Mal wieder Spitze - oder wie lange machen wir das noch mit?

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Gelsenkirchen, nicht Bad Godesberg

Gesundheitsausschuss: Rankings konnten Politik und Verwaltung nicht schocken. BKK-Erläuterungen zum hohen Krankenstand

"Wir sind hier nicht in Bonn oder Bad Godesberg" - dieser Satz wurde gestern im Gesundheitsausschuss mehrfach bemüht. Die Anlässe lieferten diverse Rankings, in denen Gelsenkirchen in Sachen Gesundheit schlecht abschnitt. Vor allem wegen der Sozialstruktur schneide die Stadt schlecht ab, so der Tenor. Verwaltung und Politik verwiesen auf umfassende Maßnahmen und Bemühungen, die Situation zu verbessern. Auch dem aktuellen "Gesundheitsatlas" (siehe Lokalseite 1) konnte Derzenentin Henriette Reker etwas Positives abgewinnen: "Ich kann Ihnen sagen: Bei den Sonnenstunden liegen wir vor Dortmund." Aber: Der "Gesundheitsatlas" sei nicht wissenschaftlich-seriös.

Seriöse Zahlen lieferten die Betriebskrankenkassen: In Gelsenkirchen sind bei der BKK versicherte Menschen häufiger krank als im Rest der Republik, erklärte eine BKK-Vertreterin und erläuterte die im Juli vorgelegten Zahlen (wir berichteten). Besonders auffällig seien die hohen Werte in der Abfallwirtschaft und in Verkehrsbetrieben. In der Erhebung berücksichtigt wurden die 14 000 bei der BKK versicherten und in Gelsenkirchen lebenden Erwerbstätigen.

Auch hier spiele die Struktur (konkret: des Arbeitsmarktes) eine bedeutende Rolle, so Ausschussvorsitzender Axel Barton (SPD) - und bemühte erneut den ominösen Satz: "Wir sind hier nicht in Bonn oder Bad Godesberg, wo 60 bis 70 Prozent hinterm Schreibtisch sitzen."

21.08.2007

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Der Patient

Nach einem Städtetest zum gesunden Leben landet Gelsenkirchen auf dem 80. und damit vorletzten Platz. Dezernentin zweifelt Aussagekraft der Studie an


"Wir leben hier nun mal nicht an der Nordsee oder in einem Luftkurort": Ziemlich unwirsch reagiert Gesundheitsdezernentin Henriette Reker auf einen "Gesundheitsatlas" der Zeitschrift "Healthy Living", der Gelsenkirchen unter 81 deutschen Großstädten auf den vorletzten Rang platziert.

Aus 3600 Einzeldaten, verkündet das Gruner + Jahr-Magazin, sei der Gesundheitsindex für die 81 Großstädte ermittelt worden. Danach lebt es sich in Ulm am gesündesten. Viele Revierstädte landen ganz hinten. In den sechs Kategorien bekommt Gelsenkirchen viermal eine Sechs, so hat die Stadt die schlechteste Lebenserwartung (Frauen: 80,3 Jahre, Männer: 73,7/Ulm: 82,5/77,8 ). Bei den Gesundheitsfaktoren Umwelt,Wohnen, Erholen liegt die Stadt ebenfalls hinten. Dabei wurden u.a. Feinstaubbelastung, Wohnqualität, Grünflächen, Unfallzahlen und Kriminalitätsstatistiken bewertet.

Wichtigster Faktor in der Studie (36 %) sind soziale und wirtschaftliche Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Sozialhilfezahlen oder auch Bildungsdaten, so landet Gelsenkirchen bei der Zahl der VHS-Kurse je 10 000 Einwohner auf dem letzten Platz. Auch die Sonnenstunden wurden gemessen - mit viel Wolken über der Emscher. Auch bei der Altersstruktur gab es einen "roten Apfel", eine Sechs.

