Zeche Dahlbusch

Die industrielle Vergangenheit Gelsenkirchens zwischen Kohle und Stahl. Alles was stank. ;-)

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Walhai
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Herbert Lange wieder erkannt

Beitrag von Walhai »

Schacht 9 hat geschrieben:@Karlheinz Rabas schreibt in seinem Bericht:
Bei der endgültigen Formgebung dieser sog. „Dahlbusch-Bombe“ haben von Beginn an der Maschinenbauführer Bischoff und die Fachkräfte der Anlernwerkstatt erfolgreich mitgewirkt.
Bild
Die Fachkräfte der Anlernwerkstatt waren damals, Obermeister Rabeneck links im Bild.
Schweissmeister Schulz rechts im Bild, mit Lehrlingen vor der Anlernwerkstatt, Anfang der 50er Jahre.
Schweissmeister Schulz leitete die Arbeit an der Dahlbuschbombe.
Der zweite von oben rechts ist unser Vater Herbert Lange, der leider vor 2.5 Jahren verstorben ist. Trotzdem freut sich unsere Familie ihn hier wieder zu sehen. :D Vielen Dank. BL+RL

Ratiogg
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Beitrag von Ratiogg »

Hey, gute Beiträge, schaue schon seit über einer std alles durch und dachte mir, "hoch damit", kann ja nicht sein, dass das hier in der Versenkung verschwindet :)


_________________
RIP http://www.finanznachrichten.de/nachric ... -fahranfae nger-stirbt-bei-verkehrsunfall-003.htm

Feldmarker Junge
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Dahlbuschgelände

Beitrag von Feldmarker Junge »

Hallo zusammen,

weiß jemand was sich auf dem ehemaligen Dahlbuschgelände tut, Bäume und Strauchwerk sind gerodet worden. Wird dort jetzt doch gebaut?

rotthauser
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Beitrag von rotthauser »

Es sollen dort wohl Garagen in verschiedenen Größen entstehen, allerdings nicht auf dem gerodeten Grundstück, sondern auf dem Grundstück daneben, Richtung Schulz-Briesen Straße. In den letzten Tagen hat dort so mancher Gelsenkirchener mit Kettensäge sein Kaminholz geschnitten.


Lukullus
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Beitrag von Lukullus »

Josel hat geschrieben:Im Gegensatz zur Zeche gibts die Dahlbusch AG noch heute; sie führt noch immer brav ihre Hauptversammlungen als Publikumsversammlungen durch.

http://www.hv-info.de/hvtermine_detail. ... rmaID=1384

J.
Hmm....Anlageberatung, Vermittlung von Immobilien....also da war mir die Zeche sympathischer und war irgendwie bodenständiger :-(
Na, und was die Publikumsversammlung angeht: bei den Eigentumsverhältnissen (99,irgendwas % bei den Glasmachern, einem Aufsichtsrat vor drei Leuten und einem hauptberuflichen Glasmacher als einzigem Vorstandsmitglied) wird sich das Publikum bei der Hauptversammlung wohl auf einen Notar beschränken, oder?
und wenn alle einmal nur Gutes über mich reden, dann weiß ich, daß ich tot bin

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

[center]Bild
Kohlewäsche 1925

Quelle: Wasmuths Monatsheft für Baukunst und Städtebau W.M.B. XII. 6 1928 S. 262
[/center]
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

Quiqueg
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Kann ich hier mitmachen?

Beitrag von Quiqueg »

Als Bürgerantragsteller in Sachen „Ernst-Käsemann-Park“ habe ich mich schon ausgiebig geäußert. Leider ist das Monolog geblieben - wo ich doch diskutieren möchte. Vorher habe ich keine fertige Meinung. Ich meine nämlich: Entschieden werden kann erst nach einer informierten Diskussion der Wissbegierigen, der geistig Lebendigen, der Empathischen. Sowas macht einen Stadtteil sexy. Was schließlich rauskommt, ist eher zweitrangig.

Der Beschluss der Bezirksvertretung aus April 2005 ist für eine vernünftige Entscheidung – mit Verlaub – scheißegal. Die Umfrage mit, ich glaube 80 Teilnehmern war ein Witz. Das Ganze ist nie in der Lebenswirklichkeit angekommen, niemand nahm den Beschluss ernst, selbst die Beteiligten – das muss man sich mal vorstellen – haben ihn vergessen. Und das mit Recht. Sie haben nicht einmal was gemerkt, als der Bürgerverein den 2005-Beschluss aus der Versenkung holte (siehe dessen Website).

