Karl Taefler - Der andere Lehrer

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Heinz
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Karl Taefler - Der andere Lehrer

Beitrag von Heinz »

Karl Taefler

Geboren am 31. Oktober 1932 in Gelsenkirchen. 1956 Abitur. Studium der Geschichte, Philosophie und Rechtswissenschaft. Lehrer für Mathematik und Geschichte. 1988 frühpensioniert. Aktivitäten in der Friedensbewegung, in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im Stadtverband Gelsenkirchen und im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt sowie in der Literaturwerkstatt die insel (Marl). Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Gruppe Gelsenkirchener Autoren.

Pseudonym: C. Martell.

Auszeichungen: Anerkennung im Georg Weerth-Preis der UZ (unsere zeit) (1988) – Erster Preis bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb in Gelsenkirchen-Rotthausen – Ehrenmitglied im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt (1994).

Selbständige Veröffentlichungen: Wo wir das Bleiben verteidigen. Gedichte. Hg. und Nachw. von H.E. Käufer. Gelsenkirchen: Gelsendruck 1987 [Illustr. von A. Wagner]; 2. Aufl. 1993 – Sabine Flatterpute. Ebd. 1994 [Illustr.] – Liebe, Leiber, Solidarität. Gedichte. Essen: Verlag Neuer Weg 2000.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Friedens-Fibel. Frankfurt/M. 1982: Probealarm: oder Paul erinnert sich – Im Angebot. Texte für den Frieden. Gelsenkirchen 1982: Andere Zeiten (S. 41); Die Soldatin (S. 46); Neutronenblitz (S. 65) – Einmal hingefahren und voll drauf abgefahren. 80 Jahre Schalke 04. Gelsenkirchen 1984: Na, dann schlaf mal weiter. Und grüß Schalke von mir! – Und das ist unsere Geschichte. Gelsenkirchener Lesebuch. Hg. von H. Hering und M. Klaus. Oberhausen 1984: Friedensbewegung. Es begann vor 40 Jahren – Zehn Jahre Zeitkritik. Ged. 1975-1985. Augsburg 1985: the united-states-administration-way of life – Ruhrpottriviera. Neue Texte aus der Werkstatt Dortmund im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Essen 1985: Tage im April; Blanche; Brot verlangend und mehr – Meine zärtl. Insel. Texte über die Liebe. Gelsenkirchen 1988: Ich spreche mit dir; Die mich liebte; Der Mond; Ein Tag – Her mit dem Leben. Illustr. Arbeitsbuch für Abrüstung und Frieden. Oberhausen 1980: Friede den Erden des Universums – Schulter an Schulter. Ged. aus dem Ruhrgebiet. 1985: Turnübung; Unser Keller – Schichtwechsel, Lichtwechsel. Texte aus der Arbeitswelt. Köln 1988 – kürbiskern, München, 1, 1984: Der Stein; 4, 1984: Blanche – das pult. literatur kunst kritik, Wien, F. 63, 1981: Gedanken zu einer Zahl; Gerücht; Die Soldatin – Kultur & Gesellsch., Nr. 1, 1989: Maulwurfperspektive. Zum 5. Todestag von Josef Büscher; Nr. 6, 1989: Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt und der Zapateado des Auguren – Grenzgedanken. Ein Lesebuch. Köln 1991: Versuch einer Ansprache – Wie wir am besten in Öl baden und uns dabei wohlfühlen. Essen 1992: Die Tote im Glassarg; Lebenslauf – Wie ein entwurzelter Baum. Eine Anthologie gegen Ausländerhaß und Fremdenfeindlichkeit. Dorsten 1993: Liebe 1933 Liebe 1993?; Deutschlandbilder; Die Lieder verstecken; Ich bin für.

Herausgabe: Atemzüge. Lyrik und Prosa. Gelsenkirchen: Gelsendruck 1985 [Mithg.] – Anstöße. Texte. Bilder. Begegnungen. Ebd. 1987.

Vertonungen: So gut ich’s konnte, hab ich’s gemacht. Prosa und Gedichte. Bergisch Gladbach 1988 [MC] – Kleines Tanzlied von den Revierstädten. Noten von Norbert Labatzki. Abgedruckt in Anstöße 1987 (s.o.) – Rentner Wilhelm. Vertonung: Kumpels Erben. Tönnis Basement Band. Produziert von der Stadt Ahlen. Bocholt: Capitol Studios 1989 [LP].

