Walcker-Orgel im Hans-Sachs-Haus

Alte und neue Geschichten rund ums HSH. Die öffentliche und veröffentlichte Meinung zum Erhalt des HSH wird hier dokumentiert.

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Buerelter
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Beitrag von Buerelter »

@Pito:

Das die Orgel, im Gegensatz zu einer Kirchenorgel, keinen Prospekt hat, liegt an der Bauweise de HSH.

Als typisches Bauwerk der 20er Jahre war die Bauweise dem Bauhaus verhaftet. Alle Funktionen an einem Haus wie Dachrinnen/rohre, Installationen (Gas, Wasser, Heizung, Abflüsse,) selbst Gardinenleisten waren in die Hauskonstruktion so integriert, das davon nichts zu sehen war, weder innen noch außen. Das Haus stand, und es "funktionierte" einfach. (Siehe auch die Bilder von den Gebäuden an der Blumendelle)

Leider sind viele Gebäude später kaputtrepariert worden, Dachrinnen und Abflußrohre angebracht usw.

Mit der Orgel im HSH wird es sich ähnlich verhalten haben. Sie war da, zu hören, aber zu sehen war nur der Spieltisch. Sie war quasi im Saalgebäude integriert.

Eine sehr interessante Konstruktion, wie ich meine. Es ist schließlich egal, woher die Musik kommt, oder wer schaut beim Spielen einer CD ständig auf den Spieler oder die Lautsprecherboxen?

Daher sollte sie -allen Bedenkenträgern zum Trotz- wieder ins HSH. Zur Not wird das Gebäude (der Klangkörper) um die Orgel gebaut, oder so.

Vielleicht sind ja noch Ur-Baupläne vom HSH da, da kann der Architekt/Bauherr ja nachschauen, wie das gemacht wird.
Abgeben? "Wem" gehört die Orgel, "wer" gibt sie ab?
Die Orgel gehört wohl allen Gelsenkirchener Bürgern, da wird so manche sauer verdiente Steuermark unserer Ur-Großväter/-mütter drinstecken.

Abgeben werden sie die von uns gewählten Stadtoberen. Das ist nämlich Demokratie!

oder Demokratur?

Grüße aus Buer (Josel, wohne leider nicht mehr in Oberscholven, sonst hätte ich von dort gegrüßt)

Josel
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Beitrag von Josel »

Buerelter hat geschrieben:Als typisches Bauwerk der 20er Jahre war die Bauweise dem Bauhaus verhaftet.
Vorsicht, das ist ein ebenso populärer wie nicht auszurottender Irrglaube. Der u.a. im Ruhrgebiet so beliebte Backsteinexpressionismus hat mit dem Bauhaus nichts zu tun; genau genommen sind beide Stile sogar unvereinbar. Bei den ganzen Schmuckelementen, die den Backsteinexpressionismus auszeichnen, wäre den Bauhäuslern das kalte Grausen gekommen.
Buerelter hat geschrieben:Grüße aus Buer (Josel, wohne leider nicht mehr in Oberscholven, sonst hätte ich von dort gegrüßt)
Naja, wenn Du Deine Herkunft nach "Buer i.W." und nicht "i.G." verlegst, setzt Du Dich natürlich dem altbekannten Separatismusverdacht aus. Und der Seperatismus der Buerelter ist hier ein ganz heisses Eisen... :wink:

J.
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Heinz
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Beitrag von Heinz »

Josel hat geschrieben: Naja, wenn Du Deine Herkunft nach "Buer i.W." und nicht "i.G." verlegst, setzt Du Dich natürlich dem altbekannten Separatismusverdacht aus. Und der Seperatismus der Buerelter ist hier ein ganz heisses Eisen... :wink: J.
Buer? ... :roll: Buer.. wo mag das liegen.. in Westfalen.. :roll: Muss wohl ein Vorort von Münster sein. Wahrscheinlich die Unterstadt. :D

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Buerelter
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Beitrag von Buerelter »

Lieben Heinz, lieben Josel,

dachte, wir wollen uns hier über das herrliches Instrument unserer Stadt Gelsenkirchen unterhalten.

Stattdessen widda diese Separatismusdebatte.

So wittat nix mit retten vonne Orgel un sonswatt!

Dann grüß ich ma ausse Hugostraße!

