Rektor i.R. Ernst Goltz und seine Stadtkarte

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Besuch bei Herrn Goltz!


Hallo Leute. Heute fahre ich zu Herrn Goltz!

Er hat den Termin letzte Woche verschoben, weil er mit seiner Aufstellung noch nicht fertig war. Bericht vom Besuch kommt dann morgen.

@Heinz O
Danke noch mal, dass Du ein paar Bilder ausgedruckt hast! Er wird sich bestimmt freuen.

Doro

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Ego-Uecke
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Beitrag von Ego-Uecke »

Aktuell kann ich auch Dias scannen. Braucht aber relativ viel Zeit, jeweils zwei Stück sind möglich, bei 300 dpi (sollte man mindestens einstellen, 600 dpi wären noch besser) macht des pro Scan zwei Minuten für zwei Dias.

Wenn dann noch die Gläser gereinigt werden müssen, weil verstaubt oder Dias im Rahmen verschoben sind, ist das ganze eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit.

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Chronistin66
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Zweiter Besuch bei Rektor Goltz

Beitrag von Chronistin66 »

Am Donnerstag war ich bei Herrn Goltz und er hat sich sehr gefreut, dass wir uns so für seine Areiten interessieren.

@ultimo
Ich habe mir erlaubt Deinen Beitrag als ehemaligen Schüler auszudrucken und ihm zu lesen zu geben. Er wirklich gerührt.

Er hat handschriftlich aufgelistet, was er an Lehr- und Lernmittel erstellt hat.

Ich habe mir erlaubt das ein wenig zu gliedern:

