Mal wieder Spitze - oder wie lange machen wir das noch mit?

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devo
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Beitrag von devo »

brucki hat geschrieben:@ MK

:guterbeitrag:
@ MK

In der Tat.

Was den eigenen Nachwuchs angeht, habe ich eigentlich immer damit gerechnet, das ich Seite Wege auf mich nehmen muss, um die Kinder zu sehen, aber: Überraschung !

Nach dem Studium eine Stelle an einem Gelsenkirchener Gymnasium angenommen, ob wohl Angebote aus sogenannt " wesentlich attraktiveren Orten " (Ddorf, Klön,Boon ) vorlagen.

Gefragt,warum ausgerechnet hier, lautete die Antwort: um zu versuchen , die Kinder hier nach vorn zu bringen. Ob's klappt ? Keine Ahnung, aber Versuch macht klug. Ausserdem ist hier meine Heimatstadt. Komisches Wort, oder ?

Was mich, also devo, angeht, habe ich ausser meiner Lehrzeit bei der Flachglas AG in den
gaaaaanz frühen 70ern mein gesamtes Arbeitsleben ausserhalb Gelsenkirchens verbracht, musste aber nicht umziehen, hätte es aber gemacht, wenn es hätte sein müssen.
Mein Bruder juevo ist sogar deswegen mit Sack und Pack quasi einmal durch die ganze nördliche Hälfte Deutschlands gezogen, weshalb ich mich frage, warum sind viele gerade jüngere Menschen auch bei Arbeitslosigkeit oder ALG II so unflexibel ? Das kann doch nix mit Gelsenkirchen zu tun haben , oder werden hier Kinder anders erzogen bzw. gelten hier andere gesellschaftspolitische Regeln ?....und jetzt sag mir keiner, das das mit dem hohen migrativen Bevölkerungsanteil zusammenhängt, falls ein Beitrag aus der Ecke kommen sollte.
Wenn ein Arzt dem Sarg seines Patienten hinterher geht, ist es wohl die einzige Gelegenheit, bei der die Ursache der Wirkung folgt ( frei nach Voltaire )

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Marion67
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Beitrag von Marion67 »

Ich bin ja nun nicht aus Gelsenkirchen und ich muss feststellen, doch hier ist es anders.

Ursprünglich komme ich aus dem Frankfurter Umland und für mich war ein einfacher Arbeitsweg von 60-70km ganz normal. Und wer in dieser Ecke jemals über die A5 musste, der weiß auch was es heißt, mal ein "bisschen" länger zur Arbeit zu brauchen.
(Und da gab es damals keinen anderen Weg...)

Dort gibt es ziemlich viele Kleinstädte, ich glaube, ich habe in allen gewohnt :D und es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als seinen Wohnort zu verlassen. Sei es, um zur Arbeit zu kommen, oder Familie und Freunde zu besuchen, einen Arzt aufzusuchen oder auch mal einfaches Shopping zu betreiben.

Damals gab es nicht an jeder Ecke einen Lidl,Aldi,Plus heute Netto,Penny,Real schon gar nicht, sprich , einen ganz normalen Supermarkt oder Discounter. Es gab keine Fachärzte im "Dorf", zur Tankstelle bitte nicht, wenn die Leuchte schon schrie, dann haste nämlich diesen Weg nicht mehr geschafft...

Als ich dann, vor mittlerweile auch schon zwanzig Jahren, hier her zog, von dem "Kulturschock" will ich jetzt gar nicht reden, war ich doch erstaunt, obwohl ich dörflicher wohnte als ich bei mir je aufm Dorf gewohnt habe, hatte ich alles fußläufig um mich herum.
Arzt, Zahnarzt, noch son Arzt, Aldi und Plus sogar zwei mal, Apotheke...Eisdiele, Dönerläden...ich musste praktisch nur aus der Tür fallen und schon war ich da.