MichaL
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Beitrag von MichaL »

pito hat geschrieben:Ein Argument, dass häufig gegen das Aufstellen der Orgel angebracht wird, ist, dass sie keinen Prospekt hat.
Mir fällt noch ein viel wichtigeres ein: Sie hat keine Zuhörer.

Mal im Ernst, wer von Euch hat das Ding jemals klingen gehört? Wer war zu einem
Konzert, wer war beim Internationalen Orgelwettbewerb?

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Sowohl als auch, Michael!
Zuerst "ungewollt" als Azubifuchs.
Immer dann, wenn sie gestimmt wurde.
Die Neugierde wurde geweckt und darauf folgte ein offizielles hearing.

Vielleicht habe ich als Musiker aber auch ein anderes Interesse an Instrumenten...

Aber:
Nicht den Regenwald nicht schützen, nur weil man nicht dort war?

:roll:
Zuletzt geändert von Fuchs am 26.09.2007, 09:03, insgesamt 2-mal geändert.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

MichaeL hat geschrieben: Mir fällt noch ein viel wichtigeres ein: Sie hat keine Zuhörer.

Mal im Ernst, wer von Euch hat das Ding jemals klingen gehört? Wer war zu einem
Konzert, wer war beim Internationalen Orgelwettbewerb?
Ich meine Ekseption (Rick van der Linden?? ) spielte bei einem Konzert darauf. Oder es kam zum Eklat weil sie mal wieder kaputt war oder der Hausmeister den Schlüssel nicht rausrückte.. :roll:
Wer kann sich besser als ich erinnern?

Dass die Orgel keine Zuhörer hat, liegt aber nicht an der Orgel sondern an der Politik (Kulturbanausen) und der Bürgerschaft (Kulturbanausen) die sich das von der Politik gefallen liess.

Ich habe gestern mit großem Vergnügen Alfons Wissmann im WDR 2 über die Geburtenquote (jedes 2. Neugeborene mit Migrantenhintergrund) die Bildungsferne, die Armut, die kulturell bedingten Schwierigkeiten bei der Gesundheitsversorgung, Erziehung, Bildung sprechen hören.

Da sehe ich aber nun gar keinen Nachwuchs für unser Bildungsbürger-Ausgerichtetes MiR. Oder die Orgel.
Wieviel Beats macht die so in der Sekunde?

Wie Bernd Matzkowski an anderer Stelle schon hinwies, ist Aufgabe der Kulturpolitik, sich solchen zu Erwarteneden Entwicklungen zu widmen. Können sie aber nicht, weil kein Geld da. :shock:

axel O
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Beitrag von axel O »

Ich meine Ekseption (Rick van der Linden?? )
korrekt.....wohl mein erstes Konzert überhaupt... (jaja...lang ist´s her)[/list]

pito
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Beitrag von pito »