„Invalidenpark“ wäre vielleicht gar kein so schlechter Name. Als Ex- Fachanwalt für Sozialrecht habe ich die Klassifikation der verschiedenen Grade von Silikose zwar vergessen. Ich weiß nur noch: Gegner im Kampf um Anerkennung war die BBG, Sektion Bochum, allgemein „die Sektion“, gesprochen „Sexion“, genannt. Und das Keuchen, Japsen und Husten habe ich noch gut im Ohr. Zu Anklagen eignet sich dies nicht, aber Rotthauser Geschichte ist es.

Am Rande: Die Führungsetage der Dahlbusch AG ist auf Rotthausens Straßen so gut wie vollständig vertreten, das brauche ich in dieser Runde niemandem zu erzählen.

Bei allen Überlegungen und Diskussionen „rund um den Park“ – ich möchte ihn vorläufig „Drei-Fragezeichen-Park“ nennen – ist für mich die Trauerfeier der NSDAP vom 31-August-1943 zur Schlüsselszene geworden. Der Bericht über sie findet sich jetzt im Forum „Bürgerantrag“, verbunden mit dem Aufruf zu einer „Initiative Gedenkstein“. Ich werbe hiermit um Unterstützung bei Jeder/m der /die dies hier liest – unabhängig von der jeweiligen Meinung zur endgültigen „Taufe“ des Parks.

Aber weiter: Was ist mit der Erinnerung an jene „Fremdarbeiter“, die zwar keinem Unglück, wohl aber ihren Arbeitsbedingungen zum Opfer gefallen sind?

Speziell zu Dahlbusch finde ich bisher kaum Material, Professor Goch vom Institut für Stadtgeschichte, der sicherlich helfen kann, ist zurzeit in Urlaub. Zum Schicksal der Fremdarbeiter_innen, speziell im Ruhrgebiet ganz speziell im Ruhrkohlenbergbau ist aber viel geforscht und geschrieben worden. „Fremdarbeiter“ von Ulrich Herbert ist hier der wissenschaftliche Leuchtturm. Inhaltsangabe? Will ich nicht, kann ich nicht auf die Schnelle. Hier nur einige Brocken:

Der „eigentliche“ Krieg, der Deutschlands unangefochtene Stellung in ganz Europa zur Folge haben, seine Ernährung auf lange Zeit sichern, der Industrie Rohstoffe erschließen, dem Mittelstand als Siedlungsraum dienen sollte: Das war der 1941 der Krieg gegen dieSowjetunion.
Ein Weltanschauungskrieg, in dem endlich die Maximen des Herrenmenschentums umgesetzt werden konnten. 153. Der Hungertod von „vielen 10 Millionen Menschen“ wurde nüchtern einkalkuliert: „eine harte Notwendigkeit“ (Alfred Rosenberg). 155.

Himmlers Rede in Posen von Oktober 1943: Die Russen ein edles Volk? Nein: Das ist eine dumpfe Masse: „Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10 000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.“
Die Verpflegung mit „Katzen, Pferden usw.“ (Göring) wurde zum geflügelten Wort, ähnlich wie die „Erdhöhlen“, in denen die Sowjets daheim angeblich hausten. Zwangsarbeit in Deutschland als eine Art Gnade im Vergleich zu den Lebensbedingungen zu Hause: Ein Gnadenakt gegenüber schon
zum Tode Verurteilten.

Keine Berührung mit deutscher Bevölkerung! Vor allem keine „Solidarität“. Die deutschen Arbeiter sollten von der Überlegenheit der deutschen Rasse nicht nur im Radio hören, sondern sie auch praktizieren können. Deutscher Arbeiter zu sein, sollte sich lohnen. 166

Die Basis der weitgreifenden Gemeinsamkeit in der Hinnahme und Planung eines millionenfachen Hungertodes der sowjetischen Zivilbevölkerung war ein weltanschaulich fundierter Russenhass, der Ursachen in den Traditionen des Antisemitismus, Antislawismus und Antikommunismus besaß.

Soviel zur „mentalen Grundverfassung“, der Grundsuppe, in der Deutschland mental schwamm.

