Hiberniastraße - Die erste Jazz-und-Art-Galerie

Die Mutter aller Kultur in Gelsenkirchen

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gelski
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Beitrag von gelski »

Vorbereitung und Durchführung einer archäologischen Expedition zur Erforschung der genauen Lage der 1. Jazz-Galerie an der Hiberniastraße. Eine Gelsenkirchener Geschichte in 3 Teilen.

Teil 1

Es gibt bisher wenig Bekanntes über den Ort. Historische Quellen sind kaum vorhanden, wenn man von einigen Zeilen in der Chronik der Stadt Gelsenkirchen absieht, welche die Zeit der Gründung der 1. Jazz-Galerie von 1965 bis zur Schließung 1972 beschreiben. Danach bis 1974 wurde der Bunker von den Jungdemokraten genutzt. Einige Bemerkungen, Fotos und Hinweise liegen auf den GG-Seiten bereits vor. Aber wo genau lag der Bunker in welchem 1965 Musiker der Dixie-Cats die 1. Jazz-Galerie gründeten? Diese Leute legten damals mit privater Initiative den Grundstein einer freien Jazz- und Kulturszene in Gelsenkirchen, die bis heute als Jazz & Art-Galerie an der Florastr besteht. Nur noch die 60jährigen unter uns können sich an diesen historisch bedeutsamen Ort erinnern, der vor bald 40 Jahren unterging. Grund genug für unser Expeditionsteam (Doris, Herbert, Marion und Ulrich) den Versuch zu unternehmen die genaue Lage der 1. Jazz-Galerie zu finden. Wir waren schon damals, so um 1971, Jazzfans im Alter von 18-22 Jahren.

Von 1971 - 1974 wurde der gesamte Gebäudekomplex vom alten Stadtbad an der Husemannstr bis zum Bahnhofshotel abgerissen. Aus der Hiberniastr, einer ehemals kleinen Seitenstraße des Bahnhofsvorplatzes, wurde eine 4-spurigen Schnellstraße zwischen Ringstr und Rotthauserstr. Die alte Hiberniastr verlief vom Bahnhofsvorplatz, zwischen der Fahrschule E. Sohn und dem alten Bahnhofshotel, parallel zu den Bahngleisen bis zum Gelände der alten Hiberniazeche (heute auf Höhe Husemannstr) und bog dann rechts ab zum alten Stadtbad (heute Ibis-Hotel).
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Hinter der Fahrschule lag ein Parkplatz mit anschließend, direkt am Bahndamm gelegenen, garagenähnlichen Unterständen. Irgendwo dort, oder dem Straßenverlauf linksseitig folgend, muss der Bunker gelegen haben. Aber wie findet man einen Ort in einer völlig veränderten Umgebung nach Jahrzehnten wieder? Als erste Maßnahme werteten wir die auf den GG-Seiten vorliegenden Fotos der Gegend aus.

Doris nannte als erste die Vermutung, dass sich die 1. Jazz-Galerie in der Nähe der, an den Unterständen direkt angrenzenden Flachbauten, befunden haben muss. Herbert und Marion konnten sich nicht mehr so genau erinnern um eine Vermutung zu wagen, während auch Ulrich meinte, dass sich der Ort noch vor dem Gelände der alten Hiberniazeche befunden haben muss. Sicher aber noch vor dem Bogen zum Stadtbad.
Bild
Alles nur Vermutungen. Aber von einem Bunker war auf den Fotos nichts zu sehen. Marion schlug dann vor, das Archiv der WAZ von 1965 – 1972 durchzusehen. „Mein lieber Scholli“, sagte Herbert und rechnete kurz nach: „7 Jahrgänge x 6 Ausgaben pro Woche x 52 Wochen pro Jahr macht 2184 Zeitungen.“ „Nee“, sagten Doris und Marion gleichzeitig, „ohne uns, so wichtig ist die Sache auch nicht.“ Also was tun? „Lasst uns morgen mal hinterm Bahnhof gucken, wie es da heute aussieht“, meinte Ulrich. „Wie morgen gucken wie es heute aussieht? Versteh ich nicht“, sagte Marion, „zuerst trinken wir aber noch einen Cappuccino bei De Lorenzo auf der Bahnhofstr.“ „Du lebst wohl nur noch in der Vergangenheit“, lachte Herbert, „den gibt’s schon seit einigen Jahren nicht mehr auf der Bahnhofstr.“ Also, gesagt getan. Am nächsten Morgen machten wir uns von der Resser Mark auf ins Zentrum.
Zuletzt geändert von gelski am 24.05.2010, 00:48, insgesamt 1-mal geändert.

gelski
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Beitrag von gelski »

Vorbereitung und Durchführung einer archäologischen Expedition zur Erforschung der genauen Lage der 1. Jazz-Galerie an der Hiberniastraße. Eine Gelsenkirchener Geschichte in 3 Teilen.

