Heiko Richter

Maler, Bildhauer, Fluxus ...

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Heiko Richter

Beitrag von Verwaltung »

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aus: Spiegelungen - Bildende Kunst in und aus Gelsenkirchen
von Hans-Rudolf Thiel, Sparkasse Gelsenkirchen 1993
kwitsche hat geschrieben:Die Kneipe "Landsknecht" "Landse" oder "Lanze" in Buer hieß später "Sawitzki" betrieben von Heiko Richter. Die wurde nach einem Brand von Heiko geschlossen,er kaufte sich dann ein Grundstück in der Normandie mit "Calvados" Bäumchen und zwei Gebäuden,die er restaurierte. Da lebt er noch heute und malt weiter.Er kocht dort für alte Gelsenkirchener Freunde u.a., die dort in "alten Gemäuern" übernachten.
Heiko, ein ganz lieber Mensch. :)

Leser
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Heiko Richter starn 64jährig

Beitrag von Leser »

Heiko Richter starb 64jährig in der Normandie

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Beitrag von Verwaltung »

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pito
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Beitrag von pito »

HJL hat geschrieben:... die quirlig-muntere Mantelfabrik ...
Oje, oje. :skeptisch:
Die quirlig-munteren "heiteren Kunstwichtel" aus der Mantelfabrik. War das der Grund für die Auflösung? :lachtot:

Gast
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Beitrag von Gast »

Bin ja nicht so gut in Mathe:

"Richter starb mit 64 Jahren..." UND "Richter wurde 1963 in BS geboren"...

Ich bin 1965 geboren, heißt es, dass ich jetzt 62 Jahre alt bin?

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rabe489
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Beitrag von rabe489 »

Ich trauere um meinen Kollegen Heiko Richter.
Jürgen Kramer

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rabe489
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Die Einladung 1991

Beitrag von rabe489 »

zur gemeinsamen Ausstellung im Hans-Sachs-Haus:

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tulpenherz
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Trauer um Heiko

Beitrag von tulpenherz »

Wir trauern um Heiko Richter.
Er hat sich (fast) nie dem allgemeinen und bequemen Mainstream angepaßt.
Wenn ich das so schreibe, höre ich ihn direkt, wie er mich verhöhnt:
Was heißt denn hier Mainstream!
Heiko ist selbst unbequeme, aber unausgetretene Wege gegangen.
Er selbst war auch als Mensch nicht "bequem", aber er war offen, wenn man/frau ihm auf die Füße getreten hat.
Er wollte nie, daß man "Bohei" um seine Person macht.
Wenn er nun aus anderen Welten mitbekommt, welch Zinnober jetzt plötzlich von Leuten um ihn gemacht wird, die sich ansonsten einen Dreck um ihn gekümmert haben, wird er wahrscheinlich nur den Kopf schütteln und abwinken.
Ich finde es gut, daß es bald eine Retrospektive gibt.
Aber es geht um Heiko, um das Andenken an ihn, wie er hier herumgesprungen ist: Aufmüpfig, unangepaßt, querulant.
Es geht nicht um die, die sich überall unbedingt in die erste Reihe stellen müssen!
Möge er seinen Witz, seinen Humor, seine Lebensfreude (die ihn wohl zuletzt verlassen hat) im Jenseits wiederfinden.
Heiko, wir kommen auch noch!

Schacht 9
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Mantelfabrik

Beitrag von Schacht 9 »

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Die"Mantelfabrik" war eine "familiäre" Wohn- und Arbeitsgruppe in Buer.
Trat mit künstlerischen Aktionen und Ausstellungen, meist mit politischem Gehalt, an die Öffentlichkeit.
Aus Stadtansichten Gelsenkirchen. Foto, Antje Rellinghaus.

