HSH: Und wie geht es nun weiter?

Alte und neue Geschichten rund ums HSH. Die öffentliche und veröffentlichte Meinung zum Erhalt des HSH wird hier dokumentiert.

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Heinz
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HSH: Und wie geht es nun weiter?

Beitrag von Heinz »

Gibt es da nun schon etwas neues vom Flurfunk, wie der Stand der Dinge ist? :roll:

Wenn ich es recht falsch verstanden habe, sollen die Vorschläge der Expertenrunde, diese .. kleine Bürgerbeteiligung, nun doch entgegen der Zusagen nicht berücksichtigt werden. 8)

Na schaun mer mal...

Wisst ihr noch, dass die Stadt einen rechtsgültigen Vertrag abgeschlossen hat, der sie verpflichtet bis zum Jahre 1994 das Rampenprovisorium der Stadtbahn in Höhe des Bildungszentrums zu beseitigen? :perlweiss:

Heisst im Klartext, die Linie 302 und 317 dürfen seit 1994 nicht mehr fahren. :cooler:

Der Vertragspartner der Stadt müsste nur auf Einhaltung des Vertrages pochen. :wink:

Da kommt die Stadt nicht raus. :banned:

Tja, kann teuer werden, wenn da der Bürger mal wieder eingelullt werden soll mit dem Hans Sachs Haus..

Ist aber auch eine große Chance, endlich diese schreckliche Situation zwischen Theater und Hans Sachs Haus ein für alle mal ästhetisch zu lösen. :party:

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stulle
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Re: Und wie geht es nun weiter?

Beitrag von stulle »

Tach zusammen,
bin neu hier im Forum, und möcht zuersteinmal jenes loben. :D Klasse Sache :gott:

Um zum Thema was beizutragen:
Heinz hat geschrieben:...Heisst im Klartext, die Linie 302 und 317 dürfen seit 1994 nicht mehr fahren. :cooler:

Der Vertragspartner der Stadt müsste nur auf Einhaltung des Vertrages pochen. :wink:

Da kommt die Stadt nicht raus. :banned:

Tja, kann teuer werden, wenn da der Bürger mal wieder eingelullt werden soll mit dem Hans Sachs Haus..

Ist aber auch eine große Chance, endlich diese schreckliche Situation zwischen Theater und Hans Sachs Haus ein für alle mal ästhetisch zu lösen. :party:
Soweit ich weiß hat man am besagten Punkt ja Vorleistungen, um die Tram Richtung Essen Unterirdisch weiterzuführen. Ebenso war oder ist (das weiß ich jetzt nicht genau) ne Bahn Richtung Horst geplant (gewesen). Angenommen die entfernen irgendwann (im Jahr 2089 :rofl3:) die Rampenlösung, was passiert dann mit der 302? Endet die dann am Kennedyplatz?! Korrigiert mich wenn ich falsch liege.

Aber die finanzielle Lage der Stadt und die Hans-Sachs-Haus "Affäre" machen solch ein Vorhaben sowieso Utopisch...

mfG

Heinz
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Re: Und wie geht es nun weiter?

Beitrag von Heinz »

stulle hat geschrieben:Angenommen die entfernen irgendwann (im Jahr 2089 :rofl3:) die Rampenlösung, was passiert dann mit der 302? Endet die dann am Kennedyplatz?! Korrigiert mich wenn ich falsch liege.
Hallo Stulle,

die Stadt ist da so wie der Belag auf der Stulle mitten zwischendrin eingeklemmt. 8)

Wenn sie den Vertrag einhalten wollten, müssten sie ordentlich in die Hände spucken und was tun.
Aber, wie du schon sagst, kein Geld und und das Konzept "Stadtbahn Unterirdisch" ist wohl auch begraben.

Wenn der Vertragspartner, der zur Zeit seinen Vertrag eingerahmt über dem Sofa hängen hat, auf Erfüllung pocht, ist am Bildungszentrum Schluß mit Bähnchen fahren.
stulle hat geschrieben:Aber die finanzielle Lage der Stadt und die Hans-Sachs-Haus "Affäre" machen solch ein Vorhaben sowieso Utopisch...
Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Bürger bei weiterem Hans Sachs Haus Murks den Vertrag aus dem Bilderrahmen puhlt und sagt: Da! Erfüllen! 8)

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stulle
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Re: Und wie geht es nun weiter?

Beitrag von stulle »

Heinz hat geschrieben:Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Bürger bei weiterem Hans Sachs Haus Murks den Vertrag aus dem Bilderrahmen puhlt und sagt: Da! Erfüllen! 8)
Dann sollte er warten, bis das Kapitel Hans-Sachs-Haus abgearbeitet ist. Dann kann der nächste Blutsauger kommen... :bat:

mfG

Heinz
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Re: Und wie geht es nun weiter?

Beitrag von Heinz »

stulle hat geschrieben: Dann sollte er warten, bis das Kapitel Hans-Sachs-Haus abgearbeitet ist. Dann kann der nächste Blutsauger kommen... :bat:
mfG
Ich glaub der wedelt mit dem Vertrag, wenn die nun den Erhalt des Hans Sachs Hauses vergeigen.

Dann bekommen wir eine komplett umgekrempelte Innenstadt. :wink:
Das meiste war ja eh nur zum Üben! 8)

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stulle
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Beitrag von stulle »

Meiner Meinung nach wäre die jetztige Situation mit am besten die Ausfädelung der beiden Bahnen an zwei verschiedenen Orten zu verwirklichen. Da am Hans-Sachs-Haus eh bald das große bauen beginnt, könnte man dies gleich mit erledigen. Was vom HSH an Fasade übrig bleibt, wird (auch wenn noch nicht entschieden) nicht viel sein. Und bei der großen Baustelle, kann man gleich alles in einem Rutsch erledigen. Anmerkung: Die kosten wurden jetzt nicht mitberücksichtigt. :lol:

Aber es wird wieder so kommen, das sie abwarten, und wenn es dann wirklich soweit kommt, und der Vertragspartner sich zu Wort meldet, wirds doppelt so teuer...

