Braunes Haus in der Hochstraße, heute Hauptstraße

Alles über die Verstrickungen der Stadt/Bürger mit der NSDAP/Faschismus

Moderatoren: Redaktion-GG, Verwaltung

Benutzeravatar
Verwaltung
Mitglied der Verwaltung
Beiträge: 10526
Registriert: 02.12.2006, 05:43
Wohnort: Gelsenkirchen

Braunes Haus in der Hochstraße, heute Hauptstraße

Beitrag von Verwaltung »

GELSENKIRCHENER BÜRGER WEHREN SICH GEGEN BEABSICHTIGTE TERRORAKTE DER NAZIS IM OKTOBER 1931

Bild

Im Oktober 1931 forderte die empörte Arbeiterschaft vor dem "Braunen Haus" ("Braunes Haus" deshalb, weil sich in ihm Geschäftsräume der NSDAP befanden): Nazis raus aus Gelsenkirchen!
Die Forderung war die Antwort auf die Ankündigung von Gelsenkirchner Nazis, den "Bluttag", den die NSDAP in Braunschweig veranstaltet hatte, bei dem es Tote und Verletzte auf Seiten der gegen die Nazis protestierenden Bevölkerung gegeben hatte, hier in Gelsenkirchen zu wiederholen. Hinter dieser Forderung standen sowohl Mitglieder der politischen Arbeiterparteien wie KPD und SPD, als auch Mitglieder von christlichen Organisationen und unorganisierte Arbeiter und Bürger.
In ihrer Empörung über die immer frecher auftretenden NS-ler schleuderten die aufgebrachten Menschen Pflastersteine gegen das "Braune Haus". Die von den Nazis eiligst herbeigerufene Polizei schützte das Gebäude und ihre Bewohner, indem sie den Vorplatz räumte. Die Drohung der Faschisten, in den Arbeiterorganisationen "aufzuräumen", hatte die Arbeiterschaft so aufgebracht, daß in der Nacht wiederum die Scheiben zerschlagen wurden und sich die Menge tagsüber trotz Polizeiaufgebot vor dem "Braunen Haus" versammelte.

Bild ----- Bild


Die NS-ler hatten nur noch die Möglichkeit, die Büroräume über eine Leiter im Hof zu erreichen. Sie verbarrikadierten die Fensteröffnungen mit Bohlen und Eisenbahnschwellen. Immer wieder, mehrere Tage lang versammelten sich Menschen vor dem Gebäude, um ihrem Protest gegen die "Braunhemden" Ausdruck zu verleihen. Die Polizei stellte "Ruhe und Ordnung" wieder her, indem sie "durchgriff". Unter Berufung auf formales Recht (Sachbeschädigung fremden Eigentums) wurden Verhaftungen unter den Arbeitern vorgenommen. Die Widerstandsaktion gegen die Nazis wurde gebrochen.

Bild


aus: Gelsenkirchen 1933-45 Angeklagt wegen Hochverrat - Beispiele der Verfolgung und des Widerstandes (Arbeitsergebnisse einen VHS-Kurses)

Josel
Beiträge: 3771
Registriert: 08.01.2007, 15:47
Wohnort: Ex-Hugingthorpe

Beitrag von Josel »

Stand das brauen Haus im heute verkehrsberuhigten Teil der Hauptstraße oder eher im Teil am Straßenbahndepot?

J.
Vertrödeln Sie keine Zeit mit dem Lesen von Signaturen!

Heinz
Abgemeldet

Beitrag von Heinz »

Josel hat geschrieben:Stand das brauen Haus im heute verkehrsberuhigten Teil der Hauptstraße oder eher im Teil am Straßenbahndepot?

J.
Na dass ich mal etwas weiss was du nicht kennst... 8)

Bild

Ich glaube es ist das Haus Hauptstraße 38 am Hauptmarkt (wenn man den noch so nennen kann). :evil:
Aber das müsste noch einmal von jemand anderem bestätigt werden..

Margarethe Zingler Platz

Ob in dem Antiquitätenladen auch Militaria verkauft werden, ist mir nicht bekannt... :roll:

Benutzeravatar
Detlef Aghte
Beiträge: 4780
Registriert: 13.02.2007, 13:44
Wohnort: 45891 Gelsenkirchen

Beitrag von Detlef Aghte »

Heinz hat geschrieben:
Josel hat geschrieben:Stand das brauen Haus im heute verkehrsberuhigten Teil der Hauptstraße oder eher im Teil am Straßenbahndepot?

