Bärbel Kampmann

Menschen die Eindruck in Gelsenkirchen hinterlassen

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zuzu
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Bärbel Kampmann

Beitrag von zuzu »

Ich würde gern auch hier meine leider viel zu früh verstorbene Freundin Bärbel Kampmann nennen. Ich kann aber nicht einfach so ad hoc etwas über sie schreiben. Ihr Mann hat ein wunderbares Buch über sie geschrieben. Ich weiß nicht, ob man es noch im Buchhandel bekommt, aber es ist sehr schön geschrieben und wirklich lohnenswert. Es ist keine einfache chronologische Biographie. Da werden die Themen, die ihr wichtig waren (z.. Rassismus), auch behandelt.

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Warum fragst du ihn nicht, ob er hier etwas veröffentlichen mag?

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Beitrag von Verwaltung »

Nachruf auf Bärbel Kampmann

Nach langer schwerer Krankheit verstarb am 27.10.1999 in Gelsenkirchen Bärbel Kampmann, eine herausragende Persönlichkeit der afro-deutschen Gemeinde, im Alter von 53 Jahren.

Bärbel Kampmann wurde am 26. März 1946, als Tochter eines afro-amerikanischen Soldaten und einer Bielefelderin in Bielefeld geboren. Sie war eines der ersten Kinder schwarzer Hautfarbe, die nach 12 Jahren nazistischer Rassendoktrin in Deutschland geboren wurden. Alle üblichen Klischees, vom süß-entzückenden „schokoladen-braunen Lockenköpfchen“ bis aus rassistischen Gründen abgelehnten „Besatzungsbalg“ musste sie über sich ergehen lassen.

Nach Abschluss der Realschule absolvierte sie zuerst eine Lehre als Biologielaborantin. Dann begann sie nach einer Begabtenprüfung an der Pädagogischen Hochschule in Köln das Lehramtsstudium. Zehn Jahre lang war Bärbel Kampmann danach als Lehrerin an verschiedenen Hauptschulen tätig.
Als sozialpolitisch engagierter Mensch reichte es ihr auf Dauer nicht, nur im trockenen Schulbetrieb tätig zu sein, zumal sie bemerkte, dass ihre Stärken vor allem in dem Bereichen Migration, Probleme der ethnischen Minderheiten und Bekämpfung lagen.


Sie studierte noch einmal, dieses Mal Psychologie, an der Ruhr-Universität in Bochum. 1986, nach ihrem Studienabschluss, war sie an der Regionalstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher als Leiterin in Gelsenkirchen tätig.

Der Minister für Arbeit und Gesundheit berief Bärbel Kampmann zehn Jahre später als Regierungsrätin ins Ministerium nach Düsseldorf. Als Referentin im Referat für Grundsatzfragen von Zuwanderung und Integration war sie u.a. maßgeblich an der Entwicklung der Modellprojekte gegen Diskriminierung beteiligt, die beispielhaft für NRW sind und als richtungsweisend für die zukünftige landes- und bundesweite Antidiskriminierungsarbeit bezeichnet werden können. Ein wichtiger konzeptioneller Ansatz für ihre Arbeit war der Paradigmenwechsel - die Einbindung der Perspektive derer, die mit Diskriminierung und Rassismus konfrontiert sind.

Wie zuvor ging sie dort den ihr gestellten Aufgaben mit großem Elan nach und wurde bereits ein Jahr später Oberregierungsrätin. Durch die Besetzung der ReferentInnenstelle mit Bärbel Kampmann wurde auch auf ministerieller Ebene dem Anspruch auf Gleichstellung von ethnischen Minderheiten entgegengekommen und die Forderung, VertreterInnen ethnischer Minderheiten in wichtige verantwortungsvolle Aufgaben der Landesregierung einzubeziehen, praktisch umgesetzt.