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pito
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Beitrag von pito »

Ich weiß, dass beim HSH-Workshop, eine Gruppe schon mal andenkensweise ein Konzept für die Achse zwischen MIR und HSH entwickelt hat. Und auch aus Zeiten des Theater-Baus gibt es ja bekanntermaßen Pläne von Yves Klein und Werner Ruhnau für einen Feuer-Wasser-Luft-Platz. Aber solange da die Bahn hochkommt und vor allem solange da die Flora-Straße langbraust wäre jede Umgestaltung nur kosmetisch. Aber wir erleben das eh nicht mehr. :roll:

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stulle
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Beitrag von stulle »

Wüste aber auch nicht, wo man die Flora Straße hin umleiten sollte. Schließlich nutzen unzählige Autos am Tag, diesen Abschnitt am Mir, um Richtung Buer abzubiegen...

Jedoch ist die Idee zu einem Auto- und Bahn freien Platz zwischen MIR und HSH nicht zu verachten.

mfG

pito
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Beitrag von pito »

stulle hat geschrieben:Wüste aber auch nicht, wo man die Flora Straße hin umleiten sollte.
In den 50ern war ein Tunnel an der Stelle geplant. Von Kurt-Schumacher-Straße bis zur großen Kreuzung. Aber das ist natürlich kein kleines Projekt. Das Geld dafür müsste vom Himmel fallen ...

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stulle
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Beitrag von stulle »

pito hat geschrieben:In den 50ern war ein Tunnel an der Stelle geplant. Von Kurt-Schumacher-Straße bis zur großen Kreuzung. Aber das ist natürlich kein kleines Projekt. Das Geld dafür müsste vom Himmel fallen ...
Ein Tunnel würd sich sicher gut machen. Im Gegensatz zu damals würde man das heute aber als Größenwahn bezeichnen (vielleicht zurecht :/ ). Sinkende Einwohnerzahlen rechtfertigen solche Baumaßnahmen leider nicht. Wäre zudem ein finanzieller Kraftakt.

Aber was bedeuten schon Planungen, wenn ich da an die großen Stadtbahn Pläne oder die A41 denke... Es muß zwar nicht alles gut sein was geplant war/ist, aber einiges wäre schon brauchbar gewesen.

mfG

Heinz
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Etwas anonymes vom November 2006

Beitrag von Heinz »

Habe gerade hier ein Schreiben vom November 2006 gefunden, der Verfasser möchte anonym bleiben:

Hans-Sachs-Haus,
immer wieder Hans-Sachs-Haus!