Zur wirtschaftlichen Lage: Politische Führung und Industrie waren im Sommer 1941 auf Erweiterung der Ressourcen und die zurückkehrenden Soldaten nach einem schnellen Sieg ausgerichtet. Die Zahl der deutschen Arbeitskräfte war von Mai 1940 auf Mai 1941 um 1,7 Millionen Personen gesunken. Dem standen im September mehr als 2,6 Millionen offene Stellen gegenüber, davon 50 000 beim Bergbau. „Auf lange Sicht liegt nur richtig, wer sich Russen verschafft“, hieß es nach einiger Zeit.

Im Bergbau gab es lange Traditionen von körperlicher Gewalt und innerbetrieblicher Repression vor allem untertage. Für die verhassten Russen und die „italienischen Verräter“ wurde dies noch potenziert durch die besonders brutale Behandlung durch Steiger und manche deutsche Kollegen. Die Berichte über Misshandlungen sind in den Bergbau-Akten weit häufiger als in den Akten anderer Industriezweige.

Nun war die auch körperliche Auseinandersetzung der Steiger mit ihren Untergebenen nichts Neues; es gibt viele Berichte über den „Grubenmilitarismus“, in denen die Brutalität vieler Steiger auftaucht. Hatten jedoch die deutschen Bergleute viele Möglichkeiten, sich zu wehren – von der Beschwerde bis zur Drohung, dem Steiger könne demnächst eine Schüppe auf den Kopf fallen – fehlten den Ausländern diese Möglichkeiten weitgehend. 261

Die Ostarbeiter wurden verprügelt, weil sie Ostarbeiter waren. Die Linie des Weltanschauungskrieges und des Herrenmenschentums setzte sich im Bergbau weiter fort als in anderen Industriezweigen, wo schon auf Leistungserhöhung durch Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen auch für sowjetische Arbeitskräfte umgeschaltet worden war. 266.

In der Anfangsphase (1941) kamen im Bergbau Tausende der mit großem organisatorischem Aufwand aus der Sowjetunion bis ins Ruhrgebiet gebrachten Arbeitskräfte vor Erschöpfung um, nachdem sie unter elenden Bedingungen eine kaum ins Gewicht fallende Arbeitsleistung erbracht hatten.

Man wird nicht umhin können, einen rassistisch motivierten Vernichtungswillen und eine Art von Eigendynamik des Russenhasses zumindest bei Teilen der Betriebsleitungen und Belegschaften in den Zechen als wesentliche Faktoren mit einzubeziehen, die es möglicherweise in anderen Betrieben auch gegeben hat, die sich im Bergbau aber besonders verheerend auswirkten

Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen: Deren existenzsichernde Ernährung durch die Wehrmacht wäre möglich gewesen, was sich seit dem Frühjahr 1942 auch erwies. Vermutlich hätte ein großer Teil der sowjetischen Gefangenen, die bis zum 1.Februar 1942 an Unterernährung und Fleckfieber starben oder von den Einsatzkommandos umgebracht wurden, gerettet werden können. So aber kamen 60 % der 3.350.000 sowjetischen Gefangenen des Jahres 1941 um; 1,4 Millionen von ihnen bereits vor Anfang Dezember. 157.

„Grundsätzlich stehen 7 000 Kriegsgefangene zum Abtransport bereit. Hierzu ist zu bemerken, dass äußerste Eile nottut. Dem Vernehmen nach sterben im Bereich des Kommandos täglich etwa 2 000 Gefangene an Entkräftung. Der Abtransport musste unter anderen Bedingungen als bisher üblich erfolgen, da zwischen 25 bis 70 Prozent auf dem Transport starben.172.

Die Gefangenen, die die Ankunft im Reich überlebt hatten, waren so entkräftet, dass an eine Beschäftigung nicht zu denken war.

Da seit Dezember aber das gesamte Kriegswirtschaftsprogramm auf einen langen Abnutzungskrieg umgestellt wurde, war der Einsatz sowjetischer Arbeitskräfte unabdingbare Voraussetzung für die Fortsetzung des Krieges geworden.

So begann eine hektische Betriebsamkeit, durch Verbesserung der Ernährung die sowjetischen Kriegsgefangenen doch noch einsetzen zu können. 172.

„Es geht nicht an, dass die Leute uns hier bei der Arbeit verrecken. Ich habe verschiedene Gestalten im Lager gesehen, da ist mir buchstäblich ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen.“ (Ein Vorarbeiter bei Krupp). 228.