Gelsenkirchen in Karte, Bild, Wort!
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Die Jahre zwischen 1967 und 1970 veränderten die Grundschule gewaltig. Die Mondlandung z.B. passte nicht in das Bild der herkömmlichen Heimatkunde. Sie musste gestrichen werden. An ihre Stelle trat der neue Begriff „Sachunterricht“. Eine Neuerung kam noch hinzu: Alle Schulen wurden aufgefordert, eigene Unterrichtspläne zu erstellen.
Das Buch „Gelsenkirchen in Karte, Bild, Wort“ stand zu dieser Zeit kurz der Vollendung. Alle Teile des Buches entsprachen den neuen Richtlinien. Das Kultusministerium von Nordrhein Westfalen stufte das Buch als „lernmittlerfrei“ ein. So durfte in den Klassen sofort mit diesem Lehrmittel gearbeitet werden.
Der Erfolg schien Goltz zu inspirieren, neue Lehr- und Lernmittel zu entwickeln. Dabei zeigte sich seine Vielfältigkeit Er arbeitete als Autor, Verfasser und Laktor des gesamten Textes, als Zeichner und Grafiker aller Arbeitsblätter und Karten, als Fotograf von über 600 Diapositiven. Hinzu kamen die 300 Luftaufnahmen. Alles trug dazu bei, die Lehr- und Lernmittel so billig wie möglich herauszubringen.
Von seiner Schulrätin erhielt er den ehrenden Auftrag, durch Vorträge und Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen sich mit den neuen Richtlinien vertraut zu machen.
Weitere Unterrichtsmaterialien:
Jan. 70:
Goltz entwickelte eine Karte im Maßstab 1:10 000 mit 550 magnetischen kleinen rechteckigen Kärtchen. Auf ihnen waren die Namen von Hauptstraßen, Kanälen usw vermerkt. Werke, Zechen, Sportanlagen, Grünanlagen waren durch Symbole vertreten.
Juli 70:
Es folgten Arbeitsblätter für die Hand der Kinder, die das 3. Schuljahr besuchen. Erkenntnisse, die an der Magnettafel gewonnen werden, können auch für die häusliche Arbeit fixiert werden.
Juli 70:
Folien für den Tageslichtprojektor begeistern unsere Kinder durch die Mehrfarbigkeit.
Juli 70:
Goltz brachte das Heft „Das Bauernhaus in unserem Raum“ heraus. Das erschien in Format DinA4. Durch einen Mäzen konnte das Heft kostenfrei an die Kinder weitergeleitet werden. Auch Rektor Goltz fertigte seine 18 Federzeichnungen kostenfrei an.
März 71:
Entwicklung einer Schautafel „Kommunizierende Gefäße“ zur Vorbereitung der Untersichtstunde mit dem Ziel „Der Schleusungsvorgang am Rhein-Herne-Kanal“.
Veranstalter dieser Fortbildungsmaßnahme war der westfälische Heimatbund in Münster.
Juni 71:
Goltz schuf eine weitere Arbeitsmappe, die aus 18 Blättern in Format DinA4 besteht. Auch diese 18 Blätter hat er gezeichnet. Natürlich hat er die Schrift gesetzt.
Wer kann sich noch an diese Arbeitsblätter erinnern???
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Die WAZ schrieb am 22.6.71: „Rektor hat den Grundschulkindern des 3. Schuljahres ein Unterrichtswerk in die Hand gegeben, das in der Bundesrepublik seines Gleichen sucht.“
Mai 74:
Es war fürwahr eine Sisyphusarbeit, bei der sogar das Ende stimmt; denn bei den Diaaufnahmen kann es kein Ende geben.
Hier nun einige Themen:
Sportanlagen in Gelsenkirchen,
die Abwässerungsbeseitigung,
die Sicherheit im Straßenverkehr,
Schulen und Kirchen in unserer Stadt,
nahezu all Innenräume der Kirchen mussten zusätzlich beleuchtet werden.
Hier noch ein paar Themen:
„Die kunstfreudige Stadt“,
„So wohnt man in unserer Stadt“,
„Im Stadtwald“,
„Auf dem Markt“,
„Was wird in unserem Werken und Fabriken hergestellt?“
Juni 72:
Goltz entwickelt 5 Plakate zu dem Themenhinweis: „Umweltschutz muss bei uns beginnen.“ Die Idee und die Entwürfe stammen von ihm. Die Plakate erhielten ihre endgültige Form durch den Zeichner der Sparkasse Arnold Torweg. Clou der Arbeit ist, dass alle Entwürfe Situationen aus unserer Stadt darstellten.
Juni 74:
Der Redakteur der WAZ sagte über Goltz:
„Er ist ideell und materiell enorm engagiert.“
Okt. 75:
Goltz brachte die eine neue Großkarte heraus. Die Presse schrieb: „Die Karte wird einem wertvollen Beitrag zum heimatkundlichen Wissen der Grundschüler leisten.“ Erschienen ist auch diese Karte beim dem Gelsenkirchener Lehrmittelverlag „Hermann Strohmeier“.
Schon längere Zeit arbeitete Goltz an der Entwicklung grammatikalischer Tafeln. Sie sollten helfen, das Sprachgefühl positiv zu beeinflussen. Das Unterrichtswerk besteht aus der Grundtafel und 550 Wortkarten. Kolleginnen und Kollegen waren von der Idee des Unterrichtswerkes so begeistert, dass mehrer Exemplare sofort bestellt wurden.
Auch hier habe ich ein Beispiel....
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..so bekamen die I-Männchen die Buchstaben beigebracht. Ich habe ein ganze Buch. Handgeschrieben. "Lesen als Gebärdenspiel" nach Koch.