I.
Dieses ungeliebte Haus muss doch loszuwerden sein, 40 Jahre ungeliebt, fehlt ihm schon seit langem die notwendige Zuwendung des „treu sorgenden Hausvaters“.
Kaum einer in jüngerer Zeit hat je begriffen, von welch großer bauhistorischer Bedeutung dieses Haus ist. Immer wieder wurde geflickt, lieblos verändert, technisch fortgeschrieben. Die eigentliche
Instandsetzung, der eigentlich große Wurf, unterblieb. Dies war eben die ständige Handschrift der Mehrheitspartei.
Diese Linie wurde auch durchgehalten, als bei der vorletzten Kommunalwahl die Stadtspitze wechselte.
Jetzt allerdings musste das ganze Abräumverfahren geändert werden. Wie hätten Sie es nun gemacht?
Ich hätte das Objekt kaputt geredet, kaputt gerechnet. Ich hätte mir Experten geholt, die in dieser Hinsicht auf meiner Seite stünden. Die hätte ich untersuchen lassen, wie marode das Gebäude in Wirklichkeit ist. Die würden schon Schäden über Schäden finden – eben so, wie das halb gefüllte Wasserglas, das bei dem Einen halbvoll, beim Anderen halbleer ist.
Statische Gefüge würde ich diese Fachleute anzweifeln lassen, und, da ja dem Ganzen, so wie es jetzt da stand, auf keinen Fall zu trauen wäre, hätten meine Fachleute dieser „unsicheren“ Tragkonstruktion schon keine Standfestigkeit mehr beigemessen – die hätten Betonfestigkeit Betonfestigkeit sein lassen. Die hätten um diese Teile herum schon etwas Sicheres konzipiert, das berechenbar war, das den neuesten statischen Vorschriften entsprach. Topp- aktuell, versteht sich, und das ist ja immer in.
So gesehen würde man schon die Ergebnisse finden, die dem Untergang dieses Gebäudes nachhelfen würden.
Das ganze müsste natürlich diskret verlaufen und unangreifbar sein für die, die den Erhalt des Gebäudes anstrebten. Zur Desorientierung müsste man die Berechnungen einigermaßen verwirrend konzipieren, so dass nur dem der Durchblick möglich wäre, der die Tabellen erstellt hätte.
Das sicherste Verfahren wäre jedoch allemal, die Kosten empor schnellen zu lassen Wie man Kosten von 85 Mio. €innerhalb von 5 Monaten um 70 % wachsen lässt? Da fände sich schon ein Experte. All das müsste natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit geschehen, denn es wären ja Beratungs- und Abstimmungsergebnisse nötig – und die wären nun am leichtesten in nicht öffentlichen Sitzungen zu erlangen, über die ja immer noch Schweigepflicht besteht. So wäre auch zu verhindern, dass Zusatzfachleute heran gezogen würden – die die eigenen Absichten wirklich nur stören würden.
Denn mit ganz rechten Dingen würde es dabei wahrscheinlich doch nicht zugehen. Wäre ja auch kein Leichtes, Baukosten von rund 85 Mio. um rund 70 % auf 145 Mio. empor schnellen zu lassen.
Sicherlich, auch dafür müsste man rechnen, viel rechnen sogar, aber wen ginge es etwas an, wie und was da gerechnet würde. Wenn die Akteneinsicht fordern sollten – denen würde ich schon was
zu lesen geben, jede Menge unnützes Zeug. – Wie unnütz das ist, das würden die – wenigstens am Anfang – erst gar nicht merken.
Stände dann diese Zahl erst einmal, würde ich daran nicht mehr rütteln lassen. Überprüfen? Gegen rechnen? Das ist doch überflüssiges Zeug, denn das haben doch Fachleute errechnet! Und danach
rüttelt sich nichts mehr!
Eine solche Zahl würde dann schon eine Menge leisten. Mit ihr wären die meisten Ziele zu erreichen – z. B. das Benehmen mit der oberen Denkmalsbehörde. Mit dieser Zahl bekäme ich auch meine
Ratsbeschlüsse hin – wehe, es fragte einmal jemand nach dem Zustandekommen einer solchen Zahl – dem würde ich geben. Wie die Büchse der Pandora hielte ich dieses Dosier verschlossen, -
anhaltend, Langzeit- verschlossen…..
II.
Wenn ein Fest angesagt war, herrschte in der Familie schon tagelang Aufregung. Ein Fest, wie man es ein- oder zweimal im Jahr feierte, zusammen mit befreundeten Ehepaaren am reservierten Tisch, oder Jugendfreunde zusammen mit ihren Mädchen. Mancher stellte an einem solchen Abend die neue Freundin dem Freund vor, - oder der Sohn die Angebetete den Eltern, - natürlich auch umgekehrt – die Tochter stellte den Eltern den Freund vor, der es einmal sein sollte, für immer
vielleicht.
So etwas geschah oft an einem solchen Fest im Hans Sachs- Haus. Die Frauen überlegten wochenlang, was sie an diesem Abend tragen sollten. Ihre Phantasie entwickelte für solche Anlässe Ehrgeiz.
Gatte oder Freund halfen dabei mit, dass die Herzensdame sich zu diesem Anlass von ihrer schönsten Seite zeigen konnte.
Jeder hatte sein schönstes Lächeln mitgebracht, so fingen Feste im Hans Sachs- Haussaal an, auf die man sich lange vorher freute, die bis in die Morgenstunden gingen, an die man lange zurückdachte.
Schlussbälle der Tanzschulen, Schulfeste, Freisprechungen der Kreishandwerkerschaft, Sängerfeste des RWE- Chores . Es war die feinste Adresse in Gelsenkirchen für eine große Festveranstaltung
mit Niveau.
Als das Hans Sachs Haus fertig gestellt war, machte sich Gelsenkirchen auf, Kongressstadt zu werden.
Man warb mit einem postalischen Werbestempel – und hatte auch Erfolg:
So fand im Mai des Jahres 1930 in diesem Hause der einzige Reichskongress der kath. Arbeitnehmerschaft
in der Geschichte Deutschlands statt. Dies geschah, nachdem der Westdeutsche, der Süddeutsche und der Ostdeutsche Verband sich in Koblenz 1927 zu einem Reichsverband vereinigt hatten. Der Tagungszyklus dieses Reichsverbandes war dreijährig und 1933 konnte dieser Reichsverband wegen der NS- Machtergreifung am 30. Jan. 1933 nicht mehr tagen. Immerhin vertrat der Verband eine Mitgliedschaft von rund 350.000 Personen. Die späteren Märtyrer dieser Bewegung,