„ Es ist unsinnig, diese Arbeitskräfte in offenen oder unbeheizten Güterwagen zu transportieren, um am Ankunftsort Leichen auszuladen.“ 176.

In den ersten Monaten wurden die „nicht Tauglichen“ unter den angeworbenen Ostarbeitern – Kranke, Alte, Schwangere vor allem – wieder zurück in die Sowjetunion gebracht.
Der Zustand dieser ausgehungerten, kranken Menschen, viele von ihnen dem Tode nahe, machte auf die Bevölkerung in den besetzten Gebieten einen entsetzlichen Eindruck.

Im September 1942 z.B. begegnete ein Zug mit „Untauglichen“ auf dem Bahnhof in Berlin einem Zug neu angeworbener Ostarbeiter, was „zu einer Katastrophe hätte führen können. Wie in diesem Zug Frauen Kinder geboren haben, die während der Fahrt aus dem Fenster geworfen wurden, wie hier Sterbende im Güterwagen ohne Stroh lagen und schließlich einer der Toten auf der Bahnböschung landete, so dürfte es auch mit den anderen Rücktransporten bestellt gewesen sein.“ 191.

Entscheidung Hitlers vom 31.10.1941: „Großeinsatz für die Bedürfnisse der Kriegswirtschaft“: Eine Absage an die bisherige Politik und zugleich das erste Eingeständnis, dass die Kriegsziele im Osten nicht erreicht worden waren.

Nun setzten Teile der Führung (Speer mit Rückendeckung Hitlers) auf Technokratisches Mobilmachungsmodell - gegen Weltanschauung.164.

„Auf lange Sicht liegt nur der richtig, der sich Russen verschafft. 169. Tatsächlich wurde den Konzernspitzen wohl erst im Oktober 1941 deutlich, dass ihr Hoffen auf eine Rückkehr der deutschen Arbeiterschaft von der Front umsonst war – ebenso wie aufs erste die Aussicht auf Inbesitznahme der unermesslichen Beute, auf die man fest spekuliert hatte. 170.

Daher: Umstrukturierung der gesamten Kriegswirtschaftsorganisation im Dezember und Januar 1941 /42. 173. Ernennung Speers im Februar 1942. Er war womöglich der Einzige, der politische und ideologische Vorbehalte der Nationalsozialisten mit den Sachzwängen des Arbeitsmarktes in Einklang bringen konnte, zumal sich unter ihm eine Form der Wirtschaftsorganisation ankündigte, die in ihrem technokratischen „modernen“ Zuschnitt mit den agrarischen Zukunftsvisionen mittelständischer Nationalsozialisten kaum noch etwas gemein hatte. 177.

Es galt maximale Ausbeutung, politische Unterdrückung und rassistische Diskriminierung mit einer „einsatzgerechten“ Behandlung zu vereinbaren. 178

Andererseits war die Fixierung auf den schnellen und endgültigen Sieg über die Sowjetunion, auf das Ende von Entbehrungen und Kompromissen bei Volk und Führung so tief verwurzelt, dass die im Sommer 1941 eingenommenen Positionen weiterwirkten und radikalisierend auf die Maßnahmen gegenüber den Russen in Deutschland einwirkten. 164.

Die Kritik in der deutschen Bevölkerung an den „zu hohen“ Lebensmittelrationen für Ausländer riss nicht ab. Am 6.April 1942 wurden die Rationen für Deutsche gekürzt, dies wirkte auf die deutsche Bevölkerung „so niederschmetternd wie kaum ein anderes Ereignis während des Krieges.“ 189.
Seit dem Herbst 1943 wurde auch von höchsten Stellen immer wieder auf die Lage der Ausländer hingewiesen und dabei kaum noch ein Blatt vor den Mund genommen.

Die Knute bringt uns nicht weiter. Der Standpunkt, dass die schlechteste Behandlung, die miserabelste Behandlung und der minderwertigste Fraß für die Russen gerade gut genug sind, sabotiert geradezu Sinn und Zweck des Arbeitseinsatzes.

Die Praxis entsprach jedoch nicht diesen seit Stalingrad veränderten Zielsetzungen, weil seit 1944 die politischen Kurskorrrekturen in der Regimeführung nicht mehr in relevantem Maße nach unten durchschlugen.

