Stadtautobahn A41

Der Kraftverkehr und seine Begleiterscheinungen

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pito
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Beitrag von pito »

rotthauser hat geschrieben:viele Bereiche im Raum Buer/Erle oder Bismarck/Bulmke müßte man untertunneln
Viele Bereiche sind ja schon untertunnelt. Einfach ein paar alte Bergbau-Stollen wieder öffnen, Lampen reinhängen und schon kann der Verkehr fließen. Das sichert zusätzlich Arbeitsplätze an Autowaschanlagen.
:lachtot:

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Wie gut, dass die Stadtautobahn nicht gekommen ist! So gut wie alle Naherholungsgebiete der Stadt wären verschwunden bzw. unbrauchbar geworden.

Ein anderer radikaler Vorschlag: Alle Häuser entlang der Kurt-Schumacher-Straße in Schalke abreißen und die Hausbesitzer mit neuen Grundstücken am Hafen Graf Bismarck "beschenken". Fahrbahn verbreitern, Gehwege mit Fahrradwegen ausstatten und viele, viele Bäume pflanzen, Straße umbenennen zur "Schalker-Allee". Feinstaubmeßstation in den größten Baum hängen und noch einmal nachmessen. :D

Hiermit habe ich mich geoutet, dass ich keins der genannten Häuser besitze, ich gebe es ja zu. :) Allerdings stellt sich schon die Frage, ab wann die Wohnungen nicht mehr zu vermieten sind. Der Leerstand an der Kurt-Schumacher-Straße ist selbst bei Tempo 60 deutlich zu erkennen.

Jetzt fehlt also nur noch der Lottogewinn für die Neubauten der ca. 100 betroffenen Hausbesitzer und schon kann die Lösung Realität werden.

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

rotthauser hat geschrieben:Vielleicht, oder auch ganz sicher würde diese Straße auch zusätzliche Arbeitsplätze bringen, denn dann wäre Gelsenkirchen ein ganz interessanter Standort für sämtliche Logistikkonzerne oder aber auch nur für große Möbelhäuser oder ähnliches, denn dann hätte Gelsenkirchen neben der A2 und der A42 auch eine gute Nord-Süd Route.
Ist ja zum piepen dieses spezialtechnokratische Steinzeitargument aus den 60er Jahren. Glaubst du im Ernst die Autobahn Wuppertal-Münster (Ich kann mir auf Teufel komm raus diese Nummern nie merken) hätte Bochum und Herne neue Arbeitsplätze durch Möbelhäuser und Logistikkonzerne gebracht. Schau mal ein wenig über den Fördertumrhorizont.

In der Tat ist die Autobahnplanung eine Technokratenplanung der 60er, die das Ruhrgebiet netzartig mit Verkehrstrassen überziehen sollte und an deren Knotenpunkten städtebauliche Verdichtungsräume entsehen sollten. Was daraus geworden ist, kann man am besten am Beispiel von Essen-Steele sehen, wo jahrhundertealte Bausubstanz (z. B. ein barockes Waisenhaus aus dem 18. Jahrhundert) den seelenlosen Hochhäusern weichen mußte, wo ein Wertheim-Kaufhaus nur ein Jahrzehnt sich halten konnte, weil die städtebauliche Verdichtung dann doch nicht eintraf.

Ein Resultat sind auch unsere Stadtbaghnen. Die sollten das leistungsfähige West-Ost-Schienennetz der Bundesbahn (S-Bahn) durch Nord-Süd-Schnellbahnen ergänzen. So war geplant eine schnelle Stadtbahn von GE-Hbf zur Bochumer Uni zu bauen, wobei die Fahrzeugwartung der Bogestra in Bochum angesiedelt sein sollte. Was machten die Gelsenkirchener Stadtväter? Sie untertunnelten lieber Bismarck und machten sich an die Arbeit in Erle, statt nach Wattenscheid zu bauen, denn schließlich gab es als Mitnahmeeffekt des Tunnelbaus massenhaft Landesmittel für die Sanierung von Straßen, Abwasserkanälen und Stadtteilzentren. Und nach Bochum geht es weiter mit langsamen Straßenbahnen auf Meterspur, die sich durch die Bochumer zwängen.