MichaeL hat geschrieben:Mal im Ernst, wer von Euch hat das Ding jemals klingen gehört? Wer war zu einem
Konzert, wer war beim Internationalen Orgelwettbewerb?
Ich hab von dieser Orgel quasi erst durch den Skandal erfahren. Und als Jugendlicher liegen die Interessen auch eher anders. Jetzt würde ich sie gerne mal in live hören anstatt nur von der CD:
Bild
Dass die Orgel keine Zuhörer hat, liegt aber nicht an der Orgel sondern an der Politik (Kulturbanausen) und der Bürgerschaft (Kulturbanausen) die sich das von der Politik gefallen liess.
Mag schon sein. Ist sicher richtig. Man darf aber auch nicht vergessen, dass so eine Orgel, sei sie noch so gut, niemals ein Publikumsmagnet sein wird. Orgelmusik ist einfach keine Popmusik. Die Zielgruppe wird immer klein sein und dir Orgel sich schwerlich rechnen. Genausowenig wie Museum und Musiktheater. :wink:
Josel hat geschrieben:
Buerelter hat geschrieben:Als typisches Bauwerk der 20er Jahre war die Bauweise dem Bauhaus verhaftet.
Vorsicht, das ist ein ebenso populärer wie nicht auszurottender Irrglaube. Der u.a. im Ruhrgebiet so beliebte Backsteinexpressionismus hat mit dem Bauhaus nichts zu tun; genau genommen sind beide Stile sogar unvereinbar. Bei den ganzen Schmuckelementen, die den Backsteinexpressionismus auszeichnen, wäre den Bauhäuslern das kalte Grausen gekommen.
Vorsicht, das ist eine ebenso populäre wie nicht auszurottende Fehleinschätzung des Hans-Sachs-Hauses. Es ist nämlich mitnichten ein typisches Beispiel des Backsteinexpressionismus, jedoch auch kein reines Bauhaushaus.
Die angesprochenen Schmuckelemente des Backsteinexpressionismus lassen sich am HSH kaum finden. Beherrschend sind die horizontalen Backsteinreihen und die damit korrespondierenden Keramikbänder. Kantig ornamentales, verwinkeltes und schräges wie im Backsteinexpressionismus sucht man vergebens. Statt Ecken haben wir die ausgeprägten Rundungen Und sogar die Lineamente am Erdgeschoss sind gradlinig. Als am ehesten expressionsistisch ließe sich noch der fingerartig nach oben reckende Turm bezeichnen.
Insgesamt muss man sagen, dass das HSH zwar das typische Material des Expressionismus, den Backstein, verwendet, in seiner Gesamtform aber eher neusachlich ist und damit dem Bauhaus näher als man denken würde.
Man darf bei der Betrachtung nicht den heutigen Zustand zugrunde legen. Wie man auf alten Fotos sieht war das Erdgeschoss der Front früher gläsern. Der Baukörper schwebte darüber, wodurch das Haus wesentlich leichter wirkte als heute. Durch die strenge horizontale Gliederung und die abgerundeten Ecken kam zudem ein starker Bewegungseindruck hinzu. Unser HSH war mächtig futuristisch.

Ich würde es als ein Bindeglied zwischen Expressionismus und der neuen Sachlichkeit des Bauhauses sehen. Es hat von allem etwas und ist damit ziemlich einzigartig.

Josel
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Beitrag von Josel »

pito hat geschrieben:Es ist nämlich mitnichten ein typisches Beispiel des Backsteinexpressionismus, jedoch auch kein reines Bauhaushaus.
Die angesprochenen Schmuckelemente des Backsteinexpressionismus lassen sich am HSH kaum finden. Beherrschend sind die horizontalen Backsteinreihen und die damit korrespondierenden Keramikbänder. Kantig ornamentales, verwinkeltes und schräges wie im Backsteinexpressionismus sucht man vergebens.
Naja, auch wenn Stildebatten meistens sinnlos sind: Das überzeugt mich nun gar nicht. Gibt es nicht irgendwo in diesem Forum von Dir selbst eingestellte Fotos, auf denen man die aus Ziegeln gefertigten Schmuckbänder auf der Fassade, die in irgendwelchen Schneckenformen enden, sehen kann? Auch die hervortretenden Fensterflächen in einem der Treppenhäuser hätte ein Bauhäusler wohl eher nicht gebaut.
pito hat geschrieben:Statt Ecken haben wir die ausgeprägten Rundungen
Auch das ist für den Backsteinexpressionismus nicht untypisch, vgl. den Eingang des Volkshauses oder die - heute nicht mehr existente - Apsis des Ricarda-Huch-Gymnasiums.
pito hat geschrieben:Man darf bei der Betrachtung nicht den heutigen Zustand zugrunde legen. Wie man auf alten Fotos sieht war das Erdgeschoss der Front früher gläsern. Der Baukörper schwebte darüber, wodurch das Haus wesentlich leichter wirkte als heute. Durch die strenge horizontale Gliederung und die abgerundeten Ecken kam zudem ein starker Bewegungseindruck hinzu.
Da gebe ich Dir allerdings vollkommen Recht! Dass Axel O. und viele andere das Haus so "hässlich" finden, liegt m.E. ganz entscheidend daran, dass man dieses wichtige Element des ursprünglichen Entwurf schon bald beseitigt hat. Fischer wendet hier eigentlich einen uralten Trick an, der beispielsweise auch schon beim Dogenpalast am Marcusplatz in Venedig umgesetzt wurde: Er setzt einen massiven Baukörper auf einen filigranen Unterbau und dreht damit die normale Bauphysik gewissermaßen um. Das führt immer zu interessanten Spannungen.
pito hat geschrieben:Ich würde es als ein Bindeglied zwischen Expressionismus und der neuen Sachlichkeit des Bauhauses sehen. Es hat von allem etwas und ist damit ziemlich einzigartig.
Ok. Einigen wir uns darauf. :wink:

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pito
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Beitrag von pito »

Josel hat geschrieben:Gibt es nicht irgendwo in diesem Forum von Dir selbst eingestellte Fotos, auf denen man die aus Ziegeln gefertigten Schmuckbänder auf der Fassade, die in irgendwelchen Schneckenformen enden, sehen kann?
Schneckenformen? Du meinst vermutlich die Lineamente im Erdgeschoss? Die verlaufen eher eckig.
Josel hat geschrieben:Auch das ist für den Backsteinexpressionismus nicht untypisch, vgl. den Eingang des Volkshauses oder die - heute nicht mehr existente - Apsis des Ricarda-Huch-Gymnasiums.
Ich glaube ein Torbogen wie der in Rotthausen ist was völlig anderes als eine abgerundete Ecke. Und die runde Apsis war ein Zitat älterer (sakraler) Architektur.

Fischers abgerundete Ecken waren damals was ziemlich neues. Sie waren noch nicht mal im Entwurf vorgesehen. Während der Bauzeit hat er sie noch hinzugefügt. Davor kannte man abgerundete Ecken hauptsächlich von Häusern auf Flatiron-Grundstücken (vergleiche den Vorbau des expressionistischen Sternhauses von Waßer). Der Expressionismus brachte aber auch Dinge wie den scharfen Bug von Högers Chile-Haus in Hamburg hervor. Expressionistisch eben. Dagegen findet man eine echte abgerundete Ecke am Kaufhaus Sinn, dass etwas nach dem HSH fertig wurde und eindeutig bauhäuslich ist.
Josel hat geschrieben:Ok. Einigen wir uns darauf. :wink:
Das Hans-Sachs-Haus - Gelsenkirchens Beitrag zum expressionistischen Bauhaus. :lol:

MichaL
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Beitrag von MichaL »

Fuchs hat geschrieben:Die Neugierde wurde geweckt und darauf folgte ein offizielles hearing.
Ach Du warst das :evil:

Bevor sich Herr Obernier nicht mit viel Liebe um das Ding gekümmert hat und
sogar einen Internationalen Orgelwettbewerb ausrichten konnte, hat sich doch
kaum jemand für das Ding interessiert. Und zu dem Zeitpunkt war schon der
Saal und die Orgel selbst kastriert.
Und dann muss man halt auch so ehrlich sein und sagen, dass ein um die Orgel
herum geplanter (und deswegen teurer) Neubau eines Saales durch nichts
gerechtfertigt ist.
Fuchs hat geschrieben:Aber:
Nicht den Regenwald nicht schützen, nur weil man nicht dort war?
:roll:
Doch selbstverständlich schützen, natürlich. Wenn das wirklich so ein herrliches
und unvergleichliches Instrument ist, dann gehört das gefälligst erhalten.
Nur warum in Gelsenkirchen, wenn es anderswo bessere Plätze dafür gibt? In
Gelsenkirchen hat das Teil nun mal keine Grundlage mehr.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Die Weichen wurden ja schon gestellt, die Orgel ist so gut wie weg.
Die Argumentation - es gibt kein Geld, es gibt keine Zuhörer ist natürlich stimmig.

Allerdings sind es die selben Argumente, mit denen man den Abriss des Oberhausener Gasometers beschliessen wollte, den der Jahrhunderthalle in Bochum usw. Die IBA wäre nie hierher gekommen, keinEmscherpark etc.

Wenn es aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft Initiativen mit einem klugen Konzept gäbe, könnte die Orgel ein Magnet, eine internationale Kult- und Pilgerstätte werden.

Mussu nur den Kopp anschalten und der Phanatsieeee Lauf lassen. Folkwang-Orgler einbeziehen, ein Festival organisieren, einen Preis ausloben, ne DVD produzieren mit gewaltigen Tönen und aberwitzigen BIldern, in die Pfeifen mit nem Endoskop kriechen. Die DVD interaktiv machen = Tasttur macht Töne.

Musst halt wissen, wie man mit wenig Geld viel erreicht. Musst Sponsoren finden. Mus ja nicht Gazprom sein.