So nach und nach habe ich auch ein paar Leute kennen gelernt und dabei ist mir aufgefallen, die kamen nicht raus ausm Ort.
Alle die ich kannte, wohnten immer schon hier, und hatten auch nicht vor, Horst zu verlassen. Wie, nicht zur Arbeit, Familie, zum Einkaufen... laufen können :shock:

Wie gesagt, ich hab wirklich in vielen Städtchen und Städten gewohnt, ich bin nämlich auch umgezogen, wenn mir der Weg zur Arbeit dann doch zu weit war, aber so ein verstocktes Ortsfesthalten, ist mir bis dato nicht begegnet.

Mittlerweile, man gewöhnt sich ja schnell an die kurzen Wege, ist es für mich nach Gladbeck, Bottrop oder Gelsenkirchen auch schon ein Weg.
Aber mich juckt das nicht mehr, ich bin schon lange in Rente und muss "nur noch gucken" dass ich günstig wohnen kann, wo, ist mir völlig wurscht. Aber wenn es dann darum geht, dass mein Kind einen vernünftigen Arbeitsplatz bekommt, dann ziehen wir auch um, egal wohin, ich hänge nicht an GE, hab hier keine Familie und auch sonst keine Wurzeln...

Ob es den Leuten in Bochum und Essen ebenso geht, dass sie nicht raus kommen aus ihrem Nest...keine Ahnung.
Zuletzt geändert von Marion67 am 09.12.2019, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.
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das sind zwei gleichermaßen bequeme Lösungen, denn beide entheben sie uns des Nachdenkens.

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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

hier gibt es noch die Gattung Patria Emscherthalensis, des gemeinen heimatverbunden Ureinwohners. :P
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(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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Marion67
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Beitrag von Marion67 »

... ich machte mal eine Weiterbildung, der Dozent kam aus Recklinghausen und er meinte, dass die verfeindeten Bewohner es vermeiden würden, den Kanal zu überqueren... :o
Damals konnte ich mit dieser Bemerkung gar nichts anfangen, mittlerweile weiß ich, was er damit meinte.. :roll:
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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

Langfristig hilft da nur eine unterirdische Verrohrung. :wink:
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Marion67
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Beitrag von Marion67 »

...ich hab erstmal "unterirdische Verrohung" gelesen... :omg:

:lol:
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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

das ist noch harmlos, wenn Du wüsstest, was ich hier alles lese. :P


muss an meiner Brille von Feinkost Albrecht liegen. :ka:
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Marion67
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Beitrag von Marion67 »

:lol:
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Pedder vonne Emscher
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Beitrag von Pedder vonne Emscher »

Wußte gar nicht, dass sie in Feinkostläden auch Brillen verkaufen. :lol:

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awg
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Beitrag von awg »

Marion67 hat geschrieben:Wie gesagt, ich hab wirklich in vielen Städtchen und Städten gewohnt, ich bin nämlich auch umgezogen, wenn mir der Weg zur Arbeit dann doch zu weit war, aber so ein verstocktes Ortsfesthalten, ist mir bis dato nicht begegnet.
Ich glaube um das zu verstehen muss man , so wie ich, in Horst aufgewachsen sein und in der Grundschule Heimatkunde gehabt haben. Und um das "verstockte" noch ein wenig zu vertiefen... es gibt oder gab noch Horst-Nord und Horst-Süd. Und für mich und meine Spielkameraden war Horst-Süd schon "Ausland" ;)
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ich würde mich ja gerne geistig mit Ihnen duellieren, aber ich sehe Sie sind unbewaffnet

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Lo
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Beitrag von Lo »

