Zeche Dahlbusch

Die industrielle Vergangenheit Gelsenkirchens zwischen Kohle und Stahl. Alles was stank. ;-)

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friedhelm
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"Erinnerungen an Dahlbusch"

Beitrag von friedhelm »

Verliebt

„Wir wollten noch eine Flasche“.
Jetzt schoss ich daneben. Ich drehte mich wieder um. Jetzt erst bemerkte ich ihre Freundin. Mein Blick richtete sich wieder auf sie: Ihre blauen Augen, die Stupsnase, das Lächeln, das Gesicht, die Frisur, sie zog mich in ihren Bann. Zu Viert leerten wir die Flaschen, amüsierten uns auf der Raupe. Später brachte ich die Mädchen nach Hause.
Alles schien leichter zu sein. Ich schwebte, hatte gute Laune und alles war mir gleichgültig. Ich musste sie wiedersehen. Nun, nach etlichen Spaziergängen, Händchenhalten folgte endlich nach einigen Wochen der erste zaghafte Kuss.
Die Kumpels frotzelten: „Erwin ist verliebt“.

Wir trafen uns jeden zweiten Tag, noch brauchten wir unsere andere Zeit. Diese Liebe führte 1957 im August zur Hochzeit. Die Ehe hält noch nach über 50 Jahre an. Treue, Ehrlichkeit, den Anderen respektieren und das Zusammenhalten auch bei Problemen wird immer noch überstanden. Unsere Liebe brachte zwei Söhne hervor.


Meine Lehre schloss ich im März 1956 mit guten Noten ab. Ich bekam den Knappenbrief. Ende des Jahres wurde ich zum Schacht 6 in die Steeler Straße – wo auch unsere Kokerei war – versetzt. Hier gefiel es mir, weil weniger Bergleute, deshalb weniger Gedränge in der Kaue, auf der Hängebank und beim Einfahren. Man kam schneller mit Anderen in Kontakt.
Das „Du“ war sowieso unter Bergleuten ein Muss. Ich wurde zu den Bläsern beordert. Horst war unser Baas (Vorarbeiter).

Der Förderkorb, gehalten von Stahlseile und Spurlatten aus speziellem Holz (Pechkiefer), vorbehandelt und gleitfähig gemacht in der Schreinerei, sauste mit einer Geschwindigkeit von über 8 Meter pro Sekunde (30 kmh) auf die Sohle in fast 900 Meter Tiefe. Der Korb bestehend aus drei Etagen konnte bis zu 60 Kumpel befördern. Die Geschwindigkeit war so schnell, dass man meinte im Schwebezustand zu sein.

Der Weg zum Streb dauerte dann noch etwa 30 Minuten. Am Ort sammelten wir uns und an der Gezähekiste, um vom Baas zu erfahren, was ihm der Steiger auftrug. Aus der Gezähekiste nahmen wir dann Sägen, Hämmer und anderes Material mit in das Flöz. Butterbrote hingen an Schiessdrähte der Mäuse wegen. Trinken war immer in unserer Nähe. Die Wetter waren warm, je nach Wetterführung, offene Schleusen oder Türen. Wir arbeiteten oft nur mit einer kurzen Hose. (wird fortgesetzt)
aufgezeichnet von Erwin Paproth

friedhelm
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"Erinnerungen an Dahlbusch"

Beitrag von friedhelm »

Bei den Raubern

Ich wurde zu den Raubern eingesetzt. Bevor wir die Eisenstempel und Kappen samt Schuhe aus dem alten Mann raubten, musste das Hangende gesichert werden. Dafür brauchten wir die Holzstempel und Holzschalen, was wir uns von der oberen Strecke vom Holzplatz besorgten. Von dem Holz blieb natürlich immer etwas übrig für das Mutterklötzchen. Einen halben Fuss und drei Finger lang (etwa 25 cm). Es wurde mit Draht umwickelt und mit dem Beil in einem Quadratzentimeter grosse Stücke gespalten. Man brauchte es für das Feueranmachen im Küppersbuschofen, der alles Brennbare vernichtete. Kohle bekam man von der Zeche als Depot. Manchmal ist es zuviel Kohle, es wurde dann heimlich weiter verkauft.

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Bei einem Streb mit etwa einem Meter Höhe liess man den alten Mann in Ruhe, er brach von allein ein. In andere Flöze mussten mit Steine gefüllt werden um sie stabil zu halten. Die Steine, die von der Halde übertage wieder runter kamen, wurden in die grosse Blasmaschine gekippt und mit Druckluft (4 bis 6 Atü – heute in bar) über 200 Meter weit zum Ortsende und von hier noch mal fast 300 Meter in den Streb geblasen. Die Basaltrohre waren schwer und von unterschiedlicher Länge.