Aber: muttu Kopp anschalten. :D

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

Bernd Matzkowski hat geschrieben:Bernd Matzkowski, Kulturpolitischer Sprecher B 90/Die Grünen

WAZ
Lokalredaktion


Betrifft: WALCKER-Orgel

Niemand befürwortet einen vorschnellen oder gar fahrlässigen Verkauf der Orgel. Einen kulturellen Verlust für die Stadt stellt ein Verkauf auf jeden Fall dar ! Aber nach mehrjähriger Einlagerung und bei einer nicht vorhandenen Perspektive für einen geeigneten Standort in Gelsenkirchen, wie es der Kustos des Orgel, Herr Obernier, und der Leiter des Referates Kultur, Dr. Bandelow, nach einer Untersuchung möglicher Standorte in einer Expertise dargelegt haben, steht die Suche nach einem Standort außerhalb Gelsenkirchens auf der Tagesordnung – denn eine eingemottete Orgel nützt niemandem, am wenigsten der Kultur selbst.
Ein möglicher Standort könnte tatsächlich St. Reinoldi in Dortmund sein. Warum? Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ist dort eine Walcker-Orgel eingebaut worden, die den Dimensionen unserer entspricht, die allerdings, wie die gesamte Kirche, im II. Weltkrieg zerstört worden ist. Die dann in den 50er Jahren in die wieder aufgebaute Kirche eingebaute Orgel, ebenfalls von Walcker, ist nicht mehr funktionsfähig und muss ersetzt werden. Es kommt aber ein weiterer Aspekt hinzu: die Reinoldi-Kirche („Kirche für die Stadt“) bietet bereits ein regelmäßiges Kulturprogramm an, zu dem auch als eigenständiger Bestandteil Orgel-Konzerte gehören. Die Orgel würde also nicht nur aufgestellt, sondern tatsächlich „bespielt“.
Nun ist unter fußballerischen Gesichtspunkten Dortmund sicher die „verbotene“ Stadt – kulturell gesehen ist sie aber Teil der Metropole Ruhr 2010. Sieht man also über den Suppentellerrand Gelsenkirchens hinaus, wäre ein Einbau in St. Reinoldi ein kultureller Gewinn für die Region. Und die Gelsenkirchener müssten und könnten nicht nur zu Auswärtsspielen der Blau-Weißen, sondern auch zu Orgelkonzerten in die ungeliebte Nachbarstadt fahren!

Mit freundlichem Gruß
Bernd Matzkowski

pito
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Beitrag von pito »

Wenn die Orgel dort funktioniert, wäre das sicher eine Lösung. Und als Nichtfussballer sind mir diese Feindstadtgedanken ohnehin fremd. Ich studiere sogar dort und laufe viel herum. Bin noch vorgestern an diesem kleinen Bolzplatz da vorbeigegangen. :wink:

Traurig wäre es aber dennoch. Denn abgesehen vom kulturellen Wert der Orgel und das es sicher besser wäre, sie zu spielen anstatt sie einzumotten, geht sie Gelsenkirchen so oder so verloren. Da kann man sich tausend mal sagen, sie steht ja in der Ruhrstadt, sie gehört ja weiterhin zu uns. Aber sie steht dann eben nicht mehr in Gelsenkirchen.

Unsere Stadt gibt damit einen Baustein ihrer Identität weg. Über die Bedeutung dieses Bausteins kann man diskutieren, wir haben sicher andere, wichtigere. Doch es geht einfach um den Vorgang an sich. Welche Bedeutung hat uns unser kulturelles Erbe? Welches Gespür haben wir für den speziellen unverwechselbaren "Klang" unserer Stadt? Und wie verändert er sich wenn wir Töne herausnehmen oder neue hinzufügen.

Auf jeden Fall sollte man das nicht überstürzen. Die Orgel ist ja nun erst mal gut eingelagert. Verkaufen kann man sie ja immer noch. Bernds Vorschlag steht und die Dortmunder werden ja nicht gleich morgen eine andere Orgel kaufen, oder? Also sollte man erst mal den Wettbewerb abwarten und sehen, wie die Stimmung sich entwickelt. Nachdem unsere Verwaltung ihrem renomierten Generalunternehmer so viel Zeit gelassen hat, das HSH kaputtzubohren muss sie nun beim Verkauf der Orgel nicht unbedingt durch Schnelligkeit glänzen. :wink:

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