Freibad Grimberg -schluchz-

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Emscherbruch
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Erinnerungsanschubnachhilfe

Beitrag von Emscherbruch »

axel O hat geschrieben:Ich habe keinen blassen Schimmer mehr, wo sich das Bad genau befand.... nur wage Vermutungen. Ist halt recht lange her....
An der Bundesstraße 226 zwischen Erle und Wanne (damals Cranger Straße, heute Willy-Brandt-Allee). Von Erle kommend über die Emscherbrücke fahrend liegt das Gelände auf der linken Straßenseite. Sieht heute so aus http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 2448#92448

Wie gut ist eigentlich die Erinnnerung an Gerüche bei Menschen ausgeprägt? Wohl nicht so sehr.

Die unmittelbare Nähe zur Emscher war für empfindliche Nasen immer ein Grund, das Bad zu meiden. An heißen Tagen und nach längerer Trockenheit war der Emscherduft sehr ... würzig. Die fehlenden Parkplätze wurden im Laufe der Zeit zu einem ganz dicken Problem. Die Wiese neben dem Freibad war der einzige provisorischer Parkplatz. Da passten nicht allzu viele Autos drauf. Also war die ganze Straße rechts und links zugeparkt. Mehr Raum war nicht vorhanden. Ich kann mich daran erinnern, dass es zu kleinen Bränden kam, wenn heiße Auspuffrohre die ausgedörrten Grashalme entzündeten.
Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr war bescheiden. Die einzige Buslinie (98 später 398) verkehrte nur stündlich zwischen Erle und Wanne. Da blieb nur der Fußmarsch vom Forsthaus. Das wurde manchen Leuten irgendwann zu mühsam und in Nienhausen gab es ein Wellenbad. Mit dieser Attraktion lockten auch noch andere Freibäder in der Umgebung (Revierpark Gysenberg, Stimmbergpark) die motorisierte Bevölkerung an.

Letztendlich passte das Freibad Grimberg irgendwann nicht mehr in die Zeit. Die Gewohnheiten der Menschen änderten sich. Das Ende war keine Katastrophe. Und die Erinnerungen sind allemal schöner, als wenn wir uns heute nach einem Freibadbesuch über das viel zu enge und stinkende Gelände austauschen würden. Ich kenn uns doch :wink:
Zuletzt geändert von Emscherbruch am 24.08.2009, 12:54, insgesamt 2-mal geändert.
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

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timo
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Beitrag von timo »

Was mich etwas wundert: War es nicht extrem gefährlich, ein Freibad an einer Stelle zu betreiben, die nur über eine einzige, einspurige Straße zugänglich ist?

Was wäre gewesen, wenn es das mal zur Hochsaison zu einem schweren Badeunfall gekommen wäre? Möglicherweise an einem Tag, an dem auch noch ein paar Meter weiter die Cranger Kirmes stattfand und die Balkenstraße von Freibad- und Kirmes-Besuchern hoffnungslos verstopft war? Bis die genervten Autofahrer eine Gasse für einen oder mehrere Krankenwagen freigemacht hätten (sofern überhaupt möglich), wäre Zeit verstrichen, die im schlimmsten Fall über Leben und Tod entschieden hätte. :shock:

Schacht 9
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Beitrag von Schacht 9 »

timo hat geschrieben:Was mich etwas wundert: War es nicht extrem gefährlich, ein Freibad an einer Stelle zu betreiben, die nur über eine einzige, einspurige Straße zugänglich ist?

Was wäre gewesen, wenn es das mal zur Hochsaison zu einem schweren Badeunfall gekommen wäre? Möglicherweise an einem Tag, an dem auch noch ein paar Meter weiter die Cranger Kirmes stattfand und die Balkenstraße von Freibad- und Kirmes-Besuchern hoffnungslos verstopft war? Bis die genervten Autofahrer eine Gasse für einen oder mehrere Krankenwagen freigemacht hätten (sofern überhaupt möglich), wäre Zeit verstrichen, die im schlimmsten Fall über Leben und Tod entschieden hätte. :shock:
Als man das Freibad Grimberg plante dachte man wohl nicht daran, dass es Jahrzehnte später mal genervte Autofahrer geben würde. In den 50.er bis in die 60er Jahren war Auto noch ein Luxus. Es gab in der Zeit nur eine stets überfüllte Fahrradwache.
PS, das Rote Kreuz war ständig vor Ort und hatte im Eingangsbereich eine eigene Station.

