Guy Bitan

Jazz, Rock, Folk, Chanson, Rocktheater etc.
Bands und Musikprojekte aus Gelsenkirchen

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Guy Bitan

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zuzu
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Guy Bitan

Beitrag von zuzu »

Der 1956 geborene Deutsch - Franzose lebt seit 30 Jahren in Gelsenkirchen. Er absolvierte sein Gitarrenstudium an der Staatl. Hochschule für Musik Detmold bei Prof. W. Kämmerling. 1984 legte er sein Musikexamen, 1988 seine Künstlerische Reifeprüfung ab.
(Er nahm an Meisterkursen bei Thomas Müller-Pering, Eliot Fisk, Roland Dyens, Leo Brouwer u.a. teil.) Seit 1986 unterrichtet Guy Bitan an der Städt. Musikschule Herne, seit 1991 als Fachbereichsleiter für Streich- und Zupfinstrumente.

Er konzertiert und ist außerdem kompositorisch tätig. Bisher veröffentlichte er Werke für Sologitarre, schrieb 2 Liederzyklen und ein Werk für Akkordeon und Gitarre, das 1998 in Wien ausgezeichnet wurde. Vor kurzem veröffentlichte er „Bonjour de la Ruhr“, ein Werk für Zupforchester und die Bearbeitung des 2. Satzes von Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ für vier Gitarren.

Seit zehn Jahren konzertieren Stefanie Schulte -Hoffmann (Akkordeon) und Guy Bitan zusammen und bieten in ihrem Programm, das aus Originalkompositionen und Übertragungen besteht, reizvolle Klangerlebnisse. Im Jahre 2000 produzieren sie Ihren ersten CD „Kontroverse“.
Seit zwei Jahren spielt er im GuitArtist Quartett. Im März 2008 ist die erste CD „Hamsa“ erschienen.

(Guy Bitan ist auch als Fachberater für Gitarrenliteratur beim VdM und als Rezensent für die „neue musikzeitung“ tätig.)

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Ein kleiner Nachtrag:
Wer mehr wissen will:
<http>

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Mist! Was ist da passiert! <http>

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Beitrag von zuzu »

Wieso geht das nicht? www.bitan.eu

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Beitrag von Verwaltung »

Zuzu hat geschrieben:Un petit supplément:
Celui qui veut en savoir plus: <http>

Merde! Que s'est-il passé! <http>

Pourquoi ça ne marche pas? http://www.bitan.eu
:lol:

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Boh! Wer kann hier so gut Französisch?

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Beitrag von Verwaltung »

WAZ hat geschrieben:
"Bonjour de la Ruhr"

Gelsenkirchen, 01.07.2008

Guy Bitan begrüßt die Kulturhauptstadt 2010 mit neuen Gitarren-Klängen.Er lässt sich (und fürs Quartett Guitartist) von prominenten Komponisten Stücke schreiben

Guy Bitan, in Tunesien geborener Franzose - mit Heimat Gelsenkirchen. Der Gitarrist plant Großes.
Er ist seinem Ziel "ein großes Stück näher gekommen". Die höchste Hürde sei genommen, fasst er seine bisherigen Projektschritte zusammen. Guy Bitan begrüßt die Kulturhauptstadt "Ruhr.2010" mit einem für ihn typischen "Bonjour de la Ruhr". Dahinter stecken "viel zähe Arbeit, gute Gespräche und etliche Überzeugungstaten". Zusammen mit seinen Quartett-Kollegen von "GuitArtist" - Ingo Brzoska, Peter Brekau und Ludger Bollinger - soll "ein großer Wurf" gelingen: Das Ensemble lässt sich neue Kompositionen in die Saiten schreiben.

Ja-Worte hat er bereits von Eckard Koltermann (Herne), Prof. Gerhard Stäbler (Essen), Kunsu Shim (Korea/Japan/Essen), Stefan Heucke (Bochum) und Ralf Kaupenjohann (Ensemble Draj, Bochum/Essen). Mit weiterer Prominenz auf diesem Sektor wird verhandelt. Bitan, Sprecher und Motor von "GuitArtist", das vor kurzem mit einer beachtlichen CD mit neuen Klängen aufhorchen ließ (die WAZ berichtete): "Wir haben ein besonderes Verständnis entwickelt: nämlich un- und außergewöhnliche Gitarrenmusik zu interpretieren. Auf dieser Schiene fahren wir auch bei unserem 2010-Projekt. Wir haben schon gleich bei der Reaktion der genannten Komponistengeneration gemerkt, wie genau man hinhört und dass die Partner für diesen Neutöner-Sektor offene Ohren hatten."

