Kondor Flugzeugwerke GmbH

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Kondor Flugzeugwerke GmbH

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Kondor Flugzeugwerke GmbH Rotthausen
Sandberg hat geschrieben: Hier ein Foto der Kondor-Werke
Bild

Gruß
Dirk
Die Kondor Flugzeugwerke GmbH war ein Unternehmen in Rotthausen, in dem seit 1913 der Kondor (oder auch Kondor Taube), gebaut wurde. Der Kondor war eine Weiterentwicklung der Rumpler Taube von 1910, des erfolgreichsten Motorflugzeugs vor dem ersten Weltkrieg, welches wiederum auf eine Entwicklung des Österreichers Ignaz Etrich zurück ging (Etrich Taube von 1909)

Gründung der Kondor Flugzeugwerke 1912 in Rotthausen

Josef Suwelack, der Gründer der Kondor Werke, arbeitete bis 1912 als Konstrukteur für die Firma Rumpler in Johannisthal bei Berlin, dem damaligen "Luftfahrtzentrum" in Deutschland. Dort lernte Suwelack Bruno Jablonsky kennen. Dieser hatte bereits zu Schulzeiten Fluggeräte entworfen und wurde 1911 Direktor der Garuda-Propellerfabrik, bei der man dazu übergehen wollte, komplette Flugzeuge zu bauen. Jablonsky versuchte Suwelack in das Unternehmen zu holen, aber mit der Eröffnung des Flughafens Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen 1912 kam alles anders.

Dort lernte Josef Suwelack den Inhaber der Essener Chemiefabrik Goldschmidt AG, Bernhard Goldschmidt kennen. Der Unternehmer stattete Suwelack mit dem nötigen Kapital für eine eigene Flugzeugwerft aus und organisierte zwei weitere Kapitalgeber.

Mit einem Stammkapital von 50.000 Goldmark (23.000 von Goldschmidt, 25.000 von Ernst August Schröder, 2.000 von Otto May), wurden am 15. Dezember 1912 die Kondor Flugzeugwerke GmbH Essen - Rotthausen gegründet.

Josef Suwelack kann sich durch seine Konstruktionspläne, die mit 10.000 Goldmark bewertet werden, als Teilhaber in das Unternehmen einbringen und wird technischer Leiter.

Nach Suwelacks Plänen wird die Rumpler Taube, an deren Konstruktion er bereits in Johannisthal mitgewirkt hatte, weiterentwickelt und in Serie produziert. Das neue Flugzeug bekommt den Namen Kondor.

BildMontagehalle der Kondor Werke in Rotthausen

Die Vorbereitungen für diese Unternehmensgründung muss bereits im Sommer 1912 getroffen worden sein, denn am 3. Januar 1913 wird der erste Kondor auf einem Testflug der Öffentlichkeit präsentiert.

Bildder erste Kondor der Flugzeugwerke in Rotthausen

Quelle:
Winfried und Walter Suwelack: Josef Suwelack und der Traum vom Fliegen - Leben und Tod des Billerbecker Flugpioniers und Weltrekordlers Josef Suwelack in: Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Kreises Coesfeld, Band 23, 1988


Dieses Buch ist Bestand der Bibliothek von Karlheinz Rabas im Stadtteilarchiv Rotthausen und kann dort eingesehen werden.

Informationen zum Thema Flughafen Rotthausen gibt es bei den Gelsenkirchener Geschichten unter folgendem Link:
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... .php?t=733

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Werkstätten der Konderflugzeugwerke, Bürogebäude

Beitrag von erloeser »

Werkstätten und Büro der Kondor Flugzeugwerke

Für 2.500 Goldmark pro Jahr mieten die Kondorwerke 1913 von der Westdeutschen Flugplatzgesellschaft, die den Flughafen Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen betreibt, einen 80 Meter langen und 18 Meter breiten Hangar, in dem die Werkstätten errichtet werden. Neben diesem Hallenkomplex wird ein Gebäude mit einem Privatkontor, einem Zeichen- und Kontorraum und einem Konferenzzimmer errichtet. Die Baumaßnahmen kosten 25.000 Goldmark.

BildWerkshallen der Kondor Flugzeugwerke und Bürogebäude


Quelle:
Winfried und Walter Suwelack: Josef Suwelack und der Traum vom Fliegen, s.o.

