Günther Braun ... und vergesst mir den Günnar nicht!

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piekser
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Günther Braun ... und vergesst mir den Günnar nicht!

Beitrag von piekser »

Günther Braun - scheinbar dröger Physik- und Chemielehrer an der damaligen Gerhart-Hauptmann-Realschule an der Grenzstraße ("och, nö, Jungs..." mit geballter Faust vor der Stirn), der es aber gehörig hinter den Ohren hatte und tolle Limericks geschrieben hat.

Ihr wisst ja, die pfiffigen Fünfzeiler mit der ebenso überraschenden wie witzigigen Pointe. Sogar ein Buch hat es davon gegeben.

Weiß einer mehr, was aus dem "Günnar" geworden ist. Irgendwann Anfang der 80er Jahre ist der Kontakt abgerissen...

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Günther Braun
* 14.1.26 Wilhelmshaven, lebte zuletzt in Gelsenkirchen.
Nachschlagewerke: Sie schreiben in Gelsenkirchen 1977 – Dt. Bibliothek.
Zur Zeit keine weiteren Informationen verfügbar.

Aus dem Lexikon westfälischer Autoren

Es gab meines Wissens auch ein Physik oder Mathe-Lehrbuch von ihm, die WAZ hatte alle Jahre mal wieder Limeriks von ihm abgedruckt.
Theo Körner, Lehrer im Ruhestand müsste mehr wissen.
Kannst ihn ja mal anzapfen.
Alte Lehrer sollten sowieso mal zum Zeitgeschehen befragt werden!!

Edit:

Braun, Guenther: Gereimt ist alles moeglich. Leicht sinnige Limericks & Clerihews mit Illustrationen von Joachim Kupke.
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1974. 3-421-01698-4.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Da ich selber Schüler bei ihm war, könnte ich eine Menge seltsamer Dinge über ihn berichten. Habe ich bisher vermieden, weil diese Perspektive ihm sicher nicht gerecht werden würde. :?

pito
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Beitrag von pito »

Heinz hat geschrieben:Braun, Guenther: Gereimt ist alles moeglich. Leicht sinnige Limericks & Clerihews
Ich habe dieses Buch soeben online gekauft. Zum stolzen Preis von 1 Cent !!! :shock:
(Plus Versand natürlich. Aber das ist doch wohl ein Angebot. ;-) )

http://www.amazon.de/gp/offer-listing/3 ... f=dp_olp_2

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Aber nicht gleich der Bücherei schenken :D

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

  • Günther Braun

    Hoppe, hoppe Reiter

    Rheydterin such Rheiydter
    rheydtzend, rheyff und hheydter,
    sinnesfrhoh,
    mit Nivheau
    als Krhauller,Sprinhringer, Rheydter ( uswdt)
Quelle: Deutsche Unsinnspoesie , reclam 9890 ( 5 ) S. 336
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rapor
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Beitrag von rapor »

Ich kenne ihn nur von der GHR, tut mir immer noch leid für ihn, das er dort als Lehrer arbeiten "musste". Mit seiner sehr eigenen Art hatte er es nicht leicht in einem Haufen pubertierender Jungs. Ich hatte oft das Gefühl, er hätte bestimmt etwas anderes viel besser gekonnt, als das was er tat. Er hatte bestimmt einiges auf dem Kasten, aber bei uns unterrichten fand ich für beide Seiten so nicht das Wahre.
Ehemaliger Schüler 5f, 6f, 7f, 8f, 8f, 9f, 10f Klassenlehre "Blacky" Schwarz, dann Lindner
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blockka04
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Braun am Grillo!

Beitrag von blockka04 »

Hallo zusammen!

Vermute mal, es geht hier um denselben Günt(h?)er Braun, bei dem ich die Mengenlehre "genossen" :?: habe. Und zwar ca. 1976, aber nicht an der GHR, sondern am altehrwürdigen Grillo in den Baracken auf dem Schulhof (nicht die von Fluxus, sondern rechts daneben). Zu Zeiten, als Stüttgen noch Kunst dozierte und Schallau die Sportkompanie malträtierte.

