Zeche Dahlbusch

Die industrielle Vergangenheit Gelsenkirchens zwischen Kohle und Stahl. Alles was stank. ;-)

Moderatoren: Redaktion-GG, Verwaltung

Quiqueg
Beiträge: 193
Registriert: 02.06.2012, 11:27

Eine Frage zum Denk-mal im Dahlbuschpark

Beitrag von Quiqueg »

Der Urzustand ist im Foto zu meinem Beitrag vom 31-10 – „Ehren- oder Schandmal?“ - zu sehen. Frage: Was hat es mit dem Design der Fahnen auf sich? – Ich kannte bisher nur die schwarz- weiß-rote Hakenkreuzfahne in der allseits bekannten Aufmachung. Auch davon ist eine auf dem Foto zu sehen. Waren die übrigen Spezialanfertigung? Für den Bergbau? Oder wofür sonst? Karlheinz Rabas, kannst Du mit einer Auskunft helfen? Oder sonst jemand?

Karlheinz Rabas
Beiträge: 1541
Registriert: 26.11.2006, 12:45
Wohnort: Gelsenkirchen

Beitrag von Karlheinz Rabas »

Es handelt sich offensichtlich um die Reichskriegsflagge, die ursprüngliche kaiserliche Reichskriegsflagge, die in unterschiedlichen Versionen die offizielle Kriegsflagge der Streitkräfte des Deutschen Reiches von 1871 - 1945 war. Leider ist das Foto sehr undeutlcih. Ich werde bei Gelegenheit mal ein besseres Foto heraussuchen.

Karlheinz Rabas
Jeden Dienstag von 17.00 bis 19.00 Uhr sind
Besucher bei uns im Stadtteilarchiv Rotthausen, Mozartstraße 9, herzlich willkommen 10.000 Fotos zu Rotthausen und mehr

Quiqueg
Beiträge: 193
Registriert: 02.06.2012, 11:27

An die Stirnrunzler

Beitrag von Quiqueg »

Wir haben den Dahlbuschpark und wir haben den Ernst-Käsemann-Platz. Das ist nun entschieden. Was in welchen Fred gehört, dürfte daraus von selbst folgen. „Bürgerantrag Ernst-Käsemann-Park“ sollte sicherlich demnächst in „Ernst Käsemann“ umgetauft werden. Vielleicht ergibt sich die eine oder andere Überschneidung. Damit lässt sich umgehen. Den Dahlbuschfred gegen die Erinnerung an braune Stellen in der Vergangenheit von Dahlbusch luftdicht abzuschotten, das allerdings wäre Missbrauch von Freds.

Quiqueg
Beiträge: 193
Registriert: 02.06.2012, 11:27

Wuchtig erhebt sich das Ehrenmal

Beitrag von Quiqueg »

Mitteilung des Instituts für Stadtgeschichte an die Bezirksvertretung Süd vom 5-10-2012: " … Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das ursprünglich neben dem Kopf der Bergmannsfigur in der rechten Ecke angebrachte Hakenkreuz entfernt. Die Platte mit der verbliebenen Mulde wurde gegen eine Rückseitenplatte ausgetauscht. Später, nach der Schließung der Zeche Dahlbusch im Jahre 1966, wurde das Denkmal in die Grünanlage an der Beethovenstraße, den heutigen Dahlbuschpark , verlegt. Somit wurde auch die ursprüngliche Präsentation und die damit verbundene Ikonographie gebrochen. Seit 1987 steht das Ehrenmal auf der Denkmalliste der Stadt Gelsenkirchen."
(Einem Hinweis von Ulrich Daduna folgend, möchte ich empfehlen, die Rückseite des Denk-mals zu besehen und zu befühlen. Die Mulde ist gut zu sehen, das Hakenkreuz noch zu ertasten. )

AlterMann
Abgemeldet

Re: Eine Frage zum Denk-mal im Dahlbuschpark

Beitrag von AlterMann »

Quiqueg hat geschrieben:Der Urzustand ist im Foto zu meinem Beitrag vom 31-10 – „Ehren- oder Schandmal?“ - zu sehen. Frage: Was hat es mit dem Design der Fahnen auf sich? – Ich kannte bisher nur die schwarz- weiß-rote Hakenkreuzfahne in der allseits bekannten Aufmachung. Auch davon ist eine auf dem Foto zu sehen. Waren die übrigen Spezialanfertigung? Für den Bergbau? Oder wofür sonst? Karlheinz Rabas, kannst Du mit einer Auskunft helfen? Oder sonst jemand?
Bild

Da es hier offensichtlich nicht um Propaganda, sondern um geschichtliche Aufarbeitung geht, wäre die Löschung des auf der Spitze stehenden Hakenkreuzes in der Mitte der Flaggen sicher nicht nötig gewesen.
Ich denke aber, daß die Übereinstimmung auch so zu erkennen ist.
Die Bildunterschrift gibt Auskunft.
amBildEntnommen "Schlag nach!", Zweite Auflage

Quiqueg
Beiträge: 193
Registriert: 02.06.2012, 11:27

Der Dahlbuschpark als Ort der Erinnerung

Beitrag von Quiqueg »

Hier mein neuer Bürgerantrag. Wahlspruch: Nicht die Stirn runzeln, sondern die hinter derselben liegende Region aktivieren. Gemeinsam! Es wäre gelacht, wenn dann nichts Gescheites herauskäme.

23-12-2012 „Der Dahlbuschpark als Ort der Erinnerung - Herausforderung und Chance“
Unter dieses Motto möchte ich meinen vorliegenden

Bürgerantrag (§ 24 GO NW)

stellen. Ich kann ihn für den Augenblick nur vorläufig formulieren und begründen, denn ich halte es für angebracht, die gesamte Materie zunächst unter den Beteiligten zu diskutieren. Als „Beteiligte“ sehe ich an:

-BürgerInnen, Parteien, Kirchen, Moscheegemeinden, Vereine, Initiativen und Zusammenschlüsse, welche die Rotthauser, die Gelsenkirchener und die bundesdeutsche Öffentlichkeit ausmachen,
-die Bezirksvertretung in „inspirierender“ und gestaltender Funktion,
-darüber hinaus alle verantwortlichen PolitikerInnen unserer Stadt
-die amtlich zuständigen Stellen unserer Kultur- und Erinnerungsverwaltung.

Ich formuliere – Präzisierung und Ergänzung vorbehalten – den Antrag vorläufig so:
Die Bezirksvertretung möge dafür Sorge tragen, dass der Dahlbuschpark zu einem Park der Erinnerung ausgestaltet, insbesondere das dort aufgestellte Nazi-Schandmal in der Sprache der bildenden Kunst – und zwar einer Kunst „auf der Höhe der Zeit“, nicht etwa einer Kunst „hinter dem Mond“ - beantwortet wird durch ein Zeichen der Solidarität, welches deutlich macht, dass zu „unseren gefallenen Arbeitskameraden“ auch die auf Dahlbusch unter den Nazis umgekommenen Fremdarbeiter gehören.