Sämtliche Komponisten sagten "erstaunlich schnell zu": "Wir wollen die Internationalität des Ruhrgebiets mit diesen bisher ,unerhörten' Gitarrenklängen unterstreichen. Zugleich werten wir unser Instrument auf, das meistens noch mit Pop-Liedern oder mit Wandervogel-Melodien in Verbindung gebracht wird." Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, so Peter Brekau, doch die Gitarrenmusik hätte "sich faszinierend weiter entwickelt". Und das will die junge Formation erfahrener Künstler dokumentieren. Man denke auch an eine CD mit "den fünf, sechs, sieben oder acht Uraufführungen".

Die vier Musiker aus der Region vergessen über diese Gegenwartsinitiative nicht "den großen Reichtum der jahrhundertealten Gitarrenliteratur". Aber mit der engen und praktischen Zusammenarbeit mit lebenden Komponisten werde "die Tür für spannende Begegnungen geöffnet - das fesselt uns extrem." HJL
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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Guy Bitan schreibt:
Schon wieder ein Konzert mit dem GuitArtist Quartett.
Vielleicht habt ihr Lust und Zeit, dann sehen wir uns.

Das Konzert mit dem GuitArtist Quartett in Zusammenarbeit mit der Städt. Musikschule Gelsenkirchen trägt den Titel “Contrastes”.
Es findet am Dienstag, den 10. November 2009 um 19.00 Uhr im Schloss Horst statt.
Der Eintritt ist frei.
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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

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Ich bin 1956 in Tunesien geboren. Ich habe Tunesien mit 6 Jahren verlassen. Wir sind deswegen weggegangen, weil meine Familie eine jüdische Familie ist. Das Leben wurde für die Juden nach der Gründung Israels 1948 schon schwieriger, vor allem weil die Juden wohlhabend waren, zumindest viele. Sie fühlten sich bedroht. Mein Vater war reich in Tunesien. Er hatte eine Schuhfabrik. 1956, das Jahr meiner Geburt, ist auch das Jahr der Unabhängigkeit Tunesiens. Ab dem Moment war die Bedrohung noch größer. Ich bin in die jüdische Schule gegangen, wo ich Hebräisch und Französisch gelernt habe. Meine Eltern haben erzählt, dass die kleinen Araber Steine auf uns geworfen haben. Und aus diesem Grunde sind meine Eltern weggegangen. Sie haben alles da gelassen. Es war wie damals in der DDR. Wenn du weggegangen bist, hast du alles verloren, dein ganzes Hab und Gut. Auch ein Grund warum ich keine Verbindung zu Tunesien habe. Ich fühle mich, wenn überhaupt, als Franzose, wegen der Kultur. Da ich schon 34 Jahre in Deutschland lebe, fühle ich mich mittlerweile mehr deutsch als französisch und mit dem Judentum habe ich heute nichts mehr zu tun: Jude zu sein betrachte ich nur als eine Religion und sonst gar nichts anderes. Ich bin heute ein überzeugter Atheist.