Es waren aber nicht die bürokratischen Titel, die sie reizten, sondern die beruflichen Herausforderungen, mit denen sie während ihres Arbeitsleben konfrontiert wurde.
Die schwere Krankheit ließ sie viele Monate lang pausieren, dann setzte der Tod diesem erfüllten und arbeitsreichen Leben ein allzu frühes Ende.

Mit dem Tod von Bärbel Kampmann verliert die afro-deutsche Gemeinschaft eine ihrer ganz wichtigen Persönlichkeiten. Für viele von uns war Bärbel auch persönlich eine Identifikations- und Integrationsfigur. Sie war eine der außergewöhnlichsten Menschen, die wir kennenlernen durften. Die durch ihren Tod entstandene Lücke wird uns ihr Fehlen immer bewusst machen.

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft miteinander - wenn auch unter Schmerzen - zu bewahren.
Ferner: je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung, in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muss sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiss ist, besitzt; dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Wir trauern um Bärbel Kampmann und denken an sie in Anerkennung und Dankbarkeit.


Aachen, den 8. November 1999

Vorstand und Mitglieder der Initiative Schwarze Deutsche & Schwarze in Deutschland, ISD-NRW


Quelle: http://www.cybernomads.net/cn/home.cfm?p=1221

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zuzu
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Bärbel Kampmann

Beitrag von zuzu »

Finde ich toll, dass du diesen Artikel gefunden und reingestellt hast. Danke. Darin steht, dass sie eine außergewöhnliche Persönlichkeit war. Was mich immer am meisten beeindruckt hat, war ihr Humor, ihre Energie, ihre Kraft, ihre Fröhlichkeit, ihr unglaubliches Lachen, ihre Beharrlichkeit. Von alledem wünche ich jeder/m ein Scheibchen.

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Bärbel Kampmann im Video

Beitrag von Verwaltung »


pito
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Beitrag von pito »

"... dass aus jedem Unterdrückten ein Unterdrücker werden kann, wenn er sich nicht mit seiner Unterdrückungsgeschichte befasst."

So etwas habe ich im Zusammenhang mit Rassismus und speziell mit Nationalsozialismus noch nicht gehört. Toll. Der Kreislauf muss durchbrochen werden!

dirk
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Re: Bärbel Kampmann

Beitrag von dirk »

zuzu hat geschrieben:Finde ich toll, dass du diesen Artikel gefunden und reingestellt hast. Danke. Darin steht, dass sie eine außergewöhnliche Persönlichkeit war. Was mich immer am meisten beeindruckt hat, war ihr Humor, ihre Energie, ihre Kraft, ihre Fröhlichkeit, ihr unglaubliches Lachen, ihre Beharrlichkeit. Von alledem wünche ich jeder/m ein Scheibchen.
Hallo

dieses kann ich nur bestätigen. Bärbel war ein paar Jahre unsere Klassenlehrerin auf der Hauptschule an der Schultenstrasse. Leider habe ich erst heute von einem ehemaligen Klassenkameraden erfahren, daß sie verstorben ist. Das macht mich sehr traurig.

Gruss Dirk K.

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Kalle Mottek
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Bärbel Kampmann

Beitrag von Kalle Mottek »

Bärbel war schon eine tolle Frau,Lehrerin und GEWerkschaftskollegin.Der Verlust für Gelsenkirchen wurde nicht erst mit ihrem Tod,sondern bereits mit ihrem Weggang nach Düsseldorf deutlich.
Als aktive GEWerkschafterin hat sie auch verschiedene Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Rassismus für LehrerInnen in Gelsenkirchen erfolgreich durchgeführt.
Von ihr stammt auch der Satz:"Esgibt auch einen negativen Rassismus." Damit meinte sie,dass es nicht in Ordnung sei nicht auch Fremden gegenüber Kritik zu äußern wenn sie berechtigt war.
Zu der Veranstaltung in der Juniusbuchhandlung zum Thema Zwangsheirat wäre sie sicher gekommen.Fundamentalisten hatten bei ihr keine Chance.

Bärbel...............Du fehlst!