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Konstruktionsbüro und Montagehalle

Beitrag von erloeser »

Mitarbeiter, Konstruktionsbüro, Montagehalle

Suwelack beginnt seine Flugzeugproduktion 1913 mit 60 Personen: Ingenieure, Techniker und Schreiner. Mit Beginn des Krieges steigt die Nachfrage nach Flugzeugen, die sich für die damaligen Verhältnisse für militärische Zwecke (Aufklärung und Jagd) leicht umrüsten lassen, rapide an. Zu Kriegsende 1918 zählt das Unternehmen 1.200 Mitarbeiter.

Bildein Blick in das Konstruktionsbüro im Neubau neben den Werkshallen...

Bild... und ein Blick in die Montagehalle der Kondor Flugzeugwerke

Quelle:
Winfried und Walter Suwelack: Josef Suwelack und der Traum vom Fliegen in: Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Kreises Coesfeld, Band 23

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Flugzeugbau: Rumpfmontage

Beitrag von erloeser »

Flugzeugbau Kondor Taube

Die ersten Motorflugzeuge bestanden in der Regel aus einem Rumpf, zwei oder mehreren Tragflächen, dem Leitwerk mit Höhen- und Seitenruder, einem Fahrwerk oder Kufen, einem Motor und dem Cockpit für eine oder zwei Personen.

Werfen wir einen Blick in die Montagehalle der Kondorwerke und schauen uns die Bearbeitung der einzelnen Teile einmal genauer an:

1. Die Rumpfmontage

BildKondor Flugzeugwerke, Rumpfmontage

Spätestens beim Betrachten des Fotos wird klar, wieso ausgerechnet Schreiner den Hauptanteil der Facharbeiter in den Kondor Werken stellen. Der Rumpf und auch das Gerippe der Tragflächen wird vollständig aus Holz gebaut.

Im Vordergrund aufgebockt erkennt man einen halbfertigen Rumpf. Charakteristisch für den Rumpf der Kondor Taube ist seine Spindelform. Der hintere Teil ist bereits mit dünnen Holzlatten verkleidet. Die Ausparungen im vorderen Bereich, wo sich der Schwerpunkt des Flugzeuges befinden wird, sind für den späteren Einbau der Tragflächenaufhängung und des Cokpits frei gelassen.

Ein Blick durch den Querschnitt des Rumpfes aus dem Cockpit nach hinten:
BildKondor Flugzeugwerke, Querschnitt eines Rumpfes

Auf der Aufnahme schön zu erkennen sind die sich nach hinten verjüngenden Holzringe, auf welche die Spanten der Verkeidung befestigt werden. Der schmale Bolzen, der im Dunkeln des Rumpfes die beiden Tragflächen zusammen hält, ist aus Bambusrohr. ein sehr elastisches Holz, welches unter Belastung nicht so schnell bricht wie herkömmliche Hölzer
Zuletzt geändert von erloeser am 10.10.2008, 23:58, insgesamt 3-mal geändert.

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Flugzeugbau: Tragflächenbau

Beitrag von erloeser »

Flugzeugbau Kondor Taube

Nachdem der Rumpf soweit vorbereitet wurde, wenden wir uns den tragenden Teilen der Kondor Taube zu.

2. Der Tragflächenbau

Ähnlich wie der Rumpf bestehen auch die Tragflächen aus einem Holzgerippe. Entlang zweier dicker Holme, deren Enden später mittels Bolzen am Rumpf des Flugzeuges befestigt werden, sind im rechten Winkel die Rippen angebracht, welche die Grundform der Tragflächen bestimmen. Man kann erkennen, dass diese Teile wiederum aus mehreren kleinen Spanten bestehen, zwischen die rechtwinklig angebracht weitere kleine Verstrebungen aus Holz montiert und verleimt sind. Die so enstehenden Zwischenräume helfen Gewicht einzusparen.

BildKondor Flugzeugerke, Bau der Tragflächengerippe

Das fertige Holzgerippe wird anschliessend mit Tuch überspannt. Tuch hat den Vorteil, dass es sich genau der von den Holzrippen vorgegebenen Form anpasst und wesentlich leichter ist als Holz.

BildKondor Flugzeugerke, Bespannung der Tragflächen

Die Tragflächen werden später an den Rumpf der Kondor Taube montiert. Da sie nur ineinander gesteckt und mit wenigen Bolzen gesichert werden, ist ihr An- und Abbau relativ unkompliziert. Im Hintergrund kann man einen fertig gestellten Rumpf mit eingebautem Motor sehen, auf den nur noch die Tragflächen montiert werden müssen.

