 Sg 9 pf
Kartoffeln	0 Rtl 13 Sg 4 pf	0 Rtl 10 Sg 10 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 38, 20. September 1828, Seite 358


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro August 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

Code: Alles auswählen

		August 1828		Durchschnitt August 1828
Weizen		2 Rtl 8 sgr	     	2 Rtl 9 sgr 1 pf
Roggen		1 Rtl 15 sgr	       	1 Rtl 12 sgr 9 pf
Gerste		1 Rtl 7 sgr        	1 Rtl 3 sgr 1 pf
Buchweizen	1 Rtl 15 sgr    	1 Rtl 12 sgr 9 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 13 sgr
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 62, 27. September 1828, Seite 471


* * *


September
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat September 1828.

[...]
Landwirthschaft
Die Witterung war dem Einbringen der Sommerfrüchte, des Buchweizens und zweiten Heuschnittes, so wie der Vorbereitung zur Wintersaat mit Ausnahme des schweren Bodens, worauf wegen der anhaltenden Trockenheit nicht geackert werden konnte, sehr günstig.
Der Buchweizen hat einen sehr reichen Ertrag geliefert und ist deshalb bedeutend im Preise gefallen. Kartoffeln und Rüben versprechen eine gute Ausbeute. Das Wintergetraide ist gut an Körnern und der Klee wird vielen Saamen geben. Gerste und Hafer lieferten meistens befriedigenden, hie und da nur mittelmäßigen Ertrag. In den Eichen-Waldungen, wo die Wanderraupe nicht gehauset hat, gibt es noch etwas Mast.
Die Obsterndte fiel größtenteils kärglich aus.

Handel und Gewerbe
Auf den ziemlich gut besuchten Märkten wurden besonders Hanf, magere Schweine, milchgebende Kühe und fettes Vieh zu guten Preisen verkauft. Der Preis des Linnens und Garns war leider wieder etwas gefallen, und wenig Abgang in diesen Artikeln. Schiffsbauholz wurde sehr gesucht, und es waren die Lagerplätze an der Lippe damit ganz überhäuft.
Münster, den 11. Oktober 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 42, 18. Oktober 1828, Seite 381


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat September 1828.
Kreis Recklinghausen

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		September 1828		Durchschnitt September 1828
Weizen		2 Rtl 13 sgr 9 pf	2 Rtl 4 sgr 1 pf
Roggen		1 Rtl 13 sgr 8 pf	1 Rtl 11 sgr 11 pf
Gerste		1 Rtl 10 sgr 3 pf	1 Rtl 4 sgr 9 pf
Buchweizen	1 Rtl 5 sgr 8 pf	0 Rtl 28 sgr 11 pf
Kartoffeln	- Rtl - sgr - pf	0 Rtl 11 sgr 5 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 42, 18. Oktober 1828, Seite 355


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro September 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		September 1828		Durchschnitt September 1828
Weizen		2 Rtl 7 sgr	     	2 Rtl 7 sgr 1 pf
Roggen		1 Rtl 16 sgr	       	1 Rtl 15 sgr 4 pf
Gerste		1 Rtl	        	1 Rtl 2 sgr 9 pf
Buchweizen	1 Rtl	    		1 Rtl 0 sgr 7 pf
Kartoffeln	0 Rtl 12 sgr        	0 Rtl 10 sgr 9 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 71, 28. Oktober 1828, Seite 518


* * *


Oktober
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Oktober 1828.

[...]
Landwirthschaft
Für die Bestellung der Wintersaat war die Witterung günstig, und es konnte im Kleiboden nachgeholt werden, was die Dürre des vorigen Monats nicht gestattete. Die junge Roggensaat und der Raps keimten üppig hervor. In den Klei-Gegenden zeigten sich leider wieder die Schnecken, welchen aber wohl der Frost Einhalt gethan haben wird.
An Kartoffeln war fast überall reichliche Ausbeute; nur niedrige, der Überschwemmung ausgesetzt gewesene Grundstücke konnten nicht gleich Ertrag liefern. So erhielt ein Einwohner in Metelen von einer Kartoffel, die er im Frühjahr pflanzte, und aus Liebhaberei besonders pflegte, einen Ertrag von 1/2 Berliner Scheffel, welcher 230 Stück Kartoffeln von ordinairer Größe enthielt.
Im Allgemeinen ist die Ernte besser wie im vorigen Jahre ausgefallen, und sie wird zu den mehr als mittelmäßigen gerechnet. Gartenfrüchte, Rüben und Spargel geriethen nach Wunsch; nur gab es sehr wenig Obst.
[...]
Münster, den 12. November 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 46, 15. November 1828, Seite 409


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat Oktober 1828.
Kreis Recklinghausen

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		Oktober 1828		Durchschnitt Oktober 1828
Weizen		2 Rtl 7 sgr		2 Rtl 6 sgr 5 pf
Roggen		1 Rtl 9 sgr 6 pf	1 Rtl 13 sgr 3 pf
Gerste		1 Rtl 2 sgr		1 Rtl 4 sgr 10 pf
Buchweizen	0 Rtl 25 sgr 6 pf	0 Rtl 26 sgr 10 pf
Kartoffeln	0 Rtl 7 sgr 11 pf	0 Rtl 10 sgr 2 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 46, 15. November 1828, Seite 412


Nachweis der im Monat Oktober 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Oktober 1828		Durchschnitt Oktober 1828
Weizen		2 Rtl 13 Sg 8 pf	2 Rth 13 Sg 9 pf
Roggen		1 Rtl 19 Sg 11 pf	1 Rth 21 Sg 9 pf
Gerste		1 Rtl 8 Sg 3 pf		1 Rth 9 Sg 8 pf
Kartoffeln	0 Rtl 9 Sg 4 pf		0 Rtl 8 Sg 10 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 46, 15. November 1828, Seite 396


Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Oktober 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		Oktober 1828		Durchschnitt Oktober 1828
Weizen		2 Rtl 15 sgr	     	2 Rtl 17 sgr 1 pf
Roggen		1 Rtl 17 sgr	       	1 Rtl 18 sgr 3 pf
Gerste		1 Rtl 5 sgr        	1 Rtl 5 sgr 7 pf
Buchweizen	1 Rtl 5 sgr    		1 Rtl 4 sgr 3 pf
Kartoffeln	0 Rtl 10 sgr        	0 Rtl 9 sgr 8 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 77, 22. November 1828, Seite 556


* * *


November
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat November 1828.

[...]
Landwirthschaft
Bei der günstigen Witterung wurden im Laufe des Novembers noch viele Ländereien zur Wintersaat bestellt und es ward in diesem Jahre mehr als gewöhnlich eingesäet. Die junge Saat steht überall, wo die Erdschnecken nicht Schaden anrichteten, vortrefflich und berechtigt zu guten Hoffnungen.
Der früh eingetretene Frost hat manchen Ackerbesitzer bei der Kartoffeln-Erndte überrascht, und es sind hie und da, besonders in der Nähe hiesiger Stadt, nicht unbedeutende Quantitäten dieser Frucht erfroren. Auch den Futterkräutern schadete der Frost etwas.
Auf dem Gute Harkotten ward im vorigen Jahre ein Kürbis von 110 Pfund Schwere, in diesem Jahre ein noch größerer von 188 Pfund Gewicht und 7 1/2 Fuß Umfang gezogen.
Münster, den 16. Dezember 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 54, 20. Dezember 1828, Seite 452


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat November 1828.
Kreis Recklinghausen

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		November 1828		Durchschnitt November 1828
Weizen		2 Rtl 9 sgr 2 pf	2 Rtl 8 sgr 4 pf
Roggen		1 Rtl 17 sgr 2 pf	1 Rtl 14 sgr 11 pf
Gerste		1 Rtl 1 sgr 9 pf	1 Rtl 5 sgr 3 pf
Buchweizen	0 Rtl 28 sgr 11 pf	0 Rtl 29 sgr
Kartoffeln	0 Rtl 7 sgr 9 pf	0 Rtl 10 sgr 1 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 54, 20. Dezember 1828, Seite 454


Nachweis der im Monat November 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		November 1828		Durchschnitt November 1828
Weizen		2 Rtl 13 Sg		2 Rth 14 Sg 7 pf
Roggen		1 Rtl 18 Sg 4 pf	1 Rth 22 Sg 3 pf
Gerste		1 Rtl 7 Sg		1 Rth 9 Sg 9 pf
Kartoffeln	0 Rtl 8 Sg 8 pf		0 Rtl 8 Sg 5 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 49, 6. Dezember 1828, Seite 420

Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro November 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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		November 1828		Durchschnitt November 1828
Weizen		2 Rtl 14 sgr	     	2 Rtl 24 sgr
Roggen		1 Rtl 18 sgr	       	1 Rtl 21 sgr 1 pf
Gerste		1 Rtl 7 sgr        	1 Rtl 7 sgr 1 pf
Buchweizen	1 Rtl 4 sgr    		1 Rtl 5 sgr 7 pf
Kartoffeln	0 Rtl 8 sgr        	0 Rtl 10 sgr 1 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 85, 20. Dezember 1828, Seite 598


* * *

Dezember
Vermischte Nachrichten aus dem Regierungs-Bezirk Münster vom Monat Dezember 1828.

[...]
Gesundheitszustand
a. Bei den Menschen.
Der herrschendes Krankheits-Charakter war gallicht - katarrhalisch - rheumatisch, in einzelnen Fällen sich zum nervösen hinneigend. Es gab mehr Kranke, als im Monat davor. Bei den Kindern grassierte hie und da die Halsbräune, woran auch einige Erwachsenen litten. Der Keichhusten war bei den Kindern im Abnehmen und es zeigte sich bei schwächlichen Personen schleichende Nervenfieber. Im allgemeinen war die Sterblichkeit gering.
[...]
b. Bei den Thieren.
Nur bei den Schafen hatte sich eine ungewöhnliche Sterblichkeit gezeigt.
[...]