Schönen Gruß

Kalle Mottek
(Bärbel kannte mein Pseudonym)
S04-mein Verein.
GE - meine Stadt.
GEW - meine Gewerkschaft!

Alexander
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Beitrag von Alexander »

Ich kenne nur ihren Mann, Harald Gerunde persönlich.
Schade, dass ich sie nie persönlich kennen gelernt habe.
Sie scheint eine tolle Frau gewesen zu sein

Heinz
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Beitrag von Heinz »

merkwürdig, ich hatte heute zufällig ein Gespräch mit Heinrich Peter Rose , in dem er Bärbel Kampmann würdigte und sagte, dass sie weitsichtiger und mutiger gewesen wäre, als die meisten Lokal-Politiker :roll:

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Lo
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Re: Bärbel Kampmann

Beitrag von Lo »

zuzu hat geschrieben:Ich würde gern auch hier meine leider viel zu früh verstorbene Freundin Bärbel Kampmann nennen. Ich kann aber nicht einfach so ad hoc etwas über sie schreiben.

Ihr Mann hat ein wunderbares Buch über sie geschrieben. Ich weiß nicht, ob man es noch im Buchhandel bekommt, aber es ist sehr schön geschrieben und wirklich lohnenswert. Es ist keine einfache chronologische Biographie. Da werden die Themen, die ihr wichtig waren (z.. Rassismus), auch behandelt.
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Ich habe dieses lesenswerte Buch, verleihe es auch gern.
Es ist aktuell noch zu haben bei Amazon


Lo

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Beitrag von Verwaltung »

Heinrich Peter Rose hat uns den Text seines Grußwortes zur Buchvorstellung "Eine von uns" dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. :D :2thumbs:
Heinrich Peter Rose hat geschrieben: Grußwort
zur Vorstellung des Buches von Harald Gerunde „Eine von uns“- Als Schwarze in Deutschland geboren (Bärbel Kampmann)
am 06.04.2000 in der FLORA



I.

„Natürlich bin ich immer mißtrauisch“, sagt Bärbel, „denn das eine habe ich mir vorgenommen: ich werde nicht mehr zum Opfer. Ich will kein Opfer sein, diesen Gefallen tue ich keinem mehr.“...

„Und indem sie von sich spricht, erzählt sie zugleich unzählige Geschichten, ohne sie zu erzählen, eigene oder die von anderen, solche, die sie kennt, und solche, die sie nicht kennt. Alle erzählten Geschichten sind umgeben von so vielen, die nicht erzählt werden, noch nicht oder niemals mehr, und die doch erzählt werden könnten. Und manchmal erzählt man eine Geschichte, ohne zu bemerken, daß man zugleich eine andere erzählt, die sich darin versteckt hat, oder eine ganz andere, verborgen in dieser zweiten. Manchmal hat sich auch eine Geschichte verirrt und sitzt eingeschüchtert und frierend da, und nur, wenn man lange in der Dunkelheit sucht, erkennt man, daß da noch eine hockt.“ (S. 128)


II.

Ihre schwarze Urgroßmutter war eine Sklavin in den Südstaaten. Ihr weißer Großvater wirkte als Soldat des Kaisers beim Völkermord in Deutschsüdwestafrika mit. Ihr schwarzer Großvater kämpfte im Ersten Weltkrieg gegen die Deutschen. Ihre weiße Großmutter liebte den weißen Großvater und später das schwarze Enkelkind. Ihr schwarzer Vater kam als Befreier nach Bielefeld. Ihre Mutter liebte einen Nazi und heiratete später einen anderen Nazi und bekam zwischendurch eine schwarze Tochter, die man Bärbel nannte.

Bärbel wuchs heran, ging in den Kindergarten, spielte auf der Straße, ging zur Schule, fühlte sich so, wie man sich als das einzige schwarze Kind im Bielefeld der Nachkriegszeit fühlen mußte. Fragen nach ihrem Vater verboten sich von selbst, der Makel war zweifach: unehelich, und auch noch mit schwarzer Haut und krausen Haaren. Nach dem Realschulabschluß wurde sie Biologielaborantin, heiratete früh, wie es selbstverständlich war, ließ sich später wieder scheiden, studierte in Köln in einer Zeit, in der man es wagte, das Selbstverständliche in Frage zu stellen.