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Flugzeugbau: Leitwerksmontage

Beitrag von erloeser »

Flugzeugbau Kondor Taube

3. Das Anbringen des Leitwerks

Hinten am Schwanz des Rumpfes befinden sich Höhen- und Seitenleitwerk, mit denen das Flugzeug über die Quer- bzw. Hochachse gesteuert wird. Querruder, wie man sie heute kennt und die ein Fluggerät über die Längsachse bewegen, damit es z.B. beim Kurvenflug in eine Schräglage gebracht werden kann, fehlten bei den Fliegern der damaligen Zeit noch.

BildKondor Flugzeugwerke, Ausrichten des Seitenruders

Auf der Abbildung sehen wir einen Techniker, der das Seitenleitwerk der Kondor Taube austrimmt. Das Leitwerk besteht aus zwei dreieckigen Rudern, die ober- und unterhalb des Rumpfes angebracht und wie Fahnen in einem Metallrahmen aufgehängt sind. Das Höhenleitwerk ist noch nicht montiert. Das Leitwerk der Kondor Taube war für die damaligen Verhältnisse recht klein.

Die Ruder der Leitwerke werden über Zugseile gesteuert, die nach der Leitwerksmontage ausserhalb des Flugzeugrumpfes angebracht werden.

Der Schwanz wird durch eine Löffelkufe gehalten, welche die Komplette Ruderkonstruktion bei Starts und Landungen vor beschädigungen schützt.

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Flugzeugbau: Die Steuervorrichtung

Beitrag von erloeser »

4. Flugzeugbau Kondor Taube - Das Steuersystem

BildSteuersystem Rumplertaube 1911.
An der Konstruktion der Rumplertaube in Johannisthal war Josef Suwelack bereits beteiligt. Seine massgeblichen Veränderungen beim Bau der Kondortaube bestanden im wesentlichen in der Material- und Motorenwahl. Die Tauben gehen alle auf eine Konstruktion des Österreichers Igor Etrich von 1909 zurück


Um die Ruder der Taube zu bewegen und den Tragflächen eine zusätzliche Stabilität zu geben, war ausserhalb des Rumpfes und der Flügel ein filigranes Steuersystem angebracht, bestehend aus kleinen Masten und Seilzügen.

Oberhalb des Cockpits, sowie an jedem Ende einer Tragfläche befindet sich jeweils ein Mast, dessen Seile die Tragflächen mit einer Spannweite von 14,3 Metern aufspannen.
Die Taube besitzt keine Querruder. Stattdessen lässt sich der Anstellwinkel der Tragflächen über Zugseile verändern, die innerhalb und später ausserhalb der Flügel über einen weiteren Mast an ihren Enden verlaufen. Diese Steuerung über die Flügelverwindung wird vom Piloten über einen Steuerknüppel vorgenommen, der sich zwischen seinen Beinen befindet.

Über denselben Steuerknüppel lässt sich die Schwanzflosse des Höhenleitwerks bewegen. Die Seilzüge hierfür werden erst durch den Rumpf und dann ausserhalb jeweils oben und unten über die beiden Masten an der Schwanzflosse geführt, in die auch die Seitenruderflossen eingespannt sind.

Die beiden Seitenruderflossen wiederum werden über Seile gelenkt, die über zwei Masten rechts und links der Leitwerkskonstruktion geführt werden. Sie verlaufen im vorderen Bereich innerhalb des Rumpfes und werden vom Piloten über zwei Fußpedale bewegt.

Die Fahrwerkskonstruktion, die aus zwei bzw vier Rädern besteht und teilweise mit Kufen ausgestattet ist, wird auch über Seile stabilisiert, die unterhalb des Rumpfes angebracht sind.

Wenn man sich das Profil der Taube auf dem Konstruktionsplan anschaut, dann weiss man, woher sie ihren Namen hat.

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5. Flugzeugbau: Der Motor

Beitrag von erloeser »

5. Flugzeugbau Kondor Taube: Der Motor

Über den Motor, der in die Tauben der Kondorwerke eingebaut wurde habe ich leider keine genauen Informationen gefunden. Es werden verschiedene Motortypen gewesen sein, die in den Jahren von 1913 - 1918 immer leistungsstärker wurden.

