Stolpersteine für Gelsenkirchen

Maler, Bildhauer, Fluxus ...

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Stolpersteine in Gelsenkirchen?

Ja, finde ich sinnvoll.
108
86%
Nein, finde ich nicht sinnvoll.
18
14%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 126

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Detlef Aghte
Beiträge: 4780
Registriert: 13.02.2007, 13:44
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Re: Gute Aktion

Beitrag von Detlef Aghte »

Axel hat geschrieben:Hallo liebe Leute,

gute Aktion! Habe direkt auch etwas gespendet. Ich hoffe es kommt auch an...

Schönes Forum habt ihr hier geschaffen. Weiter so!

Gruß Axel
Mitmachen, Axel ,Mitmachen !!!!

detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

maoli
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Stolpersteine kenn ich..

Beitrag von maoli »

Ähnliche Steine kenne ich aus Lübeck, es tut gut nachdenkliche Menschen, mit gesengtem Kopf zu sehen... :shock:

pito
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Re: Stolpersteine kenn ich..

Beitrag von pito »

maoli hat geschrieben:... mit gesengtem Kopf zu sehen...
Du meinst wohl "mit gesenktem Kopf". :wink:

Bernd Matzkowski
Beiträge: 628
Registriert: 29.05.2007, 14:44

rahmenbedingungen stolpersteine

Beitrag von Bernd Matzkowski »

die stolpersteine sind bundesweit in den gemeinden und städten(übrigens auch in den jüdischen kultusgemeinden)umstritten-es gibt befürworter und heftige gegner:hauptargument der ablehner> die opfer würden mit füßen getreten.
diese unterschiedlichen meinungen spiegeln sich auch im rat der stadt bzw. im kulturausschuss wider. ich selbst bin - trotz einiger bedenken- eher pro-stolperstein.
die generelle tendenz geht bundesweit eher in richtung zustimmung.
gut finde ich besonders die dahinter stehende idee: nämlich eine brd-landkarte ganz anderer art.

die stadt selbst hat sich in der abwägung zwischen verschiedenen modellen der erinnerung an die opfer der nazi-diktatur für das projekt "erinnerungsorte" entschieden (federführung: institut für stadtgeschichte), das aber historisch über die zeit von 33-45 hinausgreift und die nazizeit eingebettet in die geschichte sieht

für die stolpersteine gibt es verschiedene voraussetzungen: einige setzt g. demnig, dem das projekt zu verdanken ist, selbst: keine bevorzugung einer "opfergruppe", verlegung immer am letzten bekannten heimat-wohnort vor der deportation/ermordung(straße, haus)

städtischerseits gibt es folgende kriterien, jedenfalls bei der verlegung im öffentlichen raum(bürgersteig):
einverständnis der hinterbliebenen des opfers (falls es hinterbliebene gibt, die aufzuspüren sind)
namensnennung gegenüber dem institut für stadtgeschichte zur historischen recherche
rücksprache mit den jetzigen bewohnern des hauses(information)
antrag bei der stadt wg. verlegung auf öffentlicher fläche(das ist nötig, damit demnig an der entsprechenden stelle seine arbeit durchführen kann, sperrung etc., sieht er auch selbst so vor)

demnig hat sehr lange vorlaufzeiten, weil er
a)viele verlegungsaufträge hat und
b)jeder stein individuell angefertigt wird bm

GELSENZENTRUM
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Rat: Für Orte der Erinnerung, nicht gegen Stolpersteine

Beitrag von GELSENZENTRUM »

WAZ schrieb am 29. Oktober 2005:
Rat: Für Orte der Erinnerung, nicht gegen Stolpersteine
Politik beschließt Geschichtsprojekt

Für das Geschichtsprojekt "Erinnerungsorte" hat sich der Rat einstimmig entschieden. Aber auch die bereits in vielen deutschen Städten errichteten "Stolpersteine" sollen nicht aus dem Blickfeld verloren werden, so der Tenor.
Das vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) nach einer Anregung der "Demokratischen
Initiave" entwickelte Konzept der "Erinnerungsorte" sieht folgendes vor: Die 30x50 cm großen Tafeln aus Sicherheitsglas sollen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet über vergangenen Ereignisse und Entwicklungen exemplarisch informieren. Vor allem, aber nicht nur über die NS-Zeit. Kostenpunkt pro Tafel: rund 300 €. Private Initiativen, Vereine und Institutionen sollen die Kosten übernehmen. Vor allem die Beteiligung von Schulen sei wünschenswert, so das ISG.
Den "Stolpersteinen" des Künstlers Günter Demnig bescheinigte das ISG dagegen inhaltliche Schwächen (wir berichteten). Was im Rat Widerspruch herausforderte. Mit der Begründung des ISG zur Ablehnung des Demnig-Projektes sei seine Fraktion nicht einverstanden, sagte Ernst Sott (Grüne).
Ursula Möllenberg (PDS/AUF) erklärte, das ihre Fraktion sehr gerne die "Stolpersteine" realisiert hätte.