Der Antrag zielt – wie im voraufgegangenen „Benennungsstreit“ wiederholt von mir betont – nicht auf Anklage und Vorwurf gegen Dahlbusch/ GfW, er zielt auch – bei allen Vorbehalten gegen eine „Opa-war-in-Ordnung“ Rhetorik - nicht gegen noch lebende Dahlbusch-Bergleute und Abkömmlinge Verstorbener, die sich mit ihren Angehörigen identifizieren. Im Gegenteil, der Antrag ist getragen vom Vertrauen in die Fähigkeit und Bereitschaft aller Beteiligten Geschichte gemeinsam zu erinnern und zu erzählen.

In diesem Sinne ist nach meiner Meinung auf drei „Baustellen“ zu arbeiten:

Baustelle 1 Aufklärung und Unterrichtung über das Schicksal der auf Dahlbusch beschäftigt gewesenen Kriegsgefangenen, „Ostarbeiter“ und italienischen Militärinternierten.
Zur Erinnerung: „Zwangsarbeit bei Daimler-Benz“, „Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich“(Mommsen) und „Zwangsarbeit im Bergwerk“ (Seidel/Tenfelde): Diese Buchtitel stehen für einen Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft.

Zum „Vorreiter“ Daimler-Benz bemerkt Ulrich Herbert (Fremdarbeiter, Neuauflage 1999, S. 421)

… dass die deutsche Industrie, nachdem sie ein halbes Jahrhundert lang versucht hatte, über ihre eigene, wahrhaft furchtbare Vergangenheit möglichst nichts oder jedenfalls nichts Richtiges ans Tageslicht gelangen zu lassen, nun, vertreten durch ihren größten Konzern, damit begonnen hatte, ein kritisch-distanziertes Verhältnis dazu zu gewinnen.

Aber nicht nur die Industrie war tätig geworden.
„Vor allem die Regional- und Lokalstudien sind außerordentlich zahlreich und vielfältig. Insgesamt dürften – seit 1985 - dürften mehr als 100 solcher Arbeiten erschienen sein. Die Bandbreite der Arbeits- und Lebensbedingungen reicht von auskömmlichen Verhältnissen und geradezu freundschaftlichen Beziehungen, wie sie offenbar auf dem Lande nicht so selten waren, bis hin zu katastrophalen, den Verhältnissen in den Konzentrationslagern gleichenden Bedingungen mit hohen Todesraten durch das Terrorregime der Bewacher, Lagerleiter oder Betriebsschutzeinheiten.“ (S. 418)

Für Gelsenkirchen siehe zunächst „Beispiele der Verfolgung und des Widerstandes“ -Arbeitsergebnisse aus einem Kursus der Volkshochschule – Redaktion Hartmut Hering und Marianne Kaiser. Aus dem Vorwort von Peter Rose:

„Besonderen Dank verdient Fritz Bohne, der… gemeinsam mit … Jochen Poß dazu beigetragen hat, dass die zweite Auflage erscheinen konnte.“

Willy Brandt 1980 anlässlich eines Besuches in Gelsenkirchen:
„Dieses ist wichtig, dass wir, solange die noch da sind, die es selbst erzählen können, das festhalten, was mit der damals sehr schweren Zeit zusammenhing. Weil es eben nicht nur eine Zeit der Leiden war, sondern auch eine Zeit, aus deren Erfahrungen man Kraft schöpfen kann.“

Es ist das Verdienst unseres Instituts für Stadtgeschichte (ISG), auch beim Thema Zwangsarbeit in Gelsenkirchen kein Blatt vor den Mund genommen zu haben:

Historische Spuren vor Ort (ISG Schriftenreihe Bd.3) S.73
Durch die NS-Rassenideologie weitgehend zu „Untermenschen“ herabgewürdigt, waren die Bedingungen, unter denen sie (sowjetische Kriegsgefangene und OstarbeiterInnnen) leben und arbeiten mussten, schier unvorstellbar. Abgesehen von der unmenschlich schweren Arbeit und der brutalen Behandlung durch die Wachmannschaften, führten viel zu geringe Ernährung, mangelnde medizinische Versorgung und die hygienischen Zustände dazu, dass Hunderte zu Tode kamen. Die schlechte Ernährungslage und die schwere Arbeit zehrten die Menschen dermaßen aus, dass sie in der Regel nur noch 40-50 kg wogen und schon an harmlosen Krankheiten starben. Kahlgeschoren und in Lumpen gekleidet sahen nach Berichten aus der Gelsenkirchener Bevölkerung, für die das Leid der Zwangsarbeiter kaum zu übersehen war, selbst junge Menschen körperlich alt aus. „Vernichtung durch Arbeit“ hieß das. Diese Menschen waren moderne Arbeitssklaven, die man je nach Bedarf rücksichtslos ausbeutete, um sie oft genug völlig entkräftet in die Vernichtungslager (die sog. Arbeitserziehungslager) zu deportieren. Nicht wenige zogen den Selbstmord einem solchen Leben vor.

Roland Schlenker: „Ihre Arbeitskraft ist auf das schärfste anzuspannen“ (Bd.6)
In Gelsenkirchen wuchs die Zahl der Zwangsarbeiter zwischen 1940 und 1944 auf mindestens 40 000 an. Fast 3 500 von fanden hier einen frühen Tod. Schikanen und körperliche Gewalt gegen Zwangsarbeiter waren auch in Gelsenkirchen an der Tagesordnung.

Zu Rotthausen und Dahlbusch Manfred Hoese: „Braunes Hemd und leerer Magen“

An heißen Tagen fuhren wir ins Strandbad an der Heisinger Ruhraue. Sonntags lagen da ein paar tausend Menschen. Getanzt wurde in knapper Badekleidung. Zum letzten Mal waren wir am 22.Juni 1941 da. Ein heißer Tag. Plötzlich tönte aus dem Lautsprecher: „Krieg mit Russland!“ Jemand sagte, dass es in der Ukraine auch Kohlengruben gibt. „Uns brauchen sie da als Steiger. Dann müssen wir nicht mehr malochen.“ (S. 47).
Onkel Otto aus Dortmund war in Donezk Betriebsführer geworden. Mit den technischen Kenntnissen eines Bergarbeiters. (S.51)

Begeistert hatten wir die Kesselschlachten verfolgt und uns gefreut, wenn wieder einmal ein paar hunderttausend Russen in der Falle saßen. Die würden alle für unseren Endsieg arbeiten. Zum Beispiel auf Dahlbusch unter Tage. Wenn ich die abgezehrten Gestalten in der Steeler Straße sah, wie sie unter Karabinerbewachung in Richtung Schacht VIII marschierten - der Anblick war mir unangenehm, und ich verdrängte ihn schnell.“ S. 176.