So schlecht bewertet wird auch die medizinische Versorgung, die freilich nur zu 6,5 % in die Gesamtwertung einfloss: letzter Platz für Gelsenkirchen. Es fehlten Internisten und Kinderärzte. Es fehlen Krankenhausbetten und Krippenplätze. Letzteren Mangel räumt Stadtsprecher Martin Schulmann ein: "Wir arbeiten daran." Bis Ende 2007 soll die Versorgungsquote auf 7 % steigen.

Zu wenig Ärzte, zu wenig Krankenhausbetten? Da schüttelt Reker den Kopf. "Das stimmt absolut nicht. Wir liegen überall in allen Fachbereichen über den Zulassungsquoten, unsere Krankenhausversorgung ist gut." Unterstützung erhält Gelsenkirchens "Gesundheitsministerin" von Werner Kirchberg, dem Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). In allen Disziplinen liegt die ärztliche Versorgung über den KV-Planzahlen: 153 statt 126 Hausärzte, 19 statt 11 Internisten, 16,5 statt 14 Kinderärzte. "Die Studienzahlen sind hier nicht seriös", so der Mediziner, der zugleich klar stellt: In einer von der Schwerindustrie geprägten Struktur sind die Menschen kränker - so hat Gelsenkirchen Spitzenzahlen bei Lungenkrebs. "Man sollte lieber dynamische Zahlen nehmen", meint Kirchberg. Denn es lebt sich hier viel gesünder als vor einer Generation.

"Natürlich konzentrieren sich hier die Risiken. Eine Revierstadt wie Gelsenkirchen hat schwierigere Voraussetzungen - Armut, Arbeitslosigkeit, geringe Bildung", sagt auch Reker. "Doch wir sind eine grüne Stadt und machen eine Menge Angebote", betont sie. Trauungen und Sonnenstunden in das Ranking einfließen zu lassen, lasse auf die Güte der Studie schließen.

21.08.2007 Von Oliver Schmeer

gast 25
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Beitrag von gast 25 »

Die Ergebnisse der untersuchten Städte im einzelnen hier:

http://www.healthyliving.de/titelthema/ ... -test.html

GE:
http://www.healthyliving.de/titelthema/ ... .html?p=81

Da wird mit einem grobem Meißel gearbeitet, so nach dem Motto: berufstätige Mütter sind gesünder und zufriedener - generell. Also wenig Krippenplätze = kranke Frauen.

Mitgliedschaft im Sportverein und Grünflächen = dienen der körperlichen Gesundheit
Theaterbesuche = dienen der geistigen Gesundheit

nur nicht in GE, und das, obwohl das hiesige Nettoeinkommen höher ist als in Rostock (Platz 55)
http://www.healthyliving.de/titelthema/ ... .html?p=56

Männlein
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Beitrag von Männlein »

Jetzt aber mal Ruhe bewahren. Der Verlag G&J muß ja auch irgendwie das notwendige Geld einspielen, sonst is nix mit healthy living.
Daraus einen Städtetest über "Gesundes Leben" zu machen, den Schuh muß sich dann die WAZ anziehen.
Dass eine Dezenentin dann auch noch von Studie spricht ist doch die Krönung.
Die nördlichste Stadt, direkt am Meer (Kiel) landet auf 45, Berlin auf guten 72!
München natürlich ganz vorne, weil außer mir ja nur Millionarios hier wohnen, denen muß es ja gut gehen.
Was heißt Lebensqualität?
Wo wird das beste Pils gezapft? Ich wette, wir sind dann weiter vorne, auf jeden Fall nicht unter 80.
Und das ist doch auch was wert!
Bild
Gruß Männlein

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Als Imagepfleger, Trendsetter und Werbestratege würde ich genau dass aufgreifen und daraus eine Kampagne machen.. die Toilette Deutschlands, die hässlichste Stadt der Welt, die bösesten Menschen des Alls, hier überleben nur Aliens .. oder so.