Bürgermeister Klaus Hermandung (CDU) betonte schließlich, dass ein Votum für
die Erinnerungsorte nicht gleichbedeutend mit einer Absage an die "Stolpersteine" sei. In der "Demokratischen Initiative" soll lezteres Projekt zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal diskutiert werden. loc

Bernd Matzkowski
Beiträge: 628
Registriert: 29.05.2007, 14:44

position der stadt

Beitrag von Bernd Matzkowski »

der waz-artikel fasst die städtischen positionen richtig zusammen, gehrt aber nicht auf die verfahrensweise zu den stolpersteinen ein. darauf wollte ich aufmerksam machen. der ratsbeschluss bedeutet eben, dass die stadt selbst sich nicht zum träger der stolpersteine macht, die tür für das projekt aber offen ist. wie das in der stadt geregelt ist, habe ich oben erläutert. wenn also stolpersteine gelegt werden sollen, dann nach dem oben genannten verfahren mit dem entsprechenden antrag an die stadt. um also das projekt anzuschieben, sollte aus den in einem weiter oben stehenden beitrag genannten namensvorschlägen eine auswahl getroffen werden und ein antrag gestellt werden. bm

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Homepage Stolpersteine Gelsenkirchen

Beitrag von GELSENZENTRUM »

Der Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen ist jetzt unter www.stolpersteine-gelsenkirchen.de zu erreichen. Dort findet ihr die aktuellen Infos zu unserem Projekt.

Blacksvs
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Beitrag von Blacksvs »

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, aber ich finde das man das Thema "Juden und die Deutschen" mal langsam auf sich beruhen lassen sollte.
Klar war und ist das schlimm was die Deutschen damals gemacht haben, aber ich denke das es Zeit ist nach vorne zu schauen.
Ich persönlich, kann das einfach nicht mehr hören und möchte auch nichts mehr zu diesem Thema sehen.
Ich finde es einfach zum kotzen das wir Deutschen immernoch dafür verurteilt werden, obwohl die Generationen die nach dem 2. Weltkrieg gebohren worden sind nichts damit zutun haben.
Um das klarzustellen, ich bin kein Rassist und finde es schlimm was passiert ist.
Aber ich denke irgenwann sollte Genug sein.
Ich finde das Einzelschicksale nicht auch noch namentlich auf dem Boden wiederzufinden sein sollen.
Versteht mich bitte nicht falsch.

GELSENZENTRUM
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Beitrag von GELSENZENTRUM »

Blacksvs hat geschrieben:Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, aber ich finde das man das Thema "Juden und die Deutschen" mal langsam auf sich beruhen lassen sollte.
Klar war und ist das schlimm was die Deutschen damals gemacht haben, aber ich denke das es Zeit ist nach vorne zu schauen.
Ich persönlich, kann das einfach nicht mehr hören und möchte auch nichts mehr zu diesem Thema sehen.
Ich finde es einfach zum kotzen das wir Deutschen immernoch dafür verurteilt werden, obwohl die Generationen die nach dem 2. Weltkrieg gebohren worden sind nichts damit zutun haben.
Um das klarzustellen, ich bin kein Rassist und finde es schlimm was passiert ist.
Aber ich denke irgenwann sollte Genug sein.
Ich finde das Einzelschicksale nicht auch noch namentlich auf dem Boden wiederzufinden sein sollen.
Versteht mich bitte nicht falsch.
Das, was du da schreibst, kann man nicht falsch verstehen!
Du sprichst von 55 Millionen Einzelschicksalen?
Der Herr möge mir Gelassenheit schenken...