So wichtig diese Hinweise sind – zu viel bleibt im Dunkel.
Sind betroffene Zeitzeugen bekannt? Gibt es Kontakte? Bei Schlenker S.12 ff ist von einem „Bericht des Avil Titowitsch Knjasew“ für die Gesellschaft Bochum-Donezk e.V. zu lesen. Er war von Frühjahr 1942 bis Sommer 1944 im Lager Brinkstraße:

Die vor Auszehrung und Erschöpfung nicht mehr Gehfähigen ließen wir beim Abmarsch vorn in der
Kolonne gehen und durch stärkere Genossen stützen. Die Kolonne wurde dadurch langsamer, die wütenden Wächter hetzten sie auf Umwegen durch die Straßen.
K. berichtet auch von einer Prügelszene,
wo „ein älterer Deutscher einen Kriegsgefangenen mit Spannbalken schlug. Wenn die Stangen brachen, schnappte er sich neue. Der schwächliche Russe hatte keine Kraft wegzulaufen.“
Die Ostarbeiterin Barbara S., auf Nordstern am Leseband eingesetzt (S. 74)

Die Steiger haben uns geschlagen. Manche von den Männern wurden auch eingesperrt und gequält, da wo die Heizung war. Schwitzkasten nannten wir das. Verschiedene sind da gestorben.
Kniasew (S.76): Wenn wir von Nordstern zum Lager zurückgeführt wurden, sahen wir oft, wie in der Nähe des Friedhofs (Horst-Süd) Kriegsgefangene begraben wurden. Die Toten wurden in einen Sack gesteckt, dann packten zwei Leute die Enden und warfen den Sack in ein Loch. Ende 1942 sahen wir eines Tages an der inneren Seite des Stacheldrahtzaunes eine Reihe von Leichen, die erstarrt und von Raureif bedeckt waren. Als wir von der Arbeit zurück ins Lager gingen, waren sie schon weg. Ich und meine Genossen haben gezählt und uns überzeugt, dass während dieser Zeit täglich zwei bis fünf Tote hinzukamen.

Lässt das Rückschlüsse auf die Verhältnisse bei Dahlbusch zu? Ich weiß das nicht.

Sollte sich in den vergangenen Jahrzehnten unter den hiesigen (sprich Rotthauser) rund 1500 sowjetischen Kriegsgefangenen und Ostarbeitern kein einziger gefunden haben, der aus eigenem Erleben erzählen konnte? Könnte der Förderverein der Städtepartnerschaft Gelsenkirchen-Schachty mit Tipps und Erfahrungsberichten helfen?

Hier eine vorläufige Liste offener Fragen:Wann trafen sie ein? „Arbeitskraft“ S. 101 führt – Stand September 1942 - an der Bromberger Straße „eine Wohnbaracke“ an.

Wie viele waren es? Die Erinnerungstafel in der Gedenkstätte Cranger Straße vermerkt „500 Personen“. In „Arbeitskraft“ S.44 findet sich eine Aufstellung nach dem Stand von Mai-August 1944: insgesamt 1493 Kriegsgefangene/Ostarbeiter/Polen.

Welchen Prozentsatz der Dahlbusch-Belegschaft machen diese ca. 1 500 Menschen aus?

Wie ist es ihnen ergangen? Der nach und nach in Gang kommende Austausch auf www.gelsenkirchener-geschichten.de („Zeche Dahlbusch“) bietet ein Spektrum, das von aggressiver Abwehr über Aufrechnung mit den Leiden der deutschen Kriegsgefangenen bis hin zur Geschichte von Ruhrpottlers Opa reicht, deren Lektüre nur lebhaft empfohlen werden kann.

Auch sonst wird von deutschen Bergarbeitern berichtet, die halbverhungerten Russen ein Butterbrot zusteckten. Auch wenn diese Berichte wenig konkret sind, solche Fälle sind ehrenden Andenkens wert - solange nicht der Eindruck erweckt wird, Kriegsgefangene und Ostarbeiter hätten sich vor zugesteckten Butterbroten kaum noch retten können.

Wie viele starben? Wo sind sie beerdigt?

Baustelle 2 findet sich nicht im Dahlbuschpark sondern auf dem Rotthauser Friedhof.

Dazu hier nochmals der Westdeutsche Beobachter… vom 31-8-1943
Bergknappen auf letzter Fahrt Sie fielen als Soldaten der Arbeit für Deutschland / Mahnung und Verpflichtung für alle
(Es folgt mein Brief vom 13-9-2011 an
die Evangelische Kirchengemeinde Rotthausen …die Katholische Kirchengemeinde Rotthausen…die DITIB Moscheegemeinde Steeler Straße…die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen… den Bürgerverein Rotthausen… den Deutschen Gewerkschaftsbund – Region Emscher-Lippe – die SPD Rotthausen

(siehe im Fred „Bürgerantrag“ meine Beiträge vom 21-9 und vom 3-10-2011, letzterer eine Kurzfassung des ersteren; ich war damals völlig fassungslos über das Ausbleiben jeglicher Reaktion und hatte mir gedacht: War ja länger als ein BILD-Artikel, versuch’s mal mit einer kürzeren Version. Das war etwas unfreundlich gedacht über die Menschen, die sich hier beteiligen. Jetzt meine ich: „So kurz wie geht, aber nicht auf Kosten der Inhalte“).

Baustelle 3 Das Nazi-Schandmal im Dahlbuschpark beantworten
Jawohl, um ein solches handelt es sich. Es geht nicht um die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Im Laufe des Jahres 1937 trat Hitlers Kriegsplanung, festgehalten unter anderem im Hoßbach-Protokoll deutlich zutage. Dazu Karl-Dietrich Bracher in „Die deutsche Diktatur“ (S. 334 der Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg):

„ …in gehobener Stimmung entwickelte Hitler in über vierstündiger Rede seine Gedanken: Aktionsplan und „testamentarische Hinterlassenschaft“ zugleich: Erhaltung und Vermehrung der Volksmasse, Vergrößerung des Herrschafts- und Einflussraums um den „Rassekern“. Einzige Lösung der „ausschließlich durch die Raumnot bedingten“ sozialen Probleme sei die Behebung der Raumnot. Es gehe um den Aufbau eines großen Weltreiches, wozu es nur den Weg der Gewalt geben könne.“

Ausdruck dieser durch Hitler und die Nazi-Oberen ab etwa 1936 erzeugten Mentalität des „Weges in den Krieg“ ist auch das „Ehren“mal im Dahlbuschpark. Es geht hier nicht um die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg; es geht um die Vorbereitung des Zweiten.