Dr. Otto Müller, Josef Joos, Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß waren verantwortliche Teilnehmer dieses Kongresses.
Zwanzig Jahre später, in Erinnerung an das Ereignis von 1930, fand der erste Verbandstag nach dem Kriege wiederum im Hans Sachs- Haus statt. Dies war ein Ereignis von bundesweiter Bedeutung, an dem Persönlichkeiten wie Kardinal Frings, Konrad Adenauer, der Vorsitzende des Bundes kath. Unternehmer Direktor Greiß und ebenfalls der Vorsitzende des DGB, Dr. h. c. Böckler teilnahmen.
Zahllose Großveranstaltungen hat dieser Saal erlebt. Jahrelang hat er die Städt. Bühnen beherbergt, bis das Musiktheater fertig gestellt war. Die Symphoniekonzerte des Städtischen Orchesters fanden hier statt. Pianisten wie Elly Ney oder Bruno Geller zeigten dort ihr Können. Die Chorkonzerte des Städt. Musikvereins unter Eugen Klein waren hier. Auch wurde der Saal die Herberge der Casino - Konzerte.
Für die jüngere Generation fanden dort Beatkonzerte statt, zum Beispiel der German Blue Flames unter Hans Lissek. Diese Liste kann endlos fortgeführt werden. Dazu kommen obendrein noch die Orgelkonzerte, die bundesweiten Ruf hatten. Regelmäßig fanden dort Orgel- Wettbewerbe statt, die über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus Bedeutung hatten.
Dieser Saal war die Seele des Gebäudes, ein kultureller Mittelpunkt der Stadt, ein Raum, der sich in Gelsenkirchen nirgendwo wiederholte, - der mit seiner Akustik einmalig war. Während in Nachbarstädten wie Essen und Dortmund Konzertsäle entstehen – der Saalbau in Essen zeigt, wie schön solche Einrichtungen werden können, - wird hier ein Kulturort erster Güte – passend zum Europäischen Kulturjahr 2010 in unserer Stadt abgebrochen. Dies hat nichts mit Nostalgie zu tun – wie ein Repräsentant der Mehrheitspartei einmal sagte, sondern wir meinen, dass die kulturelle Mitte unserer Stadt unseren Bürgern unbedingt erhalten bleiben muss.
Der Verlust dieses Saales wäre ein Stück Ausverkauf Gelsenkirchens. Übrigens, dann müsste dieses Gebäude auch einen anderen Namen erhalten, denn Hans Sachs sänge dort nicht mehr – wenn die
Kunst dort ihren Stammplatz verlöre!
III.
Es gibt ja Gelsenkirchener Ratsherren, die für ihre Schnellschüsse bekannt sind. Es soll ja der „unwirtschaftliche“ Hans- Sachs- Haus- Saal endlich verschwinden, bloß wohin dann mit dieser „lästigen“ Orgel? Aber da wird doch bald eine Kirche frei, in Ückendorf, Hl. Kreuz. Da passt diese Orgel
doch allemal hinein, groß genug ist doch dieser Raum.
An anderer Stelle wurde bereits dargelegt, dass dieses Instrument keinen Prospekt, keine Schauseite hat. Die Orgel wirkt also wie eine Musikmaschine. Jede Orgel ist für den Raum ausgelegt, für den sie gebaut wurde. Es spielt die Raumgröße eine Rolle, die Wandoberflächen mit ihrem Reflektionsgrad, der Fußboden (im HSH Parkett – in der Kirche Steinboden). Hier müssten also akustische Maßnahmen ergriffen werden.
Allerdings fehlt der Kirche jede Infrastruktur, die ein Konzertsaal benötigt, angefangen mit einer Heizung für eine Temperatur, die notwendig ist für festlich gekleidete Konzertbesucher – in einer Kirche sitzt man bei Wintertemperaturen im Mantel.
Es fehlen Toilettenanlagen für die Besucher.
Es fehlt jede Form von Saal- Bewirtschaftung.
Es fehlen Garderoben.
Es fehlt ein Foyer.
Es fehlen sämtliche Parkplätze.
Im Übrigen, auch Betriebskosten sind zu berücksichtigen: Der Raum muss über den Winter auf eine bestimmte Grundtemperatur gehalten werden, die für die Veranstaltungen erhöht wird. Man kann den Raum nicht auskühlen lassen und dann wieder aufheizen, z. B. für ein Konzert. Darunter leidet das Instrument und vor allem, dadurch treten Verstimmungen auf. Mit dem Nachstimmen
des Instruments einmal im Jahr käme man da nicht aus.
Übrigens – wer ein Gebäude nutzt, hat auch für die Instandhaltung aufzukommen. Oder glaubt
vielleicht jemand, die (Not leidende) Kirche würde die Instandhaltung dieser Kirche finanzieren –
nur damit die Stadt ihr (un-) geliebtes Großinstrument irgendwo lassen kann? Zählt man diese
Umbaukosten und die später anfallenden Betriebskosten zusammen, so stellt sich der Verbleib dieser
Orgel im Hans- Sachs- Haus- Saal allemal günstiger
Hätten uns die Vorfahren bloß nicht diese Orgel hinterlassen!!!
Ich wüsste noch eine andere, viel bessere Lösung: Verschenken, einfach verschenken. Das ist
doch das Billigste – und löst alle Probleme. Wir Gelsenkirchener haben es doch, und zwar wirklich
dicke!
P.S. Diese unter Denkmalschutz stehenden Orgel ist heute, zusammen mit einer Orgel in St. Petersburg,
die größte noch erhaltene profane Orgel in Europa. Sie ist großer, als die Orgel im Kölner
Dom.
IV.
Es hatte sich schon eine geballte intellektuelle Macht versammelt, um dieses Haus, das Kriegswirren,
Bombenschäden und eine Nutzungsdauer von 77 Jahren überstanden hatte, zu Fall zu bringen.
Unseriöse Untersuchungsverfahren – erfundene Schäden mussten herhalten, um dieses Gebäude
kaputt zu rechnen, ja, es wurde sogar eine Einsturzgefährdung herbeigeredet (um ungebetene
Besuche dieses Hauses zu verhindern.) Notwendige statische Aufrüstungen wurden erfunden, deren
unsinnige Kosten das Gebäude zu Fall bringen sollten. Unklar ist nur, wussten es diese Kostenproduzenten
nicht besser – dann hätte ein solches Gebäude erst gar nicht in deren Obhut gehört –
oder lag hier gewollte Kostentreiberei vor – um so die Sanierung des Hauses aus ideologischer
