Mal wieder Spitze - oder wie lange machen wir das noch mit?

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rm
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Beitrag von rm »

Auf den ersten Blick auch eine Frage des Durchschnittsalters? Degenhardt - jung - klagte in damals typischer Melodie über Langeweile, heute sind wir, seine Zeitgenossen so alt wie er und hätten es gerne etwas langsamer??? In jungen Städten wird mehr gerannt und schnell gegangen, es gibt immer etwas für die Neugier und das aktive Gemüt, in überalterten Regionen dominiert der Rollator und die Bank.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

rmenne hat geschrieben:Auf den ersten Blick auch eine Frage des Durchschnittsalters? Degenhardt - jung - klagte in damals typischer Melodie über Langeweile, heute sind wir, seine Zeitgenossen so alt wie er und hätten es gerne etwas langsamer??? In jungen Städten wird mehr gerannt und schnell gegangen, es gibt immer etwas für die Neugier und das aktive Gemüt, in überalterten Regionen dominiert der Rollator und die Bank.
Ja und nein.
Stadt war immer schneller als Dorf.
Städte beschleunigen aber messbar in immer kürzerer Zeit bis zum (biologischen) Kollaps.
Beispiel: Weidenkorbkinderwagen mit Quietscherädern in den 50ern und heute Inlineskatefähige Kinderrenntransportdinger.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch ein Speed-Rollator auftaucht.

stapel
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Beitrag von stapel »

hehe, speed-rollator!
eigentlich müssten im altenheim-tv statt mutantenstadl stones und queen und so laufen. ist vielleicht deswegen nicht so, weil da die frauenquote so extrem hoch ist?
außerdem: die geringe gehgeschwindigkeit hier hat vielleicht auch was damit zu tun, dass ich kein ziel habe - auch als jüngerer mensch.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

stapel hat geschrieben:geringe gehgeschwindigkeit ....
Eckenstehen? :roll:

Spontan fällt mir dazu das langsame, meditative Kreuzwandeln in den Klöstern ein.
Das meinst du aber nicht.. :wink:

stapel
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Beitrag von stapel »

nee, wie ein kloster komt mir die stadt nicht vor. eher wie ein spital.

Gast
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Beitrag von Gast »

Als ich in den frühen 90ern das erste Mal in Budapest war, sind mir die rennenden Teenies aufgefallen. Kurz darauf habe ich gelernt, dass die alle mindestens 3 McJobs haben, um zu überleben. Die Alten konnten sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten, sind aufs Land gezogen und haben ihr Gemüse selbst angebaut.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Als ich vor einigen Monaten alte Videoaufnahmen sah, die ich in den 80er Jahren gemacht hatte, war mein (subjektiver) Eindruck:

die hatten mehr Zeit, mehr Ruhe. Die Leute sahen "naiv" im Sinne von Unvoreingenommen aus.

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

...ein voller Bauch studiert nicht gern...

In Zeiten der beschleunigten Kommunikation wird vielleicht die Motorik langsamer.