Statt „Sie starben für Deutschland“ muss Klartext gelesen werden: „Sterbt Ihr jetzt für Hitlers Vernichtungskrieg“. Das der Bezirksvertretung vorliegende Foto – „Wuchtig erhebt sich das Ehrenmal“ - verdeutlicht dies in seiner ganzen Obszönität. Das Eiserne Kreuz auf der einen, das Hakenkreuz auf der anderen Seite, umweht von Reichskriegsflaggen – eine bergmännische Traditionsfahne ist nicht zu sehen – predigt es Krieg, Krieg und nochmals Krieg

Und obgleich dieses Machwerk auf der Denkmalliste nichts zu suchen hat – ich rege eine Entschließung mit dem Ziel einer entsprechenden Bereinigung der Denkmalliste an – bleibt es ein erhaltenswertes Dokument. Es muss allerdings „beantwortet“ werden. Nichts wäre dazu besser geeignet als ein „Gegenüber“ in Gestalt eines Zeichens der Erinnerung an die auf Dahlbusch umgekommenen Fremdarbeiter. Dahlbusch, Rotthausen und Gelsenkirchen würden mit einem solchen Ensemble aus Schandmal und Antwort Ehre einlegen.




Benutzeravatar
Mechtenbergkraxler
Beiträge: 981
Registriert: 15.04.2011, 11:17
Wohnort: im Exil

Re: Der Dahlbuschpark als Ort der Erinnerung

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Quiqueg hat geschrieben:Hier mein neuer Bürgerantrag. Wahlspruch: Nicht die Stirn runzeln, sondern die hinter derselben liegende Region aktivieren. Gemeinsam! Es wäre gelacht, wenn dann nichts Gescheites herauskäme.

Ausdruck dieser durch Hitler und die Nazi-Oberen ab etwa 1936 erzeugten Mentalität des „Weges in den Krieg“ ist auch das „Ehren“mal im Dahlbuschpark. Es geht hier nicht um die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg; es geht um die Vorbereitung des Zweiten.

Statt „Sie starben für Deutschland“ muss Klartext gelesen werden: „Sterbt Ihr jetzt für Hitlers Vernichtungskrieg“. Das der Bezirksvertretung vorliegende Foto – „Wuchtig erhebt sich das Ehrenmal“ - verdeutlicht dies in seiner ganzen Obszönität. Das Eiserne Kreuz auf der einen, das Hakenkreuz auf der anderen Seite, umweht von Reichskriegsflaggen – eine bergmännische Traditionsfahne ist nicht zu sehen – predigt es Krieg, Krieg und nochmals Krieg

Und obgleich dieses Machwerk auf der Denkmalliste nichts zu suchen hat – ich rege eine Entschließung mit dem Ziel einer entsprechenden Bereinigung der Denkmalliste an – bleibt es ein erhaltenswertes Dokument. Es muss allerdings „beantwortet“ werden. Nichts wäre dazu besser geeignet als ein „Gegenüber“ in Gestalt eines Zeichens der Erinnerung an die auf Dahlbusch umgekommenen Fremdarbeiter. Dahlbusch, Rotthausen und Gelsenkirchen würden mit einem solchen Ensemble aus Schandmal und Antwort Ehre einlegen.

Eine Wette mit mir selbst habe ich gewonnen: Wenn sich der Unmut Klaus Brandts rund um die von ihm vorgedachte, aber so doch nicht realisierte Art des Ernst-Käsemann-Gedenkens gelegt hat, wird er sich zügig „Dahlbusch“ im Allgemeinen und das Kriegerdenkmal im Dahlbuschpark im Besonderen als nächstes Objekt vornehmen. Auch hier wieder mit sich selbst im Reinen, ohne das dicke Brett einer Lobbybildung gebohrt zu haben, aber mit klaren Zielen und klaren Prämissen. Das Denkmal muss nach Brandts Meinung einfach ein Schandmal sein, weil – im Folgenden ein wenig zugespitzt formuliert:

- Bei seiner Eröffnung Hakenkreuzfahnen geweht haben und schwülstige Reden gehalten wurden

- In seiner rechten oberen Ecke ein Hakenkreuzrelief angebracht war

- Weil bei seiner Eröffnung mutmaßlich Angehörige Gefallener dabei waren, die seinerzeit an alles Mögliche nur nicht an einen Heldentod ihrer Lieben gedacht haben

- Weil das Wort „Dahlbusch“ ein Unwort ist, denn auf Dahlbusch wurden zwischen 1940 und 1945 Zwangsarbeiter zu Sklavenarbeit herangezogen. Ein Park kann nicht nach dieser Schandzeche benannt werden.

- Und – last not least – weil Kriegerdenkmäler nicht in unsere friedensbewegte Zeit gehören und daher eigentlich alle abgerissen werden sollten

Gehen wir einfach mal die Argumente emotionsfrei der Reihe nach durch:

- Hakenkreuzfahnen und Reden bei der Eröffnung: Dann dürfte man fast alle, zwischen 1933 und 1944 gebauten, öffentlichen Gebäude abreißen. Und davon gibt es auch in Gelsenkirchen so einige. Ein Gebäude oder ein Denkmal kann nichts dafür, welche Reden und welche Dekoration seine Einweihung begleitet haben.

- Hakenkreuzrelief: Nun, das Relief ist weg. Auch das von Quiqueg bemühte Relikt auf der Rückseite (siehe Foto unten), kann beim besten Willen nicht mehr mit dem Nazi-Symbol in Verbindung gebracht werden. Man sieht allenfalls ein Quadrat. Die Leser sollten mal an Postämtern, Bahnhöfen, am deutschen Weintor und an vielen anderen Stellen die dort reichlich vertretenen Adler u.ä. betrachten: Da sind ganz viele Hakenkreuze ausgemeißelt worden. Jetzt sind es nur noch Adler.

- Eltern und Geschwister der Gefallenen des 1. Weltkriegs sind schon lange tot. Ihnen kann man mit einem Abriss (ist das das Fernziel?) keine Genugtuung geben, falls sie nicht sogar überwiegend und zeitgeistgemäß diese Schicksalsschläge mit dumpfem Fatalismus und gottgegeben hingenommen haben.

- Dahlbusch ist zuerst und vor allem die Zeche, ohne die es Rotthausen in der heutigen Form gar nicht gegeben hätte. Dahlbusch gab über 100 Jahre den Menschen hier Arbeit und Brot. Es ist völlig unverzichtbar, dass z.B. mit dem Dahlbusch-Park an diese lange und prägende Geschichte erinnert wird. Und Dahlbusch ist vor allem in sich abgeschlossene Geschichte, woran auch die rein wirtschaftsstrategische Weiterexistenz des Firmenmantels „Dahlbusch AG“ nichts ändert. Dass die Geschichte der Zwangsarbeit auf Dahlbusch von Historikern noch detaillierter aufgearbeitet werden sollte, wird nirgendwo auf Widerstand stoßen. Die RAG / DSK als eigentliche Nachfolgegesellschaft des alten Ruhrbergbaus hat entsprechende Aktivitäten längst in die Wege geleitet.