Landwirthschaft
Die milde Witterung des Dezembers gestattete die Fortsetzung der Wintersaat-Bestellung und wirkte günstig auf die junge Saat, welche einen erfreulichen Anblick gewährt. Hie und da zeigen sich die Schnecken auf der Roggensaat. Die durchhaltenden Futterkräuter konnten zur Ersparung der Wintervorräthe noch bequem für's Vieh genutzt werden.
Die landräthlichen Berichte bestätigen das in unsern frühern Nachrichten über den Ausfall der vorjährigen Ernte Gesagte im allgemeinen. Das Resultat ließ sich schon aus dem Charakter der Witterung entnehmen und fast bei allen Fruchtgattungen hat es den Erwartungen entsprochen. Alle Nachtheile, die nassen Jahren eigen sind, waren vornehmlich in niedrigen Gegenden bemerkbar, wogegen hochgelegene und sandige Ländereien ihre Besitzer durchgängig mit gutem Ertrage belohnten. Den Weiden und Wiesen war die Nässe sehr günstig, während sie dem Obste nachtheilig war; letzteres litt auch noch sehr durch Nachtfröste und Raupenfraß. Dem Flachs und Hanf waren hin und wieder die Erdflöhe schädlich, und die Eichelmast wurde von der Wanderraupe vernichtet.
Die reichliche Ausbeute des Buchweizens und der Kartoffeln muß der ärmeren Klasse bei dem ihr sehr empfindlichen Mißrathen des Flaches einigermaßen Ersatz gewähren, da sie bei dem geringen Verdienst und niedrigen Garnpreise das theure Brodkorn nicht anzuschaffen vermögte.
[...]
Die Hülenfrüchte geriethen meistens schlecht, in vielen Gegenden mißriethen sie ganz. Die Oelgewächse gaben fast durchgehens geringen Ertrag.
Klee, Futterkräuter etc. waren ergiebig, der zweite Heuschnitt kärglich.
Im Ganzen ist der Bedarf bis zur nächsten Erndte mehr als gesichert und in keiner Weise Mangel zu befürchten.

Handel und Gewerbe
Viel Getreide, besonders Weizen, ward aufgekauft, und auf der Lippe nach Holland verschifft, auch mit Landfracht dahin verfahren, da der Preis sin in Amsterdam bedeutend gehoben hat, was auch den hiesigen Preis, am meisten nach der Gränze hinsteigert. Eben so war der Handel mit Bauholz fortwährend sehr lebhaft.
Milchgebende Kühe und fette Schweine fanden auf den Märkten u. die Wollspinner für ihr Garn zu annehmbaren Preisen Absatz.
[...]
Münster, den 14. Januar 1829
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 2, 17. Januar 1829, Seite 11


Getreidepreistabelle (Preise per Scheffel (55 l)) mit Angabe des Branntweinpreises für den Monat Dezember 1828.
Kreis Recklinghausen

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		    November 1828		Durchschnitt November 1828
Weizen		2 Rtl 18 sgr 2 pf	2 Rtl 14 sgr 4 pf
Roggen		1 Rtl 12 sgr 9 pf	1 Rtl 14 sgr 5 pf
Gerste		1 Rtl 5 sgr 8 pf	1 Rtl 5 sgr 6 pf
Buchweizen	1 Rtl 2 sgr 5 pf	1 Rtl 0 sgr 3 pf
Kartoffeln	0 Rtl 7 sgr 9 pf	0 Rtl 10 sgr 3 pf
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 2, 17. Januar 1828, Seite 16


Nachweis der im Monat Dezember 1828 in sämmtlichen Kreisen des Regierungsbezirks Arnsberg statt gehabten Durchschnittspreise der verschiedenen Getreidearten und sonstigen Consumtibilien (Preise per Scheffel (55 l)).
Bochum

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		Dezember 1828		Durchschnitt Dezember 1828
Weizen		2 Rtl 14 Sg         2 Rth 13 Sg 3 pf
Roggen		1 Rtl 17 Sg         1 Rth 21 Sg 4 pf
Gerste		1 Rtl 7 Sg 8 pf     1 Rth 10 Sg 2 pf
Kartoffeln	0 Rtl 9 Sg          0 Rtl 8 Sg 7 pf
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 2, 10. Januar 1829, Seite 11

Nachweisung der Consumtibilien Durchschnittspreise im Regierungs-Bezirke Düsseldorf, pro Dezember 1828 (Preise per Scheffel (55 l)).
Essen

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            Dezember 1828		Durchschnitt Dezember 1828
Weizen		3 Rtl 5 sgr	     	3 Rtl 6 sgr 11 pf
Roggen		1 Rtl 18 sgr       	1 Rtl 21 sgr 7 pf
Gerste		1 Rtl 7 sgr        	1 Rtl 6 sgr 11 pf
Buchweizen	1 Rtl 4 sgr    	    1 Rtl 6 sgr 8 pf
Kartoffeln	0 Rtl 8 sgr        	0 Rtl 10 sgr 4 pf
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf Nr 4, 28. Januar 1829, Seite 28

Nachrichten aus der Umgebung

Errichtung einer Prima bei dem Progymnasium in Recklinghausen.
Obwohl die, durch das hohe Ministerium der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten bereits genehmigte Erhebung des Progymnasii zu Recklinghausen zu einem vollständigen Gymnasio, mit dem Rechte, seine Schüler durch die gesetzliche Abiturienten-Prüfung zur Universität zu entlassen, in Ermangelung eines Directors noch nicht zur vollständigen Ausführung gebracht werden kann, so wird dennoch, ebenfalls mit Genehmigung des genannten hohen Ministerii, mit dem Anfange des bevorstehenden Schuljahres die Prima bei dieser Anstalt errichtet werden. Die Schüler dieser Klasse werden ganz den Unterricht erhalten, welcher zur Vorbereitung für die Abiturienten-Prüfung dient, und sollte am Ende des nächsten Schuljahrs die Anstalt noch nicht das Recht der Entlassung durch eine eigene Abiturienten-Prüfungs-Commission erhalten haben, so können diejenigen Schüler, welche zum Abgange reif sind, ihre Prüfung bei der hiesigen wissenschaftlichen Prüfungs-Commision bestehen.
Münster, den 18. September 1828.
Königliches Provinzial-Schul-Kollegium.
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 40, 4. Oktober 1828, Seite 367

Belobung
Der Neubau des Pfarrhauses zu Bottrop, Kreises Recklinghausen, durch die eigene Stein-Fabrikation für die Gemeinde von verhältnißmäßig geringen Kosten, kann als Normal-Bau anderen Gemeinden empfohlen werden. Der Bau-Inspektor Teuto hat sich dabei durch seine technische Disposition, der Bürgermeister Tourneau durch die verständige ökonomische Ausführung, und der Unternehmer, Zimmermeister Schornhütz daselbst, durch genügend tüchtige Arbeit ausgezeichnet.
Dies wird in dankbarer Anerkennung hierdurch öffentlich bekannt gemacht.
Münster, den 14. August 1828
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 34, 23. August 1828, Seite 308

* * *

Morden in Bremen interessiert auch hier: Der Fall Gesche Gottfried
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesche_Gottfried
Gesche Gottfried
Man schreibt aus Bremen vom 11. März: "Durch die gefängliche Einziehung eines Frauenzimmers, welches in den Verdacht der Giftmischerei gerathen war, ist unsere Stadtseit einigen Tagen in lebhafter Aufregung versetzt. Es verbreiten sich darüber die seltsamsten Gerüchte, mit welchen man eine Menge ungewöhnlicher Todesfälle von Personen, welche mit ihr in nähere Berührung gekommen waren, zusammenstellt. Es würde nicht passend seyn, schon jetzt etwas darüber sagen und der eingeleiteten Untersuchung vorgreifen zu wollen; nach allem aber, was man davon hört, möchte dieser Fall einer der merkwürdigsten psychologischen Erscheinungen darbieten und dürfte er den interessantesten Kriminalgeschichten an die Seite zu stellen seyn."
Westfälischer Merkur, Nr. 33 15. März 1828

Der Hamburger Korrespondent gibt in seinem Schreiben aus Bremen vom 17. d. folgende Notizen über die daselbst verhaftete Giftmischerin (siehe unser Bl. No. 33): "Sie war zweimal verheirathet, das erste Mal an einen wohlhabenden Sattler, das zweite Mal an einem Weinhändler. Letzterer wurde ihr auf dem Krankenbette angetraut, starb aber am zweiten Tag darauf. Später warben nach einander noch zwei Freier um ihre Hand, die aber beide plötzlich mit Tode abgingen. Die häufigen Sterbfälle, welche sich in einem Zeitraum von 8 bis 9 Jahren im Hause der Inkulpatin ereigneten, gaben diesem etwas Unheimliches. Es blieb nicht unbemerkt; allein da Mad. G. sonst viel Liebenswürdiges in ihrem Wesen hatte und den Armen manches zu Gute that, konnte kein Argwohn aufkommen. Die Entdeckung ihrer Frevelthaten wurde zuletzt durch nachstehenden Vorfall herbeigeführt: Im Hause der Mad. G. wohnte ein geschickter Wagenfabrikant, der sich vor Kurzem verheirathet hatte, allein seine blühende Frau plötzlich durch den Tod verlor. Mad. G. scheint die Absicht gehabt zu haben, ihre Stelle einzunehmen, da dies ihr aber nicht gelang, bestimmte sie auch ihren Wierthsmann zum Opfer. Einige Versuche mit Salat und Kuchen führten nicht zu dem beabsichtigten, gräßlichen Ziele, ließen aber doch Folgen zurück, gegen welche der Unglückliche ärztliche Hilfe suchte. Sein Arzt, der nicht an eine Vergiftung dachte, heilte und heilte, vermochte aber den Kranken nicht herzustellen; dieser wendete sich an einen Fremden, der sogleich erklärte, daß er Gift erhalten habe und auf seine Umgebung ein wachsames Auge haben möge. Dies that er und sehr bald wurde er gewahr, daß mit einem Stücke Speck, welches er in seinem Schranke aufbewahrt hatte, eine Veränderung vorgegangen war. Er ließ lezteres sogleich untersuchen, zeigte die Sache der Polizei an, und noch an demselben Tage, Abends, wurde Mad. G. eingezogen, ihr Haus durchsucht und einige Gifttöpfe vorgefunden. Anfangs hat die Verbrecherin nichts eingestanden, am letzten Sonntage vor 8 Tagen, Abends zwischen 10 und 11 Uhr, soll sie aber angegeben haben, daß sie ihren ersten Mann, ihre drei Kinder und einen Onkel mit Gift um's Leben gebracht habe. Das Publikum ist von diesem schaudervollen Vorfalle im höchsten Grade ergriffen; und viele Familien, mit denen die Verhaftete in näherer Verbindung stand, sehen sie als Ursache mehrerer Todesfälle naher Verwandten an, durch die sie in Trauer versetzt worden. Dies ist, was man sich erzählt. Ob und wasw davon gegründet ist, muß die Folge lehren. Seit den ersten Nachrichten hat man über das Resultat der Verhöre nicht das Geringste weiter erfahren."
Westfälischer Merkur, Nr. 37 25. März 1828