Teil 2

Ein wichtiger Grundsatz unserer Arbeit lautete: Wir wollen nicht suchen, sondern wir wollen finden!
Wir fühlten uns wie David Livingstone auf der Suche nach den Nilquellen.

Über die Ringstr und die neue Hiberniastr fuhren wir zum Parkhaus an der neuen Husemannstr. Etwas verloren schauten wir uns um. Wir gingen zuerst zum Ibis-Hotel, dort wo früher das alte Stadtbad stand. „Meine Güte“, sagte Marion, „hier war ich ja schon Jahrzehnte nicht mehr gewesen. Früher waren wir oft hier zum Schwimmen. Doris, weist du noch 1968, als wir beide hier mit der 8x50m Brust-Staffel unserer Schulmannschaft Stadtmeister wurden?“ „Ja“, rief Doris, „es ist so lange her. Ich glaube, ich habe noch in einer Kiste das Foto mit unserer Mannschaft und dem Pokal.“ „Wir sollten zurück in Richtung Bahngleise gehen“, sagte Herbert, „hier ist kein Stein von damals mehr zu finden. Alles neuer Beton.“ Wir gingen zurück, am Parkhaus und der neuen Post vorbei und überquerten die Hiberniastr. Der Bürgersteig erlaubte nur den Fußweg in Richtung Bokermühlstr. Zum Bahnhof hin ist ab hier die Hiberniastr nur für Autos befahrbar. Wir schauten in die Büsche vor den Bahngleisen. Aber außer des Waldes Grün war nichts zu entdecken. Durch die Bokermühl-Unterführung gingen wir am Lidl vorbei über die Schwanenstr und den Wiehagen und standen plötzlich an der BochumerStr am Süd-Eingang zur Bahnhofspassage. Dort wo sich früher für Busse, Straßenbahnen und Autoverkehr, unter den Bahngleisen vom Bahnhofsvorplatz aus, das Tor zum Süden Gelsenkirchens öffnete. „Nee, es ist aussichtslos hier etwas von damals zu finden. Alles neuer Beton, wie Herbert schon richtig sagte“, klagte Ulrich. „Also langsam kriege ich Hunger von der nutzlosen Rennerei. Lasst uns etwas Essen gehen“, sagte Marion.

Im Brauhaus Hibernia machten wir es uns bequem. Stumm und etwas ratlos schauten wir uns an, als Marion wieder losfauchte: „Wer kam bloß auf die blöde Idee nach einem alten Bunker zu suchen? Egal, ob er noch da ist oder nicht. Wen interessiert das heute noch?“ Marion weiter nach einer Pause und tiefem Luftholen: „Den Herbert natürlich, unseren Nostalgiker und Heimatfreund.“ „Jetzt ist es aber gut. Lästere doch nicht über Herbert. Auch du wolltest ja wissen, wo die Jazz-Galerie damals lag. Und außerdem tut dir ein bisschen Bewegung ganz gut“, entgegnete Doris. Wieder herrschte Stille bis Ulrich einen Vorschlag machte: „Doris, du hast doch dein Laptop dabei, schau doch mal bei Google-Maps nach, wie die Gegend hier von oben aussieht. Vielleicht ist da etwas zu erkennen. Moderne Archäologen arbeiten ja heute auch mit Satelliten-Unterstützung.“ „Richtig, da sollten wir mal nachschauen“, antwortete Doris. Sie schob die Teller beiseite und kramte aus Ihrer Tasche den Laptop hervor. Nach einiger Zeit sahen wir auf dem Bildschirm den gewählten Ausschnitt des Geländes. Zuerst fiel uns nichts auf, bis Herbert auf eine ovale Linienkontur im Gebüsch zwischen Hiberniastr und den Bahngleisen zeigte, die sich deutlich von der Umgebung abhob:
Bild
„Was kann das sein?“, fragte Marion. Niemand hatte eine Idee. „Da wir jetzt gut gegessen haben und durch die Herausforderung des Unbekannten die Laune auch wieder gestiegen ist, sollten wir die paar Schritte dorthin machen und einfach nachsehen“, meinte Herbert.

