Claire Waldoff

Menschen die Eindruck in Gelsenkirchen hinterlassen

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Claire Waldoff

Beitrag von Verwaltung »

Claire Waldoff
Schauspielerin, Kabarettistin, Chansonette
Bild
"Linden Cabarets / Claire Waldoff"
Entwurf: Jo Steiner
Druck: Kunstanstalt Voß
72 x 97,3 cm
Berlin, 1914
DHM, Berlin
P 57/1508

1884
21.Oktober: Clara Wortmann wird als Tochter des Bergarbeiters und späteren Gastwirts Wilhelm Wortmann und dessen Frau Clementine (geb. Hiltropp) in Gelsenkirchen geboren.

1903
Nach dem Besuch des Mädchengymnasiums in Hannover, wo sie bei den Eltern des Schauspielers Theo Lingen gewohnt hat, besteht Wortmann das Abitur.
Ihren ursprünglichen Berufswunsch Ärztin kann sie aus finanziellen Mitteln nicht verwirklichen. Sie entscheidet sich zu einer Schauspiellaufbahn und nimmt den Namen "Claire Waldoff" an.

1903-1906
Erste Engagements in Bad Pyrmont und im oberschlesischen Kattowitz (heute: Katowice/Polen).

1906
Umzug nach Berlin.
Auf Vermittlung einer Schulfreundin werden Waldoff im "Figaro", einer Bühne am Kurfürstendamm, einige kleinere Rollen angeboten.

1907
15. Februar: Waldoff debütiert in Berlin im Stück "Herr Kammerdiener Kneetschke".
Wechsel zum Kabarett. Sie erhält ein Engagement am "Roland von Berlin" in der Potsdamer Straße, das neben dem 1908 gegründeten "Chat noir" das bekannteste Berliner Kabarett ist.
Waldoff will bei ihrer Premiere in einem Etonboy-Anzug Texte und Volkslieder des Dichters Paul Scheerbart (1863-1915) vortragen. Doch der Auftritt einer Frau im Herrenanzug, die "antimilitärische" Lieder singen will, stößt bei der Kabarettleitung auf Kritik. Statt dessen vertont Walter Kollo (1878-1940), mit dem sie lange Jahre zusammenarbeitet, "Das Schmackeduzchen" nach einem Text von Hermann Frey (1876-1950) und rettet die Premiere Waldoffs. Der Auftritt wird ein voller Erfolg.
Waldoffs Erfolg basiert auf ihrem unverwechselbaren Stil. Den Berliner Dialekt kann sie sich schnell bei Kneipentouren aneignen. Durch leicht eingängige Melodien und ihre einzigartige Stimme avancieren die Lieder der "Berliner Göre" in allen Berliner Kreisen zu eingängigen Schlagern.

1909/10
Engagement in den Berliner Kabaretts "Chat noir" und "Linden Cabaret".

1910
Durch gute Rezensionen ihrer Auftritte und mit Beginn des Schallplattenvertriebes genießt Waldoff zunehmende Popularität auch außerhalb Berlins.

1913
Großer Erfolg mit "Hermann heeßt er", der zu ihrem meistgesungenen Lied wird. Daneben feiert sie Triumphe mit "Warum soll er nicht mit ihr", "Wegen Emil seine unanständige Lust", "Wenn der Bräutigam mit der Braut so mang die Wälder jeht" und "Wer schmeißt denn da mit Lehm?". In ihren Liedern, die sie meistens weder selbst schreibt noch intoniert, wird das Alltagsleben der einfachen Leute aus der Perspektive einer Frau thematisiert.

1914/15
Engagement am Nollendorf-Theater, da viele Kabaretts ihren Betrieb aufgrund des Ersten Weltkriegs eingestellt haben.
Waldoffs Platten genießen große Popularität bei den Soldaten. Sie erhält zahlreiche Briefe von der Front.

1916
Engagement im Apollo-Theater in Königsberg (heute: Kaliningrad/Rußland).

ab 1919
Nach Kriegsende erneute Kabarettverpflichtungen, u.a. wieder im "Linden-Cabaret".