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timo
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Re: Erinnerungsanschubnachhilfe

Beitrag von timo »

Emscherbruch hat geschrieben: Letztendlich passte das Freibad Grimberg irgendwann nicht mehr in die Zeit. Die Gewohnheiten der Menschen änderten sich.
Du hast genau das geschrieben, was mir gestern zu diesem Thread durch den Kopf ging. Ich habe das Freibad nie besucht, obwohl es zeitlich durchaus noch gepasst hätte (bei der Schließung war ich zehn). Meine Eltern waren, obwohl Grimberg von Beckhausen viel näher gewesen wäre, Nienhausen-Fans. Von Grimberg habe ich nur immer gehört, daß man da kaum parken könne und das Bad selbst auch nicht wirklich toll sei. Nicht einmal, als Nienhausen zwischenzeitlich ein paar Tage geschlossen hatte, sind wir nach Grimberg gefahren, sondern in's Grugabad nach Essen. Und meine Grundschulfreunde gingen mit ihren Eltern (wo ich mich manchmal angeschlossen habe) überwiegend nach Wittringen. Offenbar hatte Grimberg in den Jahren vor der Schließung bereits ein Imageproblem.

Ich wusste auch lange nicht, wo das Freibad überhaupt war. Meine Eltern haben immer erzählt, es sei in der Nähe des Zoos, was ja nicht völlig verkehrt ist. In meiner Vorstellung war es aber direkt daneben. Der Irrtum klärte sich erst auf, als ich 1988 mit dem Fahrrad zur Cranger Kirmes fuhr und mir auf dem Weg die damals noch "Freibad Grimberg" genannte Haltestelle auffiel. Da konnte ich es mir nicht nehmen, die Umgebung mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Soweit ich mich erinnere, wurden zu der Zeit gerade die Fuß- und Radwege auf dem Gelände angelegt, von Becken war bereits nichts mehr zu sehen.

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Benzin-Depot
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Beitrag von Benzin-Depot »

[center]Bild
Freibad Grimberg / Nichtschwimmerbecken

Quelle : "Stadt Gelsenkirchen"/
Presseamt der Stadt Gelsenkirchen/ Kunstverlag Bühn 1979
[/center]
„Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
(Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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Heinz O.
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Beitrag von Heinz O. »

Kurz ein paar Daten zum Freibad:

eröffnet am 8 Juli 1928

Gesamtfläche: 78.000qm

3 Becken: darunter eins mit 50 m Schwimmbahn

Baukosten: 600.000 Reichsmark

1958 fanden dort die Deutschen Schwimmeisterschaften statt

1959 wurden 350.000 Besucher gezählt.
Micha

Irgendwie machen GEschichten süchtig .......

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timo
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Beitrag von timo »

Schacht 9 hat geschrieben: Als man das Freibad Grimberg plante dachte man wohl nicht daran, dass es Jahrzehnte später mal genervte Autofahrer geben würde.
Als man es plante, ja! Aber 1983, als das Bad ja noch in Betrieb war, sah das schon völlig anders aus.
PS, das Rote Kreuz war ständig vor Ort und hatte im Eingangsbereich eine eigene Station.
Ja, das ist bei Schwimmbädern ab einer bestimmten Größe m.W. schon damals so vorgeschrieben gewesen. Aber so eine Station kann bei schweren Unfällen auch nicht mehr tun, als die Geschädigten bis zum Eintreffen des Krankenwagens notdürftig zu versorgen, und das auch nur bei einer sehr begrenzten Personenzahl. Ich befürchte, die Kapazitäten hätten bereits nicht mehr ausgereicht, wenn jemand im Gedränge auf der Leiter zum Sprungbrett abgerutscht wäre und ein paar andere Leute mitgerissen hätte.

Und was wäre gewesen, wenn die angekokelten Grashalme auf den als Parkplatz missbrauchten Wiesen rund um das Bad (s.o.) sich mal zu einem größeren Brand ausgeweitet hätten?

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rapor
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Beitrag von rapor »

Als Kind fand ich es toll, später war ich kein Freibadfan mehr. Grimberg hatte seine Zeit.
Mit "hätte, könnte, würde" kann ich wenig anfangen. Ich lebe in der Gegenwart und nicht im Konjunktiv 8)
Die Möglichkeiten für Spekulatius sind unendlich, aber müßig, es ist nicht passiert und nun wird es nicht mehr passieren.
Signaturen lesen ist Zeitverschwendung!

