Claire-Waldoff-Straße: Abriss droht

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Verwaltung
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Claire-Waldoff-Straße: Abriss droht

Beitrag von Verwaltung »

Zum Thema siehe auch:
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... php?t=6437

Ole? . . .
Gelsenkirchen, 28.04.2008, Von Lars-Oliver Christoph

. . . wir fahren nicht zum Puff nach Ückendorf: Verwaltung und Politik wollen Plänen für ein Großbordell im Süden einen Riegel vorschieben. Das Ziel: Ein angemessenes "Eingangstor zur Stadt"

Schön ist anders: Auswärtige, die von der A 40 über den Junkerweg in Richtung City fahren, eröffnet sich in Höhe Bochumer Straße ein alles andere als attraktives Eingangstor zur Stadt. Und weil in diesem Bereich nun auch noch die Ansiedlung eines Bordells droht, hat die Verwaltung reagiert.

Ein Bebauungsplanverfahren fürs südlich des Junkerweg gelegenen Areal "Cramerweg/Munscheidstraße/Claire-Waldoff-Straße" wurde eingeleitet. Das Verfahren sichert eine geordnete Planung und ist zudem die Voraussetzung zur Verhängung einer so genannten Veränderungssperre, mit welcher unerwünschten Ansiedlungen ein Riegel vorgeschoben werden kann.

"Es bestand Handlungsdruck", kontert Clemens Arens, Leiter der Stadtplanung, den Vorwurf des übereilten Handelns. CDU-Fraktions-Chef Werner Wöll hatte kritisiert, dass sich die Situation schon länger abgezeichnet habe und deshalb nicht per Dringlichkeit hätte behandelt werden müssen. Die Entwicklung habe diesen Schritt erfordert, hält Arens dagegen. Heißt: Es gebe mehrere "Veräußerungsabsichten". So plane u.a. der Eigentümer des Hotels Haus Engelhardt an der Claire-Waldoff-Straße (mit direkter Sichtachse zum Junkerweg), seine Immobilie zu verkaufen. Und: Zum Verkauf stünden auch Grundstücke am Cramerweg, für die die Verwaltung sich ebenfalls "städtebaulich attraktive Folgenutzungen" wünsche.

Und was hat es nun mit den Puff-Plänen auf sich? Dazu hielt sich der in Bamberg ansässige Eigentümer der Immobilie von Haus Engelhardt auf Anfrage bedeckt. Nach WAZ-Informationen hat es bereits mehrere potenzielle Betreiber gegeben, die sich für dieses Gebäude interessiert haben.

Auch Hotel-Chef Heribert Güttler äußert sich dazu nicht. Er würde sein Haus gerne weiterführen, sagt er. Nach dem Pachtvertrag könne ihm der Eigentümer aber von heute auf morgen kündigen. Seine 23 Zimmer (im Gebäude gibt es auch Mietwohnungen) würden gut angenommen; vor allem Montage-Arbeiter zählten zu den Gästen: "Wir sind das günstigste Haus in der Stadt."

Unklar ist auch die Zukunft anderer Gebäude an der Claire-Waldoff-Straße: Die beiden denkmalgeschützten Häuser 6a-b sowie 6c-d stehen leer, dasselbe Schicksal droht der ehemaligen Berufsschule Claire-Waldoff-Straße 12 (siehe Bericht unten). Aufgrund des "desolaten Zustands" dieser (städtischen) Immobilien sei der Sanierungsaufwand "wirtschaftlich nicht vertretbar" für die Stadt, so Arens. Falls sich kein Investor finde, drohe ein Abriss.

In ein Rahmenkonzept für das gesamte Gebiet will die Stadt diese und andere Fragen einfließen lassen und eine "zusammenhängende Enwicklungsperspektive" erarbeiten. Die Verwaltung erhoffe sich dadurch auch positive Effekte für die Bochumer Straße, so Clemens Arens.

