Bergabeiter Demonstration Zeche Graf Bismarck

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Bergabeiter Demonstration Zeche Graf Bismarck

Beitrag von Verwaltung »

Krise an der Ruhr
Titelseite der Zeitschrift "Der Spiegel", 20. Jg., Nr. 26 zur Ruhrkrise. Die Titelseite zeigt eine Bergarbeiter-Demonstration am 25. Februar 1966 in Gelsenkirchen gegen die angekündigte Stillegung von Zechen der Graf Bismarck GmbH.
Spiegel-Verlag
Hamburg, 20. Juni 1966Bild

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Krise an der Ruhr

Beitrag von Verwaltung »

Krise an der Ruhr

Die Ruhrkohle verliert seit 1958 ihre Bedeutung als wichtigster Energielieferant; billiges Erdöl ersetzt in vielen Bereichen die heimische Kohle. Die schwindende Wettbewerbsfähigkeit führt zu zahlreichen Zechenstillegungen und Entlassungen, die den sozialen Frieden gefährden. Die Rezession 1966 verschärft die Strukturkrise. Mit Großdemonstrationen protestieren die Bergleute gegen die existenzbedrohende Misere. Eine Neuordnung der Kohlepolitik erfolgt jedoch erst unter der Großen Koalition. Gesetzliche Maßnahmen und eine aktive Konjunkturpolitik tragen zur Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen bei.


Ende der 50er Jahre haben die Zechen des Ruhrgebiets erstmals Absatzschwierigkeiten. In den Wohnungen wird zunehmend Öl verbraucht, das weniger kostet und leichter zu handhaben ist. Die Absatznöte der heimischen Kohle werden durch billige Importe noch verschärft. Seit 1957 wird mehr Energie ein- als ausgeführt. Zwischen 1955 und 1966 sinkt die Zahl der im Bergbau Beschäftigten von 644.000 auf 398.000. Die Weigerung der Bundesregierung, die Strukturkrise mit einer durchgreifenden Neuordnung des Bergbaus zu lösen, verschärft die angespannte Lage an Rhein und Ruhr.

Bild
Flugblatt: Streikaufruf der IG Bergbau und Energie, 1966


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Plakat: Mit Energie in die Zukunft, 1968

Die Ruhrkrise trägt wesentlich zum Vertrauensverlust der CDU und zum Sturz Ludwig Erhards bei. Erst unter der Großen Koalition werden Maßnahmen zur Konsolidierung des Ruhrbergbaus ergriffen. Das Kohlegesetz vom 15. Mai 1968 fördert die Unternehmenskonzentration und -rationalisierung, begünstigt neue Investitionen und reguliert die Förderkapazität. 23 Bergwerksunternehmen mit 85 Prozent der Förderung schließen sich am 27. November 1968 zur Ruhrkohle AG zusammen. Als Einheitsgesellschaft auf privatwirtschaftlicher Basis bildet sie den Rahmen für eine von Bundesregierung und Gewerkschaften mitgesteuerte Rationalisierung des Bergbaus in sozial verträglicher Form.

(ahw)

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Dietmar
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Graf Bismarck.

Beitrag von Dietmar »

Aus MAO-Datenbank:

„1868 gründete Friedrich Grillo zu Ehren von Otto Bismarck die Gewerkschaft des Steinkohlebergwerks Graf Bismarck. 1869 wurde in der Braubauerschaft nördlich von Schalke mit dem Abteufen des Schachtes 1 begonnen. Der Schacht wurde, wie viele andere auch, mit einem Malakowturm ausgestattet. 1873 wurde die Förderung aufgenommen. Mit dem Bau von anliegenden Werkssiedlungen (der Grundstock für den Stadtteil Bismarck), entstand auch der Bedarf an mehr Arbeitskräften. 1883 konnte mit mehr Personal mit dem Abteufen eines zweiten Schachtes begonnen werden. 1885 ging dieser als eigenständige Förderanlage in Betrieb. Bis 1895 ging ein dritter Schacht in Betrieb. Bis 1911 wurden 3 weitere Schächte in Betrieb genommen. Und 1910 schließlich eine weitere Schachtanlage.

Die Förderanlagen wurden mit den Nummern der jeweils ältesten Schächte bezeichnet. Graf Bismarck 1/4 nannte man künftig Zeche Graf Bismarck 1, Schacht 2/6 Graf Bismarck II, Schacht 3/5 Graf Bismarck III und Schacht 7 Zeche Graf Bismarck VII. Fast alle Zechen besaßen eine Kokerei. Auch auf Graf Bismarck I wurde 1913 eine für alle Schachtanlagen angeblasen. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Ausbau der Zeche zügig vorangetrieben. Ein weiterer Schacht (Schacht 8) wurde auf Graf Bismarck II von 1920-1923 vorangetrieben. Ein weiterer bis 1926.

Die Deutsche Erdöl-AG (DEA) übernahm 1927 die Bodenrechte. Dadurch gelang es, die Weltwirtschaftskrise zu überstehen. Die Schachtanlage VII wurde 1929 weiter ausgebaut. 1931 wurde Graf Bismarck II stillgelegt, die Förderung auf Schacht 3 1938 wieder aufgenommen.
Nach Beseitigung der Kriegsschäden wurde die Förderung komplett neu aufgenommen. Auch die Kokerei ging ab 1952 wieder in Betrieb. Ab 1951, früher als auf anderen Schachtanlagen, setzten auf Graf Bismarck umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen ein, die bis 1964 anhielten.

Der gegründete Rationalisierungsverband des Steinkohlebergbaus hatte die Aufgabe, unrentable Betriebe stillzulegen. Mit der Deutschen Erdöl-AG wurde für den 4. Februar 1966 der Stillegungsbeschluss gefasst. Trotz aller Proteste, die in Gelsenkirchen unter roten und schwarzen Fahnen durchgeführt wurden, wurde die Förderung am 28.September 1966 eingestellt und der Gesamtbetrieb am 30. September 1966. Die Kokerei Graf Bismarck wurde bis 1973 betrieben.

Das Grubenfeld Graf Bismarck wurde mit der Übernahme der Ruhrkohle AG 1968 wieder in die Abbauplanung aufgenommen. Der Schacht 10 wurde 1971 in Emschermulde 1 umbenannt und der Zeche Ewald zugewiesen, von 1973 bis 1974 wurde die Emschermulde 2 niedergebracht. Und diente zur Wetterführung der Bergwerke Zeche Hugo, Zeche Ewald, Zeche Consolidation und Zeche Nordstern.“

30.9.1966: In Gelsenkirchen wurde laut IGBE, heute, die Zeche Bismarck stillgelegt. Vgl. Einheit Nr.14,Bochum 15.7.1971,S.1f.

Dietmar Kesten

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ug122000
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Beitrag von ug122000 »

Kann m ich noch gut an die schlimme Zeit erinnern. Mein Vater und mein Bruder haben beide auf Bismarck gearbeitet. Mein Vater hatte ursprunglich vor nach Bad Wurzach " auszuwandern ". Er konnte dort in einer Glasfabrik arbeiten. Gott sei Dank hat er dann eine Stelle im Kraftwerk bei der Texaco gefunden. So konnten wir dem Ruhrgebiet erhalten bleiben.
Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.
Rainer

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