Zu Ungarn:
Anfang der 90-er Jahre lag das monatliche Einkommen eines gut ausgelasteten Rechtanwaltes bei 400-500 DM, die "guten" hatten vielleicht 800 DM.
Ein Videorekorder war beinahe so teuer wie hier...
Das mit den Gärten kann ich nicht so werten, lieber Gast:
Traditionell besitzt fast jede Familie, die in einer ungarischen Stadt lebt, noch einen (viele haben auch mehrere kleinere verteilt) eigenen Nutzgarten mit Gemüseanbau, natürlich auch mit eigenem Wein - deshalb sollte man auch niemals einen Wein als Gastgeschenk mitbringen...
Naja, Budapest als Hauptstadt lief schon immer hektischer und war natürlich auch immer "teurer" als der Rest Ungarns.Schon vor dem Fall des eisernen Vorhangs wars dort "teurer". Lebensmittel (Obst, Früchte, Brot, Wurst, Käse, usw.) waren preislich eigentlich immer "unten" angesiedelt. Die Import-Produkte zogen Ende der 90er auf volles West-Niveau.
Meine ungarische Rechtsanwältin (spezialisiert auf Immobilien, Grundstücke, usw.) hatte gleichzeitig noch einen Job als Dolmetscherin und vermittelteVersicherungen...
Die Besitzerin unseres Stammlokals in Pecs ( südl. Ungarn, müsst ihr unbedingt mal hinfahren!) war eigentlich im Immobiliengeschäft tätig. Ihr Ehemann leitete eine EDV-Firma und war gleichzeitig Dolmetscher...
Mein ehemaliger Dolmetscher und liebster Kumpel aus Ungarn ist Lehrer und gleichzeitig einer der ungarischen Eurosport-Moderatoren sowie Redakteur bei Pecs-TV...
Meine Ex-Freundin Anna, Deutschlehrerin in Pecs, hat nie weniger als 3 Nebenjobs gemacht. Zusätzlich im ABC-Laden (Tante Emma) ihrer Eltern ausgeholfen und noch auf ihr jüngstes Geschwisterchen aufgepasst...
Wenn ich in Pecs den Leuten etwas von "meinem Stress" hier zuhause erzählte, schauten sie mich zwar immer sehr verständnisvoll an, aber nachvollziehen konnten sie ihn irgendwie nicht.
Von Stress haben meine ungarischen Freunde nie gesprochen - oder darüber geklagt.
Sie sind "allzeit bereit" und immer sehr hilfsbereit - hängende Köpfe? Gaaaanz selten dort gesehen!
Das geschah natürlich nicht nur aus reiner Höflichkeit - sie haben ein anderes Level dafür.

Hier Herrscht bereits an vielen Ecken das sprichwörtliche "totübernzaunhängen" ...
Zuletzt geändert von Fuchs am 26.05.2007, 17:15, insgesamt 2-mal geändert.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

@Fuchs

ist das ein flammender Aufruf für mehr Jobs mit weniger Bezahlung, um die Zahl der "working poor" zu erhöhen? :? :shock:

Gelsenkirchen und das Tempo

auch 2 1/2 Jahre nach der OB Wahl steht immer noch Oliver Wittke in den Mitteilungen der Stadtverwaltung als Oberbürgermeister aufgeführt.

Das Gerücht geht um, das Olli die geheimen Passwörter mitgenommen hat und nun niemand mehr die PDF Dateien ändern kann.


Guckst du hier auf Seite 5


*eine nachträgliche Änderung wäre Urkundenfälschung? :?

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Nee, ohjehohjeh!

Anna hats gemacht, damit sie herum kommt, Leute trifft und ihren Horizont erweitert.
Sie kam aus einem finanziell gut abgesicherten Hintergrund.


Wenn hier eine Banküberweisung 5 Euronen kostet und eine Dame in einer Heißmangel eine Stunde hart arbeiten muß, damit sie einen Euro verdient - dann läuft doch wohl etwas falsch!!!

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Verwaltung
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Wir sind krank

Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Wir sind krank


Hatschi: Gelsenkirchen macht krank - wobei Erkältungen noch die harmloseste Variante sind.
Nirgendwo ist der Krankenstand höher als in Gelsenkirchen. Eine exakte Analyse der Ursachen gibt es nicht, dafür aber Vermutungen, dass die Sozialstruktur verantwortlich sein könnte. Mediziner: Politik muss handeln

Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen sind die Menschen durchschnittlich länger krank als in Gelsenkirchen: 16,6 Tage im Jahr sind die hiesigen Menschen nach einer Erhebung der Betriebskrankenkassen arbeitsunfähig, 12,7 Tage sind Mittelwert. Die AOK Westfalen-Lippe hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Doch woran es liegt, darüber gibt es nur Mutmaßungen.

Dabei sind die Abweichungen selbst innerhalb des Emscher-Lippe-Raumes auffällig. So waren am Stichtag 1. Juli laut AOK 3,05 Prozent aller Arbeitnehmer in Westfalen-Lippe dienstunfähig, in Gelsenkirchen-Mitte aber 3,81 Prozent, in Buer sogar 3,93 Prozent. Und: Die Tendenz ist steigend, die Vergleichszahlen aus dem Vorjahr waren durchweg niedriger.