Gängige Motorentypen bei Tauben waren ein 4 Zylinder Argus Motor oder ein 6 Zylinder Mercedes Motor (z.B. Typ E4F).

BildSchlosserei Kondor Flugzeugwerke

Die Motoren wurden von Fremdfirmen hergestellt und für den Einbau gab es innerhalb der Kondorwerke eine eigene Schlosserei mit spezialisierten Mechanikern.

BildSchlosserei Kondor Flugzeugwerke

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Leistungsmerkmale der Taube

Beitrag von erloeser »

Technische Daten zur Taube

Leistungsmerkmale:

Besatzung: 2 Personen

Spannweite: 14,3 Meter
Länge: 9,9 Meter
Höhe: 3,2 Meter

Lehrgewicht: 650 kg
Abfluggewicht: 850 kg

Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Reichweite: 140 km
Dienstgipfelhöhe 2.000-3.000 Meter

Motoren:
4 Zylinder Argus Motor oder 6 Zylinder Mercedes E4F u.a.

Bild

Entworfen wurde der Flugzeugtyp Taube 1909 von dem Österreicher Igor Etrich und als erstes 1910 von Lohner in Österreich und Rumpler in Johannisthal bei Berlin in Serie gebaut, später auch von anderen Werken, wie zum Beispiel ab 1913 von Kondor in Rotthausen.

Der Name

Wenn man sich das Foto anschaut, erkennt man sehr deutlich, dass sich die Konstrukteure zu Beginn der Fliegerei noch sehr stark an der Anatomie der Vögel orientert haben. Die Flügel- und Schwanzform des Flugzeugs wirken wie die einer echten Taube.

Der Zanoniasamen

Sein eigentliches Vorbild hatte dieser Flugzeugtyp allerdings nicht in einem Vogel, sondern im Samen einer Kürbispflanze, die sich zanonia macrocarpa nennt.

Bild
Zanoniakürbis

Der Zanoniasamen hat die Form eines Boomerangs und seine "Tragfläche" immerhin eine Spannweite von 10 cm. Dieser Kürbissamen kann bei günstigen Windverhältnissen relativ weite Strecken hinter sich legen, eine Beobachtung, die sich Igor Etrich seit er 1904 begann Flugapparate zu bauen, zu Nutze machte.

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Die Taube in der zivilen Luftfahrt

Beitrag von erloeser »

Die Taube in der zivilen Luftfahrt

Das Schulungsflugzeug

Dank ihrer an dem Zanonisamen orientierten Tragflächenform besaß die Taube eine sehr hohe Eigenstabilität, d.h. das Flugzeug gelangte beim Loslassen der Steuerung automatisch in eine stabile Fluglage, weshalb es sich vorzüglich zu Schulungszwecken und in der Ausbildung eignete.

Das Sportgerät

Die Taube war von Beginn an ein begehrtes Sportgerät, mit der Rennen geflogen und Rekorde aufgestellt wurden. Einer der bekanntesten Rekordhalter war der 1891 in Berlin geborene Pilot Alfred Friedrich, ein Kollege von Josef Suwelack aus dessen Zeiten bei Rumpler.
BildAlfred Friedrich in Johannisthal. Der Flug Berlin - Paris - London 1913 ging u.a. über Rotthausen

Im Dezember 1912 gelang Alfred Friedrich in Johannisthal mit der Taube ein Dauerflugrekord von fünf Stunden und 10 Minuten.

Im August 1913 stellte Friedrich einen neuen Streckenrekord auf. Er flog mit seiner Taube 615 km nonstop von Berlin-Johannisthal nach Isterburg in Ostpreußen.

Einen Monat später fand der legendäre 5 Länderflug statt: Am 5. September 1913 brach Alfred Friedrich zur ersten Etappe Berlin - Paris auf, mit Zwischenstops in Hannover, Rotthausen und Brüssel, um Treibstoff aufzunehmen. Mit von der Partie war der Ballonfahrer und Meteorologe Dr. Hermann Elias, ein Kompass und eine Eisenbahnkarte im Massstab 1: 100.000. Im belgisch-französischen Grenzgebiet kam es dann wegen Unwetter zu einer Notlandung nahe des Dorfes Sars-la-Bruyere. Zwei Tage später konnte der Flug bis Paris fortgesetzt werden. Die reine Flugzeit von Berlin nach Paris betrug sensationelle 12 Stunden.
Von Paris aus setzte Alfred Friedrich seinen Flug in Begleitung des Konstruktuers der Taube, Igo Etrich fort und flog mit diesem über den Kanal nach London. Der Rückflug erfolgte über Frankreich, Belgien, Holland und endete am 20. September in Berlin Johannisthal.