Das gesunde Volksempfinden war durch die Erlasse nicht so ohne weiteres zu verändern: „Die Polen und besonders die Russen werden viel zu human behandelt. Das Arbeitstempo der Sowjetrussen ist nur dann ein gutes, wenn ein handfester Wachmann, Bauer oder Vorarbeiter dabeisteht, von dem der Sowjetrusse weiß, dass er unter Umständen auf der Stelle Prügel zu erwarten hat. Nur Arrest bei Wasser und Brot und gegebenenfalls Dresche werden das Gros dieser Leute zu einer anständigen Arbeitsleistung zwingen können.“

Haben wir dazu etwas zu sagen? Wenn ja – was? Ich freue mich über jeden Beitrag.Klaus Brandt

Quiqueg
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Fragen eines lesenden Laienschauspielers

Beitrag von Quiqueg »

In dieser Eigenschaft habe ich mir zwei Stündchen Zeit genommen und zunächst bei Roland Schlenker in „Ihre Arbeitskraft ist auf das schärfste anzuspannen“ (ISG Schriftenreihe) nachgesehen.

Dahlbuschbezogen finde ich dort:

In Dokument 1 „Aufstellung der Stadtverwaltung GE über Kriegsgefangenenlager November 1941 – Geheim“ : Nichts. Allerdings sieht es so aus, als könnte die auf S. 98 abgebildete Kopie mit den Positionen 1-17 (die nur Franzosen aufführt) unvollständig sein.

Im Dokument 2 „Aufstellung gem. Verfügung des Herrn Dezernenten vom 21-9-1942 über die von Januar 1941 bis heute (sprich: September 42) errichteten Barackenlager:

Dahlbusch Bromberger Straße 1 Wohnbaracke Fassungsvermögen: ---

Das weitere ist von nach dem Krieg:

Dokument 3 Arbeitsamt GE vom 4-5-1949 „Ost- und Westarbeiterlager (Unterkünfte)

(Ziff 13 Delog Ostarbeiter-Lager Mechtenbergstr. 98 76 m 51 w hier nicht einschlägig, weil nicht zechenbezogen; deshalb nur am Rande: Belegstärke 76 m., 51 w – Ukrain. Letztere dürften neben deutschen w. eingesetzt worden sein, wobei – laut Ulrich Herbert die deutschen Frauen wohl tagsüber in Teilzeit arbeiteten, während die ukrain.w. den Rest – Nachtarbeit eingeschlossen abdeckten. – Jedenfalls soll dies die Praxis gewesen sein, ob auch bei der Delog, weiß ich nicht).

Ziff 61 Dahlbusch Ostarbeiter-Lager Steeler Str. 149 / Bromberger Str. 52 m.112 w.3 alles Ukrain, wobei die 3 w. Ukrain natürlich nur über Tage eingesetzt worden sein können. Wo?

Dito vom 5-5-1949: Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos nach dem Stande von Mai-August 1944

51 204 R Dahlbusch Sportplatz 961 Russen.
Diese 961 Russen finden sich auch in der Aufstellung S.44 wieder, außerdem 2 Russen (Ost- =Zivilarbeiter in der Achternbergstraße), 11 Ukrainer in der Steeler Str. 149, 176 Russen und 1 Ukrainer in der Karl-Meyer- Straße 72, sowie 14 Russen in der Hartmannstraße 2.

Das wären 1165 sowjetische Zwangsarbeiter auf Dahlbusch. Ob die Zahl stimmt, weiß ich nicht, ich nehme aber an, die Größenordnung dürfte hinkommen.

Im Internet findet sich
Holger Menne / Richard Farrenkopf: Zwangsarbeit im Ruhrbergbau während des Zweiten Weltkrieges – Spezialinventar der Quellen in nordrhein –westfälischen Archiven


Danach enthält das Bergbau-Archiv Bochum (siehe Seiten 112 – 114) zu Dahlbusch unter anderem

Aufsichtsratsprotokolle 1938-1952, u.a. mit statistischer Übersicht über die von Juni 1942 bis Jan.1943 beschäftigten Arbeitskräfte. Wurde nur über Statistik geredet? Nicht auch über die Lage des Unternehmens? Die Gewinnerwartungen? Die Produktionsziffern und –erwartungen? Die Leistungen der Sowjets und der Deutschen? Wer war Vorsitzender? Sollte es Hermann Josef Abs gewesen sein, so wäre zu bedenken, dass er, was die Ausbeutung von Fremdarbeitern betrifft, kein Kind von Traurigkeit gewesen sein soll.