Wir waren eine Gruppe von acht jungen Männern. Einer bediente die Blasmaschine, zwei bauten vor mit Holz, zwei raubten die Eisenstempel, zwei waren an der Spritze. Einer half da wo es nötig war. Oft mussten wir Überstunden oder gar Doppelschichten fahren.

Wir waren eine gute Gruppe. Nur einer war verheiratet, doch er gehörte zu uns und war immer mit uns. Oft war nach Schichtende der Kneipenbesuch angesagt. Die Freundschaft wurde dadurch noch mehr gestärkt. Ein Gasthaus war für die Bergleute immer offen. Die Wirtsleute hatten sich auf uns eingestellt. Buletten und Soleier standen in Gläser auf der Theke immer bereit. Stammgäste konnten immer anschreiben. Das Zigarettenrauchen und das Trinken wurden fast zum Laster.

Der 1. Streb war noch mit Schüttelrutsche und die Kohle wurde mir Boxern geraubt. Nach einigen Monaten war hier Förderende. Der 2. Streb –Karl- war besser für uns, weil um die zwei Meter hoch, etwas in Schräglage, fast 300 Meter lang und am Anfang nicht weit weg von der Hauptstrecke. Die Nebenstrecken oben und unter wuchsen täglich mit dem Strebabbau. Rohre, Strom-, Wasser-, Luftleitungen und die Lutten mussten immer mit verlängert werden.

Für die ganze Länge des Strebes brauchten wir drei bis fünf Tage um den alten Mann mit Blasversatz zu füllen. Dem entsprechend hatte sich der Panzer mehrere Meter weit in die Kohle gefressen. Die Basaltrohre waren schwer. Mit Flaschenzügen, die an Kappen festgehakt waren, wurden sie hochgezogen. Mit Maschendraht und Ölpapier wurde der Hohlraum zum alten Mann von der 1. Stempelreihe getrennt. Mit aller Wucht schossen die Steine aus dem Rohr. Sobald der Versatz den Abstand zu sehr verringert hatte, wurde das erste Stück Rohr abgeschlagen und in der 1. und 2. Stempelreihe abgelegt zum späteren Zusammenbau.
Oft waren Stopper, meistens im Krümmer vor Ort. Die Klappe an der Rundung musste abgeschlagen werden. Alle 5 bis 10 Meter war im Flöz eine Lampe, dort steckte man das Kabel des Telefons hinein uns verständigte sich mit dem Mann an der Blasmaschine. Sonst wurden Nachrichten per Zug an der Lampe getätigt. 1x halt, 2x auf, 3x hängen usw. (wird fortgesetzt)
aufgezeichnet von Erwin Paproth

Schacht 9
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Beitrag von Schacht 9 »

Im Bereich des Aufganges zum Schacht 8 hing ein Kasten mit Fenster, hier konnte man lesen welcher Bergmann eine Buße bezahlen mußte. Einmal wurde jemand bebußt, weil er das Rufloch an der Blasmaschine als Abortkübel benußt hatte.

friedhelm
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Beitrag von friedhelm »

Taschenkontrolle

Fritz war ein Angebertyp. In seiner Freizeit lief er oft durch Rotthausen, bekleidet mit Anzug und Krawatte. In der Jackentasche war stets gut sichtbar die englische Tageszeitung „Times“. Er konnte kein englisch. Horst war ein 1,90 Meter grosser Mann. Er sang gerne die damaligen Schlager (Freddy Quinn, Lolita, Willi Hagara). Friedhelm war eigensinnig.
Er machte privat was er wollte. Seine Freundin war oft verzweifelt. Sie suchte ihn in den Kneipen. Später heirateten sie.
Herbert war der Kleinste. Er schielte etwas und man wusste nie, mit welchem Auge er uns ansah.
Hans war verheiratet, war aber immer mit uns. Zu Hause warteten drei Kinder und die Frau. Doch das hielt ihn nicht davon ab, mit anderen Frauen zu flirten.
Christof war ein guter Kumpel, redete aber viel. Dann war noch Klaus. Auch ein guter Kamerad, er und Herbert bauten mit Holz vor. Beide halfen mir bei einem Unfall.
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Unsere Kaue war eine riesige Halle für fast 4 000 Kumpels. Unsere Kleidung wurde an einem Haken gehängt und an einer Kette einige Meter unter die Decke gezogen. Die Kette hatten wir dann abgeschlossen. Separat und platzsparend war die Kleidung sicher aufbewahrt.

Vor und nach der Seilfahrt trafen wir 8 uns auf den breiten Gang zwischen Kaue und Lampenstube, um noch eine Zigarette zu rauchen, die älteren Kumpels hatten Prim und Schnupftabak. Schmuck war verboten, wegen Unfallgefahr. Viele hatten Taschenuhren in Tücher gewickelt, sie mussten gegen Staub und Nässe geschützt werden. Gemeinsam sind wir ein- und ausgefahren. Zum Duschen brauchte man einen Kumpel zum Buckeln. Niveacreme diente zum Reinigen der schwarzen Augenränder.