Dieser Flug gilt allgemein als Geburtsstunde des internationalen Linienflugvekehrs, weil er die ersten europäischen Linienflugrouten beschreibt. Berlin - Brüssel - Paris - London. Bemerkenswert ist das Einbeziehen von Rotthausen in diese internationale Flugroute, was die Bedeutung des Flughafens mit seiner Werft und seinen Flugschulen in der damaligen Zeit unterstreicht.

Das Postflugzeug

Ihre Streckenflugtauglichkeit hatte die Taube bereits in zahlreichen Rekorden in unzähligen Rennen bewiesen, so dass sie auch im Postflugverkehr über Jahre ein beliebtes Transportmittel gewesen ist.

Bild
Pilot Beck mit einer original Kondortaube aus Rotthausen

Die Taube galt damals als sehr robust Fluggerät. Ihr Fahrwerk war teilweise mit vier Rädern ausgestattet, was Start und Landungen auf holprigem Gelände ermöglichte. Zusätzlich konnte man zum Einsatz im alpinen Bereich eine oder mehrere Kufen anbringen.

Da es sich bei dem Flugzeug um einen Zweisitzer handelt, konnte man den Cockpitplatz der zweiten Person als Stauraum für Postsäcke nutzen, wenn man alleine flog.

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Militärische Nutzung der Taube

Beitrag von erloeser »

Der miltärische Einsatz der Taube

Das Aufklärungsflugzeug:

Nachdem sich die Taube in der zivilen Luftfahrt bewehrt hatte, kam sie auch beim Militär zum Einsatz. Ausser zu Schulungszwecken wurde sie, versehen mit Kameras, welche an eine Zeitschaltuhr gekoppelt waren, hauptsächlich als Aufklärungsflugzeug genutzt, sowie zum Abwurf von Propagandamaterial.

Bild
Kondor Taube mit militärischen Hoheitszeichen

Ihren ersten großen Einsatz im Weltkrieg hatte die Taube 1914 in der Schlacht um Tanneberg in der Nähe von Allenstein, als es darum ging Stärke und Standorte der Russischen Armee auszuspähen.

Im selben Jahr machte sie sich mit dem Piloten Günther Plüschow einen Namen als "Auge von Tsingtau", als dieser im Auftrag der kaiserlichen Marine die von Japanern belagerte chinesische Stadt aus der Luft observierte.

Anmerkung zur Taube bei Wikipedia:

Wie bei fast allen Flugzeugen haben die Militärfanatiker und Ewiggestrigen die Online-Enzyklopädie Wikipedia soweit unter Beschlag genommen, dass der Eindruck entsteht, die von Igor Etrich entworfene Taube sei ein reines Kriegsgerät gewesen. Tabelarisch aufgelistet liest man dort, dass die Taube mit Gewehren, Pistolen und 2-kg Bomben ausgestattet gewesen sei, was vereinzelt wahrscheinlich auch ausprobiert wurde, sich letzendlich aber nicht durchgesetzt hat. Der Einsatz als "Bomber" fand einmalig im Türkisch-Italienischen Krieg über Lybien statt. Die ca. 2 kg schweren Sprengkörper wurden dabei von Hand aus dem Cockpit der Taube geworfen.

Die Taube war kein Bomber und aufgrund ihrer schwerfälligen Manövrierfähigkeit, hervorgerufen durch die fehlenden Querruder, auch kein Jagdflugzeug. Sie diente der Ausbildung und wurde für Aufklärungsflüge eingesetzt. Alles andere ist militärverherrlichende Propaganda

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Rüstungsbetrieb Kondorwerke und Ende des Flugzeugbaus

Beitrag von erloeser »

Anfang des Jahres hatten wir in dem Themenstrang Flugplatz Rotthausen die Frage aufgeworfen, inwieweit die Kondor Flugzeugwerke ein Rüstungsunternehmen des ersten Weltkrieges gewesen sind.