Sie wurde Lehrerin in Gelsenkirchen, Beamtin, studierte ein zweites Mal und wurde Diplom-Psychologin, arbeitete pädagogisch und therapeutisch mit den Kindern von Migranten und Flüchtlingen, auch mit schwarzen Deutschen. Zunehmend wichtiger wurde die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit Rassismus und Ausgrenzung. Bis zu ihrem Tod im Oktober 1999 war sie als Referentin in einem nordrhein-westfälischen Landesministerium (MASSKS) tätig, zuständig u.a. für den Themenbereich „Antirassismus / Antidiskriminierung“.


III.

Es kommt nicht darauf an, wie lange ein Leben dauert, sondern auf das, was drinsteckt. Dies war mein erster tröstlicher Gedanke, als ich Harald Gerundes Buch von und über Bärbel Kampmann in der Hand hielt und zunächst nur durchblätterte. Gerade mal 53 Jahre waren schließlich kein langes Leben, als sie vor etwas mehr als einem halben Jahr am 27. Oktober 1999 starb. Mein erster Eindruck bestätigte und verstärkte sich beim Lesen. Am Ende hatte ich mehr über einen Menschen, den ich zu kennen glaubte, erfahren, aber auch einiges mehr über mich selbst.

Ich bin Harald Gerunde sehr dankbar, daß er dieses Buch geschrieben und veröffentlicht hat. Es ist ein großes Geschenk für alle, die Bärbel Kampmann gekannt und mit ihr zusammengearbeitet haben. Wir erfahren etwas über ihr Leben sowie über ihr Denken und Handeln. Bei mit wurden Erinnerungen geweckt an eine Frau, die ich als Leiterin der RAA in Gelsenkirchen kennen lernte habe und die mir durch vertrauensvolle Zusammenarbeit im beruflichen und dienstlichen Zusammenhang vertraut wurde.

Für mich war Bärbel Kampmann ganz selbstverständlich immer „eine von uns“. Weder ihre Hautfarbe noch ihr krauses Haar (und auch nicht ihr Glasauge) legten zwischen uns eine Distanz, wir funkten auf einer Wellenlänge, weil wir ein offenes vertrauensvolles Arbeitsverhältnis zueinander hatten und das bei uns beiden bestimmt war von dem Willen, einmal erkannte Probleme gemeinsam zu lösen.

Bärbel Kampmann war eine starke Frau mit einem „unruhigen Geist“. Sie war – mit Lichtenberg – davon überzeugt: „Es muß anders werden, wenn es gut werden soll.“ Dafür hat sie einen engagierten und fröhlichen Kampf gekämpft. Sie hat gezeigt, wie Erziehung am besten wirksam werden kann, nämlich durch das Vorbild als „vorgelebtes“ Beispiel. Mit ihr konnte ich – nach Theodor W. Adorno – „ den bessern Zustand denken, in dem man ohne Angst verschieden sein kann“.

„Sie war von ihrer pädagogischen Berufung überzeugt“. Und wir erfahren durch Harald Gerunde, daß sie in einem Buch von Antonio Gramsci den Satz den Satz unterstrichen: „Danach ist jeder Lehrer immer Schüler und jeder Schüler zugleich Lehrer.‘“(S. 120) Hier ist die Rede von einer Erziehung, die nur dann erfolgreich sein kann, wenn die „Ich-Du-Beziehung“ funktioniert. Bärbel Kampmann wußte dies. Sie hatte ein Gespür dafür, welche Erziehungsmittel jeweils einzusetzen sind: Strenge oder Streicheln, Fordern oder Nachgeben.