1924
Waldoff übernimmt eine Rolle in der Erik-Charell-Revue "An Alle", die erste größere Ausstattungsrevue in Berlin.

1924-1933
Neben ihren Kabarettauftritten spielt Waldoff in Operetten und in den immer beliebter werdenden Ausstattungsrevuen mit. Sie sind Teil einer neuartigen Unterhaltungskultur, die sich auch in Berlin etabliert. Zur Zeit der Weimarer Republik feiert Waldoff ihre größten Erfolge.
Auftritte in der Scala und dem Wintergarten, den beiden bekanntesten Berliner Variétes, sowie im Kadeko, dem Kabarett der Komiker. Renommierte Musiker und Autoren wie Kurt Tucholsky und Friedrich Hollaender (1896-1976) schreiben für Waldoff. Über das neue Medium Rundfunk wird Waldoffs Stimme in jedem fünften deutschen Haushalt gehört.

1926
Sie singt in der Revue "Von Mund zu Mund" das frauenemanzipatorische Lied "Raus mit den Männern aus dem Reichstag". Die damals noch unbekannte Marlene Dietrich, eine Freundin von Waldoff, tritt als Ersatz in derselben Revue auf.

1932
Sozialpolitisches Engagement während der Weltwirtschaftskrise. Auftritt im Berliner Sportpalast bei der Aktion "Gegen die Kulturreaktion", die von der kommunistischen Roten Hilfe organisiert wird.

1933
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhält Waldoff vorübergehend Berufsverbot aufgrund ihres Auftritts für die Rote Hilfe. Ihr Versuch, ungehindert weiter zu arbeiten, wird durch das NS-Regime beeinträchtigt. Waldoff darf keine Platten mehr aufnehmen.
Sie tritt in die "Reichskulturkammer" ein und darf im Oktober 1933 wieder auf eine Tournee durch Süddeutschland gehen.

ab 1933
Im "Völkischen Beobachter" wird die populäre Waldoff zwar gelobt, aber der Inhalt ihrer Volkslieder und ihr Auftreten auf der Bühne mit Hemdbluse, Schlips und kurzen Haaren stehen nicht im Einklang mit dem nationalsozialistischen Frauenbild. Auch ihre lesbische Beziehung zu Olga von Roeder ist nicht im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Weiteres Mißfallen erregt eine im Volksmund auf Hermann Göring hinzugedichtete und weit verbreitete Strophe ihres Erfolgs "Hermann heeßt er": "Rechts Lametta, links Lametta und der Bauch wird immer fetta und in Preußen ist er Meester - Hermann heeßt er!"

1936
Propagandaminister Joseph Goebbels untersagt Waldoff Auftritte in der Berliner Scala. Auf der Bühne ist sie immer seltener zu sehen. In Berlin tritt Waldoff nur noch im Wintergarten und im Kadeko auf.

1939
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs beteiligt sich Waldoff an den über die Rundfunksender verbreiteten populären Wunschkonzerten für die Wehrmacht.
Umzug nach Bayrisch-Gmain, einem Ort zwischen Berchtesgaden und Bad Reichenhall.

1942
Auftritt im besetzten Paris.

1943
Letzte öffentliche Bühnenauftritte von Waldoff während des NS-Regime.

ab 1946
Vereinzelte Auftritte nach Kriegsende, u.a. in Berlin und München, beleben Waldoffs Karriere nicht wieder. Sie zieht sich zunehmend ins Privatleben zurück.

1953
Ihre Autobiographie "Weeste noch...!" erscheint.

1957
22. Januar: Claire Waldoff stirbt in Bad Reichenhall an einem Schlaganfall.

pito
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Beitrag von pito »

Dass es in Gelsenkirchen eine Claire-Waldoff-Straße gibt (Nähe Wissenschaftspark) dürfte bekannt sein. Das ist wohl auch die Straße, in der sich die Gastwortschaft ihres Vaters befand. Was ich mich aber frage ist, wo genau war denn die? Steht das Haus noch? Ist es das Haus an der Ecke zur Bochumer Straße?