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Emscherbruch
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Emschertinte: Grimberg

Beitrag von Emscherbruch »

Eine Geschichte über Grimberg von Lo aus dem Blickwinkel der 1950er und 1960er Jahre.
http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... 9157#39157

Manchmal sagen Worte doch mehr als tausend Bilder :D
Lo hat geschrieben: FREIBAD GRIMBERG

Der Weg von Erle zum Freibad Grimberg führte zunächst über die Cranger Straße zum Forsthaus. Spätestens hier musste man sich für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden. Quer über die Cranger Straße verlief die Zechenbahn der Zeche Graf Bismarck, deren Gleise unmittelbar links am Forsthaus vorbeiführten.
Wählte man diesen (kürzeren) Weg, immer an der Bahnlinie entlang, musste man nach einer guten Strecke die Gleise an einem verfallen Bahnhäuschen nach rechts überqueren und hier ein Stück durch Getreidefelder gehen. Links der Felder kam man an einer Barackensiedlung für Obdachlose vorbei, die man Mau-Mau nannte. Diese wenigen hundert Meter an der Mau-Mau vorbei waren etwas gefürchtet. Geschichten darüber, dass die Mau-Mau-Bewohner hin und wieder die hier Vorbeigehenden überfielen, verkloppten und beklauten, nährten unsere Furcht und erhöhten an dieser Stelle unser Lauftempo.
Hatte man den gefürchteten Teil endlich und unbeschadet hinter sich gebracht, kam man an der Emscherbrücke der damaligen Cranger Straße aus, die hier eine S-Kurve machte. Von hier aus waren auch schon deutlich die ersten Freibad-Geräusche zu vernehmen: Nun waren es nur noch wenige Minuten bis zur ersehnten Abkühlung. Grimberg. Wir kommen.
Als zweite Möglichkeit gab es dann den Weg nur der Cranger Straße längs. Man ging also nun rechts um das Forsthaus herum, hinter dem jahrelang ein als Imbisswagen umgebauter VW-Bus, der von einem dicken, dunkelhaarigen, grimmig guckenden Mann betrieben wurde.
Man blieb hier auf der linken Fahrbahnseite und hörte bereits nach wenigen Metern lautes Hundegebell, das von dem links hinter dem Forsthaus liegenden Erler Tierheim stammt. Wenn man am Tierheim vorbei war, wurde der Weg Richtung Grimberg in der Sommerhitze lang und langweilig, weil er eben nur der Straße längs führte.

Hatte man dann endlich die stinkende Emscher an einer S-Kurve überquert, war es nicht mehr weit. Der Geräuschpegel allein verriet, dass das Freibad weiter vorne links liegen musste. Auch der Geruch von Chlor und Sonnencreme nahm zu.
Vor dem Freibad-Eingang stand links eine Trinkhalle, die zum Freibad gehörte und permanent belagert war, dann folgte nach rechts ein großes Eisentor, über dem ein weißgrundiges Schild mit der blauen Aufschrift FREIBAD GRIMBERG befestigt war.
Und wer mit dem Fahrrad kam, fuhr noch ein Stückchen weiter bis zur Fahrradwache hinter das Kassen- und Sanitätsgebäude.

Das zweiflügelige Eisentor wurde meist nur bei großem Andrang geöffnet, auch um Rettungswagen passieren zu lassen oder abends zum Freibad-Ende ab 19:00 Uhr alle Besucher schnell herauszuschleusen.
Rechts vom Tor ein kleines graues Gebäude mit mehreren kleinen Schalterfensterchen, aus dem die Eintrittskarten verkauft wurden. Davor mehrere Reihen hellgestrichener Eisengeländer, die die Besucherschlangen zu den einzelnen Kassen führten. Hatte man endlich seine 30 Pfennige (später mehr) bezahlt und seine Eintrittskarte im Empfang genommen, trat man durch die Türe und war drin.
Sofort strömte dem Besucher der schon vorher wahrgenommene Freibadgeruch entgegen, nur viel intensiver: ein Mix aus Wasser, Chlor und Sonnencreme.
Was ein erstmaliger Besucher sicher nicht vermuten würde: nach dem Eintreten befand man sich wirklich „oberhalb“ des Freibades. Ging man nur wenige Schritte nach vorn, stand man vor einer hüfthohen Hecke, die die gesamte, wirklich riesige Freibadanlage umschloss.
Der Blick über diese Hecke war überwältigend: wie in einem gigantischen, rechteckig angelegten „Tal“ befanden sich da unten die hellblau strahlenden Wasserbecken:
Links das tiefblaue Springerbecken mit einem 10-Meter-Turm. Direkt angeschlossen das Schwimmer-Becken. Verbunden durch eine breite, begehbare Mauer mit Startblöcken obenauf und Fenstern unter Wasser, durch die man von einem zum anderen Becken tauchen konnte.
Das Wasser hier im SCHWIMMER/SPRINGER war immer ordentlich kälter als in allen übrigen Becken des Freibades. Um beide Becken herum ein etwa anderthalb Meter breites, flaches umlaufendes Fußbecken mit Duschen in regelmäßigen Abständen.