Wir zahlten und gingen durch die Verkaufshalle im Bahnhofsvorplatz zum Parkhaus an der Husemannstr, überquerten erneut die Hiberniastr und schlugen uns in die Büsche vor den Bahngleisen. Doris schaute sich verschämt um, ob keiner guckt. Denn was sollten die Leute wohl denken, was wir hier anstellen würden. Durch unwegsames Gelände mit dichtem Astwerk arbeiten wir uns vor, bis wir nach ca. 50m an ein Betonbauwerk kamen:Bild „Ich glaube hierbei handelt es sich nicht um neuen Beton“, meinte Herbert, „das könnte früher ein Bunker gewesen sein. Wieso haben wir den heute Morgen nicht gesehen als wir hier waren? Der liegt doch keine 5m von der Straße entfernt.“ Wir gingen soweit es möglich war um das Bauwerk herum. So richtig vorstellen konnten wir uns alle nicht, dass das Bauwerk hier früher einmal unsere Jazz-Galerie gewesen sein sollte. Wir wollten nicht noch länger die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Autofahrer durch unsere fragwürdige Anwesenheit erregen und schlichen deshalb zurück zur Straße. BildAuf dem Bürgersteig an der Hiberniastr drehten wir uns noch einmal um. Vom Betonbauwerk war nichts mehr zu sehen. Es war vollständig verdeckt von Bäumen, Ästen und Blättern. Wir hatten zwar einen großen Betonklotz gefunden, aber wir konnten seine Lage nicht den Örtlichkeiten der Vergangenheit zuordnen. „Wenn wir wüssten, was früher einmal hier war, genau hier wo wir jetzt stehen, dann könnten wir einigermaßen abschätzen, ob dieses Betonbauwerk der ehemalige Standort unserer Jazz-Galerie gewesen sein könnte“, sagte Marion. Herbert blickte verträumt die Husemannstr hinauf, als er uns fragte: „Sagt mal, dort wo früher das Stadtbad stand, befindet sich heute das Ibis-Hotel. Richtig? Und war sehen wir dort geradeaus? Das Ibis-Hotel. Richtig?“ Alle stimmten zu. „Also müsste es doch möglich sein auf alten Fotos eine Linie vom Stadtbad zu den Bahngleisen zu ziehen. Dann brauchen wir nur noch sehen was sich rechts von dieser Linie unmittelbar vor den Bahngleisen befindet, denn das ist die Lage des gerade von uns besichtigten Betonbauwerks.“ „Mensch“, staunte Marion, „ich wusste ja, in Geografie war unser Herbert schon immer sehr gut. Weißt du noch vor zwei Jahren auf Korsika Doris, als wir uns in den Bergen verlaufen hatten. Nur am Stand der Sonne orientierte sich Herbert und führte uns sicher nach Hause.“ Wir waren uns einig. Hier vor Ort konnten wir keine neuen Erkenntnisse mehr gewinnen. Immerhin hatten wir etwas gefunden, was uns vielleicht weiterbringen würde. Wir starteten noch mal den Laptop und schauten uns das Satellitenbild der Umgebung an:BildErledigt von den Strapazen der Erkundung in dichtem Gebüsch machten wir uns auf den Heimweg. Für heute hatten wir genug getan. Zur Entspannung besuchten wir am Abend noch das Sommerfest des Schrebergartens an der Coesfelderstr beim Eulenbusch. Gleich am nächsten Morgen wollten wir uns die alten Fotos noch mal ansehen und auswerten.

gelski
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Beitrag von gelski »

Vorbereitung und Durchführung einer archäologischen Expedition zur Erforschung der genauen Lage der 1. Jazz-Galerie an der Hiberniastraße. Eine Gelsenkirchener Geschichte in 3 Teilen.