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Ich bin 1977 nach Gelsenkirchen gekommen. Zwei Jahre vorher habe ich in England einen kleinen Job gehabt, kleine arme Engländer betreut, Camp Holiday. Die Idee war: „Wenn diese Kinder nicht ins Ausland gehen können, dann bringen wir das Ausland zu ihnen.“ Dann haben sich dort viele Studenten aus verschiedenen Ländern, sogar aus Indien, getroffen. Viele waren Pädagogen. Ich nicht. Ich habe einen BTS in Elektrotechnik (Anmerkung der Red: BTS = Brevet de Technicien Supérieur, ein zweijähriger Studiengang) gemacht und in diesem Rahmen sagte mein Englischprofessor: „Du kannst dein Englisch verbessern und ein paar Pfund verdienen, geh dahin!“ Und da habe ich Barbara getroffen. Sie machte dasselbe wie ich und als angehende Englischlehrerin war sie sehr daran interessiert, diesen Job zu machen. Es war dann „le coup de foudre“ (AdR: wörtlich übersetzt: der Donnerschlag, heißt: Liebe auf den ersten Blick). Das war 1975. Und wir haben uns immer wieder getroffen. Nach dieser England-Fahrt bin ich mit einem Spanier nach Gelsenkirchen getrampt. Und genau in diesem Haus (AdR: in dem die beiden jetzt wohnen), im Garten, hat sie uns empfangen, weil sie nur eine kleine Wohnung in Erle hatte. Aus Liebe bin ich auch im November mit einem Portugiesen auf dem Motorrad nach Gelsenkirchen gefahren. Und schon in Compiègne (AdR: kurz nach Paris) habe ich gesagt: „Lass uns umkehren, ich schaffe es nicht!“ Es war so kalt auf dem Motorrad und ich war nicht entsprechend angezogen. Aber nach 11 Stunden hatten wir es geschafft.

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Dieses Hin und Her hat zwei Jahre gedauert. Ich hatte schon meinen ersten Job im Sommer und danach kriegte ich eine feste Anstellung in Paris. Ich hatte sogar drei Angebote. Damals waren wir sehr begehrt. Leute, die dieses Diplom am „Lycée Diderot“ gemacht hatten, waren sehr begehrt. Du kamst raus und kriegtest drei Stellen angeboten. Ich hatte ein Angebot von der SNCF (Eisenbahn), von der RATP (öffentliche Verkehrsmittel in Paris) und einen in einer Scheinwerferfirma, wo ich lange einen Zeitjob hatte. Sie wollten mich am 1. Januar fest anstellen. Aber ich hatte eigentlich so eine Unlust, in diesem Bereich zu arbeiten. Diesen BTS habe ich zwar gemacht. Wir haben in Paris in armen Verhältnissen gelebt. Wir hatten nichts mehr. Mein Vater war in Tunesien nur Unternehmer gewesen. Er hat in Paris als Schuster gearbeitet. Er hatte nichts mehr, nur seine 5 Kinder. Ich habe ein gutes Abi gemacht, war gut in Mathe und mein Vater wollte eigentlich, dass ich arbeiten gehe. Der Mathe-Lehrer hat ihm aber gesagt, ich sei so gut in Mathe, ich solle wenigstens ein kurzes Studium machen, das mit Mathe und Physik zu tun hatte. Und so haben sie für mich entschieden. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mit entschieden habe. Ich habe es gemacht und geschafft. Aber vom ersten Tag an habe ich gedacht, das ist nichts für mich.


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Als ich mich also entscheiden sollte, bin ich erst mal nach Gelsenkirchen gefahren, um Urlaub zu machen. Weihnachtsferien. 1977! Als erstes habe ich gar nicht richtig Gelsenkirchen, sondern Berlin kennengelernt, mit allem, was das damals bedeutete, wenn zwei verschiedene Menschen mit zwei verschiedenen Pässen dahin wollen (verschiedene Grenzübergänge usw.). Als kleiner Revoluzzer damals wollte ich unbedingt in den Osten. Barbara wollte das nicht. Sie war bei einer Freundin eingeladen. Und ich konnte kein Wort Deutsch...

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Ich bin also mit meinem Rucksack und mit meiner Gitarre nach Gelsenkirchen gekommen und bin geblieben. Zuerst habe ich gegammelt. Ich habe bei der Selbsthilfe mitgemacht.
http://www.gelsenkirchener-geschich....topic.php?p=246524#246524
Ich habe einen Deutsch-Kurs bei der VHS besucht, den ich aber abgebrochen habe. Ich habe auch einen Elektronik- und einen Mathe-Kurs gemacht, um die Begriffe auf Deutsch zu lernen. Ich dachte, vielleicht mache ich doch in Essen meinen Ingenieur grad.. Aber es war ein Zwischenstadium. Ich habe ein paar Monate in Bochum im Collegium Germanicum einen Kurs Deutsch für Ausländer belegt. Aber ich dachte dann, es sei alles Quatsch, weil ich an die Uni wollte. Und dann habe ich mich an der Uni Bochum angemeldet, aber da musste ich eine Deutschprüfung machen. Das hat ein Jahr gedauert. Ich habe die Prüfung gemacht und geschafft und dann bekam ich einen Studienplatz für ein Studium, das ich eigentlich nicht wollte. Es war lange ein Dilemma. Es war mir lange nicht so klar, aber eigentlich wollte ich immer nur Musik studieren.