Die bekannte Giftmischerin in Bremen, Gottfried, geborene Gesche (Gesins) Timm, ist fortwährend in Untersuchung und bekennt immer mehr Gräuel. Die Ausgrabungen der Leichen derer, die sie vergiftet haben soll, dauern fort. Auch in der Wohnung der Verbrecherin ist nachgegraben worden, doch erfährt man die Resultate noch nicht. So viel ist gewiß, daß sie in einer ehemaligen Magd, welche sie vor einen Jahre, sammt deren neugeborenem Kinde, auf ihre gewohnte Art hingerichtet, eine langjährige Gehilfin besessen. Auch der Mann, welcher ihre Verbrechen an's Licht gezogen, leidet dauernd an dem schon früher empfangenem Gifte und wankt dem Grabe zu.
Westfälischer Merkur, Nr. 97 12. Juli 1828

...
Wir dachten hier unseren Bericht zu schließen, doch müssen wir noch eine schauderhafte Novität mittheilen, welche hier in dem friedlichen Bremen die Gemüther allgemein so sehr aufgeregt hat, daß sie nicht zu beruhigen sind, und tiefes Grauen jedes fühlende Herz erfüllt.
Es lebt hier ein Frauenzimmer, welches, wegen seiner frühern Schönheit und seltsamer außerordentlicher Schicksale, schon vor mehreren Jahren die höchste Aufmerksamkeit erregte. Viele sonderbar erscheinende Umstände vereinten sich, ihr längst einen zweydeutig fabelhaften Ruf zu verschaffen, und sie gewissermaßen zum Gegenstand einer scheuen Bewunderung zu machen. Nie aber waren in ihrer volkreichen Geburtsstadt Bremen die Blicke allsitig mit solcher Spannung auf dieses schaurig-seltsame Wesen gerichtet, als in diesem Augenblick; und da die, gegenwärtig höchst tragisch sich bestaltenden Umstände ihres Lebens eine Katastrophe herbeigeführt haben, welche ihrem Schicksale eine tief-ernste Wendung geben möchten, so scheinen uns dieselben, besonders für den Psychologen, merkwürdig genug, um der Mittheilung werth zu seyn.
Gesina Timm wurde früh an einen wohlhabenden Handwerker verheirathet, und lebte, da auch sie von bemittelten Eltern stammte, in hinreichendem Wohlstande. Sie führte mit ihrem Gatten, obwohl er roh war, eine dem Anscheine nach leidliche Ehe, und wurde Mutter von mehreren Kindern, von denen einige früh starben. Der böse Leumund aber wollte ihr vorwerfen, daß sie gegen die Huldigungen anderer Männer nicht gleichgültig sey; ihre Schönheit und einnehmenden Liebenswürdigkeit indessen entkräfteten lange solche und ähnliche Gerüchte. Doch konnte es nicht verborgen bleiben, daß ein junger Mann, welcher einige Zimmer ihres Hauses bewohnte, ihr begünstigter Liebhaber war. Dies sträfliche Verhältnis ward oft Anlaß zum Zwiespalt zwischen den Ehegatten. Da starb plötzlich ihr Gatte, und es ergab sich bald, daß die Vermögens-Umstände ziemlich zerüttet waren. Gesina's alter Vater, ein redlicher Mann, lebte noch, und erklärte sich willig, die vorhandenen Schulden zu bezahlen, doch unter der Bedingung, daß seinem einzigen Sohne, welcher noch auf der Wanderschaft war, Gesina's Haus verschrieben werden sollte. Sie genehmigte dies, doch als Alles berichtigt war, starb auch ihr alter Vater. Da schrieb sie ihrem entfernten Bruder: er möge kommen und sein Erbe annehmen. Er kam nach kurzer Zeit, wurde freundlich von der einzigen Schwester aufgenommen, und - war kaum drey Tage unter ihrem Dach, als auch ihn der Tod wegraffte. Voch in demselben Jahre verlor sie ihre drey Kinder und wurde nun ein Gegenstand des allgemeinen Bedauerns. Wohl badete sie sich in Thränen, ertrug indeß mit bewunderungswürdiger Stärke das schwere Verhältniß und ward bald die verlobte Braut des früher erwähnten, jungen Mannes. Mit der Verbindung selbst ward gezögert, der Bräutigam erkrankte und siechte bald sichtlich dem Grabe zu. Umstände erheischten es indessen, um Gesina's Ehre wenigstens scheinbar zu retten, daß die Trauung vollzogen werde, obgleich der Bräutigam schon bald eine Beute des Todes war. Als daher eine drohende Krisis eintrat, ließ Gesina einst noch gegen Mitternacht den Geistlichen und einige Nachbarn rufen, welche nicht wenig erstaunt waren, so spät noch zur Hochzeit geladen zu werden. Sie wurden getraut; einige Stunden nach der Ceremonie verschied der Neuvermählte. Dieser seltsame Vorfall erregte neues Aufsehen und scheucht nun vollends die ehrliebenden ihres Geschlechts von Gesina zurück. Die nun mehr als je Alleinstehende besiegte bald auch den Schmerz über diesen Verlust. Ungeachtet ihr Ruf sehr gesunken war, fehlte es doch auch nicht an Stimmen, welche ihr fortwährend das Zeugniß einer unermüdlichen Wohltäterin der Armen gaben. Selbst achtbare Aerzte rühmten sie nur als eine milde Pflegerin armer Kranken, denen sie unaufgefordert erquickende Suppen bereitete, und, wenn sie ihr nahe wohnten, selbst brachte. Verschiedentlich wollte dagegen zwar auch verlauten, daß die Kranken nach ihren Suppen meistens noch kränker geworden, ja oft sogar gestorben seyen; doch wer hätte solche Aeußerungen nicht gern für allzuhämische Seitenblicke des Neides gehalten, und daraus lieber den so oft bewährten Schluß gezogen: daß, wo einmal ein gerechter Vorwurf hafte, die erfinderische Bosheit ein Privilegium zu haben glaube, die schwärzesten Beschuldigungen hinzufügen zu dürfen.
Allem Gerede zum Trotz, war Gesina jedoch nicht lange zum zweyten Mal Witwe, als sich aufs Neue ein untadelhafter Mann um sie bewarb, und bald öffentlich mit ihr verlobt ward. Aber - schon war der Hochzeitstag festgesetzt, als auch dieser zu kränkeln begann und nach nicht gar langer Zeit an einer zehrenden Krankheit verschied.
Dieser Todesfall gab bereits halbverloschenen Gerüchten neue Nahrung, und der Aberglaube behauptete: Gesina habe einen vergifteten Athem, weil Alles, was mit ihr in unter einem Dache wohne, sterben müsse. In der That war es ihr schon länger schwer geworden, die obere Etage ihres Hauses zu vermiethen, weil auch von ihren Miteinwohnern verschiedene unerwartet gestorben waren und (zur Vermehrung des Schreckens, welchen ihr Name verbreitete) endlich gar die Sage ging, es spuke in ihrer Wohnung. Alles dieses schien jedoch die rätselhafte Frau nicht zu irren, sie blieb stets die freundliche, zuvorkommende, überaus gefällige Frau, deren Körperreiz und einnehmendes Wesen ihr dennoch stets Freunde erhielt. Besonders wusste sie Männer anzuziehen und so zu fesseln, daß sie nach kaum einem Jahre zum vierten Mal, und zwar mit einem wenigstens sechs Jahre jüngeren Mann verlobt war. Doch - schreckliches, grauenerregendes Verhängniß! - Auch diesen berührte, bald nach dem Verlöbniß, die eiserne Hand des Todes. Er zehrte mählig, wurde von ihr aufs zärtlichste gepflegt und - sank den Andern nach in's Grab. Er hatte ihr einen bedeutenden Theil seines Vermögens vermacht, und wie er sie geliebt und verehrt, beweisen die einfachen, früher in Bezug auf sie ausgesprochenen, Wort: "sie ist für diese Welt zu gut."
Gesina wurde indessen jezt noch mehr gemieden und fast gefürchtet; es schien als ob nach diesem lezten Vorfall kein Bewerber ihr mehr zu nahen wage. Sie selbst schien ein zurückgezogenes Leben gewählt zu haben, und es vergingen Jahre, ohne daß man irgend etwas Auffallendes von ihr gehört hatte. Kam noch irgendwo die Rede auf diese seltsame Frau, so zuckten die, welche gern das Aergste glaubten, bedenklich die Achseln; Andre, menschenfreundlicher Gesinnte, meinten: mehr unglückseliges, verhängnißvolles Zusammentreffen von Umständen, als Schuld, habe sie in zweydeutigen Ruf gebracht.
So urtheilt der kurzsichtige Mensch, bis die Nemesis erscheint und plötzlich den Schleyer von lange verhüllten Thaten wegzieht.
Gesina's Wohnung war für sie allein zu groß, und da ihre oberen Zimmer oft leer standen, so entschloß sie sich endlich, ihr Haus zu verkaufen, jedoch unter der Bedingung, einige Zimmer für sich darin zu behalten. Der neue Hausbesitzer zog bei ihr ein. Ein halbes Jahr nachher starb ihm die Gattin, und sie übernahm es nun, für seinen Tisch zu sorgen. Sie war überhaupt gegen den noch jungen, hübschen Mann, wie immer, höchst zuvorkommend; fand aber bey dem etwas eigenen, von Natur mißtrauischen Mann keine Erwiederung, sondern abschreckende Zurückhaltung. Dennoch blieb sie stets die Wohlwollende, Hülfreiche, und redete ihrem Hausgenossen, der anfing oft über Unwohlseyn zu klagen, die Todesgedanken aus. Doch konnte dieser Mann kein Vertrauen zu ihr gewinnen, und es war ihm sogar zuwider, die von ihr selbst bereiteten Speisen zu genießen, ohne daß er sich diesen Widerwillen erklären konnte.
Eines Mittags blieb ihm von einem Stück Schweinefleisch ein Rest übrig, den er für ihn als Frühstück aufzubewahren bat für den nächsten Morgen. Als er es am anderen Tage essen wollte, bemerkte er, daß eine weißliche Masse auf der einen Seite als Ueberzug war. Dies fiel ihm auf, und er zeigte es einem Bekannten, welcher ihm rieth, den Arzt darüber zu fragen. Dieser kam, erkannte augenblicklich, daß jene Substanz Arsenik enthalte und gab diesen Vorfall im Stillen bey der Polizeibehörde an.
Gesina's Verhaftung war die Folge. Sie war außer sich und verlor alle Fassung. Schon die ersten Verhöre ergaben, daß sie mit sogenannter Mäusebutter ihren Miteinwohner habe vergiften wollen und ihm schon öfter dergleichen eingegeben habe.
Spätere Geständnisse sollten es außer Zwiefel setzen, daß sie - mit einem weiblichen, mit einem Mutterherzen! - der schleichende Würgeengel, die furchtbare Meduse gewesen, die so Vielen, welche ihr heiligstes Vertrauen diesem Ungeheur schenkten, durch ihren heimlichen Giftbecher das blühende Daseyn verkürzt, als strenge, unerbittliche Parze ihren Lebensfaden grausam vor der Zeit geschnitten habe! - Und doch ist von ihrem nächtlichen Höllenthaten erst halb der Nebelflor gezogen.
Nach Allem aber, was bis jezt davon lautbar geworden und sich von Mund zu Munde, unter dem Siegel der Verschwiegenheit, fortpflanzt, sind ihr alter grauer Vater, ihr erster Mann, ihr einziger Bruder und - ihre drey schuldlosen Kinder! die ersten Opfer gewesen, die ihrer beyspiellosen Mordsucht gefallen sind, - nur um ungehindert mit ihrem Liebhaber, dessen früher erwähnt worden ist, verbunden werden zu können. Mit grauenerregender Konsequenz ist sie dabey zu Werke gegangen, und es ist ihr schrecklich gelungen, durch Thaten der Wohlthätigkeit so Viele zu täuschen. Welche Abscheulichkeiten ist ein Weib fähig, wenn es einmal entartet ist!
Und so lange Jahre mußte Bremen dieser Natter in seinem Schooße bergen, ohne daß ihr das giftige Haupt zertreten werden konnte!
Die Missethäterin, die täglich verhört wird, harrt im Gefängniß dem Richterspruch entgegen, der, ohne Zweifel so beyspiellosen Schandthaten angemessen, einst über sie entscheiden wird.
Hesperus Nr.82, 4. April 1828, Seite 328
Hesperus Nr.83, 5. April 1828, Seite 331
Und dann auch noch Unruhen.
Unruhen in Krefeld
Wie die Düsseldorfer Zeitung berichtet, haben am 4. und 5. d. ernstliche Unruhen, verbunden mit groben Exeessen, zu Crefeld statt gefunden. Schon mehrere Wochen hatte man von den Fabrikarbeitern Aeußerungen der Unzufriedenheit darüber vernommen, daß die Fabrikinhaber sich vereinigt hätten, den Arbeitslohn herabzusetzen, auch sogar Drohungen an den Ecken angeschlagen gefunden. Am 4. des Abends um 10 Uhr aber rotteten sich eine Menge dieser Menschen zusammen, durchzogen die Stadt, insultirten was ihnen in den Weg kam und warfen in mehreren Häusern, besonders den Fabrikinhabern angehörig, die Fenster ein, (ein Haus wurde besonders übel zugerichtet, sämmtliche Fenster, Fensterläden und die Hausthüre zerschmettert, auch sogar das Dach beschädigt); erst spät in der Nacht gelang es der Polizei die Tumultanten zu zerstreuen, welche nun aus der Stadt zogen, und am andern Tage zurückkehren wollten, um dann ihre ganze Rache an den Fabrikinhabern auszulassen, ein Vorhaben, an dessen Ausführung sie jedoch durch die Wachsamkeit eines am 5. gegen Abend von Düsseldorf eingetroffenen Detaschements vom 8. Husaren-Reg. (3 Offiziere und 58 Mann) gehindert wurden. Bei dieser Gelegenheit sind mehrere der Aufrührer leicht verwundet worden. Einige leichte Beulen von Steinwürfen abgerechnet, haben die Beamten und Husaren keine Verletzungen erhalten. Mehrere der Rädelsführer sind verhaftet und nach Düsseldorf abgeführt worden, (am 6. langte ein erster Transport von 13 derselben an). Bei den ergriffenen ernsthaften Maßregeln und der ferneren Anwesenheit der Truppen hoffte man, die öffentliche Ruhe fortan nicht mehr gestört werden würde.
Westfälischer Merkur, Nr. 168 13. November 1828