Rundfunk: Autorenporträt über Taefler (Kabelrundfunk, Dortmund 1987) [65 Minuten].

Unselbständige Veröffentlichung über Taefler: Berndt Röttger: Porträts aus der Gelsenkirchener Literaturszene (XVII), in: dialoge. 18 Porträts aus der Gelsenkirchener Literaturszene. Gelsenkirchen: Stadtbücherei 1985.

Nachlaß, Handschriftliches: I. Bestände in westfälischen Archiven – – II. Bestände und Handschriften außerhalb Westfalens: nicht bekannt

Sammlungen: StLB Dortmund, Personenslg.: Zeitungsausschnittslg.

Nachschlagewerke: Literatur-Atlas NRW 1992 – Dt. Bibliothek.


Aus dem Lexikon westfälischer Autorinnen und Autoren

ulika
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Beitrag von ulika »

Karl Taefler - irgendwie eine Legende!
Ich hab' ihn vor ungefähr zwei Wochen getroffen, in der Stadt, vor dem Iduna-Hochhaus. War mit seiner Frau beim dortigen Bäcker. Hat sich riesig gefreut darüber, dass ich ihn angesprochen habe. Ich hab' mich übrigens ebenfalls sehr gefreut, ihn zu treffen. Leider nur noch einer der wenigen alten Pauker von der Gerhard Hauptmann Realschule an der Grenzstraße, die noch in GE leben. War damals (1969 - 74) nicht unbedingt mein Favorit, das lag aber eher am Fach Mathematik als an ihm.
Karlchen nannten wir ihn, ein Schalkefan durch und durch. Freitags wurde die Tafel genutzt, um die kommenden Spielzüge zu demonstrieren, am Montag war er manchmal noch etwas müde und gestresst vom vergangenen Spiel, setzte sich während der sechsten Stunde in die letzte Schulbank und ließ uns das Mathebuch rauf und runter an der Tafel vor rechnen.
Einfach herrlich, damals wie heute!
Besonderes Merkmal von Karl Taefler war seine äußerst kritische Einstellung zu Politik und Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wenn ich das richtig einschätze.
Immer noch der alte Philosoph, der Kritiker alter und neuer Zeiten. Als Lehrer, als Schriftsteller, als Mitmensch.
Von dieser Sorte Pauker findet man sicher heute nur noch sehr wenige. Nicht nur Vordenker und Erzähler, sondern auch Vorleber.
Bleib so, lieber Karl Taefler! Ich wünsche Dir noch ein langes Leben, viel Gesundheit und immer wachen und kritischen Zeitgeist.
Hoffentlich bekomme ich Deine Bücher, die in Arbeit sind, noch zu lesen.

Uli

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kleinegemeine01
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Beitrag von kleinegemeine01 »

[center]Der Karl Taefler war von 1980-1982 mein Klassenlehrer. Eine auffällige Erscheinung.

Hatten 2002 ein Klassentreffen und da gab er mir dies:
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schrieb mir noch was Nettes rein:
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und was musste ich soeben feststellen?
die Sabine Flatterpute hatte keine angst vor dem Fuchs!!!Bild

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Bild[/center]


[center]Sabine Flatterpute

von Karl Taefler

Zeichnungen von Ilse Straeter

Oh, du Himmel hab Erbarmen mit dem alten Fuchs, den Armen!
so sprach still der Hahn für sich.

Er hat starke Rückenschmerzen, Störungen an seinem Herzen und er hustet fürchterlich.


Bild

" Hört jetzt zu, ihr meine Hennen: ich will keineswegs verkennen, daß er viele Hühner stahl.

Doch die Feinde sollst Du lieben, so steht`s lange schon geschrieben, sonst wär mir der Fall egal.

Er soll Gnadenbrot erhalten, pflegen wollen wir den Alten. Seine Tage sind gezählt."

Wie die Hühner ängstlich scharren, oder in die Ferne starren: Fuchs, Du hast uns noch gefehlt!