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Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:Suche nach Gleichgewicht
Erinnerungsschau in der „Werkstatt" für den kürzlich verstorbenen Maler und Zeichner Heiko Richter (t), einer der Gründer der Mantelfabrik

Heiko Richter, der im Januar 64-jährig in der Normandie starb, war ein ungewöhnlicher Künstler (und Architekt). Er entzog sich Gruppen und gründete doch zusammen mit Paul Sawitzki, seinem ähnlich gearteten Kumpel, die „Mantelfabrik" (1975 bis '82) in Buer - Mischung aus Labor, Denkstelle, Sozial-, Diskussionsort, Kunststation. Ohne feste Regeln, ohne klar umris-senes Konzept. Man lebte Kultur. An Richter erinnert in einer schön zusammen gestellten Bilder- und Objektschau die Werkstatt in Buer. Der „richtige" Platz für eine Hommage an den sich Kategorien entziehenden Kunstmacher.
Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 18. April, 19.30 Uhr (Hagenstraße 34). Freunde und Sammler gaben nach Aufruf die Arbeiten bei Monika Simon und Many Szejstecki ab. Richter war oft zu Gast in der Werkstatt.
Der gebürtige Braunschweiger machte eine Maurerlehre, studierte später Architektur. Ab 1968 arbeitete er in einschlägigen Büros in Gelsenkirchen. Als Maler trat er 1970 erstmals an die Öffentlichkeit. Aber Richter (mit Rainer Kleinschmidt teilte er sich einige Jahre ein Atelier) war an einer Dauerpräsenz wenig interessiert. Als Kneipenwirt versuchte er ein weiteres Feld zu erobern. Vor gut zehn Jahren ging er nach Frankreich.
Die Figur in der Balance zwischen Raum und Körper, das Wechselspiel von Bewegung und Statik, der Mensch in seiner „pendelnden" Abhängigkeit von Natur, sozialem Kontakt und Ich-Suche -das waren Richters überwiegend gegenständliche Motive. Rauchige, dunkle, neblige Farbigkeit mit der hingetupften Figur, meist als Nebenrolle an den Rand gedrängt: ein oft variiertes Thema. Zwei Objekte zeigen ihn als poesievoll mit Fundstücken umgehenden Künstler. Auch hier sucht er nach der Verteilung der Kräfte - der Mensch als Spielball.
Das letzte Mappenwerk, in der Normandie entstanden, bestätigt Richters Rang als souverän mit Farben arbeitender Maler: der Mensch im Raum. Rätselhaft, raunend, anekdotisch, surreal und magisch - die Malwelt des „HR". (Bis zum 23. Mai) HJL
WAZ hat geschrieben:Ein belebendes Element

Er war ein „belebendes Element für die Kunstszene" -unter dieser Vorgabe wird in der „Werkstatt" an Heiko Richter erinnert. Die Resonanz auf den Aufruf, Werke des Künstlers leihweise zur Verfügung zu stellen, sei erstaunlich groß gewesen - über 25 Sammler und Freunde meldeten sich. Nicht alles konnte jetzt gezeigt werden. Die Ausstellung, die bis 1971 zurückreicht, ist zu sehen: di bis do 16 bis 18 Uhr, mi bis fr 9.30 bis 12.30 Uhr, sa 11 bis 13.30 Uhr. Information über W 328 44.

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tulpenherz
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Beitrag von tulpenherz »

Erinnerungen an Heiko Richter

Es gibt viele Gelsenkirchener Geschichten, die ohne Heiko so nicht stattgefunden hätten.

Am Freitag wurde die Ausstellung zur Erinnerung an ihn in der Werkstatt eröffnet. Es waren so viele Menschen gekommen, dass sie zum Teil draußen auf dem Bürgersteig standen. Manche auch, weil sie so rücksichtsvoll waren und draußen rauchten. Ich habe viele Menschen wieder gesehen, die jahrelang aus meinem Blickfeld verschwunden waren. Natürlich auch deshalb, weil wir uns einig darin waren, dass keiner mehr so richtig weiß, in welcher Kneipe in Buer man/frau sich eigentlich noch treffen soll.

Jan-Hermann Huda hielt als Freund von Heiko eine sehr persönlich gehaltene Rede, mit der sich der Großteil der Anwesenden identifizieren konnte. Unser ehemaliger Kulturdezernent Rose bat um eine schriftliche Form. Ich hoffe, ich kann sie in Auszügen wiedergeben.

Es muß um 1978 gewesen sein. Vor den Sommerferien hatten Heiko und Paul Sawitzki Freunde und Bekannte dazu aufgerufen, während ihres Urlaubs Erinnerungen aller Art zu sammeln, damit sie im Herbst in der Mantelfabrik ausgestellt werden könnten. Heiko hatte den Ansatz, ähnlich wie sein Vorbild Joseph Beuys, zu propagieren, dass „jeder Mensch ein Künstler“ sei. Nach den Ferien kamen Gemaltes, Fotografiertes und Gesammeltes zusammen und Heiko und seine Kollegen stellten alles in der Mantelfabrik aus.