In den Grenzen des zu beschließenden Bebauungsplans ist auch das Grundstück, auf dem das Fast-Food-Unternehmen Mr. Chicken seine Zentrale und einen Drive-In errichten wird (wir berichteten). Nicht im B-Plan-Bereich, aber direkt angrenzend und in Nachbarschaft des Wissenschaftsparks liegt die Fläche, auf der das Land ein Justizzentrum errichten möchte.
Kommentar von weltkind hat geschrieben:da kann ich nur mit der namensgeberin dieser putzigen kleinen Straße ausrufen: "wer schmeisst den da mit lehm?" und - wie haelt es die stadtverwaltung mit dem feschen fetischshop, der ganz oeffentlich und ganz unbehelligt in der naehe residiert? und auffaellig fuer sich wirbt. da gibt es so manches schloss und so manchen riegel, den man vorschieben koennte, kaeuflich zu erwerben. und - was ist so schlimm an einem puff? spuelt doch geld in die klammen kassen - olé!
Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/sta ... etail.html

pito
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Beitrag von pito »

Demnächst abgerissen???
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:shock:

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Verwaltung
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Beitrag von Verwaltung »

Heavy Metal und öffentliches Interesse

Uns allen bestimmt noch in guter Erinnerung:
Die Eröffnung der Ausstellung aller Wettbewerbsbeiträge zum Neuen Hans-Sachs-Haus. Na, also –geht doch!

Nun aber droht einem anderen Gebäudekomplex der Abriss.
Wie wir aus der WAZ vom 29.04.2008 erfahren durften, sind die historischen Häuser an der Claire-Waldoff-Straße „abbruchgefährdet“.
Altes Muster, einfach abreißen.

Einfach abreißen?

Aus stadtplanerischer und stadthistorischer Sicht wäre die Beseitigung sicherlich ein herber Verlust. Sowohl für den Stadtteil Ückendorf, als auch für Gesamt-Gelsenkirchen. Es gibt in Gelsenkirchen nur noch wenige Zeugen unserer „Metall-Vergangenheit“ – die Eisenverarbeitung war eine der Säulen unserer heimischen Industrie. In der Denkmalliste der Stadt sind die Gebäude eingetragen – trotzdem abreißen ?

Besteht denn kein öffentliches Interesse an einem Erhalt?

Wenn es kontrovers ist, ob die Gebäude erhalten und sinnvoll umgenutzt werden können, warum wird nicht wieder zu dem Verfahren gegriffen, das beim Hans-Sachs-Haus zum Umdenken geführt hat: Die Stadt lädt eine Handvoll erfahrener Architekten und Bausachverständige ein und läßt in einem zweitägigen Werkstattverfahren prüfen, ob sie erhaltungsfähig sind und zu was sie günstig umzubauen wären.

Die Verwaltung, Zuzu, Heinz, Emscherbruchh, Fuchs, Pito



Zur Information über den stadt- und wirtschaftsgeschichtlichen Hintergrund des Ensembles zitieren wir einen Abschnitt aus einem von Dr. Lutz Heidemann verfaßten und von der Stadt GE 1998 herausgebrachten Faltblatt zu Zeugnissen der Industrialisierungsgeschichte:

  • Die ehemalige Bergbauberufsschule Claire-Waldoff-Straße 12 als Zeuge der Metall-Werke Westfalia


    1903 richtete der Bauunternehmer Johann Schnapp auf seinem Grundstück zwischen der heutigen Claire-Waldoff-Straße und einer Werksbahn vom Hauptbahnhof zur Zeche Rhein-Elbe (vgl. Nr. 17) eine Armaturenfabrik ein. In den folgenden Jahren füllte sich das Gelände mit Werkstattgebäuden. Der Betrieb wandelt sich zur Maschinenfabrik Westfalia AG und fertigte als typischer Bergbauzulieferer u.a. Preßluft-Bohrmaschinen, Kompressoren, Spülversatz-Anlagen und auch Armaturen. Die später auch durch Kriegsaufträge florierende Firma ließ sich 1915/16 ein repräsentatives Verwaltungsgebäude errichten. Später hieß die Firma Kessel- und Maschinenbau GmbH. In den 60er Jahren wurden die Produktionseinrichtungen abgebrochen und das Verwaltungsgebäude zu einer Berufsschule umgenutzt. Heute befindet sich hier die Betriebsstätte "Neue Arbeit", eine Einrichtung der Gesellschaft für Arbeits-förderung, berufliche Bildung und Soziokultur, GABS, (vgl. Nr. 6).