Blacksvs
Abgemeldet

Beitrag von Blacksvs »

Habe mich wohl falschausgedrückt was die "Einzelschicksale" angeht.
Ich meinte das man die Namen nicht auch noch auf Stolpersteinen wiederzufinden sein müssen.
Meine es nicht bös, aber irgendwann sollte doch schluß damit sein immer darauf rum zu trampeln wie Schlecht wir Deutschen doch sind, wir haben auch genug gutes geleistet.
Denn ich war es nicht der einem Juden was getan hat, warum werde ich dann immer daran erinnert?
Muß Ich nur weil ich Deutscher bin noch 100 Jahre dafür gerade stehen oder daran erinnert werden was damals passiert ist?
Ich denke, Nein.
Wenn ich was an der Vergangenheit ändern könnte, ich würde es tun.
Kann ich aber nicht, niemand kann das und es macht es auch nicht besser sich das Geschende für die Ewigkeit vor Augen zu halten.
Das was andere Länder machen z.B in Afrika, wo ständig irgendwelche Menschen zu unrecht gefoltert,vergewaltigt oder ermordet werden, wird verhältnismässig kaum gesprochen.
Und von dem derzeitigen U.S. Präsidenten fange ich garnicht erst an, komisch nur das keiner mit dem Finger auf die Amis zeigt.
Ich will nur damit sagen das ich für meine oder unsere Vorfahren nichts kann, ich bin für mich und meine Handlung verantwortlich.
Ich will die Verangenheit nicht verharmlosen.

pito
Abgemeldet

Beitrag von pito »

Blacksvs hat geschrieben:... Denn ich war es nicht der einem Juden was getan hat, warum werde ich dann immer daran erinnert?
Du hast nichts getan, also kann dich auch niemand daran erinnern, dass du etwas getan hättest. Man erinnert dich vielmehr an die Taten anderer. Nicht um dich irgendwie schlecht zu machen (wäre ja absurd), sondern um das Geschichtsbewußtsein zu erhalten. Es ist nun mal die Geschichte dieses Landes, und man kann sie nicht ungeschehen machen, außer durch Vergessen. Dieses Vergessen aber könnte unter Umständen eine Wiederholung möglich machen.
Blacksvs hat geschrieben:Muß Ich nur weil ich Deutscher bin noch 100 Jahre dafür gerade stehen oder daran erinnert werden was damals passiert ist?
Du sagst, du würdest gegen deinen Willen an die Geschichte erinnert und müsstest dafür gerade stehen. Ich glaube eher, das kommt zum Teil auch aus dir selbst. Denn wie kannst du dich für etwas so unangenehm betroffen fühlen, dass du gar nicht getan hast??? Du fügst dich da unnötigerweise in eine Rolle und scheinst ein zwiespältiges Verhältnis zur Geschichte zu haben. Du bist nicht damit im Reinen. Solange das so ist, wirst du dich immer in dieser Rolle wiederfinden. Eine Rolle, die du von deinen Eltern/Großeltern übernommen hast. Die hatten möglicherweise tatsächlich einen Grund in dieser Rolle zu stecken. Aber den hast du nicht! Also fang an die Geschichte als das zu betrachten was sie ist, als Geschichte.

Für mich ist das dritte Reich die Geschichte meines Landes, meines Volkes, meiner Vorfahren. Aber doch nicht die meines Lebens!!! Sie ist ganz einfach wertvolle, unverzichtbare Erfahrung, die erzählt, was passieren kann und wozu Menschen fähig sind. Sie hilft zu verstehen, warum Deutschland ist, was es ist, und warum dumme Menschen noch heute als Nazis rumlaufen, darum will ich alles darüber wissen. Nicht um mich zu belasten, sondern um bescheid zu wissen und nicht selber drauf reinzufallen.
Blacksvs hat geschrieben:... es macht es auch nicht besser sich das Geschende für die Ewigkeit vor Augen zu halten.
Solange Kinder geboren werden sind die Älteren verpflichtet ihnen die Geschichte zu erzählen, immer und immer wieder. Denn sonst wissen die Kinder nichts davon und dann geht die gemachte Erfahrung verloren. Und auch den Älteren kann es nicht schaden, die Geschichte ab und zu mal wieder zu hören. Man vergisst nämlich leicht. Reines Faktenwissen ist nicht genug. Erst ein wenig Berührung macht echtes Verständnis möglich.
Blacksvs hat geschrieben:Das was andere Länder machen z.B in Afrika, wo ständig irgendwelche Menschen zu unrecht gefoltert,vergewaltigt oder ermordet werden, wird verhältnismässig kaum gesprochen.
Und von dem derzeitigen U.S. Präsidenten fange ich garnicht erst an, komisch nur das keiner mit dem Finger auf die Amis zeigt.
Tolle Beispiele. Sollte das die moralische Richtschnur für unser Volk sein? Weil die Amis (besser: manche Amis) null Geschichtsbewußtsein haben, sollten auch wir unsere Geschichte vergessen??? Nicht im Ernst, oder? ;-)
Blacksvs hat geschrieben:Ich will die Verangenheit nicht verharmlosen.
Darf man auf keinen Fall machen. Denn sie war schlimm. Unglaublich schlimm. Aber sie ist vergangen. Sorgen wir dafür, dass sie vergangen bleibt.