Durch die grosse Eingangshalle – wo der Reviersteiger immer noch am seinem Schalter sass, schriftliche Arbeiten verrichtete – und vielleicht kommt noch ein Kumpel mit Fragen – ging es an der Markenstube vorbei, wo man seine Nummer in einen Kasten warf.

Hier kam es gelegentlich vor, dass uns das obligate Mutterklötzchen abgenommen wurde. Es war eine sogenannte Taschenkontrolle, die wurde jedoch nie richtig ernst genommen, wusste doch jeder Kumpel, dass mal wieder die Obrigkeit Hölzchen für ihre Frauen und Mütter brauchten. (wird fortgesetzt)
aufgezeichnet von Erwin Paproth

friedhelm
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Beitrag von friedhelm »

Hochzeit
Es kam ein Brief vom Kreiswehrersatzamt Gelsenkirchen. Obwohl Bergleute und Verheiratete keinen Wehrdienst leisten brauchten, mussten alle jungen Männer zur Wehrdiensttauglichkeit gemustert werden.
Alle standen in Unterhosen vor den Ärzten, die uns fast auseinander nahmen. Alles wurde besehen, betastet, befragt und notiert. Auch die Geschlechtsorgane.

Tage später bekam ich Bescheid: Tauglichkeitsgrad 3 – weil Fingerkuppe steif - Die UK Stellung wurde widerrufen und ich als Ersatz zum Bodenpersonal Flughafen registriert. Ich war froh, denn mit der Bundeswehr stand ich auf Kriegsfuss.

Im Gegensatz zu mir war es Horst, unser Baas, der sich freiwillig zum Bund meldete. Die guten Versprechungen waren für ihn zu verlockend.
Er wurde später Hauptmann und bildete Wehrdienstleistende aus, die dann mit einem Führerschein am Ende des Wehrdienstes nach Hause entlassen wurden.


Ich sagte mir, lieber heirate ich noch als Sicherheit, was wir schon geplant hatten - bis auf den Zeitpunkt. Im August war es soweit, es wurde Hochzeit gefeiert. Im August deshalb, weil ein grosser Teil der Steuern zurück gezahlt wurden.

Meine Braut musste die evangelische Schulung mitmachen. Der Polterabend war atemberaubend. Unser Hof war voller Leute, viele kannten wir nicht. Die Bewohner vom Rotthauser Marktplatz, unsere Verwandten und unsere Kollegen hinterliessen einen riesigen Scherbenhaufen, etliche leere Schnapsflaschen und einige leere Bierkisten.

Nun, das Feiern zog sich fast fünf Tage hin. Kolleginnen meiner Frau und meine Kumpels waren noch Tage danach bei uns. In der Weindorfstrasse bekamen wir unsere erste kleine Parterrewohnung.

Eine Nachbarin sagte mal: „Schafft Euch längere Wohnküchengardinen an.“ Ich merkte erst, was sie meinte, als ich feststellte, dass die Mülltonnen nicht auf ihrem Platz standen, sondern unter unserem Fenster. Mir war klar: Hier musste Abhilfe her.

Meine Frau arbeitete bei Feilgenhauer in der Schwarzmühlenstrasse als Näherin. Es kam eine Flaute. Die Firma entließ natürlich erst die Verheirateten. Für meine Frau wurde es ohne Arbeit langweilig. Wir beschlossen ein Kind zu zeugen. Doch wenn man es will, geht es nicht. Nun, wir gaben den Zwang auf und siehe da, meine Frau wurde schwanger.

James Dean wurde in Deutschland zur Kultfigur für unsere Generation. Seine nur drei Filme faszinierten alle Jugendlichen. Jeder wollte so sein wie er. Seine Lässigkeit wollten alle nachahmen. (wird fortgesetzt)
aufgezeichnet von Erwin Paproth

friedhelm
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Beitrag von friedhelm »

Verlegung

Zu der Zeit gab es keine Ärztewahl. Man wurde einem Revierarzt zugeteilt. Wer mehr als drei Tage krank war – drei Tage waren Karenz – musste zum Vertrauensarzt.
Wer länger krank war, musste mit dem Besuch eines Krankenkontolleurs rechnen. Der Vertrauensarzt war oft brutal: „Wer braungebrannt zu mir kommt, kann nicht krank sein. Ab morgen bist du arbeitsfähig!“
Es half nicht, wenn behauptete: „Meine Haut ist so!“. Der Unfallarzt im Ückendorfer Unfall-Krankenhaus: „Du brauchst eine Tetanus Impfung.“
Er holte ein Instrument mit einer dicken Nadel und rammte sie mir in die Brust. Vor Schmerzen hielt ich die Luft an und sah ihn an.
Er: “ Beim Militär wird das so gemacht.“

Eine Musikwelle schwappte über Deutschland: Elvis Presley, Cliff Richard, die deutsch singenden Peter Kraus und Ted Herold wurden berühmt. Für viele Jugendliche waren sie der Inbegriff der Freizeit, die Freiheit des Lebens. Sie waren die Idole der Jugend. Man brauchte den Rock`n Roll um sich auszutoben. Die Disco in der Karl-Meyer- Straße war immer gut besucht.