    Das Verwaltungsgebäude (Entwurf Architekt Xaver Rademacher, Gelsenkirchen) ähnelt mit der repräsentativen Fassade zur Straße eher einem Adelspalais. Ein Gesims trennt das Erdgeschoß von den bei den Obergeschossen, die von durchgehenden Pilastern gegliedert werden. Die Betonung der Mittelachse erfolgt durch überbreite Fenster und einen großen Giebel. Die Rückseite dagegen ist ganz schmucklos.

    Für die Arbeiter der Fabrik wurden 1911 die beiden Doppelhäuser Claire-Waldoff-Straße 6 a-d gebaut. An den reich gegliederten Fassaden wechselt Klinker mit Rauhputz; in den Treppenhäusern gibt es noch die ursprünglichen Geländer und Bodenfliesen.

pito
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Beitrag von pito »

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tiborplanet_de
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Beitrag von tiborplanet_de »

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mal hierher verlinkt aus dem Hinterhof Thema...

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

. . Gefahr gebannt - Grundstück gekauft: Verwaltung schiebt Bordell-Plänen in Ückendorf einen Riegel vor und erwirbt Grundstück mit Hotel. Workshop soll Weichen stellen für "Stadteingangstor". Ärger über Insolvenzverwalter

"Ole?, wir fahren nicht zum Puff nach Ückendorf" - so titelte die WAZ Ende April. Die Pläne für ein Großbordell an der Claire-Waldoff-Straße sind nun endgültig vom Tisch: Die Stadt hat das bebaute Grundstück (Hotel Engelhardt) an der Claire-Waldoff-Straße 3-5 nach WAZ-Informationen erworben; die Politik hat im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften ihren Segen gegeben.

Im Herbst will die Verwaltung bei einem Workshop die Weichen stellen für ein attraktiveres Gesicht des "Stadteingangstors" im Bereich Junkerweg/Bochumer Straße/Wickingstraße/Claire-Waldoff-Straße, kündigt Planungsreferats-Chef Clemens Arens an. Eine "zusammenhängende Entwicklungsperspektive" soll erarbeitet werden. Ob bzw. welche Gebäude unter die Abrissbirne kommen, könne man derzeit nicht sagen.

Wie berichtet, stehen die denkmalgeschützten, aber maroden und zum Teil leer stehenden Wohnhäuser an der Claire-Waldoff-Straße 6 a-d zur Disposition. Und auch den Abriss der ehemaligen Berufsschule an der Claire-Waldoff-Straße 12 schließt die Verwaltung nicht mehr aus.

Die Fassade des von der GABS bis zu ihrer Insolvenz genutzten Gebäudes sei in einem "sehr schlechten Zustand", heißt es in einer Verwaltungsvorlage. Aufgrund von Gefahr in Verzug hat die Stadt Fangnetze und Gerüste anbringen lassen. Eine dauerhafte Instandsetzung würde rund 45 000 Euro kosten, so schätzt das Zentrale Immobilienmanagement der Stadt.

Übrigens: Heimlich, still und leise hat der Insolvenzverwalter der GABS die ehemalige Berufsschule weitervermietet - zum Ärger der Eigentümerin Stadt. Nutzer ist nun die "Arbeit und Bildung gGmbH", eine Untergesellschaft der Diakonie Gladbeck-Dorsten-Bottrop. Diese führt zurzeit die Maßnahmen und Förderungen der GABS weiter.