- Das Denkmal selbst. Ich habe in Vorausahnung von Quiquegs Umtriebigkeit unlängst ein paar Fotos gemacht, damit sich die GGler ein wirkliches Bild von dem Denkmal bilden können, und zwar ohne die suggestiven Hakenkreuzfahnen von der Einweihung. Zwei Figuren stehen im Mittelpunkt, ein Soldat im Feldmantel und ein Bergmann in Arbeitskleidung. Nichts Heroisches liegt in ihren Blicken, keine Fahne flattert im Wind. Der Bergmann, dem täglich aus dem Berg der Tod droht, blickt zu seinem früheren Arbeitskollegen hin, dem Granatfeuer und Giftgas den Tod gebracht haben, einen nicht minder grausamen Tod. Der gefallenen Arbeitskameraden wird hier gedacht. Ist das unanständig? Gibt es nicht in vielen Institutionen, deren Mitarbeiter Lebensgefahr ausgesetzt sind, Gedenkplaketten dieser Art? Auch heute noch? Ist das unangemessen? Kann ein Denkmal nicht einfach als Zeitzeuge so bleiben wie es ist? Warum diese verbissene Verknüpfung mit den Zwangsarbeitern? Kann für die nicht z.B. an einem der früheren Lager („Russenplatz“ in Rotthausen-Düppel, Lager an der Achternbergstraße o.ä.) punktgenau eine Gedenktafel errichtet werden?

Der Leser selbst soll sich ein Urteil bilden. Die Argumente Quiquegs bezüglich des Denkmals kann ich nur – als alter Rotthauser – als ahistorisch und anmaßend bezeichnen.

MK

Bild
Bild
(Die sichtbaren Reste des früheren Hakenkreuzes; als solches von niemandem mehr zu identifizieren)
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

Quiqueg
Beiträge: 193
Registriert: 02.06.2012, 11:27

Schönes bleibt

Beitrag von Quiqueg »

Lieber Kraxler,
ich habe mit einer Antwort auf Deinen jüngsten Beitrag – den vom 1-1 mit dem „ahistorisch und anmaßend“ – ein paar Tage gewartet, weil ich dachte, vielleicht meldet sich noch der/die eine oder andere: „Meinungsvielfalt - emotionsfrei ja, aber nicht ohne Herz und Verstand“. So dachte ich. War aber bisher nicht. Missverständnisse auf Schritt und Tritt. Diskussionsbedarf noch und noch. Ich stehe zum persönlichen Gespräch zur Verfügung, egal ob Zweiergespräch oder „Runde“. Literatur brauche ich nicht anzuschleppen. Die steht schon im „Archiv“ und in der „Sammlung“. Für alle, nicht nur für die Historiker vom Fach. Wozu haben wir diese Bestände, wenn keiner reinschaut?

Ich will mich im Folgenden auf das Mal konzentrieren. Ob Ehren- oder Schand- muss sich noch finden. Denk- auf jeden Fall. Und schon weiche ich vom löblichen Vorsatz ab. Ich kann nicht anders. Mit der Totenstille nach meinem Vorschlag „Gedenkstein auf dem Rotthauser Friedhof“ komme ich nicht klar. Die Kameraden würdig bestattet (und noch heute, 70 Jahre später, findet sich hier und da ein Blümchen, ein Licht oder ähnliches). Und die Untermenschen? Nix, nix,nix.

Wie vorschriftsmäßig mit ihnen zu verfahren war, ist auf www.gelsenzentrum nachzulesen:

„Särge sind nicht vorgeschrieben, jedoch ist jede Leiche (ohne Bekleidungsstücke, sofern diese nicht noch anderweitig verwendbar sind) mit starkem Papier oder sonst geeignetem Material vollständig einzuhüllen“.

Und beim Unglück aus 43? Hat es einen „Russenstreb“ erwischt? Hat man die Toten in der Grube gelassen? Oder wo sind sie geblieben? Karlheinz, kannst Du weiterhelfen? Aus der OBD-Datenbank habe ich mir bisher nur einiges Beispielhafte ausgedruckt, das hat aber nicht mit dem 43er Unglück zu tun (Wieder einmal: Dank an Andreas Jordan, „Vorbildlich“ ist für seine Arbeit wohl ein zu schwacher Ausdruck.)
(1) Alexej Woronenko, (2) Jegor Dworyatkin, (3) Michael Dudarev, (4) Ivan Kovalenko (5)Iwan Reshetnyak (6) Nikolaj Puzikov (7) Iwan Wolostnich.
Todesursache: meist Herzmuskelschwäche, einmal Blutvergiftung, einmal Genickbruch (Steinschlag).
Alle Karteikarten aufs sorgfältigste geführt, unsere Bürokraten haben trotz Arbeitsverdichtung auch damals sauber gearbeitet.

Und all das interessiert NIEMANDEN. Keine IGBCE-Ortsgruppe Rotthausen (zuständig für Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt), keine SPD (zuständig für dito), keine Kirche (zuständig für Seelenheil, ewiges Leben, frommes Gedenken), keine Ge-Geschichten-Community, wo ich am Rand immer lese: Wir unterstützen Stolpersteine, Bündnis gegen Rechts und was nicht alles.
„Er nervt nur noch“ – Ich weiß. Ich bitte um Verständnis. Vielleicht hilft die russische Botschaft, ich begebe mich da an den Ball.

Nun aber zum Mal:
Soeben erschien, die WAZ berichtete, das „Archiv“ hat’s mit Sicherheit

Holger Gehrmann „Geht Kunst nach Brot?“ Halfmannshof und sein Wirken im N-Sozialismus.
Ein paar Stichworte:
Aus der Einleitung:
„Wollen uns fürs 21.Jahrhundert öffnen, deshalb passt Blick auf die Vergangenheit nicht.“ Diese Aussage machte Hof-Vorsitzender K im Zusammenhang mit Hubert Nietsch. Deshalb keine Notwendigkeit, die Hofgeschichte aufzuarbeiten. Das löste rege Diskussion in der Presse und dem Internetportal Gelsenkirchener Geschichten aus.“

„Dem Leser soll hier (im Buch) das Fühlen und Denken der damaligen Zeit vermittelt werden.“
Aus der Ansprache des Promotors Wendenburg, Mai 33: Erkünstelung, Sucht aufzufallen, die Natürlichkeit des Urteils und des Kunstgefühls zu verängstigen und dies mit dem Vorwurf des Banausentums, des Spießertums zu belegen. Das haben wir hinter uns.“

All die Noldes, Kirchners, Barlachs, Kollwitzens (Lüpertz, Richter hatten wir noch nicht).
„Nicht nur Millionen handarbeitender Menschen, sondern auch wahre ehrliche Künstler, die sich nicht an die Weimarer Kunst-Mode verkauften, sondern VERBISSEN auf den Tag warteten, wo Wertvolles wieder geschätzt wurde. Denn solche Kunst löst bei allen, die sich ein gesundes Blut und ein offenes Herz für das Schöne bewahrt haben, ein freudiges Echo aus.“

Dabei vorneweg: HUBERT NIETSCH, der Schöpfer unseres Dahlbuschmals. Das Mal wird zwar im Buch und wurde auch auf der Tagung nicht erwähnt, ich nehme an, wegen des damaligen Benennungsstreits haben sich Politik und Erinnerungsbürokratie „selektiv“ drumrum geschlängelt, was bei unterentwickeltem Rückgrat zu funktionieren scheint.