Sicht zu hintertreiben?
Zwei Kardinalprobleme waren zu lösen:
a) die gerechnete – nicht die tatsächliche – Standsicherheit des Hauses, die in unwahrscheinliche
Höhen getrieben wurde. Man setzte voraus, dass die Tragfähigkeit der Elemente bei Null lag – man
setzte den worst case, den schlimmsten Fall voraus. Das bedeutetet, dass um Stützen, Betonbalken
und Deckenplatten Betonummantelungen von bis zu 7 cm Stärke mit einer unsinnigen Stahlbewehrung
gelegt werden sollten. Folgende Werte ergaben sich dabei: (Bauteil I und III immer
zusammengezogen!)
a) 763 Stck. Stützen mit je 280 kg Betonstahl = 213,64 t
b) 7.151,00 lfdm Unterzüge mit 60 kg/m Betonstahl = 429,06 t
c) 9.135,00 m² Decken mit 20 kg/qm Betonstahl = 182,70 t
d) 873,00 lfdm Verstärkung der Randunterzüge mit 105 kg Baustahl
/ m
= 91,67 t
e) 748,80 lfdm Fassadenfußpunkte je 20 kg Baustahl = 14,98 t
Insgesamt 932,05 t
Insgesamt sollten also nur für die Verstärkung der Betonteile Im Bauteil I und III 932,05 t Baustahl
eingebaut werden (das sind 31 Sattelschlepper von je 30 t Traglast!!!).
Und so sollte dann die Sanierung im Einzelnen aussehen:
Bild 1
Ummantelung der Stützen mit Spritzbeton, einschließlich
Aufbringung zusätzlicher Bewehrungsstäbe und Verteilerbügel.
Bild 2
Deckenplatte und Unterzüge:
Auf der Deckenplatte: Aufbringen einer Abdichtung und eines zusätzlichen Estrichs, Aufbringen
einer Schicht auf Beton und einer zusätzlichen Feldbewehrung,
Aufbringen einer Spritzbetonschicht unterhalb der Decken und Unterzüge.
Unterzüge: Aufbringen der zusätzlichen Unterzugbewehrung oberhalb und unterhalb
des Unterzuges.
Diese Maßnahmen werden gewählt, obwohl das Hans Sachs- Haus seit 1927 steht, seitdem die
Kriegsschäden seit 1947 behoben sind, das heißt also seit 76 Jahren bzw. seit 56 Jahren risikolos in
Nutzung ist.
Architekt Blanck (vom BDA): „Bis heute ist nicht bekannt, dass an irgend einer Stelle ein Aktenregal
durch die Decke gesaust wäre.“
Für die Verstärkung des Saaldaches ist ein Stahlgewicht von 28 Tonnen bei 8 Stahlbindern vorgesehen.
Unschwer lässt sich erkennen, dass die vorhandenen Stahlbinder nicht verstärkt, sondern
ausgetauscht werden sollen. Die vorhandenen Binder sind genietet, der Stahl lässt sich nicht
schweißen. In Umkehrung dieses Tatbestandes ist zu sagen, dass dieser nicht schweißbare Stahl
aber wegen seiner Struktur auch nicht versprödet.
Am 3. Juli 2006 Fand ein Gespräch zwischen Herrn Stadtdirektor von der Mühlen und zwei Sprechern
der Bürgerinitiative statt. In dem Gedächtnisprotokoll heißt es:
Hinsichtlich der Finanzen ist die Stadt nicht gesprächsbereit. Die vorliegenden Kalkulationen seien
seriös, die Assmann- Kalkulation habe die Xeris- Zahlen im Wesentlichen bestätigt. Herr von der
Mühlen betrachtet es als „Anmaßung“, dass fremde Architekten aufgrund „oberflächlicher“
Begutachtungen die intensiven Forschungen der Büros in Zweifel zögen.
(So überheblich werden Feststellungen eines Fachmanns abgetan, der in seiner aktiven Baustellenzeit
tausende Quadratmeter und Kubikmeter Beton selbst gegossen hat und der ein Berufsleben
lang immer wieder mit Beton umgegangen ist)
Aus dem Schreiben vom 31.8.2006 der Stadt Gelsenkirchen an die AUF- Ratsgruppe / Die Linke
PDS:
…Ihrer Aussage, dass „im Interesse der Förderung einer sachkundigen Diskussion… das Erfordernis
einer Begehung…. Wohl mehr als gegeben sei…“ muss ich widersprechen. Am 2.2.06 wurde auf
Ihren Wunsch für Vertreter Ihrer Fraktion und weitere durch Sie beteiligte Fachleute ein Ortstermin
durchgeführt. Die Ergebnisse dieses Termins in Form von Pressemitteilungen und Internetpublikationen
haben gezeigt, dass eine Meinungsbildung zum Schädigungsgrad des Gebäudes und die Entwicklung
möglicher Sanierungskonzepte aufgrund einer ca. 2-stündigen Begehung nicht möglich
sind. Aus diesem Grunde lehne ich Ihren Wunsch nach einer Begehung als nicht zielführend ab.
Die Besichtigung zur Vorbereitung des Workshops war demgegenüber als Grundlage des Zielfindungsprozesses
für ein Leitbild über die Zukunft des Hans- Sachs- Hauses (Neues Rathaus) unumgänglich,
um diese Arbeiten nicht zu gefährden
Im Auftrage – Bernd Gebert.
Mit diesem Schreiben wurde eine Begehung des HSH durch die AUF- Gruppe zusammen mit Professor
Polonyi verhindert. Desgleichen wurde die Person Prof. Polonyi als Teilnehmer der Expertenrunde
im Vorlauf zum Workshop von der Stadt gegenüber dem BDA- Landesvorsitzenden Herrn
Architekt Blank zurückgewiesen.
Und das schreibt Herr Dr. Ing E.h., Dr. h.c., Dr. Ing E.h., Prof. em. Stefan Polonyi, Köln zu dem
hier gegebenen Sachverhalt am statischen Gefüge des Hauses am 17.10.2006:
Die DIN und andere Vorschriften schreiben vor, wie die neu zu errichtenden baulichen
Anlagen auszubilden sind, damit sie die in der Bauordnung gestellten Bedingungen mit
der von der Gesellschaft erwarteten Wahrscheinlichkeit erfüllt wird. Damit wird jedoch
nicht behauptet, dass auf andere Weise die geforderte Standsicherheit nicht erreicht
werden kann. Die Normen gelten nicht für Bauten, deren Bauantrag vor dem Inkrafttreten
datiert ist. Für bestehende Bauten gilt der Bestandschutz. Ohne diesen Bestandschutz
müsste man über 90 % unserer Bauten abreißen oder ertüchtigen. Ein Beispiel:
Die Betondeckungsvorschriften sind in den letzten Jahrzehnten verschärft worden. Ohne
Bestandschutz müsste bei allen früher erstellten Bauten eine zusätzliche Betondeckung
aufgebracht werden. Auf die Sinnfälligkeit der Vorschrift soll hier nicht eingegangen