Düsseldorf, 11. Nov.
Von den Unruhestiftern in Crefeld sind bis jetzt 46 verhaftet, und die Ruhe darselbst vorläufig wieder hergestellt. Die fernere Untersuchung, die nun hier geführt wird, dürfte leicht noch mehrere Verhaftungen nach sich ziehen. Die Husaren sind heute durch 1 Offizier und 30 Mann Infantrie abgelöst worden.
Westfälischer Merkur, Nr. 170 16. November 1828

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heen
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Re: Stadtchronik 1828

Beitrag von heen »

Sonstige Nachrichten
Warnende Mittheilung wegen des Käsegiftes.
Im Regierungsbezirk Minden sind häufig durch den Genuß frischer Kuhkäse (sogenannten Handkäse) Vergiftungszufälle beobachtet worden, welche die dortige Königliche Regierung zu einer sorgfältigen Nachforschung und zu folgender so interessanten als beobachtungswerthen Bekanntmachung veranlassen:

Die uns darüber zugekommenen Mittheilungen und Berichte haben es bestätigt, daß die Ursache der giftigen Eigenschaft der Handkäse nicht sowohl in einer Beimischung fremder giftiger Substanzen, z. B. des Kupfers, durch den Gebrauch kupferner Geschirre bei der Bereitung des Käse zu suchen sey, (obgleich auch diese unbezweifelt, wie jede andere giftige Beimischung, eine Vergiftung bewirken kann) als vielmehr festzustehen scheint, daß durch die erste Gährung des Käse selbst, in demselben, unter gewissen Umständen und Bedingungen, ein eigenthümliches Gift - das Käsegift - entwickelt werde, welches die vorgekommenen nachtheiligen, selbst tödtlichen Erscheinungen hervorbringt. Die gleich im Anfange mit den Käsen, durch welche Vergiftungen Statt gefunden hatten, angestellten chemischen Untersuchungen ließen eine Säure finden, welche zuerst für Fettsäure gehalten wurde, deren schädliche Wirkungen auf den Organismus bekannt sind, und mit der des Wurstgiftes übereinkommen. Den fortgesetzten löblichen Bemühungen und Untersuchungen des Provisors Benghaus zu Rheda verdanken wir jeoch nähere Aufschlüsse über das eigenthümliche Käsegift, welches derselbe als eine, in ihren Wirkungen zwar mit der Fettsäure sehr übereinkommende, aber von dieser dennoch verschiedene Säure die (schon früher von Proust entdeckte) Käsesäure aufgefunden und dargestellt hat.
Die von dem Provisor Benghaus vorgenommenen Untersuchungen, wie die von ihm mit der Käsesäure angestellten Versuche geben, in Übereinstimmung mit den sonstigen darüber gemachten Erfahrungen, folgende Resultate:
Die Käsesäure - das bis jetzt erkannte eigenthümliche Käsegift, erzeugt sich zunächst nur in frischen Käsemassen, als das spezifische Produkt der ersten Gährung derselben. (Es fehlen jedoch noch die Versuche, ob nicht auch in ältern, bereits getrocknet gewesenen Käsen durch Einwirkung der Feuchtigkeit und der Wärme, eine neue Gährung, und mit dieser eine neue Erzeugung des Käsegiftes hervorgebracht werden könne.)
Bei dem Prozesse der Käsegährung findet eine gleichzeitige Bildung von Käsesäure und Ammonium statt.
Nur durch das Vorherrschen der Käsesäure, das Übergewicht derselben über das Ammoniak, kann den Käse eine giftige Eigenschaft ertheilt werden.
Diese vorherrschende Entwicklung der Käsesäure aber wird dadurch begünstigt, daß die gährende Masse einen zu großen Antheil von Wasser, und dadurch eine zu weiche Konsistenz erhält. Mit dem Verdünsten des, die Säurebildung begünstigenden Wassers, tritt, beim Austrocknen der Käse, die Bildung der Säure zurück, dagegen tritt die Bildung des Ammoniaks hervor, und mit dieser erzeugt sich durch die nunmehrige Verbindung beider ein neutrales Salz, das käsesaure Ammoniak, welches keine schädliche Wirkung auf den Organismus äußert.
Hieraus läßt sich erklären, warum derselbe Käse, im frischen weichen Zustande giftige Erscheinungen hervorbringt, und später, im trocknen Zustande ohne allen Nachtheil genossen werden kann, was auch auf die verschiedenen Resultate der später unternommenen chemischen Untersuchungen solcher giftigen Käse, bei welchen kein Käsegift mehr gefunden wurde, von bedeutendem Einflusse gewesen seyn mag.
Die Erscheinungen der Vergiftung durch das Käsegift, - die Käsesäure - sind im Allgemeinen folgende:
Schwindel, bis zur Bewustlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen mit heftigem Würgen und krampfhaften Schmerzen in der Herzgrube, Todtenblässe, kalter fiebriger Schweiß, häufiger, kleiner Puls, in manchen Fällen, und bei Mangel schleuniger Hülfe, der Tod.
Die Mittel, welche bei vorkommenden Vergiftungen solcher Art in Anwendung zu bringen sind, würden im ersten Stadio der Vergiftung zunächst in der Ausleerung des Genossenen, noch schädlich Fortwirkenden bestehen. Hier dürfte eine starke Gabe der Brechwurzel, eine Drachme bei Erwachsenen, der Anwendung des Brechweinsteins vorzuziehen seyn; indem dieser, durch die vorherrschende Säure leicht zersetzt, das krampfhafte Würgen vermehren, und Zufälle der Entzündung hervorbringen könnte.
Nach dieser, oder bei später gesuchter Hülfe bereits freiwillig erfolgter Ausleerung muß die Hülfe auf die Zersetzung des noch im Magen vorhandenen Giftes gerichtet seyn; und, da dies in der vorherrschenden Käsesäure angenommen wird, dürfte diese durch eine Anwendung einer schnell zu bereitenden Auflösung des kohlesauren Ammoniaks, oder anderer Alkalien, in warmen Thee am schnellsten und sichersten zu neutralisiren und unschädlich zu machen seyn. Milde einwirkende Mittel, Haferschleim, Milch, eine ölige oder Mandel-Emulsion dürften folgen, und nach Beseitigung der directen Erscheinungen der Vergiftung, dürfen die Folgen derselben durch milde stärkende und gelind aufregende Mittel zu haben seyn.