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Vom Luftbild zur Karte:
Das nächste Arbeitsfeld hieß: „Vom Luftbild zur Karte“
Der Pilot Brennholt flog die einmotorige Cessna. Gestartet und gelandet wurde auf dem Flugplatz Lohmühle bei Recklinghausen.
Geflogen wurde ohne Co-Piloten-Tür. Dadurch brauchten wir eine lästige Spiegelung nicht zu fürchten. Und zwei Gurte übernahmen meine Sicherheit.
Wir flogen meistens in einer Höhe von 300 Metern. Alles schien in bester Ordnung. Da trat auf dem zweiten Flug eine Störung eine Störung auf, die uns in Schrecken versetzen sollte: Der Motor setzte aus. Der Pilot startete immer und immer wieder. Aber alle Bemühungen waren vergebens. Inzwischen hatten wir eine Höhe von 200 Metern überschritten. Und wir befanden uns gerade mitten über Recklinghausen. Aber alles war vergebens. In höchster Not sprang der Motor in rätselhafter Weise an. Ganz überstürzt flogen wir zurück zum Flugplatz. Sofort nahm der Pilot den Maotor auseinander. Und schon bald konnte er berichten, dass er den Übeltäter erwischt hätte. Es war eine kleine Fliege, die die Benzinzufuhr unterbrochen hatte. Am Nachmittag konnten die Flüge fortgesetzt werden. Wir flogen streng von Westen nach Osten, bzw. von Osten nach Westen. Dadurch waren die Dias genau eingenordet. Nun konnte die Hausarbeit beginnen. Die Dias mussten gerahmt und beschriftet werden.

Für die Arbeit in der Schule sind zwei Projektoren notwendig. Während der eine Projektor Lustaufnahmen zeigt, bringt der andere Projektor den entsprechenden Kartenausschnitt. Übereinstimmungen werden schnell erkannt. Die Entdeckerfreude findet natürlich reichlich Nahrung.
Tanzsportclub Grün-weiß Gelsenkirchen
Ein nebenberufliches Hobby wartete schon lange darauf entdeckt zu werden. Es war der Tanzsport. Die Pausenhalle war schon dem Tanzsport entsprechend mit einem wertvollem Parkettboden ausgestattet worden. So gründete ich den Tanzsportclub „Grün-weiß Gelsenkirchen“ Auf der Gründungsversammlung wurde ich zum Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt übte ich nahezu 20 Jahre aus. Der herausragende Ball des Jahres war der „Grün-weiß-Ball“ im Hans-Sachs-H Bald empfanden es die besten Turniertänzer als Ehre, bei uns tanzen zu dürfen, denn in Gelsenkirchen tanzte die Spitze des Tanzsports. Ebenfalls gründete ich die Kindergruppe. Nahezu 100 Kinder tanzten am Nachmittag in der Pausenhalle. Die meisten Kinder waren Schüler unserer Schuler. Die Leiter des Trainings waren die Trainer, die auch Turnierpaare unterrichteten.
So war unsere Schule vom Morgen an bis zum späten Abend ausgefüllt mit Musik, Lärm und Lachen.
So hatte ich mir immer eine musische Schule vorgestellt.
Also! Ich habe "Lesen als Gebärdenspiel" bekommen. Das muss ich aber wieder abgeben.

Und ich habe Arbeitsblätter für den Sachunterricht der Grundschule bekommen. Das hat er mir geschenkt!

Ich sehe aber davon ab, das Wappen ausmalen und die Stadtteile bunt anzulegen. :wink:

Beides müsste mal archiviert werden. Wer kann helfen?

Ach ja! Die Dias!

"Das machen wir beim nächsten mal, Frau Rudde.", sagte er mit Schalk in den Augen.

Doro

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timo
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Re: Zweiter Besuch bei Rektor Goltz

Beitrag von timo »

Chronistin66 hat geschrieben: @ultimo
Ich habe mir erlaubt Deinen Beitrag als ehemaligen Schüler auszudrucken und ihm zu lesen zu geben. Er wirklich gerührt.
Das höre ich gerne, nachdem ich ihm in meiner Schulzeit wohl einige Nerven gekostet habe. :-)

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Alles vergeben und vergessen! :wink:

Doro

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Tanja
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Beitrag von Tanja »

Ich habe beide Arbeitsblätter. Den Zettel über die Stadtteile mussten wir als Test ausfüllen. Die kleine Tanja hatte 0 Fehler, obwohl sie "Resser Markt" und "Rottausen" geschrieben hat. :oops:

Das Wappen hatte ich damals schon etwas umgestaltet. 8)

Tanja
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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

Hehe... Resser Markt hatte ich auch falsch... :D


Unsere Arbeitsblätter waren aber so angebläute Matrizen-Abzüge...