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Ich habe sehr spät angefangen, Gitarre zu spielen. Mit 15. Ich habe mit meinem Bruder und meinem Cousin in einer unserer Nächte durch Paris eine Gitarre gefunden. In einem reichen Stadtteil, im XVe Arrondissement. In einem Container. Jeder durfte sie jeweils 2 Tage behalten. Sie war halb kaputt. Sie war unten gerissen. Aber wir haben Spaß gehabt und so habe ich die Gitarre entdeckt. So fing das an. Wir hörten wie alle in dieser Zeit Beatles und Stones. Wir haben unsere ersten Akkorde gelernt. Später haben wir, als wir einen Job hatten, eine Gitarre gekauft. Ich habe sehr lange ohne Noten gearbeitet, nur mit Gucken und Nachmachen. Als Kind hat man Träume. Mein Traum, als ich 12 war, war wie John Lennon zu singen. Das hat nicht ganz geklappt. In Paris hatten wir eine Band und wir haben viele Beatles-Lieder gesungen. Und ich war der Sänger der Band. Aber es hat sich anders entwickelt. Es sind manchmal Zufälle, die das Leben bestimmen. Ich hatte einen tollen Gitarren-Lehrer, der mir ein kleines Stück vorgespielt hat. Ich war so was von begeistert. Ein kleines Präludium von Bach. Schon wieder mal Deutschland. Dieser Typ studierte an der Scola Cantorum in Paris und war ein Bekannter meines älteren Bruders. Und er spielte das Stück. Und dann habe ich gesagt: „Das will ich unbedingt lernen.“ Er sagte: „Viel zu schwer!“ Ich habe ihm mein Taschengeld fast komplett gegeben, damit er mir Unterricht gibt. Da bin ich jeden Sonntag hingegangen. Er wollte mir das nicht beibringen. Er wollte mir was Leichteres beibringen. Und ich habe gesagt: „Ok. Du bringst mir was Leichteres bei, aber jede Woche einen Akkord aus diesem Stück.“ Und dann hatte ich den ersten Unterricht im „Conservatoire“ im XXe Arrondissement. Dann, als wir in Bagnolet (Vorort von Paris) wohnten, habe ich das Glück gehabt, einen „super“ Lehrer zu bekommen. Sein Lehrer war Alexandre Lagoya (AdR: großer französischer Gitarrist, 1929-1999). Er schloss seine Ausbildung mit einem ersten Preis ab. Er hat mir einfach gezeigt, was Gitarrenmusik ist. Er hat mir richtig Mut gemacht: „Mach das zwei, drei Jahre. Richtig üben. Und dann stelle ich dich Alexandre Lagoya vor.“ Und ich habe lange gearbeitet, um eine Konzertgitarre, die ich mir habe1975 bauen lassen, kaufen zu können (Gitarrenbauer Pappalardo).