Woher ich das mit der Netzwerksplanung weiß? Es gab mal Anfang der 80er ein schönes Buch zum Thema von Thomas Rommelspacher, seinerzeit Planungswissenschaftler an der Ruhr-Uni, später für die Grünen Fraktionsvorsitzender im Essener Stadtrat und ich glaube auch Landtagsabgeordneter (weiß gerade nicht ob er's noch ist)
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exbulmker
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Beitrag von exbulmker »

rotthauser hat geschrieben:…infrastrukturtechnisch wäre diese Autobahn für Gelsenkirchen aus heutiger Sicht schon sehr wichtig gewesen…
Ich glaube infrastrukturtechnisch wäre das auch ein Mißerfolg gewesen. Zur damaligen Zeit war Just-In-Time-Logistik noch ein Fremdwort und ein Möbelhaus an einer Autobahnausfahrt ist auch kein Garant für Arbeitsplätze (s. Möbel-Unger in Bochum). Nicht vergessen sollte man auch, daß das Festhalten der Politik an der Schwer- und Großindustrie und deren Verweigerung Brachflächen für die Entwicklung frei zu geben, einen rechtzeitigen Strukturwandel verhindert hat.
Feinstaub tritt übrigens auf Autobahnen ebenso auf, wie auf Stadtstraßen.
Die Kurt-Schumacher-Straße ist sicherlich stark belastet, aber es ist die kürzeste Verbindung zwischen den Stadtkernen, eine Autobahn wie die A41 wäre dazu sicherlich keine Alternative gewesen.
Wir sind immer die Ersten! Während andere noch straucheln liegen wir schon im Dreck.

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Thomas Rommelspacher:
ab 23.05.2005 Bereichsleiter für Planung beim Regionalverband Ruhr, allgemeiner Vertreter des Regionaldirektors
http://www.rvr-online.de/rvr/verwaltung ... pacher.php

@JürgenB:
Ist es dieses Buch?
Brüggemeier, Franz-Josef und Thomas Rommelspacher,
Blauer Himmel über der Ruhr, Geschichte der Umwelt im Ruhrgebiet 1840-1990. Klartext, Essen 1992
Falls nicht, wie heißt es? Möchte ich unbedingt lesen.
Es war für mich immer rätselhaft, warum nicht zuerst die Städte mit den U-Bahnen verbunden wurden. Aber klar, die "Kleinstaaterei auf kommunaler Ebene" war (mal wieder) das Problem.

Aus Erzählungen meines Vaters kenne ich die Diskussionen über den Bau der A41. Sein damaliger Arbeitgeber, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, hatte damals die Autobahnplanung und -unterhaltung auszuführen (das macht ja heute Straßen.NRW am Wildenbruchplatz).

Soweit ich mich erinnere, sollten Teile der Autobahn auf Stelzen über Siedlungsgebiete geführt werden, so z.B. über die Forsthaussiedlung hinweg.
Da bekommen nicht nur Fuchs und Heinz O. diesen Gesichtsausdruck :shock:
Zuletzt geändert von Emscherbruch am 08.10.2007, 23:36, insgesamt 1-mal geändert.

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Emscherbruch hat geschrieben:Thomas Rommelspacher:
ab 23.05.2005 Bereichsleiter für Planung beim Regionalverband Ruhr, allgemeiner Vertreter des Regionaldirektors
http://www.rvr-online.de/rvr/verwaltung ... pacher.php
Hab ich inzwischen auch recherchiert.
Emscherbruch hat geschrieben:@JürgenB:
Ist es dieses Buch?
Brüggemeier, Franz-Josef und Thomas Rommelspacher,
Blauer Himmel über der Ruhr, Geschichte der Umwelt im Ruhrgebiet 1840-1990. Klartext, Essen 1992
Falls nicht, wie heißt es? Möchte ich unbedingt lesen.
Es war für mich immer rätselhaft, warum nicht zuerst die Städte mit den U-Bahnen verbunden wurden. Aber klar, die "Kleinstaaterei auf kommunaler Ebene" war (mal wieder) das Problem.
Nee, das war es nicht. Irgendwas mit "Krise des Ruhrgebiets" und Klartext -Verlag könnte auch stimmen. Falls ich es irgendwo bei mir hier wiederfinde, sag ich dir Bescheid.