Aber zurück zu Günnie (leicht breiter Scheitel und Vollmondgesicht): irgendwie hat er mich damals immer an unseren Alt-Bundespräsidenten Scheel erinnert. Die Perspektive eines Fünftklässlers eben!

Woran ich mich erinnern kann: der Mensch war sehr leicht reizbar, dann extrem explosiv und irgendwie tat er mir damals schon leid. :omg:
Offensichtlich war er damals nicht 100% kompatibel mit dieser Welt!

Warum auch immer hing ihm damals der Ruf an, ein Ex-Nazi zu sein, was wir 5er natürlich völlig kritikfrei aus den höheren Klassen übernommen haben.

Weiss jemand was darüber?
Wann war G. Braun an der GHR?

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exbulmker
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Beitrag von exbulmker »

rapor hat geschrieben:Ich kenne ihn nur von der GHR, tut mir immer noch leid für ihn, das er dort als Lehrer arbeiten "musste". Mit seiner sehr eigenen Art hatte er es nicht leicht in einem Haufen pubertierender Jungs. Ich hatte oft das Gefühl, er hätte bestimmt etwas anderes viel besser gekonnt, als das was er tat. Er hatte bestimmt einiges auf dem Kasten, aber bei uns unterrichten fand ich für beide Seiten so nicht das Wahre.
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Na dann warst Du mit Blacky und Lindner ja echt gestraft. :lol:


Zu Günter Braun siehe auch:

http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 0001_1.jpg

Das Buch habe ich immer noch.
Wir sind immer die Ersten! Während andere noch straucheln liegen wir schon im Dreck.

pito
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Beitrag von pito »

Günther Braun war auch der Mathelehrer meines Vaters. Er hat mir vorhin ein bißchen was von ihm erzählt.

Zuerst einmal: Mein Vater weiß relativ sicher, dass Günther Braun nicht mehr lebt. Und das er am Ende seines Lebens wohl nicht mehr gesund war.

Zum Menschen Günther Braun: Ja, er war merkwürdig, verschroben, schwierig und alles in allem genommen wohl kein guter Lehrer. Gleichzeitig aber eine tragische Figur, denn eigentlich war er ein freundlicher, kreativer, sehr gebildeter und kluger Mensch, bloß für den Lehrerberuf völlig ungeeignet. Man kennt ja diese traurigen Figuren. Ich selber hatte eine ganz liebe Lehrerin, deren Unterricht regelmäßig im Gejohle pubertierender Knaben unterging. Das ein ganzes Berufsleben lang ertragen zu müssen, macht sicher eher krank als gesund.

Günther Braun begann seine Lehrer-Laufbahn in Norddeutschland auf dem platten Land. Es lief gut, die Söhne einiger Bauern brachten ihm immer Präsentkörbe und andere Nettigkeiten, worüber Günther Braun sich natürlich freute. Gegen Ende des Schuljahres stellte sich heraus, dass genau diese Kinder versetzungsgefährdet waren. Und deren Eltern machten Druck unter Hinweis auf die Geschenke, die Herr Braun ja nun mal angenommen hatte. Die Situation wurde schwierig und schließlich wurde er vom Schulamt abberufen und nach Gelsenkirchen versetzt.

Dort an der Realschule lief es nicht gut. Er war der Freak und die Schüler nutzten das aus. Kinder können grausam sein. Und er bot jede Art der Steilvorlage. Folglich war er oft sehr mißtrauisch und hatte z.B. Angst, jemand könne seinen Unterricht auf Tonband mitschneiden und ihm Ärger bei der Schulausicht machen. Ob er da schon Erfahrungen gemacht hatte? Man weiß es nicht.