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Aber es hat sich anders entwickelt. Ich habe weiter bei ihm Gitarre gelernt, auch während des Studiums, aber dann kam die Liebe dazwischen.
Und ich habe dann entschieden, ich bleibe in Gelsenkirchen. Das war schwierig. Ich habe beschlossen, mich beim Arbeitsamt zu melden, um sozialversichert zu sein. Nach sehr kurzer Zeit haben sie mich angerufen. Es war damals alles locker. Ich habe sofort ein Arbeitsangebot bekommen, als Ingenieur. In Stuttgart. Sie brauchten einen Menschen mit guten Französisch-kenntnissen und Deutsch würde ich sowieso lernen, ich hätte viel Kontakt mit französischen Firmen gehabt und wäre gut bezahlt worden. Ich wollte erst mit Barbara sprechen. Aber es erschien mir komplett verrückt. Dann habe ich ihnen gesagt: „Ich komme nicht nach Gelsenkirchen, um nach Stuttgart zu gehen. Und meine Freundin kann nicht nach Stuttgart, weil sie im Referendariat ist.“ Und das war alles. Sie haben mir das Arbeitslosengeld nicht gestrichen. Ich hatte um dieses Geld auch lange gekämpft. Es gab Verträge zwischen Deutschland und Frankreich. Aber es war nicht so bekannt. Es war total schwierig. Ich habe in Paris eine Woche gebraucht, um das richtige Formular mit Stempel und Unterschrift zu bekommen. Als ich dieses E106, glaube ich, hatte, bekam ich rückwirkend Geld. Und was habe ich mit diesem Geld gemacht? Es waren damals ungefähr 2600 DM. Ich hatte mich entschieden, Musik zu studieren. Also brauchte ich ein Klavier. Und da habe ich ein Klavier gekauft. Ich wollte gern ein Klavier, weil ich dachte, das hilft beim Komponieren und das ist eine Sache, die ich gern heute noch mache, obwohl ich viel zu wenig Zeit dafür habe.