Um nun aber auch auf die Veranlassung zu derartigen Vergiftungen einzuwirken, machen wir alle größere Oekonomien, und diejenigen, welche sich im Kleinen mit der Bereitung solcher Handkäse beschäftigen, mit Bezug auf vorstehende Bekanntmachung, auf die Nothwendigkeit aufmerksam, die Käsemasse mit Sorgfalt zu bereiten, diese nicht in eine zu feuchte Gährung zu setzen, den aus dieser Masse bereiteten Käse aber nie zum Genusse zu verwenden, bevor derselbe nicht gehörig ausgetrocknet ist, und - bis weitere Erfahrungen den Zeitpunkt genauer bestimmen, - nicht wenigstens im Austrocknen ein Alter von 14 Tagen erreicht hat.
Arnsberg, den 4 März 1828.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 11, 15. März 1828, Seite 79

* * *

Erfordernisse bei Abschließung der Ehe zwischen ausländischen männlichen Personen und Inländerinnen
Nach den in mehreren deutschen Staaten, namentlich in Baiern, Baden, Hessen, Nassau, Waqldeck, Anhalt, u. s. w. bestehenden Gesetzen werden die von dortigen Unterthanen, ohne vorherige Erlaubniß ihrer Obrigkeit, besonders im Auslande eingegangenen Ehen für ganz nichtig und für straffällig erachtet, und es sind bereits Fälle vorgekommen, daß ausländische Handwerksgesellen, männliches Gesinde oder andere Personen, welche, ohne die Absicht im hiesigen Lande ihren Wohnsitz zu nehmen, sich mit Inländerinnen verheirathet haben, wenn sie demnächst in ihr Vaterland zurückkehrten, für ihre Person zwar angenommen, dagegen die Frauen und Kinder sofort durch Transport zurückgeschickt und dadurch in die traurigste und hülfloseste Lage versetzt worden sind.
Wir machen daher allen Pfarrern zur Pflicht, in vorkommenden Fällen, wenn Ausländer, ohne ihre Niederlassung im Preußischen Staate nachgewiesen zu haben, Ehen mit Inländerinnen schließen wollen, nicht allein beide Verlobte auf die Nothwendigkeit der Erlaubniß der obrigkeitlichen Behörde des Ausländers zu der einzugehenden Ehe aufmerksam zu machen, sondern auch sowohl das Aufgebot, als die Trauung ihnen so lange zu verweigern, bis sie neben den sonstigen gesetzlichen Attesten auch die in gehöriger Form ausgefertigte Bescheinigung des einschlägigen Landrathes oder der Regierungsbehörde, daß der beabsichtigten Verheirathung dort kein Hinderniß entgegen stehe, beigebracht haben.
Zugleich wird das bereits durch unsere Verfügung vom 30. April 1824 (Amtsblatt 1824 No. 388) bekannt gemachte Verbot für die Pfarrer der älteren Landestheile, keinen Ausländer, der sich im Lande niederlassen will, zu trauen, bevor er einen Niederlassungs-Consens von uns beigebracht hat, wieder in Erinnerung gebracht und auf den ganzen Umfang unsere Regierungsbezirks hiermit ausgedehnt.
Versäumte Beobachtung der vorgeschriebenen Vorsichts-Maßregeln zieht nach Befinden der Umstände, gemäß der gesetzlichen Bestimmung des Allg. Landrechts Th. II Tit. 1 § 149 fiskalische, oder willkürige Ordnungsstrafe nach sich.
Arnsberg, den 9. Mai 1828.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 20, 17. Mai 1828, Seite 181

* * *

Verbot des schnellen Fahrens und Reitens in den Städten, auf Brücken etc.
Es ist bemerkt worden, daß das im 6ten Stück des Amtsblattes pro 1816 unter No. 37. erlassene Verbot des schnellen Fahrens und Reitens in den Städten, auf den Brücken u. s. w. nicht überall beachtet wird.
Dies veranlaßt uns, die hierauf sich beziehenden Vorschriften des Allgemeinen Landrechts, Theil 2. Tit. 20. dem Publikum, insbesondere aber den Führern von Personen-Fuhrwerken in Erinnerung zu bringen:
§. 756. Auf Straßen, Brücken und öffentlichen Plätzen, so wie in allen bewohnten, von Menschen zahlreich besuchten Gegenden muß ein jeder des schnellen Reitens und Fahrens sich enthalten.
§. 757. Die Uebertretung dieser Vorschrift soll mit fünf bis zehn Thaler Geldbuße, oder mit verhältnißmäßiger Gefängnisstrafe geahndet werden.
§. 758. Sind Fehler des Pferdes an der Uebertretung Schuld, so bleibt der Reiter oder Fahrende von der Strafe nur alsdann frei, wenn er den Fehler vorher nicht gewußt hat.
§. 759. Dagegen trifft die Strafe den Eigenthümer des Pferdes, welcher den andern wegen des Fehlers nicht in Zeiten gewarnt hat.
§. 760. Die §. 757. verordnete Strafe hat auch derjenige verwirkt, welcher Pferde ohne die gehörige Aufsicht auf öffentlichen Plätzen, Straßen oder sonst im Freien, wo sie durch ihr Ausreißen, Beißen, Stoßen oder Schlagen Schaden anrichten können, stehen läßt.
§. 761. Bei gleicher Strafe soll sich niemand unterfangen, innerhalb der Stadt, Pferde einzufahren oder sich zur Nachtzeit der Schlitten ohne Schellengeläute zu bedienen.
Die Herren Landräthe und Bürgermeister haben diese Bestimmungen in den Städten noch besonders bekannt machen zu lassen; sämmtliche mit Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung beauftragte Beamten, insbesondere die Gendarmen und Polizeidiener aber werden hierdurch angewiesen, auf die Befolgung dieser Vorschriften mit aller Strenge zu halten, widrigenfalls und wenn dieselben sich hierunter säumig bezeigen sollten, die im §. 757. bestimmte Strafe gegen sie zur Anwendung gebracht werden wird.
Dagegen werden dieselben von den auf ihre Anzeige erkannten Geldstrafen die Hälfte als Denuncianten-Antheil erhalten.
Arnsberg, den 13. Mai 1828.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Arnsberg Nr. 21, 24. Mai 1828, Seite 185

* * *

Bewahrung der schulpflichtigen Kinder vor der Theilnahme an sittengefährlichen Vergnügungen.
Um die Jugend, soweit dies durch polizeiliche Einwirkung zu erlangen steht, vor der Teilnahme an sittengefährlichen Vergnügungen zu bewahren, werden die Herren Landräthe und Orts-Bürgermeister aufgefordert, strenge darauf zu halten, daß Kinder, welche sich noch im schulpflichtigen Alter befinden, ohne Beiseyn ihrer Eltern oder sonstigen häuslichen Vorgesetzten weder der dauernde Aufenthalt in den Trink-, Tanz- und Spielstuben gestattet, noch viel weniger geistiges Getränk, namentlich Branntwein, verabreicht werde.
Die Herren Schul-Inspektoren und Pfarrer, so wie die Schullehrer und Lehrerinnen fordern wir auf, den Zweck dieser Maßregel durch eine zweckmäßige Einwirkung auf die Eltern und auf die ihnen anvertrauten Jugend möglichst zu unterstützen, und dahin zu wirken, daß letztere vor dem verderblichen Einflusse solcher Vergnügungen, welche die rohe Sinnlichkeit aufregen oder durch den Anblick böser Beispiele das jugendliche Herz schon früh mit dem Laster befreunden, möglichst bewahrt bleibe.
Münster, den 27. Februar 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 10, 8. März 1828, Seite 73