Umso überraschender, dass sich der hiesige Arbeitgeberverband noch nicht mit dem Phänomen befasst hat. Man werde dies in Zukunft aber analysieren, hieß es von Arbeitgeberseite. Auch die Stadtverwaltung tappt weitgehend im Dunkeln. Eine verlässliche Basis zur Interpretation der Daten fehle, sagt Sprecher Martin Schulmann.

Gleichwohl gibt es Vermutungen: "Sollten Hartz IV- und Sozialhilfe-Empfänger mit in die Statistik einfließen, könnte das eine Ursache sein", sagt Schulmann. Schließlich sind gerade Menschen aus diesen Bevölkerungsgruppen häufiger krank als andere, die aus Angst vor dem Job-Verlust insbesondere auf längere Krankschreibungen verzichten.

Deutlicher wird Dr. Werner Kirchberg, Gelsenkirchener Mediziner und hiesiger Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. "Armut und Krankheit gehen Hand in Hand. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und schwierigen Sozialstruktur in dieser Stadt verwundern mich diese Zahlen daher überhaupt nicht", sagt Kirchberg.

Gerade Arbeitslose und Empfänger von Sozialhilfe litten statistisch nachweislich häufiger unter psychischen Erkrankungen. Auch seien gerade in dieser Gruppe Alkohol- und Nikotinmissbrauch weit verbreitet. "Dass wir diese Menschen kaum für Vorsorgemaßnahmen gewinnen können, tut sein Übriges", sagt Kirchberg und fordert mehr Unterstützung für schwache Bevölkerungsgruppen: "Das ist eine Aufgabe für die Politik - das war auch Hauptthema auf dem Ärztetag im Mai in Münster."

24.07.2007 Von Christian Duyf

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Detlef Aghte
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Gelsenkirchener öfter krank

Beitrag von Detlef Aghte »

Das passt zu dem was mir gestern auffiel. Ich saß in einer kleinen Pizzeria an der Hauptstr. und konnte die leute draussen vorbeigehen sehen. Unheimlich viele ,die schlecht auf den Beinen waren, jedenfalls so, das es mir aufgefallen ist

Dabei fällt mir ein kürzlich bin ich in Maastricht gewesen ,dorthabe ich in30min. ungefähr 10 Leute in so enem Elektrokarren gesehen.Ich hab mich erkundigt ,ob es eine Rehaklinik gibt,die Kellnerin verneinte ,und war sauer ,das die überall runmfahren durften,auch dort wo sie nichtr mit dem Rad herdurfte.

In GE hab ich gestern zb. nicht einen gesehen.

detlef
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W. Busch

Josel
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Beitrag von Josel »

Diese WAZ-Spekulation ginge doch nur auf, wenn es in Buer mehr Sozialhilfe- und HartzIV-Empfänger gäbe als in GE-City. Das wiederum wäre mir neu.

Dennoch: Die soziale Struktur scheint irgendwie mit den Krankwerden oder -sein zusammenzuhängen. Auch in Ruhrgebietskrankenhäusern drängt sich mir immer der Eindruck auf, daß die Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund im Vergleich zu ihrem Gesamtbevölkerungsanteil überproportional vertreten ist. Ich sage das ganz wertfrei - vielleicht ist es ja auch eine unzutreffende Beobachtung.

J.
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Männlein
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Beitrag von Männlein »

Eine lebhafte Diskussion dürfte wohl folgen.

Dass Krankenstand und Sozialstrukturen in (kausalem) Zusammenhang stehen, ist ja wohl ein uralter Hut.
Ob nun der WAZ-Artikel total daneben ist oder die "Experten" völlig unbedarft sind oder tun, kann ich nicht beurteilen.
Letztendlich fühle ich mich durch eine solche Meldung einfach verarscht.
D.h. man tut so als sei da ein völlig neues Problem, das selbstverständlich sofort analysiert wird. Entsprechende gegensteuernde Massnahmen würden dann sofort eingeleitet, damit alles besser wird.
Alles Quatsch. Man kennt diese Phänomene mindestens seit Beginn der Industriealisierung.
Man wird nie ernsthaft etwas dadegen unternehmen können/wollen, weil die vorhandenen Werkzeuge in unseren Sozialsystem nicht greifen.
Meine Aussagen sind allerdings zur Diskussion freigegeben. Ich bitte sogar darum!
Es ist die einzige Möglichkeit, ein wenig sensibler mit dieser Thematik umzugehen...allerdings auch ein bodenloses Fass.