Teil 3

Da das Sommerfest doch etwas länger dauerte als wir dachten, konnten wir uns erst am nächsten Nachmittag die Luftbilder der Gegend um die alte Hiberniastr ansehen. Es waren die drei bekannten Bilder, auf denen wir noch vor zwei Tagen nichts Besonderes feststellen konnten. Die gerade Linie vom Stadtbad zu den Bahngleisen zeigt genau auf den größeren Flachbau. Rechts daneben liegt der kleinere Flachbau:
Bild
Bild
Die Position des gestern gefundenen Betonbauwerks muss also damals genau hinter diesen beiden Flachbauten gelegen haben. Diese Erkenntnis stimmt mit der Angabe von Doris überein, die als erste aus ihrer Erinnerung den Ort der 1. Jazz-Galerie dort vermutete.

Auch auf einem Bild vom Bau der heutigen Anlage (ca. 1974) ist die Lage des Bunkers erkennbar:
Bild
Herbert erinnerte sich noch an einen alten Stadtfilm (ca. Anfang der 60er Jahre), in welchem die Hiberniastr in einer kurzen Sequenz gezeigt wird. Daraus stammt das erste und folgende letzte Bild. Der kleinere Flachbau gehörte damals wahrscheinlich zur Fahrschule E. Sohn (Schriftzug im Bild). Die Fahrschule ist irgendwann in den 60er Jahren von der Hiberniastr in die Nähe des FINA-Parkhauses an der Sellhorststr umgezogen. Möglicherweise stand der Flachbau danach leer und konnte mit dem Zugang zum Bunker und Kellergewölbe als Jazz-Galerie genutzt werden:Bild
Es ist schade, dass bisher keine Bilder vom Musikbetrieb und nur wenige schriftliche Erinnerungen bekannt geworden sind. Marion meinte sogar, man sollte zum 50. Jahrestag der Gründung der 1. Jazz-Galerie am 26.11.2015 auf dem Bunker ein Denkmal enthüllen. Naja, wir drei schauten uns etwas ungläubig an und mussten leicht schmunzeln…

Ich soll noch alle Jazzfans von damals von Doris, Marion und Herbert grüßen. Sie haben mir – als viertem Expeditionsteilnehmer – erlaubt, diesen Bericht aufzuschreiben und auf den GG-Seiten zu veröffentlichen. Die Ereignisse haben sich zwar schon im Sommer 2009 zugetragen, aber da kannte ich die wundersamen Gelsenkirchener-Geschichten noch nicht.

pito
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Beitrag von pito »

:applaus:

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Warum einfach,wenn's auch kompliziert geht.Warum fragt ihr eigentlich Lutz und Anne nicht?
Geboren im Jahre der Meisterschaft - nicht wie ihr alle denkt, sondern 3 Jahre früher!

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Sie lesen doch mit! Oder?
Zuzu

HelmutW
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Beitrag von HelmutW »

zuzu
Sie lesen doch mit! Oder?
Liebe zuzu.....korrekt müßte der Satz heißen......Sie liest doch mit.Oder?
Denn der Herr Lutz läßt, soweit ich informiert bin, lesen.... :wink:
Achtung..........
Sie verlassen gerade das Foto......
Für alle weiteren Schritte wird keine Haftung mehr
übernommen.......

Anter
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Jazz Galerie - die Erste

Beitrag von Anter »

Und ich sage: Wehe, du gehst an meinen PC, Lutz!

Ich sehe aber mal nach, ob ich noch Fotos o. ä. habe. Damals in grauer Vorzeit, war das mit "die Fotografie" noch etwas schwieriger: nix mit Digi, Handy.

Bis dann (10.06. GEjazzt Open konzert, letzte vor den Sommerferien)
JAG

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Was du alles so weißt!!! Ist das wichtig?
Zuzu

HelmutW
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Beitrag von HelmutW »

Nein..... :oops:
Achtung..........
Sie verlassen gerade das Foto......
Für alle weiteren Schritte wird keine Haftung mehr
übernommen.......

Franz Kruse
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Jazz-Galerie im Bunker

Beitrag von Franz Kruse »

Hallo Lutz,

warst Du auch in dieser Zeit im Keller?
War der Trompeter der Dixie-Cats nicht Helge??
Erinnere mich noch recht gut.

Auch an das Strassen-Theater mit R. Horbelt.

Herzlicher Gruß

Franz K.
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herbie60
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"alte Jazz-Galerie

Beitrag von herbie60 »

kann ich mich noch auf meine alten Erinnerungen verlassen? Der Eintritt kostete 49 Pfennig, weil ab 50 Pfennig irgendeine zusätzliche Abgabe fällig wurde? Die Galerie bestand aus 2 Räumen; im vorderen wurde ausgestellt (Galerie Stein, Bergmannstraße?) und im hinteren gab es geile Musik?