"Verstocktes Ortsfesthalten", das ist von Marion sicher nicht boshaft gemeint, löst bei mir aber so ein Bild von lethargischer Dorfbewohnerschaft mit einsamer Bushaltestelle als Jugend- und Mopedtreff aus.
Es ist für mich kein verstocktes Ortsfesthalten, wenn jemand gern dort bleiben mag, wo er sich zu Hause fühlt.
Wobei es zugegeben durchaus lethargische Menschen gibt, die sich durch nichts aus ihrer heimischen Komfortzone locken lassen.
Doch, glaube ich, dass es durchaus leichter fällt, seinen Lebensraum zu wechseln, wenn ein besserer Job und somit vielleicht woanders ein "besseres" Leben lockt - erst recht, wenn man keine, oder nur wenige Freunde, Familie oder Menschen hat, die einen an einem Ort halten.
Lo
Komm´doch mal gucken: https://www.kohlenspott.de/

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Ströppken
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Beitrag von Ströppken »

Marion67 hat geschrieben:... ich machte mal eine Weiterbildung, der Dozent kam aus Recklinghausen und er meinte, dass die verfeindeten Bewohner es vermeiden würden, den Kanal zu überqueren... :o
Damals konnte ich mit dieser Bemerkung gar nichts anfangen, mittlerweile weiß ich, was er damit meinte.. :roll:
Ich wohne seit 30 Jahren in RE und überquere jedesmal den Kanal, wenn ich nach Bismarck fahre, weil meine Eltern (beide mittlerweile verstorben) dort beheimatet sind/waren.

Mein Bruder wohnt nun in deren Wohnung und so kommt es von Zeit zu Zeit zu Besuchen in meiner "alten Heimat", wobei ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen muß, wie nachteilig sich diese sog. damalige "Kolonie" entwickelt und verändert hat.

"Ortsfesthalten" habe ich bei vielen alten Menschen erlebt, deren Väter und Großväter auf "Bismarck" gearbeitet haben und die sich nix besseres vorstellen konnten, als da wohnen zu bleiben.

Von diesen Menschen sind mittlerweile viele verstorben und die Nachfolge-Generation hat völlig andere Interessen....
Glück auf!

Das Gegenteil von Wissen ist nicht Unwissen, sondern die Illusion, wissend zu sein. (Stephen Hawking)

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Marion67
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Beitrag von Marion67 »

Ich habe es gemeint, wie ich es beschrieben habe: Verstocktes Ortsfesthalten.

Niemad muss ich rechtfertigen, begründen, erklären warum, oder warum nicht...tu ich auch nicht!
Alles zu bezweifeln oder alles zu glauben,
das sind zwei gleichermaßen bequeme Lösungen, denn beide entheben sie uns des Nachdenkens.

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Ströppken
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Beitrag von Ströppken »

Ich wehre mich gegen die Bezeichnung "verstockt".

Beruflich bedingt habe ich in vielen Großstädten gearbeitet, fand es aber immer wieder sehr heimatlich, wenn ich mit dem Zug aus dem Süden ab Duisburg-Ruhrort die "Ruhrpott-Luft" eingeatmet habe.

Da wußte ich dann: Ich bin wieder zuhause!
Glück auf!

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Pedder vonne Emscher hat geschrieben:Hat noch keiner drauf reagiert: Wer bezahlt diese schwachsinnigen Studien?

Aha, der Gebührenzahler. Und wer ist das? WIR ALLE !!!
Au Pedder, das ist billig. Wenn eine Studie eines renommierten Forschungsinstituts, das für zahlreiche ebenso renommierte Auftraggeber arbeitet, zu den besagten Ergebnissen kommt, die dir nicht gefallen, dann kommt die Keule "Bezahlen die Gebührenzahler. Und wer ist das? WIR ALLE !!!"

Dann sammel doch mit deinen Freunden und bestell eine Gefälligkeitsstudie. Die heißt so, weil die Ergebnise herauskommen die von vornherein intendiert sind und dem Auftraggeber gefallen.

Ändert trotzdem nix an der Realität, deren Ursache beispielsweise sehr prägnant von Minchen und Westfale beschrieben worden sind.
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