Am Vormittag der Eröffnung meinte Heiko, es fehle noch der passende Bodenbelag und er fuhr kurzerhand in den Wald, klaubte ein paar Müllsäcke voll Laub und kippte dieses auf den Fußboden. Perfekt! Die Kunstparty konnte beginnen. Wie es der Zufall wollte, hatte sich der Vemieter des Wohn- und Kunstobjektes an diesem Tag aus Bonn nach Buer begeben, um einmal zu schauen, was man aus seinem vermieteten Raum gemacht hatte. Ungläubig starrte er auf das Laub am Boden. Heiko erklärte ihm, dass dieses die bequemste und preiswerteste Fußbodenlösung gewesen sei, er habe lediglich 40 Pfennige pro Quadratmeter bezahlen müssen. Auf dem Weg über den Hof fragte er mich, ob ich die Mieter kenne und ob die vielleicht Drogen nehmen würden. Ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen und beteuerte dem Vermieter, dass das nicht der Fall sei.

Nachdem die Mantelfabrik den Modernisierungsbestrebungen Gelsenkirchens zum Opfer gefallen war, zog es Heiko in die Lindenstraße. Dort hatte seine Frau Doris zunächst einen Second-Hand-Laden betrieben, den sie nach einiger Zeit aufgab. Auch dort verwandelte Heiko die ganze Wohnung in kürzester Zeit zu einem einzigen Kunstwerk, malte, stellte aus und feierte Kunst-Partys.

Fertiges machte ihn unruhig, reizte ihn nicht, langweilte ihn, also begab er sich in die alte Zigarrenfabrik hinter dem Deutschen Haus. Oben wohnte er, unten arbeitete er, teilweise zusammen mit Rainer Kleinschmidt. Typisch für Heiko: er verlegte das Badezimmer mitten in die Küche, zimmerte ein Fenster vor die Badewanne, bloß nicht konventionell werden.

Dort in der Zigarrenfabrik entdeckte J. ein Bild, wollte es Heiko abkaufen. Ein blau-graues Bild, am unteren linken Ende ein kaum wahrnehmbares Paar, das sich über eine Kluft hinweg versucht, die Hände zu reichen.
Ja, mal sehen, brummelte Heiko, wich aus, zögerte, sagte nicht richtig Ja, nicht richtig Nein. J. ließ nicht locker, fragte immer wieder nach. Nach ungefähr einem Jahr meinte Heiko, jetzt könne er das Bild haben. Freudig eilte J. zum Atelier, aber wo war das Bild geblieben? Es war rosa geworden, hatte einen völlig anderen Charakter!
Ist doch egal! antwortete Heiko. Ich habe es ein bisschen verändert!
Aber J. hätte gerne das Bild, in das er sich einst verguckt hatte.
Na, ist doch kein Thema, dann male ich es wieder so, wie es einmal war, sprach Heiko und tat es. Es war trotzdem ein anderes Bild, aber J. nahm es, bevor Heiko es sich wieder anders überlegen konnte. Jetzt hängt dieses Bild in Berlin in einer wunderschönen Altbauwohnung, wo sich die Bewohnerin täglich an ihm erfreut.
Bild
So kannten viele „ihren“ Heiko. Auf der einen Seite tat er sich schwer, seine Werke herzugeben, auf der anderen Seite freute es ihn, wenn seine Bilder geschätzt wurden.
Einmal, er weilte schon öfter in der Normandie, waren wir bei ihm zu Besuch. Heiko hatte den ganzen Morgen eine mordsmäßig schlechte Laune, war kaum ansprechbar, brummelte nur unverständliches Zeug, alle behandelten ihn wie ein rohes Ei und flüsterten, wenn er in ihre Nähe kam. So gegen Mittag dachte ich mir, das geht so nicht weiter und fragte ihn, warum er um Himmels willen denn so dermaßen knatschig sei.
Heute würde „das“ Bild abgeholt, das er gegen eine neue Heizungsanlage eingetauscht habe. Die Heizung lief bereits seit einigen Monaten, aber der Installateur hatte bislang noch keinen Platz für das Bild gefunden. Und das hatte sich nun geändert, also kam er, um es zu holen.