Männlein hat recht, gelassen bleiben, die Studie ist Käse. Und Rostock.. gut dass ich da schon einmal war.. 30 Plätze besser.. :D was nen Quatsch.

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exbulmker
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Beitrag von exbulmker »

Männlein hat geschrieben: Daraus einen Städtetest über "Gesundes Leben" zu machen, den Schuh muß sich dann die WAZ anziehen.
Nicht nur die WAZ ist - notgedrungen - auf den Zug aufgesprungen. Gestern ging es schon durch die Radionachrichten: "Gelsenkirchen und Herne die ungesundesten Städte" (vor dem Verzehr fragen sie bitte ihren Arzt oder Apotheker!
Heute gab es in 1live dazu einen Sendeschwerpunkt.

Daß dieses Machwerk sein Geld nicht Wert ist liegt auf der Hand. Aber natürlich clever, die Zeitschrift, die ich bisher nicht kannte, wird wegen des Getöses in den schlecht plazierten Städten sicherlich einen Auflagenzuwachs verzeichnen können.

Basis für diese Untersuchung (?) sollen 3600 Daten gewesen sein, verteilt auf 81 Städte, d.h. 44 Daten pro Stadt; das halte ich nicht für eine statistisch seriös auswertbare Menge.

Daß z.B. Arbeitlosigkeit nicht gesundheitsförderlich ist und Arbeitslose häufiger krank sind, als arbeitende Menschen ist eine bekannte Tatsache.
Gelsenkirchen ist in der Vergangenheit immer eine Stadt der Malocher gewesen, es wurde vornehmlich körperlich und nicht immer unter idealen Bedingungen gewerkelt. Ein solches Arbeitsleben hinterläßt tiefere Spuren als bei jemandem der in einer Schreibtischstadt die Büroklammern sortiert.
Mein Vater ist übrigens 82 geworden und hat den Statistikern ein Schnippchen geschlagen.

Gefährlich ist natürlich die Interpretation der Daten: so führt die Bewertung des Gesundheitszustandes der Einwohner, der sozialen und wirtschaftlichen Lage und der med. Versorgung zu einer Plazierung, die Gelsenkirchen zu einer nicht lebenswerten Stadt macht. Das halte ich objektiv, subjetiv sowieso, für falsch.
Natürlich gibt es hier in sämtlichen Bereichen Verbesserungspotential. Und die Versäumnisse der Vergangenheit, nämlich den Struktuwandel nicht rechtzeitig erkannt und gegengesteuert zu haben, sind offenkundig und nicht in wenigen Jahren nachzuholen. Dazu fehlen zum einen die finanziellen Mittel, die seit den 90er Jahren in den Osten geflossen sind und zum anderen eine übergreifende kommunale Strukturpolitik, die wir als ältere Ruhrpöttler wohl kaum noch erleben werden.
Erstaunlich ist für mich das relativ gute Abschneiden der ostdeutschen Städte.
Da gibt es die eine oder andere, wo ich nicht tot überm Zaun hängen möchte.
Wir sind immer die Ersten! Während andere noch straucheln liegen wir schon im Dreck.

Männlein
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Beitrag von Männlein »

Leserkommentar zu dieser "Studie" auf der healthyliving-Seite von M. Lang:
tief im Westen, wo die Sonne verstaubt,
isses besser, viel besser als man glaubt.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Weltgesundheitsorganisation hat geschrieben:Die offizielle Definition von Gesundheit gemäß der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 lautet: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.
Vielleicht auch mal hier lesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheit

gast 25
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das nächste ranking

Beitrag von gast 25 »

.
Das nächste Ranking kommt bestimmt!


aus:

http://stadt.gelsenkirchen.de/Virtuelle ... efault.asp
OB Kolumne

Liebe Gelsenkirchenerinnen, liebe Gelsenkirchener,

sogenannte „Rankings“ sind vor allem in Zeitschriften, die sich mit Freizeit und Lebensgefühlen beschäftigen, groß in Mode gekommen. Hier werden Städte in Deutschland in eine Rangfolge gebracht, die oft nur schwer nachzuvollziehen ist. Ein Ergebnis scheint allerdings meist schon festzustehen: Gelsenkirchen muss am unteren Ende stehen.
Gerade ist wieder so ein Ranking erschienen, bei dem unter anderem ermittelt wurde, dass in Gelsenkirchen die Sonne zu wenig scheint. Kommentar dazu – überflüssig!