Da fällt mir gerade ein: könnte sein, dass ich es damals in einem Emscherboten besprochen habe. Vielleicht werde ich da fündig.
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Scheri
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Autobahn A 41

Beitrag von Scheri »

Wer kennt die Planung der A41 von 1976.
Anfänge kann man in Scholven noch erkennen, da macht die A52 eine merkwürdige kurvige Führung. Die Spur in nördlicher Richtung ist mit 80km/h begrenzt und führt von der Gegensprur getrennt. Hier sollte ein Autobahnkreuz entstehen und die A41 beginnen.
Sie sollte nach Süden führen und über Resse auf die A 40 in Ückendorf enden.

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Scheri
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A41

Beitrag von Scheri »

Hier die FührungBild

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Geschichts-Interessierter
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Nord-Süd-Autobahn

Beitrag von Geschichts-Interessierter »

Vor einiger Zeit habe ich im Internet Pläne gesehen, die vorsahen, dass eine Autobahn quer durch Gelsenkirchen vom Stadtwald Buer bis zur heutigen Hattinger Straße gebaut werden sollte. Kann Jemand was dazu sagen? Warum und woran ist das letztendlich gescheitert?

Karlheinz Rabas
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Beitrag von Karlheinz Rabas »

Gescheitert ist das an dem politischen Willen.

Karlheinz Rabas
Jeden Dienstag von 17.00 bis 19.00 Uhr sind
Besucher bei uns im Stadtteilarchiv Rotthausen, Mozartstraße 9, herzlich willkommen 10.000 Fotos zu Rotthausen und mehr

postminister
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Beitrag von postminister »

Ein einflussreicher Gegner der A41 war wohl auch der Graf von
Westerholt. Ein Grossteil der Autobahn wäre durch seinen Wald
verlaufen. Die genauen Fakten kenne ich leider nicht, jedoch gilt
als gesichert, daß der Graf wohl grossen Anteil an der Nichtrealisierung
hatte.

Bahnschalker
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Beitrag von Bahnschalker »

Was mich wundert, dass niemand diese Idee aus der Mottenkiste geholt hat. Die A41 wäre für Gelsenkirchen so etwas gewesen, wie die A59 es für Duisburg ist. Außer der A43 gibt es keine echte Nord-Süd-Autobahn im Ruhrgebiet. Daher hätte man mit diesem Projekt vor allem eins geschafft: Mehr Lärm und Abgase in unsere Stadt zu holen.
Nicht der Bessere soll gewinnen, sondern Schalke!

KarlS12
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Beitrag von KarlS12 »

Gibt es eigentlich einen Plan wie die Autobahn genau verlaufen sollte?
Komme etwas durcheinander wenn ich mir den Verlauf durch den Park Westerholt ansehe und die Autobahnbrücke am Trinnenkamp, ebenso den weiteren Verlauf würde mich INTERESSIEREN:

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tulpe
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Beitrag von tulpe »

:oops: Den Plan gibt es! Kann man sicher noch bei der Stadt einsehen.
Es ist das Schicksal des Genies unverstanden zu bleiben.
Aber nicht jeder Unverstandene ist ein Genie.
(R.W. Emerson)

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uwe1904
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Beitrag von uwe1904 »

Huhu,
KarlS12 hat geschrieben:Gibt es eigentlich einen Plan ...
...würde mich INTERESSIEREN:
Da sind wir doch glatt wieder bei einem Lieblingsthema von kg01 gelandet :wink: .
Schau doch mal in den ersten Beitrag dieses Freds:
stulle hat geschrieben:...

Zur Veranschaulichung hier der Link zum Flächennutzungsplan der Stadt Gelsenkirchen vom 17. August 1976

http://www.autobahn-online.de/ehem/a41.html

...
Freue mich auf Eure Beiträge zum Thema A41 und A52.

mfG
Gruß
Uwe

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