Margarete Haferkamp

Menschen die Eindruck in Gelsenkirchen hinterlassen

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Margarete Haferkamp

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Margarete Haferkamp (1908-1994)



Grete Haferkamp: Vor dem Hintergrund der Notjahre während der Inflation um 1923 und der großen Wirtschaftskrise von 1930-31 entstand die Motivation zu dem sozialen und politischen Engagement, das ihr Leben prägte.

Etwa 70 Prozent der Gelsenkirchener Bevölkerung waren gegen Ende des Jahres 1923 auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Nach einer historischen Studie schlugen sich "Rationalisierungen und Mechanisierungen in der Stillegung zahlreicher Zechen nieder und führten zu umfangreichen Massenentlassungen. Zwischen 1922 und 1928, dem Jahr vor Beginn der Weltwirtschaftskiese, sank die Belegschaft im Gelsenkirchener Bergbau um etwas 28.000 Personen. Von Januar 1929 auf Dezember 1930 verdoppelte sich in Gelsenkirchen die Arbeitslosenzahl auf knapp 26.000. Bis 1933 sank die Zahl der im Gelsenkirchener Bergbau Beschäftigten um weitere 15.000 seit 1928."

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Margarete Haferkamp (Quelle: Stadtarchiv ISG / Stadtarchiv Gelsenkirchen)

Es gab viele Streiks, Aktionen und Proteste gegen Arbeitslosigkeit und sogenannte "Hungermärsche". Frauen hatten keinen Zugang zu den Zechen. Grete Haferkamp brachte es fertig, auf das Zechengelände zu gelangen und in der Waschkaue zu den Männern zu sprechen. Sie forderte die Bergleute auf, nicht so ruhig zu bleiben und gegen Lohnkürzungen und Verlängerungen der Arbeitszeiten zu protestieren. - Diese kleine Szene verdeutlicht ihr soziales Engagement und den persönlichen Einsatz.

Am 25. November 1923 wurde eine Ortsgruppe der Arbeiter-Wohlfahrt in Horst gegründet. Grete Haferkamp war eines der frühen Mitglieder, die sich an den Horster Aktivitäten maßgeblich beteiligten. Am 22. Juni 1933 verboten die Nazis die SPD und die Arbeiterwohlfahrt.

Die letzten Bomben des zweiten Weltkrieges fielen am 30. März 1945 auf den Stadtteil Horst. Horst war ein Trümmerfeld. Bereits zwei Wochen nachdem die Amerikaner eingerückt waren, trafen sich die ersten Sozialdemokraten.

Dank Gretes Engagement wurden gleich nach Kriegsende eine Nähstube und der Kindergarten in einem alten Zechenhaus an der Burer Straße errichtet. Die die Betreuung der Kinder hatten Frauen die Möglichkeit, abreiten zu gehen, um die Existenz ihrer Familien zu sichern.

Seit 1957 war Grete Haferkamp Stadtverordnete. Sie setzte sich dafür ein, daß in den Jahren 1958/59 ein Neubau an der Burer Straße für einen Kindergarten und ein Jugendheim errichtet wurden. 26 Jahre lang leitete Grete Haferkamp die AWO in Nord-Horst. Maßgeblich trug sie dazu bei, daß in Horst ein Altenzentrum entstand, das die AWO leitete. 1978 legte sie ihr Amt als 1. Vorsitzende der AWO in Horst nieder. Im Jahr 1928 sie für ihre 55jährige Mitgliedschaft in der SPD geehrt. Sie starb in Jahr 1994 86jährig, von allen demokratischen Parteien als "Symbol der Demokratie" gewürdigt.

M. Ingrid Stange

Aus dem Lesebuch zur Frauengeschichte in Gelsenkirchen. Es ist zum Preis von 5,50 Euro in allen Gelsenkirchener Buchhandlungen und im aGEnda 21-Büro erhältlich

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