Babapapa
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Beitrag von Babapapa »

also ich persönlich interessiere mich sehr für die zeit vor 60-70 jahren, zumal ich sie nur schlecht in mein spatzenhirn fassen kann.

stolpersteine und andere stücke erinnerungskultur helfen mir persönlich, zumindest in kleinen schritten die tragweite der geschichte zu fassen.

so begab ich mich letztens zu der stelle, wo das kz buchenwald in GE eine aussenstelle hatte. dies hilft mir, die vergangenheit zu "glauben".

das gute an stolpersteinen ist aus meiner sicht, dass jeder mensch damit befassen kann wie er will. anschauen oder weitergehen ohne feiertagsepos mit geändertem tv-programm.

dennoch denke ich, dass man in deutschland nach jahrzehnten des schweigens nach dem krieg das thema so langsam mal auch offen ansprechen darf, um die bewältigung zu unterstützen.

an der stelle mache ich mal den ultimativen forumstest! ;-)

test: hiltler, göbbels, göring, hess, methoden, usw.

(wenn ich jetzt sterne sehe, kann ich erahnen, wie es in deutschland war, als man nicht über alle themen offen reden durfte)

edit: wow, heute fühle ich mich als vollständiges mitglied der gesellschaft! ;-)

pito
Abgemeldet

Beitrag von pito »

Babapapa hat geschrieben:dies hilft mir, die vergangenheit zu "glauben".
Das ist ein guter Ausdruck dafür.
Bloßes Wissen reicht nicht, es macht keinen Unterschied.

Infotafeln mit langen Texten, wie sie die Stadt favorisiert, sind eine gute und schöne Sache. Wenn man sie liest. Aber Berührung bringen sie nicht.

Blacksvs
Abgemeldet

Beitrag von Blacksvs »

pito hat geschrieben:Solange das so ist, wirst du dich immer in dieser Rolle wiederfinden. Eine Rolle, die du von deinen Eltern/Großeltern übernommen hast. Die hatten möglicherweise tatsächlich einen Grund in dieser Rolle zu stecken.
Also so ist es nicht.
Das einzige was ich über meine Großeltern gehört habe, ist das mein Opa nie auf Menschen geschossen hat.
Vielleicht liegt es auch daran das wir in der Schule ständig mit diesem Thema bombadiert worden ist und auch heute noch ständig irgenwo zu hören oder zu sehen ist.
Ist jetzt vielleicht ein blöder Vergleich, aber vielleicht ist es wie bei einem bestimmten Lied was einem irgendwann auf den Nerv geht wenn man es zu oft hört.
Hmm.

pito
Abgemeldet

Beitrag von pito »

Unser Großvater hat fast nie etwas über diese Zeit erzählt. Nur dass er und gleichaltrige Freunde anfangs regelrecht wild darauf waren, in den Krieg zu ziehen. Kameradschaft, Abenteuer, Heldentum. Das hat man den jungen Männer damals immer wieder versprochen und so haben sie sich den Krieg dann auch vorgestellt, als wäre das eine Art große Kirmes.

An der russischen Front erfuhren sie dann schnell die Realität und das Grauen des Krieges. Mein Großvater sagte, er könne sich an eine konkrete Situation erinnern, in der er geschossen und einen Russen getroffen habe. Er war sich ziemlich sicher, dass er diesen Mann wohl getötet hat.
Sonst hat er nicht viel erzählt. Auch nicht, wie er sein Bein verloren hat. Er muss viel mit sich herumgeschleppt haben, aber konnte es nicht herauslassen.

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