Aktuell erreichte die Stadt die Anfrage einer bekannten Autozeitschrift. Die dringende Frage für ein Ranking lautete: Wie viele Ampeln gibt es in Gelsenkirchen? Auf die Nachfrage, für welchen Zweck man diese Angabe braucht, kam die Antwort, dass man noch nicht genau wisse, in welchem Zusammenhang man die Zahl benötigt. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein!

Liebe Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener,

es gibt aber auch Tabellen, in denen unsere Stadt ganz oben steht, und die die Leistungsfähigkeit Gelsenkirchens unterstreichen. Leider finden diese Tabellen häufig wenig Beachtung. Erst jüngst lobte etwa der Bund der Steuerzahler die günstigen Müllgebühren. Die meisten Kommunen in NRW sind deutlich teurer. Auch bei den Abwassergebühren liegt Gelsenkirchen glänzend. Nur Herne und Münster sind noch etwas günstiger.

Solche Ergebnisse schonen jeden Monat den Geldbeutel der Gelsenkirchener. Und auch das ist ein Stück Lebensqualität.

Seit vielen Jahren ist Gelsenkirchen auch in einer anderen Tabelle ganz weit vorne. Das Bundesinnenministerium benennt in jedem Jahr die sichersten Städte. Gelsenkirchen liegt aktuell auf Rang 5 der deutschen Großstädte.

Auf eine andere Tabelle hat die Stadt Gelsenkirchen keinen Einfluss. Mein Wunsch ist es allerdings, dass Gelsenkirchen im kommenden Jahr diese Tabelle möglichst souverän anführt: die Fußball-Bundesliga. Ich drücke dem FC Schalke 04 die Daumen.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Frank Baranowski

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Verfügbare Einkommen in NRW:
http://www.lds.nrw.de/presse/pressemitt ... 125_07.pdf

Ganz ruhig bleiben, GE liegt auf Platz 374 und wir haben alle 15 536 Euro inne Patte. :D

Nester wie Bünde oder Herford haben 20 000 :D Haan 30 000 aber das sind entweder alles Schwarzarbeiter oder Weiße Kragen Dingens .. :wink:

pito
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Beitrag von pito »

Heinz hat geschrieben:... wir haben alle 15 536 Euro inne Patte. :D
Ach, dann muss ich mir ja keine Sorgen mehr machen. Wußte gar nicht mehr, dass ich 15 536 Euro habe. Einfach mal zwischen die Sofakissen greifen und schon ist man flüssig. :lol:

Spitzenreiter
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Mal wieder Spitze

Beitrag von Spitzenreiter »

Und wer führt die Tabelle der Säuglingssterblichkeit an?
Na?
Richtig!
Gelsenkirchen.
Wo liegt die Dritte Welt?
Richtig - südlich der Emscher. :lol:

Die WAZ sagt:
So gibt es die Broschüre "Sicherer Schlaf für mein Baby", mit der Eltern lernen, ihr Kind zu betten, auch in arabisch, englisch, französisch, polnisch, russisch, serbokroatisch und türkisch. Das Heft soll dem "plötzlichen Kindstod" vorbeugen und liegt zum Beispiel bei Ärzten aus.

axel O
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Beitrag von axel O »

Und wer führt die Tabelle der Säuglingssterblichkeit an?
Na?
Richtig!
Gelsenkirchen.
Wo liegt die Dritte Welt?
Richtig - südlich der Emscher.