Nur Sabine Flatterpute öffnet weit die kleine Schnute. Sie war tapfer, sie blieb stur.

" Sollen ihn doch die Füchse pflegen, Hühner müssen Eier legen!"
Das sei Vorschrift der Natur.

Wie der Hahn jetzt zornig krähte! Als er in die Runde spähte, standen alle gegen ihn.

" Soll der Fuchs sich selber pflegen! Hahn, wir wollen Eier legen, Würmer aus dem Boden ziehn."

Aber seht, die Eierleger!
" Einmal irren kann sich jeder!"
gackern fröhlich sie zum Hahn.

" Du sollst mutig weiter krähen. Warum sollen wir Dich schmähen? Hast dich eben mal vertan."


[/center]

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brucki
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Beitrag von brucki »

ulika hat geschrieben:[...] von der Gerhard Hauptmann Realschule an der Grenzstraße [...]
Die Gerhart-Hauptmann-Realschule ist in Erle an der Mühlbachstraße 3. An der Grenzstraße steht die Lessing-Realschule. Meinste die?

Heinz
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Beitrag von Heinz »

brucki hat geschrieben: An der Grenzstraße steht die Lessing-Realschule. Meinste die?
Waren früher zusammengelegt im Gebäude der Grenzstraße.

ulika
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Beitrag von ulika »

Hallo Brucki,
zu meiner Schulzeit war die GHR in Erle noch gar nicht erbaut! Der längere, nördliche Teil an der Grenzstr. hieß damals Gerhard Hauptmann Realschule, im kürzeren Flügel an der Ostseite befand sich die Lessing Realschule.
Die Umbenennung erfolgte erst nach dem Bau der neien Realschule in Erle. (Wann?)

liebe Grüße

Uli

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kleinegemeine01
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Beitrag von kleinegemeine01 »


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rapor
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Beitrag von rapor »

Ich war von 1966 - 71 auf der GHR. An Karlchen Taefler erinnere ich mich nicht besonders, hatte ihn wohl nur ab und an als Vertretung. War einer der schlagenden Lehrer, das weiss ich noch. Und er hatte eine recht feuchte Aussprache bei Verschlußlauten. War er nicht der DKP nahestehend oder sogar Mitglied? Die "richtig" Linken bezeichneten ihn jedenfalls als Revisionisten.
Ich fand die GHR schrecklich, lag auch an meiner nicht gerade ausgeprägten Schulfreude. Nur wenige Lehrer würde heute ich als Pädagogen bezeichnen.
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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

wie Knut heute im Wiki mitteilte, ist Karl Taefler bereits am 21. März 2014 im Alter von fast 82 Jahren verstorben.

http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... rl_Taefler
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

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Anthro
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Beitrag von Anthro »

ulika hat geschrieben:Karl Taefler - irgendwie eine Legende!
Ich hab' ihn vor ungefähr zwei Wochen getroffen, in der Stadt, vor dem Iduna-Hochhaus. War mit seiner Frau beim dortigen Bäcker. Hat sich riesig gefreut darüber, dass ich ihn angesprochen habe.
Vor drei bis vier Jahren hatte ich Karl Taefler einen Brief geschrieben und ihm für seine Arbeit als Lehrer, soweit von mir erlebt, gedankt. Leider habe ich keine Antwort von ihm erhalten. Und getroffen habe ich ihn nach meiner Schulzeit auch nur einmal. Da hatte er aber keine Zeit für ein Gespräch, da er auf dem Rotthauser Markt beim Ostermarsch einen Stand betreute.
Er war der Lehrer, der mich während meiner Zeit an der GHR am meisten beeindruckte.
Spontanität will gut überlegt sein.


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knut
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Beitrag von knut »

Ich hatte ihn in der 9. Klasse in Mathe und in der 6. Klasse in Geschichte. Als Lehrer war er eine Katastrophe. Was ich mag, sind seine Gedichte. Mein Lieblingsgedicht:

Wir geben nicht auf

Wir werden
das Boot
selbst bauen

werden mit kräftigen Schlägen
in den Tag rudern
Jana aus Kassel fühlt sich jetzt wie Jesus Christus; sie war während des Lockdowns im Nagelstudio und muss deswegen ein Bußgeld zahlen.

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