* * *

Tanzmusik und Polizeistunde betr.
Zur Beseitigung aller Weiterungen und Beschwerden hinsichtlich der Polizeistunde und Tanzmusik wird folgendes bekannt gemacht:
1. Ohne polizeiliche Erlaubniß dürfen Gast- und Schenkwirthe keine Tanzlustbarkeiten veranstalten;
2. Sie müssen sie jedesmal bei dem Orts-Bürgermeister oder dessen Stellvertreter nachsuchen, welche schriftlich und unendgeldlich ertheilt wird.
3. Die schriftliche Erlaubniß muß zugleich die Stunde bestimmen, mit welcher die Musik aufhören soll. - In der Regel soll sie mit der Polizeistunde enden, welche nach den Umständen von der landräthlichen Behörde auf 10 oder 11 Uhr Abends festzusetzen ist.
4. Die Erlaubniß, über diese Stunde hinaus Tanzmusik halten zu dürfen, kann nur unter ganz besondern Veranlassungen und bei Volksfesten und auch dann nur, wenn es ordentlich und friedlich dabei zugeht, gestattet werden.
5. Die Polizei-Behörden sind befugt, das Halten der Tanzmusik ganz zu untersagen:
a. wenn gegründete Bedenken dagegen vorhanden sind, wohin frühere Schlägereien und Störungen der Ruhe und Ordnung gehören, und
b. Tanzlustbarkeiten an Tagen nachgesucht werden, wo die Gesetze dergleichen Vergnügen durchaus untersagen, und daher unter keinen Umständen zu gestatten sind.
6. Diejenigen, welche ohne polizeiliche Erlaubnis Tanzmusik halten, oder über die gesetzte Stunde hinaus Tanzmusik gestatten, oder die Polizeistunde überschreiten, sind zur Untersuchung und Strafe zu ziehen. Wenn sie zum dritten Mal kontrveniren, wird ihnen die Wirthschaft überdies untersagt.
7. Gesclossene Gesellschaften, welche besondere Lokale gemiethet haben und eigene Statuten besitzen, kann das Veranstalten von Bällen nur untersgt werden, wenn solche an Tagen statt finden sollen, wo die Gesetze dergleichen öffentliche Vergnügungen verbieten.
8. Wo eine Abgabe zur Orts-Armenkasse für Tanzmusik entrichtet wird, bleibt es dabei und muß, um jede Irrung zu vermeiden, in der polizeilichen Erlaubniß vermerkt werden, daß nach unter gesetztem Empfange der Abgabe von den Rendanten der Armen-Kasse die Tanzmusik erlaubt sey.
9. Wo bis jetzt eine derartige Abgabe zur Orts-Armenkasse nicht entrichtet ist, bleibt den Kommunen überlassen, mit Bestimmung des Beitrags bei uns durch den betreffenden Landrath Anträge zu machen.
Münster, den 2. Juni 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 24, 14. Juni 1828, Seite 192

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Wenigen Hausfrauen ist bekannt, daß alle Herbste eine Beere reift, die unter den durch Einkochung zur Aufbewahrung fähigen Früchten, hinsichtlich ihres Wohlgeschmacks und ihrer, der Gesundheit zuträglichen Eigenschaften, vielleicht den ersten Rang verdient. Es ist die schwarze Brombeere. Sie hat noch überdies durch den vielen Zuckerstoff, den sie enthält, den Vorzug vor den Himbeeren und Johannesbeeren, daß sie mit weniger Kosten aufbewahrt werden kann, und zwar mit dem Verhältniß, daß man nur 1 Pfund Zucker zu 2 1/4 Pfd. Beeren nöthig hat, während zu den Himbeeren immer 1 Pfd Zucker auf 1 Pfd. Beeren, und zu den Johannesbeeren sogar 1 1/2 Pfund Zucker auf 1 Pfd. Beeren genommen werden muß.
Die Einkochung geschieht bis zu gewöhnlicher Verdickung.
Rheinisch-Westphälischer Anzeiger, Nr. 6, 19. Januar 1828, Spalte 111

* * *

Als ein Mittel, die Mastung des Rindviehes und der Schweine zu befördern, wird Gyps empfohlen. Man gibt nämlich einem zwei- und mehhrjährigen Rinde oder Schweine, das gemästet werden soll, täglich einen guten Suppenlöffel gehäuft voll Gyps unter das Getränk, oder noch besser unter eingequellte Körner, vom Tage der Mastung an, oder auch erst vier Wochen nachher, bis zum Schlachten oder Verkaufen. Kleineren Thieren gibt man täglich nur halb so viel. Dieses Mittel wirkt als Beförderungs- und Reizmittel, befördert die Verdauung, erregt den Appetit, vermehrt die Freßlust und bringt Durst hervor; als eigentliches Futter wirkt es aber nicht, vielmehr muß man den Thieren um so mehr Futter und Getränk darreichen, weil es mehr davon zu sich nimmt. (Die Sache verdient wohl versucht zu werden.)
Rheinisch-Westphälischer Anzeiger, Nr. 7, 23. Januar 1828, Spalte 126
Die Chronik für das Jahr 1828
Stadtchronik 1828 hat geschrieben: Freitag, 4. Januar 1828
Der Schneidergesell Carl Bilger aus Frankfurth am Main hat sein daselbst unterm 8. Februar 1826 ausgestelltes Wanderbuch, welches unterm 3. d. M. vom Gemeinderath Meßmann zu Waltrop zuletzt visiert worden, angeblich am nächstfolgenden Tage zwischen Recklinghausen und Buer verloren.
Dieses Wanderbuch wird hiermit für ungültig erklärt und der etwaige Finder aufgefordert, dasselbe an die nächste Polizei-Behörde zur Weiterbeförderung hierher abzugeben.
Westerholt den 14. Januar 1828.
Landräthliche Behörde des Kreises Recklinghausen.
de Weldige
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 7, 22. Januar 1828, Seite 81

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Sonntag, 13. Januar 1828
Dem Höfner Wilhelm Ostrup zu Surresse sind in der Nacht vom 12. auf den 13. l. M., mittels Eröffnung eines Fensters an der Schlafkammer, folgende Sachen entwendet:
1. Ein Oberbett mit vier Kissen;
2. Drei Betttücher;
3. Drei blau tuchene Westen;
4. Eine kattunene gestreifte Weste;
5. Ein Kaffeekessel von gelben Kupfer;
6. Ein hölzerner Pfeifenkopf mit Silber beschlagen.
Wir warnen vor den Ankauf dieser Sachen, mit der Aufforderung, jede Spur des Thäters uns oder dem Königl. Inquisitoriate zu Münster anzuzeigen.
Recklinghausen den 21. Januar 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Reinking. Unger.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 9, 29. Januar 1828, Seite 106

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Sonntag, 13. Januar 1828
In der Nacht vom 12. auf den 13. Januar l. J. sind den Kleinhändler Theodor Schlangenbrinck zu Horst, mittels Einbruchs, aus seinem Hause entwendet:
1. Circa 25 Pfund Kaffee;
2. 50 Stück bunte kattunene Frauen-Halstücher;
3. 50 Stück schwarz und bunt gestreiftes, halb seiden und halb baumwollen Westenzeug;
4. 40 Paar, theils blaue, theils weisse Strümpfe;
5. Eine Elle dunkelgrünes Biebertuch;
6. Fünf Thaler in 1/4 Brband. Kronen, Silbergroschen und Pfenn.;
7. Sechs Ellen weiß gestreiftes und geblühmtes Nesseltuch;
8. Circa 8 Elle feine Leinwand;
9. Vier schwarz seidene Tücher mit rothen Streifchen umsäumt;
10. Acht Dutzend kupferne Knöpfe;
Ungefähr sechs Pfund gemeinen Rolltaback.
Wir bringen diesen Diebstahl mit der Aufforderung an jeden zur Kenntniß, alle zur Entdeckung des Diebes oder der Sachen führende Spuren dem Königl. Inquisitoriate oder dem unterzeichneten Gerichte anzuzeigen.
Dorsten den 13. März 1828.
Königl. Preußisches Land- und Stadtgericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 23, 18. März 1828, Seite 273

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Mittwoch, 16. Januar 1828
Im Kreise Recklinghausen sind ferner zu Gemeinderäthen ernannt:
in der Bürgermeisterei Buer; für die nach ihrem Wunsche abgehenden Ackerleute Schulte Ostrop zu Eckeresse, Hüchtebrock zu Hage, und Catelo zu Ellinghorst, die Ackerleute Jos. Trogemann, Theod. Stegemann u. Bern. Löcken an den genannten Orten.
[...]
Münster, den 16. Januar 1828.
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 5, 2. Februar 1828, Seite 33

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Mittwoch, 23. Januar 1828
In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar l. J. sind dem Ackersmann Hermann Mehring im Kirchspiel Buer a) ein Malter Buchweizen und b) vier große Roggenbröde, entwendet worden.
Jedermann wird zur Anzeige der ihm zur Entdeckung des Diebes oder der Sachen bekannt werdenden Data beim Königl. Inquisitoriate oder bei unterzeichneter Behörde aufgefordert.
Dorsten den 13. März 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 23, 18. März 1828, Seite 274

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Donnerstag, 24. Januar 1828
In der Nacht vom 23. auf den 24. Januar dieses Jahres sind dem Kötter Dietrich Thiemann zu Uekendorf, Gerichtsbezirk Bochum, 28 Packen geschwungener, 36 Packen ungeschwungener Flachs, 1/4 Scheffel getrocknete Pflaumen und 3/4 Scheffel getrckneter Aepfel mittels Einbruchs entwendet worden. Von den Damnifikaten sind 4 der Diebe gesehen, aber nicht erkannt worden, und da diese sogar Thätlichkeiten gegen den Ersten verübt haben, so müssen wir alle Polizei-Behörden um so dringender ersuchen, den Thätern nachzuforschen, und jede Spur derselben zu verfolgen.
Hamm, den 7. März 1828.
Königl. Preuß. Inquisitoriat
Beilage zum Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 11, 15. März 1828, Seite 49
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf, Nr. 14, 18. März 1828, Seite 107