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Beitrag von Verwaltung »

Kulturkurier hat geschrieben:Ich will aber gerade vom Leben singen...

Ein CLAIRE WALDOFF-Abend mit
SIGRID GRAJEK
Am Piano: Sa. Jens-Karsten Stoll / So. Stefanie Rediske

Am 22. Januar 1957 starb im Alter von 72 Jahren in Bad Reichenhall eine Frau namens Claire Waldoff nach ihrem zweiten Schlaganfall. Eigentlich hieß sie Klara Wortmann. Sie war am 21.10.1884 in Gelsenkirchen als Tochter eines ehemaligen Bergmanns und Schankwirts und seiner Gattin geboren. Sie hatte Ärztin werden wollen…
Doch es kam alles anders. Sie entdeckte ihre Liebe zum Theater, änderte ihren Namen und landete beim Kabarett in Berlin - und dort schrieb sie Geschichte! Von 1907 bis 1935 war sie der Star auf den Brettern der großen Kabaretts und Varietés, ihre Lieder waren Gassenhauer und wurden auf der Straße gesungen: „Hermann heeßt er!“, „Wer schmeißt denn da mit Lehm“, „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ u. a.
Claire Waldoff hat wie keine andere den Ton getroffen, der die Menschen berührte, weil sie eben „gerade vom Leben singen wollte“ - von den Sorgen und Nöten, von den Freuden und Verwicklungen, die das Leben so mit sich bringt. Allein in Berlin sind heute noch zwei Straßen nach der Künstlerin benannt und ihre Bronzebüste steht vor dem Friedrichstadtpalast.
Und sie war so ganz anders als die Chansonetten, Diseusen und Frauen ihrer Generation. Noch bevor das Zeitalter der „neuen Frau“ ausgerufen wurde, nahm sie sich alle Freiheiten, die ihr in den Sinn kamen. Sie rauchte Pfeife und Zigarre, liebte Nordhäuser Korn, fluchte wie ein Müllkutscher und ihre Stimme war das, was man eine „echte Röhre" nannte.

Heinrich Zille nannte sie Karl („ein Kerl wie Samt und Seide“) und zog mit ihr durch die berüchtigten Kneipen im Norden und Osten von Berlin. Ihre große Liebe war Olly von Roeder, mit der sie 40 Jahre lang Tisch und Bett teilte. Auf der Bühne stand sie mit Schlips und Kragen, was ihr Ärger mit dem Zensor einbrachte, der die Auffassung vertrat, dass Frauen im Herrenanzug nach 23 Uhr wegen Unsittlichkeit nichts mehr auf der Bühne zu suchen hätten. Weitaus unangenehmer waren allerdings die folgenden Jahre und ihre Auseinandersetzungen mit den faschistischen Machthabern… Sigrid Grajek (auch als Comedy-Figur „Coco Lorès“
bekannt) sieht in Claire Waldoff die „Urmutter aller Kabarettistinnen“. Entsprechend leidenschaftlich bringt die Schauspielerin die Lieder und das Leben der bemerkenswerten Diseuse auf die Bühne, indem sie in die Figur Claire Waldoff schlüpft, um diese singen, spielen und erzählen zu lassen, wie ihr der Schnabel gewachsen ist: „Zum Brüllen komisch, zum Heulen schön und zum Mitsingen.
Termine:
13.10.2007 20:00 Uhr - BKA Theater
14.10.2007 20:00 Uhr - BKA Theater

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kellerfrau
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Beitrag von kellerfrau »

Verwaltung hat geschrieben: Termine:
13.10.2007 20:00 Uhr - BKA Theater
14.10.2007 20:00 Uhr - BKA Theater
Das ist in Berlin.
Also nix hier in der Nähe...