Der Rüstungsbetrieb Kondor Flugzeugwerke


Ohne Zweifel hat die politische Entwicklung in Europa im Vorfeld des ersten Weltkrieges mit zur Gründung der Kondorwerke beigetragen. Auch wenn Beginn und Verlauf des Krieges wohl von niemandem in der Form vorausgesagt werden konnte, war das Ende des Kaiserreiches durch Misstrauen, einem sehr agressiven Umgang der Völker untereinander und militärischem Wettrüsten gekennzeichnet.

Folgende Indizien sprechen dafür, dass sich spätestens mit Beginn des ersten Weltkrieges die Kondor Flugzeugwerke zu einem Rüstungsbetrieb entwickelt haben:

1. Der Industrielle und Mitbegründer der Kondorwerke, Bernhard Goldschmidt, war Oberleutnant und dürfte die Zeichen der Zeit erkannt haben.

2. Der explosionsartige Anstieg der Belegschaft von 60 auf 1.200 Mitarbeiter in den Kriegsjahren wird mit der gestiegenen Nachfrage an Flugzeugen durch das kaiserliche Militär zu erklären sein.

3. Nachdem die Taube sich als Militärflugzeug aufgrund ihrer trägen Wendigkeit als untauglich erwiesen hatte und man begann, sie 1916 von der Front abzuziehen, wird auch die Produktion bei den Kondworwerken in Rotthausen um einen weiteren Flugzeugtyp ergänzt. Man baut in Rotthausen ab Oktober den Albatros BII, ein 1914 vom Konstrukteur Grohmann entwickeltes Kampfflugzeug.

Albatros BII

Bild
Albatros BII

Der Albatros B II ist ein Zweisitzer mit einer Spannweite von 12,80, einer Länge von 7,65 m und einer Höhe von 3,15 m. Zum Leergewicht von 720 kg können 250 kg zugeladen werden. Das Flugzeug erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei 3.000 m, die max. Reichweite bei 400 km.
Die Maschine wurde mit 100 PS Mercedes D-I-, 110 PS Benz Bz II-, und 120 PS Mercedes D-II-Motoren produziert

Der Albatros B II wurde in Rotthausen ab 1916 unter Lizenz gebaut. Anfangs diente die Maschine als Aufklärer, später aufgrund ihrer verbesserten Flugeigenschaften auch als Jagdflugzeug.

Zwar entwickelte man bei Kondor unter dem Chefkonstrukteur Walther Rethel auch werkseigene Flugzeugkonstruktionen in Form von Aufklärern und Jagdflugzeugen, aber diese kamen über den Bau von Prototypen nie hinaus.

Das Ende der Kondorflugzeugwerke

1919 sind die Kondor Flugzeugwerke als Folge des Versailler Vertrages liquidiert worden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man ca. 480 Flugzeuge in Rotthausen gebaut.

In Teil V des Versailler Vertrages wird in Abschnitt 3 "Luftstreitkräfte" die Übergabe von militärischem Fluggerät an die Alliierten geregelt und sowohl Bau als auch Herstellung von Flugzeugen verboten. In § 201 heisst es da:

"Während sechs Monate nach Inkrafttreten dieses Vertrages wird die Herstellung und Einfuhr von Luftfahrzeugen, Teilen von Luftfahrzeugen, Motoren für Luftfahrzeuge und Teilen von Motoren für Luftfahrzeuge im ganzen deutschen Gebiet verboten
."

Mit dem Aus im Rotthauser Flugzeugbau war aber nicht automatisch das Aus des ganzen Unternehmens verbunden. 1920 orientierte man sich bei Kondor um und baute Möbel. Das Unternehmen existierte bis 1993 in Lemgo/Westfalen.

Chefkonstrukteur Walther Rethel ging 1919 mit dem Niederländer Anton Herman Gerard Fokker, der ab 1911 in Schwerin Flugzeuge produzierte nach Amsterdam und wechselte später zur Firma Arado, wo er trotz Verbots durch den Versailler Vertrag ab 1931 Militärflugzeuge, wie z.B das Jagdflugzeug Ar 65 entwickelte und baute.

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Im Essener Luftfahrtarchiv gibt es wohl eine Photosammlung zu den Kondor Flugzeugwerken auf dem Flugplatz Essen-Gelsenkirchen-Rotthausen (1912–1920) .
Das Archiv ist wohl der Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen angeschlossen
http://www.ag-essener-geschichtsinitiat ... fahrt.html
Leider finde ich keine weiteren Infos zum Ort, zu Besuchszeiten etc.

Vielleicht kann uns Karlheinz Rabas mehr dazu erzählen.
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

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