Vom oberen Standpunkt des Betrachters folgte dann nach rechts durch einen wallartigen Wiesen- und Wegstreifen getrennt das „ALLGEMEINE“ Becken, das gleichermaßen von Alt und Jung, von Schwimmern und Nichtschwimmern am häufigsten aufgesucht wurde. Die Wassertiefe fiel von Kniehöhe bis zu 1,80 m ab. Ein dickes Seil trennte den Nichtschwimmerbereich vom tieferen Schwimmerteil.
Auch das ALLGEMEINE Becken war von einem umlaufenden wassergefüllten Fußbecken mit Duschen umgeben.
Ein schöner Spaß war es, mit mäßigem Tempo zu zweit nebeneinander durch das umlaufende Fußbecken zu marschieren, bis sich vor einem eine schöne hohe Welle aufschob, die dann zu beiden Seiten rollend überschwappte, leider auch ins Schwimmbecken selbst. Ein schriller Trillerpfeifton des Bademeisters beendete dann jäh unseren Spaß.

Um alle Becken gepflasterte Wege und überall Wiesenflächen, die mit Decken und Handtüchern belagert wurden, oftmals ganz dicht nebeneinander.
Rechts des „Allgemeinen“ Beckens erhob sich eine Art erhöhter Wiesenwall, auf dessen Anhöhe sich mittig ein mit dem Gelsenkirchener Stadtwappen getoppter Flaggenmast befand, einem Ausguck auf großen Schiffen nachempfunden, umgeben von einem niedrigen ovalen Mäuerchen, das gern von Müttern mit Kindern belagert wurde.
Von hier aus weiter rechts dann flach abfallend eine sehr große Liegewiese mit zwei nebeneinander angelegten flachen Nichtschwimmerbecken, die nur durch eine niedrige Mauer voneinander getrennt waren: „Pissbecken“ genannt. In jedes dieser Becken führte eine kleine bunte Metallrutschbahn.
Der Rasen um diese Becken war stets völlig durchmatscht.
Während das Wasser im Schwimmer/Springer- und dem Allgemeinen Becken strahlend blau schimmerte, fand man hier in den „Pissbecken“ nur eine warme, dreckig-grüne Brühe vor. Hiervon einen Schluck in den Mund zu bekommen, war uns eine ekelhafte Vorstellung.

Wieder weiter rechts eine große, nun ansteigende Wiesenfläche, die am obersten Punkt über drei Treppenstufen auf die Spielplatzwiese führte, die, wie alles hier, ebenfalls richtig große Ausmaße hatte und ringsum von einem Wäldchen umgeben war, in dem sich viele ein schattiges oder die Liebespärchen ein lauschiges Plätzchen suchten.
Auf dieser Riesenwiese gab es zwei Spielplatzgeräte für „Große“:
ein drehbarer Pilz, an den man sich, wenn man nur groß genug war, hängte und sich immer schneller werdend drehte, bis die verschwitzten Hände keine Kraft mehr zum Halten hatten, und man irgendwo landete.
Und ein sehr hoher drehbarer Mast mit vier dicken Seilen, an die sich meist die „Halbstarken“ hängten, herumschleuderten und sich messen konnten.

In dem Wäldchen zu rechten, also zur Straßenseite hin, lagerten einige Jahre lang Zigeuner in richtigen Holzwohnwagen, wie man sie von alten Zirkusbildern her kennt. Sie waren über das gesamte Wäldchen verteilt. Viele „Zigurras“, wie wir sie nannten, waren ebenfalls im Freibad zu sehen, zahlten aber keinen Eintritt: sie hatten sich, für jeden sichtbar, einen „eigenen Eingang“ in den Zaun geschnitten. Krach wollte keiner „mit denen“ haben. Also wurde es wohl geduldet. Nur hieß es immer, dass man besonders auf seine Klamotten aufpassen sollte...