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Montag, 4. Februar 1828
Am 4. Februar l. J. Vormittags um 11 Uhr sollen bei dem Kötter Plesser in Erle Kirchspiels Buer ein Pferd, zwei Kühe, eine Karre, eine Uhr, ein Bett nebst Bettstelle, meistbietend versteigert werden; Kauflustige wollen sich am 4. Februar 11 Uhr in der Behausung des Kötters Plesser einfinden.
Dorsten den 11. Januar 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Hülskötter Randebrock
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 6, 18. Januar 1828, Seite 74

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Dienstag, 19. Februar 1828
Verkauf von domanialen Grundstücken zu Rotthausen. Ex II. S. IV. Nr.456.
Am Dienstag, dem 19. Februar dieses Jahres, Vormittags um 10 Uhr, sollen zu Essen auf dem Königl. Rentamte, vor dem Königl. Rentmeister Herrn Keller, folgende domaniale Grundstücke zu Rotthausen, Bürgermeisterei Alten-Essen:
1) 10 Morgen 32,70 Ruthen Ackerland im Weindorfer Felde, bis zum 11ten November 1828 an Herrn Heinrich Huyssen, für 10 Rthlr. incl. 2 1/2 Rthlr. in Gold verpachtet;
2) 17 Morgen 162.60 Ruthen Ackerland daselbst, wovon

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   5 Morgen  19,29 Ruthen, bis zum 11. November 1830 an Wilhelm
                           Hartmann verpachtet, für 4 Malter oder 
                           12 Scheffel 11 22/73 Metzen Roggen;
   4 Morgen  37,81 Ruthen, bis zum 11. November 1829 an Wilhelm
                           Ostermann verpachtet, für 13 Rthlr. 
                           incl. 5 Rthlr. in Gold;
   8 Morgen 105,50 Ruthen, bis 11. November 1829, 1832 und 1835
                           verpachtet an Ph. Wembken, für 24 Rthlr.,
                           incl. 7 1/2 Rthlr. in Gold;
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= 17 Morgen 162,60 Ruthen
3) 3 Morgen 104,50 Ruthen Wiese, bis 11. November 1829, 1832 und 1835 an Ph. Wembken, verpachtet für 4 Rthlr. incl. 2 1/2 Rthlr. in Golde, und
4) 8 Morgen 85,50 Ruthen Wiesengrund, die Bramkamps Wiese, bis zum 29. September d. J. an Bernhard Ophoff verpachtet gewesen;
den Mehrstbietenden alternative
a) zum Ankauf mit Vorbehalt einer Rente,
b) zum freien Ankauf, so wie
c) Nr. 4 auch zur Verpachtung
nochmals öffentlich ausgestellt werden.
Die Ausstellung zur Veräußerung erfolgt:
a) zuerst in obigen 4 Abtheilungen, und in den einzelnen Pachtungen;
b) dann Nr. 1 und 2 zusammen. und 3 und 4 zusammen, und
c) endlich die Gesammtheit.
Die Verdingungen sind auf dem Rentamte zu Essen einzusehen.
Düsseldorf, den 31. Januar 1828.
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf, Nr. 14, 18. März 1828, Seite 107

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Dienstag, 19. Februar 1828
[...]
Der vormalige freiwillige Landwehr-Unteroffizier Johann Düsing zu Buer ist zum zweiten Polizeidiener in der Bürgermeisterei Buer mit Bestimmung seines Wohnorts im Dorfe Gladbeck provisorisch bestellt.
Münster, den 19. Februar 1828
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 10, 8. März 1828, Seite 77

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Donnerstag, 28. Februar 1828
Dem Höfner Heggerfeld zu Eckelresse sind in der Nacht vom 27. auf den 28. v. Mon., mittels Durchbrechung einer Wand an seiner Kammer, folgende Sachen entwndet:
1. Ein Frauen-Kleid von dunkelblauem Tuche;
2. Ein Paar Halbstiefel;
3. Zwei Frauen-Hemde von Mangeltuch;
4. Circa 3 Ellen Flächsen-Tuch;
5. Circa 4 dito Mang-Tuch;
6. Ein silbernes Kreuz;
7. Zwei Frauen-Halstücher, eines von Seide, das andere von Kattun;
8. Ungefähr 4 Sgr. an Gelde.
Wir warnen vor deren Ankauf, mit der Aufforderung, jede Spur des Thäters uns oder dem Königl. Inquisitoriate zu Münster anzuzeigen.
Recklinghausen den 4. März 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Reinking. Unger.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 22, 14. März 1828, Seite 260

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Samstag, 22. März 1828
In der Nacht vom 21. auf den 22. l. M. sind dem Metzger Kemper von Buer im Hause des Wirtschafters Brechtmann zu Herten, mittels Durchbrechung der Mauer, ein grauer Rock und ein Paar kalblederne Stiefeln entwendet, und ist dabei von dem Thäter ein Pflugeisen zurückgelassen.
Wir warnen vor dem Ankauf der gestohlenen Sachen, mit der Aufforderung, jede Spur des Thäters uns oder dem Königl. Inquisitoriate zu Münster anzuzeigen.
Recklinghausen den 24. März 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Reinking. Unger.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 30, 11. April 1828, Seite 369

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April 1828
Im Monat April l. J. sind dem Ackersmann Lindemann im Kirchspiele Buer aus seiner unverschlossenen Kornkammer 1/4 Scheffel Wicken, 1/4 Scheffel Erbsen und Bohnen durcheinander gemischt, 3/4 Scheffelo Hafer, /4 Sch. Waizen, zum Gesammt-Betrage von 3 Thlr. Berl. Cour. entwendet worden.
Jeder wird vor dem Ankauf gewarnt, und zur Anzeige der Spuren, welche zur Entdeckung des Thäters führen könnten, beim unterzeichneten Gerichte aufgefordert.
Dorsten den 24. Mai 1828.
Königlich Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 45, 3. Juni 1828, Seite 568

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Donnerstag, 3. April 1828
In der Nacht vom 2. auf den 3. April l. J. sind dem Ackersmann Görts im Kirchspiel Buer nachstehende Gegenstände aus seinem Hauskeller entwendet worden:
a) ein kupferner Kaffeekessel;
b) ein Dutzend zinnerne Eßlöffel mit dem Buchstaben A. G.;
c) ein zinnerner Kerzenleuchter;
d) eine zinnerne Zuckerschüssel;
e) 25 Pfund geschmolzener Talg;
f) 4 1/2 Maaß Schmalz;
g) ein zinnerner Theetopf und eine Milchkanne;
h) ein Tischtuch;
i) eine hölzerne Schüssel mit Butter;
k) drei hölzerne Eßlöffel;
l) eine Mistgabel;
m) drei Messer.
Jeder wird vor dem Ankauf gewarnt, und aufgefordert, die zur Entdeckung des Thäters führende Spuren der unterzeichneten Gerichts-Behörde oder dem Königl. Inquisitoriate anzuzeigen.
Dorsten den 19. April 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 36, 2. Mai 1828, Seite 444

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Samstag, 5. April 1828
Dem Leineweber Nicolaus Frankemper im Kirchspiel Buer sind in der Nacht vom 4. auf den 5. April l. J. aus seinem Hauskeller 24 Hühnereier, 5 Gänseeier, 6 Maaß Waizen-Mehl, 3/4 Maaß Rüböl in einer Flasche, ein Topf mit Talg, 3 Pfund Talg, 3/4 Pfund Speck, eine Weller Butter, ein Topf mit Butter, drei Maaß enthaltend, mittels Einbruchs entwendet worden.
Wir fordern jeden zur Bekanntmachung jeder zur Entdeckung des Thäters führenden Spur beim Königlichen Inquisitoriate oder bei der unterzeichneten Behörde hierdurch auf.
Dorsten den 6. Mai 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 39, 13. Mai 1828, Seite 495

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Montag, 5. Mai 1828
Seitens Königlich Hochlöblicher Regierung ist die vollige Instandsetzung des hiesigenKirchendachs, so in diesem Jahre noch auszuführen genehmigt, und sollen die dazu erforderlichen Schieferdecker-, Schmiede- und Zimmer-Arbeiten, zusammen veranschlagt zu 553 Thlr. 3 Sgr. 9 Pf., am Montage den 5. Mai c. auf der hiesigen Verwaltungsstube an den Mindestfordernden öffentlich verdungen werden, wozu ich sachkundige Unternehmungslustige hierdurch einlade.
Kostenanschlag, Zeichnung und Bedingungen sind ebendaselbst bis zum Termine einzusehen.
Buer, den 12. April 1828.
Bürgermeister
Tosse
Amtsblatt der Königl. Regierung zu Münster Nr. 16, 19. April 1828, Seite 142
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 32, 18. April 1828, Seite 393
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 33, 22. April 1828, Seite 408

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Dienstag, 16. und Freitag, 26. September 1828
In der Nacht vom 15. auf den 16. v. M. ist auf dem Felde beim Hause Hamm Kirchspiels Buer eine Pflugkolter, gezeichnet v. M. J.; und in der Nacht vom 25. auf den 26. desselben Mon. ein Pflugreister, gestohlen worden.
Jeder, welcher That-Umstände anzugeben weiß, welche zur Entdeckung der Diebe führen, wird aufgefordert, dieselbe zur Kenntniß der unterzeichneten Behörde gelangen zu lassen.
Dorsten, den 10. October 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 85, 21. Oktober 1828, Seite 1113

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Dienstag, 30. September 1828
In der Nacht vom 29. auf den 30. v. M. sind aus dem Schafstalle des Hauses Hamm 7 Schafe, theils Hämmel theils Mutterschafe, 2 bis 3 Jahr alt, wovon einige im rechten und einige im linken Ohr mit dem Buchstaben H. gezeichnet waren, entwendet worden.
Jeder, welchem Thatumstände, die zur Entdeckung des Diebes führen können, bekannt sind, wird aufgefordert, dieselbe zur Kenntniß der unterzeichneten Stelle gelangen zu lassen.
Dorsten den 30 October 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 91, 11. November 1828, Seite 1181