Später wechselte er ans Gymnasium. Dort lief es einige Zeit gut, doch dann holte ihn die Mundpropaganda ein. Realschüler erzählten den Gymnasiasten die alten Geschichten von "Perry McGeyer", wie sie ihn nannten, und von da an war es für ihn wieder vorbei.

Doch er hatte auch seine Momente. Mein Vater erinnert sich an eine Vertretungsstunde, in der Günther Braun mit Hingabe aus "Memoiren eines mittelmäßigen Schülers" von Alexander Spoerl vorlas. Eine Stelle, die von Ohrenwackeln handelte, demonstrierte er am eigenen Leib, denn er konnte fantastisch mit den Ohren wackeln. Humorvoll Gehaltvolles war seine Welt. Es gab (oder gibt sogar noch) an der VHS in Essen einen "Klub der sanften Irren", der sich mit absurder Literatur von Morgenstern, Ringelnatz und anderen befasst und deren Mitglieder auch selber schreiben. Dort war Günther Braun vermutlich ebenfalls aktiv. Als in den 70er Jahren der Playboy in Deutschland erschien, wurden darin Limericks von ihm abgedruckt, zwar unter dem Namen "Günther Baum", aber der Zusatz "Mathelehrer aus Gelsenkirchen" ließ auf ihn schließen.

Günther Braun war Holland-Fan und verbrachte jeden Urlaub dort. Einmal organisierte er eine große Klassenfahrt und besuchte mit seinen Schülern alle wichtigen Städte des Nachbarlandes, eine Tour, an die mein Vater noch heute gern zurückdenkt. Nachher wollte mein Vater mit einem Freund eine Radtour durch die Niederlande machen. Im Vorfeld besuchten sie Günther Braun zuhause (er wohnte schräg über Kenkenberg) um sich von ihm Kartenmaterial auszuleihen. Seine Wohnung war vollgesteckt mit Büchern. Die Regale reichten bis zur Decke. Angeblich hatte er sie selber passgenau gezimmert und dafür sogar ausrechnen lassen, ob die Statik des Hauses seine Bücher verkraften würde. Sicher ist sicher.

Alles in allem: Ein besonderer Mensch, der im falschen Beruf gefangen war.

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rapor
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Beitrag von rapor »

Blacky hat sich mir durch mein Sitzenbleiben entzogen :D , Lindner war als Klassenlehrer nicht schlecht, aber ich war dann später nicht wirklich immer in der Schule. Weder geistig, noch körperlich. G.Braun ist ja manchmal echt ausgerastet. Wenn ich überlege was wir an "Lehrern" so hatten: Rumpel Neugebauer, Tisch, Kantor Rießelmann, DKP Karl Taefler, Archie Pracht, Rotnase Fleischer, hätte mein Sohn solche Lehrer gehabt, hätte es glaube ich geblutet :evil: .Das kommt mir heute alles vor wie ein schlechter Film :shock: Körperliche Gewaltgab es weniger zwischen uns Schülern, als von Lehrern zu Schülern. Aber gut ausgestattete Chemieräume, mit Phosphor und Kaliumchlorat. Wäre heute schon eher Terrorismus,damals Schabernack.ür :roll:
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Heinz
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Beitrag von Heinz »

Danke für diese Zusammenfassung! Passt.
Vielleicht wage ich nun, ein paar "Dönekes" zu erzählen. :roll:

Troy
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Beitrag von Troy »

@Pito:
Alles in allem: Ein besonderer Mensch, der im falschen Beruf gefangen war.
ich hab noch nie einen so einen starken satz über einen lehrer gelesen.. .:up:

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Beitrag von Verwaltung »

Bild Bild 1974
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Beitrag von Verwaltung »

  • (...)
    Grundsätzlich ließe sich sagen, daß Limerick-Verfasser Leute sind, denen die intellektuelle Staunenswürdigkeit gelingt, Literatur im vertracktesten, kauzigsten, form-ergebensten Sinne zu machen - und dennoch nicht esoterisch zu sein. Ihr Formalismus ist Formalismus von wundersam derber, wundersam lebenszugewandter Art.