In der Zwischenzeit betrieb Heiko zusammen mit seiner Lebensgefährtin und noch zwei weiteren Menschen das Sawitzki. Sie organisierten tolle Veranstaltungen, Jazz-Abende, Ausstellungen. Und vor allem, wenn man/frau kam und hatte Hunger, Heiko zauberte immer noch etwas zum Essen herbei, und wenn es nur Bratkartoffeln mit Spiegelei waren.

Dann kam die Zeit, wo auch die Zigarrenfabrik dem Neubauwahn weichen musste und somit vertrieb die Stadt Gelsenkirchen einen ihrer rührigsten, aber auch unbequemsten Künstler. Heiko fand eine neue Stätte, wo er wirken und wachsen konnte. In der Normandie erwarb er einen heruntergekommenen Bauernhof, bestehend aus Wohnhaus, Hühner- und Schweinestall. Von da an pendelte er, wann immer er konnte, zwischen der Normandie und Gelsenkirchen hin und her.
In Villedeux les Poulles entdeckte er am Bahnhof einen Haufen rostiger Bleche, die dort herrenlos herumlagen. Auf seine Frage an den Bahnhofsvorsteher, was mit den Blechen geschehen solle, sagte der nur: „Nehmen Sie sie mit!“
Das tat Heiko und wieder begann ein neuer Abschnitt seines künstlerischen Schaffens. Er bewahrte die rostige Struktur der Bleche und arbeitete neue Formen aus dem Vorhandenen heraus. Die Bleche waren in Frankreich der Renner. 1998 bekam Heiko einen Preis für den innovativsten Künstler des Jahres. Natürlich ehrte ihn das! Noch zuletzt spürten ihn Kunstsammler in seiner selbst gewählten Einöde auf, um ihm so ein Blechbild abzuluchsen. Zum Glück habe ich eines der ersten festgehalten, denn keines der Blechbilder ist noch in seinem Besitz.


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kwitsche
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Beitrag von kwitsche »

Heute Nacht habe ich dich gesehen. :)
Machs gut,Heiko

kwitsche
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Beitrag von kwitsche »

Mensch Heiko,heute Nacht eine Träne für dich.

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Bionda
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Beitrag von Bionda »

Ich kannte den Heiko Richter flüchtig. Ich hatte nichts mit ihm zu tun, aber ich war manchmal mit seiner Clique unterwegs. Das ist jetzt ziemlich genau 21 Jahre her.

Ich konnte mit ihm nie in Kontakt kommen. Er war absolut nicht daran interessiert, mit mir auch nur ein Wort zu wechseln. Er hat nie mit mir gesprochen.

Einmal waren wir alle in der Disco Hugo 1. Die anderen waren alle auf der Tanzfläche oder sind da sonstwo rumgelaufen. Der Heiko und ich waren alleine an unserem Platz, und er hat mich absolut ignoriert. Das fand ich ein bißchen unangenehm.

Einmal bin ich auch auf seiner Bude gewesen mit der Badewanne in einem Raum, ob es die Küche war, weiß ich nicht mehr, und ich meine, es war da so ein einfacher Holzverschlag drum herum. Er war an dem Tag schlecht zurecht und lag im Bett. Er hatte, glaub ich, einen Gichtanfall.

Da habe ich ein Bild gesehen, das hätte ich gerne gehabt. Das hat mir sehr gefallen. Das hing an einer Zimmertür und war so groß wie die ganze Tür. Es war ein Mann mit einer roten Clownsnase. Ich habe noch manchmal an dieses Bild gedacht, und dass ich auch gerne so eins an der Zimmertür hätte.

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tulpenherz
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Beitrag von tulpenherz »

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Hier also liegen die sterblichen Überreste unseres geliebten "Gelsenkirchener" Künstlers Heiko Richter. Er ruht (sofern er nicht umtriebig ist und mit herunterfliegenden Wandschränken auf sich aufmerksam macht) dort oben auf einem Hügel, direkt an der Kreuzung von Gavray nach Montaigu Les Bois, ein paar Meter vor dem Ort, wo er vor einigen Jahren geheiratet hat. Aber ich bin mir sicher, daß es ihm gut geht, daß er sich amüsiert über einige Eifersüchteleien der Hinterbliebenen und daß er an Weisheit gewinnt....

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