Wir erfahren jedoch: Zu Hitlers 45. Geburtstag am 20. April 1934 wurde ein 70 Kilogramm schweres, aus Kohle und Stahl gefertigtes Nietsch-Objekt übergeben.
Der Führer war entzückt, der Völkische Beobachter berichtete. Die Gelsenkirchener Zeitung: „Das Reliefbild stellt den Bergmann mit der Grubenlampe und den Arbeitsmann der Eisenindustrie, beide in brüderlichem Verein, dar. Foto der Übergabe auf S. 32. Berichterstattung S. 33: „Der Führer lässt bitten …“

Nietsch als Leiter der Kreiskulturkammer für bildende Künste S.41 – als Beirat für kulturelle Angelegenheiten der Stadt GE: S.41.

„Aufrüstung mit Pinsel und Meißel“ Trefflich, diese Kapitelüberschrift S.47.
„Das Jahr 1937 war für den Kunstbetrieb ein ganz besonderes. Ausstellung auf dem H-Hof, die ganz im Zeichen der Aufrüstung stand.“
Auf S. 59 Der deutsche Adler, Nietsch-Skulptur für eine Kaserne. Symbol des Soldatentums 2.50 hoch, 2,20 breit.

Bis dahin erst einmal. Gibt’s eine Zwischenbilanz? Könnte sie so aussehen?
Schwülstige Rede bei der Eröffnung? Davon weiß ich nichts. Aber geschenkt. Bei Lüthgens Rede auf der Trauerfeier im August 43 geht es nicht um deren Schwülstigkeit, vielmehr: Er hat das Mal authentisch zum Sprechen gebracht.

Und es geht, meine ich, um eine mentale Verfassung, zusammengesetzt aus Spießigkeit in Sachen Kunst (wieso Nietsch, wären nicht auch Barlach oder Kollwitz gegangen?), einer „Gefolgschaftsmentalität“ die sich das Gedenken an die eigenen Kumpel (ich rede hier nicht mal von den „Untermenschen“) aus der Hand nehmen ließ (die Trauerfeier wurde ja nicht von der Zeche, sondern von „der Partei“ ausgerichtet).

Nicht schlecht, wenn darüber gründlicher geredet würde. Sicher: Es gibt schlimmere Nazikunst als das Mal; der Mann im Sturm vor dem Rathaus Buer ist auf seine Art sehenswert. Niemand will das Mal aus dem Dahlbuschpark entfernt sehen. Ich gleich gar nicht. Ich möchte nur, dass sich Gedanken gemacht werden.

An die Opfer des Unglücks von 55 erinnert auf dem Friedhof eine in den Rasen eingelassene Platte.
Rasen gibt’s auch im Dahlbuschpark genug. Bedarf für eine Erinnerung an alle Dahlbuschkumpel als jedenfalls von heute aus als solidarische Gemeinschaft wahrzunehmende Belegschaft bei Inklusion der „Untermenschen“ – den gibt es auch. Reichlich sogar.

Benutzeravatar
Mechtenbergkraxler
Beiträge: 981
Registriert: 15.04.2011, 11:17
Wohnort: im Exil

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Lieber Quiqueg

ich bleibe mal korrekterweise beim Nickname, obwohl Du selbst fortwährend („mein Bürgerantrag“…) GG-Identität mit Realidentität verknüpfst. Du reagierst leider wieder einmal nach dem Motto: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich: Dem ist offenbar die Zwangsarbeit völlig egal, der findet das Denkmal total cool und der erkennt nicht, was für ein großer Sohn Rotthausens der Theologe Käsemann war.“ So schlicht sind wir alle nicht gestrickt, und ich finde Dein Engagement durchaus anerkennenswert. Doch hier mal ein paar ganz banale Gründe, warum Du nicht die gewünschte Resonanz erhältst:

1. Du vermengst Dinge, die nur am Rande miteinander zu tun haben. Jedes Ding für sich (Käsemann, Denkmal, Zwangsarbeiter) kann problemlos auch einzeln diskutiert und auf den Punkt gebracht werden. Die Vermengung irritiert und blockiert.

2. Du erwartest das Heil von Bezirksvertretungen und anderen. Eine „Rotthauser-Ernst-Käsemann-Gesellschaft“ kann von Dir ganz alleine gegründet werden. Wenn jemand mitmachen will, wird er das schon tun. In unserer Zeit kann man mit flammenden Aufrufen niemanden begeistern.

3. Käsemann: Nicht die Ehrung irritiert hier, sondern nur die für einen von ganz anderen Sorgen geplagten Rand-Stadtteil wie Rotthausen ungewöhnliche Größenordnung Deiner Vorschläge. Hier passen Wunsch und Wirklichkeit einfach nicht zueinander. Kein Wunder, dass sich die Leute zurückhalten.

4. Denkmal: Das steht seit 75 Jahren in Rotthausen und hat nie jemanden gestört. Die Fahnen und Reden und die mutmaßlichen Absichten der damaligen Machthaber liegen auf dem Müllhaufen der Geschichte. Zurück blieb ein eigentlich ziemlich schlichtes Denkmal (siehe Foto oben), das wohl nur von Dir als „obszön“ empfunden wird. Dass dieses Denkmal mit irgendwelchen Gegenkunstwerken oder einem ganzen Gedenk-Park „beantwortet“ werden muss, wird kein unvoreingenommener Betrachter nachvollziehen können.

5. Zwangsarbeiter: Niemand widerspricht Dir hier, dass es hier eine Gedächtnis-Lücke (im doppelten Sinne) gibt. Aber auch hier gibt es einfache und komplizierte Lösungen. Einfach: z.B. auf dem Rotthauser-Friedhof ein zentrales Mahnmal aufstellen, einen Gedenktag einrichten, Spuren finden. Für so ein Mahnmal könntest Du ein Spendenkonto einrichten. Die Aufarbeitung der Geschichte selbst werden wahrscheinlich nur versierte Historiker leisten können, z.B. in Form einer Doktorarbeit o.ä.. Die Archive der damaligen Zeit sind überall hin verstreut oder ganz verloren gegangen, und die Rest- “Dahlbusch AG“ wird dazu noch am wenigsten sagen können. Zu diesem Thema ist daher (fast) alles gesagt worden; konkret wird es erst, wenn ein Spendenkonto für ein solches Denkmal eingerichtet wurde und ein Historiker gefunden wurde, der sich auf die Spurensuche macht. Das sind aber alles Dinge, die Du selbst erledigen kannst. Wer vorschlägt, wird von seinen Mitmenschen gerne auch zuerst als Umsetzer gesehen. Deshalb keine Resonanz; nicht wegen der Zielsetzung. Die ist völlig in Ordnung.