J.
Na dass ich mal etwas weiss was du nicht kennst... 8)

Bild

Ich glaube es ist das Haus Hauptstraße 38 am Hauptmarkt (wenn man den noch so nennen kann). :evil:
Aber das müsste noch einmal von jemand anderem bestätigt werden..

Margarethe Zingler Platz

Ob in dem Antiquitätenladen auch Militaria verkauft werden, ist mir nicht bekannt... :roll:

Ich war letzten dienstag da drin, es gibt auf alles 30% hab aber nichts gefunden. Militaria hab ich auch nicht gesehen
detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

Dirk Gently
Abgemeldet

Beitrag von Dirk Gently »

Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich das richtige Haus ist. Die Fenster im ersten Stock sehen ganz anders aus. Auf dem 30er-Jahre-Bild gibt es keine Dachfenster, aber dafür eine Treppe an der Tür im Erdgeschoss, die heute ebenerdig liegt. Vor allem aber das Haus links davon sieht ganz anders aus, obwohl es älter zu sein scheint.

Wie seht ihr das?

Benutzeravatar
Detlef Aghte
Beiträge: 4780
Registriert: 13.02.2007, 13:44
Wohnort: 45891 Gelsenkirchen

Das Hitlerhaus

Beitrag von Detlef Aghte »

Ich habe hier nur diese Mitteilung:
Das Hitlerhaus in der Hochstr.wird demoliert und in der gleichen Nacht PolizeihauptmeisterNiederwerfer erschossen

1931


detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

Benutzeravatar
brucki
Beiträge: 9291
Registriert: 23.02.2007, 22:50
Wohnort: Ückendorf

Gefunden!

Beitrag von brucki »

War gestern auf Fortbildung (Spaziergang des Heimatbundes (in Person Herr Balthun) über die Hauptstraße) http://www.hb-gelsenkirchen.de/html/termine.html und hierbei erfuhr ich zu diesem Thema von einem anderen Teilnehmer folgendes:

Das „braune Haus“ war früher Hausnummer 50 und stand auf dem Grundstück, das heute die Hausnummer 48 trägt. Das "braune Haus" wurde wohl im Krieg zerstört und nun steht dort ein Nachkriegsbau. Ich habe eben mit dem Foto aus dem ersten Beitrag in der Hand nachgesehen und es stimmt: Das Haus, das auf dem Foto links von dem „braunen Haus“ steht, ist das Eckhaus zur Ringstraße mit der heutigen Hausnummer 50, wo sich die Kleine Galerie, der Lottoladen Stuckmann und das Lokal „El Patio“ drin befinden.

Bild

Heinz
Abgemeldet

Beitrag von Heinz »

Danke!! :D :D

Benutzeravatar
Verwaltung
Mitglied der Verwaltung
Beiträge: 10526
Registriert: 02.12.2006, 05:43
Wohnort: Gelsenkirchen

Beitrag von Verwaltung »

Bild

Heinz
Abgemeldet

Beitrag von Heinz »

Verwaltung hat geschrieben:Bild
und wusch -- weg isse die Barbarei... :shock: :roll:

Danke! :!: :!: :!:

Schacht 9
† 17.07.2016
Beiträge: 2418
Registriert: 04.07.2007, 21:45
Wohnort: Gelsenkirchen Bismarck

Braunes Haus

Beitrag von Schacht 9 »

Braunes Haus war wohl der Begriff in der Bevölkerung.
Es hieß Ludwig Knickman Haus.Bild

Benutzeravatar
Verwaltung
Mitglied der Verwaltung
Beiträge: 10526
Registriert: 02.12.2006, 05:43
Wohnort: Gelsenkirchen

Beitrag von Verwaltung »

Ludwig Knickmann war einer jener fragwürdigen Figuren, die die Nazis zu ihren Märtyrern erklärten und ehrten. Siehe: http://www.floerken.de/tdfns/html/1932/ ... ckmann.htm

Schacht 9
† 17.07.2016
Beiträge: 2418
Registriert: 04.07.2007, 21:45
Wohnort: Gelsenkirchen Bismarck

Ludwig Knickmann

Beitrag von Schacht 9 »

Gedenkfeier der Nazis für Ruhrkampf-Märtyrer
BildLudwig Knickmann.

pito
Abgemeldet

Beitrag von pito »

Ohne jetzt genau zu wissen, wer dieser Knickmann war:

Gräßliche Vorstellung! Du stirbst und nach deinem Tod ergreift ein mörderisches Unterdrückungsregime Besitz von deinem Namen und feiert dich Jahr für Jahr mit großem Pomp. Nur im Grabe umdrehen hilft da wohl nix. :shock:

GELSENZENTRUM
Abgemeldet

Ludwig Knickmann

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Aus: Macht der Propaganda oder Propaganda der Macht? - Inszenierung nationalsozialistischer Politik im "Dritten Reich" am Beispiel der Stadt Gelsenkirchen
(...) Wichtig ist nur, daß der Vorfall den Nazis die Chance bot, Ludwig Knickmann zu instrumentalisieren, ihn propagandistisch zu "vermarkten", indem man ihm die Rolle des "Märtyrers der Bewegung" zuwies. (...) Bis zum Jahre 1933 blieb es in der Öffentlichkeit still um den "Fall Knickmann".
Nachdem die Nazis jedoch auch in Gelsenkirchen die Macht erobert hatten, insbesondere aber nach der Installierung des "kanonischen" NS-Feierkalenders im Jahre 1934, sollte sich das grundlegend ändern. Der Tod Knickmanns und die nationalsozialistische (Um-)Interpretation stellten gradezu, so makaber das auch klingen mag, einen propagandistischen "Glücksfall" dar, bot er doch besser als die allüberall im Reich stattfindenden Feiern eine geeignete Möglichkeit, die notwendigerweise auch regional ausgerichteten Strategie nationalsozialistischer Politikwerbung umzusetzen. Von nun an wurde alljährlich nicht nur Ludwig Knickmanns gedacht, vielmehr wurde er - so mutet das Szenario an - in jedem Jahr erneut beigesetzt.
So fanden die Leser der Gelsenkirchener Zeitung am Morgen des 22. Juni 1940, als sie den Lokalteil des Blattes aufschlugen, darin z.B. den folgenden Artikel vor:

"Auch gestern morgen wieder- an dem Tage, da sich zum 17. Male der Todestag des im Ruhrkampf am 21. Juni 1923 gefallenen Blutzeugen Ludwig Knickmann jährte-
fand am Grabe des unvergessenen Kämpfers und Helden auf dem Buerschen Ehrenfriedhof eine schlichte Gedenkfeier statt....Am geschmückten Grabe Ludwig Knickmanns hatte eine Ehrenwache der SA-Standarte "Ludwig Knickmann" Aufstellung genommen. SA-Obersturmführer Henkel gedachte in schlichten Worten
der Treue und des Dankes des Blutopfers, das Ludwig Knickmann in der Frühzeit der nationalsozialistischen Befreiungskampfes für Deutschlands Zukunft gebracht hat und das nun durch die glorreichen Waffen der neuen deutschen Wehrmacht seine reinste Sühne gefunden hat.
Aus den Gedenkworten sprch auch diesmal wieder das Gelöbnis, daß Ludwig Knickmanns Beispiel und Tod niemals vergessen werden sollen. Mit dem Gruß an den "Führer" und dem Gesang der Nationalhymne fand die Gedenkansprache, die von Versen des Dankes und der Treue umrahmt war, ihren Abschluß. Danach erfolgte die Niederlegung der Kränze der NSDAP-Kreisleitung Emscher-Lippe, des Düsseldorfer Gauleiters Florian, der SA-Standarte 137 "Ludwig Knickmann", des niederrheinischen SA-Obergrupenführers Heinz Knickmann, der Stadt Gelsenkirchen und der Kameraden des Ruhrkampfes. Zugleich wurden auch am Grabe des gleichfalls auf dem Ehrenfriedhof beigesetzten, im Oktober 1933 für Adolf Hitler gefallenen SA-Mannes Josef Woltmann Kränze des Gedenkens niedergelegt. Nach der Gedenkfeier auf dem Buerschen Ehrenfriedhof begaben sich die Teilnehmer zum Ludwig-Knickmann-Denkmal in Sickingmühle, wo sich ebenfalls im Rahmen einer schlichten Trauerkundgebung an den toten Kämpfer eine Kranzniederlegung anschloß."


"Macht der Propaganda oder Propaganda der Macht?" von Heinz-Jürgen Priamus und Stefan Goch als Bd. 3 in der Schriftenreihe des ISG 1992 erschienen. Klartext-Verlag Essen, ISBN388474-024-5

Antworten