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Heinz Albers
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Jazz Galerie im Bunker vor 1965

Beitrag von Heinz Albers »

Es gab während der frühen 60er Jahre bereits Leben im Bunker. Die "Dixie-Cats" spielten häufig dort, u.a mit Dieter Ellenbeck an der Klarinette, der später bedeutender Kammersänger war und mit den Größten der Musik Platten eingespielt hatte. (Er war es auch, der mir die ersten Kenntnisse auf dem Tenorsaxophon beigebracht hatte.) Bis 1964 nutzte ich den Bunker mit meiner Band "Swing Cats" als Probenraum und auch für gelegentliche Auftritte. Künstler aus dem Halfmannshof waren temporär anwesend. Bis Ende 1964 hatte ich die Szene des Bunkers aktiv verfolgen können. Als ich 1966 von dem Wehrdienst bei der Marine zurückkehrte hatte sich manches verändert, fremde Leute waren dort, die Musik war eine andere. So hatte sich mein Interesse gelegt.
Wenn zu meiner Zeit dort Konzerte stattfanden, war der Bunker bis auf den letzten (Steh-)Platz besetzt. Die Stimmung war unter den Gleichgesinnten unvorstellbar gut. Luft zum Atmen blieb wegen der fehlenden Lüftung und der vielen Raucher kaum. Ein WC war nicht vorhanden: Ersatz bot das düstere Gelände am südlichen Bahndamm des Hauptbahnhofs. An kalten Tagen konnte man anhand des aufsteigenden Dampfes sehen, wo die Besucherinnen sich fürs kleine Geschäft hingehockt hatten.
Manches war zu der Zeit unkomplizierter.

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Heinz Albers
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Re: Hiberniastraße - Die erste Jazz-und-Art-Galerie

Beitrag von Heinz Albers »

Jazz-Galerie im ehemaligen Bunker an der Hiberniastraße! Die Dixie-Cats spielten dort einen sauberen, schallplattenreifen Jazz. Bei ihrem Klarinettisten Dieter Ellenbeck (Musikstudent, Gesang) nahm ich einige Stunden Saxophonunterricht. Es wurden natürlich auch Getränke verkauft. Mangels einer Toilette musste man sich auf das Brachgelände hinter dem Bunker begeben. Besonders an kalten Tagen war das für die Mädels kein Vergnügen, dort ein kleines Geschäft zu erledigen, denn Dampfwolken zeigten deutlich auf, was dort geschah. Irgendwann hatten wir, die wir in Anlehnung an den Namen "Dixie-Cats" den Namen "Swing-Cats" führten, dort unseren Proberaum. Es kam dort 1967 auch zu ein paar Auftritten. Heribert Eiden war unser Drummer, andere Namen sind mir entfallen. Weil es dort für uns immer Probleme mit dem Schlüssel gab, probten wir später im Goldberghaus in Buer.

hwohlgemuth
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Re: Hiberniastraße - Die erste Jazz-und-Art-Galerie

Beitrag von hwohlgemuth »

Mein Vater erzählte mir er habe ende der 50er Jahre mit Freunden einen alten Bunker am Hauptbahnhof, mit Holzschwartlingen an den Wänden und Bohlen auf dem Boden, zu einem Jazzkeller ausgebaut. Er selbst hat dort in einer Combo gespielt, die sich "Thousendfire town Jazzband" nannte. Auch Kunst hat es damals in diesem Bunker schon gegeben. Otto Pengwitt ein Schau Werbegestalter hat dort ausgestellt.
Wenn in der Umgebung bekannte Jazzbands spielten, (z.B. in der Grugahalle) haben die Jazzfreunde Musiker angesprochen, die darauf im Jazzkeller gejamt haben. Ich habe in den Unterlagen 3 Fotos aus diesem Keller gefunden, die angeblich Mitglieder der "Dutch Swing Collageband" zeigen. Im Hintergrund ist auch ein Gemälde zu sehen. Mein Vater "Volker Wohlgemuth" ist in der Wilhelm Busch Straße geboren, wo mein Großvater Bernd eine Tischlerei hatte.

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