Es lohnte sich aber, noch ein kleines Stück weiterzugehen, denn: hatte man auch diesen Spielwiesenteil durchquert, öffnete sich vor einem die tolle heiße „SANDWÜSTE“!
Die Sandwüste war eine riesengroße, nur aus feinem, hellem Sand bestehende Freifläche. Man musste schon gut Schmerzen aushalten können oder eine dicke Hornhaut unter den Fußsohlen haben, wenn man bei heißem Sommerwetter die Sandwüste barfuss durchqueren wollte.
Wir machten uns gern den Jux, uns zuerst im Pissbecken nass zu machen, schnell zur Sandwüste zu rennen, um uns dann in dem heißen Sand zu suhlen. So herrlich einpaniert rannten wir dann mit Gejohle wieder zum Pissbecken, um uns hier vom Sand zu befreien.
Diese Unsitte trug sicherlich dazu bei, dass das Pissbeckenwasser nie eine Chance hatte, mal richtig sauber zu werden….

All die beschriebenen Wasserbecken und Anlagen, mit Ausnahme der höher gelegenen Spielwiese und der Sandwüste lagen windgeschützt in einer tiefen rechteckigen Mulde, die ringsum durch steil hochansteigenden Rasenflächen und Grün umgeben war und von allen Seiten über mehrere großzügig angelegte Treppen erreicht werden konnte.
Oben umlief ein breiter von Rasen und Hecken umgebener Weg die gesamte Freibadanlage.
Wollte man sich ein Eis, Kuchen, oder Getränke kaufen, musste man „nach oben“, Richtung Straßenseite, die Treppen hoch.

Oberhalb zwischen dem Allgemeinen und des Pissbeckens befand sich eine schöne breite Terrasse mit Tischen und Stühlen und einem Masten mit einer großen Uhr obenauf, die weithin sichtbar war. Der zurückliegende Kiosk wurde ohne Unterbrechung von Massen belagert, weil es hier für den, der Geld hatte, alles gab: Würstchen, Eis, Pommes, Getränke, Sonnenöl, Kämme, Wasserspielzeug, Zeitschriften....
Rechts überdacht war separat eine Kuchentheke aufgebaut.
Wir haben spitzbekommen, dass man hier nach 18 Uhr an der Kuchentheke nach Kuchenkrümeln fragen kann. Für 20 Pfennige bekamen wir dann eine richtige Gebäcktüte voll mit leckeren, sattmachenden Streuselkrümeln, und manchmal war sogar ein ganzes Hefeteilchen mit dabei, weil es nur zerbrochen oder zerdrückt war und nicht mehr verkauft werden konnte. Jedenfalls war das leckerer als die mitgebrachten toten Kniften, bei denen die Rama stiften ging und sich die Wurstscheiben vonne Wärme dröge verbogen.

Freibad Grimberg war bei schönstem Sommerwetter jeden Tag proppevoll. Die Decken lagen dann wirklich „dicht an dicht“. Prima war es auch, wenn in der Decken-Nachbarschaft jemand lag, der ein Kofferradio oder sogar einen dieser neuen tragbaren Plattenspieler dabei hatte, bei denen man die Schallplatte nur in einen seitlichen Schlitz einschieben musste. Dann hörten wir die neuesten Schlager und hatten Spaß. Manche nahmen auch Gitarren mit und unterhielten sich und alle umliegenden Leute mit fetziger Musik.
Jeden Tag ins Freibad zu wollen, kostete ja auch Geld. Wenn ich Glück hatte, durfte ich bei Herbert und Berni im schwarzen Mercedes mitfahren, wenn sie abgeholt wurden, oder bei Boffens in ihrem schönen gelben Borgward Isabella.

Ansonsten war Laufen angesagt, denn die Tour mit der Straßenbahn kostete 20 Pfennige und endete ja schon am Erler Forsthaus, wo noch ein gutes Stück Fußweg vor mir lag. Ich nutzte daher sehr oft die Möglichkeit, mir im Freibad Grimberg Freikarten zu verdienen.
Das ging dann so: man meldete sich am frühen Nachmittag bei einem der Bademeister, und fragte, ob man abends Müll aufsammeln und Papierkörbe leeren dürfte. Denn hierfür gab es dann als Lohn eine Freikarte. Das Freibad schloss um 19 Uhr. Jeder Papiersammler bekam einen Bereich zugeteilt, der piccobello und frei von Müll sein musste. Das wurde dann auch von den Bademeistern geprüft. War er dann zufrieden, erhielt man seine Freikarte.
Der Nachteil allerdings war, dass man dann den langen Weg nach Erle zu Fuß und alleine machen musste, weil die anderen ja alle schon weg waren. Egal.
Dafür hatte man aber wieder einen Tag Grimberg umsonst gehabt.
Und dat war et doch wert, oder?