werden. Es ist jedoch zu bemerken, dass die Betondeckung nichts mit der Standsicherheit,
sondern lediglich mit der Dauerhaftigkeit zu tun hat.
Das HSH ist vor 80 Jahren für Büronutzung gebaut. Es ist an der Zeit, den Bau zu sanieren.
Eine Nutzungsänderung ist nicht vorgesehen. Da Bestandschutz besteht, würde
man die Standsicherheit des Bauwerkes nicht in Frage stellen, nur die Schäden, wie Betonabplatzungen
und Korrosionsschäden beseitigen. Da jedoch das Bauwerk im Krieg
beschädigt wurde, ist es geboten, die Tragkonstruktion genauer zu betrachten, was jedoch
nicht auf der basis der heute geltenden Vorschriften erfolgen kann.
 Die Verkehrslast ändert sich nicht. Für die rechnerische ständige Last hat man früher
einen Sicherheitsfaktor 1,5 angesetzt. Heute begnügen wir uns mit 1,35. Da bei
einem bestehenden Bau die ständige Last genau bekannt ist, könnte man diesen
Faktor noch reduzieren. Hier stecken also Reserven.
 Die Nachweise sind mit den an der Baustelle ermittelten Betonfestigkeiten zu führen.
Die Tragfähigkeit des Betons danach zu beurteilen, ob sie den heutigen Festigkeitsklassen
entspricht, wird der Aufgabe nicht gerecht
 Dass der Chloridgehalt den heute zugelassenen Wert übersteigt, kann hier kein Kriterium
sein. Hier muss eine Prognose erstellt werden, welche Korrosion der Chloridgehalt
in 50 Jahren bei der in den Räumen vorhandenklimatischen Bedingungen
hervorruft.
 Für den baulichen Brandschutz verlangen die heutigen Vorschriften größere Betondeckung.
Zwar könnte man sich hier auch auf den Bestandschutz berufen, aber das
soll man nicht tun. Den baulichen Brandschutz kann man mit sehr geringem Aufwand
auf den heutigen Stand bringen. Vermutlich ist eine abgehängte Decke vorgesehen.
Sie ist so auszubilden, dass sie die Brandschutzklasse F90 gewährleistet.
Die Stützen sollen entsprechend verkleidet werden.
Die Aufgabe der Sanierung ist die Gebrauchsfähigkeit des Bauwerks für die nächsten 50
Jahre zu gewährleisten.
Am 19. Okt. 2006 richtete die Stadt Gelsenkirchen durch ihre Rechtsabteilung einen Brief an das
Bürgerforum in Person von Herrn Dr. Heidemann. In diesem Brief wurde die Richtigkeit der vom
Bürgerforum ins Internet eingestellten Zahlen bestritten.
Natürlich wurden hier ausschließlich authentische Zahlen verwandt. Um dies zu belegen, müsste
die Herkunft der Zahlen genannt werden. Sie stammen aus Unterlagen, die bis heute von der Stadt
als geheim bezeichnet werden. Den Informanten ist absolute Diskretion zugesagt worden und dabei
wird es auch bleiben. Dies allein ist der Grund, warum dieses Zahlenwerk aus dem Internet herausgenommen
wurde.
In Punkt 1 dieses Briefes werden Kosten, die die Saal- Stahlkonstruktion betreffen, korrigiert. Die
im Internet genannte Zahl lautet 483.936,63 €, die von der Stadt als Korrektiv genannte Zahl beträgt
468.900,- €, das ist eine Differenz von rund 15.000 €. Hier spricht „buchhalterische“ Genauigkeit,
die nicht wahr haben will, dass es um diese Differenz gar nicht geht, sondern, dass die Kosten
von fast einer halben Million gar nicht notwendig wären! Dass dies nicht verstanden wird,
macht den Brief ausgesprochen peinlich.
Wir verstehen den Brief zum Teil auch als Provokation dazu, die Quellen unserer Angaben zu nennen,
damit so die Richtigkeit der genannten Zahlen belegt ist. Die städtische Drohgebärde vervollständigt
sich, wenn man bedenkt, dass nicht das Hochbauamt als eigentliche Fachbehörde diesen
Brief schreibt, sondern die Rechtsabteilung, die dann schreibt
Ich habe Sie nach alledem aufzufordern, unverzüglich eine Prüfung des Internetauftritts des von
Ihnen als Sprecher vertretenen Bürgerforums vorzunehmen und sofort – bis zu deren Ergebnis –
jedenfalls die bezeichneten Dokumente zu sperren bzw. zu entfernen.
Ich gehe nicht davon aus, dass die Stadt Gelsenkirchen bzw. die Firma Assmann gehalten sein
werden, rechtliche Schritte zu prüfen (Wenn das keine Drohung ist)
Der Hans-Sachs-Haus – Workshop im Herbst 2006 bestand aus 5 Arbeitsgruppen. Die 3. Arbeitsgruppe
bestand aus den Herren Felder, Farwick und Paul. An der Demonstrationstafel dieser Gruppe
war am Donnerstag, den 23.11.06 bei der öffentlichen Veranstaltung im stadt-bau-raum zu
lesen:
Die Geheimwaffe der statischen Berechnung sollte durch eine experimentelle Tragsicherheitsbewertung
ausgehebelt werden. Die Ergänzung der Tragwerkskonstruktion z.
B. durch Aufbeton und Anker ect. ist kostenintensiv und unnötig.
Noch heute sind die verdatterten Gesichter der Politiker vor aller Augen, als bei der internen Vorstellung
der Workshop-Ergebnisse ausnahmslos alle Experten die Meinung vertraten, dass das
Hans- Sachs- Haus, ganz besonders auch der Saal, hinsichtlich seiner Stabilität, seiner Standfestigkeit
auf jeden Fall erhaltenswert sei, dass dieser Baukörper risikofrei zu sanieren sei.
V.
Das zweite Kardinalproblem
Zur Neubauzeit des Hans- Sachs- Hauses war es üblich, als besonders fußfreundlichen Fußboden
Steinholzestrich zu benutzen. Mischmaterial für die Durchfeuchtung war Magnesiumlauge. Eine
Auswirkung dieser Flüssigkeit auf den Beton, auf die Stahlbewehrung im Beton war den Bauleuten
der damaligen Zeit nicht bekannt.
Im Zusammenhang mit dem Sanierungsvorhaben hätte hier eine gewissenhafte, katastermäßige
Schadkartierung in den verschiedenen Etagen stattfinden müssen, zum Beispiel eine Beprobung im
10 m- Raster. Dieses Fehlen bemängelte auch die jetzige Expertenkommission. Statt dessen wurde
eine einzige Probe aus dem oberen Drittel der Betonplatte entnommen, die dann für 20.000 qm als