Unser 1. Sohn kam zur Welt. Was für ein Wunder! Wir waren stolze Eltern geworden. Fortan wurde er auch von den Omas verwöhnt. Oft liessen wir ihn abwechselnd bei denen, wenn wir uns mal wieder austoben mussten.

Ende 1960 wurden einige Kumpels zum Hiberniaschachtanlage 1 beordert. Junge, kräftige Kerle wurden ausgesucht. Ich war dabei.
Zeche Hibernia war aufgelöst und die Schächte auf umliegende Zechen verteilt. Schachtanlage 1 übernahm Dahlbusch.
Dieser Schacht sollte 1961 stillgelegt werden. Versteckt hinter Wohnhäuser und Hinterhöfe in der Rotthauser- /Ecke Hiberniastrasse war die Anlage zu finden. In unserer Kaue mussten wir uns umziehen, alles Nötige mitnehmen und mit dem Kleinbus wurden wir zur
Hängebank zum Einfahren hingebracht. Wir fuhren vollkontinuierlich vier mal 6 Stundenschichten. Man konnte nicht länger, die Hitze, die Feuchtigkeit und der Staub machten uns zu schaffen.
Bevor wir in den Streb gingen, zogen wir uns bis auf die Unterhose aus. Die Füße steckten mit Fußlappen umwickelt in den Sicherheitsschuhen.
Als Handschuhe hatten wir handflächengrosse Lederlappen mit einem Schlitze, durch die die Hände gezogen wurden. Am Gürtel hingen der Lampenakku, die CO-Gasmaske und die kleine Trinkflasche. Diese Flasche füllten wir immer wieder aus unserer Fünf-Liter Vorwerkteekanne auf, die in der Hauptstrecke aufbewahrt war. Die Kopflampe steckte am Kunststoffhelm.
(wird fortgesetzt)
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friedhelm
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Beitrag von friedhelm »

Harte Arbeit

Unsere Aufgabe war es, Brauchbares aus dem Streb und aus der Strecke abzubauen. Der Streb brach zusammen, die Wetterführung wurde unterbrochen. Wir behalfen uns mit einer kleinen Lutte, die wir am Hangenden an einer Kappe oder Stempel befestigten. Einen Ventilator montierten wir dran, er wurde Druckluft angetrieben. Die warme Luft wirbelte Staub auf, der auf unserer nackten Haut am Schweiss klebte.

Die Arbeit war schwer, wurde aber gut bezahlt. Froh waren wir, wenn es hiess: Feierabend. In der Hauptstreckte mussten wir uns erst ausruhen, bevor wir uns abgekühlt umkleideten zum Ausfahren gingen. Hier wurden Eisenstempel, Kappen, Schuhe und Teile des Beförderungspanzers gesammelt, was dann später zum Schacht transportieren wurde.

Diese Tätigkeit hielt kein Kumpel lange aus. Nach etwa drei Wochen wurden wir durch andere ausgetauscht. Einige Kumpels wurden krank, bekamen Hautausschlag. Ich hatte in beiden Ohren Geschwüre, kleinere Schürfwunden und Risse zierten meinen Körper. Vernarbte kleine schwarzblaue Merkmale als Andenken meiner Pütttätigkeiten zieren für immer meinen Körper.
Ich musste einige Zeit krankgeschrieben zu Hause bleiben, war froh, dass ich danach wieder zu meinen Kumpels ins alte Revier kam.
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Anfang 1961 stand plötzlich der Reviersteiger mit einigen Herren vor mir im Streb, nahmen mich zur Seite.
Der Steiger meinte: „Es wird Zeit, dass Du Hauer wirst. Horst geht zum Bund. Wir brauchen Dich.“
Ein Anderer fragte dann:„ Wo stehen wir hier?“
„Natürlich im Streb Karl, Revier Eins…“
Er unterbrach mich und meinte: „Nein, ich meine den Hügel wo wir drauf stehen.“
Der Reviersteiger flüsterte so laut, dass es alle hörten: „Das kann doch nur der Sattel sein.“
Ich kam nicht mehr zu Wort.
Der Herr sagte noch: „Gut gemacht, Du bekommst den Hauerbrief.“
Ich wusste nicht wie mir geschah. So wurde ich zum Hauer und bald zum Baas. Ich übernahm die Bläsergruppe.
Alles lief gut. Die Kameradschaft war wie eh und je stabil.

Einmal hatte ich die zwei Holzvorbauer beschimpft, sie lehnten sich am Stempel und ruhten. Niemand konnte was dagegen haben, wenn die Arbeit gut gemacht wurde. Hier war es nicht der Fall. Ich merkte, dass meine Worte sie erzürnten. Sie mussten nachbessern. Als sie fertig waren, musste ein Eisenstempel aus dem alten Mann geraubt werden.