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Beitrag von Verwaltung »


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Beitrag von Verwaltung »

1953 erschien Waldoffs Biographie "Weeste noch...!". Dazu nahm sie ein kurzes Grußwort auf, dass man online hören kann:

http://www.dra.de/online/dokument/2007/januar.html
(Realplayer erforderlich)

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Habe gerade an anderer Stelle gelesen aber es auch hier in dem Eingangsbeitrag gefunden, dass Claire Waldoff in der nächsten Woche 125 Jahre alt werden würde.

Ich gehe mal davon aus, dass die Stadt Gelsenkirchen von nix weiß (denn ich habe hier keine Ankündigung von irgendeiner Veranstaltung gelesen).
Geboren im Jahre der Meisterschaft - nicht wie ihr alle denkt, sondern 3 Jahre früher!

Heinz
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Beitrag von Heinz »

Um die Claire kümmert sich in GE die Maggie :D
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... ght=koreen

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Ist mir schon klar, Heinz, aber der Stadt ist das Jubiläum einer ihrer bekanntesten Töchter wohl wurscht.

Dann zitiere ich mal einen anderen Chansonnier - nicht aus GE, sondern aus Wien:

"Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen!"
Geboren im Jahre der Meisterschaft - nicht wie ihr alle denkt, sondern 3 Jahre früher!

axel O
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Beitrag von axel O »

....hier gbts mehr zum Geburtstagskonzert :

http://www.chanson-cafe.de/chanson_konz ... zerte.html

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zuzu
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Beitrag von zuzu »

im Oktober 2009 steht ein besonderes Ereignis an: Der Geburtstag der berliner Chansonsängerin Claire Waldoff, geboren am 21.10.1884 in Gelsenkirchen, jährt sich zum 125. Mal.
Maegie Koreen, die Chanteuse aus dem Ruhrpott "trifft" pünktlich an diesem Tag Claire Waldoff in der KAUE in Gelsenkirchen.

Im Anhang erhalten Sie weitere Informationen im PDF-Format.

Zum 125. Geburstag von Claire Waldoff
Mittwoch, 21. Oktober 2009, 20:00 Uhr
MAEGIE KOREEN trifft CLAIRE WALDOFF
"Aus Gelsenkirchen geboren"
Zuzu

Schacht 9
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Beitrag von Schacht 9 »

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Aus ANEKDOTEN, GESCHICHTEN AUS GELSENKIRCHEN,
von Hans-Rudolf Thiel Band 1

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Bin gerade bei 'ner recherche im Deutschen Rundfunkarchiv auf folgende Seite gestossen mit einem O-Ton von Claire Waldoff:

"Eine Berliner Göre aus dem Ruhrgebiet"
http://www.dra.de/online/dokument/2007/januar.html
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Detlef Aghte
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Beitrag von Detlef Aghte »

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Dieses Hinweisschild auf den ehemaligen wohnsitz Claire Waldoffs fand ich im Rathaus Berlin-Schöneberg
Auf einer großen Tafel, waren alle Promis und Orte vermerkt, die relevant sind für Besucher des Stadtteils Schöneberg.Von Tucholsky bis zur Disco La Belle
detlef
Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut
W. Busch

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JürgenB
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Beitrag von JürgenB »

Geh ich doch die Tage am Alexanderplatz entlang, ungefähr da, wo im Oktober dieser Juge totgeschlagen wurde, da sind da so Bauzäune für das nächste Stückchen U-Bahn von Ballühn.

Und auf den Bauzäunen sind Bilderkes von so berühmten Ballühnern aus der Weimarer Zeit, die so um die Ecke im Nikolaiviertel gesoffen, aufgetreten, gewohnt haben/sind, Und da war dann auch ein Bild von Claire Waldoff mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die Dame in Gelsenkirchen geboren worden ist und ihr ballühnerüsch sich erst hierzulande angeeignet habe.

hab leider kein Foto gemacht.

Jürgen
Geboren im Jahre der Meisterschaft - nicht wie ihr alle denkt, sondern 3 Jahre früher!

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