alleinige Grundlage für die Sanierung diente. So gesehen, so Herr Prof. Fastabend, stellt die Diskussion,
die auf der Auswertung einer Einzelprobe aufbaut, eine reine Geisterdiskussion dar, weil
die Erkenntnisse hinsichtlich des tatsächlichen Chloridbestandes unzureichend sind.
Hinsichtlich der Chloridbelastung (durch die Magnesiumlauge) der Betondecke hätte ein komplettes
Belastungsprofil des gesamten Deckenquerschnittes erstellt werden müssen und nicht nur des oberen
Drittels. Dort zeigt sich eine Belastung von 7 % auf den Zementgehalt im Beton. Es geht aber
um die Chloridbelastung des unteren Drittels der Deckenstärke, denn dort liegen die Eisen. Dort
ergibt sich rechnerisch eine Belastung von 0,4 % auf den Zementgehalt im Beton. Dieser Wert
kann vernachlässigt werden, denn hier reicht die normale Alkalität des Zements, um diesen Chloridwert
zu neutralisieren.
Mit dem völlig überzogenen Kostenergebnis für diese beiden Problemlösungen geht man dann nach
Münster, um beim dortigen Denkmalsamt das Benehmen für den Gesamtabbruch herzustellen. Auf
die Schreiben vom 9.11.2005 und 19.12.2005 heißt es am 22.12.2005 (man achte auf das kurzfristige
Datum) als Antwort:
Bei der Prüfung des Abbruchantrages sind Sie zu dem Ergebnis gekommen, dass die
Erhaltung des Denkmals der Stadt Gelsenkirchen als Eigentümerin nicht zuzumuten ist.
Diese Schlussfolgerung basiert auf den umfangreichen Ermittlungen der letzten Monate
zu den Kosten einer Sanierung des Baudenkmals und auf der daraus abgeleiteten Wirtschaftlichkeitsberechnung
vom 19.12.2005. In der Gegenüberstellung der Erhaltungskosten
und möglicher Erträge bzw. des Gebrauchswertes ergibt sich ein Verlust von
10.557.431,40 €pro Jahr.
Zwei Korrekturen nimmt das Westfälische Amt für Denkmalpflege in der Person seines Leiters, Herr
Prof. Dr. Grunsky, im Ansatz vor, so dass sich dieser Jahresverlust erst einmal auf 7.299.746,38 €
reduziert. Entscheidend aber ist, dass hier viel zu hohe Gesamtkosten im Ansatz sind, dass die
Münsteraner Behörde mit diesen zu hohen Zahlen getäuscht wurde und deshalb mit unrichtigen
Zahlen das Benehmen zum Abbruch herbeigeführt wurde. Dazu kommt, dass der Landeskonservator
sich „fachfremde“ Argumente zu Eigen macht Und gegen Ende des Briefes heißt es:
Im Übrigen hätte ich eine Untersuchung, die nicht nur von Vorgaben aus der Sicht der
Materialprüfung und des Baumanagements bestimmt war, sondern Erfahrungen im
Umgang mit Konstruktiven Problemen an Baudenkmälern der frühen Moderne stärker
einbezieht, nicht nur für wünschenswert, sondern auch für sachgerechter gehalten. Ich
bin überzeugt davon, auch wenn sich dafür natürlich ex post nicht der Beweis führen
lässt, dass sich bei einer Beteiligung von denkmalpflegeerfahrenen Architekten und Ingenieuren
mit wesentlich geringeren Kosten und gewiss auch mit Geringerem Zeitaufwand
ein Sanierungskonzept oder aber der Nachweis der Sanierungsunfähigkeit hätte
erarbeiten lassen…
…Weil der Abbruch des Hans- Sachs- Hauses der schwerste Denkmalverlust der letzten
Jahrzehnte im Zuständigkeitsbereich unseres Amtes ist…
Noch nie in der Geschichte unseres Landes hat eine Behörde so schnell reagiert, hat sie einen so
weittragenden Bescheid in so kurzer Zeit erteilt. Immerhin, am 31.12.2005 ging dieser Amtsleiter
in den Ruhestand. (Ein Schuft, der sich hier etwas Böses dabei denkt)
VI.
Ein Rathaus im wirklichen Sinne ist das Hans- Sachs- Haus von Prof. Alfred Fischer nie gewesen. In
ihm waren die verschiedensten Nutzungsarten zusammen gefasst. Geschäftslokale im Erdgeschoss
– also ein Anziehungspunkt für die tägliche Laufkundschaft. Auf diese Weise bildete das
Hans- Sachs- Haus, was die allgemeine Geschäftslage betrifft, nie einen toten Punkt.
Kaffee im 1. Obergeschoss, eine Gaststätte im Eckbereich, ein großer Konzert- oder Festsaal,
ebenfalls im Erdgeschoss.
Bürobereiche für die freie Wirtschaft in den Obergeschossen und der überwiegende Teil der
Obergeschossräume für Kommunale Verwaltungen. Die so in sich verflochtene Nutzungsart des
Hauses war das Besondere an Fischers Entwurf. Somit ging zu jeder Tages- und Nachtzeit der Bürger
in dieses Haus – so war es seit seiner Entstehung.
Es war ein historischer, multifunktionaler Kulturort mit seiner unverwechselbaren Identität und
nicht nur eine erhaltenswürdige historische Tapete für eine Verwaltungsfassade. Wegen seiner
bauhistorischen Bedeutung wurde es in den 70er Jahren in das weltweit anerkannte Standardwerk
„Weltarchitektur“ aufgenommen!
In den fünfziger Jahren fügte man dem Hans- Sachs- Haus an seiner Rückseite das Gebäude mit
dem Ratsaal an. Dieses Gebäude ist genau so wenig baufällig, wie das Hans- Sachs- Haus der Ursprungszeit.
Beiden Teilen müsste die „eingesparte“ Bauunterhaltung noch zugerechnet werden
Stattdessen ist dieser Ruf nach Abbruch nicht aus der Welt zu bringen. Irgendetwas müssen
wir doch abbrechen – wenn es schon nicht das Hans- Sachs- Haus selbst ist, dann doch wenigstens
der Baukörper aus den 50er Jahren. Über Geld braucht man in Gelsenkirchen ja nicht nachdenken,
erst recht nicht beim Hans- Sachs- Haus.
Ursprünglich lautete der Auftrag: Instandsetzung und Modernisierung des Hans- Sachs- Hauses
(bei Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte)
Heute ist das Hans- Sachs- Haus vom Volumen her insgesamt Verhandlungsmasse:
Nutzung a, Nutzung b, Nutzung c, …
Es geht nicht darum, wie groß das Hans- Sachs- Haus jetzt ist, es geht darum, wie viel Fläche die
Stadt braucht, und danach passend wird das Hans- Sachs- Haus gemacht. Als ob die Stadt nicht