War der Unfall vom 23-8-1943 ein Nicht-Thema? Gefolgschaftsführer Lüthgen hatte auf der Trauerfeier erklärt: Die Ursachen seien noch unklar, auf jeden Fall sei das Unglück schicksalhaft. Der Unfall dürfte, wie gründlich oder oberflächlich auch immer, untersucht worden sein, die Zuständigen müssten einen Bericht erhalten haben – oder?

Unfallverzeichnisse für den Bergrevierbeamten u.a. … Quartale 3 / 1942 - 3/ 1943, auch diese dürften „etwas erzählen“ – was? Verzeichnis der Unfälle der Kriegsgefangenen 1943 -Unfallanzeigen für die „Sektion“, sprich Berufsgenossenschaft, u.a. 1-7 – 28-9-1943 und weitere, bis Dez. 1944

Lässt sich ein Bild zusammenfügen? Eine – wie immer lückenhafte – Geschichte erzählen? Ganz sicher nicht durch mich Laienspieler. Was sagt uns Karlheinz – kein Profihistoriker zwar, aber durch lebenslanges Lernen zum Experten geworden? – Was sagt uns unser als hochqualifiziertes Team seit Jahrzehnten arbeitendes Institut für Stadtgeschichte?

Oskar
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Re: Kann ich hier mitmachen?

Beitrag von Oskar »

Quiqueg hat geschrieben: Der Beschluss der Bezirksvertretung aus April 2005 ist für eine vernünftige Entscheidung – mit Verlaub – scheißegal. Die Umfrage mit, ich glaube 80 Teilnehmern war ein Witz.
Bei allen Überlegungen und Diskussionen „rund um den Park“ – ich möchte ihn vorläufig „Drei-Fragezeichen-Park“ nennen – ist für mich die Trauerfeier der NSDAP vom 31-August-1943 zur Schlüsselszene geworden.
Haben wir dazu etwas zu sagen? Wenn ja – was? Ich freue mich über jeden Beitrag.Klaus Brandt
Die drei Fragezeichen passen eher zum Beitrag von Quiqueg als zum Dahlbuschpark.
Beschlüsse von politischen Gremien sind scheißegal? Das wäre der Beginn von Anarchie.

Ich will nicht beleidigen aber das Ganze kommt ein wenig wirr daher. Was hat der Name des Parks mit den Zwangsarbeitern auf Dahlbusch zu tun? Wer soll hier einen Spiegel vorgehalten bekommen? Sind jetzt die damaligen Kumpel auf Dahlbusch Kriegsverbrecher oder Folterer?

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Ego-Uecke
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Beitrag von Ego-Uecke »

Liest eigentlich jemand diese Buchstabenwüsten?

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Ja.

Ich habs zwar nicht durchblickt, aber eine Ahnung worum es geht. Ums öffentliche Gedenken und Vorschläge, an wen und wie die Öffentlichkeit in GE gedenken soll und an wen nicht.
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

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Ego-Uecke
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Beitrag von Ego-Uecke »

Na gut, wenn es so ist, ich fühle mich überfordert von den Texten nicht nur in diesem Fred. Mir fehlt 1. der Durchblick, 2. die Teilnahme.

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Emscherbruch
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Beitrag von Emscherbruch »

Vielleicht lässt sich der Autor zu einer kurzen Zusammenfassung bewegen? :ka:
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

Ruhpottler46
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Beitrag von Ruhpottler46 »

Ich will nicht beleidigen aber das Ganze kommt ein wenig wirr daher. Was hat der Name des Parks mit den Zwangsarbeitern auf Dahlbusch zu tun? Wer soll hier einen Spiegel vorgehalten bekommen? Sind jetzt die damaligen Kumpel auf Dahlbusch Kriegsverbrecher oder Folterer?
Ist in meinen Augen auch etwas wirr. Zumal ich sagen muss das mein Opa zu dieser Zeit auf Dahlbusch gearbeitet hat und er in ein sogenanntes Umerziehungslager gesteckt wurde weil er einem fast verhungertem Zwangsarbeiter etwas zu Essen gegeben hat. Angeblich hat ihm ein anderer Kumpel angeschwärzt.
Nutze den Tag und habe Spass im Leben.

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