auch@detlef: ich habe beruflich nebenbei damit zu tun. Deine Beobachtung ist sicherlich richtig und wäre an vielen anderen Orten ebenso.
Elektrofahrzeuge sind besonders in Benelux und Skandinavien viel weiter verbreitet als bei uns.
Das hat auch seine Gründe.
Einmal sind es sicherlich andere Versicherungssysteme und -zielsetzungen. Mobilität hat einfach dort einen anderen Stellenwert.
Es hat aber auch etwas mit subjektiver Lebensqualität zu tun.
Ich kann mein Geld in eine Super-Heimkinoanlage stecken oder in einen Elektrokarren investieren. Klar, nur wenn ich es habe oder es nicht für beides reicht.

Als Bewohner der Schickeria-Stadt München, bin ich natürlich "immer gut drauf", also auch hochpathologisch.
Mir ist bei meinen Gelsenkirchen-Besuchen der letzten 30 Jahre schon etwas aufgefallen.
Bis so um 2000 rum, wirkte die Stadt wirklich deprimierend auf mich. Grau in grau, d.h. Stadt und Menschen angepaßt, depressive Physiognomie der Bewohner, schlapp in Physis und Psyche.
Das hat sich geändert. Gelsenkirchen wirkt auf mich, bunter, fröhlicher aufgeschlossener, fast schon weltoffen.
Das ist natürlich sehr subjektiv.
Dennoch: der erste Eindruck kriegt keine zweite Chance.
Deshalb sehe ich viele Dinge, oberflächlich natürlich, überhaupt nicht so negativ wie es in diesem Forum oft rüberkommt.
Manchmal habe ich fast den Eindruck, man sucht zwanghaft nach der "Roten Laterne", sie hat sich zum Markenzeichen entwickelt und muß entsprechend gepflegt werden.
Schon wieder an letzter Stelle (bzw. erster) wäre ganz schlimm!
Schlimmer wäre allerdings Vorletzter, dann hätte man überhaupt keine Presse mehr, also leblos.
Gruß Männlein

Heinz
Abgemeldet

Beitrag von Heinz »

Vielleicht nur als Ergänzung zu Männleins Gedanken ein Auszug aus einer amerikanischen Studie ....

Irgendwie laufen auch solche Überlegungen in eine Richtung.. es wird nicht einfacher.. Überraschend die beiden Schlussfolgerungen.. hätte ich nicht mit gerechnet. :shock:

Hier der link http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25921/1.html
Telepolis hat geschrieben:In Gebieten, die sich durch größere Diversität (Vielfalt) der Bewohner auszeichneten, zeigte sich:
* ein geringeres Vertrauen in die kommunale Selbstverwaltung, die örtlichen Behörden und in lokale Medien
* ein geringeres Vertrauen in den eigenen Einfluss bzw. die Gestaltungsfähigkeit
* eine niedrigere Wahlbeteiligung
* eine geringere Erwartung an die Kooperation anderer, wenn es um gemeinschaftliche Probleme geht (z.B. bei Wasser- oder Stromausfall)
* eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass jemand bei einem zivilgesellschaftlich organisiertem Projekt mitarbeitet
* dass die Bewohner weniger enge Freunde und Vertraute haben
* dass sie sich als weniger glücklich wahrnehmen und ihre Lebensqualität niedriger einstufen
* dass sie mehr fernsehen und das "als wichtigste Quelle der Unterhaltung" angeben.

Die Studie demonstriere, so Putnam, dass sich Menschen in solch heterogenen Gemeinschaften immer weiter zurückziehen - wie Schnecken. Das Misstrauen gegenüber anderen sei vorherrschend. Diese Ergebnisse der Studie widerlegen bisherige Annahmen. Nicht nur die Annahme, dass heterogene Gemeinschaften Brücken zu Personen anderer Hautfarbe oder Herkunft schlagen könne, sondern auch die Theorie, wonach gemischte Gesellschaften die Spannungen zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen steigern.

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