Du solltest jetzt natürlich fairerweise sagen, WARUM das so ist 8)

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Gerade habe ich dazu auf WDR2 Alsons Wissmann, den Leiter des Jugendamtes gehört.
Er hat mit wohltemperierten Worten gesagt, dass Migration (kulturelle Unterschiede, Armut, mangelnde Bildung) und Armut (Allohol etc.) daran Schuld sind.

Natürlich verschwurmelt fein umschrieben. 8)

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Erstklassige Hilfe vonnöten

Gynäkologe: Säuglingssterblichkeit in Gelsenkirchen hat hauptsächlich soziale Gründe. Im vorigen Jahr starben hier 18 Kinder im ersten Lebensjahr, acht von ihnen schon in der ersten Woche

Der Status der Familie ist ein entscheidender Faktor für die Frühsterblichkeit - dieser Meinung ist Dr. Gerhard Mohnfeld, Chefarzt der Frauenklinik an den Ev. Kliniken an der Munckelstraße. Er macht "hauptsächlich soziale Gründe" für die hohe Säuglingssterblichkeit in Gelsenkirchen verantwortlich.

Ein weiterer entscheidender Faktor für den frühen Kindstod im ersten Lebensjahr sei der hohe Ausländeranteil in der Stadt. Werdende Mütter mit Migrantenhintergrund wissen oft nichts von den gesundheitlichen Vorsorgeangeboten oder ignorieren sie, vermutet Mohnfeld - eine Vermutung, der sich Gesundheits- und Sozialdezernentin Henriette Reker "uneingeschränkt" anschließt. Sprachprobleme und mangelnde Bildung bereiteten ebenfalls Probleme.

Längst nicht alle Schwangeren - das betrifft freilich nicht nur die Migrantinnen - gingen regelmäßig zum Arzt, weiß der Gynäkologe aus eigener Erfahrung. "So manche werdende Mutter hat nicht einen einzigen Eintrag im Mutterpass", sagt Mohnfeld. Oftmals seien die Frauen auch noch sehr schlecht ernährt. In diesen Fällen klingeln bei Mohnfeld und seinem Team alle Alarmglocken, wie er sich ausdrückt.

In Gelsenkirchen sind im vergangenen Jahr 2240 Kinder geboren worden, viele als so genannte Frühchen. Gründe waren in vielen Fällen Fehlverhalten der Mütter, die in der Schwangerschaft rauchten und/oder Alkohol tranken, wie Reker ausführte. 18 Kinder starben im ersten Lebensjahr, acht von ihnen schon in der ersten Lebenswoche.

Um gerade den Frühchen eine größtmögliche Lebenschance zu geben, fordert Henriette Reker für Gelsenkirchen die höchste Versorgungsstufe. "Wenn wir die nicht erreichen, sterben hier noch mehr Säuglinge" sagt sie. Und gerade vor diesem Hintergrund will die Dezernentin, dass die Fusionspläne der Gynäkologie an den Evangelischen Kliniken mit der und der Neonatologie (Frühgeburtenstation) bei Bergmannsheil und Kinderklinik gGmbH (BKB) schnellstmöglich umgesetzt werden. Sie hofft, dass die Zusammenlegung zum 1. Januar 2008 klappt. Noch laufe allerdings das Anhörungsverfahren.

Derweil hat sich die Stadt entschieden, eine zweite Familienhebamme einzusetzen. Die soll sich nach Rekers Vorstellungen vornehmlich um die rund 250 Risikofamilien kümmern. Hier will man insbesondere durch frühzeitige Erkennung von belastenden Momenten in der Familie oder in der Lebenspartnerschaft während der Schwangerschaft oder nach der Geburt bedarfsgerechte Hilfen anbieten. Auch das gehört zum Bestandteil des städtischen Aktionsprogramms "GEsunden Start ins Leben".

01.10.2007 Von Doris Justen-Ehmann

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