Bild
Interoperabel!

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Unsere Arbeitsblätter waren aber so angebläute Matrizen-Abzüge...
Ich habe immer gerne Matrizen gezogen. Das roch immer so gut. Könnt Ihr Euch noch erinnern. Das waren die Dinger mit den Kurbeln....

Ihr werdet lachen. Als ich meinen Sohn das Stadtteilarbeitsblatt zeigte, sagte er: "Das kenn ich. Mussten wir auch machen!"
Die Blätter werden immer noch im Unterricht verwendet.

Na ja! Nicht alle! :?

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Oder findet der Fuchs hier seine Dienststelle?

Spaß beiseite! Herr Goltz hat das alles handgezeichnet. In Tusche! Ich habe die Originale gesehen.

Doro

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Fuchs
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Beitrag von Fuchs »

...uuuuungefähr

da...

Bild

:roll:
Interoperabel!

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Prömmel
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Beitrag von Prömmel »

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Vor ein paar Tagen hatte ich gesehen, dass das Buch mal wieder bei ebay angeboten wird.
Ich hatte mir auch schon vorgenommen, darauf zu bieten. Nachdem aber schon von mehreren Interessenten Gebote abgegeben wurden, ist der Preis bereits fünf Tage vor Ablauf ordentlich gestiegen. Wird mir jetzt langsam schon zu teuer.

Also hab ich mal bei meiner Schwester nachgefragt, ob sie das Buch vielleicht hat. Schließlich war sie ja mehr als zehn Jahr Lehrerin an der Grundschule an der Schwalbenstraße.

Und - Glück gehabt!! Sie hatte das Buch zwar schon in ihre Kiste mit Altpapier getan, :motz: aber das Papier war Gottseidank noch nicht entsorgt. Also hat sie es wieder rausgekramt. Werd ich morgen mal bei ihr abholen.

Jetzt ist es zwar ein bißchen verknickt :sad: - aber auf jeden Fall viel besser als im Reißwolf zu landen. :smile:

Prömmel
1. Mai - April vorbei !
(alte Volksweishei)

tuempelhuhn
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Beitrag von tuempelhuhn »

an herrn Goltz erinnere ich mich mit großer Freude.
er war "mein" Klassen-Lehrer 1953 in der Goethe-Schule,
er brachte mir/ uns das Schreiben und Lesen in einer ganz besonderen Art und Weise bei,
er schrieb einen Buchstaben oder eine Zahl an die Tafel und kreierte daraus Bilder,
zB. wurde aus einer 2, ein stolzer Schwan
Es war schön, ihn als Lehrer gehabt zu haben
Die kürzesten Worte, nämlich JA und NEIN erfordern das meiste Nachdenken.(Pythagoras)

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Chronistin66
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Beitrag von Chronistin66 »

Rektor i.R. Ernst Goltz ist im Alter von 92 Jahren gestorben!

Noch heute erarbeiten sich Gelsenkirchener Grundschüler und -schülerinnen nach seinen Unterrichtsvorlagen ihre Heimatstadt!

Doro

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timo
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Beitrag von timo »

Ich werde Herrn Goltz in allerbester Erinnerung behalten. Leider wurde mir erst viel zu spät bewusst, wie viele Annehmlichkeiten er zu meiner Grundschulzeit beigetragen hat. Er möge in Frieden ruhen.

Mein herzliches Beileid seinen Angehörigen.
Und was hat das mit Gelsenkirchen zu tun?

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