Und meine Liebe, also Barbara, hat mir das alles ermöglicht. Ich hätte das alles auch in Paris machen können. Aber selbst da wäre die Frage gewesen: „Wie finanziere ich das?“ Und Barbara hat mir gesagt: „Wenn du das machen willst, dann mach das.“ Und ab dem Moment, wo es klar war, dauerte es 6 Monate und dann habe ich geübt. Ich hatte auch in Gelsenkirchen Gitarrenunterricht. Am Leibniz-Gymnasium gab es eine Nebenstelle der Musikschule. (AdR: Konservatorium viewtopic.php?t=4580) Und ich bin hingegangen und habe gesagt: Das will ich vorbereiten für die Aufnahmeprüfung. Das war ein modernes Werk von Benjamin Britten (Nocturnal). Das guckte der Lehrer sich an und sagte: „Nee, das kann ich nicht, das ist viel zu schwer, was willst du damit?“ Ich bin einen Monat geblieben. Aber dann war klar, es geht nicht. Irgendwie habe ich gehört, die Lehrer, die für diese Aufnahmeprüfung vorbereiten, sitzen an der Musikschule in Dortmund. Ich habe mich da angemeldet. In der Theorie war ich nicht schlecht. Das hatte ich alles schon in Paris gelernt. Wir hatten jede Woche Musiktheorie und Solfège. Bevor ich an die Hochschule kam, konnte ich schon in 5 Schlüsseln singen. Gehörbildung, Theorie habe ich locker geschafft. Und ich habe viel geübt. Es waren 11 Kandidaten für 4 Plätze und ich habe einen bekommen. 1979 bin ich an der Hochschule angenommen worden. Und da fing das Leben an. An der Musikhochschule in Dortmund. 1984 habe ich mein erstes Examen als Instrumentalpädagoge bestanden. 1982 kam meine Tochter zur Welt, 1984 mein Sohn und da habe ich pausiert. Unser Daniel war ein extrem lebendiger Junge, vor allem nachts. 1988 habe ich meine „künstlerische Reifeprüfung“ gemacht. Meine Kinder sind übrigens auch musikalisch. Kristin singt und spielt Gitarre, hat auch lange Querflöte gespielt. Daniel spielt Klavier und macht neben seinem Studium im Maschinenbau sehr viel Musik. Er komponiert selbst, hat ein E-Piano.
Warum bin ich in Gelsenkirchen geblieben, was verbindet mich mit dieser Stadt?
Barbara fühlt sich natürlich mit Gelsenkirchen verbunden. Ihre Eltern haben in dem Haus gewohnt, in dem wir jetzt sind. Der Sinn war für mich gefunden: erstmal meine Liebe und dann auch meine zweite Liebe, die Musik. Und ich habe unheimlich viele Freunde gefunden, Leute, die mir nahe standen, die so wie ich dachten, die mich in das politische Leben in Gelsenkirchen eingeführt haben. Wir haben zum Beispiel in der Zoo-Siedlung, in der wir gewohnt haben, sehr viel gemacht. Da war die Mieterinitiative. Und dann auch die Auguststr. Wir hatten eine Folklore-Gruppe und haben immer wieder mal gespielt, auch auf der Straße gesungen. Ich habe mich also hier wohl gefühlt und die Leute, die Barbara kannten, auch wenn es manchmal anstrengend war, immer über Schule und Lehrer zu reden, waren voller Ideale, es war immer war los. Es war eine schöne Atmosphäre. In der Kneebuschstraße hatten wir so eine Art Wohngemeinschaft. Wir haben jeden Tag zusammen gegessen. Einer hat für alle gekocht, reihum. Wir hatten alle keine Duschen. Und da war dieser Kampf gegen den Spekulanten Rudolf Bauer, der viel Geld vom Land kriegte, um wieder Geld zu machen. Also, es war spannend. Gut, man sagt: „Paris! Du kommst aus Paris!“ Ich hatte zwar kein schlechtes Leben in Paris, aber hier hatte ich sowohl politisch als auch musikalisch und mit meinen Gefühlen alles gelebt, was ich mir vorstellen konnte. Ich war glücklich. Und bin es immer noch. Ich habe ein „foyer“, ein Heim, eine Heimat gefunden und alle meine Bedürfnisse waren abgedeckt. Ich könnte in Paris nicht mehr leben. Ich habe hier ein Paradies. Ich bin heute Morgen joggen gegangen. Ich brauche nur meine Schuhe anzuziehen und schon bin ich in der Natur. Wie soll ich so was in Paris machen? Dann musst du vielleicht eine Stunde fahren und auch noch im Stau stehen. Es lief emotional super, mein Studium auch. Ich war glücklich, einfach das zu machen, was ich schon immer wollte.
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Ich hätte Barbara nie ein solches Leben in Paris anbieten können.
Sobald ich meine Aufnahmeprüfung bestanden hatte, bin ich zu meinem Lehrer in Dortmund gegangen und habe gesagt: „Ich habe die Aufnahmeprüfung bestanden. Ich muss arbeiten“. Das war damals so schön einfach. Er hat mir gratuliert. Und dann sind wir zum Sekretariat gegangen. Und er hat geguckt, wie viele Schüler auf der Warteliste standen und hat mich gefragt, wie viel Stunden ich arbeiten wollte. Ich wollte einen ganzen Nachmittag, 8 Stunden arbeiten. Ja und dann konnte ich nach Dortmund-Hörde gehen und sofort mit dem Unterricht anfangen. Ich wollte am Anfang noch nicht mal Ferien machen, weil ich kein Geld verdiente. Also ich musste unbedingt arbeiten.
1982 haben wir geheiratet, weil unsere Tochter zur Welt kam. Es hieß: „Wenn du nicht offiziell als Vater giltst, kann sie nicht Französin sein.“ Also haben wir geheiratet. Alle waren dagegen. Das war kein schönes Erlebnis in Gelsenkirchen. Es gab Momente in meinem Leben, wo ich mich fragte, was sind das für Menschen, diese Linken. Ich war auch einer aber ich war auch Musiker. Ich war auch nicht richtig in der Arbeitswelt gewesen und hatte nicht diese Sturheit, dieses gewerkschaftliche Kalkül oder eine andere Ebene, die ich nicht beschreiben kann. Barbara war schwanger. Als wir das in der Wohngemeinschaft gesagt haben, sagten einige: „Ihr habt uns gar nicht Bescheid gesagt!“ – Oder: „Wie könnt ihr Kinder in diese Welt setzen?“ Das waren schlimme Momente für uns. Wir hatten in der Zoo-Siedlung kein Badezimmer. Und ich verdiente noch kein Geld. Deswegen wollten wir in das Haus der Eltern, die nur noch allein in dem großen Haus lebten, ziehen. Das hat uns die Wohngemeinschaft übel genommen: „Ihr lasst uns im Stich, ihr lasst eine Wohnung frei für den Spekulanten Bauer.“ Aber wir brauchten ein Badezimmer. Wir sind im Juni dann umgezogen und fast keiner hatte Zeit, uns zu helfen. Meine erwachsenen Schüler haben einen Bulli besorgt und andere Freunde, die DKP nah waren, haben bei dem Umzug mit angepackt. Barbara war im 6. Monat schwanger. Unsere „linken Freunde“ haben es abgelehnt, dass wir von dort weggehen. Das war ein Bruch mit der Wohngemeinschaft. Wir haben es seitdem aufgearbeitet. Es hat mich aber im nachhinein nicht beschädigt. Ich wurde dadurch viel offener. Ich ging die Sachen immer mehr mit Verstand als mit dieser Linientreue an. Es war viel Intoleranz da zu der Zeit. Aber es waren Sachen, die mich nur reifer gemacht haben. Es war hart, aber es hat mir gezeigt, es gibt andere Menschen, die wertvoll sind. Die müssen nicht dieselbe politische Meinung wie ich haben.