genügend angemietete Flächen hätte, deren Nutzung in das Hans- Sachs- Haus verlegt werden
könnte, um dieses Gebäude in seiner jetzigen Größe auszulasten.
Heute, nach dem stattgefundenen Workshop, können wir Gelsenkirchener uns ja glücklich preisen,
dass wir endlich einmal wissen (gesagt bekommen haben), was man mit dem Hans- Sachs- Haus
alles machen kann. (Als hätten wir es nicht schon immer gewusst!) Nur, auch jetzt ist der Respekt
vor dem Denkmal nicht gegeben. Der Workshop hat keine kulturelle Antwort gegeben (Auch die
Architektur ist eine Muse!) Heraus kam eine politisch / ökonomische Antwort.
VII.
Diese jetzige „Rolle rückwärts“ (ohne Gesichtsverlust für die Betroffenen) kostet inzwischen Millionen,
abgesehen von Prozesskosten im Zusammenhang mit der Vertragsauflösung mit der Xeris.
Die Entwurfskosten haben wir einmal schon bezahlt, ebenso die Kosten für ein Modell. Von 60 verschiedenen
Architekturbewerbern war das Büro Nowotny Mähner Assoziierte, 63065 Offenbach, im
Oktober 2001 ausgewählt worden. Der Entwurf (für die Leistungsphasen 3 und 4 standen nur 14
Wochen zur Verfügung) fand auf allen Ebenen, bei allen Gremien Zuspruch. Dieser Entwurf war
denkmalsgerecht, er konnte in jeder Hinsicht realisiert werden und er wurde im Mai 2002 als Bauantrag
eingereicht
Doch jeder Architekt macht mindestens einmal – wenn er alt genug wird – die schmerzvolle Erfahrung,
dass ein Entwurf, eine Entwurfsidee, dem Boden gleich gemacht wird. Was aber hier besonders
schmerzvoll ist, dass trotz allgemeiner Wertschätzung und Anerkennung des Entwurfs, dieser
in späterer Zeit niedergemacht, fallen gelassen, verworfen wird.
Jetzt müssen Wettbewerbe abgehalten werden, es müssen weiträumige Diskussionen stattfinden,
die beide unendlich viel Zeit kosten. Stillstandszeiten der Baustelle, Vorhalten von Stützgerüsten
am Gebäude, Mietzeiten für die Ausweichräume der Verwaltungen, die ehemals im Hans- Sachs-
Haus residierten, dazu die Orgie von zahllosen Gutachten. Aber Gelsenkirchen hat ja alle Zeit der
Welt
Zeit ist Geld? Über Geld spricht man nicht, Geld hat man!
Aber Prozesse sind eigentlich gar nicht erforderlich, der Generalunternehmer (GU) müsste lediglich
ausgewechselt werden. Nach der Vorstellung, die dieser in Gelsenkirchen bisher gegeben hat, wäre
bei diesem mit einem Prozess nicht zu rechnen. Immerhin hat er eine Ausführungsplanung vom
Stuttgarter Architekturbüro Jaudes vorgelegt, nach der (gewollt) gar nicht gebaut werden konnte.
Ein zwanzig Seiten langer Mängelbericht (oder vielleicht waren es auch nur 19 Seiten?) bestätigt
dies noch heute. Auch machten die Projektleiter des GU. aus ihrer persönlichen Haltung hinsichtlich
eines Gesamtabbruchs keinen Hehl.
Man müsste einen in der Denkmalssanierung erfahrenen Generalunternehmer wählen (was auch
heute noch ginge). Zum Beispiel einen, der in Dresden den Erlwein- Speicher an der Elbe sanierte,
daraus ein Maritim- Hotel machte, das eine Brutto- Geschossflächenzahl von 30.000 qm hat und
mit 60 Mio. abgerechnet wurde, fertig gestellt vor gut einem halben Jahr und der ebenso chemische
Betonbelastungen aus Steinholzestrich enthält, wie das Hans- Sachs- Haus.
Oder man könnte den GU wählen, der in Berlin das denkmalgeschützte Opern- Carree saniert und
modernisiert hat. Es handelt sich hier um eine allerfeinste Berliner Adresse. Dieses Geviert war vor
dem Krieg der Hauptsitz der Dresdner Bank und zu DDR- Zeiten Sitz der Staatsbank. Beräumung
Winter 2003, Baubeginn Frühjahr 2004, Fertigstellung Frühjahr 2006.
Fünf Geschosse oberirdisch, ein Geschoss unterirdisch, Qualitätsniveau 5 Sterne- Hotel, Baukosten
80 Mio. €, Abrechnungsabweichung von der Kostenschätzung des GU 1,5 %. So kann es gelingen,
wenn kein Komplott der Kaputtmacher mitwirkt!
Laut Ideenfindung – das ist das Ergebnis des Workshops - soll unser Gebäude nun zum Innenhof
ein „modernes Gesicht“ erhalten, gläsern, Gelsenwasser- Verwaltungsgebäude III- mäßig. Hier
höre ich förmlich das Füße scharren in den Startlöchern gewisser Gelsenkirchener Architekten, die
schon einmal eine gläserne Gestaltungsidee einem OB zum Geschenk machten – wie das neue
Hans-Sachs-Haus einmal aussehen könnte, falls…
Und wie leicht kann eine Fassade, die erhalten werden soll, doch zufällig umfallen (-natürlich ohne
dabei nachzuhelfen!). Jeder weiß, wie so etwas gehandhabt wird.
Liebe Gelsenkirchener Mitbürger, seit wachsam, bis zum letzten Tage, ja, bis die letzte Schraube
eingedreht ist!
Gelsenkirchen im November 2006
P.S. Übrigens sei dies der Verwaltung einmal ins Stammbuch geschrieben:
Wir bemühen uns nicht um den Erhalt des Hans-Sachs-Hauses, um so die Konfrontation
mit der Verwaltung herbeizuführen. Unser Engagement gilt unserer Stadt, die wir lieben,
die unsere Heimat ist und die wir nicht irgendwelchen abbruchsüchtigen Politikern überlassen!

pito
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Beitrag von pito »

Naja, "anonym".
Jeder, der sich mit der HSH-Geschichte außeinandersetzt, weiß natürlich, wer das geschrieben hat. :wink:

Heinz
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Beitrag von Heinz »

So ein .. älterer Baufachmann vielleicht? :roll:

pito
Abgemeldet

Beitrag von pito »

Ja, könnte hinkommen. Er heißt so ähnlich wie ein Gelsenkirchener Stadtteil.

Heinz
Abgemeldet

Beitrag von Heinz »

Der auch schon mal von Lokal-Politikern als ahnungsloser "Nicht-Star-Architekt" verhöhnt wurde? :roll:

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