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Dienstag, 30. September 1828
Am 30. September curr. Abends sind bei dem Schulze Hege zu Hege, Krs. Buer, nachstehendes Gegenstände entwendet worden:
1. Ein Oberbett von sogenanntem Misselan mit breiten rothen, weissen u. schwarzen Streifen;
2. Fünf Kopfküssen mit blau gedruckten und weiß punktirten Ueberzügen;
3. Zwei wergene Betttücher;
4. Ein schwarz gefärbtes kattunenes Kleid;
5. Zwei bis drei Frauen-Mützen und drei weisse Kappen;
6. Eine schwarz gefärbte baumwollene Jacke;
7. Fünf Hemden;
8. Ein halbes Stück weiß gebleichtes Tuch;
9. Ein weisses Halstuch;
10. Zwei Paar braune Strümpfe und
11. Ein messingnes vergoldetes Kreuz ohne Namenszug.
Indem wir diesen Diebstahl zur öffentlichen Kenntniß bringen, warnen wir zugleich vor dem Ankauf der Gegenstände, und fordern einen jeden auf, alles dasjenige, was zur Ausermittelung des Thäters und Herbeischaffung der Sachen dienen könnte, sofort dem unterzeichneten Gerichte anzuzeigen.
Dorsten den 28. November 1828.
Königl. Peuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 99, 9. Dezember 1828, Seite 1278

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Samstag, 18. Oktober 1828
Am 18. October c., Morgens früh, sind dem Ackersmann Theodor kleine Roecken zu Rotthausen, Gerichtsbezirk Essen, folgende Gegenstände mittels Einbruchs aus seiner Wohnung gestohlen worden:
Ein Oberbett von Werleintuch, blau und weiß gestreift, mit Gäsefedern ausgefüllt, über welches ein Ueberzug, ebenfall von Werchleinwand, oben blau gedruckt und unten weiß, befindlich war;
ein Unterbett von Werchleinen, blau und weiß gestreift;
drei Frauenhemden von flächsen Leinen, gezeichnet F.;
zwei dito, gezeichnet M.;
zwei flächsen-leinene Hemden ohne Zeichen.
Indem wir diesen Diebstahl hierdurch zur öffentlichen Kunde bringen, und vor dem Ankauf der gestohlenen Sachen warnen, fordern wir zugleich Jeden auf, diejenigen Thatsachen und Umstände, welche zur Ausmittelung des Thäters oder Wiederhebeschaffung der gestohlenden Sachen führen könnten, der nächsten Polizei-Behörde, oder uns sofort anzuzeigen.
Hamm, den 10. November 1828.
Königl. Preuß. Inquisitoriar.
Beilage zum Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 47, 22. November 1828, Seite 246
Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf, Nr. 79, 28. November 1828, Seite 572

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Dienstag, 2. Dezember 1828
Dem Antrag eines Gläubigers gemäß soll der im Kirchspiel Buer, Bauerschaft Oberscholven, unweit der Landstraße von Dorsten nach Buer, sub Nro. cat. 14 belegene Scheppers Kotten, gerichtlich zu 189 Rthlr. 5 Sgr. abgeschätzt, gegen die Geschwister Schepers, zur nothwendigen Subhastation gezogen werden.
Der Bietungs-Termin ist auf den 2. December l. J. Vormittags 10 Uhr vor dem Deputirten, Herrn Assessor Callenberg, auf dem Kotten angesetzt, wozu zahlungsfähige Kauflustige unter der Bekanntmachung eingeladen werden: daß Taxe und Vorwaden in der Gerichts-Registratur einzusehen sind.
Unbekannte Real-Prätendenten haben spätestens in Termino ihre Ansprüche anzumelden und zu bescheinigen.
Dorsten den 19. September 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 78, 26. September 1828, Seite 1024
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 84, 17. Oktober 1828, Seite 1105
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 90, 7. November 1828, Seite 1170

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Freitag, 5. Dezember 1828
In der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember v. J. sind aus der Behausung des Colonen Epmann zu Hasselt, mittels Erbrechung eines Kellerfensters, folgende Sachen entwendet worden:
1) Ein Fäßchen mit circa 15 Maaß Oel, zum Werthe von 3 Rthlr. 18 Sgr., auf dem Boden des Fäßchens befinden sich die Buchstaben E.P.P.;
2) Ein kupferner Kaffeekessel zum Werthe von 2 Rthlr.;
3) Ein Viertel Pfund gebrannter Kaffee; ferner:
4) Drei Viertel Scheffel Buchweitzen, und endlich:
5) Aus einem Topfe cica 8 Pfund Schmalz;
6) Ungefähr 3/4 Scheffel Buchweitzen.
Vor dem Ankauf dieser entwendeten Sachen wird jeder gewarnt, und aufgefordert, alles dasjenige, was zur Entdeckung des Diebes führen könnte, sofort bei hiesiger Gerichtsstelle anzuzeigen.
Dorsten den 3. Januar 1829.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 8, 27. Januar 1829, Seite 84

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Samstag, 13. Dezember 1828
Auf Antrag eines Gläubigers soll das in der Löchterheide bei Buer, zwischen den Ländereyen des Sasse und Mollersbauer, 1 1/2 Scheffel große, den Erben Pöppinghaus in Buer zugehörige Stück Ackerlandes, geschätzt zu 56 Rthlr. 7 Sgr. 6 pf., zur nothwendigen Subhastation gezogen werden, und ist ein einziger Bietungs-Termin auf den 13. December curr. Vormittags 9 Uhr vor dem Deputierten, Herrn Auscultator Rive, in loco anberaumt, wozu Kauflustige mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Vorwarden auf hiesiger Gerichts-Gegistratur zur Einsicht offen liegen.
Dorsten den 15. August 1828.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 82, 10. Oktober 1828, Seite 1076
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 89, 4. November 1828, Seite 1161
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 94, 21. November 1828, Seite 1218

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Edictal-Citation
Da von der fiscalischen Behörde wider folgende, bei der Musterung im Jahre 1824 nicht erschienene Militairpflichtige des kiesigen Oberlandes-Gerichts-Bezirks, als:
...
2) Bernhard Buerbaum aus Bulmke;
...
deshalb Klage erhoben ist, weil dieselben sich durch Entfernung von ihrem Wohnorte der Militairpflicht entzogen haben, so werden dieselben hierdurch aufgefordert, ungesäumt in die hiesigen Lande zurückzukehren und sich dem, vor dem Deputirten Herrn Ogerlandesgerichts-Referendar von Isselstein auf den 8. Juli 1829., Vormittags 11 Uhr hieselbst im Oberlandesgerichts Gebäude bestimmten Termine zu gestellen und sich über den Austritt aus dem Lande zu verantworten, unter der Warnung, daß sie bei ihrem ungehorsamen Ausbleiben ihres gesamten Vermögens mit Einschluß künftiger Anfälle werden verlustig erklärt, solches alles dem Fisco zuerkannt und zur Regierungs-Haupt-Kasse eingezogen werden soll.
Hamm, den 19. Dezember 1828
Königl. Preuß. Ober-Landes-Gericht: v. Rappard
Düsseldorf, Öffentlicher Anzeiger, Nr. 11, 12. Februar 1829, Seite 58

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Samstag, 20. Dezember 1828
In der Nacht vom 19. auf den 20. December 1828 sind dem Colonen Brüggerbauer zu Scholven von seiner Scheunentenne, wahrscheinlich mittels Eröffnung der Thüren durch Nachschlüssel, folgende Sachen entwendet:
a) Sieben und zwanzig Manns-Hemde, welche mit einem rothen Kreuzchen auf der Brustseite gezeichnet sind;
b) Fünf Knaben-Hemde, gezeichnet W.T.;
c) Dreizehn Frauen-Hemde, ohne Zeichen.
Jeder wird vor dem Ankauf dieser Sachen gewarnt, und aufgefordert, alles, was zur Entdeckung des Thätersführen könnte, sofort bei hiesiger Gerichtsstelle anzuzeigen.
Dorsten den 23. Januar 1829.
Königl. Preuß. Land- und Stadt-Gericht.
Evelt. Randebrock.
Münsterisches Intelligenzblatt, Nr. 11, 6. Februar 1829, Seite 116

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Mittwoch, 31. Dezember 1828
Im Departement der unterzeichneten General-Commission sind im Jahre 1828 folgende Gemeinschafts-Theilungen ausgeführt worden:
A. Im Regierungs-Bezirke Münster
...
VII. Im Kreise Recklinghausen.
...
46. der Gecksheide, Bürgermeisterei Buer, von 437 Mrg. 159 Quarat-R.
47. der Scholver Mark daselbst, von 1007 Mrg 150 Quadrat-R.
...
Münster, den 31. December 1828
Königliche General-Commision.
Brockmann
Amtblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg Nr. 9, 28. Februar 1829, Seite 68

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Minchen
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Re: Stadtchronik 1828

Beitrag von Minchen »

Ich finde es immer wieder spannend, gerade aus Rotthausen Namen von Leuten zu lesen, die diese in Form von Straßennamen hinterlassen haben - das waren echte Menschen.

Und immer wieder wundere ich mich über die Vielzahl der Einbrüche. Auf den Höfen damals müssen doch zahlreiche Menschen gewohnt haben. Wie konnten so viele unbemerkte Einbrecher unterwegs sein?
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.
(Shakespeare, König Lear)

matz
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Re: Stadtchronik 1828

Beitrag von matz »

und immer wurde Wäsche geklaut

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Minchen
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Re: Stadtchronik 1828

Beitrag von Minchen »

Und mindestens einmal Kaffee.
Da wäre ich echt sauer gewesen. :evil:
Kassandra war doch eine furchtbare Populistin.

Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde.
(Shakespeare, König Lear)

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