    Allerdings, so wie nicht jeder Camembert aus Camembert kommt, so stammt nicht jeder Limerick aus Limerick. Die hier vorliegende Versesammlung des Ulkpoeten Günther Braun kommt also, um hiermit nicht hinterm Berg zu halten, aus Gelsenkirchen. Limerick-Freunde sollte das interessieren, unbedingt. Denn der Ortsname - wem sagen wir das? - ist das Wichtigste an jedem Limerick; auf diesen Namen nämlich hat sich, wenn nicht alles, so doch das meiste zu reimen, ohnehin und ausnahmslos die messerscharf-jokose Schlußpointe. Also bitte: wüßten Sie sich, beispielshalber, einen Nonsensvers auf Gelsenkirchen zu machen?

    Günther Braun, seit vielen Jahren dem leidenschaftlichen Sammeln von Wortspielereien, Blödsinnsgedichten und heiterer Lyrik ergeben, ist als furchtbar fruchtbarer Limerick-Schöpfer so rastlos tätig wie als deutscher Propagandist der frischentdeckten englischen Versgattung »Clerihew« (eines lapidaren namensbezüglichen Spott-Vierzeilers, betitelt nach seinem Erfinder Edmund Clerihew Bentley). Ein Mann wie Braun also, versteht sich, schafft den Gelsenkirchener Reim spielend. Und weiß der Kuckuck: er schafft noch ganz anderes, zum Beispiel (mehrfache) Reime auf Wattenscheid, Tailfingen, Taschkent und Ippensen. Ja, der Meister Versifex gibt unumwunden zu, je mehr ein Ortsname sich dem Gereimtwerden zu wiedersetzen scheine, desto prompter habe er, der Dichter, ihn gefressen, desto ärger fühle er sich herausgefordert, gleichwohl ein paar passende Reimworte zu finden, nun gerade!

    Bei Günther Braun, der möglichst alles reimt, reimt sich tatsächlich alles Mögliche. Mit Recht heißt seine Versesammlung deshalb: »Gereimt ist alles möglich.« Übrigens sollte es ganz und gar unmöglich sein, sich Brauns Blödelversen reimenthaltsam zu entziehen - seine vergnügliche Fünfzeilerei wirkt im Handumdrehen ansteckend. Wer nicht aufpaßt, dem muß nach Lektüre dieses Bändchens das gesamte fernere Leben als eine einzige Aufforderung erscheinen, Limericks daraus hervorzuschütteln. Und - Günther Braun ist auf Ihren Nachahmungstrieb durchaus gefaßt. Da er, vornehmlich als deutscher Wegbereiter des abwegig verschlüsselten Limericks, eine ausgemachte Tüftlernatur ist, verlangt sein Werk höchst dringend nach ebensolchen Tüftlern unter den Lesern; und nur die wahrhaft Scharfsinnigen, nur die wirklich Wendig-Konzentrationsgesegneten werden ihm denn zu folgen vermögen, wenn er, mal seaux, mal seaux, seine Limerickerschritte nach Bordeaux lenkt, Als Autonummernschilderdenker nach Heidenheim: »Sieh da, der Willi aus HDH, der geht vom Ball mit zwei MD H ...!« (Wie's aber weitergeht mit Willi und den zwei Maiden, darüber hier kein Wort, das steht im Buch.)

    Also, es darf geschmunzelt und gelacht - und es darf gedacht werden bei der Lektüre. Gute Limericks verlangen stets (auf Seiten des Erfinders) ein gerüttelt Maß Denkarbeit, was wiederum (auf Seiten des Genießenden) stets ein gerüttelt Maß am Mitdenkarbeit erheischt. Aber bitte, darum steckt das Zeug ja so an.

    Ruprecht Skasa-Weiß
Quelle: Gereimt ist alles möglich, Günther Braun, dva, 1974
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