Für solche schwierigen Aufgaben war natürlich der Baas zuständig. Ich nahm den Fünf-Kilo Hammer mit dem langen Stiel und zielte genau auf den Keil. Der Stempel sackte zusammen, das Hangende gab nach und ich lag unter Steingeröll. Sofort waren die zwei Vorbauer bei mir und buddelten mich aus dem Steinhaufen. Sie suchten meinen linken Fuss. Ich sass darauf und merkte es nicht. Der rechte Fuss war ausgestreckt. (wird fortgesetzt)
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friedhelm
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Beitrag von friedhelm »

Führerschein

Ich hatte aber Glück. Ein paar Schrammen, kleinere Wunden die ein bisschen bluteten, der Stein- und Kohlenstaub stoppte die Blutungen. Die Vermarbungen behielten ihre kohlestaubgefärbte Farbe. Andere Kameraden kamen hinzu und boten Hilfe an. Fortan wurde mehr auf Jeden von uns geachtet und versucht, besser zu arbeiten.

Unser Durchschnittsverdienst war jetzt bei 750 DM.

Noch ein Unfall: Ich musste runter zum Ort, den Stopper in der Krümmung beseitigen. Ich schlug die Klappe auf, beseitigte die festgeklemmten Steine, als plötzlich die Lampen Alarm blinkten. Ich liess alles liegen, rannte circa 100 Meter den Streb hinauf und sah die Bescherung. Christof war mit einem Beim zwischen zwei Stempeln am Liegenden eingeklemmt.

Ihm war kühl, er wollte sich bewegen und schon mal vorarbeiten, obwohl ich sagte, dass nichts getan werden sollte. Ich verständigte per Telefon unseren Blasmann Fritz, der den Draht zum Schacht hatte. Sanitäter wurden angefordert. Wir befreiten Christof mit Kettenzüge, leisteten – so gut es ging – erste Hilfe. Er hatte das Schienbein zweimal gebrochen.

Meinen Führerschein machte ich beim Fahrlehrer Conradi im September 1961 in der Steeler Straße in Rotthausen. Grundgebühr 55 DM und 15 DM pro 45 Minuten Fahrstunde. Ich brauchte neun Stunden, also insgesamt 190 DM und einmal 15 DM Strafe. Warum?
Herr Conradi bekam vom Prüfer die Anweisung, mir erst den Schein zu geben, wenn ich noch eine Stunde fahre. In Gelsenkirchen über der Kreuzung Ring- Wildenbruchstrasse hing eine Heuerampel (nach dem Erfinder genannt). Diese Ampel hing hoch über der Straße. Ein viereckiger Kasten, auf jeder Seite war ein Ring, der in weiss und rot geteilt war. Drehte sich der Pfeil auf weiss, man durfte fahren, rot anhalten. Bei mir war er auf rot, ich hielt an, fuhr aber bis fast zur Sichtlinie.
Das wurde mir als Fehler angerechnet. Einen Tag später übergab ich Herrn Conradi 15 DM und ich bekam den Führerschein.

Meine Familie freute sich anschließend über das kleine Auto: einen Fiat 770 Jagst. Konnten wir doch jetzt weitere Ausflüge machen, das Münsterland, den Teutoburger Wald besuchen, nach Venlo und Winterswyk billiger einkaufen.

Die Arbeit ging wie gewohnt gut voran. Der Verdienst war jetzt um die 800 DM Brutto. (wird fortgsetzt)
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friedhelm
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Beitrag von friedhelm »

Ortswechsel

Im Februar 63 muss mich wohl der Teufel berührt haben. Unser Sohn war jetzt drei Jahre alt. Ich hatte eine neue größerer Wohnung beantragt. Doch das zog sich hin. Zu der Zeit machte ein Gerücht die Runde: Die Pattbergschächte in Repelen suchten Bergleute und garantierten eine Neubauwohnung. Wir sahen uns den Ort an, das ganze Wohnviertel war neu und manche Häuser im Rohbau. Ein Einstellungsgespräch dauerte nicht lange. Ich kündigte auf Dahlbusch. Erstaunt war ich, dass man mich einfach gehen lies – doch jeder ist ersetzbar.

In einer Siedlung in Kamp-Lintfort wurde ich zu einer Familie geschickt. Diese – sowie Andere - vermieteten Zimmer an Bergleute. In der Mitte der Siedlung war die Kantine. Hier bekamen wir Essen, Trinken und sonstige Gebrauchsgegenstände. Hier hielt man sich auf, redete, spielte und holte sich Informationen.
Im Kofferradio hörte man die Lieder der Beatles und der Rolling Stones.