Das Buch gibt allen, die sie – mehr oder weniger – persönlich gekannt haben, die Chance, sich an Bärbel Kampmann zu erinnern und über sie und dabei auch über sich selbst mehr zu erfahren. Aber auch diejenigen, die Bärbel Kampmann nicht kannten, werden beim Lesen etwas über über eine starke Frau erfahren können. Und zwar jeder auf seine Weise.

Bei der Lektüre fand ich ein Zitat, das für mich eine Schlüsselstelle ist: „In der Kultur der Fulbe und der Bambara gibt es jeweils zwei Wörter, um die Person zu bezeichnen. Das erste der beiden Wörter bedeutet „die Person“ und das zweite „die Personen der Person“... Und was allgemein in Afrika gilt, gilt auch hier: Der Einzelne „... kann ... nicht für sich existieren, sondern nur als Glied der Gemeinschaft. Wenn er leidet, so leidet er nicht allein, sondern mit der Gruppe, der er angehört; wenn er sich freut, so freut er sich nicht allein, sondern mit seinen Artgenossen, Nachbarn und Verwandten, ob diese nun tot oder noch am Leben sind... Was immer dem einzelnen widerfährt, geht die ganze Gruppe an, und was der ganzen Gruppe widerfährt, ist ebenso Sache des einzelnen. Das Individuum kann nur sagen: ‚Ich bin, weil wir sind, und weil wir sind, bin ich‘.“ (S. 77/78 ):
Diese Textstelle erinnerte mich wiederum an eine Sentenz aus einem frühen Werk des Hoffnungsphilosophen Ernst Bloch; er hat sie den „Spuren“ als Leitmotiv vorangestellt:

„ZUVOR
Wie nun? Ich bin. Aber ich habe mich nicht.
Also werden wir erst.“

Beide Zitate machen deutlich, daß ein Mensch den anderen braucht, um sich zu entwickeln, um zu werden. Ähnliche, fast gleiche Gedanken in Afrika und Europa unabhängig voneinander (ohne Internet) gedacht und aufgeschrieben. Sollten die Menschenrechte etwa doch mehr sein als nur ein großer Menschheitstraum? Bärbel Kampmann hat ihn nicht nur geträumt, sondern ganz konkret für das gestritten und – wie wir wissen – auch gelitten, was „internationale Solidarität“ heißt.

Ich bedanke mich bei Harald Gerunde, der nun aus dem Buch „Eine von uns“ lesen wird. Ich danke der Buchhandlung Junius, die am heuten Abend diese Präsentation ermöglicht hat. Und Ihnen, meine Damen und Herren, danke ich für ihr geduldiges Zuhören.
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Teekesselchen
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Beitrag von Teekesselchen »

Ich bin froh, dass das Stöbern in den GEGEschichten fast täglich meinen Horizont erweitert.

Ich kannte Bärbel Kampmann nicht, wohl jedoch diesen Namen auf einem Grabstein und durfte jetzt feststellen, dass ich bereits seit Jahren an heißen Tagen die Blumen auf ihrem Grab, wie auch die anderen in der Reihe dort, mit ein wenig Wasser versorgt habe.

Ein Elternteil von mir ist auf dem Ev. Altstadtfriedhof in der gleichen Reihe begraben und bei jedem meiner Besuche dort hat es mich zu der Grabstelle gezogen, die immer liebevoll mit kleinen und größeren Engeln, einzelnen Blumen oder Zweigen, manchmal auch mit Stofftieren oder Porzellanfigürchen geschmückt ist.

Im Moment liegen mehrere meeresgrüne Steine dort.

Oft habe ich mich gefragt, wer diese Frau wohl ist.

Dank GEGE weiß ich es jetzt.

Stromwort
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Beitrag von Stromwort »

Oh, das macht mich sehr betroffen, das Frau Bärbel Kampmann verstorben ist.
Ich hatte sie an der Hauptschule Schultestraße als Klassenlehrerin und ich fand sie immer korrekt.

Danke Bärbel !

Jazzam
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Beitrag von Jazzam »

Bemerkenswert. :!:

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