(c) Lothar Lange 2004
Stell dir vor, es geht und keiner kriegt's hin.

DThamm
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Beitrag von DThamm »

@Lo
Und die schönen Froleins und die ersten Bikinis und und und!!!

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Lo
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Beitrag von Lo »

Schacht 9 hat geschrieben:PS, das Rote Kreuz war ständig vor Ort und hatte im Eingangsbereich eine eigene Station.
Ja, stimmt.
Ich war als Schüler Mitglied beim Jugend-Rot-Kreuz in Erle.
Wir mussten - oder durften - damals bei Veranstaltungen (Radrennen) Erste-Hilfe-Dienst leisten, besonders gern taten wir das allerdings in der Sani-Station im Freibad Grimberg.
Meist waren Schürfwunden und Glasscherbenschnitte zu verarzten.
Die Sani-Station befand sich, wenn man durch den Haupteingang ins Bad ging, ein paar Türen weiter rechts - im gleichen langen Gebäude.
Unsere Belohnung dafür war, kein Eintrittsgeld zahlen zu müssen.
Eine Stunde "Dienst", der Rest schwimmen - und sich ab und zu wieder mal in der Sani-Station blicken zu lassen.
Komm´doch mal gucken: https://www.kohlenspott.de/

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Re: Freibad Grimberg im Herbst 2008

Beitrag von kleinegemeine01 »

Emscherbruch hat geschrieben:Die "Sandwüste" ist großteils von Pflanzen zurückerobert worden und es sieht alles irgendwie viel kleiner aus als in der Erinnerung.
Bild
Frage:
War es nicht so, daß sich die Wüste in zwei Teile gegliedert hatte?
Der vordere Teil war größer und ist tatsächlich mittlerweile stark zugewachsen.
Kam danach nicht der kleinere (Knutsch)Teil der Wüste, siehe Foto, teilweise durch Pflanzen/Hecken nur durch einen schmalen Durchgang erreichbar? Es pickste doch beim Hindurchgehen immer schmerzhaft an den nackten Füßen. (Brombeeren?)
Jedenfalls kann man dort auch heute noch mit dem Sand herrlich spielen, sacht kkg01.
Mama, der Sand hier hat eine gute Qualität.

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Saubermann
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Freibad -Sandwüste

Beitrag von Saubermann »

Mensch, kenne ich dann nicht die kleinegemeine01 von früher?
Hattest du nicht immer den blauweiß gepunkteten Bikini an?
Dann haben die Worte
-Kam danach nicht der kleinere (Knutsch)Teil der Wüste, siehe Foto, teilweise durch Pflanzen/Hecken nur durch einen schmalen Durchgang erreichbar?-
ja eine ganz neue Bedeutung :wink: :oops:

Wegen der vielen Erinnerungen war ich auch heute (gestern) auch wegen der Dose nochmal da.
Freibad Grimberg war schon eine schöne Zeit.
:roll:
    Ab und zu drehe ich mich abrupt um, nur um zu kontrollieren, was mir alles am A...rsch vorbeigeht!
    :2thumbs:

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    Beitrag von Benzin-Depot »

    kleinegemeine01 hat geschrieben:Frage:
    War es nicht so, daß sich die Wüste in zwei Teile gegliedert hatte?
    (...)
    habe ich auch so in Erinnerung...:ja:
    • Bild Freib. Grimberg / Sandwüste in den 60er Jahren (gefunden bei e..y)
    „Die Menschen", sagte der Fuchs, „die haben Gewehre und schießen. Das ist sehr lästig.“
    (Antoine de Saint-Exupéry / aus "Der kleine Prinz")

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    Beitrag von Kaluschke »

    Hallo zusammen;
    so sieht die Sandwüste im März 2010 aus:

    Bild

    Mitten durch geht der Radweg.
    Die Reste der Sandwüste sind neben dem Wohnhaus an der Straße die letzten Teile des alten Schwimmbades.

    Gruss Heiner
    Danke, dass Sie mir die Zeit genommen haben.

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