GGler werden sich aber unabhängig von Deinen Vorstößen gerne und nach wie vor an der zugehörigen „Geschichte von unten“ beteiligen. Man sollte unsere Beiträge nur nicht mit einem Dauerfeuer von Aktionismus erschlagen. Daher bin ich Friedhelm auch immer noch dankbar, dass er mit seinen Paproth-Geschichten eine wohltuende Unterbrechung geleistet hat. Über Dahlbusch gibt es nämlich noch viel mehr und von noch vielen anderen hier zu erzählen.

MK
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

surfdonald
Beiträge: 144
Registriert: 10.12.2010, 22:25

Beitrag von surfdonald »

hoffentlich ist es nun das letzte schreiben in der sache. :o
dies wäre balsam für geist und seele vieler leser.


Über Dahlbusch gibt es nämlich noch viel mehr und von noch vielen anderen hier zu erzählen.

und auf die vielen anderen freue ich mich schon. :D
zweifel ist keine angenehme voraussetzung, aber gewissheit ist eine absurde

Quiqueg
Beiträge: 193
Registriert: 02.06.2012, 11:27

Im falschen Film

Beitrag von Quiqueg »

Zwei Nachrichten. Zuerst die gute: Ich glaube inzwischen, dass ich mit den Themen „Fremdarbeiter auf Dahlbusch“ und „Mal“ in diesem Fred nichts zu suchen habe. In „Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg“ lese ich Sätze wie: „Schlimm genug, wie nahe diese Unrechtsstätten waren und wie wenig zu erfahren ist“ …“rassistische Propaganda…Kategorie Untermenschen“, mit Hinweis auf Roland Schlenker. Dann:“Licht in die Gelsenkirchener Geschichte bringen“ … und „Außer dem Gelsenberglager ist alles andere ein schwarzes Loch“ … Dort ließe sich wohl in gemeinsamer Anstrengung noch einiges Vernünftige zum Thema beisteuern. Und auf "Zeche Dahlbusch" wäre, was diese Dinge betrifft, Ruhe.

Ernst Käsemann (samt seinem Platz) hat im Dahlbuschfred nichts zu suchen, aber da halte ich mich für unschuldig.

Jetzt die weniger gute Nachricht: Ich möchte mir Zeit nehmen, demnächst alles, was ich hier geschrieben habe, in Ruhe durchsehen, auch selbstkritisch und (wenn mir danach ist) meine Erkenntnisse zu einem Abschiedsgruß verarbeiten. Manches kommt wie Mobbing bei mir an, wie aggressives Zähnefletschen – das mag jedoch ein vorläufiger Eindruck sein.

Was ich jetzt schon sagen möchte: Ist vielleicht das überalterte und leerstandsgeplagte Rotthausen – die Website des Bürgervereins gibt unter anderem mit der „Gerechtschen Kurve“ davon Kunde – auch deshalb gefährdet, weil es ein Image von provinziellem Mief ausdünsten könnte? Wo ist unsere Kunstmeile, wo außer dem Juwel K-M Straße 8 ein Geschäft mit schicker Mode auch für die jüngere Frau… usw.? Arbeiten wir an unseren Stärken, schlage ich vor, und zu denen gehören wir als aufgeschlossene, diskussionsfreudige, politisch wache Menschen, die auch über unbequeme Themen reden können. Ein Rotthausen, das sich so präsentiert, wird auch die Jüngeren anziehen.

Ego-Ueckes Auftreten als „Mitglied der Verwaltung“, wenn er zuweilen recht massiv die eigene Meinung äußert, verstehe ich immer noch nicht. Warum lässt Du da den Zusatz nicht einfach weg?
Gruß an alle Quiqueg

Mitglied der Fördervereine RAA und Consoltheater, des Vereins Kultur am Landgericht und des Andreas-Jordan-Fanclubs (darf der eigentlich wieder in die Synagoge?)

Troy
Mitglied der Verwaltung
Beiträge: 12681
Registriert: 25.06.2007, 21:41

Beitrag von Troy »

'nabönd Leude,
es findet mal wieder ein sehr aufschlussreicher Prozess von "Miteinander-Reden" statt, der virtuelles und reales Leben verbindet. Sowas hatten wir hier schon öfter.
Meist ist dies ein ganz schwieriger Akt, der einiger Übung bedarf.
Sowas gelingt mal schneller und mal langsamer.
Gedanken zu ordnen, sie zu Sätzen werden zu lassen und dann "für im Internet - und zwar für immer+ewig" aufzubereiten - eine feine Kunst für jung und alt. Und ein prima Gelände, um im Handumdrehen auf dünnem Eis oder in Fettnäpfchen unterwegs zu sein.
Wenn es dabei inhaltlich um sehr differenzierte Fragestellungen geht, dann ist Achtung und Vorsicht geboten, nämlich Achtung vor beteiligten Menschen und Vorsicht vor schnellen Schlüssen.
Wenn das "WIE" das "WAS" der Diskussion überlagert, dann stimmt etwas nicht.

Mir stellt sich die Angelegenheit so dar:
1. Die Zeche Dahlbusch, ihr Ursprung und ihr Wachsen und ihr Ende, gehört zu Rotthausen (früher und heute).
2. Ihre historische Bedeutung für die Industriegeschichte der Stadt GE ist ein nächster Strang.
3. Dann gibt es die Menschen und ihre Erlebnisse und "Geschichten".
4. "Die politische Bedeutung der Industrie in der Nazi-Zeit und die dazugehörigen Folgen am Beispiel der Zeche Dahlbusch" - ein weiterer Blickwinkel, fast eine Doktorarbeit wert.
5. Die Vereinnahmung von Geschichte zu Propagandazwecken durch die Nazis: lesen, urteilen, handeln!
6. Die Gewinnung von Menschen als Akteure im Sinne einer guten Idee: braucht Überzeugungstäter.

Über all das kann man ausführlich nachdenken, reden und sich trefflich streiten.
Anonyme User tauschen sich hier bei den GG aus, wie auch immer im realen Leben sie zueinander stehen.
Dabei gilt:
Dass Verwalter eine eigene Meinung haben und äußern, das ist von Beginn an integraler Bestandteil der GG.
Die Trennung von Information und Meinung muss sichtbar sein.
Die Diskussion unterliegt einem Regelwerk.
Duldung von Fredentführung (s.o. Frage im Nachsatz) gehört nicht zu den Gepflogenheiten der GG.