Die Verwaltung hat der Inbetriebnahme formal widersprochen und der Diakonie einen Mietvertrag bis Ende 2008 angeboten. Weitere Schritte seien nicht geplant, weil man die Weiterführung der Maßnahmen nicht gefährden wolle, so war zu hören. loc
WAZ Gelsenkirchen, 18.06.2008
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

pito
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Beitrag von pito »

In akuter Gefahr:
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brucki
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Beitrag von brucki »

Ich habe gestern beim Vorbeifahren gesehen, daß das Westfalia-Gebäude eingerüstet ist. Sieht nach Renovierung aus...!?

pito
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Beitrag von pito »

Ja, das hat mich auch verwirrt. Keine Ahnung. :ka:

bürohengst
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Beitrag von bürohengst »

Verwaltung hat geschrieben: Nun aber droht einem anderen Gebäudekomplex der Abriss.
Wie wir aus der WAZ vom 29.04.2008 erfahren durften, sind die historischen Häuser an der Claire-Waldoff-Straße „abbruchgefährdet“.
Altes Muster, einfach abreißen.

Einfach abreißen?
ja wirklich...gut dass es noch die waz gibt...sonst würde man nicht mal die gerüchte die inne stadtverwaltung entstehen mitbekommen...

ich hätte gerne einen offiziellen wisch...oder ähnliches...wo unten jemanden ...im auftrag von wem auch immer.... mit name und vorname seine unterschrift hingekritzelt hat...und mittendrin ....die ausführliche begründung ...aber bitte auch für ohneabitur menschen nachvollziehbar ....

aber dass scheint wiedermal sone ...nur für eingeweihtengeschichte zu sein..
..jaja...genau wie beim hsh....stimmt!..

pito
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Beitrag von pito »

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Tanja
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Beitrag von Tanja »

Ich war vor zwei Monaten da und habe mit der Standortleiterin gesprochen. Sie sagte, das Gebäude sei eingerüstet, da die Stadt befürchtete einige Gebäudeteile, Steine könnten aus der Fassade brechen und runterfallen. :shock:

Der Mietvertrag liefe noch bis 2010. Auch ihr wurden keine Zusagen über den Erhalt des Gebäudes gemacht. :?

Innen kann man noch ein paar sehr schöne Details sehen, wie das alte Direktorenzimmer mit toller Holzvertäfelung. Teilweise sind noch die alten Bergbaubodenfliesen erhalten.

Tanja
"Mein Hund ist als Hund eine Katastrophe - aber als Mensch unersetzlich!" (Johannes Rau)

bürohengst
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Beitrag von bürohengst »

...da die Stadt befürchtete ....
ohja!! ...erinnert mich an waltdisney streifen ...blitz und dunkle wolken untermalt mit ochsenstralen symphonieklünker....
und das arme städtchen in sich gekrochen... mit grossen kulleraugen.... vollschiss inne buxe...brrrooummmsm!!

Auch ihr wurden keine Zusagen über den Erhalt des Gebäudes gemacht. :?
wer macht sowas bloss ...nicht??

standortleitung kling ja vielversprechend....also warten wir mal ab ....bis der geheimnisvollen briefumschlag mit der richtung wo es hingehen soll.... reinflattert....und die karawane wieder lose ziehen kann......den rest übernehmen schon die hunde!! 8)

Braunschweiger13
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Beitrag von Braunschweiger13 »

Schon vor 30 Jahren gab's mal Bestrebungen, im Bereich der Dessauerstr. 'nen Puff anzusiedeln. Aufgrund des Anwohnerprotestes ist es schon damals nicht dazu gekommen ... Vielleicht erklärt das ja den Niedergang des Viertels :lol:

andi
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Beitrag von andi »

Tanja hat geschrieben:Der Mietvertrag liefe noch bis 2010...
Das bezieht sich wohl auf den Mietvertrag mit der GABS.
Laut WAZ hat der Insovenzverwalter der GABS das Gebäude, ohne Rücksprache mit der Stadt, an die "Arbeit und Bildung gGmbH", weitervermietet. Die Stadt habe aber einen Mietvertrag bis Ende 2008 angeboten.
http://www.derwesten.de/nachrichten/sta ... etail.html

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