Vor Schichtbeginn holte uns ein Bus ab. Er brachte uns zum Pattberg Schacht 1 / 2.
Hier war Alles anders als auf Dahlbusch.
Die Kaue war zweigeteilt, in der einen Hälfte waren Spinde für die Zivilkleidung, Der Gang durch den Duschbereich führte zu der Arbeitskleidung, die an Ketten unter die Kauendecke gezogen wurde. Die Hängebank war gross und neben der Personenförderung hing ein riesiges Fördergefäß. Unten am Füllort wurden die Kohlewagen in dieses Gefäss geleert um dann mit einer grossen Geschwindigkeit hochgezogen.

Je nach Arbeit waren die Einfahrzeiten gestaffelt, 6, 7 oder 8 Uhr morgens und bei Spät- oder Nachtschicht dem entsprechend. Die Einfahrmarken waren rot, grün, schwarz. Farbig deshalb, damit Keiner eine Stunde früher ausfuhr.

Die Sohle zum Füllort war keine 500 Meter tief. Personenzüge brachten uns zu den Revieren. Die Nebenstrecken waren schlecht ausgebaut, zu niedrig und das Liegende uneben. Das Kohleförderband lief fast unter dem Hangenden. Grosse Brocken blieben hängen. Wegen der Lutten musste man gebückt fast 200 Meter zum Ort laufen. Ich musste auf den Steiger warten und machte ihn anschließend auf den schlechten Ausbau aufmerksam. Er schrie mich an: „Du bist neu, hast nichts zusagen, also reiss dein Maul nicht so weit auf. Nimm aus der Gezähekiste, Boxer und Schüppe, geh in die Strecke und begradige das Liegende“.
Zwei Tage später wurde das ganze Revier auf andere Reviere verteilt. „Der Ort und das halbe Flöz sind zusammen gebrochen“, hörte ich, "vier Männer seien leicht verletzt". Es war derselbe Steiger, der jetzt wieder vor mir stand. Er übergab mich nun dem Rutschenbär der Stempelsetzer. (wird fortgesetzt)
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friedhelm
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Zwei Stempel zu wenig

Der Streb war nur 1,20 Meter hoch, ich aber war 1, 85 Meter lang. Das Flöz hatte ein Einfallen von etwa 30 Grad. Ich musste knieen, halb liegen oder sitzen, um Stempel mit Kappen und Schuh aus dem Alten Mann zu rauben und sie dann hinter dem Panzer wieder aufzubauen.
Mit Hammer und Kettenzug kroch ich zum mir eingeteilten Knapp. Über und unter mir arbeiteten je zwei Italiener, sie waren natürlich kleiner. Bezahlt wurde nach Stempelsetzung. Der Baas zählte bei Schichtende.
Der Kohlehobel war am Panzer befestigt, der Panzer wurde mit einer Hydraulik an die Kohlenwand gedrückt. Sofort mussten dann ausgebaut werden. Der Hohlraum im alten Mann brach später von allein zusammen. Es war staubig, warm und die Luft stickig. Ich schaffte immer mein Pensum.
Nach etwa zwei Wochen musste ich jedoch zum Obersteiger. Der Stempelzähler stellte fest: In meinem Feld fehlten zwei Stempel. Das Geld würde mir vom Lohn abgezogen. Ich war erstaunt und versicherte, dass ich mir keiner Schuld bewusst war. Später stellte sich heraus, die Italiener unter mir, waren die Verursacher.

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Die ersten türkischen Kumpels kamen. Vor jeder Einfahrt musste gebetet werden, den Gebetsteppich hatten sie immer dabei. Unter die Dusche gingen sie anfangs nur mit Unterhose. Einmal fehlen alle. Man hatte vergessen, dass Türken auch Feiertage haben. Eine riesige Diskussion entstand – schliesslich müssen sie sich nach unserem Recht richten.

Irgendwann hatte ich mir den linken Ringfinger gebrochen. Krankfeiern ?
Gab es nicht. Alle Verunfallten mussten, wenn es irgendwie ging, weiter Übertage arbeiten. Unfälle waren meldepflichtig. Das wollte jede Zeche vermeiden.
Ich musste zwei Wochen Nachtschicht an der Pforte Marken ausgeben, sortieren und Kleinigkeiten verrichten. Einmal war nachts ein Boxenkampf mit Mohammed Ali angekündigt. Ich musste aufpassen, während die Kollegen heimlich Radio hörten. Oder war es doch ein Fernseher? Ich weiss es nicht. Ich musste in die Lampenstube und dann in die Sanitätsstube. Hier übergab man mir auf einem Tisch im Nebenraum einen Stapel dicke Bücher.
Hier waren alle Krankmeldungen monatlich und in Jahre handschriftlich notiert. Markennummer, Name, Adresse und die Daten der Krankmeldung. Ich sollte herausfinden, wer mehr als dreimal im Jahr krank war. Diese Kumpels bekamen dann eine Mahnung. Beim Rapport bei Schichtende musste ich dem Obersanitäter erklären, dass ich Niemand gefunden hatte. Ein anderer Sani flüsterte mir zu, er hätte es genauso gemacht. Er hatte nämlich gemerkt, dass ich nicht die Wahrheit sagte. Verraten wollte ich keinen Kumpel, ich war schließlich selbst einer. (wird fortgesetzt)
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friedhelm
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Wieder auf Dahlbusch

Ich fuhr wieder ein.