Momentan gibt es einen Anfang für eine Wendung zur Fortsetzung der Diskussion an inhaltlich passender Stelle der GG - das finde ich gut.
Die Bereitstellung von Information und wie sie "internet-lesbar" gestaltet wird - das kann man lernen.
Sicher gibt es auch User, die bei der augenfreundlichen Darstellung von Sachinhalten Hilfen geben könnten, so dass Inhalt und Form der Sache dienlich werden (per PN wird ja sonst auch viel geregelt).

Wie gesagt, manchmal geht es schneller, manchmal eben nicht.

Troy

surfdonald
Beiträge: 144
Registriert: 10.12.2010, 22:25

Beitrag von surfdonald »

schade Quiqueg, du hast nun hier den vernünftigen ausstieg verpasst.

mit einer positiven erwartung jetzt etwas über dalbusch zu lesen,klickte ich gerade
auf *neue beiträge dalbusch* und sehe wieder das vermutlich ähnliche geschreibe.
(vermutlich, weil ich diese schreiben gar nicht lese.)

leider wieder nichts über dalbusch, der thread fing einmal so verheißungsvoll
und informativ an.
zweifel ist keine angenehme voraussetzung, aber gewissheit ist eine absurde

Benutzeravatar
Mechtenbergkraxler
Beiträge: 981
Registriert: 15.04.2011, 11:17
Wohnort: im Exil

Die moderne Dahlbusch AG

Beitrag von Mechtenbergkraxler »

Der Dahlbusch-Fred ist meiner Meinung nach offen für alle Themen rund um unsere Rotthauser Zeche, nur sollte wie in jeder guten Gesprächsrunde auch ab und zu das Thema gewechselt werden :wink: . Ich starte mal damit.

Wie ja öfter zu lesen war, gibt es nach wie vor eine Dahlbusch AG, was viele erstaunen mag, da die Zeche selbst schon 1966 ihren Betrieb eingestellt hat. Wer sich noch an die Gründungsphase der Ruhrkohle AG erinnert, weiß, dass der defizitäre Bergbau (der schwarze Bereich) ab November 1968 in die RAG Staatsholding übernommen wurde, während der „weiße“ Bereich, z.B. der Immobilien- und Beteiligungs-Besitz, noch in vielen Fällen bei den Altgesellschaften verblieben ist. Aus diesem scheinbaren Randbesitz sind zum Teil hochlukrative Gesellschaften entstanden, die nur noch im Namen an den Ursprung erinnern, z.B. Harpen (ehemals Harpener Bergbau AG) Concordia Bau und Boden (früher Concordia Bergbau AG). Die Dahlbusch AG ist ebenfalls nach wie vor börsennotiert, und auch über die Jahrzehnte hinweg eine attraktive Geldanlage gewesen.

Spannend ist die Frage, was so eine Altgesellschaft eigentlich macht, warum sie am Leben erhalten wird, warum z.B. die Dahlbusch AG zum einen eine 60,5 % ige Beteiligung an der Pilkington Deutschland AG hält, zum anderen aber einen operativen Umsatz von nur 9000 Euro meldet und tatsächlich keinen einzigen Mitarbeiter beschäftigt. Dass die Dahlbusch AG auch nach wie vor Verantwortung für die sicherheitskritischen Reste des alten Bergbaus trägt, kann man auch erfahren, wenn man sich mit dieser Gesellschaft näher befasst. Vielleicht kann ja ein Insider Näheres darüber erzählen. Hier geht es auch in keiner Weise um fragwürdige Geschäfte sondern eher um ein Stück Wirtschaftsgeschichte der besonderen Art.

Der Jahresabschlussbericht der Dahlbusch AG findet sich im Internet unter http://www.pilkington.com/resources/jb_ ... _11_12.pdf
"Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher." (Charlie Rivel, Clown)

surfdonald
Beiträge: 144
Registriert: 10.12.2010, 22:25

Beitrag von surfdonald »

info zur aktie ...

Die Dahlbusch AG firmierte bis 1989 als Dahlbusch Verwaltungs-AG. Sie ging aus der bereits 1851 gegründeten Belgisch-Rheinischen Gesellschaft der Kohlenbergwerke an der Ruhr hervor. Zuletzt waren in Gelsenkirchen fünf Schachtanlagen und eine Zentralkokerei in Betrieb, die jedoch 1966 wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt wurden. Am 15. November 1996 wurde ein Großteil der Grundstücke und Wohnhäuser veräußert. Dahlbusch erzielt nur noch geringfügige Erlöse aus der Vermietung und Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen und aus einem unbebauten Grundstück, das für gewerbliche Zwecke genutzt wird. Seit 1989 wird das Jahresergebnis entsprechend dem Ergebnisabführungs- und Beherrschungsvertrages von der Pilkington Holding GmbH übernommen. Außenstehende Aktionäre erhalten eine jährliche brutto Ausgleichszahlung, derzeit in Höhe von 37,77 Euro je Vorzugsaktie und 19,06 Euro je Stammaktie. Dahlbusch ist heute als Zwischenholding für die britische Pilkington-Gruppe tätig.

nun zur verflechtung ......

Die Pilkington International Holdings B.V. (Amsterdam; Niederlande) hat uns nach § 21 Abs. 1 WpHG mitgeteilt, dass die Pilkington International Holdings B.V. am 16. März 2012 die Schwellen von 75%, 50%, 30%, 25%, 20%, 15%, 10%, 5% und 3% der Stimmrechte an der Dahlbusch AG unterschritten hat. Die Höhe der Stimmrechtsanteile der Pilkington International Holdings B.V. an der Dahlbusch AG beträgt seither 0,0% (0 Stimmrechte). Die Pilkington Group Limited (St. Helens, Merseyside, Gro&suml;britannien) hat uns nach § 21 Abs. 1 WpHG mitgeteilt, dass ihr Stimmrechtsanteil an der Dahlbusch AG am 16. März 2012 die Schwellen von 3%, 5%, 10%, 15%, 20%, 25%, 30%, 50% und 75% überschritten hat und zu diesem Tag 99,81% der Stimmrechte (entspricht 1.345.227 Stammaktien und 336.852 Vorzugsaktien) betrug. Davon sind ihr 99,81% nach § 22 Abs. 1, Satz 1 Nr. 1 WpHG über die von ihr kontrollierte Pilkington Holding GmbH (Gelsenkirchen, Deutschland) zugerechnet. Gelsenkirchen, im März 2012 Dahlbusch AG - Der Vorstand -
zweifel ist keine angenehme voraussetzung, aber gewissheit ist eine absurde

Antworten