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Unsere Kinder haben beide Nationalitäten. Ich finde, es gehört zu meiner Geschichte. Ich habe auch beide Nationalitäten. Noch nicht lange. Es war pragmatisch. Es gibt in Düsseldorf kein Französisches Consulat mehr. Es war sehr umständlich. Ich musste immer nach Frankfurt. Aber wofür? Ich bin eigentlich Deutscher.
Seit 1986 unterrichte ich an der Städt. Musikschule Herne, seit 1991 als Fachbereichsleiter für Streich- und Zupfinstrumente.

Hier sind zwei Musikbeispiele von Guy Bitan:

Meditationen für Akkordeon und Gitarre

Bonjour de la Ruhr

Es gibt vier CDs. Auf der ersten CD, die es leider nicht mehr gibt, spielt er mit Stefanie Schulte-Hoffmann zusammen (Akkordeon und Gitarre). Die zweite von 2008 mit dem „GuitArtist Quartett“ heißt „Hamsa“ (bedeutet auf arabisch fünf). Da spielt er im Quartett mit Ingo Brzoska, Peter Brekau und Ludger Bollinger. Dann hat er noch eine CD mit Stefanie Schulte-Hoffmann aufgenommen: „Duet for 2010“ und schließlich „Bonjour de la Ruhr“ wiederum mit dem GuitArtist Quartett. Das Besondere an dieser CD ist, dass sie zum Kulturhauptstadtjahr „viele Facetten der multikulturellen Gesellschaft im Ruhrgebiet abbilden soll.“ Die Stücke sind von Komponisten aus verschiedenen Ruhrgebietsstädten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen für diese CD geschrieben worden. Und diese CD ist eine Benefiz-CD. Alle Einnahmen gehen an eine Organisation in Herne: OASE. OASE bietet mit großem Erfolg seit 2006 einen Mittagstisch für Kinder und Jugendliche an.
Und am 25.2. 2011 beteiligt sich Guy auch mit vielen Kollegen der Musikschule Herne an einem Benefizkonzert für Francesca. Francesca ist ein behindertes Mädchen, das kostspielige Behandlungen benötigt. Dieses Konzert war ein Erfolg, es wurden ca. 2000 € gesammelt.
Interoperabel!

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

@Verwaltung: Einmal bitte die Audiodateien überprüfen, laufen nicht.

Ansonsten: ich sehe schon wieder Bücher schweben, diesmal blaues Cover? :wink:

:2thumbs:

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

Ja mit der Audio-Datei ist etwas nicht ok. Das ist immer etwas kompliziert... Aber wir arbeiten dran.
Zuzu

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Beitrag von Verwaltung »

Player und Audio-Dateien sind repariert.

Wir wünschen ein ungetrübtes Hörvergnügen.
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Buerelter
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Beitrag von Buerelter »

Jazzam hat geschrieben:@Verwaltung: Einmal bitte die Audiodateien überprüfen, laufen nicht.

Ansonsten: ich sehe schon wieder Bücher schweben, diesmal blaues Cover? :wink:

:2thumbs:
Jazzam, beim Lesen der Lebensgeschichte von Guy Bitan kam mir Selbiges in den Sinn!
Gelsenkirchener Lebensgeschichten, natürlich in Yves-Klein-Blau, also Ultramarin. :D

Wolf
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Beitrag von Wolf »

Verwaltung hat geschrieben:
Player und Audio-Dateien sind repariert.
.
Klickt man beide Audio Dateien hintereinander an, so klingt es doch etwas seltsam.... :?:

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