Auf Grund meiner guten Arbeit und weil ich1,85 Meter gross war, wurde ich zum Stempelzähler. Im niedrigen Flöz und in Strecken Eisenstempel, Kappen und Schuhe zählen, notieren, kontrollieren. Es war schwerer, als man es sich vorstellte. Schweissnass mit Bleistift und Notizbuch von Strecke zu Strecke durch das Flöz. Oft verzählte ich mich - also noch mal.

Nach fast drei Monaten hatte ich die Schnauze voll. Die Kameradschaft war miserabel. Ich fand kaum Anschluss. Ich wollte wieder nach Dahlbusch.
Andere sagten: „Diese Blöße würde ich mir nicht geben.“ Das war mir egal.

Ich sprach wieder beim Obersteiger von Dahlbusch vor: „Gut, wir nehmen dich, aber deinen alten Arbeitsplatz kriegst du nicht mehr.“

Ich kam wieder in mein Revier, aber jetzt zum Streckenort .
An Schacht 6 Revier 1 Flöz Karl wurde ich wurde zum Dahlbusch-Kumpel. Meine alten Kumpel begrüssten mich freundlich. Ihren Baas kannte ich jedoch nicht.

Die Kameradschaft war aber nicht mehr wie früher.
Friedhelm hatte geheiratet, Hans war zum 4. Mal Vater geworden, Christof war immer noch krank, Herbert musste wegen seines Augenleidens nach Übertage und Fritz hatte jetzt eine Freundin, ging aber immer noch mit der „TIMES“ durch Rotthausen.

Die Strecken zum Streb waren kolossal länger geworden. Der Ort wurde mit grossen Rundbögen fast 3 Meter hoch ausgebaut. Die ganze lange Strecke konnte bequem begangen werden. Ich verdiente fast 865 DM.

Der Ort war Treffpunkt für alle Begebenheiten. Hier sammelten sich alle Kumpels die zur Flözmannschaft gehörten. Natürlich arbeiteten wir in drei Schichten. Meine Kollegen waren älter und erfahrener.
Früh- und Spätschicht war die Kohleförderung, das über 200 Meter lange Gummiband konnten wir nur nachts benutzen, wenn geblasen wurde. Die Arbeit war oft hart, aber wenn das Pensum geschafft war, hatten wir Zeit fürs Buttern. Mäuse waren eine Abwechslung, sie bettelten und waren raffiniert, sie versuchten immer an die Dubbels zu kommen. (wird fortgesetzt) aufgezeichnet von Erwin Paproth

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Neue Trends

Ich hatte mich von den Kneipengänger abgeschottet. Frau und Kind gingen vor. Sonntags – ja sonntags, kam mein Bruder zum Frühschoppen in die Gaststätte „Spürkel“. Sie wurde zu unserer Stammkneipe, obwohl hier an jeder Straßenecke Gasthäuser auf Kundschaft warteten.
Kumpels konnten fast überall mal anschreiben, wenn sie klamm waren.

Der Trend „Wienerwald Hähnchen“ setzte sich plötzlich durch. Alle Kneipen hatten plötzlich Hähnchen. Fleisch gab es mal sonntags, weil zu teuer, aber diese Hähnchen waren auch werktags – wenn es der Geldbeutel erlaubte – schmackhaft. Wir hatten Nachbarn, die erst ihre Kinder ins Bett schickten, nachdem Wiener- Hähnchen verzehrt waren..

Meine Frau arbeitete einige Zeit als Platzanweiserin im Kino. Ich konnte dadurch alle Filme gratis sehen. Der Film „Das Schweigen“ von Ingmar Bergmann sorgte für Aufregung. Die freizügigen Szenen mit Ingrid Thulin waren eine Sensation. Sie regten wohl die Fantasien an. In den 60 ziger Jahren war man noch prüde. Über Sexualität sprach man nur unter die Hand oder im Geheimen. Kondome bekam man nur in Apotheken oder aus dem Automat, der im Seiteneingang an der Mauer hing.

Auch ich machte da meine Erfahrungen. Der Automat war defekt. Ich ging in den Verkaufsraum um mich zu beschweren. Eine junge Frau hörte mich an, wurde rot und lief davon. Der Chef kam, ging mit mir zum Automat und regelte das Problem. Andere hätten wohl auf das verlorene Geld verzichtet.

Eine Kollegin meiner Frau überredete sie, mit nach Hattingen zu kommen. Ein Ostdeutscher hatte dort ein großes Tanzlokal aufgemacht und sucht fürs Wochenende Aushilfen. Die Fünf-Mann-Kapelle gab ihr Bestes und spielte alle bekannten Hits der Zeit. Silvester 63/64 tanzten und feierten wir bis in den frühen Morgen.
Doch zu Hause angekommen, fielen wir uns in die Arme und ins Bett.

Wir schafften uns einen Fernseher an. Man musste ja mit der Zeit gehen. Das Bild war mit der Zimmerantenne trüb, der Ton rauschte und sehr oft war Bildstörung. Nach einiger Zeit war das Ding defekt. Ich schraubte es auf und justierte es mit dem Schraubenzieher. Sobald ich den Schrauber wegnahm, war die Störung wieder da. (wird fortgesetzt)
aufgezeichnet von Erwin Paproth

friedhelm
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Berufswechsel
Ich musste das Werkzeug hinten im TV-Gerät stecken lassen. Machte aber nichts. Die Abende waren kuschelig, man fühlte sich wohl nach Feierabend zu Hause zu sein und nachdem das Kind schlief, die liebe Frau in den Arm zu nehmen.
Dann kam Ende September 64 der zweite Sohn zur Welt. Ich war stolz auf meine kleine Familie. Man sah es uns an, wenn wir an Wochenenden mit den Jungens durch den Rotthauser Park schlenderten, um dann bei den Eltern zum Kaffe einzutreffen. Für uns war damals die Welt in Ordnung.

Ein Gerücht machte bald in Rotthausen die Runde. Doch dann wurde es Gewissheit: Die Zeche Dahlbusch wird im März 66 geschlossen.
Wir Kumpels verstanden es nicht, förderten wir unerlässlich gute Kohle. Es half nichts.
Meine kleine Familie machte mir sehr viel Freude und Spass. Unsere Jungens waren - dank der guten Fürsorge meiner Frau - immer gut erzogen, gekleidet und lieb. Natürlich gab es Streit zwischen den Beiden, denn der Alterunterschied von vier Jahren machte sich manchmal bemerkbar. Stolz spazierten wir oft durch den Rotthauser Park, sahen den Enten zu und liessen die Kinder herumtollen. Danach war Besuch bei meinen Eltern angesagt. Sie wohnten in der Nähe und der Kaffee war vorbereitet. Es war eine schöne Zeit.

Mein Kumpel Helmut zeigte mir damals eine Anzeige: „Chemiearbeiter im Raum Frankfurt dringend gesucht“. Ich meldete mich, bekam ein Termin zur Vorstellung. Meine Referenzen waren gut. Man nahm mich mit Aufstiegschancen und nach dreimonatiger Probe bekamen wir eine Wohnung. Umzugskosten wurden vom Werk übernommen.
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Natürlich wurde nach einer erneuten Untersuchung Silikose festgestellt. Das war aber auch bei den jährlichen Püttkontrollen bekannt. Der Kohlenstaub war in der Lunge schwach, er machte keine Probleme. Nun, die heutigen Bergleute haben etwas leichter. Moderne Techniken setzen sich durch.

Textilfacharbeiter, Textilmeister, Betriebsrat und Gewerkschaftfunktionär waren meine weiteren Lebensabschnitte. Neben diesen Tätigkeiten machte mir die Familie Freude und ich hatte noch Zeit für zum Musizieren, Malen und Zeichnen. In den Ruhestand konnte ich dann mit 58 Jahren gehen – weil ich im Bergbau tätig war. Alle zwei Jahre war Kur von der Knappschaft verordnet. Noch heute bestellt mich die Berufsgenossenschaft zu Untersuchungen der Lunge.

In diesem Sinne: Glück Auf
Erwin Paproth

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erwin
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Re: Erinnerungen an Dahlbusch

Beitrag von erwin »

friedhelm hat geschrieben:In der Lehrwerkstatt

"Zur Lehrwerkstatt [...]
aufgezeichnet von Erwin Klaproth
Unter den von mir geschriebenen Geschichten und von Friedhelm im Forum Dahlbusch veröffentlicht, steht nicht mein richtiger Name.
Ich heisse Erwin Paproth und nicht Erwin Klaproth. :o


edit. Verwaltung:
wir haben den ursprünglich vom Verfassers vorgesehenen Kommentar für diesen Beitrag nachträglich eingefügt
und den zitierten Artikel auf die bezugnehmende Textstelle reduziert
.

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Mechtenbergkraxler
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Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Lieber Erwin,

müssen wir das verstehen? Ich versteh´s nicht. Willst Du uns die komplette Friedhelm-Geschichte jetzt noch mal als Kopie zu lesen geben? Oder hast Du ein technisches Problem, und Dein Kommentar ist nur in Geheimschrift zu lesen? Oder ist irgendetwas mit meinem Bildschirm nicht in Ordnung??

Wer hilft?
MK
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

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